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8 ...Fortsetzung 7

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Die Beiden hatten allerdings auch eine Schlangenhaut zu zeigen, die einer schwarzgrünen Grasnatter, ein wirklich harmloses Tier. Das Fell schwamm in einer Wasserbrühe, und die Schlange selber gab's nicht mehr. Es war wirklich sehr familiär, sehr genial dort. Ich bekam erste Hinweise auf Dörfer und Wege an Bergen und in den Talschluchten umher, mußte dann weiterziehen, aber wußte, wohin ich zurückkehren konnte, und daß ich mir die Landschaft umher aneignen würde, Fuß um Fuß. Und das hab' ich auch getan, über acht Jahre hin, wann immer ich mich - sehr oft - in die Gegend 133 bringen konnte. Auf diese Weise habe ich die Berge und Täler geschenkt bekommen - der Aufenthalt zu Beginn war eine Geburtstagsfeier für die, sagmer, Copine. Vor allem aber, nachdem die Menschen mich, der gar nicht richtig reden konnte, angenommen hatten, lernte ich die Tiere kennen. Adler, Dohlen, Falken - die wie die Verrückten haarscharf nahe um Bergkonturen rasten - Heuschrecken, Libellen, Kröten, jede Menge frecher Forellen, deren viele sich in den Wasserstürzen über zackigen Kalk flache Wunden in die Schuppenkleider gerissen hatten, die sahen aus wie die taktischen Markierungen an RAF-Flugzeugen. Welse zählten den Bach durch. Auf dem Berg, wo ich mit Jupiter an jenem Morgen hinansteig, schien oben mit langem Hals eine Hirschkuh über den Hangrand herab zu mir zu schauen und mich zu erwarten! Skorpione kamen mich besuchen, wenn ich Feuer machte. Ein Fuchs ließ sich sehen, ein anderer erschreckte mich im Garten, wo ich mich sielte - weil er sich selbst erschreckte. Es gab Walnußbäume und viele Kastanien, worunter Pfifferlinge wachsen, und jedes Jahr im September kommt eine Bagage von Wildschweinen und frißt alles auf. Mir haben die Pilze und Kastanien gelegentlich ein wenig zu überleben geholfen. Bis zur letzten, aber seligen Erschöpfung habe ich mir dieses Land hereingezogen. Und die Schlangen waren immer dabei. (Fledermäuse ohne-hin auch, überall.) Einmal träumte ich einen düsteren, harten, traurigen Traum (auf den Bergen wesen Alpgespenster und, wie anderswo in Frank-reich auch, lieb spöttische Luftmädchen, die gerne einen Mann zum Belachen haben wollen, aber das ist reine Liebe - die können ihn nicht wirklich haben, deshalb warten sie auf seinen Dämmerschlaf und lachen ihm dann, so aus der leeren Luft, nah ans Ohr; liebe Geister, wirklich, Seelen ähnlich der, die mir im Kino zur Seite gesetzt worden - wer's nicht glaubt, braucht's nicht zu nehmen - ich hab' schon, mir tut's nicht leid). In dem düsteren Traum sah ich also eine kleine Schlange, die ich in ein Armbandetui tat, und leise, dunkle, kalksteinfest kühle Stimmen sagten mir etwas von Familie, wozu ich gehöre - eine Schlangenfamilie. Am Morgen, als ich hinab auf der Talstraße den langen Weg zur Stadt am Meer zu wandern unterwegs war, fand ich die kleine Schlange, von der ich geträumt hatte. Ein Motorrad war ihr mitten quer über den Rücken gefahren, und sie war tot. Ich hob sie auf, legte sie ein wenig geringelt in eine Lücke zwischen den Steinen einer lockeren Gartenmauer, ließ sie so, schaute aber in das klare, starr dunkle Auge, wovon mir ein sengend kühler Schauer durch die Seele ging, vergleichbar in der Rückengegend, wo sie überfahren worden war. Dazu der kalte, scharfe Rand ihrer starren Pupille, nicht ungleich den Brillen, wie ich sie früh bei manchen Nonnen und Ärztinnen zu schauen bekommen hatte; das Licht darin wie ein kaltes Gift, das der Tod ist. Den Traum merkt' 134 ich mir wohl, ging für nun weiter. Als ich längere Zeit später wiederkam und schaute nach ihr, war sie noch da, aber von den Ameisen aufs weiße Skelett heruntergeputzt worden. Überall haben die Schlangen sich finden lassen, lagen oft - rotbraune Gartenschlangen, dick wie ein Daumen - faul und dreist quer mitten über meinen Weg. Als wenn sie was dafür bekämen. Die schienen in sich sowas wie zu kichern, wollten vielleicht sowas wie gekitzelt werden. Ich blieb gewöhnlich so lange zuschauend davor stehen, bis daß sie sich - nach Minuten - dazu bequemten, irgendwie davonzukriechen. Oft fand ich im Fluß Schlangen, die hatten zugemacht und sich in einer stillen Tümpelecke zusammengerollt, eine die Nase direkt hinter einen Steinrand gehalten, wo Millimeter davor der Wasserstrom vorbeifloß - so konnte sie spüren, was stromauf vielleicht Drama macht und sich was dazu einfallen lassen. Im Flüßchen wehten lange Büschel eines Tanggrases, und darin verbargen sich andere, von denen ich Grund hatte, anzunehmen, daß sie, falls sie zubissen, etwas dreckige Zähne hätten, nicht gerade stichgiftig, sondern nur, daß es die Wunde gründlich entzünden würde. Es hat mir aber nie eine etwas gewollt - die sind viel zu träge, cool. Was hätten die davon, bei meiner dicken Haut! Außerdem sah ICH mich vor, keiner zu schaden, aus reiner, meinungsloser Sorgfalt. Der Fluß gehörte ganz den Fischen, den Kröten, den Libellen und den Schlangen. (Weil viel Dreckholz und Schrott längs überall darin lagen, machte ich von dem Holz ein starkes Feuer auf einer Kiesbank im Fluß; nicht lange, da erschien eine drei Fäuste große Unke mit roten Augen, die mich gerade an-sah wie: was ist das denn hier! Sah sich das Feuer mit an, und nach einiger Zeit fand ich sie nicht mehr. Aber in den drei Jahren circa, die dem folgten, zogen mehrere Feuer über die grasigen Berghöhen, kauterisierten die Olivenbäume, die da überall in Etagengärten wachsen. Das größte, wildeste Feuer stieg jenseits der Berge bis in die Ufergärten am Meer hinab, verbrannte ein paar Villen und schmorte durch die Holzschwellen der Eisenbahn, während dieselbe langsam darüberfuhr. Da's auch noch Abend war, hatten die Interrail-Clowns an Bord eine richtig tolle Zeit, die sie bestimmt nicht vergessen werden. Ein schönes, feierliches Feuer fraß großartig durch den Hang über Monaco, als die Prinzessin mit ihrer Tochter schwanger ging. Vielleicht kommt davon noch mal was aus dem Mädchen wieder. Bis jetzt raucht es jedenfalls nur Zigaretten.) Das Spiel mit den Schlangen ging für mich noch eine Weile weiter. Irgendwann kannte ich den Fluß, und der Fluß kannte mich. Zeichen dessen waren zwei Welse, die mir in aller Ruhe ihre Steinchen vorwendeten. So, etwa, hatte ich nun auch alle meine Steinchen gesehen. Die Schlangen im Fluß sind lustiger als die oben im Berg, aber diese wieder können einem eher, wie ein langsam heranwedelnder Finger, Bestimmtheiten weisen. 