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5 ...Fortsetzung 4

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Die wichtigsten Leopardengeister aber fand das 19. Jahrhundert in Amerika, dem kontinental fernen, kartuschenhaft isolierten. Vielleicht mußte Leopardi leiden, damit man einen uneigentlichen Begriff dafür habe, wie Amerika die Alte Welt verdirbt, frivolisiert. Das war da schließlich lange schon merkbar. _________ In der Stadt ist das so eine Meinung daß, wo etwas schlicht ist, da muß es sich für ordinär halten lassen, und wo schön, da darf es das nicht für sich sein. (Damit ja auch der Wortgebrauch "schön" in der Addestration der Kinder.) _________ Stoa (spätere): Eudämonie des römischen Essigs... _________ brain jerks... _________ Die Menschen bedenken so Vieles nicht, was doch ganz selbstverständlich ihre Wahrnehmung (Sinne, Laune) formt bis in die abstraktesten Meinungen darüber, was die Welt ist und bedeutet, vor allem die recht unmittelbare, zugleich subtile und gigantische Wirkung einfacher klimatischer Verhalte. Da ist zunächst die alle somatischen Funktionen direkt belebende Wirkung der Sonne, dann die feinere der Sterne auf einer Reflexebene der allgemeinen Wahrnehmung, daneben eine vergleichbare aus dem Spiel und den Charakteristiken des Wolkenbildes. Wo derlei interessant genug ist, entwickeln Menschen leicht einen guten Sinn für's Symbolische (formenreiche, feste Wolkengestalt), oder für plausible Geschehensfolgen ihres sonstigen Weltbildes, wo die Wolken eher flächig ziehen und sich dabei verändern, speziell in manchen Mondabenden. Das erstere macht sich Ausdruck in plastischer, symbolhaltiger Kunst und in manchen Theaterformen (auch in Tanzspielen bei einfachen Völkern usw.) (gemischt mit Gestenspiel aus der Vegetation), dann im dramatischen Übergang wie beispielsweise in Stücken der deutschen Klassik, bei Mischung mit eher dem Geschehenscharakter des Wolkenziehens. Dieses in seiner reinen Form inspiriert den Film. Hochdruckzeiten erleichtern und verdichten den latenten Atemleib, der im Körper sich diffus dicht befindenden und im Lebensprozeß sich bewegenden und umsetzenden Atemseele (Sauerstoff). Menschen (Tiere auch) sind zugleich lebhafter und gelassener, empfinden genauer und selbstbewußter, haben eher einleuchtend wahre Ansichten über die Welt, 66 wie sie ohnehin ist - der Leib und seine Atemseele nehmen da teil am rein physikalischen Charakter eines weit ausgedehnten Hochdruckdomes, so wie Fische ja auch Teil einer allgemeinen physikalischen Gewahrheit sind mit dem weiten Wasserkörper, in dem sie sich befinden und bewegen. Bei sinkendem Luftdruck machen sich dagegen Verausgabungsempfindungen geltend, weil in Umkehrung der Hochdruckzustandes der osmotische Druck und die Atemleibdichte im Körper sich abbauen, der Aktualatem der Lunge zugleich stärker arbeiten muß, einmal, weil die Luft schwächer ist (sozusagen), die Vitalfunktionen im Leib selber aber auch nicht so direkt antworten. Der verminderte Sauerstoffdruck überträgt sich ja auch träger von Element zu Element. An offenem Feuer lassen diese Effekte sich in reiner Form, nur physikalisch, zwanglos beobachten. Niedrigdruckzeiten fordern daher von den Vitalfunktionen zurück, was Hochdruckzeiten dem Körper schenken, und wo bei diesen sie allgemein und hell sind, wie eben der Himmel ist, so macht sich im Wiedergeben der Kraft nun vor allem der Lebenskraft-Charakter jedes so geforderten Lebewesens bemerkbar. Menschen merken dann am ehesten, welche Organe oder Verhalte in ihrem Leib am miserabelsten sich befinden, atemleiblich gesehen. Leichte Neuralgien von daher machen sich bemerkbar oder diffuses Unbehagen rein körperlich empfindender Art. Dies ist am stärksten, solange der Luftdruck sinkt, normalisiert sich gewöhnlich, wenn er sich stabilisiert, egal auf welcher Ebene. Wo sich die Atmosphäre auf längere Zeit hin mit niedrigem Luftdruck stabilisiert, da ist der Himmel meist grau-hell bedeckt. Die Wahrnehmung des Selbstes und Anderer ist damit kühl nüchtern; die Wahrnehmungen und Bewegungen zentrieren sich im Leib selber, wie er in seiner tragenden Festigkeit ist. Zu solchen Zeiten ist gut merkbar, wie der Atemleib und der, worin die solideren metabolischen Funktionen, vor allem der Fettumsatz (der ja Sauerstoff verbraucht) stattfinden, ineinander wirken. Der Körper insgesamt befindet sich auf einem niedrigeren Tonus-Niveau, gleicht elementar in diesem Zustand am meisten einem ruhigen, frischen Leichnam, in welchem ja auch nach dem Erlöschen des Atems und der aktiven Lebensfunktionen noch der dann diffus verdämmernde Atemleib latent gegenwärtig bleibt. Es ist zu sehen, wie manche Menschentypen in ihrem Lebensregime durch eine naturläufig so empfundene Diät sich zu humorisieren verstehen, indem sie milde Reize, so oder so metabolisch besonders interessante Nahrung etc. mit Verstand für Empfindungsrhythmen azyklisch (nicht: antizyklisch) als Korrektiv gebrauchen, zu welchen Mitteln vor allem Fleischgenuß, Fette, Zucker und Würzen gehören, meistens ergänzt durch ein Quantum Alkoholes. Nicht umsonst wird assoziativ der gebrannte Alkohol mit dem sternklaren 67 Nachthimmel in Zusammenhang gesehen. Das geht aber auch weiter mit der überzeitlichen Lebenserfahrung, daß Wetterlagen sich auf die Dauer nur bessern können. Klare Sternennächte gibt es nur bei Lufthochdruck, und so hat Sternchen-Alkohol vor allem körperzuständlich-meditativen Wert: damit empfinden sich die anderen metabolischen Wahrnehmungen der Latenz-Regimes innerlich in solche Dichte wie der Leib selber, wenn er sich wohlbefindet bei Hochdruckwetter ohnehin. Natürlich hilft alkoholische Selbstkonzentration (Bier darf man bei diesem Regime nicht selbst- verständlich mit einbeschlossen finden, weil es insgesamt energetisch und perzeptiv anders wirkt - der Kohlensäure wegen schon, näher beim Horizont des aktuellen Umsatzes von Sauerstoff in Kohlensäure) hilft solche künstliche Intensivierung der metabolischen Empfindung nicht, wenn klimatisch bedingt die Empfindungen ohnehin schief gehen und instabil sind. Damit erläutern sich Frustrationsempfindungen, welche der Alkohol nicht behebt, sondern allenfalls verdeutlicht, mit oft praktischen Folgen des Mißbehagens und Zanks zwischen Trinkgesellschaftern und Weiteren. Zudem verdirbt gewohnheitsmäßiger Alkoholgenuß das Empfindungsleben der Sinne äußerlich und innerlich, verfälscht damit in zweiter Linie die Wahrnehmung der Mitwelt, den Sinn z.B. für das richtige Nahrungsregime, und stört nachhaltig das metabolische Gleichgewicht, wovon im Weiteren wieder Mißbehagen selbst in guten Zeiten, weitere Störungen des Diätsinnes, die wieder das Mißbehagen bestärken usw. Alkohol KANN guten Sinn machen, aber eher so, wie die Sternmetapher andeutet: als Tropfen in den Teich des Lebensgeistes, vereinzelt und mit Sinn für Rhythmus analog den Rhythmen des Klimas, klar vom Üblichen unterschieden, so wie Sternpunkte im All nicht sture Muster bilden oder ineinanderkleben etc. An sich läßt sich ein fast gleicher, aber eben nicht das Bewußtsein so unmittelbar verändernder Effekt erreichen durch den Genuß natürlich zucker- haltiger Früchte, dabei besonders die Rosine, die ja physikalisch dasselbe ist wie das, woraus eines der Lieblingsgetränke der Menschheit entsteht, der Wein. Da der Alkohol in diesem ja nur die Pervertierung des Zuckers ist, der sich in der Traube ohnehin findet, läßt sich sagen, er treibe in