Eine Reise - eine Geschichte

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El Bolson II

{ 05:35, 7 August 2009 } { 1 Kommentare } { Link }


Herbstbeginn und andere Geschichten

Einleben. Erleben. Unter dem frisch verschneiten Hausberg hat sich der Herbst darniedergelegt. Mit all seinen Farben, seiner Pracht, seiner Frische. Durch die Ritzen und Spalten unseres Häuschens dringt die Kälte ein. Bücher lesend und schreibend, spazierend und flanierend unser Heim und seine Umgebung geniessen. Brote und "Wähe" backend und den sonntäglichen Zopfe schlemmend, bringen wir schweizer Brauch- und Reichtum in das argentinische (Da)sein. Angekommen. Erinnern.


Lago Puelo

Der Altweibersommer meint es gut mit uns. Sonne, Wärme und ein klappriger Bus bringen uns das Badevergnügen näher. Eine halbstündige Fahrt entfernt liegt ein klarer, romantischer See, eingebettet zwischen Berge und Nationalpark. Crestasee-Stimmung kommt auf. Das Wasser ist kühl, der Halbschatten optimal. Zögerlich kommen die Leute mit ihren grossen 4x4 an.


Das Vehikel, ein festest Familienmitglied, mittendrin. Die bunte Klappstühle, positioniert in vorzüglicher Lage - im seichten Wasser - den Füssen Abkühlung bringend, werden während des Tages, um wenige Grade verrückt, regelmässig der Sonne ausgerichtet. Mann trifft sich, zusammen mit Frau und Kind, um die Natur zu geniessen und den Maté im Kreise zirkulieren zu lassen. Amigos. Ein gelbes aufgeblasenes Kanu geht auf Reisen, Kinder kreischen, spielen. Nebenan werden Tauchgänge unter und Bootsfahrten auf dem Wasser angeboten. Wir beobachten und schmunzeln.


Unsere Familie

Der Vollmond geht mystisch vor unseren Augen auf. Die junge Mutter nimmt ihren Sprössling auf den Arm. Sein kleiner Finger zeigt auf die helle Scheibe und leuchtende kleine Augen schauen den Himmelskörper erstaunt an. Hin und weg. "La Luna" flüstert die Mutter und der Kleine bewegt seine kleinen Lippen dazu. So lernen wir Elisa, eine Spanierin mit langen, roten Haaren, Nico der abgefahrene Künstler aus Buenos Aires mit schwarzem Bart und ihr einenhalb Jahre alter Sohn Malcu kennen.


Den Zwängen des hiesigen Systems trotzend gehen sie ihren Träumen und Talenten nach. Leben ihr Leben. Er porträtiert für 20 Pesos Touristen und Einheimische auf dem Markt, sie ist Clownin und unterhält Erwachsene. Per Autostopp, keine Seltenheit hier, gehts von A nach B - Früchte und Gemüse kommen aus dem eigenen Garten oder von Freunden. Ihr grosses, einfach eingerichtetes Haus befindet sich zwischen El Bolsón und Lago Puelo mitten in der Natur.


Der Papa, neugierig und weltoffen liebt die Philosophie und das Weiterdenken. Seine Theorien sind interessant und durchdacht. Einige auch wirr und gewöhnungsbedürftig. Ein aktiver Typ, dessen schelmisches Grinsen und wachen Augen zum Zuhören einladen. Er kommt mit allen ins Gespräch und hat immer ein gutes Wort bereit. Elisa ist die organisiertere, hält die junge Familie zusammen. Eine liebenswürdige Person, welche die Welt auch einmal von der realistischen Seite her betrachtet. Mit ihnen verbringen wir viel Zeit. Treffen uns auf der Feria, tauschen Gedanken und Geschichten aus, kochen zusammen. Wir lernen die Sponatität neu kennen und überdenken unsere Traditionen. Neues regt an, lockert festgesessene Muster, fordert (auf) zu neuen Ansichten.


Argentinisches Nachtessen

Gabi, unsere Nachbarin, verkörpert die gute Seele in Person. Typische Argentinierin und doch ganz anders. Sie arbeitet in der Bibliothek, gerade soviel wies zum Leben braucht. Sie hasst zwar die Kopiermaschiene und die Vielfälltigkeit und Abwechslung bleiben auf der Strecke liegen - hauptsache einen Job. Die zierliche, langhaarige Brunette widmet sich öfters dem Maté als dem Wein und nimmt das Nachtessen nie bei Tageslicht ein.