135 Die Schlangen im Fluß, als ich wieder einmal dort badete, lachten mich geradezu an - nicht mit Stimmen, aber in solch wiegenden, wasserheiteren Bewegungen. Die nannten mich ihren Adam und wollten was von mir haben, das sie auch bekamen. Da waren sie sehr zufrieden. Wieder gute Zeit später wanderte ich auf der Meerseite die Straße hinab und fand da Schlängelein, wie winzig kleine Ottern, gerade anderthalb Finger lang und dünn wie ein Bleistift. Winzige, aber sehr knackfest trapezförmige Beißerköpfe hatten die, hellgraue, geradeweg calciumfarbene, sehr winzigfein geschuppte Kleider mit scharf präzisem Zickzackmuster, schwarz, zu beiden Seiten bis auf den Rücken. Die lagen da selbstbewußt faul mitten am Straßenrand, als wenn's keine Autos gäbe. Da mußt' ich ein bißchen helfen. Diese wirklichen Schmuckstücke muß der Traum gemeint haben als das, was ins Etui gehört. Und die Familie... Wenn ich die Schlangen nun eigentlich alle kenne, so muß ich auch deren Königin kennenlernen. Das fand sich sehr weit flußab, wo es sehr still wird vor einer kleinen, eckigen Klamm, darin das tiefe Wasser fast ganz anhält. Dort ist es so still, daß ich einfach Furcht habe, in dieser nicht langen (vielleicht 150 m), nicht wirklich tiefen Klamm (3 m vielleicht) zu schwimmen. Gleich draußen, wo das Wasser ganz seicht über Kieselgrund abrieselt, ist der Badeplatz einiger Kinder aus dem kleinen Flecken wohl 200 m weiter. Aber von der Bergseite her möcht ich verreckt nicht in dieses stille Wasser gehen - es ist zu unheimlich. Ein paar alte Bäume schauen ungefähr von unten herauf bis unter die Wasserfläche, und man kann nicht längs durch die knickige Klamm schauen. Nie im Leben werde ich da hineingehen, vielleicht nur, weil dieser Wasserspiegel, so still, tabu ist (sagte eine Kuh, irgendwie, viel später, mit der Nase haarscharf über dem stillen Wasser ihrer Zinktonne). Aber wieder aufwärts, wo noch Strömung spielt und das Wasser Laut macht - da spielten sie dann, die Königin der Schlangen und ihre Gespielen; vier, fünf von den da üblichen, ähnlich Würfelnattern, hingen so und so bei den Randsteinen, als wenn sie sich an diesen festhielten, um nicht fortgezogen zu werden in den Wasserstrom. Und dann die Königin: in Größe und Aussehen wie eine Ringelnatter, kam sie stolz mitten im schönsten Flußschwall dahergeschwommen, den Kopf aufrecht aus dem Wasser gestellt gleich einem Schwan, die Nase nach vorne gerichtet auch wie ein solcher, das Haupt gezeichnet und geformt wie ein Samthäubchen, aber lackschwarz, mit großen Schuppenplatten bedeckt, wie wohl üblich. Schlängelte sich elegant voran, ganz gelöst, und verschwand dann irgend- wo seitlich. Das muß sie sein. Keine der anderen Schlangen hat je den Kopf gehoben, alle hielten die Nase vorn und machten keine sonderliche Extraidee von sich. Nur diese hier - die muß es sein. 136 Lange, lange vorher, als ich noch oft im Haus meiner Eltern schlief und im Entferntesten nichts von jener Gegend wußte, hatte ich von diesem Platz, dem Fluß geträumt: als wie von dem Pool im Garten des Hauses, wo nur noch im unteren Teil des Bodens Wasser war, darin das Wasser-Tanggras, wie's der Fluß dort hat. Dazu eine eklige Travestie von Empfindungen über schleimigem Gewürm, gar nichts Anderes als was ich für die Schlangen im Fluß, zwischen diesem Gras, gefunden. Sogar die einzelnen Schlangen könnte ich hervorzählen, die zu dieser Ekelvision als Schleimgewürm herhalten mußten. Ich kenne die Stelle im Fluß sehr genau, die der Traum als den schlubbrigen Poolboden so lange voraus abbildete. Dort fällt ein kräftiger Wassersturz in ein tieferes Felsenbecken, vielleicht bis zu einem Meter tief oder mehr, zwischen großen, runden Kalkboliden. Unter dem Wassersturz wogt dick das Wassergras, und darin verstecken sich, lang mitwogend, die paar Schlangen, wie die auf dem Haupt der Medusa. Zum Baden ist der Platz prima, aber man sollte nicht versehentlich durch das Gras auf die Schlangen treten. Die beeilen sich nicht, beiseitezugehen, und man kann sie nicht sehen. Auf einem Vorbergausläufer über dem Becken, vielleicht 6 m hinan, ist der Hauptboden eines Terrassengartens, der sich 60 m nach Flußab zu einer Flußschleife rechtshin erstreckt, langsam flach absteigend. Über dem Badebecken auf dem Hauptboden ein paar Gebäude- ruinen, und in einer davon fand ich einst einen italienischen Stahlhelm aus dem Kriege, ziemlich dünngerostet. In dem Nachbargebäude, auch eine blanke Kalksteinruine ohne Tür, habe ich wohl einmal, als das Fressen, das ich hatte mitbringen können, war schlecht gewesen, nach einem grauwürgenden Auskotzen für längere Zeit matt am Boden gelegen, mit Blick durch den Türrahmen nordwärts zu einem nahen Bergkamm hin, und so in meiner jetzigen Schau auf alles Verrückte und Lachhafte, was ich mit Fluß und Bergen habe kennengelernt, scheint mir diese halbe oder ganze Stunde, wo ich so da gelegen, nicht krank, nur zu matt zum Aufstehen und Fortgehen (durch das Tal und dann 250 m eine Bergschneide hoch, um gleich da hinab wieder zu dem Dorf zu kommen, da die totgefahrene Schlange gefunden und salviert, nach dem Traum) als einer der seligsten Momente in dieser ganzen Zeit, weil von da her ich wie in Vision all das mit dem Berg gegenüber aufscheinen sah, was NICHT ich konnte wirklich am Land tätig selber gefunden haben, gesehen und ergriffen haben. Das ist das Mehrere, und zeigt sich nur dem, der es eben gar nicht ergreifen kann. Das Tal wäre eine gute Heimat für einen Djinn. Hier will keiner keinem was. Alle Menschen sind längst fortgegangen, und die Welt, ja gut, gibt's. Aber da ist ein langes Stück hin. Was gibt's zu wollen!! 137 So. Jünger im Großen Kriege (wieder): im Ganzen gibt es zu diesem Bericht für hier nur eine Sache zu erörtern, die mir auffallen mußte, die wesentlich genug ist, die aber wirklich nicht jeder sehen kann, der im Erkennen solchen Belangs nicht ein wenig geübt ist. Ich weiß nicht, ob Ernst Jünger das selbst wird bemerkt haben - weise genug ist er allemal, aber insofern als durch sein agonisches Miterleben zu intensiv identisch mit allem Geschehen, einfach über solche Reflexion hinaus. Wie bemerkt: er ist naiv im besten Sinn des Wortes, das heißt: völlig ohne jede solche Reflexion, und mir, indem ich den ungeheuerlichen Text nur lesend abbilde, das heißt: in dem schon Reflexion selber dazu bin, kommt diese sacht gezeichnete, in sich bezügliche und so grad eben strukturierte (diese Worte mühen mich und wollen nicht einfach), komplexe Einzelheit quasi selbstredend zu Bewußtsein, ohne daß ich diese Erkenntnis suchen oder herbeidenken müßte. Das geht gewissermaßen einher mit der unbemühten Prädisposition, die ihre Gelegenheiten findet, sich zu beweisen im glücklichen Händchen, im glücklichen Auge für gute Momente (bei Meteoritenfall) usw. - dahin spricht, was da als einige Ereignisse unter vielen nur so mitspielt, von einem subtilen Gesetz, wie folgt: Die meiste Zeit lang lagen den Deutschen in den Gräben englische Soldaten gegenüber. Die hatten einander wirklich scharf drauf. Eine ganze Zeit lang berichtet Jünger vor allem, wie und auf welche