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Lesestöffchen...

Posted in nicht spezifiziert
System ist der konstitutionelle Feind aller Charade. Bei dem, was so sein MUSS, statt sein zu können, hört das Spiel auf. Schweigen. Stille. Laß den Dekretierenden sein Wort alleine hören, nichts spreche ihm zu. Das gilt natürlich besonders, wenn System mit Gewaltsanktion einherkommt. Sistemato im Italienischen heißt: gebunden, gefesselt. Der guten Charade verbieten sich daher auch Spott und Hohn jenen gegenüber, die dem System nicht ausweichen können. Dafür sorgen die Systematoren oft selber schon, und hier kann Charade wieder einsetzen, indem sie beispielend die Gewalten dazu bringt, argumentativ überzuschnappen. Sie sind aber oft auch immun gegen die Wahrnehmung der eigenen Lächerlichkeit. Das Schauspiel macht daher am ehesten Sinn für wiederum Dritte, und die oder das Dritte, Weitere, das ist ja auch ein bleibendes Thema, so wie man manchmal sagt: sag das dem und dem, und ich möchte da nur der wissende Dritte sein. Alle direkte Konfrontation ist ohnehin nicht mehr Charade, es müssen immer Wege des Bedeutens seithin und weiterfort mit wahrnehmbar sein. Grenzfall solchen Verhalts: die direkt gestellte Rätselfrage, wo der Befragte angehalten wird und soll bekennen, im Prinzip, wie er in einer Sache fühlt, die er selber nicht genau wissen kann. Feine Ohren für die Timbres, die da anklingen. Ah so. Es ist nämlich immer interessant, die Meinung eines Naiven zu befragen. Darüber gibt’s Märchen, wo gezeigt wird, wie solche Fragen zu formen sind, und im Prinzip besteht das Gerichthalten, zumindest wie es alte Zeit kannte, aus solcher klug abgehobenen Fragestellung: wenn..., oder: gesetzt, daß... Von daher kommt ja wieder eine Praxis der Systematoren, als Staat, Gesetze in einem vereinfachenden Verstande vorzugeben, und was an zwingendem Zugriff sie dann erlauben. Daher ereignet gute Charade sich als freie Gesellschaft, ab von den Gezwungenheiten des Staates. Mit der Möglichkeit, daraus sich einen Lustgewinn eigener Art zu holen, wenn etwa für illizit erklärte, doch verlockende Aktionen ereignet werden (sexuelle Verführung oder die etwa zu Drogengebrauch), wo der Staat sich ein böses Auge darauf reserviert, und wo das Erscheinen von Staatsfiguren oder staatsmäßig so Meinenden als sichere Spielverderberei erkannt wird. Die Charade macht den Staat nicht zu ihrem Thema, auch nicht Anti-Staatstum, sie weiß, wo Freiheiten sind, die der Staat nicht bevorurteilen kann, ohne sich selbst unmöglich zu machen. Eine gewisse Herde, die vom Staatstum aber nicht loskommt, sucht, Staat selber charadenweise zu betreiben, als Politik, doch da diese immer nur auf notwendige Gegebenheiten referieren kann, die jeder verstehen und für wesentlich ansehen kann, tendiert das, was Charade sein könnte dort, meist zum leeren Bombast, zum Lächerlichen oder Ärmlichen. Staat und Charade sind eben im Prinzip zweierlei. Vorstellbar wäre, daß der Geist der Charade in ägyptischen und mesopotamischen Zeiten begonnen haben könnte, wo Kleintierherden und die von Rindern stets in Menschennähe oder gepfercht gehalten wurden, dem Zugriff des Menschen (= Staat) immerzu ausgesetzt, aber in diesen Bornen immer mit seinen eigenen Sorgen und Geschäftchen befaßt. Kluge Kinder vielleicht, die dem zuschauen konnten, selber aber nicht auf die Tiere übergreifen mußten (das taten Erwachsene, Knechte und Schergen), und verstanden, was die Tiere meinten miteinand. Von daher auch ein Sinn für Zicke und Bockigkeit als gelegentlichen Elementen der sonst unbemühten Unterhaltung. Charade sonst ist eher oral-zerebral, man erkennt den positiven Geist der Tiere auch leicht, wo man ihnen zu essen zuträgt, regulär als Fütterung nach Schema, oder besser gelegenheitlich, als eine gute Idee, die gerade imponiert und möglich ist. Die moderne Menschenwelt, seit Zeiten der Volksfeste und Fürstenbälle, versteht sich ja auch darauf, Gesprächigkeit zu fördern durch die Ermöglichung leichtfertiger oraler Genüsse (in den Heimat-ländern charadischen Geistes, Frankreich etwa, Sitten, einander mittels leichter Küsse als gute Gesellschaft zu akzeptieren). Daraus wird nachgerade eine ganze Industrie, welche Stadt- und Siedlungs-bilder mit lauter kleinen Gelegenheiten zu oralen Genüssen ausstattet, zunehmend standardisiert und automatisiert, wodurch der Typ des sinnverlorenen, oralen Autisten entsteht, dessen Wahrnehmungen sich etwa als Selbstgespräche äußern, Unterhaltung mit Geistern, die er sich vorstellen kann, bei der Möglichkeit, eine ganze innere Charade zu erleben, was, bei der natürlichen Kohärenz eines behaltenen Geistes in sich, genial werden kann, medial, hellsichtig. Mit der Sonderbarkeit, daß die Bewahrheitungen solch medialen Erkennens