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Zürich, 29. März 20119.12.2013
Im Blog vom 6. Dezember habe ich vom Buch "tschick" geschrieben. Und auch, dass ich dem Autor des Buches, Wolfgang Herrndorf, kurz nach dem Lesen einen Brief geschrieben habe. Hier ist nun der Brief:

Lieber Herr Herrndorf

Ich habe tschick gelesen, nicht ganz an einem Stück, aber nahezu. Zauberisch und superporno, wirklich. An mehreren Stellen habe ich das Lesen etwas verlangsamt, damit es nicht so schnell fertig ist.

Sie haben eine Gratwanderung bestanden, auf der man mehrmals auch hätte abstürzen können. Manchmal schien mir, als würde ich den Abgrund riechen, so nahe war er. Mit Abgrund meine ich Klischee und Abgedroschenes. Aber nichts Schlimmes und nichts Peinliches ist passiert. Im Gegenteil: Statt Absturz geniale Höhenflüge.

Am meisten berührt hat mich die Stelle auf Seite 214, wo unter anderem steht „und ich dachte einen Moment darüber nach, auch schwul zu werden“. Wissen Sie, das ist für mich eine der schönsten Liebeserklärungen, die ich je gelesen habe. Und gerade in dieser Episode zeigen Sie in aller Deutlichkeit, wie sehr Sie die Sache im Griff haben und keine Unsicherheiten zulassen: „Ich mochte Tschick wahnsinnig gern, aber ich mochte Mädchen irgendwie lieber“.

 

Ich bin immer noch ganz begeistert.

 

Freundliche Grüsse

Verena Schütz


 

 

 


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Aus der Praxis: Entwicklung I4.7.2011

Welche Psychologin und welcher Psychologe kennt das nicht: Im Briefkasten Tag für Tag Prospekte, die schwören, man müsse Entwicklung vorantreiben und Wachstum fördern. 

 

Kürzlich nun begann ich beim Zusammenschnüren dieser Papiere nachzudenken darüber, was denn eigentlich Entwicklung heisse. Und bei diesem Sinnieren kam mir plötzlich Frau Bischof in den Sinn. Frau Bischof hatte nämlich genau über diesen Begriff gesprochen. Natürlich nicht nur schnell, schnell, sondern gründlich und während langer Vorlesungen.

Im Moment, als ich im Begriff war, mit der Schere die überflüssige Schnur abzuschneiden, fiel mir ein, wie sie uns Studentinnen und Studenten klar gemacht hatte, warum man "Entwicklung" nicht einfach gleichsetzen dürfe mit "Wachstum". Man stelle sich bloss einen Säugling vor, sagte sie, einen Säugling, der nur wachsen würde. HiHiHi. Der Säugling wäre zu einem späteren Zeitpunkt  einfach nur ein grösserer Säugling.

Wir wären alle einfach alles mehr oder weniger grosse Säuglinge. Genau das würde passieren und deshalb ist klar, so sprach Frau Bischof, dass man nicht einfach nur wachsen kann, wenn man sich entwickeln will.

Das kam mir damals in den Sinn, als ich in meiner Praxis das Altpapier bündelte, es mit Schnur umwickelte und zum Schluss die Enden der Schnur zurecht schnitt. 

 


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Aus der Praxis: Alice Miller ist gestorben 25.4.2010

Das Buch "Das Drama des begabten Kindes" wird mir bis ans Lebensende eines der wichtigsten bleiben. Es stammt von Alice Miller, die nun gestorben ist. In meiner Praxis habe ich dieses Buch vielen, vielen Klientinnen und Klienten empfohlen. Für viele bedeutete es ein regelrechter Durchbruch, wie für mich ursprünglich auch. Eine Klientin hat mir erzählt, dass sie Alice Miller vertrauensvoll geschrieben und dass ihr diese eine wertvolle Antwort gesendet habe.

Im Artikel aus der NZZ, den ich eben vor mir habe, stehen ein paar Zeilen, die ich hier abschreiben will. Meine Blog-LeserInnen wissen ja, dass ich gerne zitiere. Zitieren bedeutet Abschreiben, und Abschreiben ist wie Essen. Leckeres Essen essen. Es folgt also ein Löffel voll Dessert, das von einer liebevoll verehrten Köchin zubereitet worden ist. Also:

"Wirklich lieben können wir nur, wenn wir uns dem Wissen, das uns zugänglich ist, (wie der Baum der Erkenntnis bis Adam und Eva), nicht verweigern, nicht davor fliehen, sondern den Mut haben, den Apfel zu essen."