Ihr Talent den Gesprächspartner mit Wort- und Gestikwitz zu verführen, gelingt immer. Ob beim kurzen Schwatz oder tiefgründigen Themen. Ihr ehrliches und kicherndes Lachen ist ansteckend. Was sie von den Argentiniern hält? Sie sind offene Lebemenschen, doch keine Revolutionäre. Sie sind Amigos. Alle. Amigo wird man schnell. Doch dafür fehlt es oft an Tiefgang. Zufrieden mit der Regierung und mit der aktuellen Situation ist niemand. Doch etwas dagegen tun, weiterdenken, sich zusammenschliessen, ist mühsam. Lieber Cerveza oder Maté trinken, Asado geniessen. Auf Besserung warten, gemütlich leben. Gabi gestikuliert. Wild. Mimt die alltägliche Argentinierin. Ist stolz und gleichzeitig wieder nicht. Möchte die Welt verändern, weiterkommen,  weiterdenken, weiterleben. Doch das ist schwierig in dieser trägen Masse von Akzeptierern und Unentschlossenen.


Wir sitzen in unserer Haushälfte. Warten. Um halb neun sind wir zum Essen bei Gabi eingeladen. Die  selbstgebackene Wähe liegt bereit. Warten. Abgemacht, das Ganze argentinisch anzugehen und eine Viertelstunde zuspät kommen. Die schweizer Pünktlichkeit zu Hause lassen. Argentinische Tradition leben. Um Viertel vor Neun die fünf Schritte rüberschlendernd. Ganz entspannt. Überrascht: das Häuschen ist leer. Niemand zu Hause. Der schweizer Magen beginnt zu brummen. Allgemeine Unsicherheit. Sicher heute? Hat sie uns vergessen? Wir gehen zurück. Warten. Um Viertel nach neun kommt sie angebraust. Lachend. Eine Entschuldigung ist nicht nötig, wird auch nicht verlangt. Unkompliziert. Zusammen kochen. Zusammen essen. Zusammen geniessen. Zusammen diskutieren. Die Tortelloni casero sind spitze. Die Gemüsesauce dazu auch. Lachen. Erzählen. Das Leben findet statt. Urgemütlich. Argentinien gefällt.



Gegenwart

Rea liegt auf dem Sofa - mittlerweile in Pinamar - und taucht gerade durch ihre diversen Schlafschichten und Traumstadien. „Willst du nicht auch noch etwas schreiben, könntest du nicht ein paar Zeilen…Biiite.“ Kann ich ihr einen Wunsch abschlagen? Also schreibe ich, reihe auch noch ein paar Wörter im Zweifingersystem, anstatt den eleganten und flinken zehn Fingern von Rea, aneinander um eine weitere Geschichte von El Bolsón entstehen zu lassen . Ja, Wir lebten dort, und es wurde zwar nicht weniger spektakulär, aber vielleicht auch etwas wie Normalität. Im Anonyma (ein Supermercado der von den einheimischen Ladronima genannt wurde, Ladron = Dieb) einkaufen, kochen, spazieren, fotografieren, lesen, schreiben. Der - sehr angenehme - Lauf der Dinge. Die Tage gingen vorüber wie in einem gedehnten Atemzug. Waren extravagant, glichen sich wie eine Cyrus Wolke den anderen am Patagonien Himmel. Die Hunde, die herumtollen, die tollen Menschen die kamen und gingen.


Eine Episode in der Nacht

Wie unser Rohrbruch im Hinterhof. Ich erwache. Es ist zwei Uhr, ein halber Mond wirft Silberschatten. Dazu ein Geräusch, das nicht zur Szenerie passen will. Ein Tröpfeln, Plätschern. Ich sehe nach: der Wasserhahn tropft - so weit so unspektakulär bis in ihn berühre… Dieses Ding fällt ab und ein klarer Strahl ergiesst sich in die Nacht, auf den Boden, schwemmt die ersten Herbstblätter davon. Hauptschalter! Hauptschalter? Ja wo nur?? „Hernan, wir haben ein Problem!"  Ich mache Tee. Zwanzig Minuten später steht der Mitsubishi vor unserer Tür und Hernan im Atrium.


Der Hauptschalter befindet sich unter der Erde, vorne bei der Strasse. Mit Hilfe meines Sackmessers und einem „Weinzapfen“ basteltet er einen Stopfen. Gefahr erkannt - Gefahr gebannt. Ich liege wieder im Bett, suche nach meinen Traumstadien.Es dauert eine Stunde, ich sinke tiefer… "Plopp" - der improvisierte Zapfen fliegt davon und das Plätschern beginnt von Neuem.


Taschenlampe. Hauptschalter in dieser Nacht definitiv abdrehen. Schlafen. Am Morgen kommt ein lustiger, aufgestellter Klempner vorbei. „Rarissimo“ und schüttelt den Kopf. „Hecho en Chino." Früher hätte es noch gute argentinische Ware gegeben, aber heute, alles aus China; das nichts taugt. Er ist zuständig für alles und eilte auch schon mal herbei, um den defekten Gasofen einzuschalten. 

Dr Dänu isch do!

Wir haben uns so gut eingelebt, dass wir Gäste aus Europa empfangen, ihnen unser neues, vorübergehendes Zuhause zeigen können. Daniel ist da. Er „muss grad a d’Säck“: ein Brotbachseminar abhalten und Pizza machen. Zudem sammelt er Kastanien und macht in unserem Ofen „heissi Maroni - Maroni ganz heiss“.


