Freakradio

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Der Gig

09:58, 20 September 2008 .. 1 comments .. Link

Die Vorbereitungen zu dem Ereignis liefen wunderbar. Unser im letzten Moment eingesandtes Demotape wurde prompt beantwortet und der Gig kam zustande. (Für den werten Leser: Ein Gig bedeutet im Musikerslang einen Auftritt :-)) Eine grosse Halle, viele Leute und eine PLattform für Bands ihre Eigenkompositionen einem breiten Publikum vorzustellen. Cool. Wir kommen.

Eigentlich begann das Desaster schon am Vorabend. Ich lud einen Freund zu einem Bier ein und sagte ihm gleich zu Anfang, dass wir es heute nicht übertreiben dürften. Doch daraus wurde nichts. Also wachte ich am nächsten Morgen verkatert und mit Kopfschmerzen auf. Nach Kaffe und einem erzwungenen Gipfeli machte ich mich auf den Weg. Als ich dann bei Urs, unserem Gitarristen ankam, sah Jael, unsere Backgroundsängerin, gerade ziemlich schockiert aus. Urs hatte im letzten Moment noch zwei weitere Backings eingeladen. "Profis, die schmeissen das schon." Sagte er. Es war der erste Auftritt Jaels, sie war schon seit Tagen nervös und das brachte sie nun vollends aus der Fassung. Ich war ähnliches schon von unserem Saitenzauberer gewohnt und sagte nur: "Okay, versuchen wirs." Und gleich gings weiter. Hampi, unser Drummer erschien und fragte Urs ob ihm denn bewusst sei, dass eine der beiden Sängerinnen seine Exfreundin sei und seine Neue gar nicht gut auf sie zu sprechen sei? Urs fiel aus allen Wolken. Nein, hatte er natürlich nicht daran gedacht. Das Telefon läutete, Hampis Freundin total von der Rolle.......Der Drummer mit zerknirschtem Gesicht versuchte seine Freundin zu beruhigen während Urs mit dem selben Gesichtsausdruck  sich gegen Jaels Vorwürfe zu rechtfertigen was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Ein Bild für Götter. Dann Aufbruch.

Wir fuhren los und vergassen die Sängerinnen. Vergassen sie wirklich. Beim Probelokal angekommen, begannen wir die Anlage zu verladen, als Urs in den Sinn kam, dass wir sie ja eigentlich auf dem Weg hätten abholen sollen. Also bestellten wir sie zum Proberaum und die Diskussion über Urs` spontane Ideen ging in die zweite Runde. Sie waren selbst nicht überzeugt von ihrem Vorhaben. Von wegen Profis. Ich kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus und konzentrierte mich auf das Verladen der Geräte. Nachdem Hampi dann noch seine Freundin und Kopfwehtabletten für die ganze Band geholt hatte (woran aber nicht nur die Frauen schuld waren, fuhren wir los. "Husch, husch, rutscht zusammen, ihr kriegt noch nen Hahn ins Körbchen", sagte ich als ich zu den vier Frauen ins Auto stieg. Die Reaktion darauf bestätigte gleich meine Vermutung, dass dies eine recht unruhige Fahrt werden könnte. Erst blödelte ich noch eine Weile mit ihnen herum aber dann sah ich ein, dass es besser war wenn zumindest ich die Klappe hielt. So ein Tohuwabohu....An diesem Tag verstand ich wohl, wie der Vergleich mit dem Hühnerhof zustande kam :-) Als wir dann nach einer knappen Stunde an der Konzerthalle ankamen, war ich echt froh aussteigen zu dürfen.

Die Halle im Appenzellerland in der sonst Kälber versteigert wurden, war als Konzerthalle umfunktioniert worden. Schön grosse Bühne, gute Anlage und ein Riesenmischpult. In der Mitte der Halle war eine grosse Bar aufgebaut worden, Bühnen. und Tontechniker waren voll an der Arbeit aber sonst war die Halle menschenleer. Grosse Tafeln an der Wand informierten über die Qualität der Kälber und den Verlauf der letzten Versteigerung. Wir begannen herumzublödeln, dass am Ende des Tages dann die Musiker versteigert werden, dann vielleicht die Frauen......Dann kam das Okay, die Anlage aufzubauen. War wohl besser so... Souncheck? Nein, die Tontechniker sind noch nicht soweit. Gut dann das erste Musikerbier (Teil der Gage oder in diesem Fall Spesenentschädigung, gratis und daher vor allem bei Urs sehr begehrt.) und die nächste Runde in der Was-tun-wir-jetzt-genau-Diskussion unter den Sängerinnen. Am anderen Ende der Bar stand Hampi mit diesem geduldigen Gesichtsausdruck, den ich an ihm so schätze und versuchte wieder seine eifersüchtige Freundin zu beruhigen. Anscheinend schaffte er es, denn als er dann zum Soundcheck kam, war er besser drauf. Urs hatte sich in der Zwischenzeit die hübscheste Blondine im Saal gekrallt und die Wartezeit mit Flirten verbracht. Zumindest für ihn war die Welt grade in Ordnung. Dann das Signal für den Soundcheck.

