Abenteuerland

Mein Leben und Leiden im Nordosten von Brasilien... Eine Reise in eine unbekannte Welt!

Totgesagte leben länger!

Fast ein Jahr ist es her, dass ich hier nichts mehr verlauten liess... nun, untätig war ich deshalb trotzdem nicht!

Aber, erst mal, was ist geschehen in all der Zeit?

Am 21. Juli 2007 hat sich Hägar von uns in das ewige Reich von Odin verabschiedet. Das war für mich und meine Gata natürlich ein harter Schlag und einiges kam ins Wanken. Ein kurzer Abstecher in mein Heimatland, einige turbulente Prozesse mit der Hexe und trotzdem, wir sind nach wie vor wieder hier in JP!

Nun, ich kann das Blogen nicht lassen und deshalb hab ich mich vor einiger Zeit entschieden, einen eigenen Blog zu erstellen. Der ist zwar noch nicht ganz das, was er sein sollte aber immerhin! Der Vorteil liegt klar auf der Hand. Nicht nur kann ich jetzt problemlos tonnenweise Fotos einspielen, nein, eine Kommentarfunktion ist auch schon vorhanden.

Also, lange Rede kurzer Sinn... weiterhin schräge Sachen aus dem Leben hier in JP findet man ab sofort auf...

www.Danivo.net

Ich freue mich auf euren Besuch!

Morgens um sieben in JP

Wenn man, wie ich in den letzten vier Wochen täglich (also echt, JEDEN Tag) 12 bis 24 Stunden in einem Spital verbringt, dann fängt man unweigerlich an, Leute zu beobachten... aber, das für nachher.

Hägar ist, auch nach der langen Zeit, leider nicht aus dem Schneider. Jeden Tag, inklusive Samstag und Sonntag (liebe schweizer Ärzte, hergehört!) kommt die behandelnde Ärztin zu Hägar, meistens früh am Morgen, gegen sieben, halb acht und nimmt den dicken Verband von seinem Bein.
Die Evaluation ist nötig, sogar lebenswichtig für Hägar. Sie prüft nämlich nicht nur den langsamen Fortschritt sondern begutachtet auch den Allgemeinzustand Hägars. Das ganze ist für ihn sau gefährlich.

Das ehemals weisse Gewebe nekrosierte, starb also ab. Die Vaskulitis (so der Fachbegriff) führt dazu, dass die Haut einen Infarkt erleidet. Ja, Infarkte gibt es nicht nur am Herzen sondern überall, wo Blut fliesst. Es werden dabei die Blutbahnen im grossen Stil blockiert und das Gewebe stirbt unweigerlich ab. Ich wollte euch hier einen Link reinstellen, der das Phänomen erklärt. Leider ist es mit Hautkrankheiten nicht so einfach, wie mit einem gebrochenen Bein. Es gibt verschiedne Arten von Vaskulitis. Die die am ehesten auf Hägar zu trifft ist die "leukozytoklastische Vasculitis". Es gibt aber derart viele und zum Teil wiedersprechende Informationen... ich kann euch leider nichts weiter dazu sagen. Den perfekten Beitrag hab ich im Internet bis jetzt auf jeden Fall nicht gefunden...

Der Fuss färbte sich fast komplett schwarz. Dieses tote Gewebe gibt aber weiterhin Giftstoffe in seinen Körper ab und kann nicht nur zu Nierenversagen, Lungenentzündung, Herzkammerprobleme führen sondern auch das Hirn schädigen. Das ganze muss also weg... ohne das Bein zu amputieren, wenn nur irgend möglich! Das wäre die letzte Möglichkeit, sollte die Vergiftung für seinen Organismus einfach zu stark werden und lebensbedrohlich werden. Nun, die Ärztin, eine erfahrene Chirurgin und Spezialistin für eine solche "Mission Impossible", entfernt also jeden Tag ein wenig von diesem Gewebe. Stück für Stück. Immer mit der bangen Hoffnung, dass am nächsten Tag dieses Teilchen nicht wieder schwarz ist und somit eine Amputation unumgänglich würde. Jeden Morgen schauen ich und die Frau Doktor Hägars Bein und Fuss an, jeden Morgen um sieben, halb acht. Meistens mag ich dann nachher nicht mehr frühstücken.

Hägar selber verschläft oft das gesamte Prozedere. Er wird mehr oder weniger ruhig gestellt... was soll er auch sonst machen? An der Decke über ihm hat er sich schon längst satt gesehen und die Schmerzen, ohne die Medikamente, müssen wohl höllisch sein...

Nun, da man es gut meinte mit ihm, verschlief er oft ganze Tage. Zwischendurch wird er mal gewendet, verlangt nach Wasser, Cola oder Saft, wird gefüttert und gewaschen... immer mit und von mir. Das lass ich mir nicht nehmen! Das Dauerschlafen gefiel aber der Frau Doktor am 7.7. nicht mehr. Sie konnte nämlich nicht mehr erkennen, wie es denn um den Gesamtzustand steht und brachte uns alle ganz schön ins Schwitzen. Sie meinte, die Amputation sei zu 70% sicher. Das waren keine guten News! Ich sprach also mit allen beteiligten, darunter nochmals eine Ärztin, und verlangte, dass man Hägar auf ein minimum der Drogen einstellt. Ich vermutete nämlich stark, dass es noch nicht so schlimm ist, mit der Intoxikation.

