Beobachtungsgeschichten aus dem Alltag
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Die Schweiz - wunderbare Diva

Erstellt am 26 October 2012 at 11:07


Neulich habe ich eine Wanderung gemacht im Berner Oberland. Dabei ist mir eines wieder einmal klar geworden: Die Schweiz ist ein wunderschönes Land. Sie ist so schön, dass man sich manchmal vor lauter Faszination und Verliebtheit kurz setzen muss, um es zu fassen. Eigentlich ist sie kein Land, sondern ein Nationalpark, für dessen Besuch man ein hohes Eintrittsgeld verlangen möchte.


Aber ich hatte lange ein gespaltenes Verhältnis zur Schweiz. Fast eine Art Hassliebe. Bis ich begriffen habe, dass die Schweiz eigentlich kein Land ist, sondern eine wunderschöne Frau, mit einem ganz eigenen Willen und einer eigenen Dynamik. Eine richtige Diva eben! Sie bezaubert durch ihre Schönheit, sie ist klein, aber wohlgeformt, sie ist durch ihre Schönheit, durch ihre Ausstrahlung und durch ihre Intelligenz reich geworden, und wie alle Reichen ist auch die Schweiz etwas knausrig und selbstherrlich. Es sei ihr verziehen! Sie folgt ihren eigenen Gesetzen und sie mag es nicht, wenn man ihr vorschreibt, wie sie sich zu verhalten hat. Dafür ist sie viel zu stolz! Sie möchte bewundert werden, verehrt, geliebt, verführt - und lässt sich dann doch nicht verführen. Es ist nicht so einfach, mit der Diva Schweiz Bekanntschaft zu schliessen. Sie ist nämlich sehr skeptisch gegenüber Fremden. Fast könnte man meinen, sie möge keine Fremden. Aber das stimmt nicht. Es ist nur so, dass der Fremde sich um diese Belle bemühen muss - was würde man von eine schönen Frau denken, die sich sofort mit jedem Fremden einlässt und ihn sogar zu sich ins Haus einlädt, einfach so? Eben! Darum tut das unsere schöne Schweiz auch nicht. Ihr muss man etwas bieten können, damit sie nahbar wird. Sie hat ihre eigenen Gesetze. Viele Seelen wohnen in ihr, und so fällt es ihr manchmal schwer, sich für etwas zu entscheiden - und sei es noch so vernünftig. Nicht alle Seelen wollen das Gleiche, und so kämpft sie mit sich selbst, mit ihren Wünschen, Ängsten, Sehnsüchten, mit dem Verstand und mit ihren Vorlieben. Das hat das schöne Geschlecht nun mal an sich. Eine schöne Frau muss begehren, sich nach etwas verzehren, mit Vernunft und Sachlichkeit ist ihr nicht beizukommen. Meistens jedenfalls. Sturheit wäre dafür ein unangemessenes Wort, es ist eher Beharrlichkeit und eine Portion Launenhaftigkeit. Diese Schweiz, sie ist dabei kein junges Flittchen, sondern eine gestandene, in Würde gealterte grande Dame, die aber durch ihr Alter kaum von ihrer Schönheit verloren hat, obwohl auch an ihr der Zahn der Zeit nagt. Dabei ist sie trotz ihres Alters nicht altmodisch, nicht nur jedenfalls, sondern sie geht mit der Zeit, passt sich der Mode und den Trends an.
Wer sich nicht die Mühe macht, diese bezaubernde Dame zu verstehen, der wird sich nie mit ihr anfreunden können. Für den bleibt sie immer arrogant, überheblich, geizig, engstirnig, unkooperativ. Wer sie zu zähmen versucht, wird immer gebissen werden! Wer sich aber auf sie einlässt, sie bewundert, ihr verzeihen kann, ihr etwas bieten kann - dem erschliesst sich die ganze Faszination, die Schönheit, die Intelligenz und die Dynamik dieser Schweiz.
Und dafür liebe ich sie. Leider kann ich sie nicht heiraten, weil ich schon verheiratet bin - aber vor allem auch darum, weil die Schweiz sich nie heiraten lassen würde. Sich zu vermählen würde heissen, gezähmt zu werden. So bleibt mir nur die Liebe, aber diese Liebe erfüllt mich machmal  so sehr, dass ich nur vom Betrachten glücklich bin - und das ist die wirkliche, wahre Liebe, oder?