Der Mischer gab uns die Anweisung unsere Bühnenverstärker zurückzudrehen. Urs`Antwort haute mich glatt aus den Socken: "Nein, nein. Alle Profis spielen so. Sie regeln ihren Sound von der Bühne aus. So lass ich es, geht in Ordnung." Ich sah dass auch der Tontechniker gerade aus den Socken gefallen war und als er tief Luft holte, machte ich schnell einige Schritte auf den Gitarristen zu und sagte ihm, er solle sofort den Verstärker zurückdrehen. Als er dann nach dem Volumenknopf griff, bewegte sich dieser tatsächlich ein paar Millimeter nach links. Ich denke Urs ist das klassische Beispiel eines Rockmusikers. Weder mimt er ihn, noch zieht er irgendeine Show in diese Richtung ab, er ist es einfach mit seiner ganzen Art und seinem Wesen und ich habe immer gerne mit ihm Musik gemacht. Mit den oftmals chaotischen Begleiterscheinungen musst du dann halt klar kommen. Nach dem Soundcheck wurde unser Auftritt noch um eine halbe Stunde verschoben. Ausser den Technikern und einigen Musikern war die Halle immer noch leer. (Wer sagte noch was von einem breiten Publikum? Breit, in welchem Sinne :-)) Noch ein Musikerbier und dann kam Urs`Blondine auf uns zu und fragte ob sie Autogramme von uns im Gästebuch haben könne. In dem Moment als Urs unterschreiben wollte, ging eine Biene auf ihn zum Angriff über. Es sah wirklich köstlich aus. Während die Blonde mit dem Filzschreiber darauf wartete dass der Gitarrist unterschrieb, rannte dieser im Kreis um sie herum und versuchte dem kleinen Stachelritter auszuweichen. Ich rief ihm zu, wenn er schreiben könne, dann soll er es jetzt tun, worauf die Blondine in Lachen ausbrach und gleichzeitig das Signal zum Auftritt kam.

Dann rauf auf die Bühne, kurze Ansage der Band, 1...2...3...4...Action. Vom Auftritt Jaels, auf den ich sehr gespannt war, habe ich nicht viel mitbekommen ausser ein paar Fetzen, die mich nicht sehr begeisterten. Ein Stück begannen Urs und Hampi viel zu schnell, so dass ich abbrechen musste und nochmal anzählen. Live sollte so was nicht passieren. Immer noch zu schnell,aber wenigstens singbar für mich. Alles in allem: Wir waren verkatert, nervös, spielten eher mittelmässig und den Leuten gefiel es trotzdem. Nach dem Auftritt hagelte es Komplimente, was meiner Stimmung wieder zur Besserung verhalf. Na also Long life Rock`n`Roll.Danach (Du ahnst es) Musikerbier und Bratwurst. Der Mann an der Bar warf dabei den ersten Kontrollblick auf unsere Guthabenliste und hob die Brauen. (An einem anderen Anlass hatten Urs und Hampi den selben Betrag den unsere Gage betrug, nebenher an Bier konsumiert ) Dann die nächste Band (autsch, waren wir auch so laut?) während die Besucherzahl sich weiterhin an der Grenze des Bankrotts für den Veranstalter bewegte. Die vierte Band gegen 22.00 uhr spielte noch vor etwa 10 bis 12 Leuten. Nichts desto Trotz spielten sie voller Elan und Engagement. Mundartrock, genau mein Ding. Der Text war zwar wegen der immensen Lautstärke nur stellenweise zu verstehen aber "gfägt häts!" 

