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2 ...Fortsetzung 1

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die keine Kritik erfahren, keinen Grund haben, und auch keine brauchbarere Wahrnehmung zu ihrem Thema leicht neben sich zuließen - dafür sind sie, nicht in den Prinzipien, doch in der Form zu kategorisch. Es ist eben zu merken, wie ihm der Schatten eines ziemlich bösen Königs zu nahe ist. Der Preußenkönig ist nicht Heraklit, und Kant ist nicht Platon. Der vernünftige Geist ist nur wahrhaft, aber nicht souverän wie ein König, der sich das Königsein erübrigen kann, oder ein Aristokrat, der weiß, was er an der Welt schon hat und den Weiteren nicht mißgönnen muß, was sie ohnehin nicht haben oder missen werden. Kant, Beispiel (erläuternder Text): Sittlich gut...einzig die Handlung, die aus Pflicht um der Pflicht willen, also aus Achtung vor dem Gesetz geschieht. Undsoweiter. Das ist zu stark. Sittlich getan ist, was die Sittlichkeit in ihrem guten Sinn beläßt, was ihren guten Sinn sogar ergänzt und bessert. Schon bestehende Sitte ist nicht genug. Wo bleibt die Transzendenz des Erkennens! Das Gesetz (die Wahrheit) will erkannt und geschätzt sein. Sonst ist es nur Raison, oder Gebot. Diese aber sind unvollkommen. Deswegen nenne ich Kant verstiegen - in der Praktischen Vernunft geht alles über Bord, was er in der Reinen Vernunft zurechtgestellt hat. Eher beiläufig aber nachhaltig weckt er daher in Mitschauenden den Sinn dafür, auf die Umstände des Denkers mitzuachten. Er gibt sich uneigentlich, und das bringt das Erkennen weiter, in Konsequenz. "Wer sittlich gut gelebt hat, ist der Glückseligkeit würdig" (so der Text). Nee nee: wer sittlich gut lebt, IST glücklich. Das ist ja gerade das Ideal der Eudämonie, und die Sittlichkeit BEGINNT mit dem Blick müßiger Gelassenheit. Wer das nicht kennt, kommt aus sittlichen Mühen nicht einfach dorthin. Alle gute Philosophie erläutert dieses Prinzip sinnstiftender Muße, unwissend verfehlender Unmuße in tausend logischen Gleichnissen. Kant ist eben sittlich, raisonniert als ein sittliches Subjekt wie jedes mögliche andere. Platon aber ist frei, und niemals etwas Anderes gewesen. Auch da aber hapert's (Dionysios), wenn's um sittliche Dinge geht. Philosophen haben 25 eben öfter die Nötigung, sich hinsichtlich der Sittenwelt uneigentlich zu geben (Sokrates), im Widerspruch zu oft reinster Freiheit im Selbstsinn, ihrer Erkenntnisse. Kant ist Protestant! Stell Dir vor: nicht die ganze Tradition nur, sondern die darin abgebildete, wahrste Wirklichkeit (das Thema Heraklits also wieder) verschwindet im Siebsand einer immer gleichen, vernunfthaften Gleichzeitigkeit (was Nietzsche den Augenblicksgeist, den letzten, nennt) - das ist doch fürchterlich. Was in der wirklichen Geschichte praktisch, und hinzu geistig Realität bewiesen hat, das ist doch nicht nur Raisonnement über Vermeinbarem, so, wie die Reine Vernunft nur von ihren eigensten Voraussetzungen gegenüber der immer unmittelbaren und mittelbaren Realität ausgehen kann. Was er dazu schreibt, ist so genial, so final gut. Und dann das Ausweichen in zeitlosen Konventionalismus - typisch protestantisch, typisch Sand. An sich wäre allem Raisonnement, das meint, zu Gott sich etwas denken zu müssen, also: meinen zu müssen (die Schrift kann nicht lächeln, aber immerhin, wie bei Platon, Vorstellungen produzieren, die lächeln machen – jeder logische Gottesbeweis ist Nichts, dagegen), wäre eine längere Erörterung beizugeben, wie eigentlich die Ahnungen, welche eine Metaphysik auf einen fernsten, gültigsten Gott bringen, entstanden sind aus einer langen Erlebensgeschichte des Dämons, des Divischen und des Titanischen. Das vergessen sie so vollkommen, da hilft keine Meinung, keine Logik mehr auf. Dieser Geist, der durch die Bilder (eidos, eben) der Menschenwelt solches numinoses Empfinden stiftet, welches sodann erfreut sieht, wie solcherart belebtem Wahrnehmen die Welt auch besser, wahrer antwortet, läßt eben vermuten, so wie ein meinungslos nur gegenwärtiges Lächeln, daß die Welt selber, als Ganzes, auch einem solchen Geist entspringt und entspricht, und die wirklicheren Gründe solchen Empfindens suggerieren sich als das Pneuma, also eine wie Atem so reine, elementale Wirkung, die ein jedes Wesen und Ding in seine Gestalt bringt, es dort in sich erhält, und den Logos, der erkennbare Weg, den solcherart die Dinge in der Welt miteinander nehmen. Aus diesem wieder emaniert ein elementareres Pneuma, aus welchselbem wissendes (nicht nur Wissen meinendes) Erkennen entsteht, in wahren Geistern wahre Per- und Konzeptionen erzeugt. So einfach ist das doch. Das ganze Reden, Meinen und Raisonnieren mit Gott und vor Gott - Kant selber stellt das doch so wahr heraus - ist nur Philologie, Griffekloppen mit einem Begriff, den man nicht selber haben, aber auch nicht verwerfen kann. Das kommt nicht klar, und, wichtiger: mit dem Begriff eines höchsten, letzten, alles durchwirkenden Gottes (verkapptes Abbild eines verabsolutierten genealogischen Prinzips) ist die Dämonie der Nur-Sittlichkeit 26 in ihrem besten, bösesten Argument geblieben: schon über den Daimon der Urgesellschaften kam ja keiner hinaus. Vor dem Geist müssen sie alle brav sein, und keine Geistigkeit konnte ihn daran hindern, nun mit feierlich rationalen, religiösen Argumenten ganz wie in ältester Dämonenzeit zu schänden, zu töten usw., da hat sich wenig geändert. Die nicht Freien hören nicht, außer in ihren letzten Hörigkeiten. Auch das ist wohlbekannte, namentliche Geschichte. Wo nur Sittlichkeit ist ohne die originale Freiheit des erkennenden Geistes, da ist die Welt des Guten schon lange zu Ende. In der Kritik der Urteilskraft weiter mit solchem Zeug. Kant ist ein guter Astronom gewesen, doch er lebte nicht mit der Natur, in einer Gegend, wo diese ohnehin eher arm ist. Daher konnte ihm nicht leicht innewerden, auch aus anderen, konzeptionellen, zivilisatorisch-sittlichen Gründen usw., was hier als wahrscheinlich erscheint (Darwin und das Weitere haben ja auch Phänomene zu sieben und den Blick für's Mannigfache zu klären geholfen), daß nämlich die verschieden phasierten Rhythmen und die Charakteristiken des näheren Weltalls (Planeten) Kraft- und Raumnischen an diesem Planeten vorprägen (vergleichbar dem Atem-Raumfeld um ein fliegendes Insekt), wohinein physikalische Wahrscheinlichkeit sich eher gefordert als getrieben hineinentwickelte, wonach dann Interdependenzen (Interferenzen) im so schon Entstandenen das System vertieften und variierten. Das nimmt den getriebenen Zweckbegriff aus der Teleologie. Es KONNTE so sein, also wurde es. Die gewöhnliche Entstehenserklärung stutzt zu sehr, schaut zu sehr nur vor das einzelne Ding oder Wesen, und borniert sich da. Diese andere, mehr dem