Weise seine Kameraden (die ohne Stahlhelm auf Schützenwache standen) von Gewehrschüssen aus dem Gegengraben erwischt wurden. Die Formel, die sich aus den Berichten herausarbeitet, und die ich hier eigentlich nur fragmentarisch verdeutlichen kann, beginnt aber bei einem relativ müßigen Moment, wo nicht solcher Druck auf dem Graben liegt. Jünger steht mit einem Kameraden; beide sprechen miteinander, da bemerkt er im Augen- winkel, wie drüben ein englischer Soldat ungeschützt und scheinbar sorglos über Deckung umhergeht. Das Gewehr eines anderen Soldaten zu ergreifen, wie im Drill herzählend zu zielen, zu schießen, sind ihm (Jünger) Eines. Er trifft, der Soldat fällt auf den Rücken, bewegt noch für einige Momente die Arme und liegt dann still. Das bedeutet nichts sonst, wird nur so berichtet, wie es wohl geschehen ist. Aber damit, meine ich, beginnt eine Folgereihe von ebenso beiläufig mitbeobachteten Gesten und Ereignissen, die insgesamt - und das eben soll hier herausgezeichnet sein - ein Exempel formen für das Gesetz absolut gewogenen Ausgleichs im scharf vorgespannten Raum dessen, was bezeichnet werden könnte als die Nemesis des Schlachtenglücks, des Kriegergeschicks (Jünger bezeichnet sich öfter bewußt als Krieger, was etwas wirklich ganz anderes ist als: Soldat). (Die Worte, weiter, kommen mir schwer - nicht der passager mitgemeinten Töterei dort wegen, oder aus moralischen usw. Nebenempfindungen, 138 sondern weil das, was da zu sehen ist, so selbstverständlich und klar ist wie das Licht - als Photonik - , die Begriffe aber dazu nur ungefähr sein können - das liegt teilweise daran, wie ich die Formel (was viel leichter käme) nicht einfach erläuterte und erst dann die Ereignispartikel, welche sie substantivieren, einfach zufüge, sondern daß ich mit der Folge der Ereignisse selber gehe, und allein schon die wirklich lange, zähe Zeit, die alles enthält, zusammen mit Mühe, Pein und Not, worüber selbst Jüngers Bericht nur wie streift, die aber spürbar sind wie dem das Lesenden die Schwerkraft, so unmittelbar, zwingen mir diese sich in der Mühe des Wortefindens verdeutlichende Verhaltenheit auf - zudem hatten die Menschen zu jener Zeit deutlich ein völlig anderes Gefühl für die weilende und die geschehende Zeit - sich das zu verdeutlichen ist der Kriegsbericht so unvergleichlich wie in dem, was er ohnehin reportiert.) (Und dies auch, wie abgelegen es nun erst einmal erscheinen mag: der philosophische Patron dessen, was hier nun zu Gesichte will, ist Karl Popper. Was der lehrt, kann ich mir nicht aneignen, weil, wie gesagt, der, hier dieser allgemein das Heft füllende literarisch-intellektuelle Prozeß mir tatsächlich nur in solcher praktischen Meinung geraten kann, reine Objektivation nur mir wirklich manifester Wahrnehmungen. Darin bin ich kein bißchen weniger naiv, als mir Jünger erscheint, und politologische, soziologische usw. Streumuster zu perzipieren, darauf philosophierend zu referieren, wie ich meine, daß es Popper tut, ist mir denkbarlichst fremd. Aber neben dem, was der beweist, zeigt er in unwesentlich erscheinenden Dingen Phänomen, das hier ziemlich unmittelbar mitspricht. Ich habe dessen Staatsarbeit, um das so zu nennen, nur soweit gelegentlich angelesen, daß ich weiß, wie wenig mich das in dieser Form angeht. Nur der Jazz, am Werk bis in die Zeitungsfeuilletons eben durchkratzende Nebengeräusche, das, was er nur mal eben mitgesagt hat, will hier, ganz so eben, Reflex hinzutun - kein bißchen mehr. Das ist einmal die Einzelheit, wie er sehr schlicht lebt, als einzigen Bildschmuck in seiner Wohnung das Bildnis des Hasen, von Albrecht Dürer, in einer Kaufhausreproduktion, sehen läßt - das sieht wie nichts aus, will nicht notwendig, sondern nur irgendwie, zu dem Hasen (ebenso wie der Soldat gedankenlos erschossen) in Jüngers Weltkriegs- theater erscheinen, "aber" man sollte den Hasen, das lebende Wesen, kennen, wie ich, zu dem er öfter des Nachmittags an den Feldrain kam, nahm heiter Platz in ziemlicher Nähe, mir etwas zuzudenken - so sollte man den Hasen selber kennen, um hier nur ein wenig achtsamer beieinander zu lassen, was nur so ganz eben erscheint. Das ist, aber nicht wichtig, ließe sich sagen. Sonst aber hat Popper, Sir Popper, sich mit der Bemerkung empfohlen, bei Worten mit dem Ungefähr eher zu gehen als mit der philologischen Bleiwaage - das will nun hier, wo Worte, selbst guterwogen, trotzdem, 139 für mein eigenes Empfinden, durchaus danebenstehen, ein wenig helfen - vor allem mir, weil dem, der's nur so liest, solche Schwierigkeit mitnichten wahrnehmbar sein muß.) Die Formel, also (in Elementen): mehrmals rettet Jüngern nur so wie mein Aufblicken in einfliegende Meteoriten, so, treffliche Geistesgegenwart, nicht seine, sondern die seiner Kameraden (immer bestimmter, einzelner). Eine größere Begegnung (kompanieweise, circa) mit dem Gegner bringt eine andere Ordnung in die Reihen. Es gelingt einmal, eine ganze englische Kompanie zu umzingeln und gefangenzunehmen. Jünger, da wohl schon Leutnant, unterhält sich für länger mit deren Offizier, durchaus freundlich und herzlich, sorgt, soweit er selber kann, für faire Convoyance der Gefangenen, des Offiziers im Besonderen. In einer irgendwie bezaubernden Unverschämtheit nimmt er an und auf sich Dinge aus dem Zeug, das Feindsoldaten verloren haben (im Tode) oder verlassen: gute Unterwäsche aus dem Tornister eines gefallenen französischen Offiziers zieht er dort am Fundplatz sofort an, und lebt von den für ihn wirklich üppigen Essensvorräten des englischen Offiziers - nicht ohne seine Kameraden davon mitzuversorgen. Im Rahmen des hier Gemeinten erscheinen diese Dinge als Chiffren für: Immunisation (die Wäsche) und: Naturalisation (die gute Kammer) - nicht wichtig, wie der Hase sagt, aber: das ist. Immerhin: es ist Krieg (: die gründliche Zerstörung aller Häuser, Dörfer, Städte, als das deutsche Heer sich etwas weiter zurückziehen muß) - essentielles Nirwana, in Fetzen. (Daher - hier findet sich nun zumindest dieses Wort - ist wohl Karma der Kapitelbegriff für die Formel). Bei der Umzingelung, oder bei einem anderen Angriff durch die Gräben finden die Stürmenden einen einzelnen englischen Soldaten, der an der Grabenwand zusammengekauert nicht mehr wird für sein Los können. Einer der Mitstürmenden schreit Jüngern zu: "knall ihn ab, den Hund!", aber Jünger tut gerade das nicht. Sein Engel versteht: nein, er ist nicht schlecht. Es ist Krieg, und er IST Krieger - mehr nicht. Diese paar Einzelheiten sind, im Ganzen, die Gewichtssteinchen, womit seine Geschickeswaage vorjustiert ist, in dem hier meinbaren Betracht. Er wird für einige Weile auf andere Kriegsfelder getan etc., kehrt aber, soweit ich mich entsinne, nach diesen Aufenthalten wieder in diese ursprüngliche Frontgegend (in die er gleich zu Anfang, als