Aber noch nicht fertig, er hat Fondue, richtiges Fondue ins Land geschmuggelt - eine Heldentat die auch so schmeckt; und wir Gabi einladen, um auf einem improvisierten Rechaud aus vier Duftkerzen (es gibt keine andere) in der Pfanne essen. Wir sehen Dänu auch nach, dass er die ganze Zeit vom argentinischen „Tischgrill“ fabuliert und lieber die immense Fleischmenge, welche sich darauf  türmt, schnabulieren will. „I nime no so ne Tischgrill“ wird zum Dauerglüher… Blutwurst, zum Dessert.


Dann wandern und mit gemieteten Mountainbikes durch die Wälder flitzen, über Stock und Stein brausen. Meine Kondition ist irgendwie in Basel geblieben, als ich noch mit dem Fahrrad arbeiten ging. Wir manövrieren uns ans Ende eines Felsens, an dem es kein Weiterkommen gibt. Leider müssen wir unser Velo runtertragen. Hundert schöne Höhenmeter, die wir nicht runterrauschen können.


Dafür gibt es danach einen Besuch und Verpflegung in einer Cervezeria. Es ist schon die Zweite… Bei der ersten, wo wir 'ne Führung gemacht hatten, verlief es so: „Also, für Bier braucht man vier Zutaten: Hopfe, Malz, Wasser, Hefe." Dazu stellt uns der Braumeister (betrunken?) vier verschraubte Flaschen mit vergrautem Inhalt hin. "Hier füllen wir ab.“ Aha! Die Besichtigung dauert 2 Minuten, danach degustieren wir. Er fixt uns an, probiert es mit allen Bieren die sie brauen. Rubia, Roja, Negra, Blond, Rot, Schwarz. Ja, ich spreche immer noch vom Bier. Also wir nehmen eine Rubia für Dänu und eine Negra für mich. Tip top! - gleich noch einmal das Selbe. Ich habe wieder mal Männergespräche - natürlich auch über Frauen.


Ferien

Eben, wir waren in El Bolson schon so Zuhause, dass wir von dort aus in die Ferien gingen. Rea fährt siebenundzwanzig Stunden in den Süden, macht eine hochintensive Tour mit ihrer Mutter und deren Kollegin. Ich habe sturmfrei. Schreiben, spazieren, comida rapida - muss nicht so ausgewogen sein wie für Schwangere.


Wenig später fahren Dänu und ich in die Ferien. Bariloche bei Nacht. Mit dem Auto im Seengebiet. Wo wollen wir hin? Chile? Pazifik? Vamos! Wir fahren über die Anden. Strassen wie am Anfang von „The Shining“: die Bäume tragen Bärte und sind herbstlich eingehüllt. Auf der Passhöhe, wir sind immer noch weit und breit alleine, surrealer Nebel. Ennet der Grenze zu Chile ist es grün und saftig - wir machen kurze Pause in Ivorno und fahren der Sonne entgegen, über Hügel, durch Wälder die an Frankreich erinnern, an Schlaglöchern vorbei.


Wir fragen uns, kommt da noch was? Jetzt sollte dann schon mal noch was… Wieder eine Halbe Stunde später, du meinsch da kommt noch was?! Verfahren können wir uns nicht - es ist die einzige Strasse. Zuweit fahren können wir auch nicht - der Pazifik wird uns mit Sicherheit stoppen. Kurven, Hügel. Ab und zu ein Haus, ab und zu jemand der uns entgegen kommt und winkt. Mittlerweile winken uns auch die Kinder. Ob sie noch nicht so viele Autos mit argentinischer Nummer gesehen haben? Es ist wahrscheinlich. Endlich! Wir blicken auf den Pazifik, der in goldener Schönheit daran ist die Sonne zu schlucken.
Am Strand Fischer in gelben Booten, die an der Mole ihren spärlichen Fang abladen. Fotos und ein Sujet für eine Reprotage des Magazins „MARE“. Unberührt. Authentisch am Ende der Welt.


Valparaiso wie vor –sagen wir dreihundert Jahren- Ein paar Häuser auf Stelzen an den Hang geklebt. Keine Touristen, Ein Highlight, ein Insidertyp. Die absolute Romantik. Leider ohne Rea, aber sogar gut mit meinem Cousin…


Auf einem kleinen Strässchen, an dessen Rand Kühe grasen vorbei, weiter in den Morast, wo neugierige Menschenaugen beobachten und Schweinegesichter grunzen. Hunde. Federvieh. Hier wird es wohl nichts - zurück, vorbei an den Kühen, die in aller Ruhe kauen und dem Sonnenuntergang beiwohnen. Wir finden eine, der ganz wenigen Unterkünfte.


