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Vergesst eure Kindheit nie!5.1.2009

Ich weiss nicht mehr, wie ich im vergangenen Oktober darauf gekommen war, "Das fliegende Klassenzimmer" in der Bibliothek zu holen. Jedenfalls ging ich extra deswegen in die Gemeindebibliothek, wo ich seit bald zwanzig Jahren nicht mehr war. Das Buch von Erich Kästner stand da, als hätte es nur auf mich gewartet. Als Mädchen habe ich die Story mehrmals  gelesen, aber das Vorwort sah ich an diesem Samstag Vormittag zum ersten Mal. Dieses Vorwort, das ich Vollbild anzeigenbisher noch nie gesehen hatte, zog mich nun dermassen in seinen Bann, dass ich es noch in der Bibliothek lesen musste. Und, obwohl es Liebe auf den ersten Blick war, las ich es zu Hause ein zweites Mal. Zu guter Letzt schrieb ich sogar einen Teil aus diesem Vorwort ab, so dass Sie es nun auch lesen können:

„Eigentlich wollte ich (d. h. Erich Kästner; Anmerkung von mir) gestern abend, als ich gegessen hatte, gleich weiterschreiben. … Da merkte ich, dass ich meinen grünen Bleistift vergessen hatte. … So nahm ich ein Kinderbuch hervor, das mir der Verfasser geschickt hatte, und las darin. Aber ich legte es bald wieder weg. So sehr ärgerte ich mich darüber! Ich will euch auch sagen, warum. Jener Herr will den Kindern, die sein Buch lesen, doch tatsächlich weismachen, dass sie ununterbrochen lustig sind und vor lauter Glück nicht wissen, was sie anfangen sollen! Der unaufrichtige Herr tut, als ob die Kindheit aus prima Kuchenteig gebacken sei.

 Wie kann ein erwachsener Mensch seine Jugend so vollkommen vergessen, dass er eine Tages überhaupt nicht mehr weiss, wie traurig und unglücklich Kinder zuweilen sein können? (Ich bitte euch bei dieser Gelegenheit von ganzem Herzen: Vergesst eure Kindheit nie! Versprecht ihr mir das? Ehrenwort?)

 Es ist nämlich gleichgültig, ob man wegen einer zerbrochenen Puppe weint, oder weil man, später einmal, einen Freund verliert. Es kommt im Leben nie darauf an, worüber man traurig ist, sondern nur darauf, wie sehr man trauert. Kindertränen sind, bei Gott, nicht kleiner und wiegen oft genug schwerer als die Tränen der Grossen. … Der Ernst des Lebens beginnt wirklich nicht erst mit dem Geldverdienen“ (S. 10ff).

Erich Kästner (1933). Das fliegende Klassenzimmer. Zürich: Atrium Verlag.

 


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