NZZ, 24.04.10, Seite 57. Der Mut, den Apfel zu essen. Den ganzen Artikel findet man unter http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/der_mut_den_apfel_zu_essen_1.5538742.html


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Aus der Praxis: Die Kunst des Zuhörens12.11.2009

Zuhören ist ein Therapeutikum.

Zuhören muss erlernt werden.

Zuhören bedeutet für Ehepaare eine Kernkompetenz.

Michael Ende, der heute achtzig Jahre alt geworden wäre, hat in seinem berühmtesten Buch "Momo" etwas Wunderbares geschrieben übers Zuhören:

„Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie sass nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren grossen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.

Sie konnte so zuhören, dass ratlose und unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besonderen Weise für die Welt wichtig war.

So konnte Momo zuhören!“

 

 

Ende, Michael (1973). Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.                                  


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Aus der Praxis: Selbstwirksamkeit22.10.2009

Die folgende Beschreibung des Begriffes "Selbstwirksamkeit" entnehme ich der Arbeit der Klientin F. W.:

Fortsetzung folgt


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Aus der Praxis: Gesammelte Reste14.10.2009
 

Mitte August 2009 ist Hugo Loetscher gestorben. Ich habe damals einige Zeitungsartikel, die sich mit seiner Person und / oder seinem Werk beschäftigen, zur Seite gelegt. Gestern ist mir einer davon wieder in den Sinn gekommen, als ein Klient über die Frage „Wer bin ich denn eigentlich?“ sprach. In Anlehnung an das erwähnte Gespräch von gestern zitiere ich ein paar Zeilen aus dem Artikel, der mir am besten gefallen hat:

 

1975 setzte Hugo Loetscher mit dem Roman „Der Immune“ im eigenen Schaffen eine markante Zäsur. Dieses Buch lässt sich – zusammen mit seiner Fortsetzung Die Papiere des Immunen (1986) – als großangelegte Poetik wie auch als intellektuelle Biografie lesen. Das Prekäre jeder Zugehörigkeit wird hier aus der Skepsis gegenüber dem Wort Identität erklärt:

 

Wo immer er sich zur Deckung bringen wollte, es ging nie ganz auf. Er begriff, es blieb immer ein Rest, stets von Neuem ein Rest und immer wieder ein anderer, und diese gesammelten Reste machten ihn aus.

 

Aus: „Die Ästhetik des Immunen“ von Roman Bucheli (NZZ vom 19.10.09, S. 43)


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Aus der Praxis: Antwort nach Kaffee mit Spitzbub14.9.2009

Hier nun der Text, den ich meiner Kollegin noch am gleichen Abend gemailt habe. Gefunden habe ich ihn, wie vermutet, in meinem Archiv unter "U" wie "Urvertrauen":

Der Begriff "Urvertrauen" ist in der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie zentral. Er bezeichnet eine soziale Einstellung, die die Folge einer stabilen Personenumgebung in der frühen Kindheit ist. Die Bildung und Erfahrung von Urvertrauen wird als eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer gesunden, hoffnungsvollen und vitalen Persönlichkeit angesehen. Urvertrauen bedeutet Grundsicherheit, wer es besitzt, verfügt übe eine sichere Basis.

Es wird im ersten Lebensjahr des Menschen aufgebaut. In dieser Phase ist es entscheidend, dass die positiven Erfahrungen des Säuglings überwiegen. Gelingt es der Mutter, dem Neugeborenen ein tiefes Gefühl der Geborgenheit, Sicherheit und Verlässlichkeit zu vermitteln, entsteht das Urvertrauen. Dabei handelt es sich um eine Art Urerfahrung des Wertvoll- und Geliebtseins, des Getröstet Werdens, des Beschütztwerdens. 

Daraus entsteht eine Grundhaltung, die sich durch das ganze weitere Leben zieht: "Ich bin in Ordnung. Die Welt und die anderen Menschen wollen mir nichts Böses anhaben." (Quelle: Weltwoche Nr. 40; 2007)

Die Definition entstammt übrigens einem Artikel, der "Kinder wollen keine Krippen" heisst.  Diesen habe ich unter "K" wie "Krippe", "Katastrophe", "Kinder" und "Keine Kleinigkeit" abgelegt.


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Aus der Praxis: Fragen beim Vegi14.9.2009

"Wie machst Du es, wenn Dich eine Klientin oder ein Klient nach psychologischen Begriffen fragt, zum Beispiel nach Urvertrauen?, fragte mich kürzlich eine Berufskollegin beim Mittagessen.