Ein kleines Zimmer. Das Meer vor der Tür, am Strand, des endlosen Pazifik der rauscht und ihn in Gischt einhüllt. Das rote Zentralgestirn versinkt im Wasser, welch Spektakel und leuchtet heute ein letztes mal rosa Wolken an. Perfekt für romantische Zweisamkeit, ich kann mich nur wiederholen.


Mittlerweile sind wir im Apero und lassen uns erklären, dass morgens um zehn, elf in der Bucht Wale hüpfen. Gleich vorneweg: daraus wurde nichts, wär auch vielleicht zuviel des Guten gewesen. Es hat zwei Kneipen, wobei es das nicht ganz trifft. Das eine Restaurant ist mehr eine Scheune aus Speerholz zusammengebaut, ungeheizt und unter Neonlicht. Wir sind abgesehen von den Besitzer und deren Familienmitgliedern, die Einzigen - werden vortrefflich bewirtet. Mariscos, also etwas das direkt aus dem lieben Pazifik kommt, essen wir, trinken die teuerste Flasche Wein - alles für siebzehn Franken pro Person. Diskussionen. Sterne. Friedlich schlafen.
Wir sind auch in dieser Pension die einzigen. Ein alter Herr macht uns Frühstück. Ich versuche ihm zu erklären, wie sehr es uns gefällt, das Meer direkt vor seiner Tür.


Er macht eine gutmütige Grimasse und sagt: „Ja... jeden Tag das gleiche, jeden Tag das gleiche.“ Leider, leider müssen wir weiter, zurück nach Bariloche. Fahren wieder über die Berge, essen, fahren, fahren. Bis nach Futaleufu. Gaaanz zuhinterst im Wald an einem See. Kein Tischgrill, dafür Forellen. Wunderschön. Romantiktip II.


Bariloche lieben die Argentinier. Muy lindo, muy lindo. Es ist wie bei uns in einer alpinen Touristenmetropole. Also nicht so spektakulär, obwohl See und Wolken im Abendlicht strahlen; erster glitzernd, letztere sich zu bizarren Formen auftürmend. Ich bin ein Fan von: Patagonienwolken. Ein Fan werden.


Mit dem Bus fahren wir sechzehn Stunden nach Norden. Mendoza. Eine oenologische Gastro-Tour, bei der vor allem der Fachmann staunt und sich der Laie wundert. Aber zuerst geht’s durch die endlos Weite der Meseta. Wunderschön, einmal mehr unter spektakulären Wolken, welche die weite, schöne Wüsten rosa zum leuchten bringen und sich schüchtern eine Dünne Mondsichel zeigt.
Mendoza. Ins schon bekannte Hotel Zamora einchecken, dann Standart-Touristen-Programm 1: Mr. Hugo. Velos mieten. Olivenölproduktionsstätte besichtigen. Kleiner Imbiss: Brot Oliven, getrocknete Tomaten. Dann Wein degustieren. Für die Zuhausegebliebenen Kenner: Carinae, Tomaso, Trapiche. Oder waren es noch mehr?
Am Abend gibt’s – genau Tischgrill für Dänu. Helados zum Dessert. Am nächsten Tag mieten wir ein Auto, fahren in die Anden. Puente del Inca. Wir sind auf dreitausend. Vor uns der höchste Berg Südamerikas: der Aconcagua - 6992 m.ü.M. Im Grand Hotel Upspallata einchecken. Eine Zusammenkunft von argentinischen und schweizerischen Hotelmanagern. Auskunft und Zustand der Hotelküche: direkt von Daniel.


Es ist erster Mai. Die Leute haben frei und zwängen sich alle ins gleiche Tal. Tausende Quadrakilometerlandschaft - aber sie sind geballt im heissen, stickigen Tal. Ich habe keine Ahnung warum. Die Luft ist erfüllt von Gebratenem. Daniel will kaum weiter, sondern einen Tischgrill.


Wir sind auf dem Weg zu den Thermalquellen, Leute füllen die Bassins die unterschiedlich warm sind. Aber auch die Picknick-Stellen sind gut besucht, von überallher weht uns Fleischgeruch in die Nase. Sie Argentinier. Wir Schweizer. Packen unser Brot aus und schneiden ein Stück Käse mit dem Victorinox… Wir gehen herum und fallen auf. Leider war ich zuwenig geistesgegenwärtig als eine Frau mir, uns zuprostet: Hola lindo! Ich: Hola, Buen provecho (guten Appetit)! Kulturelle Unterschiede.