Rekrut schon, gestellt worden war) zurück.Folgt eine wirklich große Theateroperation ("Großes Prinzip!!"), ein Generalangriff in Gegenwart des Kaisers und Hindenburgs, der aber scheitert, weil die Feuerführung der deutschen Artillerie nicht mit den (beachtlichen) Gewinnen der Frontkämpfer voranweiß. Darum, an sich, scheint es nicht zu gehen, aus sonst unerkennbaren, nur spürbaren Gründen, usw. Schließlich aber (Jüngers Bruder wird in seiner unmittelbaren 140 Nachbarschaft schwer verwundet und nur durch die energische Initiative Ernstens gerettet) kommt das, was hier Evidenz machen will, auf den finalen Punkt. Das Bild wird ungenau, teils aus äußeren Gründen, aber auch durch Veränderungen in Jüngers Wahrnehmung. Bei seinem Tod vor diesen wenigen Jahren wurde ausgetragen, er habe zuletzt einen solchen Unmut gehabt, gewissermaßen nicht mehr gewußt, was ihm diese Welt soll, oder er sich mit ihr. Genau solcher Unmut aber plagt ihn wenige Tage vor der Verwundung, die ihn um ein Haar damals schon getötet hätte. Das ist so berichtet. Da genau in dieser Zeit geschieht dann ein signifikantes anderes Mißgeschick: beim Deckungsuchen in einem Granatentrichter stolpert er und fällt mit dem Knie in die, mi scusi, Panikscheiße, die ein anderer Soldat dort gelassen hat. Jünger weist seinen Burschen, der mit dabei ist, an, ihm das vom Stoff abzukratzen mit einem Messer. Es muß hier doch unbedingt gesagt sein, wie absolut die Verehrung seiner Soldaten für ihn ist, seiner praktischen Weisheit wegen im Chaos des Schlachtfeldtheaters, die Vielen den Balg vor dem Schlimmsten bewahrt hat, und seiner glänzenden Tapferkeit wegen. Als es bis hierhin gekommen ist, ist er schon mindestens ein Dutzendmal verwundet worden. Nun aber, bei einer eher unwichtig erscheinenden Attacke über einen feindlichen Graben hinweg (dieser ist zum guten Teil noch unfertig; ein ganzes Stück ist nur in Graswasen vorgestochen, nicht einmal angegraben) (: "noch eben") wird er mitten im Sprung voll getroffen, stürzt in den neuen Grabenboden hinab und liegt dort, dem Tode wirklich nahe, für eine ganze Weile, bis daß er gefunden und notdürftigst versorgt wird. Dabei meditiert er GRAS, woneben gleich seine Wange liegt. Ich möchte so unmüßig sein, gerade hier wieder auf den Hasen Vermerk zu geben. Jüngers Leute würden sich für ihn in Stücke reißen lassen, das haben die nicht nur geschworen, sondern oft bewiesen. Und so ist es nur ganz selbstverständlich, daß einer seiner Besten ihn durch dichtestes Feuer davon in Sicherheit zu tragen unternimmt, wird ihm dabei unter der Figur zu Tode geschossen. Der Zweite, der ihn im Hagel erst finden muß, schafft es, ihn zu retten, wird aber selber darüber schwer verwundet. Jünger überlebt (sonderbar, das so zu sagen), und das Exempel, die Formel, ist mit diesem allen auch komplett. Dies alles hier Bemerkte hat eine solche Ereignisschwere, daß möglicher- weise das, was gezeigt werden soll, wieder nicht durchschaut, daher soll es nun wie ganz obenhin in wenige Sätze destilliert sein: Jünger erschießt diesen (taktisch so harmlosen) englischen Soldaten, gedankenlos, aus einem reinen Reflex (wie er ihm ist angeübt worden). Das ist, um unnötig deutlich zu sein, strategischer Unfug. Verwundet wäre der Getötete eine schlimmere Last für seine Seite gewesen als so terminiert. Dieser ganze Sprachgebrauch, 141 wie ich ihn dazu verwenden kann, ist durchaus, mit einer gewissen Notwendigkeit, frivol, weil es hier um den Tod eines ganz eigenen, bestimmten Menschen geht, exemplarisch herausgetrieben. Die ganze Töterei umher, das Inferno (der Tartaros), Aas, Verwesung, Vergeudung, Alles, ist nur Krach neben diesem einen Tod. Soweit Jünger einen wirklichen (nicht moralischen) Fehler gemacht hat, wird er geprüft, auf der Waage des wirklichen, unablässig geschehenden Krieges deswegen gewogen, situativ angeforscht: hast Du das gemeint? Bist Du ein Mörder? Weißt Du dem Gegner gerade zu begegnen? (der Offizier; er sieht einen Gegner, keinen Feind usw.) - so, dieser hier nun wirklich nicht weiter detaillierbare Prozeß findet da statt, klar erkennbar. Die kapitale Szene des großen Angriffs, Kaiser und Generalissimus zugegen, macht besonderes Argument: das ist ÜBER-HAUPT sträflich (nicht das Töten, sondern der Mißgriff, der dem Feind nur einen Soldaten wegnimmt, statt ihn verwundet, als eine Last für ihn, zurückzuschicken), sträflich, aber kein Verbrechen. Jeder Soldat (Kämpfer) MUSS (...die Scheiße) diese Raison haben, nicht erst bewiesen bekommen. Einfachem Drillreflex blindlings zu gehorchen, ist falsch. Des generellen Argumentes wegen wird eine ganze Division vor die Barrage des unverrückbar nagelnden eigenen Artilleriefeuers geschoben, als in ziemlich dicke Gefängnisgitter. "Das kannst Du glauben". Die rein menschliche Schuld, die Jünger darüber hinaus dem englischen Soldaten gegenüber hat - woneben all die Aashackerei umher - ich möchte mich für diese notwendige Saloppheit wirklich entschuldigen - allenfalls Argument-Umstand macht, muß gesühnt werden, in einer Form, usw. wie gesagt: mir langt's, weil dies wirklich weder mein Argument noch meine wirkliche Unterhaltung ist. Es möchte nur diese Sache für mögliche Leser jenes Kriegstagebuches ein wenig verdeutlicht sein. Es ist mir, leider doch über allem, wovon es spricht, soweit was. Und damit, bitte: gut! _________ Phww. Was geht den Philosophen etwas an... _________ ("Und das ist die Bibliothek??") (Das auch. Das auch.) (In Köln...) ________ 142 Coulant. Ich schreibe diese Dinge mit einem Kugelschreiber. Das macht sich allgemein mitbemerkbar darin, wie Worte und Gedanken aufeinander folgen, einander ergänzen. Die Tintenpaste auf der Innenseite der Minenspitze klitscht ein wenig, muß immer so und so, je nach Wendung der Schriftlinie, abgezogen werden, wird dabei etwas weicher und "gibt" sich (dieser Effekt ist mir schon seit längerem bekannt; ich bevorzuge aber, mit Tinte zu schreiben, weil das nicht so anstrengt und ein besseres Schrift- bild gibt) (vielleicht mit der Pastosität einher kommt es, daß ich länger nachdenke bzw. mir Zeit lasse, bis daß ich mich wieder mit meinen Themen beschäftige, weil ich gewissermaßen die Schreibanstrengung erst vergessen muß, um mich dann wieder mit einiger Kraft auf das Darstellbare zu konzentrieren). Daher läuft sich das Denken ein wenig in Fahrt, erwärmt sich, gewinnt eine optimale Dichte und Geschwindigkeit, um dann bei einem verhaltbaren Punkt sich vorläufig zu terminieren. Die Schreibpaste im Stift hat dann wieder Ruhe und kann sich an der Innenseite der Kugelspitze erneut verfestigen. Solch pastoses Festkleben nennt man in Amerika "pitch", was auch Pech heißt, oder eine gewisse, verhaltene Spannungsspitze, in der Elektronik, oder in einem Witz. Da klebt sozusagen für einen Moment (dieses Wort wäre eine mögliche Übersetzung