Pneumabegriff entsprechende Erklärung hat zwar nur den Funktionswert einer inspirierten Hypothese, weil ein mechanistisch -physikalischer Beweis, seines zu kurz greifenden Aktuationsbegriffs wegen mit nur unmittelbaren physikalischen Elementen, zur Verifikation nicht taugt, aber ist dafür eben das, was Platon eine Idee nennt, den Sinn vom Ganzen her (das richtig ERKANNT sein will, nicht nur irgendwie begriffen) auf das mögliche Einzelne und Besondere bringend. Das Ganze ist ohnehin immer allgemeiner und eher als jedes Einzelne. Kein Ontologe würde das infrage stellen. So gesagt: dieser Ort, der Planet im Ganzen, ist aus dem allgemeinsten All in solcher Weise gut gesehen, daß in diesem "Blick", der Lichtheit (prädisponiert, vergleichbar der prästabilierten Harmonie), die Phänomene des Mikrokosmos (wozu alles Leben gehört, der mannigfachen Mikro- funktionen wegen, die in ihrer Phasenharmonie erst Leben ermöglichen) in solche als pneumatische Elastik erkennbare Kraftnoduln hineinfinden, Leben konstituieren, und anderen, statisch-dynamischen Kraftlinien und Feldern selbstentwickelnd folgen (Luft-, Wasserströme, Perspirationsformen, 27 Schwer- und Fliehkraft in ihrem Wechselspiel usw. das ist doch alles nur klar). (Nur unaufgeklärte Kinder, denen man nichts Rechtes sagen will, fragen doch verbohrt nach dem mechanischen Grund ihres Daseins, und ihre Eltern dürfen nicht ordentlich antworten - da ist das Motiv: aus dem Pneuma, aus der Liebe, auch nicht recht glaubhaft. Also...aber da wollte etwas. Die reine Möglichkeit neuerstehenden Lebens wollte gut gesehen sein - wenn schon nicht in der natürlichen Idee der Subjekte, die's zum Meinen braucht, so doch in der Physiologie ihrer Leiber und einer Welt, die ihnen die Kraft und Fähigkeit dazu gutsah, usw. usw. Wieso sollte das All, im Prinzip, das Leben selbst auf andere Weise herbeisehen!) (Das Problem der Freiheit ist damit gar keins mehr. Das Leben ist so frei wie die Materie, aus der es besteht, frei ist, sich in die präformierte Möglichkeit des Soseins zu finden. Die prästabilierte Harmonie ist eben nicht nur eine fazile LOGISCHE Meinung, sondern ein sehr fein am wirklichen All postulierbarer, realer Verhalt. Oh, der Leibniz ist so klug!) Kant, so zu sagen, hat kein Argument mit dem Geschmack. Das will nicht wundern bei einer Lebenswelt auf dünnfühligem Sand und fehlt auch Menschen, die ihm mitmerken, nicht so sehr. Aber die ganze Sache ist es damit leider nicht. Genial ist er vor allem bei dem, was Andere im Abstrakten schon weitgehend vorgerichtet haben - da kommt er auf letzten, klaren Grund. Zugleich ist dies aber auch verstehbar wie konsequent zu Ende geführte Logistik; deswegen heißt es ja: Reine Vernunft. Wenn man die Aporien als witzlos beiseite läßt, die Ring- und Fehlschlüsse entlarvt und erledigt, sich konsequent nur an ontisch klare Prämissen und solide attachierbare Logik hält, so kann nichts Anderes dabei hervorschauen. Im Prinzip wendet er nun die Descartesche Methode nicht nur auf das Subjekt der Erkenntnis an, sondern gleich damit auch auf's Objekt, das Ding an sich nämlich. So wie vom Descarteschen Subjekt nur das reine, unmittelbare Erkennen übrigbleibt auf einem nicht weiter reduzierbaren Seinsgrund, so bleibt vom Objekt, dem Ding an sich, nur die Tatsache, daß es existiert und erkennbar bleibt. "Ah, je vois" sagt Descartes, und Kant, der Astronom, zeigt trocken, sinnig, daß man durch das Teleskop von zwei Seiten durch- schauen kann - daß da von zwei Seiten etwas durchschaut. Und mit dem Rest der Menschheit will er nur seinen Frieden, da ist er das trocken protestantische Gegenbild zum fiebrig leidenden, so immens katholischen Pascal, den der Gedanke alleine schon leiden macht, von der Menschheit überhaupt etwas wollen zu müssen. (Der arme Pascal, vom Fieber der Kuh geschlagen - Grimmelshausen kolportiert, Heraklit sei so jung gestorben wie vergleichbar Pascal, in eine frische Kuhhaut gewickelt, die seine akute Krankheit lindern sollte. Da gehören wohl zweie zusammen.) 28 Die Aprioriker haben ja ein Argument, aber sie geben ihm nicht ganz die richtige Beleuchtung - die Selbstverständlichkeit, mit der das Argument verwendet wird, verbirgt eine subjektivistische Tendenz, die nur halb so störend wirkt, wenn man noch ein wenig was hinzuerklärt. Der Begriff "Vernunft" zum Beispiel wird meistens in solch einem geradezu onto- logischen Jargon angewendet, bei dem man meinen soll, derlei komme von Nichts. Dem ist natürlicherweise nicht ganz so. Nicht Jeder kann still allbewußt in seinem Sinnen-Atemleib so ruhen wie Platon, in diesem Ideal- zustand körperlich-seelisch-geistigen Befindens sich von zephyrfeinen Lüften und dem Feuer der Sterne zu Gedankenreichtum anregen lassen. Was in der allgemeinsten Gewahrheit schon der kleinen Kinder das weckt und unterhält, was später dann, in entwickelter Form, die Vernunft heißt, das sind die kontinuierlichen, wie gestisch so wahrnehmbaren Ereignisse im Subtilbereich natürlicher Umgebung, angefangen mit der langsamen, aber durchaus merklichen Bewegung der Sonne, des Mondes auch, und der Sterne, dem Irisieren dieser in flimmernder Nachtluft, dabei auch die überzeitliche Quasigestik des Lichtwechsels im Mond, dann feiner Wind zum Beispiel, der zwar unmittelbar nur Reizwirkung hat, aber in seinen Modulationen über längere Zeit den damit konsonanten ganzheitlichen Empfindungen (Grenzeffekt: Gänsehautfrösteln) "spricht", d.h. eine dem Körper und der Seele wie gestische Zuwendung so sympathetische Gewahrheit unterhält, usw. Hinzu die Gestenspiele der Tiere, fließendes Wasser, Bewegung im Feld und auf der Straße. Zuletzt aber und am deutlichsten in der Entwicklungswirkung auf die expreß vernünftige Welt- wahrnehmung der Ton, die Laune, die Meinung und Bestimmtheit der Sprache, auch im Tun, der Menschen, die für ein Kind ganz selbstverständlich so sehr Teil der Selbstwahrnehmung sind, daß es sich als fast identisch damit empfindet. Da am ehesten verdeutlicht sich, was es vernimmt; das Vernehmen solcherart, aufgelöst in einen allgemeinen Grundtonus lebendiger Wahr- nehmungsfähigkeit, der Bereitschaft, die Welt so bestimmt und bestimmbar gewärtig zu haben, nennt sich Vernunft. Angeboren ist dem Menschen und jedem Lebewesen dazu nur die Materialität seines Leibes, die Gewahrheits- fähigkeit seiner Sinne, die aus dem Atemgeist und den Bewegungssinnen sich ergebende Selbstverständlichkeit des Subjekt- oder Selbstseins als der natürlichen Antwort auf den Unterschied zwischen körperlicher Eigenheit und vielfältiger Welt. So, wie die ganzheitlichen Reizkonglomerate in der Lebensumgebung nicht per se monoton sind, kommen und gehen und oft gar nicht unmittelbar bedeutsam sind, sondern sich nur allgemein ereignen, erzeugen sie eine seelisch-sensuelle