auch nur dem Einzelnen in seiner Wahrnehmung ganz erkennbar werden, wodurch seine Vereinzelung und Autistik sich nur vertieft zu einer intensiven Intimität mit der eigensten Welt - die ein Inbild ist der ganzen, allzurealen. Das ist bewußt und bekannt, die gesellschaftliche Charade mag und hegt solche eigenen Geister, zumal sie nicht selten über ihren Eigenerfahrungen wirklich weise werden, zu sprechen beginnen, daß sie gehört werden, zumal, wenn sie dabei über Allen gegenwärtige Dinge handeln, wie Physiker etwa mit ihren Welterklärungen oder Psychologen, die von dem sprechen, was jeder in sich finden kann. Solche Geister werden fein geachtet, auch geehrt (vom Staat meist) in Feierlichkeiten, die eine tiefe Ironie verbergen über die dochmalige Vergänglichkeit, also Eitelkeit solchen Wesens überhaupt. Ideale Oberfläche alles, die äußeren und inneren Tiefen Gestalt gibt. Solchen überaus geehrten Geistern kann auch die Charade nur staunend zusehen, wie sie selber mählich vergehen. Und daher, aus dem Erleben der Vergänglichkeit, kommt die allgemeinste Tiefe, die aller Welt erlebbar ist. Man hält das Alter für weise, weil es das eigentlich sicher erkannt haben müßte, vor allem Anderen. Weise ist es gewiß dann, wenn es das ins Allgemein-Allgültige weiß und nicht nur an den Phänomenalitäten eines bestimmten Zeitlaufs mental hängenbleibt. Nur eine Zeit erlebt zu haben, ist arm. Auch das ist seit sehr alt her bewußt, und daher ermöglicht die Menschheit sich Sage (die schon die Tiere kennen) und Bildung über allerhand Zeitläufte, aus denen wirkliche, allweltliche Tiefe zu schöpfen. Wer das erkennt und kennt, spürt sich dann wirklich schon dem Atem des Schöpfers nahe, welcher ja dem ersten wirklichen Menschen die Seele einhauchte. Dort auch wird endlich erkennbar, daß Staat-an-sich aus den Sternen kommt, den Unbeirrbaren. Was aus dem All auf die Erde scheint, ist unabweisbar, sehr weiträumig angelegt aber auch, weshalb den Wesen aller Raum auf Erden bleibt, sich im Verhalt dazu zu arrangieren. Gesellschaften wie die der französischen Gothenstädte, die da sehr bewußt sind und zum Beispiel als Tanzgemeinschaften sich formen, deren Bewegungen das Reguläre des Himmelstheaters in die Umgänglichkeiten der Charade umwandeln. Das allerdings hat auch System, doch aus den Regularitäten des Himmels sich herbeifühlendes - darin ist der Raum, den die Charade eben braucht, um zu leben. Raum, wie auch der soziale Raum, ohne den Charade nicht funktionieren kann, oder der Raum möglicher Bedeutungen... Erwünscht also die Gestalt des Sehers, weniger die des Deuters, da Deuten meist in Systematien endet, auch abstrusen. Darüber wirklich kann die Charade sich lächerlich machen, ein Thema, so vorstellbar, daß Schauspiel und Literatur sich darum bemühen konnten, denn beim Publikum der Charade sind Darstellungen durchaus erwünscht, die zeigen, wie es sein kann, aber nicht sein sollte. In solcher Verkehrung läßt sich mancherlei mit anbringen, das sonst, positiv, nicht so leicht sagbar ist. Wenn man also sieht, wie dies und das eigentlich nicht sein sollte - vielleicht fällt einem das Richtige von selber ein. Solche Darstellung florierte am besten in Italien und dann in Frankreich, als dort die Menschen zu merken begannen, wie das Königtum zunehmend zur Verstaatlichung aller Welt tendierte. Dann Napoleon als der wirklich herrschende, genial subjektive Typ, der allen minderen Autismen die Marke gab: wenn’s dazu nicht langt, vergiß es. Darauf folgend, mit Verzögerung, ein weiter Aufschrei: sie vergessen nicht es - sie vergessen SICH. Was wieder allerhand neuaufgezogene Systemien in Schwang brachte: aber wo sie sich vergessen, werden sie doch merken, wo es sicherlich verfängt, wenn’s weit kommt: total. Und so wurde mit einiger externer Gewalt (Chemie, Physik) ermessen, was so die Menschenmöglichkeit ist. Damit auch wurde das Sichselbst-vergessen allgemein organisierbar, fand seine Phasen der mindesten wie äußersten Beherrschung, und da nun kann die Charade allenfalls noch in neuropathischen und psychopathologischen Formen Eindruck machen: das Bizarre, also wieder Zickige. Vielleicht ist dieser vollhalsig-chaotische Drang zu Meinungen momentaner totaler Freiheit aber nur die Fortwirkung allgemeiner totaler Gefangenschaft der Tierarten, von welchen sie sich nähren - dies gleicht einer Geburts-angst, einem Würgen, das aus der zivilisatorisch verfaßten Menschheit nicht fortzudenken ist. Wer kann, trete einen Schritt zurück, wieder in die verbliebene, wirkliche, einfach lebende und sterbende Natur. Da ist unüberbietbare Wahrheit, die den Wesen auch bewußt ist, und also ist auch hier das Spiel, die Charade der Tiere.

03:49 - 13 November 2007 - post comment


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