oberflächlicher (wo auch klarer) Blendung Empfindungen hervor, welche aus dem organischen Zucker der Rosine usw. eher als kristallfein schatten- deutliche Erkenntnis merkbar werden. Ganz sinnreicherweise erläutern die Weltzustände, die mit beiden vor allem erkennbar sind, das obendrein: beim Wein sieht das Herkommen z.B. das Rheintal, Sinnenlaune wie Sonnenlicht auf Wasser gespiegelt, Klirren und Gelächter eher als Gesang, intensive Vordergründigkeit des Bacchantentums (dahinter eine Angängerei wie Hefe, Knöterigkeit wie Trester) - zur Rosine aber gehören wie dromedar- 68 oder eselaugig solch reglos wohlgestalte latente Sichten wie ein sonnen- und sternloser Trockendämmer meist südlicher und südöstlicher Land- schaften (Tonerde), wo die Rosine meist her ist, Sizilien alther, Griechenland, Tunesien, Persien usw. Von der Rosine entsteht ein Sinn im sozusagen inneren Augengrund, den man mit Nietzsche als zufriedene Düsternis bezeichnen könnte, eine innere Landschaftssicht vergleichbar reglos ewigen ägyptischen Weltbildern, tonisiert von der feinen Anregung der Fruchtzucker-aromate in der Trockenfrucht. So ist der Horizont der Weintraube ja selber; das ist nur genauestes Abbild ihrer Lebensform, ihres unmittelbaren Horizontes mit der Welt, in der sie entsteht, wächst und durch Trocknung auf die Deutlichkeit dieses Charakters konzentriert wird. Ich vermute, daß der Islam den Alkohol (= Wein) vor allem deswegen verbietet, weil die Traube eben für solchen Gebrauch verwendet werden soll. Alkohol ist verderberisch für jene, die ihn umstandslos haben können und im Weiteren ein unsicheres und frivoles Handelsgut (die Phönizier verdeutlichen am Nahhorizont Griechenlands die dekadent-laszive Düsternis (: Laios, der Vater des Oedipus) eines Lebenszustandes, der sowohl Rosinen und Wein, Schaffleisch und Octopus etc. ins Regime mischt - da wird der Geist nicht finster (Ägypten), düster, dunkel oder dergleichen, was ja noch positive Eigenschaften sind, sondern unlicht lasziv, unordentlich aus Unmut usw.; Carthago wiederum zeigt, wie am richtigen Platz (die klaren Gartenböden Tunesiens) und bei etwas Mäßigkeit derselbe Grund auch bestimmte, klare Weltweise zusammenbringt, eine Weltschau, wie sie z.B. auch in Burgund zu finden ist - das Maß macht die Musik, bei etwas gut resonierendem Welthorizont). ...Rosinen aber lassen sich leicht herstellen, bilden einen interessanten Nahrungsfaktor, sind praktisch und leicht transportierbar und auf dem Wege zugleich schon gute, die Sinne festigende Nahrungsergänzung für Mensch und Tier. Der innere Horizont, der aus ihnen entsteht, scheint am ehesten der Weltschau des Dromedares zu entsprechen. Das schaut so klar reflexklug, etwas düster und mit einem unmittelbaren Sinn für solch archaisch stille, aride Landsichten. (Meist ist aber nicht zu sehen, wieso man sollte aufwendig Trauben ziehen, wo doch die Palme Datteln gibt, die auch recht dicht zuckern...) (Für die Bildung: die Syracusaner Trauben sind seit alther berühmt, wurden wohl ebenso zu dem bekannten, tief dunklen Wein wie zu Rosinen verarbeitet - der Name "Korinthen" für solche zeigt ja, wie üblich die Trockenfrucht bei den Griechen gewesen ist. Die spezielle Unterhaltung zwischen Platon, dem eher apollinischen Typ, und Dionysios, dem finster zerwühlten Dionysier, macht nicht wenig Charakterbild mit eben diesem Verhalt um die Traube, als 69 Hefebeute oder als Nahrung des klügeren, ernsteren Sinnencharakters. Die Groteske, welche das ganze böse Spiel der syracusaner Dinge ist, die irgendwie ungeratene Figur, die Platon selber dabei abgeben muß, egal wie gut seine Erkenntnisse und Motive, sind wohl zu sehen damit, daß die Weinrebe selber schon einen etwas unguten Charakter in Menschen-Welt- bilder bringt (dazu die Sage, der Typ des Dionysos) und daß der Anbau von Reben, damals schon eine Monokultur mit abstrakten Vermarktungszwängen, wie plantagenweiser Olivenanbau, Fischerei usw. auch, unabänderlich Unbilligkeit ins Gesellschaftsbild dieser einfachen Menschheiten bringt, denen selbst die klarste und bestimmteste Weisheit nicht einfach beikommen und gebieten kann.) Zurück zur nordischen Natur: der Superzustand der klimatischen Depression ist die Wintersaison; bei reglos unhohen Wettern stagnieren natürlich auch die Lebensfunktionen der Pflanzen und Tiere. Klima ist ein Weltzustand, nicht nur ein typisches Mißbefinden einzelner oder kollektiver Subjekte. Im Winter erlischt alle metabolische Arbeit der höheren Pflanzen, die Insekten sind fast spurlos aus dem freien Weltbild verschwunden, viele Tiere nehmen Winterschlaf oder tun nur das Nötigste an Daseinsgesten. (Damit eine Typenverdeutlichung, einmal solchen Tuns, aber auch in der Wahrnehmung übrigbleibender Tiere im offenen Land also: Fuchs, Reh, Rebhuhn, Hase, Wiesel, Raben, Krähen und Greifen, alles Tiere, die nun sichtbarer sind, dies auch wissen und sich daher auch deutlicher, meinender verhalten, somit seit alther die Charakterfolklore der Menschheit mitgestalten. Die Wege letzhiniger Menschenwelt bringen ja eher eine verkürzende, verblödende Tendenz dazu in Form des Hundes, der mit seinen ephemeren, halbwitzigen Vordergründigkeiten den in Kürzen der Haushorizonte Bornierten zu erübrigen hilft, sich mit dem Naturbild, wie es wirklich und von selber ist, überhaupt nur kognitiv abzugeben. Das bleibt da beim gemeinen Zweck und findet nicht leicht zu wirklichem Sinn für das weiterhin Umgebende.) Seit alther entwickelt ist also eine Weltbesorgung in den Binnen- orten der Menschheit, womit die zuvor beschriebenen Praktiken der Selbst- humorisierung angewandt werden. Man belebt die Wahrnehmung, indem Menschen auf Märkten zueinandergebracht werden, dort sinnendeutliche Reize hinzugetan (Licht, Musik, Zucker, Alkohol usw.), die Menschen zudem ermuntert werden, ihre Lebhaftigkeiten (nicht: das Leben selber, das Hoch-druckhimmel-sommerliche z.B.) zu pflegen und zu unterhalten, und überhaupt wird die ganze Winterzeit angefüllt mit Gelegenheiten und Festen, wo die inneren Belebungsformen im sonst latent-reglosen Dauercharakter klimatisch-niedertypischer Stagnation geübt und berufen werden. Dabei teilt sich das Bild ganz nach dem Muster des eben über die Traube als Rosine 70 und Weinfrucht Gesagten: in der sich verdüsternden Zeit, wo die sinkende Sonne den Horizont akzentuiert, wird vor allem der Sinn für's Süße, damit speziell Innige und wie feinaromatischer Zucker so Sinnige bestärkt. Sobald aber die Sonne wieder steigt und damit so etwas wie Blendung entsteht weil diesem Licht noch keine physiologische Reaktion in der Natur umher antwortet), verlagert sich das allgemeine Regime auf die Nahr-Reizmittel Fleisch (gesalzen, wie Kassler oder Eisbein - das Salz hilft, das Soma in einer allgemeinen Reizebene geradeso zu stabilisieren - rein somatisch, nicht nur im Empfinden - wie vergleichbar der Sauerstoff, der Zucker; diese allerdings werden ja prozeßhaft dauernd umgesetzt, während Salz eher staut, die somatischen Prozesse sowas wie staucht), dazu Fett + Zucker + Stärke (Karnevalsgebäck usw.) und Alkohol (Gelagewesen der Karnevalszeit). Das ist allgemein so bekannt und üblich und endet erst, wenn im Vorfrühling die leis schmelzende Wirkung erster neuer Aminosäurebewegung im Pflanzengrund spürbar wird und bald die grünende Natur mitsamt ihres Schleiers von Insekten aller Art und dem Spiel der wiedererwachten Lebens-geister sonst erneut direkt aus der unmittelbaren Kraft