Nach dem Bade fahren wir durch die Reben. Und am nächsten Tag besuchen wir  Norton, einer der grössten Bodegas. Zehn Millionen Liter Wein…Essen. Zurückfahren und schon ist unser gemeinsame Zeit um. Daniel geht weiter nach Iguazu, ich zurück. Im Bus biete ich der Sitznachbarin Lindt Schokolade an - fast eine ganze Tafel verschwindet innert zwei Minuten. Auf das Phänomen angesprochen, warum die Argentinier alle am gleichen Ort zusammenkommen, meint sie: Ja das stimme. Aber vielleicht ist es, wenn man in einem riesen Land wohnt, mit viel Nichts dazwischen, man einfach froh ist, wenn man andere Leute trifft. 18 Stunden fahre ich durch diese Weite, nach Hause, sweet home. El Bolsón.

rew/dal




El Bolson I

{ 01:04, 7 August 2009 } { 2 Kommentare } { Link }

El Bolsón

Schichtwechsel. Der talentierte Reisereporter, David Lehmann, legt eine Kreativpause ein und überlässt mir die Bühne.

El Bolsón, ein 14'000 Seelen-Dorf welches seinesgleichen in Argentinien sucht. Von Beginn an ist klar: es ist anders hier. Nicht nur das Ortsmotto, welches ebenso gut über einer knorrigen schweizer Alphüttentüre hätte stehen können "Die Erde ist unser Boden, die Berge sind unsere Wände, der Himmel ist unser Dach" und das bezaubernde Lächeln des inmitten von leuchtend roten Hagebutten verweilenden Mädchen aus unserem Reiseführer zeugen von einem kleinen Paradies, sondern das ganze Dorf lässt unser Herz erquicken - Liebe auf den ersten Blick.


Zierlich angefertigter Schmuck, bunte, mit Steinen besetzte, geknüpfte Bändeli hergestellt von femininen Typen mit meterlangen, dicken Rastalocken. Wohlriechende und vielfältig strukturierte, fein ausgearbeitete Holzutensilien, handgestrickte Pullover und Socken angeboten von echt lächelnden alten Mamas mit braungegerbter Haut.


Süsse, saftige Beeren werden per Mixer in köstliche, fruchtige Drinks verwandelt, welche für umgerechnet 3 Franken der Halbliter ein Gedicht den Gaumen hinunterschicken, während nebenan goldenschimmernder Honig, vielversprechende Konfi und Selbstgebackenes den Besucher locken. Die Atmosphäre ist entspannt, nicht aufdringlich. Wir staunen, nicken, zählen das Geld. La Feria Artesanal präsentiert sich jeden Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag - wir haben genug Zeit.


Gleich neben dem grossen Platz mit seinem künstlich angelegten Teich und den sich darum aufgereihten Ständen befindet sich die Jauja. Ein Paradies für Eisliebhaber. Verführerisch angeordnet, präsentieren sich die etwa dreissig teils unbekannten, cremigen, teils leuchtenden, fruchtigen Sorten den Gästen. Das Mundwasser sammelt sich in Sturzbächen - Widerstand zwecklos. Genussvoll wird verzehrt, neue Kombinationen ausdenkend.


Der zergliederte Ort, sich an der Hauptstrasse "San Martin" orientierend, wurde früher von stadtflüchtigen Hippies förmlich überschwemmt. Heute ist die Rastadichte immer noch hoch, doch wurde das heilige Kraut gegen Tee, Esotheriklädeli, Yogaschulen und Akapunkturangebote eingetauscht. Der alternative Lebensstil ist ein wichtiges Merkmal der Bolsóner, die Natur ihr bester Freund.


Die ersten Tage verweilen wir in der Hospedaje "Steiner". Das alte, grosszügige, verwinkelte Gebäude stammt aus einer anderen Zeit. Lange Gänge, von grellem Neonlicht beleuchtet, vermögen nicht annährend mit der Natur um das Haus mitzuhalten. Die Besitzerin, eine gütige und zuvorkommende Nachfahrin österreichischer Auswanderer, freut sich förmlich über deutschsprachige Gäste.


Im Nu fühlen wir uns in der sehr familiär geführten Unterkunft wohl, trinken mit der Hausherrin Mate und kochen gelegentlich mit ihr unser frühes Abendessen, auf welches später zur argentinischen Mahl-Zeit für sie ein zweites folgt. Draussen, im grossen Garten, spenden alte Bäume wohltuenden Schatten, ein grosser Pool nasse Abkühlung. Wir träumen, schalten ab, lesen - ständig begleitet durch das immer wiederkehrende Schnattern krummschnabliger Vögel und dem stolzen Ausruf des Hahnes. Angekommen. Geniessen.


Nach wenigen Tagen finden wir unsere Cabaña. Hernan, ein dynamischer, jung gebliebener Argentinier bespricht das Geschäftliche nicht gerne am Telefon. Vorbeikommen. Sein Angebot  und sein strahlendes Wesen sind uns auf Anhieb sympathisch. Die Küche mit dem grossen Ess- und Wohnbereich, das kleine und gut ausgestattete Bad sowie das hübsch eingerichtete Schlafzimmer gefallen sofort.