Von Freiheit und Plänen

Erstellt am 22 October 2012 at 08:38



Neulich parkte ich mein Auto auf dem grossen Parkplatz eines beliebten Einkaufszentrums in Schönbühl. Es war ein wunderbarer Herbsttag, Sonne und so warm, dass man es gut auch im T-Shirt ausgehalten hätte. Nach getaner Arbeit freute ich mich auf die neueste Ausgabe "meines" Automagazins und auf das gute Müesli der Bäckerei gleich neben dem Eingang.

Ich freute mich auch auf diesen Freitag: Freitag ist der Tag, an dem ich ab Mittag nicht mehr so viel überlegen muss und an nichts mehr denken muss. Da kann ich einfach in den Tag hineinleben und irgendwann zufrieden feststellen, dass der Tag vorbei ist. Alles, was ich nicht getan habe, mache ich dann am Samstag oder am Sonntag. Am Wochenende arbeite ich gerne, da habe ich Zeit.

Diese Freude, dieser Moment der Schwerelosigkeit der Gedanken, das hielt nur so lange, bis ich das Zelt beim Eingang entdeckte. MIGROS WEIHNACHTSMARKT. Weihnachtsmarkt! Es ist nicht so, dass ich Weihnachten nicht mag. Ich liebe dieses Fest und ich liebe die Weihnachtszeit. Aber Weihnachten, das gehört für mich in den Dezember. Und schon beginnen unangenehme Gedanken meinen Seelenfrieden zu stören. Was schenke ich meinem Vater? Was meiner Frau? Sollen wir nicht doch nach Paris über Weihnachten? Oder in die Lenk? Soll ich das Silvesterkonzert spielen oder doch mal auslassen? Ich hasse es, mich im Voraus festlegen zu müssen. Ja, Paris klingt nicht schlecht. Aber wenn es plötzlich viel Schnee hat, möchte ich lieber Ski fahren gehen. Ja, Weihnachten ist super. Aber bei Sommerwetter kann man doch keinen Weihnachtsbaumschmuck kaufen. Wer ist denn da in Stimmung? Ich mag es nicht, mir am Freitag überlegen zu müssen, was ich am Sonntagabend essen will. Warum muss ich heute einen Massagetermin für Mitte November abmachen, wenn ich dann gar keine Rückenschmerzen habe?

Ich lege mich nicht gerne fest und bin daher eigentlich grundsätzlich überfordert, wenn ich planen muss. Leider erwartet mein Umfeld dauernd von mir, dass ich plane. Welche Stücke spielen wir mit dem Musikverein im Sommer? Keine Ahnung, ich lerne gerade die Stücke für das Januarkonzert. Welches Stück führst du mit den Schülern auf Ende Juni? Woher soll ich das wissen, ich weiss ja noch nicht mal, was ich im November in der Projektwoche mache. Schatz, kommst du mit ins Konzert am 8. Dezember? Muss ich das etwa schon jetzt entscheiden? Gehen wir über Ostern weg oder bleiben wir da? Lass uns sehen, wie das Wetter wird.

So geht das fast jeden Tag. Ich bin doch keine Agenda. Ich möchte eigentlich nur eines, hier und jetzt leben, machen, worauf ich gerade Lust haben, was das Herz in diesem Moment begehrt. Was interessiert mich jetzt im Moment die Zukunft? Mein Kalender kennt nur Zahlen und Termine. Ich aber bin ein Mensch, habe Gefühle, Vorlieben und spontane Einfälle. Denen möchte ich nachkommen.

Ja, ich habe Pläne und kann durchaus sehr gut organisieren. Gewisse Dinge sogar im Voraus. Im Januar 2010 hatte ich Lust, meine Verlobte zu heiraten, und im August 2010 hatten wir eine wunderbare Hochzeit. Was muss man da ein Jahr im Voraus planen? Die letzten Probleme habe ich drei Tage vor der Hochzeit geregelt (etwa die Organisation des Aperos), und es war herrlich, einfach, weil ich in Stimmung war. Und nur darum war es so toll!

Daher kaufe ich mir jetzt spontan ein Bike-Heft, weil mich der Titel mehr anspricht als jener auf dem Autoheftli. Für das Autoheftli bleibt noch Zeit bis am nächsten Donnerstag. Und weil es plötzlich so gut nach Pizza riecht, gibt es kein Müesli, sondern Mafiatorte.

Freitag, ich liebe dich.

Freunde