der Sonne, des Alls damit, zu arbeiten beginnt. (Das Osterei macht für's Empfinden einen Punkt davon, daß nun die Arbeit der Aminosäuren (Eiweiß!) dicht genug sein müsse, die darauf aufbauende, glukoseproduzierende Photosynthesearbeit der Pflanzenzellen zu tragen.) Dabei scheint nicht unwichtig zu sein, wie im schon voll ergrünten Frühling, bei windstillem Wetter insgesamt, Mensch und Tier Atem und damit Sauerstoff in sich hineinfinden, der aus Pflanzen-Synthesearbeit unmittelbar umher entstanden sein wird. Davon wird die aus dem Mittelalter her wohlbekannte Mai-Mystik, eine beseelte Klarheit, die sich aus sonstigen Reizen der unmittelbaren Zeit nicht einfach erklären ließe und auch nicht aus einer allgemeinen sonstigen Lebenserfahrung. Konsonant mit diesem Effekt ein ganz leiser Akzent von Gichtigkeit, des physiologischen Charakters wohl wegen der Trennungsarbeit von Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff in der Pflanze, und eine überhelle Sinnenklarheit (dem entspricht die Lebhaftigkeit der Regungen besonders der Vögel im Walde), die wohl direkte funktionale Analogie zu dem unablässigen Umsatz von Wasser in diesem Prozeß, der auch gleichzeitig als Taukondensation deutlich wird. Von da an sind auch die Menschenleiber, wenn zugleich etwas müd und mürbe vom Winterregime, im Ganzen wieder auf Hochdruck-Klimazeiten eingerichtet, welche, genau wie die Natur umher, die tragenden Funktionen und Strukturen zu festigen helfen, welche am selbstverständlichsten sind in den großräumigen Elementardomen solcher Hoch-Zeiten. Ein Nebeneffekt oder Schatten dieser Frühjahrs-Ungemessenheit noch unvollkommen in Takt miteinander gekommener Vitalfunktionen ist, 71 daß viele kleine Tiere von der Unmittelbarkeit und Totalität des elementaren Tosens umher und in ihnen selber einfach getötet werden, so wie später, nach der Getreideernte (so, wie sie heute erfolgt, rapide und radikal) scharenweise Mäuse an den Feldrändern zu finden sind, die einfach aus panischem Schreck tot hinfallen, weil all das, was ihnen Zuversicht machen konnte, das nährende und beschattende Korn, auf einmal weg ist und der leere Himmel voller Gelegenheit für fliegende Verfolger unvermittelt statt dessen aufscheint. Ein solcher Panikcharakter haftet übrigens dem Getreide selber an, weil es so völlig auf den Ereignishorizont eines einzigen Jahres je fixiert ist und abstirbt, bevor es noch andere Jahre, auch nur andere Saisonen sehen und erleben könnte. Das wirkt so weit bis in das Befinden und die Sitten der Menschheit hinein. Das Wintergetreide erläutert daher das Charakterbild der Sozial- und Gewohnheitstrinker, zumal auf Gerstenbier, und das Sommergetreide die banale Witzigkeit der Urlaubssitten (Schwärmerei in Analogie zum zuvor erfolgten Pollenflug in den Getreidefeldern) zu der Zeit, wo das Getreide reif wird und eingefahren. Dazu wieder auch bliebe der Extraaspekt im Sittenbild zu bemerken, wie der Tod der Nächsten, oder auch allgemein, nicht tabuisiert, aber in einer kommunen Meinung als Abwesenheit inszeniert wird. So wie die kommunen Menschen der banal zugerichteten Lebenswelt nicht dabei sind, wenn das Korn geerntet, also der Tod der Pflanze (die ja schon vertrocknet ist) vollendet wird, so läßt die Funktionenteilung aller wie Ährenstände und Vorratskammern so fragmentarisierten Nahverhältnisse es gewöhnlich nicht zu, sich um Leiden und Tod seiner Nächsten (wozu auch ein vom Ganzen, dem All ins Einzelne findendes Daseinsmuster gehörte statt eines horizontlos zeithackerisch fragmentierten) selber wirklich zu bekümmern. Einzig der endlich tote Leib bleibt übrig, ein Analogon zum Brote, das sonst der allgemeinen, schwärmerischen Ignoranz aus den verlassenen Kornfeldern zu Tische kommt, dort Phänomen macht. Daneben bemerkenswert eine allgemeine Schnödheit, den Sinn für Nachkommenschaft und deren Mensch- werdung betreffs, Abbild der Tatsache, daß ja nur die Pflanze stirbt, die Saatkörner aber Embryos sind, welche nun zum allermeisten Teile zerstört, d.h. zermahlen, getötet werden. Reflex daraus wäre der Lärm, mit dem vor- gerechnet wird, was einen Brotverdiener die Erziehung und Ausstattung seiner Kinder in wirklichem Geld - und nur Geld - kosten wird - nach aller Mühle. Geld ist dabei - aus der Hermetik alter Mühlenstädte - synonym mit Getreidekorn. Ein Saatkorn, das wiederkommt, wieder anwachsen wird, ist bezahlt - in der Logik der Getreideökonomie - mit sovielen unzähligen anderen, die nur zermahlen werden, die nur als anonym totgeriebenes Wirtschaftsgut die Existenz des Überlebenden umgeben und charakterisieren, 72 usw. Da ein Gutteil des Getreides zu Bier und Schnaps verarbeitet wird, welche das allgemeine Zustandsbild der Menschheit zu charakterisieren und zu tonisieren helfen, die allgemeinen Konsumsitten mitmotivieren, gibt dies ein ziemliches Bild unbedingter Uneigentlichkeit und bedingter Eigentlichkeiten, die dem Imperativ des Egalseins nicht entgehen sollen. Wer bei solchen Zuständen Geist machen will, muß sich mit den Dingen stellen, die unleugbar gegenwärtig sind (im Allgemeinsten: wie der Himmel, das, was in ihm ist und von ihm her auf der Erdenwelt Charakter und Ereignis macht), und die nicht selbstverständlich mit durch den Mühlstein passen, so, wie man Früchte und Schmuck, Dinge feinerer Empfindung, auf den Mahlstein stellen kann, und nur letzte Dummheit kann meinen, das gehörte dortselbst mit hindurch. Alle bewiesenen Dinge aber können dort nur endlich sein, und jeder Geist, den man dem Ding nicht sofort ansieht, ist zuhöchst verdächtig. Der Trunk wiederum darf helfen, den Geist des Dinges zu ergründen. Bei diesem, wie beim Brote auch, macht sich mitbemerkbar die Hefe (beim Brote, noch stärker, die Säuerung und das Backfeuer), bei solchem Ergründen also fast kalauerhaft aspektativ, indem vergleichsweise die Hefe ja nach und nach zu Grunde sinken muß, wo sie im flüssigen Substrat hat ihre Arbeit getan und den merkbar durchklärenden Alkohol erzeugt. Wenn solcherart Betrachtung sich ergründet hat, so ist ihr dann auch klar, was sie bemerkt haben wird, und um wirkliches Erkennen wirk- licher Verhalte ist es ihr nicht zu tun, soweit sich das nicht in diesem ewig wiederholbaren Pompenzyklus abspielt des Sichwunderns, des Ergrün- dens und des soweit bedingt für klar Habens. Viele Literatur, auch in der Philosophie, ist allein in den Empfindungsbornen dieses Zyklus und seiner weiteren Umstände zuhause, und dementsprechend ist der Aussagewert ihrer Eruditionen. Für das Weitere der Welt (das "Vorhandene" Heideggers im Unterschied zum "Zuhandenen") haben solche Geister nur uneigentliche, reizhaft angeregte, aber im Sinne des Spieles von Pneuma und Logos unerkennende Wahrnehmungen. Da ist kein lebendes Spiel. Wenn ich derlei manchmal bemerken muß, beliebe ich mir, zu sagen: Ihr seid keine Menschen - Euch grüßt kein Tier. Das ist, in diesem Verhalt, schon so. "Mensch" heißt dabei ein Menschenwesen, in dem die gewöhnlichen Tiere (und manche andere Menschen, öfters z.B. wache, dreijährige Kindertypen, in der Lebensphase, wo der Charakter Buddhas gründet) spontan und ohne weiteres einen Lebenscharakter wie sich selbst entdecken, der sich also selbstverständlich in den Koordinaten der Weltelemente (weiteste Natur) befindet und bewegt wie sie. In den übrigen Menschen :ereignet sich etwas für menschlich, was der natürlichen, erkennenden Lebendigkeit wacher Tiere nicht entspricht. Dort wirken eben gemeinere und