Resonanz der positiven Gleichgültigkeit, und damit einen Ansatz, in Aktivitäten z.B. auszuwählen 29 zwischen Möglichkeiten, damit eine elementare Freiheit, die ja schon in den natürlichen Variationsmöglichkeiten der Körpergestik ursprünglich gegeben ist. Daß man mit solcherart subtilgestimmter Vernunft (bei Kant in den Schriften der Praktischen usw. Vernunft klingt das verdächtig nach einem Tarnwort für "Vernünftigkeit", was ein Begriff ist für reine, horizontlose, jenseits aller Rechtfertigungsmöglichkeit nur voluntaristische Konventio- nalität) auch remote Wesenheiten jenseits der unmittelbaren Sinneswahr- nehmung und Begrifflichkeit auffassen kann, ist nur natürlich, indem der Atem z.B. im metabolischen Grund der Sinnesgewahrheit eine langsame Eigenzeitwahrnehmung erzeugt, die in einem Phänomenhorizont mit den langsamen Ereignissen der (vor allem natürlichen) Umwelt ist (sinnigerweise finden manche meteorologischen Formspiele wie die Veränderung des Wolkenbildes in etwa dieser Geschwindigkeit statt). Außerdem müssen ja bei der sehr vielfältigen Sinnenhaftigkeit der Phänomene die Sinne selber in wechselnden Konfigurationen sich koordinieren, in zudem einer (z.B. retikular vermittelten) Wechselwirkung von Aktion (oder Zuwendung) und Perzeption. Alleine schon die Integration der Sinneseindrücke ist eine induk- tive Leistung, wird sinnhafter, indem ein "Wesen", etwas so allgemein Ganz- heitliches wie die eigene Selbstwahrnehmung (die "unteilbare Seele") auch dem Wahrgenommenen sowas wie gegönnt wird - es ist dann so selbst- verständlich "Eines", wie es das Selbst und die wahrgenommene Welt als Ganzes sind. Da aber der Gewahrheitshorizont oder Halo nicht nur auf das Unmittelbare und akut Sinnfällige reduziert ist, in seiner subtil ereignishaften Allfälligkeit ohnehin der allgemeine Grund besonderer Wahrnehmung bleibt, ist es nur natürlich, daß (wiederum am Medium retikularen Ausgleichs) die Sinne, wo sie müßiger sind, nach induktiv-integralen Kohärenzen nur allgemein oder z.B. in sinnenhaften Engrammen der Dingwahrnehmung so etwas wie forschen, wie ja auch die Subtilwahrnehmung für das nicht unmittelbar Sinnfällige und Akute immer wach ist, selbst im Schlaf, selbst im Koma. Angeregt - und das gilt nun besonders für Kant, für die Lebenskultur seiner Zeit, besonders in Preußen - wird solcher Sinn und gewissermaßen intellektualisiert in einer fabriziösen Bedeutung durch nüchterne, angenehme Objekte in einer ruhigen Hauswelt, die durch ihre allezeit realisierbare Gegenwärtigkeit den Objektsinn, im Gedächtnis latenter Nebengründe, in seinen Sinnhaftigkeiten festigen oder bekräftigen. Das "Ding an sich" ist etwas, dessen sich das Gedächtnis vor allem in einer Kombination der taktilen und visuellen Sphären gut entsinnt, so, wie man sich eine Vase gut bedenken kann, die sich meist nicht direkt bemerkt in einem Nebenraum befindet. Kant bezieht gewissermaßen eine daseinsrechtliche Position zwischen Platon und Sokrates. Das Ding-an-sich, wie dieses remote, 30 wohlbekannte Objekt genommen, ist schon etwas sehr Idee-haftes. Wie der Erkennende, Denkende sich davon fernhält und so sein induktives Denken kühl anregt, so hielt Kant sich auch im Ganzen vom Leben der Gassen, der Stadt fern, hielt sich praktisch ein Leben lang in den Binnenereignissen des Hauses auf und vermied so, dem begegnen zu müssen und ausgesetzt zu sein, was dem Sokrates sein hekatischer Dämon ist. Die Sittenfurcht Kants ist ein Reflex auf diesen, und was er dem Denker antut, dem seine eigene elementare Geistesfreiheit nicht genug ist und der den Witz seiner Sache auf die Gasse trägt. Weil eben der Daimon der Sitte so rachsinnig zu sein beliebt (Sokrates mußte sterben wider jedes mögliche gute Argument), ist dem Immanuel Kant auch ein König recht, der seinesteils der Sittendespotie noch ein despotisches Extramaß draufsetzt. Weil man ja schließlich nicht nur bei Sokrates gesehen haben wird, welche Willkür eigensinnige Sitte sich erlaubt, wenns ihr keiner richtet. _________ ...verselbstetes Nichtsein... _________ Literarische Techniken ~ Teil- und Hilfsfunktionen... Wie man Gewahrheiten Halt gibt. _________ "Kommentarisieren Sie" - also: warte nicht auf echten Kommentar. _________ Mit Platon, etwa so: manchmal findet der Geist dieses oder jenes Fenster der Wahrheit, wenn er nur ein wenig rechnen muß! _________ Der elektronische Simulant... _________ Das Garantierbare - das ist Jupiter. Das Unvermeidliche - das ist Saturn. _________ "Also! Volkswirtschaft, das geht so: verdien' ich nichts, verdienst Du auch nichts" vorausgesetzt, Beides habe überhaupt miteinander zu tun. Und das volkswirtschaftliche Subjekt braucht überhaupt nichts zu sein außer: 31 Geld rein, Geld raus, Geld rein, Geld raus, und nichts muß übrigbleiben, sonst kann man, im Prinzip, kein neues Geld gebrauchen. Owehoweh! _________ Alle Werktage muß der gewöhnliche Mensch etwas sein. Die Canaille daher ist bestimmt am Wochenende das, was man nicht sein muß (was man nicht sein soll)... _________ "Werte" ach Du je. Vergenauert heißt dieser Begriff nicht selten: Daseins- werte. Die entsprechende Haltung der damit Argumentierenden ist: ja, worum gibt man denn was (worum begibt man sich). Das entspricht einem primitiven Sinn für Kultmäler, die man quasi blindlings, auch ohne jeden Verstand, jeden Sinn über das Symbolding hinaus, verehrt. Das ist philistin, und die Bedenker, bei denen "Werte" ein hauptsächliches Argument sind (dort ebenso unbefragt (nur erklärt) benutzt wie der Begriff in der weiteren Wirklichkeit auch), beweisen diesen Verhalt selber am besten, durch den Typ, der sie sind und die Dinge, womit sie sich befassen. _________ Ach! Wenn Du erst einmal darfst bemerkt haben, welch ein Bild die Welt selber ist, in allen Dimensionen!! ("was heißt 'eidos'!") _________ Modern gesagt: gut z.B. ist, wenn Du Licht siehst, ohne eine Glühbirne haben an eine Elektrik anschließen müssen - das ist schon gut. _________ Der Bordstein am ewigen Rand aller zivilisatorischen Unzeit... _________ Von Anfang an gilt und bleibt gelten: wer von der Idee zum Ideal ausweicht, der sieht nur noch den Spiegel, aber nicht das Auge Gottes. Das selber gibt es auch nicht zu sehen - das ist nur eine façon à dire - aber eine so wahre, daß man sie schwerlich durch Anderes ersetzen kann. Wem das nicht genügt, so wie es sagt, was man sagen kann, der hat auch in anderer Weise nichts zu sagen - nicht in diesen Dingen. 