Manchmal, versuchte ich es klug, finde ich es am besten, auf Fragen ganz direkt zu antworten, unumwunden und ohne an Projektionen, Gegenübertragung, etc. zu denken. 

"Was aber würdest Du sagen", stocherte sie weiter, "wenn Dich gerade nach unserem gemeinsamen Vegi jemand fragen würde, was Urvertrauen heiße?" 

Manchmal weiss meine Kollegin einfach nicht, wann genug ist. Sie kennt die Grenzen nicht. Sie macht Übergriffe. Ich entscheide mich - all die Meditationstrainings fruchten! - im Hier und Jetzt zu bleiben und sage ihr:

"Jetzt brauche ich erst einen Kaffee und einen Spitzbuben. Soll ich Dir auch noch etwas bringen? Und wegen Deiner Frage: Ich maile Dir ein paar Sätze aus meinem Archiv, ich bin sicher, dass ich unter Urvertrauen etwas finde." 

Auch auf dem Weg zurück zur Praxis war ich mir sicher, aus dem Vollen schöpfen zu können. Diesbezüglich fehlt es mir nicht an Vertrauen. Mit dem Urvertrauen ist das etwas anders.


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Aus der Praxis: Der vergessliche Engel7.9.2009

 Das ist der vergessliche Engel von Paul Klee.

 

Kürzlich hat eine Klientin von mir geheiratet. Ich schenke ihr zwölf Postkarten mit meinen geliebten Engeln von Paul Klee, dazu auf einer Karte mit Edelweiss den folgenden Spruch: 

„Möge euer Weg immer eben sein. Möge euch der Wind immer im Rücken sein. Möge euch die Sonne das Gesicht wärmen und der Regen sanft auf eure Felder rieseln. Möge Gott schützend seine Hand über euch halten“ (Irischer Segensspruch).

Das Bild mit dem Engel stammt von Google, die genauen Angaben zur Quelle folgen.


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Aus der Praxis: Das Lied vom Tod9.6.2009

Haben Sie den Film auch schon mehrmals gesehen? Können Sie sich noch an die Eingangsmelodie erinnern? Könnten Sie sie gar vorsummen? Weil er in Zusammenhang mit dem Thema "Rache" heute Morgen in einer Sitzung aufgetaucht ist, zitiere ich einen Ausschnitt aus einem Aufsatz über diesen Film (Quelle siehe unten). Wahrlich eine geniale Art, Rache darzustellen: 

 

"Mundharmonika reitet mit Jill nach Sweetwater und wartet auf Frank. Der kommt schließlich, nachdem er alles verloren hat, was sein bisheriges Leben bestimmte. Frank will nun endlich wissen, wer Mundharmonika ist. "Manche Leute sterben vor Neugier!" sagt Mundharmonika. Es kommt zum Duell, das als ein altertümliches Ritual dargestellt wird. Es ist zwar spannend, und es passt auch zu den Charakteren. Aber es passt nicht zur Eisenbahn, die wenige Schritte vom Duellplatz im Bau befindlich ist. In einer dritten Rückblende sieht man nun die Szene, um derentwillen Mundharmonika sich an Frank rächen will. Mundharmonika ist noch ein Junge. Sein Bruder steht auf seinen Schultern. Er hat einen Strick um den Hals. Wenn Mundharmonika umfällt, wird der Bruder hängen. Frank ist offenbar derjenige, auf den diese sadistische Inszenierung zurückgeht. Er tritt auf den Jungen zu und steckt ihm eine Mundharmonika in den Mund. Er sagt: "Spiel mir das Lied vom Tod!" Der Junge fällt in den Staub, der Bruder wird erhängt. Doch Mundharmonika spielt weiter für Frank das Lied vom Tod, das Lied vom Tod für Frank. Nun ist der Zeitpunkt der Rache gekommen. Die Schüsse fallen. Frank ist getroffen und fällt hin. Noch einmal fragt er: "Wer bist Du?" Mundharmonika reißt sich das Instrument vom Leder-Halsband, steckt es Frank in den Mund und antwortet: "Spiel mir das Lied vom Tod!" Frank erkennt in Mundharmonika den Jungen wieder und stirbt. Mit seinem Tod verklingt die Melodie. Das Lied vom Tod war die Melodie von Frank."

*http://club-dialektik.de/texte/liedvomtod.html  


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