anonymere Agenzien, 73 welche das Menschenwesen durch Reizung und Tonifikation mitbewegen, so, wie, einfacher gesagt, der gewöhnliche Mensch immer auf dem Wege sein wird aus einer Tür zu einer anderen (oder derselben) Tür, und ganz selbstverständlich in einem Haus, einem Bett zu schlafen erwartet, ohne jede Variation. So wirken viele Kommunitäten der Menschen- Lebensführung weglenkend von der Natur, daß ein darin befangener Mensch die Aufmerksamkeiten im Spiel der Tiere gar nicht bemerken wird, selbst wenn sie deutlich gezeigt würden. Es ist der Horizont nicht. Zu den Wetter-Großformen bliebe zu sagen, daß diese in zweierlei Form geholfen haben, Weltgeschichte zu machen. Einmal: die weiten Hochdruck- lagen haben manchen Völkern, die nicht eigentlich Reiche formten, oder formen wollten (wie doch die Perser, Römer, Griechen und Deutschen) (aus der Kraft der Erde gegründet), in zeitweiligen Expansionen begünstigt, so die skandinavisch-russischen Hitzhochlagen die Expansion der Goten, die Azorenhochs jene der Mauren, die eher gemischten Phänomene aus Schwarzmeerhochs und Einflüssen von Nil und Indischem Ozean her die Eroberungen der Türken usw. Solche großen Bewegungen ergaben sich damit, daß Völker, die sich in diesen Klimaten besonders wohlbefinden, denen folgen, soweit sie spüren, daß sie ihnen noch rechtgeben, d.h. ihre Kraft zu behaupten helfen. Selbst die Züge der Hunnen werden wohl einem solchen Kraftgesetz entsprechen, das aber zu weit in Asien gründet, um hier anders als in Nebenformen merkbar zu sein, etwa als Element in den Windzügen, welche von Novaja-Semlja-Hochdomen über das Schwarze Meer und den Balkan nach Europa getrieben werden. Bei offenem Feuer zeigt sich, daß solche Ost- und Südost-Windlagen sehr hitzige Glut machen aus schnell zerfallendem Brennholz, und sonst recht chaotisierend wirken. Die andere prägende Wirkung des Großklimas zeigt sich bei den gründ- licheren, seßhaften Völkern, welche feste Reiche schaffen, sich gegen daher auch unvermeidbare Widrigkeiten festigen. So behauptet der Lebens- charakter der Franken sich vor dem West- und Nordwind, der der Sachsen und Ostseeslawen gegen die schleichende Kälte von Osten und von Norden über die See her. Italien hat mehr mit rein erdreichlichen und damit verbundenen Nöten aus Meer und Gebirge zu tun, das macht die Völker dort, ohnehin von tollen Mittelmeer-Hochzeiten begünstigt, so realistisch. Ein anderer, weniger positiver Effekt ist die unvermeidliche Dekadenz der Menschentypen und ihrer Lebensverhältnisse, welche daher kommt, daß sie den gewöhnlichen klimatischen Nachteilen, so, wie sie bei Beginn beschrieben wurden, nicht ausweichen können, daher eben von schlechten - nicht nur widrigen - Zeiten so geformt werden, daß die Körperselbste sich dem nachbilden, wie schlechte Klimate ihnen zäh und ungut die Kräfte aus 74 dem Leib ziehen. Damit einhergehend ein kompensatorischer, nicht aber explikativer und korrigierender Moralismus, der schließlich die Dominanz eines allgemeinen Charaktergemischs von existenzialisierenden und moralisierenden Uneigentlichkeiten hervorbringt (eins von Nietzsches Themen). Das ist alles so bekannt und hat viel Not und Leid, damit auch viel Literatur gemacht. Die Menschen, solcherart schief befindlich, wissen nicht frei zu sein, können sich nicht leicht dazu finden, sich selbstzentriert zu beleben und beispielsweise sich wandernd und schaffend Lebenserfahrung in der wirklichen weiteren Welt zu finden, aus der man die schlechteren Zeiten besser erträgt und vielleicht sogar weise ist über ihre Art, ihr Kommen und Gehen mit anderen Zeiten. Die so weggestillten Menschentypen moralisieren mit aussichtslosen Hoffensideen usw. und vergeuden Nerv und Atem zudem auf das, was sie nicht hindern können. Auf dieser Perspektivlage entsteht dann ein staatlich organisiertes und garantiertes Wohlfahrts- und Rentensystem, dem die aktiveren Menschen in sehr merkbarem Anteil zuarbeiten müssen, was die Schlechtbefindlichkeit in alle Menschheit eintreibt wie die Säuerung durchs Brot. Zudem verfälscht wird das durch die Einmischung des banalsten Hoffnungssubstituts, des Geldes mit seinen quasi versalzenden Effekten. Das hat so keinen Sinn, keine Aussicht und kein Ende, weil nichts dabei zu sich selbst findet und dem elementar Nächsten, woher alleine Kraft, Zuversicht und Realitätssinn im besten, allgemeinsten Sinn des Wortes sich wiederherstellen können. Das Übrige ist notwendig nur dekadent. _________ Am Nil müßte es doch sehr viele Libellen geben - wieso hat man davon nie gehört, nie gezeigt bekommen! (Oder vielleicht: ist das Mâât?) _________ Die Monade; Frage: Wie deformiert man einen Punkt? (Antwort: Indem man ihn bewegt!) _________ Im Garten stand ich und hatte eine Frage: jagen Eulen auch Fledermäuse? Zeit verging (ein paar Tage). Dann stand ich, bei Anbruch des Abends, wieder im Garten, und die Antwort kam vorbei: einträchtig flogen Eule und Fledermaus an mir vorüber, Flügelspitze an Flügelspitze, die Fledermaus zur Linken. Ein kurzer, wahrer Moment viel später bringt (Eulenauge): Von dem, 75 was Licht ist in der Welt draußen, wo es mir als Reflex erscheint, geht eine kontinente Instanz aus der fernsten Ursache, jenseits des Phänomenes selber doch (das, was die Photonenbewegung erst verursacht) durch alle materialen (atomaren usw.) Stationen, das äußere Auge, die Retina, den Nerv, die Neuronen in den Ort des sehenden Bewußtseins selber davon, und auf diesem ganzen Wege ist das Ereignis "Licht", das mehr ist als Photonik und neuronale Bewegung, sich gleich, in sich ganz identisch geblieben. Das ist das "Licht", in dem Platon's Ideen z.B. ganz unmittelbar erscheinen, und somit DIREKT sind. Die Fledermaus erörtert: sie ruft ihren Ultraschallschrei nach außen und treibt zugleich diese Schwingung durch den Gesichtsknochen nach innen zu den Ohren. Wo also Echo aus der Außenwelt wiederkommt und informativ verfälscht ist, da wird aus diesem und aus der Vibration durch den Gesichtsknochen ein Interferenzfeld erzeugt, bei dem die Originalfrequenz von Ruf und Schädelvibration sich, da identisch, gegenseitig löscht, und nur der Signalschatten des Objekts bleibt geklärt übrig. So das Prinzip. In einer ähnlichen Wendung flippen Motten ums Licht, und ergötzen sich Façettenaugentiere an den lichtklaren Qualitäten der Augen-Glaskörper größerer Tiere. Fliegen wimmeln den Kühen und Antilopen nicht nur deswegen um die Augen, weil dort Säfte umher sind, die sie mögen, sondern auch der Reflexe und der transparenten Luzenz der Augen selber wegen. Die können das, des oben beschriebenen Verhaltes wegen, sehr genau, nicht: sehen, sondern: wahrnehmen. Fliegen und Mücken orientieren sich solcherart aber auch um andere, abstraktere Lichtheiten wie jene des Raumes zwischen Subjekten eines fliegenden Schwarmes usw. Die Motten erläutern: das Ganze sei doch recht einfach für die Façettenaugen, gleiche dem Effekt, wie Leuchtdioden Licht erzeugen, nur eben nicht emanativ, sondern rezeptiv: ein Façettenauge erzeugt in sich eine mit bestimmten Lichtphasen kohärente Nervenschwingung (auf molekularer Ebene wohl), und wo das Licht von außen einschwingt genau in Phase mit dieser Schwingung, da entsteht überhaupt kein Widerstand; das Licht geht dem Tier ein in seinen inneren Lichtgeist, wie Butter, und allenfalls die kleinen Frequenzstörungen im Einen wie im Anderen verbrauchen, als cracks oder wahrer Signalwert, neuronale Energie. Das ist