Zusammen mit dem Häuschen übernehmen wir die Patenschaft von zwei treu ergebenen Nachbarshunden, einer älteren schwarz-weiss Cocker-Spaniel-mischlings-Dame welche jedoch in Sachen Energie dem hellbraunen, jungen Rüden in keiner Weise nachsteht. Unermüdlich hetzen sich die zwei durch den Garten, trampeln die blühende Pracht nieder oder graben ihre Löcher und nur die hiesse Sonne zur Siestazeit oder die sich nervenden Nachbarn bringen ab und zu Ruhe ins Spiel.


El Bolson beherbergt, wie jedes argentinische Nest, viele Strassenhunde, welche irgendwie zum Dorfbild gehören. Scheinbar immer eine gute Seele findend, die ihnen Knochen, Essensreste oder vielleicht sogar Hundefutter zuwirft. In der Freizeit üben sie ihre Lieblingssportart aus. Aufreibende und nicht ganz ungefährliche Wettrennen mit den klapprigen, vierrädrigen Vehikeln. Gebell der Genossen. Die Extremsportler unter ihnen sind jeweils an den grossen Kreuzungen bei ihrem täglichen Training zu bestaunen.
Neben den herrenlosen Hunden gibt es auch solche mit festem Wohnsitz. Unterschiede zu den unsrigen sind zu erkennen. Die Spaziergänge und das tägliche Geschäft werden weder mit Leine, noch mit Besitzer unternommen. Das Gartentor öffnet sich, die Vierbeiner schnüffelnd, Umgebung markierend, kehren nach wenigen Minuten wieder zurück. Körbchen im Warmen, Mäscheli hier und Kleidchen da, Maniküre und Coiffure kennen sie nicht - ihr Reich ist Tag ein, Tag aus der Garten.


Die Leute hier sind sehr freundlich, entspannt, wollen wissen. Argentinisches Gedankengut ausstrahlend. Amigos. Jeder geht seiner Tätigkeit, seinem Instinkt, seinen Träumen nach. Nicht einmal die vielen, geduldigen Versuche, den  Motor der alten Rostlaube mit tief brummendem, schlotterndem Röcheln in Bewegung zu setzen, bringt sie aus ihrer Ruhe. Irgendwie läuft das Leben. Irgendwie kommt man über die Runden. Ein Schwätzchen mit der rothaarigen, baumnussknackenden Lebensmittelverkäuferin, ein Lächeln von der aufgestellten, rundlichen Frau in der Lavanderia.


Die junge Coiffeuse, Mutter zweier Kinder und stolze Inhaberin eines eigenen Geschäftes an der Hauptstrasse, träumt von ihrer ersten richtig grossen Reise in die USA, welche aber durch schwierige finanzielle Situationen immer wieder verschoben werden musste. Sie beneide uns schon ein bisschen um unsere Reisefreiheit. Schulterzuckend fügt sie hinzu, sie profitiere ja von den Touristen als Kundschaft. Während der zweimonatigen Hochsaison im Januar und Februar arbeiten bis zum Umfallen. Überstunden, jeden Tag geöffnet und Spezialwünsche. In dieser kurzen Zeit muss der Grossteil des Jahresumsatzes fliessen. Danach wieder Ruhe. Für zehn Monate. Haarsträubende Aussichten. Später, mit frischem Schnitt und hennarotem Schimmer bringe ich ihr einen schweizerischen Zopf vorbei - ein Souvenir aus dem fernen Europa.


Die regelmässigen Besuche unseres Vermieters, dem Mitsubishi, sind schon fast ein Ritual. Pfeiffend ankündigend. Todo bien? Todo bien! Ché David, quieres verdura? Si, como no... und schon steht eine Holzkiste mit frischem Bio-Gemüse und Früchten aus eigener Produktion, vor der Türe. Der Einkauf für heute hat sich erledigt, das gesunde Nachtessen ist sicher.


Das hervorragende Klimabecken in der Provinz Rio Negro lässt nicht nur eine nach europäischem Vorbild und dessen Leitgedanken geformte Waldorfschule gedeihen, sondern auch Hopfen in rauen Mengen. Mindestens drei Cervecerías nennt der Ort sein eigen, wobei bei Besuchern mehr Wert auf die Degustation als auf den Herstellungsablauf  gelegt wird. El Bolson - Cerveza Artensanal - seit 1984 angeboten. La primera y única cerveza de la Patagónia Argentina. Das alljährtlich stattfindende, die Hopfenernte abschliessende Festival zieht Gross und Klein an und erst in den frühen Morgenstunden strömen diese gesättigt nach Hause.


Wir werden einen Teil dieser grossen argentinischen Gemeinschaft im Norden Patagoniens. Leben mit ihnen, unter ihnen. Fühlen uns wohl im Schutze des Hausberges Piltri.

rew



weiter nach Futaleufu

{ 08:56, 25 June 2009 } { 3 Kommentare } { Link }

Im Zickzack über die Routa 40 nach Norden

Mit den letzen zwei Plätzen im Bus, der zweimal die Woche an unser Ziel fährt, schaukeln wir zuerst nach el Chalten um Bergsteiger mit ihrer Ausrüstung mitten in der Nacht abzuladen. Davor, nach ein paar hundert geschotterten Kilometern, ein kurzer Halt irgendwo im Nirgendwo: ein Windrad, dem ein paar Schaufeln fehlen, Tieren - Lama, Hühner, Kühe - und Menschen die Gepäck und Getränke anbieten.