32 Nicht umsonst hat Platon die Phasen staatlichen Verwirkens - das ist noch nicht der Staat als Idee - in solcher Ironie dargestellt. Was Denker später, angefangen mit Aristoteles, so lehren in der Meinung, das wiederzugeben, was er gesagt & gemeint habe, kommt aus den Bornen ihrer sozialen Situation nicht heraus und empfindet beispielsweise hinsichtlich des Guten wie: Ja - was ist denn nun das Gute! Man muß doch etwas sagen können! Wie kann das sein, daß Geister, die sich in Platons Befindung vor & mit der Welt hineinkennen, so vordergründig in alle Gassen hinab deklamieren! Von der Idee gibt es nicht viel mehr zu sagen, einmal sie in aller Klarheit bestimmt und erkennt ist. Also reden sie von dem, was hinsichtlich ihrer vielleicht von Belang ist, und genau besehen, ist das nur Zeitvertreib. Die meisten der Denker sind so etwas wie Unteroffiziere des Weltgeistes, die dafür sorgen, daß das Volk etwas hört. Das kommt damit, daß aus religiösen Gegenden ein Jargon, ein Mythos auch, hinzugetragen wird, der sich nicht ignorieren lassen will. Der Dämon spricht, dem alles gehören muß, damit er es gelten lassen kann. Das hat ihnen das Imperatorentum seit Diocletian besorgt, dieses absolute, streng gegliederte Staatswesen. Dieses verhält sich zu dem Rom, das zunächst einmal aus seinem unvergleichlichen Geist diese Weltmacht zusammenbrachte, wie der Mond (der späte, welcher mit in den Tag scheint) zu der Sonne. Rom selber, das ist ein unendliches Feuer, aber die Staatsmacht später, die sich nach den Bedürfnissen zur Beherrschung riesiger Teilreiche organisierte, ist darauf nur ein flacher Reflex. Rom selbst ist eine Kraft, die alle anderen Kräfte in Europa, Afrika und Vorderasien bezwingen und überzeugen konnte. Die spätere, absolutistische Caesarenzeit zeichnet die längst domestizierte Welt aber in Muster, glasfein und blaß wie die Linien und Flächen im Mond. Genau besehen spricht ja auch diese Tatsache für die Kraft (nicht die Macht) Roms, daß es eben mit solcher Entwicklung seiner Machtformen der Sinnfälligkeit allgemeinsten Welterlebens (der späte Mond als Spiegel der Welt, blaß im hell kühlen Taghimmel) so symbolgenau zu entsprechen wußte - man ließ die Sinnfälligkeit solchen Himmelsbildes für sich sprechen und formte die Dinge der Erdenwelt danach. Wie das wirkt, läßt sich auch gut in der Philosophie nachweisen: der Gottesstaat des Augustinus ist gezeichnet mit eben diesem leichten reinen Licht der späten Mondzeiten. Überall sehen Menschen solche Zeiten immer wieder, Jahr um Jahr, für mindestens ein Drittel jeden Monats (bei entsprechendem Wetter - daher paßt diese Geistesart besonders zu bestimmten Ländern und Völkern, Slawen beispielsweise (Polen), Burgund, die Provençe, derlei, wo der Mond mit seinem Licht auf hellen, dünnen Böden feine Erscheinung hervorzeichnet) (die Idee des HALOS um das Haupt von Heiligen etc. kommt womöglich daher, 33 daß der Wanderer bei Mondschein in solchen Gegenden das Licht um den Schatten seines Kopfes irisieren sieht, in Sand, Mergel, Tau & Reif). Wo Menschen aber klug sind wie von solchem Himmelsspiegel, da schafft sich, was im Weitesten vergleichbar ihre Sichten formt wie die Gegenwart solchen Mondes, der Staat (dessen Instanzen nicht so allgegenwärtig sind wie heute, sondern nur deutlich beim Horizont der Wege) nach solchem Empfinden mit. Solche Menschheiten haben dann z.B. keine Scheu, grausam zu sein, aber sie entwickeln ein nüchtern brüderliches Menschenbild, das den Einzelnen erlaubt, aus dem Bann des Nur- und allzu Sittlichen, der Dämonie der zu großen Nähe des Nur-Nächsten, sich zu befreien - das war große Neuigkeit für's Altertum und wirkte durch die lateinische (provençalisch gegründete) Lebens- und Geisteskultur noch lange nach, bis zum Barock. Dann brach würgend (Seefahrt, Seefahrt, Seefahrt) ein humanistischer Saecularismus dagegen los, der zwar meinen konnte, Mond und Himmel in ihrer klaren Blässe genauso zu haben wie die Alten, wie das Lateinische - aber das stand nicht auf dem selben Boden, das kam mit dem, was urprünglich solche Geistigkeit gewesen als Überwindung lähmend dämonischer Sittlichkeit in Böden, wo Sonne und Erde miteinander wüteten, den Geist der Menschen verbrannten - Symbol dafür ist Jerusalem, die Kornfresserstadt des Dämons Jer - davon eben kam das nicht her, sondern aus grundlosen oder waldgebirgigen Landschaften, wo immer schon der Mond bestimmte Herden- und Volksgeister als einzig mög-liches Geist-Licht zu wesen gehalten hatte; das atmet nicht auf aus bösem Seufzen und schlimmer Plage, weil die Reinheit und feine Zeichnung des Mondes sie davon für eine Weile erlöst, sondern: da ist der Mond das Einzige, was die Wesen einander ineinander erkennen macht. Dort ist kein warmes großes Meer in seiner Schale, das Atem hinzugibt bis in die letzte Faser des Leibes und der Seele; Himmel und Meer, in der Nacht, atmen und scheinen nicht ineinander, so daß die Menschen ahnen, so tief, wie kein Seufzen geht, was das sein wird, der Eros des Allwesens, sondern alles Solide in den Horizonten ist Schatten im Mondlicht wie der Mond selber zu Neumond, wirft Schatten auf wieder Anderes, das nur zu Schatten wird, und nur die Seelen der Lebewesen selber glimmen nebelhaft auf vom Widerschein der himmlischen Nachthelle in ihren Augen, ihren Seelen. Praktisch ohne Atemseele sind sie, perspirieren in Atem und Empfinden leis vor sich hin so, wie Tau leise knistert und zu Tropfen wird, und Anderes - ist da nicht. Und was bei den Mediterranen Grausamkeit sein konnte bei aber einem allgültigen Empfinden von der Tugend und Freiheit des Einzelnen, davon bleibt hier nur solch eine abergläubische Furcht vor den bösen Möglichkeiten einer Sitte, die nur über diese Wesens-Seelenhaftigkeit des horizontlosen Mondlichts sich vermittelt, wie sie sich in der geradezu 34 würdelosen Respektivität Kants dem Herrscher und der herrschenden Sitte gegenüber zum Ausdruck bringt. Darin, sagt er mit jedem Wort, KANN gar keiner frei sein, und im Altertum, am Mittelmeer und in Frankreich wissen alle, weiß ein Jeder, daß er frei ist in dem Gesetz, das im Guten eher als im Schlimmen, für Jeden gilt, was immer er sei. Das ist der tief und gut besonnene Geist Platons, der den Menschenbegriff und den Geist der Institutionen formt durch alle Zeit bis zur Reformation, bis zur Entdeckung Amerikas und erster Ausbeutung fernster Kolonien. "Geist der Institutionen", das sei hier großzügig zu sehen: die ganze Gestalt von Orden z.B. in ihrem besonders so und so definierten Verhältnis zu Menschen, zur Welt, zu Gott formt jeweils eine gewisse Wendung des Denkens mit platonischer Allgelassenheit und aristotelischer Ordentlichkeit so aus, daß die Einzelnen im Gefüge solcher Körperschaften (wie man das ja heute nennt) nicht meinen müssen, was die gelassenste, weiteste Sicht an ihrem Befinden in und dann mit der Institution im Ganzen solch wohlverstandener Welt sagen, oder: gelten lassen kann - und doch werden sie sich immer richtig befinden zum Ganzen und teilhaben, bewußt oder nicht, an der Wahrheit, die es durchwirkt, mit der es sich