für "pitch") das bis dahin coulant geläufig gehaltene Bemerken an einem Effekt fest, wie vergleichsweise ein Stein mit Butter an die Wand geheftet, und löst sich danach langsam ab. Pitch ist wichtig für Geschichtenerzähler, die gelegentlich einfach ein paar Momente Zeit brauchen, um bei gutem Atem zu bleiben. Pitch heißt auch Der Dreh und Schmiß, mit dem ein Baseball vom ja so genannten Pitcher auf seine Flugbahn befördert wird. Die Wissenschaft dabei ist, ihm einen solchen seitlich drehenden Drall mitzugeben, daß ihn die Magnuskraft im Wechselspiel mit der umgebenden Luft, idealerweise bis zur Unberechenbarkeit für den Batter, den, der ihn mit der Keule treffen muß, seitlich ablenkt. Ein so gelungener, wie in einer langen Schraubenlinie sich windender Ballwurf heißt screwball. Dieses Wort wieder wendet man an bei sogenannten screwball comedies, deren Witz unvorhersehbare Kurven nimmt und oft genug in einem Pitch endet, bei dem das Publikum innerlich anhalten und in Gelächter ausbrechen soll. Batter übrigens ist ein Wort mit ähnlichen Konnotationen: so nennt man Zeug, das durch Stampfen oder Schlagen pampig geworden ist und dem Löffel etc. einen gewissen Pitch mitgibt, wenn er daraus zäh hervorgezogen wird und plötzlich freikommt. _________ 143 Novalis, wie er Parmenides aufzufassen hilft. Dazu ein wenig kapitale Physik: Einstein hat erklärt, die Physiker haben verstanden, die Astronomen haben's eingemessen, ein Literat hat gesagt (nicht frag, welcher, aber der gilt, sonst wäre er nicht dafür kolportiert worden) "das ist", und muß sonst nicht mehr gesagt haben: die Schwerkraft, welche das All (laut Einstein) geometrisch deformiert, tut dies in mehr als der Dimension, daß Bewegungen im Raum deformiert werden, sondern in einer mehr, gleichnishaft wiederum wie rechtwinklig aus dem Raume selber (an Raumpunkten exemplifizierbar als Verzögerung, also wieder in einer raumhaft direkten Anschaulichkeit), insofern als in der Zeitdimension. Das darf sich behaupten, da der Effekt der Sonnengravitation dafür stark genug ist, um solche Verzögerung am Lauf des sonnennächsten Planeten, Merkur, nachzuweisen. Das wurde unternommen und auch glücklich bewiesen. Die gemessene Differenz entsprach sehr dem, was Einstein dazu errechnet hatte. Das bleibt erst einmal so: Das Realisierte ist das manifest Reale. Es bleibt zu sagen, daß dieser Effekt nicht nur da real ist, wo er am Planeten selber real und damit manifestativ ist, sondern auch im leeren Raume selber, wo der Planet gerade gar nicht ist. Der Planet ist das Wort dazu, aber der Effekt in sich ist der Atem, der das Wort (als Leibatem) formt und (als Pneumadruck) invigoriert. Das alleine (der Atem, die Artikulation ohne Pneumadruck) "spricht" (: Heraklit, Logos). Nun um so mehr: zur Mitte der Sonne hin nimmt dieser Effekt zu und erreicht dort ein Maximum. Das heißt: inmitten der Sonne findet sich ein Fokus relativistischer Zeitverzögerung (und damit wie identischer Raumverdichtung), der aus dieser Mitte in sich den atomphysischen Ereignissen selbdort Charakter macht und aus diesem Ereignisfokus her die übrigen atomaren Prozesse im Sonnenkörper insgesamt tingiert. In anderen Bemerkungen hier wurde ja schon darüber gehandelt, dies ließe sich phänomenal ausdeuten wie verdichtende Durchklärung und Schatten zugleich, und die Blüte zeige mechanische, physische, chemische Charakteristika, welche dies wie formelhaft objekt wiedergeben. Dort, wo das auf den Punkt kommt, findet sich der Nektar, eine besondere Zuckerart. Zucker aber erscheint oft so, daß er verdichtet, calziniert und als Bräune Schatten hält, welchselbe Effekte praktisch nicht leicht voneinander zu trennen sind. (Sinngemäß durch weitere verwandte Kohlenwasserstoffe, damit die Bräune von Öl, Gilbheit von Diesel, Kerosin und Benzin.) (Kommuner Halbverstand weiß ja nun, was "Schwarze Löcher" sein sollen, bleibt aber bei deren Phänomenen - das ist da auch bewiesenste physikalische Beobachtung - am Ereignishorizont der Realisierbarkeit in Phänomenen relativer Vordergründigkeit stecken. "Das können wir nicht wissen" sagt das. Doch, wissen schon (wo ist die Logik selber!) aber nicht 144 beweisbar beobachten. Dort also, in sogenannten Singularitäten, ließe sich dieser bidimensionale Effekt in vermehrtester Dichte behaupten, als quasi den blendhellen Halo eines Engels, in einer Raumzeitdimension, wo für ein Empfinden, gemessen an den Grunddaten irdischer Ereignishaftigkeit, die Zeit längst bis zur Unerkennbarkeit angehalten hat, und der Schatten als Kontrast dazu ist so scharf genau als wie die Buchstäblichkeit und Akuität der elementarsten Materiegesetze (der Subatomik, für Beispiel) so etwas wie zu untermauern. Denn, nicht sei's vergessen: die Welt ist Eines, und Alles, was die Welt ist, hält einander in Kurs, in jeglichster Dimension.) Es bleibt also, für den Gang dieser Erfindung nun hier, dabei, daß, wo eines sich positiviert, es darin ein Komplementär mitunterhält (keine reine Negation), das ihm elementar gleicht wie der Schatten, und in diesem elementaren Sinn auch mit ihm identisch ist, vor einer allgemeinen Matrix, aus der (wo sie solch bestimmterer Existenz gegenüber gelassen gleichgültig ist, an sich) die Prominenz bestimmterer Existenz, als ausgeprägte Form, Differenz macht. Novalis, der so gut ein aphoristischer Geist wäre wie die hier schon dafür Gelobten (Nietzsche, Valery), insofern aber ellyptischer bleibt, bringt den Verhalt auf die Form des Satzes, daß doch, wo er ist, etwas Anderes - genau das, was er in Materie und den elementaren Kräften, welche sie zu solchem Leben formen, ist - nicht ist. Das beleuchtet aber, was der gute Verstand des parmenidischen Satzes sein sollte: nur Sein ist, Nichtsein ist nicht. Dieses Nichtsein des Nichtseienden ist eine sehr positive Sache, insofern es das genaue Reziprok der Positivität ist, aus welcher das Sein erst ein Sein ist. Einfach genug. Am Lidrand wird dabei ein Reflex wach, lenkt das Auge aus sich heraus, ohne Weiteres im Raum welthafter Objektheit umher nahezutragen. Das Augenmerk fragt gewissermaßen die Stirn: laß mich denken: was kann das sagen zu Materie, die nicht so ausgesprochen spezifisch seiend ist wie das Leben, und eventuell: wo und wie kommt das Erkennen aus, löst man es damit aus der relativen Nötigung, ein Werkzeug zu sein des Lebens in seinen speziellen Notwendigkeiten. Usw. Derlei z.B, denkt sich gerne ganz von selber; das kommt ohne Mühe irgendwann auf den Reflex, und wird, wie ein Sandkorn, das auf eine vorgespannte Saite fällt, schon nennbares im Intellekte zu Klange bringen. Das ist nicht für nun hier. "Ich bin, indem ich darin nicht bin, wo das nicht ist, das so nicht ist, indem ich bin." Oder so etwa. _________ 145 Vom eisernen Ring wieder zu des Platon gelöstem Schaublick: als Übung für die Kunst reinen