Der Effekt war überraschend gut. Hägar war wieder bei Bewusstsein und meckerte ständig an etwas herum. Das fällt nicht so stark ins Gewicht, da er nämlich seine Stimme komplett verloren hat und dadurch nur noch flüstern kann. In den letzten Tagen, war also Frau Doktor eher wieder optimistisch gestimmt und erhöhte die Prognose, dass Hägar kein Holzbein braucht, auf etwa 50 / 50. Noch immer keines Jubelschreies würdig, aber besser als auch schon!

Inzwischen, ist bis auf kleinere Stücke bei den Zehen, die nekrose Haut abgetragen worden. Was jetzt kommt, ist das Bangen um die Wundheilung. Um dies ein wenig zu beschläunigen sprachen wir heute über eine Hyperbarische Oxygnierung mit dem Ziel, das gesamte Gewebe wieder zu revitalisieren. Gel Behandlung und tägliche Desinfektion mit einer sterilen Permanganat / Essiglösung werden ja schon angewendet.

Der weitere Verlauf und wann denn Hägar nun endlich wieder etwas Meeresluft geniessen kann, ist unklar. Auf jeden Fall....

...werde ich mich weiterhin damit beschäftigen die Gestalten im Spital zu analysieren. Die notorischen Drückeberger, die, wenn sie gebraucht werden, auch noch stöhnen, die Krankenschwester, welche sich in Hägar verknallt hat, die Seelsorgerin, ständig in Schwarz, welche wohl längst einen intensiv Besuch beim Psychologen nötig hätte,  und so weiter uns so fort. Denn, die Zeit in der Hägar in seinem Bett liegt, wache ich auf seiner Seite und drücke, zusammen mit euch, alle Daumen, die ich zur Verfügung habe.

Wer sich für weitere Fotos interessiert, dem werde ich bald die Möglichkeit bieten. Aber nicht heute, ich geh jetzt nämlich duschen und schlafen, bald klingelt wieder der Wecker und es ist mal wieder morgens um sieben, in JP!

P.s.: Natürlich habe ich Hägar alle eure Wünsche zur baldigen Genesung mündlich weitergeleitet! Ich denke, dass ihm dies Kraft gibt... mir auf jeden Fall hilft es, diese Zeit mit ihm durch zu stehen. Danke.

Nur für starke Mägen!

Kurz mal aus dem Spital, schnell einen Beitrag schreiben... mit Bildern, die nur für starke Mägen gedacht sind! Ich habe, aus verständlichen Gründen, diese Bilder nicht einfach so eingefügt. Ihr müsst jeweils den Link aufrufen (unterstrichene und blau markierte Wörter). Ich möchte hier nochmals daran erinnern, dass diese Verletzungen von einem bakteriellen Infekt her kommen, welcher, unter dem schwachen Immunsystem Hägars, so richtig wüten konnten und nicht von einem Napalm-Einsatz, obwohl es so oder ähnlich wohl aussehen würde.

Der Zustand von Hägar ist nach wie vor scheisse unbefriedigend. Da er schon 2 1/2 Wochen im Spital ist, ohne grösseren Durchbruch bei der Bekämpfung dieser ungemein anhänglichen Tierchen, wurde er gestern am Fuss Operiert. Ein nekroses (abgestorbenes) Gewebe an der Ferse des linken Fusses (innen), musste entfernt werden...

im Kreis sieht man das nekrose Gewebe

und auf dem Rist sowie aussen am Fuss wurde das lädierte Gewebe abgetragen. Hägar hat die OP gut überstanden. Eine weitere gute Nachricht, welche aus dem frisch aus dem OP geliefert wurde, war dass der Infekt "nur" oberflächlich ist und somit (noch) keine Sehnen oder Knochen angegriffen hat. Das Bein bleibt dran!

Aber vielleicht schnell zurück zum Anfang. Wie ich ja schon in meinen früheren Beiträgen schrieb, verletzte sich Hägar vermutlich auf einem Spaziergang und es siedelten sich Bakterien in der Wunde an. Auf folgendem Bild, seht ihr im roten Kreis den Anfang der Infektion, welche sich stark nach unten Richtung Fuss und ein wenig nach oben ausbreitete.

Die Folgen waren intensive Blasenbildung und danach eine Entzündung nach der anderen, obwohl Hägar da zu mal schon unter Antibiotika stand.

Wie gesagt, auf dem Fussrist und aussen, unter dem Knöchel sitzen die grössten Herde und diese wurden während der OP abgetragen. Die neueste Entwicklung wurde, mit der Abgabe von stärkeren Antibiotika (in der Zwischenzeit sind es drei verschiedene) am Innenbereich des Beines soweit gestoppt.

Die Folgen der starken Medikamente sind zum teil geistige Verwirrung, Fieber und ständiges Unwohl sein. Hägar hat keinen Hunger und ist, auch durch die fehlende Bewegung, wieder sehr schwach geworden.

Wir alle hoffen, dass er bald wieder sein geliebtes Hündchen zuhause in die Arme nehmen darf und ich bin sicher, dass auch Ihr ihm die besten Genesungswünsche schickt.



Da ich und Gata ständig im Spital sind, schreibe ich im Moment nur zwischendurch. Gerne werde ich aber wieder berichten, wenn es hoffentlich positive Veränderungen gibt!
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