Szenen aus dem Rettungsdienst- Alltag

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Studieren vor Probieren

09:38, 13 May 2012 .. 0 comments .. Link
Kürzlich waren wir in der Nacht bei einem Herrn, der versucht hat, seine Wohnung durch das Fenster zu verlassen. Nun, wenn man im Parterre wohnt ist das ja auch kein so grosses Problem. Dummerweise wohnte er aber im zweiten Stock eines Wohnblockes; das Fenster also gut und gerne in einer Höhe von sechs bis sieben Metern.
Also lag er da im Gras vor seinem Fenster. Auf die Frage hin, wieso er dann nicht die Türe genommen habe, antwortete er ganz logisch: "Weil diese ja abgeschlossen ist!"...

Fairerweise muss man dazu noch sagen, dass der Gute wohl einiges an Bier intus hatte. Dieser Umstand liess ihn wohl auch glauben, dass vor seinem Fenster ein Torfballen liegt, auf dem er weich landen könne. Nur sah sonst niemand weit und breit einen Torfballen.
Mit diversen Brüchen fuhren wir den Mann dann ins Spital - und Kopfschmerzen waren wohl nicht die einzigen Schmerzen am nächsten Morgen.

Das soll jetzt mal einer verstehen!


American style

01:18, 16 March 2012 .. 0 comments .. Link
Genf liebt man, oder man hasst es! Ich gehöre eigentlich eher zur zweiten Sorte Menschen. Aber eines hat mich fasziniert, als wir kürzlich in Genf waren um einen Patienten zu holen. In Genf wird nämlich nicht gekleckert, sondern geklotzt! Beginnen wir bei den Rettungswagen, diese sind nämlich der Marke Ford ( nicht Mercedes) und innen nach amerikanischem Standart ausgebaut, mit Fangnetz und so. Auch sind sie - anders als bei uns - in dezentem Rot gehalten (siehe Bild)… die Arbeitsweise der Teams dementsprechend wohl auch Amerikanisch. Da kommen wir am Unispital mit unserem kleinen VW in die unterirdische (!) Notfallzufahrt, wo bereits 7 von 7 Parkplätzen mit Rettungswagen besetzt sind und ein Verkehr herrscht, wie ich ihn bei uns noch vor keinem Spital jemals gesehen habe! Gleich neben uns parkiert ein Rettungswagen amerikanischen Formats, und als sich die Türe von diesem öffnet, bekommen wir sogleich den Stinkfinger vom Patienten gezeigt, halt irgendwie auch American style. Wenigstens begrüssen uns die Paramedics freundlich und wir erwidern den Gruss in bestem Französisch Auf der Notfallstation gehts nach selbem Schema weiter: Hektik, Patienten liegen, noch immer fixiert auf dem Spineboard auf dem Flur, die Schwestern huschen an uns vorbei und trotzdem herrscht irgendwie Ordnung - irgendwie. Bei uns würde die ganze Organisation wohl in Kürze komplett zusammenbrechen. Vom Gefühl her könnte ich bei Emergency Room sein und je länger je mehr beschleicht mich das Gefühl, die Genfer sind uns einiges Voraus…


Thurbo...

01:17, 16 March 2012 .. 0 comments .. Link
Ein Mann liegt bewusstlos im Zug, wird uns gemeldet. Bis jetzt ist aber noch nicht ganz klar, wo der Zug gerade seine Runden dreht. Wir fahren mal los in die vermutete Richtung. Dann bekommen wir auf der Fahrt das update aus der Leitstelle mit dem Bestimmungsort des Zuges, und wie durch einen Zufall unterqueren wir in diesem Moment den besagten Zug auf der Autobahn… Von nun an heissts, schneller wie der Zug sein, denn wenn wir langsamer sind, müssen wir vor verschlossener Schranke warten, bis der Zug uns passiert hat und in den nahegelegenen Bahnhof eingefahren ist. Gesagt, getan … und geschafft! Alles hat funktioniert wie geplant, und der Patient bedankte sich auf seine Art mit arabischen Schimpftiraden :-/