Feuer, nur noch an einsamen rosa Wölkchen sichtbar, lässt den fernen Sternen Platz, dazu viel Erde, gelegentlich Wasser, Wind. Einsamkeit. Wir schütteln durch die Nacht, schlafen. El Desierto wird mit dem neuen Tageslicht sichtbar: hügelige Steppe, spärlich bewachsen. Steine draussen, Staub drinnen, der dick zwischen den Vorhängen im Lichtkegel schwebt. Dösen. Ein Endlosband das an uns vorbeizieht. Ein Strassenkreuz  auf der Karte - Bajo Caracoles - entpuppt sich als Winzigkeit. Ein paar Häuser, dazu eine Tankstelle, ein Laden mit Gebäck und Café. Pause. Stille.


Das sind also ein paar hundert Kilometer dieser berühmt berüchtigten Routa 40, deren Anhänger T-Shirts davon tragen. Ereignislos eigentlich. Aber vor allem ist sie lang und staubig. Staubig und lang. Wir werden, nachdem wir an einem wellenreichen, wärmespeichernden See entlang rumpeln, in einem kleinen Dörfchen entlassen und teilen unsere Habitation mit zwei deutschen Frauen. Ein mildes Mikroklima, das Dank des zweitgrössten Wasserspiegels Südamerikas, eine Oase bildet, in dem Obst, vor allem Kirschen, prächtig gedeihen und alte Leute ihren Lebensabend, laut Reiseführer seit der Zeiten den Tehuelche - Indianer, geniessen. Daher auch der Name “Los Antiguos”.


Wenige Meter von der chilenischen Grenze entfernt, die wir am nächsten Tag mittels Kleinstbus erreichen. Chile Chico, das Dorf auf der anderen Seite. Mit einer Fähre kreuzen wir den See, der auf der argentinischen Seite Lago Buenos Aires heisst und die Chilenen verständlicherweise anders nennen wollen: Lago Carera. Impressionen von dunkelblau mischen sich sukzessive mit Türkiswasser unter einem Cielo Celeste.


Zugig und zügig setzen wir über nach Puerto Ibaniez, wo uns ein Bus durch saftig grüne Hügel mit gezackten, gesäumten Bergen nach Coyhaique schlängelt. Ein Dorf über dem Holzrauch schwebt und von kräftiger Vegetation eingebettet ist. Im Nationalpark durchwandern wir wuchernden, dichten Bambus, der mit Nadelgehölz und Laubbäume um die Gunst des Lichts konkurrenziert.



Viel Natur - fast keine Menschen. Beim Picknick an einem kleinen See treffen wir auf eine Handvoll automobile Argentinier (die irgend einen Weg fanden, die Strecke motorisiert zurückzulegen). Vorzüglich gestärkt, hüpfen wir über Stock und Stein durch dunkle Wälder vorbei an sumpfigen Lagunen. Es bleibt genügend Zeit um fotographisch zu experimentieren.


Ein anderer Tag. Ein französischer Biobauer mit wenigen, grauen, zerzausten Haaren, tiefliegenden gebleichten Augen, spricht uns in seiner Landessprache an.  Was in einem luftigen “tour d’horizon” über Land und Leute sowie die Anfänge der Sprache beginnt, schreitet weiter zu seinen Ansichten der Welt, verstärkt sich zu einem ernsthaften, verbalen Wind und weitet sich zu einem orkanartigen, politischen Manifest. Seine Kleidung scheint nicht zufällig gewählt: dunkelgrüne Jacke über einem roten Pulli. Er doziert über die Manipulation der Medien und endet schliesslich in einem glühenden Plädoyer für den Kommunismus und Stalin. In einer solch intensiven Art, dass mir die Argumente versagen - ein unbeirrbarer Extremist der uns verwirrt zurücklässt.


Wir ziehen weiter.  Wieder französische Extremisten - diesmal harmlose Extrembiker, die vom Süden kommend schon über tausend Kilometer über Schotter gestrampelt sind. Es scheint das Veloeldorado zu sein. Unterwegs treffen wir, in kleinen Gruppen oder auch alleine, abgekämpfte Radfahrer. Die Reise ist schon in unserem Mercedes Sprinter Bus lang - aber faszinierend.


Wir kurven die Anden hoch bis in die Wolken, welche die Vegetation umnebeln und  das Grün hier oben zum Urwald explodieren lässt. Satt und undurchdringbar, grün und feucht. Weiter unten frass Waldbrand die Hügel kahl - dutzende, hunderte Quadratkilometer. Durch die mächtigen verwittert-weissen Rippen, die verstreut von dem Ereignis zeugen, ist längst neues Grün gewachsen. Klein und flauschig im Vergleich.