da ähnlich dem Sonareffekt im Kopf der Fledermaus. Augen gleichen elementar den Blüten, bei denen der Identitätsfaktor des "Lichtes" ganz entsprechend dem da oben Bemerkten, so Charakter macht, daß eine unmittelbare Entsprechung ist zwischen dem relativistischen Schmelzpunkt in der Sonnenmitte und dem Nektarpunkt im Grunde jeder Blüte. Das beiden elementar gleiche Auge sieht die Blüte, sieht das Sehen und das "Licht" - eh voila: was den Äther sieht 76 (diesen Schmelz), das ist mehr als dieser. "Wo ist Geist!" Ja, wo! _________ Lachen ist der Ausdruck unmittelbarer Wahrnehmung solche Kohärenzen - da fällt im inneren Raum der Selbstwahrnehmung eine Phasenschwingung, vielleicht als gespiegelt wie im Laserkristall das Licht, in sich zurück, existiert, gleicht sich aber phasenlöschend aus und wird wie unsichtbar (Grimmelshausen). Was eigentlich passiert denn da dem Narziß, an seiner Lache! _________ Blindsassen... _________ Schopenhauer, mal wieder: richtig schauderhaft, was der zum Besten gibt. Bei dem Zeug darf man wohl nicht die sich zur selben Zeit allmählich entwickelnde Spiritistik außer Betracht lassen. In der Kurzdarstellung seiner Thesen und Meinungen erscheint er als wie ein (beturbanter) Amateur-Hypnotiseur, der zumindest weiß, wie sich die Leser (die Leser, über die Nietzsche später gar nichts Gutes zu sagen wußte) vom Buche in den Halbschlaf ziehen lassen, sich auch gerne, mangels besserer Unterhaltung, davon bannen lassen. Insofern als Literat ist er darin deutlich schlechter als die Epiker und Romançiers, vor allem Russen und Franzosen, die einem Bürgertum, das Zeit zum Lesen hat (und oft längere Zeit in Sanatorien verbringt) richtig was zu lesen geben, mit Drama, Moral, Eros, Weltklugheit - davon hat der alles nichts. Schopenhauer ist Händler, der raisonniert seinen Basar, kennt seine Stadt, kultiviert seine Vorlieben und Abneigungen. Er negiert den freien Willen, weil Kunden hinnehmen müssen, was es gibt, und er im Horizont der Bürgerstadt (Frankfurt) auch von nichts Anderem wissen will, als was er sich ohnehin bieten lassen kann. Ein im Grunde ziemlich kleiner Mensch, der nicht gerne weiter denkt als da, wohin sein Pudel laufen kann. Schopenhauer ist oft unterhaltsam, aber trotzdem meist eine Zumutung: er ist sich selbst im Weg, und darüber spricht ja auch sein Raisonnieren. Philosophie kann man das eigentlich nennen, dafür ist es viel zu idiosynkratisch. _________ ...eine solche Kindheit gehabt! geschätzt als kleiner Geisttöter. Weil's funktioniert hat, mag er gar nichts Anderes mehr sein... _________ 77 "...ein alter Glaube der Menschheit, daß Wahrheit darin bestehe, das zu denken, was an sich ist, und so, wie es an sich ist." (zu Hegel) Das ist nicht die Definition der :Wahrheit, sondern die des :Geistes. _________ Es gibt nicht viel zu schreiben in diesen Dingen ohne zumindest ein bißchen literarischer Anregung. Dabei kommt es nicht auf Systematik, Wahrheit mit Format oder sowas an, sondern braucht es nur die figura, mit der ein Literat dies oder jenes Wörtchen vorbeiträgt so, daß mir was dazu einfallen kann. Ganz dem Weg der Güter tragenden Gestalten gemäß im Höhlengleichnis - ein Schatten des Wahren genügt, und ich kann Dir was erzählen von daher, wo die Dinge her sind. Oder: auf dem Jahrmarkt den Philosophen geben auf's zugerufene Wort hin. Bücher kommen gewöhnlich über einen Markt zu mir, oder an dessen Rand entlang. _________ Um alles Ideengetu (eine Objektsucht) ein wenig abzustellen, mit Platon die Frage: was ist die Befindung der Welt um ein ideal sich befindendes Selbst! Alles Übrige findet sich daher, und IDEE, die man meinen kann, ist die Form jener zwanglos im mußestillen Geiste heraufsteigenden Gewahrheiten, die meist aus der Ahnung vom remoten Sein und Geschehen einer müßig bei sich gelassenen Welt entstehen, und die dem sodann hernach Erfahrbaren entweder eine vorgewußte Erscheinungsform oder einen für geistigen Begriff notwendigen Vorhalt geben. Derlei muß man erlebt haben; das kommt nicht aus Schriften. Gute oder auch zuträgliche Philosophen geben Anderen meditative Ruhe, gestalten das geistige Sensorium und wissen, da und dort stutzen zu machen, damit Raum entsteht für diese fein atmende Stille. Diese muß nicht dem bewußten Willen zu Gebote sein, daher ist bei solchen Denkern nicht Not zu rigorosem Rationalismus (der viele Formen hat). Derlei ist Lärm. Nietzsche z.B. darf daher ruhig wiedersprüchlich erscheinen - er insistiert nicht umsonst darauf, die Musik zu haben. Und wer sie nicht hat, dem hilft auch nicht das Studium der Noten. Nietzsche originalisiert da natürlich aus einem allgemeinerem Empfinden her, das das musische Schaffen schon seit einigen Generationen beseelt hatte, mit dem Entstehen eines Sinnes für Musik als Werk, als ganzes, ideenhaftes Ereignis. Was gibt es eine sinnfälligere und zugleich geistigere Verdeutlichung jenes wieder- holten Satzes, daß das Einzelne nicht das Ganze sei, und Dieses nicht Jenes, aber auch die Variante: die Idee ist mehr als der Gedanke, der ihr entspricht (Leibniz), mit anderen Worten: nicht der einzelne Ton macht die Symphonie, sondern das Ensemble aller Töne, jeder im Geiste des Ganzen. 78 Wieviel philosophistisches Geschwafel kann man mit dieser Beobachtung erledigen! _________ Himmlisch: eine doch sehr schöne (und in Giebelrosetten des Gothischen verdeutlichte) Wendung des Paradoxons, wie der Gott jenseits allen Welt- Seins mit dem zusammengehöre, der die Welt hervorbringt und gestaltet, ist der Zusammenhang des Zirkumpolarkreises mit den Wirkungen der Zentrifugalkraft (Giebelseiten der Gothenkirchen schauen nach Westen, wo im Sonnenuntergang die Drehung der Welt am sinnfälligsten ist) in der Erddrehung (welche den Zirkumpolarkreis ja erst miterzeugt). Diese ist am stärksten merkbar in den Breiten Europas. Leichtheit gehört zum Grund-muster der Belebung. Divus, das ist das Mittelmeer. Zeus, der Berg darüber. Theos - das gehört zum Polarkreis-Drehimpuls-Schwung. Das gehört zu Plotins Thema, dem Gleichnis Wasser aus Quelle, Licht aus Sonne, Baum aus Wurzel usw. das ist alles in derselben dynamischen Klasse damit. Die Gleichnisse sind nicht einfach dahergesagt. Plotin, das ist schon fortgeschrittene römische Zeit, wo man den Norden kennt. Damit (dem Schwung) illustriert sich auch die sehr alte Bewegungsrichtung von Norden nach Süden: Goten nach Rußland / Kleinasien, Deutsche nach Italien usw. das ist nicht nur die Sonne, sondern dieser Schwungimpuls, der sich ja besonders auch im Klima zeigt. In einem gewissen Kontrast dazu die Völker, die einfach nur auf etwa gleicher Breite dem Tagesweg der Sonne folgen: die Kelten, die Hunnen. Deren Kulturformen sind kruder, phänomenalistischer, vordergründig. Das durchgeistigt sich nicht, bleibt willkürlicher, weil die Sonne, wo man ihr nur so folgt, nichts erklärt - das nimmt nur kein Ende in seiner stets witzlosen Wiederholung. Die Goten sind auch eher Barbaren, expandieren eigentlich wahllos, erst nach Süden, dann nach Westen usw. Die schon entwickelte Alte Welt im Süden hat es ihnen vielleicht zu einfach gemacht, Kriegerbarbaren zu bleiben, die nur herrschen mußten, wo sie andere Völker anfanden. Jeder kennt die Farbe des Polarsterns, sein gutes, unhelles Licht. Stern der Vorsehung (Pourvue). Einen besonderen Schmelz zu den Westzügen der Barbarenvölker (die Urvölker des Germanischen damit auch) kommt hinzu bei der sagen-haften Geschichte der Drei Weisen aus dem