Punkd

01:17, 16 March 2012 .. 0 comments .. Link

Vorurteile entstehen schnell, habe ich erst gerade wieder bestätigt bekommen. Sieht man auf der Strasse einen Punk - wenn möglich noch mit Glatze und Springerstiefeln - kommen einem zwangsläufig einschlägige Gedanken in den Sinn, ohne jetzt hier politisch Stellung zu nehmen. Unter anderem wären dies bei mir “faul, undankbar und nicht sehr hilfsbereit!”

Ich habe mich wieder einmal getäuscht! Samstag Nacht in der Innenstadt, wir werden gerufen zu einer jungen Frau, welche bewusstlos in einem Keller liegt, in welchem gerade eine ”Punkparty” stattfindet. Wer den Film “Bringing out the death” mit Nicolas Cage gesehen hat, weiss in etwa, wie es dort unten ausgesehen hat.

Ich habe mir auf der Anfahrt bereits meine Gedanken von wegen Polizeiaufgebot und so gemacht, aber….

Als wir ankamen, war ich sehr überrascht von der Situation: Wir wurden bereits super eingewiesen und zur Patientin geführt. Bei ihr waren 2 andere Punks, welche sie super betreut haben und sie in eine korrekte Seitenlage gelegt haben (so wie mans lernt, wenn man den Führerschein macht *g*) Die Musik war aus und die Fenster geöffnet, um die Räume etwas vom Rauch zu lüften. Nachdem wir die Patientin erstversorgt haben, war es eine Selbstverständlichkeit für diese Leute, uns beim Tragen zu helfen, die Türen zu öffnen, den Verkehr zu stoppen und sich sogar noch für das Vorgefallene bei uns zu entschuldigen … und dies an einem Samstag Abend!

Da könnten sich viele unserer Kunden eine DICKE SCHEIBE davon abschneiden!!!



TAXI!

01:15, 16 March 2012 .. 0 comments .. Link
“S Taxi isch da”, werden wir herzlich empfangen. Taxi? Mir ist nicht aufgefallen dass wir ein gelbes Leuchtschild auf dem Dach haben. Die Aussage der Dame erstaunt mich doch etwas, zumal sie Mitarbeiterin einer namhaften Hauspflegegruppe ist und eigentlich wissen sollte, wer wir sind… Nun gut, ich stelle gleich klar dass wir der Rettungsdienst sind und nicht das Taxi. “Das isch ja fascht s gliche” entgegnet sie, und ich bin noch etwas mehr erstaunt als noch vor 10 Sekunden. Wir gehen zur Patientin. Diese liegt im Bett und hat wohl bereits die Unterhaltung an der Eingangstüre verfolgt. Die Fachperson erzählt, dass die Patientin bewusstlos wird sobald sie aufsteht, aber wir sollen sie doch einfach “kurz runtertragen.” Mit kurz meint sie wohl die 4 Stockwerke! Ich sage ihr, dass wir zuerst mal schauen, wie es der Patientin denn gehe. Das sei nicht nötig, der Arzt habe bereits geschaut. Nichts desto trotz kontrollieren wir die Vitalwerte. Als wir dann entscheiden, eine Infusion anzulegen, fragt die Betreuerin: “Dörfet ihr denn das?” “Nei, mir machet das heimlich und nur zum Spass”, entgegne ich. Nach fünf Minuten geht es der Patientin bereits besser, sie kann aufsitzen und sogar einige Schritte gehen. Auf die Nachfrage, was für Medikamente die Patientin denn nehme, antwortet die Fachperson, dass sie dies nicht genau wisse, weil die Medikamente kürzlich angepasst wurden. Ich frage mich langsam, was diese Person für eine Funktion hat und erachte es für das Beste, wenn wir mit der Patientin zum Rettungswagen gehen und sie ins sichere Spital bringen… bedenklich eigentlich.


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