beweist. Und Jene, die vielleicht wissen, welcher sublime Witz in diesen Fügungen steckt, werden so heiter über jedes Lächeln gar hinaus - da findet sich dann wieder, was die Alten Äther nannten, der grenzenlose, kitzelnde Reiz im Grund allen Atems, bis ins letzte Atom der Atemseele, vom still funkelnden, in reinen Atomfarben irisierenden Licht der Sterne in den Himmeln drüben am Mittelmeer. Wer dies einmal in seiner ganzen Tiefe gespürt hat, der findet es dann auch beim Erkennen mancher sublimer Verhalte, in der Gewahrung solcher Dinge, die aus solcher ersten Empfindung erdacht & gestaltet wurden. Da ist Logik! Das möchte loskichern aus diesem Gespür wie Sternenall-Ätherglitzer, bei jedem wahren Gedankenpunkt, der merkbar wird. Ach Gott, sagt man, wer will denn je weg aus solchen Himmeln, wenn er sie nur einmal wirklich gesehen hat, gesehen mit ganzem Leib, ganzer Seele, mit allem, was er spürt von seiner Existenz über den Moment hinaus. Und mit dem Guten, nicht wahr, verhält es sich geradeso. Wer es einmal wirklich erkannt hat, der kennt keinen Zweifel mehr, auch nicht in dieser Welt. Not vielleicht, Pein, Leid auch am eigenen Selbste - aber keinen Zweifel. Das ist es, was Platon den Menschen sagt in vielen Beispielen, vielen Wendungen. Die er gebraucht, weil er die Menschen kennt, mit denen er's zu tun hat. Denen ist das allezeit mitgegenwärtig, aber aus der Wahrnehmung wie ent-wendet. Sokrates hilft seinem Argument, indem er den Menschen ihre Vorurteile so, vergleichsweise, entwindet, und wo nur ungefaßtes Erkennenkönnen übrigbleibt - da setzt Platon ein und erläutert ihnen, wovon Weltkenntnis, Mythos und Sage so oder so immer schon mit-wähnten... 35 Nominalismus - ja, eh! Was eine Idee ist, das versteht doch jedes Kind, sobald es lernt, Worte auf Verhalte zu wenden, die nicht einfach unmittelbar anschaulich sind, einen Tag zum Beispiel. Oder Bewegung, Ursache und Folge. Der Universalismus definiert die Universalien mit genau diesem Merkmal: daß nicht unmittelbar erkennbar ist, was das universale Merkmal an verschiedenen Dingen ist. Was Leben ist z.B. erschließt sich als Begriff erst in zweiter Hinsicht, mittels Harrens und Bedenkens. Wer nominalistisch denkt (oder vielmehr: wahrnimmt) verhält sich zu den Erscheinungen, die er deutet, wie ein witziger Kopf, der an den Figurenelementen der Malerei auf einer archaischen Vase herumdeutet. Derlei mag gute Erkenntnis- gymnastik sein und eine Übung für den Witz, aber es wird wohl nicht leicht Sinn machen mit dem, wie sich Dinge ohnehin befinden. Der Universalist kann sich, ganz wie Platon, in sich selbst zurückziehen, die Dinge möglicher Erkenntnis ebenso bei sich lassen, und muß sich damit noch nicht aus dem Erkennen selber verabschieden - die Dinge sprechen zu ihm in der Stille seines Geistes. So sieht der Nominalist nicht aus. Wo er nicht deuten kann, da kann er nur leer systematisieren, und muß den Dingen dauernd auf den Hacken bleiben, sozusagen, wenn er wahrlich sein will. Der Nominalist lernt Worte, der Universalist sieht Dinge. Der Nominalist als Simpel kennt die Dinge der Welt wie die Figuren in einem Bilderbuch, erläutert sich deren Dasein und Verhalte so, wie er sich diese extra erdeuten kann. Was er nicht erdeutet, also explizit im Konnex dazu zur Kenntnis genommen hat, das kann er nicht für wahr nehmen. Wo er so vordergründig sich etwas ereignen sieht, da bleibt ihm im Prinzip nur eine wie mengenlogische, nicht ursächlich mögliche Addition von Ereignispartikeln, die nur wie wahrscheinlich sich miteinander vorfinden. Da ist schon kein wirklicher Gebrauch der Begriffe Substanz und Akzidenz möglich - die haben nur noch Bezeichnungswert. Der Universalist akzentuiert aber die Organizität solchen Miteinander- Erscheinens, und deswegen das Postulat, diese Verhalte haben eine abstrakte Existenz in sich. Das läßt, sozusagen, die Seele des Erkennens im Körper des Dinges, und lauscht diesem, schaut es an, so wie man ein lebendes Tier ansieht auf das, was es in seiner eigensten Meinung von sich & seiner Welt wohl als Nächstes, oder überhaupt, tun wird. Und wo man solcherlei sieht, vielleicht findet man sogar, was einem das nicht nur deutbar, sondern wirklich zu sagen habe. Der Nominalist sieht nur, worüber er mit Anderen reden kann. Und selbst, was und wie Jene sind, das kann er nicht bestimmen und berufen, im Prinzip. Deswegen sind Nominalisten auf Affirmation angewiesen des geltenden Geistes, und nicht, was sich ereignet und wie das sich Ereignende vom Wesen spricht (: Logos), heißt ihnen objektiver Geist, sondern jene Geistesverfassung, auf die Alle schwören müssen, 36 damit sie einander über die Dinge auch etwas zu sagen, zu berichten haben. Was aber die Nominalisten zur Affirmation ihres Objektivgeistes berufen, das kann nur möglicher Selbstempfindung der miteinmeinenden Subjekte sein, und daher haben sie bald Einverstand mit dabei beliebig gemeiner Geister, deren Verfassung des Erkennens ja auch so ist. Und dort herrscht eine Mythologie meinbarer Ursachen, dessen, was man sich nicht explizit, sondern nur implizit erklären kann, womit dem Dämonisieren jede Möglich- keit offensteht, und jede Deutung, die nur probabilistisch ist. Es ist der Affe, der der Welt SEIN Spiel abspielt, weil er zu der Welt, wie sie wirklich ist, keinen Mut und keinen Geist hat. Er hat nur das, was er selber kann, und selbst die Geltung der Logik endet da, wo er will oder nicht will. Ach. Die Fragestellung des Universalisten ist: wie ist es wohl überhaupt. Die des Nominalisten: so, wie's ist: was ist daran nennenswert. Der Probabilismus des Universalisten findet sich im Ding, im ohnehin immer nur teilweise Erkannten, und rät mit der Idee, die's ihm gibt. Der Nominalist spricht probabi- listisch nur von der Möglichkeit eigenen Erkennens: Gewißheiten für Zweifler. Descartes ist unter Anderem deswegen so genial, weil er diesen Unfug auf den letzten Punkt gebracht hat. Nur im Selbsterkennen zweifelt der Zweifler nicht. Dann kommt er, ebenso Kant, darauf, daß wir bestimmte und nennenswerte ( ! ) Wahrnehmungen haben über die materiale Welt und ihre Weiterungen, weil diese Verhalte in material geformten Leibern nun einmal miteingebunden sind und so, aus der Wahrnehmung von Materie für Materie, klare & bestimmte Vorstellungen erfolgen. Damit erreicht er eine dritte Position, eine elementar existenzialistische, wo er nun, aus dem vorder- gründigen Erdeuten des Nominalisten und dem mißverstandenen Idealisieren der Universalisten entkommen, wie blicklos, aber offenen Auges in sich ruht: "es verhält sich das Erkennen daher sooo..." usw., aber dann kommt nicht mehr viel hervor. Kant hat es da keineswegs besser. Anstatt inspiriert die Welt universalistisch einfach zu erzählen (Feudalgeist), nimmt er dem