Herzlich willkommen! Home | Profile | Archives | Friends
Sie befinden sich auf "Steinfels", dem neuen Weblog von Verena A. Schütz.
<%PostCommentPage%> <%PhotoAlbumPage%> <%ProfilePage%>
Ilse Aichingers Glück4.2.2012
 

Die Dichterin Ilse Aichinger geht drei- bis viermal täglich ins Kino, vom frühen Nachmittag bis in alle Nacht. „Im Kino kann ich verschwinden. Ich kann mich vorübergehend von mir selber trennen. Man wird jemand Fremder, und man ist nach außen und innen geschützt. Niemand läutet an der Tür oder ruft an, wie das geschehen könnte, wenn man sich den Film zu Hause ansähe. Man steht auch nicht auf, um etwas zu holen. Die Zeit ist aus den Angeln gehoben, man vergisst sich für eine Weile ganz. Es ist wie diese Utopie, die ich habe: dass man gut schläft und es weiß – oder dass man tot ist und es weiß. Das wäre das eigentliche Glück. Aber das erfährt man nicht. Also nähere ich mich ihm durch das Kino an. Ich verlange von ihm mehr, als man von ihm zu erwarten gewohnt ist.“

 

Aus: Zuflucht in Schattenbildern. Von Manfred Probst.

NZZ Online, 18. Januar 2004


Entry 28 of 93
Last Page | Next Page