Erkennens (da grüß mir Husserl) zu empfehlen, daß man aus sich (dem Aug) hervorblicke mit dem Vorhalt, wie nun das, was sich abbildet durch die Wirkung der Pupille, einen Belang hat, indem es das durch einen bestimmten Raum-Materiepunkt in dieser selber tut. Also nicht alleine: wie bildet ein Objektpunkt draußen sich im Retinagrund drinnen ab, sondern: was und wie geschieht (mehr als nur) Abbildung, indem diese durch den einen Punkt im klaren Raum des Pupillenkörpers geschieht. Dies sei auch Gebühr dem Sokrates. _________ Eckehart (Hand, Glut), kommun gewendet: der Kontext macht den Gestank. Dazu bemühe man sich, wenn was nicht klar ist, auch zu Lao Tse. _________ ...ah so: Sokrates. Bei einem dieser "Ah, Du!" Kurzblicke in die Gespräche des Platon etc. (das sind wohl oft bis zu 20 sehr tief ernst wache Gesichter umher, auf die kein Text zeigt), ganz letztens, handelte Sokrates über die Form, erläutert als Begrenzung des an Farbigkeit schon objekt soweit Perzipierten. Später fand ich, dem entspricht ein reglos leichter Blick eines Auges am äußeren Jochbein darunter hinab. Dazu muß das andere in sich latent wach zurückweichen - womit sich der Sinn für die eher diffuse, aber schon dichte Perzeption der Farbigkeit als vorgängiges Merkmal erklärt. Und den seidig schimmernden Nachmittag, in dem genau diese Erörterung stattfand, finde man mit hinzu. Selbst wenn Platon nur später referiert – Auch das ja in einem ganz genau zeitlich, räumlich, dynamisch fixierbaren Momentum, so sind doch die Worte, die Blicke etc., die das, egal wie auch möglicherweise unvollkommen, wiedergibt, auch wieder geschehen zu präzis real einem solchen Moment. Usw. Heraklit richtet sich schweigend den Ärmel. Merleau-Ponty einen gutgespitzten Bleistift dafür. Usw. Now really... _________ Der Bann ist da am stärksten, wo er ganz selbstverständich ist. _________ Intellektual-Zonards... _________ "Es ist nicht so." 146 Es muß doch, für die wahrere Ordnung, gesagt sein, wie nahe Parmenides neben Heraklit gehört. Die gehören vergleichsweise so zueinander wie die Dioskuren, auch etwa mit dem Sinn deutlichen Charakterunterschiedes der Zwillinge. Dies läßt sich aber nur gleichnishaft zur Verdeutlichung gebrauchen, in den Einzelheiten nicht direkt, wie argumentativ, ausspielen. Es geht hierbei um Gewahrheit (wie in der griechischen Philosophie ohnehin), nicht eigentlich um meinende Präzision. Und Parmenides bleibt so und da, wie und wo er ist, so, wie die Sonne sich gleichbleibt, egal, was aus ihrer Kraft auf dieser Erde wird. Mit Heraklit aber faßt das Erkennen dort Stand, von wo es mit Sein und Erkennen in dieser wirklichen (wirkenden, erwirkten) Welt vorangeht. Gerade solche Aspekte vertragen Verdeutlichung, damit das Erkennen sich präzisiere, ähnlich dem, wie die Gitterfestigkeit eines Holz- und Kohlekörpers der Hitzestrahlung der Verbrennung Halt und Präzision gibt. _________ Aus dem Fernseher: weshalb der Pazifik ein so besonderes Meer ist. Als einziger Ozean erstreckt er sich ohne genauere Begrenzung vom Äquator bei seiner Mitte her weit um die Wölbung des Planeten in alle Richtungen, mit seinem Wasserkörper auf diesen gestülpt wie eine riesige Kontaktlinse um ein Auge. Und wie eine solche wölbt er sich, der Fliehkraft aus der Erddrehung wegen, auch in seiner Mitte auf, zieht von den Rändern her Wasser zu dieser hin. Die Fliehkraftwirkung ist stetig, wird aber strukturiert durch die ephemere Wirkung der im Tages- und Monatslauf darüber wegziehenden Erzeuger von Ebbe und Flut, Sonne und Mond. Durch die fern an den Rändern liegenden Zuflüsse aus dem Polarmeer nördlich, die Nachbarozeane südwestlich und -östlich entsteht eine Oszillation in dem so vorgespannten Wasserkörper, in sicherlich sehr langen Wellen, soweit die den ganzen Ozean durchwirken. Aus diesen allgemeinen Koordinaten zur Dynamik des Wasserkörpers, der der pazifische Ozean ist, spricht eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bau des Octopus-Auges, im Weiteren auch seiner Figur (der vibranten Strömungen wegen, die sich in den Tentakelformen und dem Wasserdüsenantrieb seines Körpers abbilden). Etwa das will die Erörterung berufen, wo es heißt: aus dem All wirken, eher ziehend als treibend, die Kräfte so auf die Erde (deren Fliehkraftmotor dabei die Haupt- Vorspannung liefert), daß Lebensformen sich fast notwendig in diese strukturierten Kraftreservate hineinentwickeln, denn solche Entwicklung muß notwendig mit Kraftgesetzen gehen, die sich auseinander ableiten lassen und da konsistent sind. Das Geniale an diesem Gesetz ist, daß die großen Verhalte, die dem Ganzen des Kontinuums und Mediums seine Urstruktur richten, sich auch in jedem seiner Punkte beweisen, etwas variiert und 147 mit anderen korreliert mittels Strömungen oder Oszillationen, welchselbe Grundformen vorgeben für die Gestalt und Artikulation daraus entstehender und sich darin erhaltender Organismen. An den festen Kontinenten ließe sich ähnlich erweisen, wie die Lebewesen bis in Einzelheiten des Körperbaues aus diesem Gesetz nach ganz bestimmten Kontinentformen geraten sind. Der Mensch scheint da wirklich eine Sonderspezies zu sein, indem er sich hat seine Schädelform vom Mond herausmodellieren lassen wie auf einer Drehbank, einer Töpferscheibe. Der Mensch hebt seinen Kopf anders in den Himmel als andere Tiere, die mit ihren trigonometrischen Schädeln eher Fixstern-Konstellationen an die Erde zu halten scheinen. Der Mensch, vom Mond angeregt, fühlt mit der Gänze des Planeten und kommt mit seinem sphärischen Kopf zu ganz anderen Ideen, Beweglichkeit betreffend. Damit, daß er seine Arme ganz von der Aufgabe löst, den Körper nur zu stützen und zu bewegen, richtet sich auf und kann nun diese Artikulatoren bewegen um sich her, im Ganzen sphärisch montiert, in Konsonanz mit dem in dem Schädel ausgeprägten Sinn. _________ Kleine Einkünfte. In der Zeitung wohl kommt ein Item vorbei, das hier wirklich noch gefehlt haben will. Als Descartes seine Sache gesagt hat, kommentiert ein anderer französischer Denker (den Namen hab ich nun wirklich vergessen, meine aber, er begänne mit C.), daß, sinngemäß, abstrakte Wahrnehmungen sich im Erkennen zusammenfinden einfach aus dem, wie sich die Wirklichkeit in ihm abbildet. Die "Philosophiegeschichte" erwähnt diesen Denker, durch den erst Descartes zu einer ganzen Sache wird, nicht aussprüchlich. Und dabei stimmt dort auf einmal Alles. Das erkennende Subjekt sieht den Erkenntnisraum klar und bestimmt vor sich, und der Logos erscheint so, wie, und da, wo er hingehört. (Condillac, übrigens, heißt der Wahrste.) Kant braucht es danach nicht. Kant ist gut, Kant hat was für sich, aber in diesem Belang ist das Gültigste schon gesagt. Interessant das Spiel: Descartes windet sich ein wenig sehr, wo er etwas erklären soll, was nicht sein originales Argument ist (ein hier ja schon erwähntes Thema), und zwei Worte Condillacs stellen Alles zurecht. Na, da ist mal ein Denker, von dem ich wirklich lesen möchte. _________ ...technischer Anstand... 