Morgenland, die daher ja auch nach Westen zogen bis nahe vorm Mittelmeer, von Sternen (Planeten, wie man meint) geleitet: Planeten, wie Mond und Sonne auch, bewegen sich 79 im Himmel selber nach Osten, abgesehen von den alljährlichen Kehren, wenn die Erde schneller vor ihnen auf ihrer Innenbahn vorbeizieht. Wer nach Westen zieht, sieht diese also praktisch zu seiner Linken, im Süden, durch den Himmel in Gegenrichtung vorbeiwandern. Das ist eine sinnige mimetische Wiederholung des Effektes, daß der Langzeitweg der Planeten, der Sonne usw. der Richtung des Himmels-Tageslaufes (von Osten nach Westen) auch entgegenläuft. Das macht den Sinn (die Weisen waren Astronomen) hell, still witzig, und solcher stiller Witz ist öfter auch zu spüren in den Haltungen eher als offen dargestellten Meinungen des orthodoxen Geistes, dessen Völker ja auch im Ganzen östlich des Mittelmeeres leben. Solcher Witz wird auch merkbar in den Regeln, nach denen die Zeit für das Osterfest bestimmt wird. Selbst wenn man das alles erklären kann, bleibt dieser blinzelnd feine Reiz im Himmelsbild merkbar... _________ Selbst die besten der nachgearteten Philosophen (besonders im Deutschen, seit Descartes) haben diese konzeptionelle Schwierigkeit mit dem Unterscheiden und Anwenden der Begriffe Zweck und Sinn. Die Existenz an sich jedes Dinges in der weitesten Schau der Welt ist in sich sinnhaft. Wer das aber auf einen Zweck bringen will, verirrt sich im Pseudo-Logos. Das heißt doch nicht: Werte, sondern: Selbstwahrnehmungen in Hinsicht auf etwas. Die aktive Form dessen ist die Tugend, die reale die Tat oder Handlung. _________ Sizilien ist, wie Korsika, Zypern, Kreta usw. zu groß, um einfach der stille Garten der schönen Frau zu sein. Daher diversifiziert sich das Bild. Die Welt dort, Tier und Mensch, wird zu einem Ausdruck grazilen Weltgeistes, wenn nicht, wie in Sizilien, die sittliche Eifersucht um die Schöne als Weltpfand überhand nimmt. _________ "Das darf man aber eigentlich. Nicht??" _________ Zuspiel aus der Zeitung: die alten Griechen aßen ungesäuertes Brot. Hatte mich schon gewundert, welches Brot das sein mag, das Platon sich in sei- nen Syracusaner Briefen genügen ließ, mit Blick auf die Unanständigkeiten der Lebewelt um ihn her... 80 "Ich bin eifersüchtig, und ich kann Ihnen schaden." Die Kreatur des sittlichen Komposts (weitgehend das, was Nietzsche "die Moral" nennt, in Exemplaren). _________ "I will now fix you with this here trick-word, if you would kindly refrain from moving your bloody eyeballs for a while!" _________ Ordnung, um das hier so zu sagen, ist ein vereinfachter (vereinfachender) Ausdruck des Empfindens für Maß und Sinn. _________ Tolle Sache eigentlich: sich in einem Film wiederzufinden, den man sich niemals selber ansehen würde... _________ Mental Potholes (Potholed Minds) _________ "Sie haben das studiert??" Nee. Ich hab das verstanden. _________ Schmusige Wert(e)sophistik... _________ "Vorstellung", wie sie bei Leibniz und später, etwas bornierter, bei Schopenhauer gemeint sein will, entspricht unbedingt den Begrenzungen und Freiheiten der körperlich-seelischen Konstitition des Erkennenden, also den tatsächlichen Möglichkeiten der Sinne und Körperfakultäten. Bei Merleau-Ponty, im Strukturalismus auch sonst, wird das ja noch einmal extra herausgearbeitet, indem z.B. mit dem Begriff "un certain sens de Paris" nicht nur die Laune, der Humor, die Gewohnheiten des lebenden Selbstes mit den Allgemeinzuständen des Platzes bedeutet sind, sondern auch eine geläufige Aufmerksamkeit damit, wie man all die kleinen Zeichen und Ver- haltensformen von Dingzuständen, Menschen, auch Tieren, die im Ganzen niemals gleichbleiben und sich dauernd in den Einzelheiten verändern und zutragen, als strukturiertes Material für seine WELTwahrnehmung 81 mitbenutzt, diese mittelbare Intelligenz, die ja nicht die eigene ist, die aber im Zutragen und Anrichten der Partikel, selbst in Achtlosigkeiten, Zerstörung usw. der Effekt von Wahrnehmungen, Einsichten, Meinungen usw. ist, annimmt und das eigene Befinden, Wahrnehmen, Meinen usw, wie: nach- bessert. Gerade Paris, aber auch Frankreich allgemein, ist in diesen Dingen sehr klug, sehr bewußt, sehr weltweise seit alther, und die Reklame z.B., die manchmal speziell nicht nur sich auf die Gewohnheiten der Menschen dort allgemein richtet (eine allgemeine Idee von immerfertiger Welt- Läufigkeit, als billige Reiseempfehlungen über den ganzen Planeten, usw.), sondern manchmal ganz genau auf den Humor bestimmter Stadtgegenden, arbeitet mit feinem Witz an der Subtilwahrnehmung von Nebensachen mit. In der Temple-Gegend, einem der ältesten Plätze der Stadt, zeigte sich beispielsweise für solch spezialisierte Humor-Reklame, einst ein Plakat, das nur an diesem Platz Sinn machen kann und daher nur in diesem einen Exemplar existierte: die liegende Steinfigur von einem Templergrab hält eine Cognac-Flasche unter den gefaltenen Armen, und der Text dazu sagt: encore une que les Sarrasins n'ont pas eus - Zumindest eine, die die Sarazenen nicht gekriegt haben. Das ist nicht nur witzig, sondern soll eben auch den Sinn für geschichtlich abliegende, aber bekannte Kleinigkeiten mit wachhalten usw. usw.; die übliche Reklame bleibt natürlich näher an nur modernen, auch banalen Gewöhnlichkeiten. Barthes hat sich ja, wohl schon zu Merleau-Ponty's Zeiten, mit solchen quasi vernünftigen Funktionen der Reklame und anderer Nebensachen der Allfälligkeit für ein überzeitliches und überörtliches Bemerken aus den sonst nur situativ kurzen Daseinsplätzen heraus beschäftigt.) _________ Die Engländer haben von alther einen gewissen Hang, in geistigen und ganzen Dingen ein wenig, manchmal ein wenig sehr, den Advocatus Diaboli zu geben. Das kann in seltenen Fällen die Gestalt annehmen eines zickigen Engels voller abscheulicher Empfindungen, der im Himmel selber mit den gerechtesten Argumenten die falschesten Töne macht. Aus diesem Irrsinnscharakter erläutern sich solche phänomenalen Figuren wie Richard Löwenherz, Cromwell vielleicht, so intentional etwas schief deutende Denker wie Duns Scotus (der Schotte ist, nicht Engländer, daher wohl dieser Verhalt mehr andeutbar vorführt als bedenkenlos ausfährt), sodann die mechanistischen und utilitarischen Denker der Voraufklärung, selbst Darwin in seiner denkerischen Unentschiedenheit. "Die Welt IST wohl schlecht – wenn man nur denkt!" so etwa die Parole dieses Intents. Hinzu wäre zu sehen, welchen Denkern bzw. ideologischen Gestalten England letztendlich einen 82 Platz gewährte, beziehungsweise gewähren mußte, notabene Marx und Freud. Dem allen liegt wohl eine Beschränktheit und Schlechtheit im allgemeinen Nahrungssubstrat zugrunde, verschärft durch die sich in der scharf gezeichneten Klassenstruktur abbildende Tatsache, daß Land und Naturressourcen dort hermetisch beschränkt sind, die Tierwelt z.B. bei aller Durchmischung und gelegentlichen Auffrischung doch in einem grundsätzlichen Sinn inzüchtig ist. Das widersprüchliche Klima nicht zu vergessen, Nordatlantik, Nordsee, dazu der etwas grotesk kontrastierende Golfstrom mit seiner Wirkung. Das alles macht in einer ebenfalls so hermetisierten Menschheit, die vor allem erst einmal abstrakten, von den Möglichkeiten widriger Naturwirkungen allgemein vorbestimmten Wagemut beweisen muß, um über ihre eigenen Bornen hinauszukommen, sich in einer superstrukturellen Daseinsmimetik darstellenden (also: nicht nur