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Salvatore 2 von 33 (Teil 1)2.7.2009
 2. Vorgeschichte

Salvatore kannte die Geschichte eigentlich. Die Story … den Plot, keine Story, kein Plot – das Evangelium. Und wenn es nicht das Evangelium gewesen wäre, hätte Salvatore an dieser Stelle Mark Twain zitiert: „persons attempting to find a plot in it will be shot.“ Der Film begann fast noch wie ein Stummfilm. Den Anfang hatte Salvatore schon vergessen gehabt. Denn er hatte nur darauf gewartet, dass endlich jemand ins Bild käme aus Matera, denn seine Verwandten hatten ja alle mitgespielt. Aber er hatte vergessen, wie sie aussahen, die Kindergesichter, jene zu Räuberfressen mutierten Kindergesichter von einst, die es nicht geschafft hatten. In einem Siebenjahreszyklus war der Mensch zu hundert Prozent recycelt, sodass am Ende vom Anfang nichts mehr da war. Aber auch von seinen Erwachsenen, die für eine Zeit lang relativ stabil durch ihre Tage gingen – nur gegen Ende hin schrumpften sie wieder etwas, sagte man, war nichts mehr da, ja, das Gesicht war verreckt.

Neugierig und ängstlich und, was den Film betraf, ganz unaufmerksam war er gewesen, auf Suche nach seinen Gesichtern von einst.

Bis zu diesem „Folge mir nach!“

Und von der Arbeit am Wasser weg folgten sie ihm, barfuss.

Als eine Stimme „Sometimes I feel like a motherless child” in den so gut wie leeren Saal hinauszusingen begann, da hatte er zum ersten Mal eine Gänsehaut bekommen. Eine vornehme Gesandtschaft aus alten Männern erschien. Sie bewegten sich in einer Gegend, die wie jene von Matera aussah, auf eine dieser Höhlenwohnungen zu. Und vor einer Höhle, die aussah wie jene, aus der sein Vater stammte, hielten sie an. Jetzt kommen sie gleich!, dachte Salvatore. Aber umsonst. Er musste noch warten. Und sah, wie diese Alten dieses Baby wie selig beschnupperten, als wollten sie es gleich fressen.

Nicht schlecht für den Anfang, dachte Salvatore.


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