148 Pneuma. Tanz der Subquantik: auch Schrödinger wird zu den Philosophen gezählt, befindet sich wohl da gleich neben Heisenberg. Was im Besonderen seine Wellenmechanik besagt, konnte mir so nicht bald jemand beeinzeln. Es wird aber über S. berichtet, er sei geradezu empört gewesen über die Mechanizität dessen, was mit Planck das geltende Weltbild der Physik werden wollte. Ich meine so viel zu verstehen, daß Elektronen in den Atomhüllen nur deswegen endlos dort oszillieren können ohne Energie-verlust, weil die Frequenz, in der sie schwingen, eine geschlossene (stehende) Welle auf ihrem Perimeter formt. Wird diese elementare Harmonie gestört, verändert sich also diese Frequenz, so entsteht ein crack, und das, was man einen Quantensprung nennt, findet statt. (Die Kuh meint:) Derlei findet im Inneren von Atomen immerzu statt, in einer Art harmonischen Spiels, wo die Energie wie in einem Hangelnetz fortwährend umherschwingt, und manchmal entstehen durch Impulsaddition Spannungsspitzen (pitch), wovon dann Energie nach draußen abgegeben wird. Das alles vermute ich nur, habe da sonst keine spezielle Kenntnis... _________ "Das ist ja mir an sich was" / was meint Apriorik... _________ "Weiber sind ein Tier für sich." (Bauernweisheit) _________ Alexandrinische Mathematik: in einem ruhigen Moment sah sich mir im inneren Blick ein Manöver hier anderswo erwähnter Fische aus dem großen Aquarium im Subparterre der Villette. Die machen da wirklich manchmal sonderbare und witzige Sachen, auch genetisch: ein vielleicht zwei Hände langes Fischchen, das wahrscheinlich dort in den Aquarien, die ungesehenerweise dazugehören (so, wie zum Zoo noch eine nichtöffentliche veterinärische Anlage hinzugehört, wo Zooinsassen manchmal für Monate verschwinden), das da also aus Laich neu erwachsen ist, hat einen Knick im Rücken, der seinen ganzen Körper einen Winkel von ca.120° formen läßt. Damit schwebt das meist direkt unter der Wasseroberfläche und schwingt da nur leiernd still umher, guckt ein wenig aus den Augen wie ein etwas schwachsinniges japanisches Schulmädchen. Ich verstand: die Fische kommentieren damit auf die engen, zu stillen Existenzbedingungen in den Aquarien (damit die Erscheinungsform als verkrücktes Individuum). Wo diese Fische normalerweise leben, da sind sie nicht von spiegelnd starrem Glas umgeben, und das Wasser ist ewig in großartiger Bewegung, aus sehr 149 weiträumig herwirkenden Ursachen. Die anderen Fische spielen manchmal sinnige Symmetrien, um die Glasspiegelung zu kommentieren. Aber dieses Tier zeigt die Totale des Aquariumszustandes, das bei allem engen Lärm darin doch wie totenstille Wasser, die spiegelnden Glaswände (die über schräge Knicke aneinanderstoßen) und die unnatürlich stille Wasserober-fläche, die es den Fischen so wohl besonders angetan hat, weil das ja ohnehin die absolute Begrenzung ihres Lebensraumes überall ist, wo aber (bei Meerfischen) nicht so. Hinzu die künstliche Beleuchtung und nur fern, durch die große Glaswand des Raumes nebenan gesehen, dann und wann vielleicht (sehr vielleicht) ein Stern, in winzigster, durchblendetster Himmels-aussicht, und Mondlicht als Helle. Immerhin schaut das Aquarium ein wenig mit auf die lebendigere Wasserbecken-Oberfläche draußen im Hof - von außen, oben her, woher Fische ja Wasserflächen gewöhnlich nicht zu sehen bekommen. Das Knickfischchen hängt sich also vor allem unter die Wasserfläche, um dort mit seiner Körperform die Reflexion des Lichtes daran zu kommentieren. Es spricht wohl für die Intendanz des Platzes, daß dieser Freak lange im Aquarium gelassen wird. Andere Genossen, nach denen ich schauen konnte - der Octopus (der sehr gesprächig ist), die Drachenfischchen - bleiben nie wirklich lange. Aber der Knickfisch wurde über Jahre dagelassen und man konnte richtig zusehen, wie er alterte. Das so einzurichten, spricht von einer Klugheit mit sprechenden Zuständen, die ich dort habe oft wirken sehen. Was ich da aber habe zwei Fische in meinem inneren Blick aufführen sehen, das war ein geometrisches Theorem, in dessen Entwicklung (ein paar genaue Gesten, nur einige Momente lang) auf einmal eine unendliche Perspektive spürbar und erkennbar wurde, in mehreren Richtungen. Derlei tun die größeren Fische dort öfter - die bewegen sich wie Illustrationen und Beispiele zu einem mathematischen Lehrenbuch. Und die Art und Weise, wie die das tun, würde ich für hier bezeichnen als alexandrinische Mathematik, nach der Stadt in Ägypten, wo die größte Bibliothek der Antike gewesen und vernichtet worden ist. Diesen Geist der Fische, wie er in begrenzten, inspirierten Beispielen vom interessant Unendlichen spricht, kann man auch leicht wirken sehen im geistigen Gestenspiel orthodoxer (Christen), zumal bei Slawen. Da ist diese selbe sprechende Beiläufigkeit, die mit wissen läßt nicht eine Meinung (derlei hat nur polemische Dimension), sondern wirklichen Geist. Es ist die alexandrinische Mathematizität, welche aus Russen so gute Schachspieler und aus Polen solche scharfen Strategen macht. Der Pessimismus der Gnosis kommt ebendaher: aus dem Meer, in dem man von allen Gesetzen des weitesten Alls wissen, die man dort spüren kann, aber, so weit das Meer auch ist - es ist, als Lebens- und Erkenntnisraum der 150 Fische etc., begrenzt. Zudem macht sich da vielleicht das Salz bemerkbar, wovon das Wasser zäher wird, welchselber Wirkung kein Meertier sich entwinden kann. Das genaue Komplementär zum Pessimismus der Gnosis ist der Optimismus Leibnizens, und richtiggehend interessant ist, zu sehen, wie die Menschheit will meinen, sich den freien Blick ins ungemessene All zu versalzen, um sich in der somit bornierten Nahwelt ihre allen Pessimismus rechtfertigenden, abgründigen Indulgenzen (: Nietzsches zufriedene Düsterlinge) zu gönnen... Die Welt IST wohl schlecht, sagt der Düsterling und sorgt mit Energie dafür, daß sie's um so mehr ist. Auch dieser Charakterzug gehört zur Orthodoxie dazu. _________ ...Magie der Werte... _________ Sinn: eine Nüchternheit. _________ Das Weltgeistgeschäft geborener Literaten... _________ Intellekt: wie sich sieht, sich liest, was sich der Apperzeption bietet, unstrukturierter als solche Erkenntnis (für Beispiel diese Sache mit Ernst Jüngers Todesschuß im Weltkrieg). Immanuel Kant ist in solcher Weise der Denker aller möglichen Grundformen intellektueller Apperzeption. Bei Kant empfiehlt sich wieder und wieder das Bemerken: Ja, aber... Das ist nicht nur dort so. _________ Oweh. Oweh. Eine Frau die mich wirklich kann. Oweh! _________ "Hunnie Pie" (Sie schiebt 'ne Schnute. Aber nicht im Gesicht.) _________ Noch einmal: Was Kant da