Descartes das Selbstempfinden für die Welt ab, verdeutlicht das alles, buch- stabiert nun die Normen und Grade des Erkennens ebenso herbei, wie der Nominalist die Namen für die Dinge, die Phänomene chiffriert, aber nun: an sich, von sich aus, mit seinen Gewahrhaftigkeiten, gegen die Dinge, welche als Ding-an-sich mit dem Blick nur zu berühren, aber in ihrem Wesen nicht anzunehmen, genauso fliegenwitzig oberflächlich ist wie die Geistesart der Nominalisten. Dies ist der Korridor der Unterwelt, wo Hermes die Seelen nötigt, nicht zu bleiben - Heidegger später figurierte diesen Zustand als die Angst, die Furcht - denn es gibt keinen Grund, keinen gebietenden Geist, auch keinen Dämon, der objekt dafürkönnte - man ist nur nicht, wo man 37 doch ist, und alles wissende, wahre Leben und Erkennen nahebei ist auf Solche allemal vergeudet. Die Seele ist nicht mehr als der Schatten, den die Existenz-in-der-Materie wirft, die Panik der Weltlosigkeit. Bei Husserl, Heideggers Lehrer, ist dieses Thema des Schattens seiner selbst auch sehr deutlich zu spüren (Nietzsche romantisiert mit dem selben Thema beim Wanderer und seinem Schatten). Sie wollen nicht sein, höchstens (seufzend schaut Kant auf seine Nächsten, auf deren Inbegriff, den Herrscher) ein bißchen so sehr, wie die Anderen auch sind, die doch in der Ungewißheit des Weilens auf dieser Welt miteinander das Mißbehagen tendenziellen Nicht-Seins deutlich-reell präsent halten. Mutlos, aber tüchtig, so sei der Preuße. Eije. Was aber der Universalist einfach so gelten lassen kann, auch wenn er nicht genug weiß und meistens niemals Alles wissen kann oder wird, das nimmt der Mono-Nominalist Kant bei Diesem & Jenem als nennenswerte Möglichkeit an, weil er irgendwie sieht, daß er sich das ja so denken muß und ihm Niemand darin widerspricht, er selber auch nicht. Eije. Wem soll das helfen, wozu! Ah, die dunstige Ostsee, mondblindes Nebelmeer! Die Tibetaner hätten wohl einen Ort (Loka), wo solche Geister zu finden sind, deren Sinne nie erwacht sind, deren Atem nie in Götterhimmeln Luft schöpfte, die nur nicht an der maledetten Tatsache vorbeikommen, daß sie existieren und erkennen. Hermes, das ist einer, der lächelt nicht. Wenn selbst die Himmel bersten vom Gelächter der anderen Götter - Hermes verzieht allenfalls angeregt "ja, wie!!" ein wenig das Gesicht - das ist schon heiter! Aber er hat immer todernstes Geschäft. Die Seelen, die er führt – was tun die? Hoffen die? _________ Eckart, wunderschön. Es wird herausgestellt die göttlich überhelle Klarheit (das findet sich ohnehin beim Lesen der Predigttexte selber) in der Unter- schiedswahrnehmung des Ewigen und des zeitlich sich doch wie vektoral bewegt Befindenden (worauf ja später Heidegger noch einmal abzieht), wie da eine ganz sonderbare, als aus dem Urlicht der Welt herbeirieselnde Durchwirkung des ewig Seienden und des immer Werdenden (das spielte so bei den Scholastikern zu der Zeit öfter eine Rolle) Wirkung entsteht, mit der sich - das ist Hasen-Lichtgeist - der innere Blick ganz wunderbarlich aus dem unmittelbaren zeitlichen Zustand ins Licht der Ewigkeit hebt, eine Wirkung, welche ja auch in den Bauformen der Gothik ganz bewußt erzeugt wurde (diese Zeit nun baut sehr hoch, aber in Zellenbauten, wo die einzel- nen Räume nicht so hoch sind, keine zwei Menschenlängen gewöhnlich - daher haben jene, die von dort in die Klüfte zwischen solchen Hochhäusern 38 blicken, meistens auch kein Empfinden für die Raumwirkung solcher Ensembles im Binnen-Himmelsraum, der damit entsteht; die Menschen sind dafür so wenig eingerichtet wie für die Sichten beim Fliegen oder in asiatischen oder amerikanischen Gebirgen, reduzieren sich zu reinen, unrelativierbaren Wahrnehmungspunkten, vergleichbar dem, wie Adler rein im Licht schweben und sehen, aber die haben ja die damit konsonante eigene Körperempfindung). Eckehart hat wohl einige Zeit im Rheintal (Straßburg?) und in Paris gelebt und gelehrt - an Plätzen, die eine Besonderheit aus-zeichnet, indem dort ein Fluß (besonders der Rhein) im Ganzen nordwärts (oder nordwestwärts die Seine) fließt. Damit verhält es sich ja so, daß der nordwärts weisende Vektor des Flusses (in jedem seiner Massepunkte, Moleküle) der in Europa besonders ausgeprägten Fliehkraftwirkung der Erd-drehung entgegenläuft. (Dieser Verhalt, die sehr starke Zentrifugalwirkung, scheint sich auch abzubilden in den geschichtlichen Bewegungen nordischer Völker nach Süden hin, bis nach Nordafrika.) Es entsteht daher, besonders im Rheinlauf, ein quasi paradoxer Effekt, den man empfinden kann ähnlich, wie man bei der Betrachtung des langsam rotierenden Stern- himmels eine Gewahrheit haben kann der den Körper um ca. 1/40 seines Massegewichtes erleichternden Zentrifugalkraft (in Europa). Jeder Massepunkt (im Rheine) bewegt sich mit dem Gefälle des Tales unweigerlich nordwärts, zugleich aber strebt er der Erdrotation wegen (im Betrag von 1/40 seines Massegewichtes) nach Süden, in Richtung auf den Himmelsäquator hin (wo der Horizont der Fliehkraftwirkung zu sein scheint, definiert durch die Polarachse der Erde, um welche die Drehung ja erfolgt). Ein solch subtiler Aberwitz, und genau aus diesem Effekt, ist der sonderbar inspirierten Logik in den Gedanken und Wahrhaftigkeiten Eckarts oft anzumerken - es kann nicht schaden, dies beim Lesen und Bedenken seiner Schriften & Worte nicht zu vergessen. Schon zu Plotins Zeit, als die Römer den Norden Europas weitgehend kannten, spricht eine andere Schau von Aspekten desselben Effekts. Diesmal ist es der Metapherngebrauch zur Erläuterung des Einen. Die Welt soll daraus hervorgehen wie der Baum aus der Wurzel, das Wasser aus der Quelle usw., aber ein Blick für die darin gleiche Empfin-dungsidee weist um eine Spur weiter, auf den spürbaren Zusammenhang zwischen der Rotation der Zirkumpolarsterne (um den Polarstern, das All-Einende selber) jenseits der Nordhorizonte und dem wie springendes Quellwasser von Norden nach Süden IN den Horizonten so hervortreibenden (wie: klärenden) Wirkung der Fliehkraftbeschleunigung... "Urbilder" sagt das immer (Philosophietext), als wenn das die Idee wäre oder etwas rein Metaphysisches - not so: viele Formen, die der Menschheit 39 in sich oder in ihrer Welt darzustellen gelang, oft in den Bewegungen ganzer Völkerschaften, den größten Werken alter Staaten, sind Verdeutlichungen und Abbilder von Formen, welche in der Proportionen des Sternenhimmels erkennbar sind. Bei Aristoteles wohl geht das los, solcher Wortgebrauch in solchem Sinn. Aristoteles aber scheint von Hirten abzustammen, und es sind Hirten um große Talweiden oder auf landweiten Triften gewesen, die in ihren Nachtwachezeiten Muße und Geist für solche Beobachtungen fanden, was das wohl sein könnte in irdischen Begriffen, diese