Heute war mal wieder Montag. Einkaufsmontag.
Jeden Montag gehen meine Gata und ich einkaufen... für die ganze Woche. Das ist hier zwar nicht so üblich, weil einkaufen eine normalerweise tägliche Beschäftigung darstellt, aber ein wenig schweizer Kultur und Haushaltsplanung vorausgesetzt, geht das ganz gut.
Wir waren also mal wieder in unserem Lieblingssupermarkt. Er ist nicht der grösste am Platz, bietet aber alles, was man so im Alltagsgebrauch nötig hat. Meine Gata und ich sind ein eingespieltes Team und kriegen das Anhäufen von Lebensmitteln zum Teil in Rekordzeit hin (unter eineinhalb Stunden).
Meistens kann diese Tätigkeit als Leichtathletik oder sonstige gymnastische Höchstleistung angesehen werden. Wie auch in der Migros gibt es auch in Brasilien diese verlorenen Hausfrauen, welche es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben immer genau da zu stehen, wo man sie am allerwenigsten braucht. Entweder sinnlos vor sich herträumend (SENDEPAUSE), gruppenweise tratschend, natürlich mitten in der Verkehrshauptachse oder, völlig überfordert, mit drei, vier oder mehr Kindern im Schlepptau, die Benimmschule vor Ort praktizierend.
Nun, wie auch immer, wir haben gelernt mit allen Tricks und zum Teil technischen Hilfmitteln (Chäreli nach vorne stossen und dabei zur Seite weg schauen... usw.) dies alles in einer ekonomisch sinnvollen Zeit hin zu kriegen.
Heute wars aber ein wenig anders als sonst. Meine Gata spurtete sichtlich motiviert an die Fleischtheke und bestellte etwas, was nicht auf dem Einkaufszettel stand. Das ist selten, da wir uns normalerweise erst einen gratis Kaffee gönnen um uns dann, koffeingestärkt, in die Schlacht zu werfen.
Da meine Liebste aber morgen zu meinem Geburtstag was spezielles kochen will, bestellte sie ein Kilo Rinds Filet, beste Qualität, frisch geschnitten, ohne Fett... Hoppela!
Ein Kilo?! Kurz im Kleinhirn nachgerechnet, wusste ich, dass die anderen Sachen, die zu besorgen waren, leider nicht mehr in mein vorhandenes Bargeld passen würden.
Zur Errinnerung. Ein Kilo Rindsfilet im
Migros online Shop kostet....
 |
Stierli Stierli • Rinds Filet |
|
|
zwischen 180 und 220 g |
(max)
Fr. 18.70
Fr. 85.00/ kg |
|
Jawohl, Fr. 85.-- das sind in Brasilianischen Real ca. 143.--. Normalerweise komme ich so unter Real 200.-- für
alles durch. Das war auch der Betrag, den ich in meinem Geldsäckel dabei hatte. Nun, ich weiss inzwischen, dass Fleisch in Brasilien schon einiges günstiger ist als in der Schweiz und trotzdem gingen mir kalte Schauer über den Rücken... es langt nicht, ich muss noch Geld besorgen!
Ich wollte meine Gata aber in ihrem Enthusiasmus nicht bremsen und besinnte mich darauf mit der Karte zu zahlen. Elektronische Zahlungsmittel hatte ich ja dabei, VISA sei Dank!
Der erste Schreck verflog und wir grasten also weiter. Auf der Einkaufsliste war auch noch ein Giesskanne für den neu angelegten Garten auf unserer Veranda vermerkt (dazu später mehr). Diese wurde auch flugs zum anderen Grümpel dazu gelegt und der Moment der Warheit an der Kasse nahte.
Zur Errinnerung: eine Giesskanne kostet im Jumbo in der Schweiz...
| Blumengiesskanne FASHION |
Passend zum Handsprüher FASHION, in diversen Farben.
|
| |
| |
An der Kasse kam dann die grosse Überraschung!
Die Giesskanne kostete R$ 22.--, umgerechnet ca. Fr. 13.--
Das Kilo Rindsfilet kostete R$ 14.--, umgerechnet ca.
Fr. 8.--
Und was lehrt uns das jetzt? Man kann in Brasilien ca. 1.5 Kilo Filet für eine Giesskanne kaufen?! Oder, man isst lieber Filet als dass man Blumen giesst?! Dass Fleisch billiger ist als Plastik?! Dass die Brasiliansichen Kühe günstiger Fett werden als die Kannen das giessen lernen?!
Nein, liebe überteuerte Schweizer, dass zeigt, dass die Giesskanne in der Schweiz auf einem günstigen Preisniveau angeboten wird, das Fleisch hingegen sau (in diesem Fall rinds) teuer ist. Viel zu teuer...! Es ist nicht nach zu vollziehen, waum Schweizer Kühe ihren Wert beim Metzger verzehnfachen! Man muss dazu noch anfügen, dass der Rinderwahn, der wohl für die übersteigerten Preise zuständig ist, und schon auf die Fleischproduzenten übergegriffen hat, in Brasilien nicht statt findet.
Ich verstehe die Vegetarier in der Schweiz seit heute ein wenig besser. Sie kaufen nämlich öfters Giesskannen als Fleisch. Das ist gut so, in der Schweiz.
Ich rate aber jedem, der Vegetarier ist und hier in die Ferien kommt, das Vegetarier sein in der Schweiz zu lassen, dafür aber die zuhaus aufgetürmten Giesskannen mit zu nehmen. Die sind hier nämlich verhältnissmässig teuer, wenn man die Kaufkraft Schweiz / Brasilien einberechnet.
Hier lohnt es sich, Fleisch zu essen... en Guetä!