vorstellenden) Charakter. Es ist eben nicht leicht ein gelassenes Leben möglich in hermetischer Welt. Der allgemeine Anspruch auf höhere geistige Wahrheitsgeltung kommt damit, daß Britannien keine kleine Insel ist, daß dort deutlich voneinander unterschiedene Völker diese selben Grundwahrnehmungen haben, und daß die höchste, und hinsichtlich der weiteren Welt freieste Kaste, der normannische Adel, Platz und Geltung auf dem Kontinent auch und in der weiteren alten Welt, des Mittelmeeres zumal, hat und behaupten kann. Der Utilitarismus in seiner absichtlichen Ignoranz für das, was er nicht selber meinen MUSS, geht einher mit dem Sonder-charakter der neben Normannen und Sachsen die Wege zum Kontinent unterhaltenden Flandern, welche wie die Normannen sich auf beiden Seiten des Kanals halten und behaupten, als Händler. Der englische Geist artikuliert daher gerne gedanklich verdichtete Meinungen für solche anderen Völker mit, die in ihrem allgemeinen Befinden ein wenig (oder sehr) durch widrige Weltbedingungen (schlechtes Klima, arme Böden, horizontlose Lebenswelten) in sich isoliert sind, die daher sich eher mit eigentlich vagem Zweckempfinden sozialisieren und eher einem metaphysizierenden Mangel- und Hungergefühl folgen als den müßigeren Gewahrheiten sich wohlbefindender Geister, denen eine allgemeine Gunst des Daseins ohnehin die Sinne befreit und löst, ihnen zwanglos Erkenntnisse ermöglicht, die so auch eher für sich sprechen. _________ Ja gut, noch einmal: Schopenhauer (der schöne junge Mensch, mit einem Hauch von Ziegendämon) (vielleicht der Angorawolle wegen, die geholfen haben wird, ihn reich zu machen). Sehr schön, sehr geistreich die Verdeutlichung gegenüber Kant: anstatt das Objekt (Ding an sich) logisch 83 zu obskurieren, verdeutlicht er den vorstellenden Geist wie eine diamanten fluide Seelengestalt in den Grenzen des sinnbegabten Leibes (vielleicht helfen da Brunnen mit im Maintalboden vor dem Taunus). Das ist so superb - solche Geistgestalten gibt es sonst nur in Djinngeschichten aus 1001 Nacht (oder als die Bornen im Paradies). Himmlisch. Solche klare Geistesschönheit kommt wohl vom Indischen Ozean her und dies wieder paßt gut zu den indisch-pessimistischen Anwandlungen späterhin. Doch Vorsicht: von der Existenz wagt er nur zu raunen. Er ist Händler und Kapitalist, und zu seiner Zeit bahnt sich schon - Napoleon hat das aufgebracht - das Projekt des Suez-Kanals an. Daher z.B. pessimisiert er, zeigt das Wunderlicht aus dem Garten Gottes und sagt gleich dabei, das werde wohl - so tatsächlichkeitssinnig ist Thoth - nichts mehr sein. Das Jahrhundert nach dem Suez-Bau wiederholte die Manier mit der Errichtung des Assuandammes, der den Nilhochwassern ihre pulsende Kraft nahm und damit den Monsunableger des östlichen Mittelmeeres verdarb. Irdische Auswirkung daraus: der Ruin des Libanon (Parallele zu seiner Entwaldung durch die Römer) und der endlose Hader überhaupt an der Levante. (Zu bedenken wäre, ob nicht dieser Monsunhimmel gute Zeit früher die Ausdehnung der Türkenherrschaft auf dem Balkan nach Nordwesten begünstigt habe.) Schopenhauer (der Bericht, der Kommentar) spricht von der Hand, dem Auge, die nun mal notwendig Medium der Wahrnehmung und zugleich der Vorstellungsfunktion sind. Das liest sich so weiter: die Geologie, oder strategische Politik, die beschäftigen sich beide mit eben dem, was da über Ozean, Suez usw. ja nur als Beispiel bemerkt ist - aber nach ihren bestimmbaren, begrenzten Zwecken, also: wie die Spanne geht, wie die Hand tastet und kratzt. Das ist Thoth. Das Auge aber findet sich beispielsweise, um seine völlig andere Funktion zu verdeutlichen, nicht in dem zweckbegrenzt Mitschauenden, sondern in einem anderen Subjekt, welches eben zusammenschaut, IDEE findet am Erkannten - da ist der Horus. Wenn Schopenhauer von Indien spricht, dann spricht da nicht Indien, sondern Ägypten. Das will nicht egal sein. Der Pessimismus bei ihm will ein durchaus gnosischer sein - auch die Gnosis gründet in Ägypten. Die Überklarheit der Figur des vorstellenden Erkennensgeistes vielleicht Abbild der durchklärenden Phosp**** und anderer Vulkansalze im Nil. Der Pessimismus wiederum, dieser gnosische Schatten, eine chemische und physiologische Verausgabung, der andere Effekt dieses selben Verhaltes. Beides bedingt einander. Parallele dazu in der relativistischen Kondensation in der Sonne und um sie her. Auch dort polarisiert wahrscheinlich etwas nach Überklarheit und Erschöpfung, wie, sehr sinngemäß, Zucker aus 84 Blütenseim belebt, erfrischt, davon aber auch Ermüdung entsteht, final als Zuckerkrankheit. Die persische Lehre von den beiden widerstreitenden Mächten des Lichtes und der Finsternis paßt gut daneben ( :: Yin / Yang), und sonderbar aus diesem Formenkreis die offensichtliche, nicht obskure Vergleichbarkeit mit den einander im Himmel gegenüberstehenden Sternbildern Orion (unterm Sommer-Hochbogen der Sonne) und Ophiuchus (über dem Winter-Talweg des Sterns) (Platon / Dionysios, usw.usw.usw.) (Des Raisonnierens über solche Dualismen ist kein Ende, wie eben auch die Sonne ewig ihren Weg nehmen wird, über den einen hinweg, zu Füßen des anderen hindurch...) _________ Auge / Blume / Sonne / Relativistischer Schmelz: Erkenntnis, die hehre Gelassenheit des Platon, entsteht im direkten Gegenschein zu jener Mitte in der Sonne und aller Schwerezentren im All, und weil die relativistische Verzögerung ein transzendenter, ewig gleicher Prozeß ist, deswegen endet die Elation im immer möglichen, ewigheitlichen Aufblicken auch nie. Die relativistische Kondensation ist nicht Analogon, sondern direkte Ursache dieses geistvollen Wohlbefindens. (Der relativistische Tautropfen findet seine absolut so verstandene Entsprechung im Wasserborn des Taufsteins.) _________ "Wenn Einer was sagt, haben Andere auch etwas zu sagen" – daher kommt der Nominalismus. _________ Lao Tse warnt vorm Reden. Platon warnt vorm Schreiben. Aber beide haben nicht schlecht Worte übriggelassen, als gute Welt-Geist-Literaten. _________ Leibniz, wieder: Seitenblicke. Galileo - das ist zu seiner Zeit wohlverstanden, wird sonst nicht offen argumentiert. Galileo voraus gingen Kopernikus und Kepler. Dieser wieder hat sich empfohlen durch die kleine Genialität, einige der sogenannten platonischen Körper weiterzuentwickeln, indem er einfach die Polyederkanten verlängerte, bis daß sie sich mitten über der Fläche, an die sie ursprünglich anstießen, zusammentrafen. Dadurch entstanden die sogenannten Keplerschen Sternkörper. (Außerdem betrieb er eine bemerkenswerte Astrologie und hat ziemliche Bücher darüber geschrieben.) Ein ebenfalls schon lange zu Leibnizens Zeit bekanntes 85 Prinzip war das der camera obscura, der Lochkamera. Es wäre ja gut denk- bar, daß diese Dinge dem Leibniz geholfen haben, das Prinzip der Monade zu entwickeln, zusammen mit der schon erwähnten neuen Möglichkeit, die Planeten nicht nur anzusehen darauf, wie sie auf die Erdenwelt wirken, sondern: aufeinander. Feste Objekte, egal ob Atome, Steine, Lebewesen, Planeten usw. kann man ja ohne Weiteres so ansehen wie hermetisch in sich gefügte Körper, die in sich selbst einen einartigen Binnenraum einschließen, welcher in jedem seiner Raumpunkte eindeutig korrelierbar ist mit jedem Masse- und Raumpunkt im All umher, wo diese doch in ihrer gesamten Eigenart als von den Objektgrenzen umfügt dasselbe bleiben. Das sieht sich mit dem Prinzip der camera obscura so, daß jeder Punkt