Formen, ewig vorgegeben in den Proportionen der Sternenhimmel. Jäger und Seefahrer rieten dazu. Es ist eben auch kein Zufall, daß Astronomie und Geometrie zu den freien und höchsten Künsten zählen: wer wie die Hirten, Jäger usw. über längere Zeit den Lauf der Sterne, der Planeten und des Mondes zuschaut, der kann in deren himmlischen Gestenspiel ohne weiteres die :Urform des geometrischen Erörterns und Beweisens erkennen. Daher... Eckehart, noch einmal: die ungeheuer begeistigende, sich in immer neuen Wendungen (Flußschleifen) verdeutlichende Erkenntnis von der Durch- wirkung des Ewiggleichen mit dem zeitlich Geschehenden ist in derselben Formel empfunden, die in dem Paradoxeffekt des Fließwassers erkennbar ist (wenn man von den physikalischen Voraussetzungen weiß, und DENKT), denn auch dort durchwirken sich das Zeitliche (die Flußbewegung) und das zumindest Immergleiche (die Fliehkraft, aus celestialen Verhalten hervor- gehend) in einem Element, das so selbstverständlich zum Körper und seinem Befinden dazugehört wie kein anderes. Die photonenfeine Panik Eckeharts ist deshalb so ungemessen, so unsagbar elementar, weil da auch ein Empfinden mitspricht (vielleicht aus Flußfischen in der Nahrung), ein wie ungeheurer Raumkörper, welch reine Masse alles Rheinwasser miteinander ist - worin allzugleich, aber mit einem leichten Tendenzwechsel in der Fliehkraft von Norden nach Süden, dieselbe, aus der noch viel ungeheureren Masse & Rotation des Planeten, im dann schon unnennbar weiten, ätherklaren All, sich beweisende FELDkraft (da sieht der Hase mit, in solchem Wortwitz) Subtilwirkung tut. Das ist nicht mehr die Dimension des Göttergelächters aus griechischen Berghimmeln - darin "lacht Gott selber", könnte man sagen, aber man tut vielleicht gut daran, dabei eher an den Titanen Kronos zu denken, der dem All die Zeit macht und alle Bewegung - bis zu dieser Dimension haben Menschen jedenfalls noch Wahrnehmungen. Nur das Gesetz, die Idee, der Inbegriff der Natur - usw. - Gesetzlichkeit selber, in dem sowohl das All, Zeitlichkeit, Bewegung und dieser unsagbare Subtileffekt, hinzu natürlich das Erkennen der Wesen, die Materie, worin sich das so gewaltig beweist usw, usw, aufgehoben sind, in einem 40 Nabelpunkt kosmischer Abstraktion, läßt jenseits des Titanischen noch die Meinung absoluterer Divinität zu. Das konnte so werden, vom Gewaltigsten bis ins Feinste, Subatomare, bis in die Gewahrheit (Eckehart) oder das Erkennen mit dieser (solche Erörterung wie hier dies) - was bleibt sonst noch zu sagen, wenn es so IST! Der Weg nach Süden: wer ihm, längs des Rheines beispielsweise, folgt, dem steigt der Sternenhimmel merkbar (um einige Grad) entgegen. Zugleich ändert sich der Vektor der Fliehkraftwirkung, die ja auch in jedem Atom jeden lebenden Körpers wirkt, um denselben Betrag, weist um so mehr nach oben, außen, himmelwärts. Das ist wie ein leicht hebendes Gefühl um den Oberbauch. Wer solche Effekte (das Steigen des Sternhimmels) SEHEN kann, der spürt auch diesen Lift, der ohnehin ein wenig stärker wird, weil der Fliehkrafthebel, die Strecke vom Pol zum Rotationspunkt, größer wird. Und dann kommen die Alpen, heben sich und den Wanderer um so viel weiter in die Himmel des Südens usw. - wer kann die Ereignisse der Alten Welt mit wirklichem Sinn erklären, der dies nicht mitsieht! Eckehart wurde später dann von der Inquisition befragt und gerichtet, wobei man von ihm als von einem schon Toten sprach. Das meint: seine Seligkeit kommt eben in der Grundempfindung aus dem Titanischen, für das gilt, was schon bei Heraklit zu sagen war, daß nämlich das beseelteste Tun und Geschehen dort immer doch nur den Rang hat rein physikalischer Ereignisse, reiner, auch ohne jeden Geist geschehender Wirklichkeit - Eckeharts Geist unbenommen, und auch die Seelen seiner Zuhörer, aber was er da elementar beruft, befindet sich im All des Kronos - bei dem jedes Ding & Wesen nur Materie, in nur Raum und Zeit ist. Beim Lesen der Predigten Eckeharts ist auch öfter diese Empfindung auf einmal da ungeheurer Gefahr - das aber gleicht sehr dem, wie im Vorfrühling, bevor noch Gräser und Getreide wirklich zu wachsen beginnen, und wo den Hasen aber der reinste, klarste Himmel ins Gesicht, die Augengründe, die Seele selber scheint haarscharf bis in die letzte Spitze jedes Härchens, wie da der Himmel von allem Zufälligen leergefegt und so sengend scharf gefährlich erscheint, aus den Alltiefen her an die Erde selber. Eckehart spielt sozusagen in seinen Gleichnissen, in der Logik seiner Worte, mit dieser Empfindung, welche den Menschen seiner Zeit nicht unbekannt gewesen sein dürfte - die Institutionen des Karnevals, des Fastens danach entspringen direkt daraus. Wahrscheinlich entsteht diese Empfindung aus einer überzeitlich in endlosen Generationen aller Kreatur, von der Pflanze bis zum Fleischfresser und Parasiten eingeborenen Gewahrheit für die Rolle des Kohlenstoffs in aller Natur, klar empfunden in ihrer ganzen, noch viel gewaltiger als die Massigkeit des Paradoxeffektes in allem Rheinwasser 41 etc. wirkenden Gewaltigkeit, wie scharf eingezogener Atem aus dem Wesensgrund allen Lebens selber sooo - gespürt, wenn noch alles Kohlen- dioxid, das zu Blatt, Holz, Nährpflanze usw. wird, in der Weltatmosphäre darauf harrt, gerufen und assimiliert zu werden. Alles auf diesem Planeten sieht die scharfe Grenze von Sein und Nichtsein in dem unmerklichen, aber realen Brechungseffekt für das Licht der Sterne und der Sonne aus DEM Kohlendioxid im Himmel, das bestimmt zu Pflanze, damit Tierleib, Stand und Ereignis der realen Welt noch werden WIRD, in diesem Jahr und in jedem - derlei sieht man nicht nur zu Eckeharts Zeiten, sondern immerzu, jedes Jahr erneut, so sicher, wie Leben existiert, das dieses Effektes bedarf, ihn wahrnimmt (Kohlendioxid entsteht im Grund der Atemseele immerzu) und in Erkenntnissen sich verdeutlichen kann. Erkenntnis in solchem Sinn ist aber schon der Appetit und Genuß, den das Grastier mit dem Grase hat. Usw. usw. Es finden sich ja noch andere Elemente recht unmittelbar zu dieser Totale des Kohlenstoffs. Einmal der Sauerstoff, der in der Photosynthese von ihm gelöst wird, sodann der Kalk (Knochen), das Eisen (Blut), Silikate (Haut, Zähne etc.etc.). Aus diesen Elementen im Ganzen aber ist die Lebens- umwelt der Menschen in der Gothik gefügt. Stein, Holz, Schmiedeeisen, und weitere organische Materialien (Seile usw.) aus der Kohlesynthese. Man verfeuert Holz, man vergießt und kocht Blut über Eisen. Da ist eine reine Mitte der Welt, genährt und beschienen von einer Sonne, derengleichen Energie (und Energiestruktur) im Inneren entsteht beim Kreisen des Fusionsprozesses um eben diese Elemente, bis hin zum Eisenatom. Soviel ist heute dazu bekannt, und was bei