anhand der Begrifflichkeit der Vernunft erörtert. das ist der Intellekt. Intellekt solcher Art denkt Ganzes aus der Welt, aber nicht notwendig die Welt als Ganzes. Woanders wird dazu erörtert der 151 hermeneutische Zirkel (oder so etwa), der eben auch, in einer Art Begriff konzeptioneller Freiheit, die Erkenntnis begrenzt, mit allerdings offenen Grenzen. Es klingt dabei an so etwas wie ein Belieben, mit einem Beigeschmack von Indulgenz. Das paßt ganz gut zu bestimmten politischen Sitten und ist DEShalb gut gesehen. Muß dazu wirklich gesagt sein. _________ Geist, Nachfüllpackung. Geist, Rührwerk. Geist, Räucherkammer. Geist, Rutsche. Geist, Vorratshalde. Geist, Verkehrsstau... _________ "Wo bleibt die Chole!" Cholastik. _________ Kant hat nicht nur mit dem Geschmack keine Sache, sondern auch nicht mit der Ehre. Das muß nicht wundern, da diese wirklich nicht leicht in einen verallgemeinerbaren logischen Begriff zu bringen ist. Was den Platon Blut und Wasser kostet, die Ehrlosigkeit des Tyrannen, der nicht weiß, was ein Wort sein darf - derlei könnte Kantn niemals passieren, und das ist ein wirklich schlimmer Makel. Wenig Zweck aber, darüber zu Menschen zu sprechen, die allenfalls von Ehrenhaftigkeit wissen. _________ Condillacs Blick sieht, was für sich spricht. Was mehr braucht es, um alles Mögliche, das im weitesten Sinne "gut" heißen könnte, zu erkennen! Gerade darin ist er schon über Kant hinaus, der sich selbst am meisten im Weg ist, weil er alles erklären muß. Nietzsche hat das Wort geprägt, manche Denker widerlegten sich selbst mit einem einzigen "denn" - genau das trifft auf Kant zu. In der Reinen Vernunft hat er alles definiert, was es braucht, die wirkliche (sittliche, politische usw.) Welt richtig mit Erkennen anzuschauen, und er bräuchte nur sich an den Geist solchen Erkennens zu halten mit Blick auf die Wirklichkeit - was für großartige, originale Aussagen wären da möglich. Stattdessen muckt er im Angesicht unangreifbarer Gewalten und sagt: DENN das ist bei der Reinen Vernunft schon so rechtfertigt. Und genau das ist es nicht; da ist er kein bißchen besser als die schlimmsten Bigots alter metaphysizierender Schule! _________ Fichte - das ist so lächerlich, da möcht es mir das Buch hohnlachend in die Ecke schmeißen. Was sich alles Denker nennt! Länger schon hatte ich 152 vermutet, daß eine Drüsenstörung den Typ so egoman macht, und sein Abbild auf einem Bucheinband gab da hinzu - die Thymusdrüse scheint ein wenig stark zu sein. Davon quillt es ihm so im Gesicht umher und die Augen stehen etwas getrieben falsch im Kopf. Viele dieser deutschen Philosophen-charaktere im 19. Jahrhundert (Fichte, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche) wirken so, als sei vielleicht aus der Ernährung mit Geflügel und Ei, der Drüsenapparat nicht in guter Ordnung. Dementsprechend eine Getriebenheit, die nichts mit den Kraftgesetzen wirklicher, vernünftiger Lebens-beanspruchung zu tun hat und ein Selbstbewußtsein, das eine ganze Welt für sich haben muß, ohne wirklich etwas damit schaffen zu können. Das ist etwas so ganz Anderes als die bewiesene Lebenskraft der Griechen, welche einfache Gründe sieht, wo auch wirklich welche sind: in der Welt, die man selber ganz natürlich auch ist. Bei Schelling zeigt sich, im Unterschied zu den anderen Idealisten, noch guter Grund, genau so. In gewisser Weise ist er das in phänomenalistischer Wendung, was dieser Satz Condillacs in abstracto oder absolut sagt: ein der wirklichen Welt positiv eröffnetes, gerade darin ganz eigenes Bewußtsein. Auch spricht bei ihm, was schon die Erkenntnis Platons getragen hat. Es zeigt sich aber bei ihm, was auch sonst im eher geschichtlich allgemeinen Wesen sich öfter beweist, nämlich, wie der gallisch-romanische Geist einige Gesten relativ abstrakt und in guter Energie tut, und im Deutschen antwortet etwas, träger und vordergründiger, davon positiv angeregt, aber eher aus dem Charakter, dem Fühlen her, statt aus direkter, akuter, selbstbewußter Wahrnehmung. Das Selbstbewußtsein der Deutschen zeigt sich sympathetisch angeregt und findet sich und das, was es zu sehen findet damit, wahr genug, aber es ist damit wie schlafwandlerisch, in einer Art Dornröschen-Bann gebunden, wo der Geist in Frankreich fix und wach ist, manchmal bis zum Schmerz. Das ist nicht nur im Geistesleben so und liegt wahrscheinlich begründet in dem Unterschied der Landformen, der Lage der jeweiligen Nation in der wirklichen Welt. Frankreich hat wohlbekannte und vielbefahrene Meere auf drei seiner Seiten, und seine besten Lagen sind durchsetzt oder sogar gefügt aus, und mit, Kalkgestein, das alles ein- mal Teil von Meeresorganismen gewesen ist. Solches Kalksediment ist der Rest einer Lebenswelt, die in sich schon eine ungeheure Energie gewesen ist und damit recht unmittelbar zur Kraft der Sonne. Das leuchtet vor Klarheit alleine in seinen Strukturen, denen, woraus es entstanden ist. Gerade Paris steht zum besten Teil auf gewachsenem, karstig filigraniertem Meerkalkgestein. Dort treffen auch zwei andere Grundelemente hinzu: der leichte, etwas schattenschmutzige, immer feuchte Sandboden Nordfrankreichs (für die etwas schlechte, aber nüchterne Realistik, die z.B. 153 Element des Revolutionsgeistes ist), und von der vulkanischen Mitte Frankreichs weither noch das Flintgestein, hart, orangegelb und reflexgenau. Damit die Tüchtigkeit, Rationalität und Härte, wie sie z.B. bei den Kriegsgeistern um Napoleon her sich Ausdruck macht. Deutschland dagegen ist schon denkbar fern vom Atem wirklicher Meere, besteht zum größten Teil aus Silikatbruch aller Sorten, überzogen und durchsetzt mit Mergelschlicken, die einen gewissen Lebenstonus ausstatten, aber nicht selber Lebenscharakter formen und bestimmen (wie im Löß, der auch nur so kann, wo er nicht zu sehr durchsetzt ist mit Sand oder Humussäure), dazu ziemliche Weiten von Waldböden, die zwar wach machen, aber keinen Horizont mitgeben (Heidegger). Deutschland ist das quintessentielle Drachenland und schafft vor allem selbstbewußten Charakter, der aber zur Monomanie und zum Irresein tendiert, ähnlich dem Geist starker, aber paranoider Tiere. Solcher Geist sieht eine Welt dicht und deutlich, auch klar, aber kommt nicht hinter diese bannende Vordergründigkeit, mit der die Sinne darauf fixiert sind. Und wo das nur denkt, da wird es schnell wahnhaft (: Hegel), weil dort auch nur dieser selbe Weltcharakter, woraus es in sich ja lebt, wieder hervorschaut und kann eigentlich nur in wie verhornter Empfindung von sich weg raisonnieren - zur wirklichen Reflexion fehlt dem meist die lebende Erfahrung von wirklich Anderem, auch einer Souveränität, die vom gekonnten Wechsel mehrerer, vieler solcher Horizonte entsteht.

09:59 - 17 October 2007 - post comment


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