darin das All auf alles Andere umher, besonders aber auf die Materie des Objektes sonst, abbildet. Alle Raumpunkte bilden also das Um-All noch einmal in verdeutlichender Weise (für den hermetischen Eigencharakter - deswegen: "Monaden haben keine Fenster") besonders ineinander ab. Und dasselbe gilt auch für den Raum NICHT in Objekten eingeschlossen, sondern zwischen ihnen, wie der Allraum zwischen den Planeten usw. Lebende und daher so oder so (Wachs- tum der Pflanze, Bewegung der Tiere etc.) in ihrer Form, ihrem Ort veränder- liche "Objekte" artikulieren sich aber nicht nur als latent passiv abbildend in diesem Welt-Raum, sondern durchwirken ihn, sich selbst gestaltend. Das ist rein realerweise so und bedarf in dieser Hinsicht keines Motives extra. Die All-Monade aber, der Inbegriff allen freien Raumes um jedes Besondere, Begrenzte, Materielle, ist der Aufenthalt, sozusagen, des Logos, der zunächst einmal nur die Möglichkeit bedeutet, daß jedes Ding & Wesen sich in ihm befindet und in der :besonderen Form des Logos in allem Weltgeschehen mit Anderem interagiert. Diese reine Freiheit, die keiner weiteren Spezifikation bedarf, formt wohl den Grundzug dessen, was sich als der Optimismus, eine elementare Empfindung reinen Freiseins an sich, bei Leibniz darstellt. Die All-Monade ist auch das Medium, wo schon nicht notwendig der Daseinsort, des Blickes Gottes, sozusagen. In der Darstellung ist zu spüren, daß Leibniz dabei eine allgemeine Richtungsempfindung im Raume, wie weiträumlich von steil oben auf die Erdoberfläche herab, sieht. Das wunderte mich, weil das so deutlich ist, daher habe ich ein wenig nach- gerechnet, daß zu Leibnizens bester Lebenszeit die drei äußeren Planeten alle auf dem Scheitel der Eklyptik, in der Sommerhöhe der Sonnenbahn, zu finden waren, besonders Pluto, der äußerste Planet. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und danach von Optimismus zu wissen, will sonst eher sonderbar erscheinen, und Voltaire hat ja auch dann sehr heftig gegen Leibniz deswegen polemisiert. Dreißig Jahre, das bleibt bei dem Krieg aber immer zu bemerken, ist auch etwas mehr als die Umlaufzeit des Saturn, 86 des viertäußersten Planeten, der für gewöhnliches Sehen der äußerste der sichtbaren Planeten ist. Man kann sagen: die äußeren Planeten waren zu jener Zeit lange noch nicht entdeckt, aber die allgemeine Änderung in der Auffassung dessen, was das All und die Planeten wirklich sind, hatte absolut die wirkliche Möglichkeit für die Menschheit eröffnet (manche Tiere sehen z.B. den Uranus ohne Weiteres, und sogar den Neptun) (Katzen, Eulen etc.), beim selbstverständlichen Fortgang der Beobachtung und Forschung im nun als räumlich frei und nicht nur wie ein Bann auf die Erdenwelt scheinenden All diese Planeten zu finden. Und Leibniz, dieser kluge, wache Geist, spürte das. Zugleich, weil die Planeten noch nicht objekt, also perspektivisch begrenzt, wirklich erkannt waren, diese Empfindung von so etwas wie himmlischer Gunst. Das ist nichts Irdisches im Sinne einer Moral, indem ja auch die Dinge und Wesen auf der Erde als einzeln und frei vor dem All wahrnehmbar geworden sind. Illustrationen aus jener Zeit zeigen, daß auch Städte und Plätze eine large Weitläufigkeit haben, die Häuser klar voneinander entfernt und Menschen, Tiere, Karren usw. bequem vereinzelt im weiten Bodenraum. Bei Grimmelshausen erscheint öfter die Redensart: der alte Kaiser, was wohl nicht das leibliche Alter des Menschen meint, der's ist, sondern eine Respektivität für die Erscheinung des Herrschers insoweit als die Mitte einer Staatswelt, die schon unvordenklich lange so ist. Der Seitenblick, den man sich dabei denken kann (ein innerer), sieht wohl ein wie laubbraunes, archetypisches Menschenprofil, und so ähnlich könnte man sich den Pluto versinnbildlicht denken, wenn er, wie in dieser Zeit hier nun wieder, in der Tiefe des Zodiak und damit nahe über dem Horizont ungesehen scheint. Was die anderen Planeten angeht, die ungesehenen, aber wohlgefühlten, so könnten dem Neptun entsprechen die Schweden, dem Uranus aber (der auf seiner Bahnebene rollt, phänomenal dem Rollwagenwesen gleich) die wallensteinische Façon der Kriegführung als wie eine dichte Wolke, die über die Erde wallt und rollt und sich aus dem erhält, was sie aus dem belagerten Lande an sich ziehen kann, usw.usw. Der Saturn, wie er während des Dreißigjährigen Krieges einmal ganz um den Himmel zog, ja selber auch als ein (trabantenreicher) Körper im All kognosziert, bildete sozusagen das sonst noch Unerkannte, aber absolut schon Bewußtseins-Imminente wie ein Schattenspiel in irdischer Materie ab. Das ist natürlich keine Doktrin (diese Schau) - Leibniz mag ja auch alles Mögliche sein, aber doktrinär ist er bestimmt nicht. Die Menschheit aber, ach, mußte ja weiter, das All beobachten, Planeten einmessen, Störungen herausrechnen, die auf jene Unsichtbaren wiesen, nach ihnen forschen, sie finden, und schließlich sogar mit mechanischen Apparaten in den Weltraum selber ausgreifen. Dazu aber muß man die Erde, den Planeten selber, 87 und die Menschheit, die an ihm keine Ruhe hat, hart rannehmen. Und dann zeigt sich: die Menschen machen Fehler, da lachen böse Götter. Die Planeten nämlich sind der Hort der Titanen. Nur gottverlassen können die Menschen wagen, sich damit anzulegen. Und so, wie diese feine Welt nun öfter erscheinen will... Die Griechen haben doch schon gesagt: wohin, Antaeus, ist Dir nicht gut?! (Ha ha.) (Ha. ha.) _________ Leibniz, unter Anderem, hat der Menschheit ein Gutteil der mathematischen Instrumente herbeigedacht, womit die Planeten konnten errechnet werden aus den Bahnstörungen der anderen. Ein meteorisches Monädchen wie der! Ein nicht nur welt-, ein ALLgeschichtlicher Geist! _________ Eine nordisch-volkstümliche Form dessen, was Platon für die alte Welt des Mittelmeeres sein kann, ist der Soothsayer, den man auch typischerweise kennt in der Spielart des Rauners, des Besprechers oder Goden. Ein Mensch also, der nicht nur eine allgemeingültige ewige Idee von der Welt hat, sondern auf bestimmte Lebenswelt-Topoi spricht. "Soothsayer" heißt wörtlich so etwas wie Besänftiger, auch: Seufzer (als solches kehrt das Thema wieder in bestimmten Literaturen, wo die Seufzerthemen bestimmter Menschheiten behandelt werden, "ach ja", teilweise in Schriften und Schauspielen seit dem Barock bis in die Deutsche Klassik, ab wann sich aber dann der Geist mehr ins Realistische wandte, und die Sprache verhärtete und pervertierte, bis hin zu den Propagandasagen des Faschismus, oder den Leckerheiten hernach des wieder republikanischen Alleskönnens). Ein Soothsayer kommt umher im Land (Kierkegaard spielt auf den Typ, auch Hamsun, der viel reist und Vorträge hält in kleinen Gemeinden), sieht, wie es den Menschen geht, und spricht zu ihnen von dem, was es, mit Maß und guter Meinung, dazu zu sagen gibt. Beim Goden kommt, wie beim Priestertum, noch eine mythenhafte Gestik dazu, ein Sinn auch für Kraftworte usw. Am entwickelsten, und oft ein wenig verkommen, ist dieses Spiel in Amerika, wo es sagenhafte und nicht selten groteske Geschichten gibt von Wanderpredigern, Zauberern, Heilern usw. Die Heilsarmee ist eine Verbandsform dieses Wesens. Ein Soothsayer (Nietzsche ist, der Predigersohn, oft etwas von diesem Schlage) muß natürlich seine eigene Weise, seinen Geist haben.

09:52 - 17 October 2007 - post comment


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