den Alten Äther hieß, das ist vielleicht die Diaphanität aus einer Sphäre (Kernfusion) durch eine andere (Elementphysik der Erdenwelt) ins Leben (Rolle dieser Elemente im Gesamtmetabolismus der Lebenswelt), daraus hervor zur mittelalterlichen Weltgestalt um die Mensch- heit her, auf den klarsten Punkt gebracht im Erkennen der Mystiker aus der Mitte dieser Menschen- Weltgeschichte hervor. Da geht ein Licht, das mehr ist als Photonik - es hat die Qualität reinen Erkennens & Seins, nicht nur der Erkennbarkeit und Existenz. Ein Nebenblick bleibt vielleicht noch aus der Verdammung Eckeharts durch die Hierarchen, das wäre, daß man diesen Effekt im nordwärts fließenden Wasser ja auch aus dem Nil kennen kann - dort aber, so nahe beim Äquator, ist der Fliehkraftvektor zwar sehr stark, aber sehr steil, das heißt: nicht in diesem Antagonismus mit der Fließrichtung des Wassers merkbar. Was dem dort phänomenal eher entspricht, das sind die alljährlichen Hoch- wässer, damit die Wirkung dieser auf das Leben & Dasein der Menschen am Fluß, der Tiere natürlich auch. Vielleicht bildet sich dieser Verhalt (der 42 Winkel des Vektors im Verhältnis zur Flußrichtung des Leben bedeutenden Nils) in der Sonderbarkeit ägyptischer Figurenmalerei ab, der doch an sich unlebendigen, feinzeichnenden Fügung auch plastischer Gestalten nach beinahe rechten Winkeln etc. - wie sollte sich das Vektorbild im Nilwasser nicht ebenso total abbilden in Menschenwerk wie in der Lebenswelt, Geistigkeit & Mystik Europas derselbe Verhalt in nordwärts laufendem Fluß! _________ Der Mensch unterscheidet sich vom Tier nicht in der Hinsicht, daß er Ver- nunft hat, sondern dadurch, wie sie sich ihm ausprägt, als Selbstgestaltung in weltergreifenden Kollektiven. Darin ist er aber oft vorgeprägt durch den Arten- (Herden-) Weltgeist mancher Tiere, die ihm die Welt mitvorgeben, zumal Rind, Schwein, Huhn und Schaf (Ziege). Diese Tiergesellschaften zeigen in sich selbst vorstrukturierte, funktionale und hierarchische Verhält- nisse. Der Mensch bringt vor allem eine bestimmte kognitive und fabriziöse Intelligenz dazu, eben jene, welche ihm diese Charaktertiere schon aus- geliefert hat. Da, wo er sich dem Geist solcher Tiere zu sehr überläßt, sieht man, daß es begrifflich und technisch nicht weit über die schon tierischen Verhältnisse hinausgeht. Es befreit sich nicht und präzisiert nicht, was es selbst daneben sein kann. Die Technik kann dabei sehr weit gehen, wo z.B. der Mensch die jupiterische Idealwelt der Kuh, deren Sinn für hohe Himmel, feste, weiße Wolken usw. als Kulturformen (Marmor, Tempel, Foren etc.) seiner eigenen Welt dem nach- und mitformt. _________ Für die Bildung (solche Dinge sind nicht selbstverständlich bekannt): Des Sokrates Daimon heißt hier der hekatische, weil er dem Sokrates typischerweise immer dort an den Weg tritt, wo er sein Haus verläßt. Hekate ist eine alte Elementar- (Titanen-) und später Zaubergöttin, der oft neben den Türen der Häuser auf der Gassen dreigesichtige Male aufgestellt wurden. Das Lexikon erörtert: bei anderem alten Zauber spielten Dreiwege eine bestimmte Rolle; so auch hier. Hekate hieß mit einem Attribut: Trioditis, und wachte bei den Scheidewegen, wo der Mensch sich entscheiden mußte, oder dies nicht tat, aber das zu Lasten besserer Erkenntnis. Die Trioditis-Statue stand deswegen an den Haustüren, weil dort eben drei entscheidende Wege zusammentrafen: der Weg ins Haus selber oder aus ihm heraus, und die gewöhnlich beiden Richtungen der Gasse davor. Es konnten also Fremde davor einfach vorübergehen oder auch sich dem Haus zuwenden, so, wie die Hausbewohner, aus der Tür tretend, eine Meinung finden mußten, in welcher Richtung nun der Gasse zu folgen. Möglicherweise sollten die 43 Hekate-Male Hausfremden extra anzeigen, daß sie dort durchaus Neuigkeiten und Anderes an die Bewohner loswerden konnten. Die Griechen, als ich längere Zeit hatte, ihrem Leben und Treiben in einem Lokal zuzuschauen, zeigten da neben dem für das Spiel vor allem Sinn für witzigen Schnick-schnack, den Westentaschenhändler gelegentlich hereintrugen und feilhielten. Diese Dinge hatten nur mäßigen praktischen Wert, wurden aber oft deshalb gekauft, weil es für alle Interessierten witzig genug war, sich mit den Sinnig- keiten dieser Dinge an sich unterhalten zu finden. Eine ähnliche Façon wie das und die vermutbare Geschäftsfreudigkeit mit Neuigkeiten und Dingen von Fremden, die sich durch das Trioditis-Mal eingeladen fühlen konnten, fand sich bei anderen Völkern später im etwas entwickelten Europa, indem dort vergleichbare Leute wie das Hekate-Volk mit Stoff, Zinnfiguren, Tabak usw. ihre Geschäftchen zu haben wußten. Es ist also für den Hausbewohner einer weitläufigen Stadt voller einfacher Menschen, wie Sokrates doch einer ist, immer eine mögliche Frage des morgens, wenn sie aus der Tür treten, in welcher Richtung sie denn jetzt den Weg in die lebende Stadt antreten werden. Dies ist ja keine Einzelheit, sondern ein ganzes Wesen. Viele Menschen im wegereichen Gefüge der Stadt, die ja auch ein weiteres Bewußtsein über die weiteren Weglagen um ihr Haus hin haben, finden sich so jeden Tag in ihre Wege (in der Oberstadt von Thessaloniki, wo früher wohl eher die Ziegen geweidet wurden, verlaufen beispielsweise viele Wege so miteinander, daß man fast absichtslos oft immer wieder in einem - deformierten, natürlich - Kreisbogen an seinen Ausgangspunkt findet) (ein bißchen Absicht an sich gehört schon dazu, aber die Weganlage lädt wirklich dazu ein). Der Daimon des Sokrates ist also eine Verdeutlichung dieses Verhaltes, das ein WESEN ist, nicht nur ein da oder dort vereinzeltes Befinden. Die Bewohner der Stadt, soweit das Hekate-Volk ist, verstehen Sokrates da unbedingt, ohne weiteres Bedenken, und nun diese speziell sokratische Frageweise hebt ja damit an; diese Befragung des weiteren Wege- sinnes durch jeden, der in der Stadt meinen kann, etwas zu finden zu haben, gibt diesen ganzen Verhalt wieder: Ja eben, sagt er, was ist denn da selbst- verständlich! und die weitere Durchfragung des Meinbaren gleicht elementar dem, wie man sich bei jedem möglichen Wegpunkt, den man fraglich finden kann - Zweigungen oder Kreuzungen usw. - neu besinnen kann - das ist doch die reine Möglichkeit, und das allgemeine Finden und Bedenken aller so wegnetzkundigen Menschen in der Stadt formt einen hermetischen kleinen Kosmos aller kombinatorischen Möglichkeiten und Wirklichkeiten, wo sie zu je solcher und solcher Zeit, mit solchen und solchen bestimmt- ungefähren Ideen, was das Mögliche und Wirkliche des allgemeinen, realen Befindens Aller in der Stadt wohl sein wird, selber sein können - das ist, 44

09:37 - 17 October 2007 - post comment


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