Der Typ

Am Ende unseres Auftritts waren wir gerade damit beschäftigt, unser Zeug einzusammeln. Ich suchte mein Handy, es war über die Bühne gepoltert, als ich rumhüpfte, als mich der Typ ansprach. Ob ich ihm helfen könne den Bassverstärker rauszutragen? Ich fragte ihn ob die nächste Band denn einen anderen benütze und er antwortete, dass er einfach den Auftrag erhalten habe, die Bühne abzuräumen. Also entkabelte ich ihn und wir trugen die schwere Kiste hinter die Bühne. Gleich darauf fluchte einer der Techniker, welcher Trottel denn den Bassverstärker abgeräumt habe. Der Typ hatte sich in der Zwischenzeit verdrückt und so trug ich den Verstärker mit einem anderen Musiker unter den Augen des aufgebrachten Technikers wieder rein und schloss ihn wieder an. Von da an sah ich den Typ an jeder Ecke der Halle stehen, immer mit Blick auf die Uhr und den Programmablauf. Nach dem Auftritt sprach er jede Band mit kritischem Blick auf die Uhr an, kontrollierte und so weiter. Nur von der Bühne hielt er sich fern. :-)

Der andere Typ

Auch er sprach mich bald nach dem Gig an der Bar an. Ich würde einen interessanten Bass spielen, Warwick Headless, alte Version mit Longscale. Er erkenne alte Bässe auf den ersten Blick und ein Freund..................und viel zu wenig Weiber hier und ........und volle Gitarrenpower, Sängerin braucht geilen Fummel.........und unsere Band....volle Gitarrenpower ey......Nach einer Weile ging ihm jeder in der Halle aus dem Weg oder sah plötzlich jemanden, den er begrüssen musste, während der andere Typ mit suchendem Blick durch die Halle lief, sich den nächsten griff und ihm die Ohren abkaute. "Weiber geile Fummel....volle Gitarrenpower ey......viel zu wenig Weiber hier....meine Band volle Gitarrenpower ey....Einmal sass er Urs gegenüber und erzählte ihm was als dem Gitarristen der Kopf sank und er einschlief. Das entrüstete Gesicht des anderen und sein Abzug liessen mich schallend lachen. Urs hob den Kopf und fragte warum ich lachte? Ich erzählte ihm von dem Typ und er fragte. "Welcher Typ, habe hier keinen gesehen." Ich konnte  mich vor Lachen kaum noch halten. Etwas später brachen wir dann auf und ich kam etwa um Mitternacht zuhause an. Hampi und Urs wollten noch in Jack`s Cafe was trinken. Von dort aus startete Urs dann noch zu einer Odysse, von der er erst Sonntag morgen nach Hause kommen sollte.

Das Finale

Etwa um ein Uhr morgens bestieg Urs den Zug, um nach Hause zu fahren. Gleich an der nächsten Station sollte er wieder aussteigen. Doch der Tag war lang, die Erlebnisse reichlich und das Bier frei. Fazit: Er schlief ein und wurde an der Endstation vom Schaffner geweckt. Ein Blick auf den Fahrplan sagte ihm, dass der nächste Zug zurück der erste Morgenzug um 5.15 war. Also ging er noch in eine Bar, flirtete mit einer Frau und bekam Aerger mit deren Freund und bestieg dann den ersten Morgenzug. Doch der ereignisreiche Tag auf den jetzt auch noch eine ereignisreiche Nacht gefolgt war forderte seinen Tribut  und Urs schlief ein.... An der Endstation Winterthur und weiter von zu Hause entfernt als je wurde er geweckt. Anschlusszug in zehn Minuten, der Saitenkünstler stieg ein und Du ahnst es, schlief ein. Aber ich denke irgendwo in den himmlischen Sphären hatte irgendein Engel wohl Erbarmen (vielleicht tat ihm aber auch schon der Bauch vor Lachen weh) und er weckte ihn in dem Moment auf als der Zug an der richtigen Station stand und schon wieder die Türen schloss. Es gelang Urs, den Halteknopf zu erreichen und er konnte endlich aussteigen und nach Hause gehen.

Michael Horn ,Arbon


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rock n' Röll

05:21, 20 September 2008 .. Posted by sioux
Tolles Geschreibe!

Ich war lange Sänger und auch mal Schlagzeuger
und habe geschmunzelt bei deiner Erzählung.
Hab ich jrgendwie alles auch erlebt. Wir machten mal eine kleine Deutschland-Holland Tour. Das gäb auch ein fettes Buch.

cheers_sioux

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