Orange Männchen auf gelben Maschinen planieren und verbreitern den Schotterweg, auf dem wir uns durch die Landschaft bahnen. Unser Fahrer Don Marcello kennt jeden und alle kennen ihn. Er winkt, manchmal hält er, wechselt ein paar Worte: einer der Bauarbeiter bittet ihn ein Maschinenteil von Futalefu mit zu bringen oder zwischendurch hält er um Bewohner der Dörfchen aufzuladen. Grosis und Kinder welche anstatt in einer Stunde zu Fuss in einem Viertel davon zu Hause sind. Mit “Gracias Don Marcello” verabschieden sie sich und sind bald darauf auf dem Weg zu einem einsamen Häuschen verschwunden. An einem mystischen Spiegelsee machen wir halt, laden stürmisch ein paar Israelis auf, während die Franzosen mit anderen französischen Hardcorebiker über Sagochen et cetera fachsimpeln.


Seit acht Uhr sind wir unterwegs und es zieht sich, zieht sich, zieht sich. Im letzten Abendlicht sehen wir Täler - weiss wie Schnee. Vulkanasche wie Don Marcello erklärt. Gegen Zehn Uhr, etwas ausserfahrplanmässig erreichen wir Futalefu und steigen in die bis jetzt billigste Unterkunft ab (7 CHF/ Person). Einfach. Die letzte französische Extrem-Situation heute. Gleich Gegenüber serviert eine Französin Essen: Alles extrem gut.


Der Ort, offenbar bekannt für Wassersportarten lädt auch zum Wandern. Über staubende Felder von Vulkanasche, entlang türkisfarbener Flüsse,  weite Landschaft. Am Morgen um fünf Hundegebell. Geheul. Gejaule. Es scheint eine hitzige Kommunikation im Gange. Vielleicht ist Gemeindeversammlung oder Wahlkampf. Weiterschlafen.

dal



El Calafate

{ 09:52, 31 May 2009 } { 2 Kommentare } { Link }


Perito Moreno

Am Rand der touristischen Hauptstadt der Gletscher beziehen wir unser Quartier und werden in den folgenden Tagen jeden Abend Zeugen spektakulärster Naturschönheit am Abendhimmel. Der Lago Argentino, doppelt so gross wie der Bodensee, erscheint uns zweifarbig. Sein Wasser enthält Sedimente, die das Eis auf seinem langen Weg über den felsigen Untergrund abgeschmirgel hatte.


Aber wir sind, wie hunderte andere auch, wegen dem  Gletscher Perito Moreno da; benannt nach dem Patagonien Forscher Francisco Pascasio Moreno.
Mit dem Bus erreichen wir das Highlight und UNESCO-Weltnaturerbe, welches einen Teil des riesigen kontinentalen Gletschergebiets Campo de Hielo Sur präsentiert.


Per Boot geht’s näher ran. Die lamellenförmige Gletscherzunge, 4-5 km breit, funktioniert als gigantischer Freiluftkühlschrank, der nicht nur die Luft kontinuierlich abkühlt, sondern auch den leblosen See auf zwei bis vier Grad temperiert.


50 bis 60 Meter hohe Eismassen türmen sich vor uns, in diversen bläulich-weissen Farbtönungen auf. Im Innern splittert, knackt, giert und rumpelt das uralte Eis, das hier vorerst seine finale Bestimmung gefunden hat. Einen Meter schiebt sich der 60 km lange Gletscher täglich vorwärts und kalbt, unter den Augen der Schaulustigen ins Wasser.


Unvorhersehbar mit bombastischem Getösse, neigt sich eine altersschwache Eissäule, sackt einen Augenblick später  -implosionartig- in sich zusammen und hinterlässt in der schäumenden Gischt nichts als skurrile, davon taumelnde Eisbergtrümmer im Lago Argentino.


Wind und Wasser schleifen weiter, bis sie ihre Methamorphose abgeschlossen haben und wieder ein Tropf dem anderen gleicht, damit der Prozess von Neuem Beginnen kann: Der Tropf verdunstet, kristallisiert zu einer Schneeflocke - einem Eiskristall - in einer diesen schönen Wolken, um als Schnee, zusammen mit unzählbar anderen wieder im Eis eingeschlossen zu werden. Gut - ich drifte, wie die Eisschollen, ab.


Die in den letzten Jahren sprunghaft gewachsene Stadt, deren Name  von einem in der patagonischen Region häufig anzutreffenden Calafate-Strauch (gelben Blüten und dunkelblauen Beeren)  stammt, verlassen wir vorerst per Bus Richtung Norden, auf der legendären „Routa 40„. Wer von den Beeren, aus denen u.a. Konfi hergestellt wird, probiert hat, kommt wieder. Sage oder Tourismusmarketing? Wir werden sehen.

dal



Ushuaia

{ 09:28, 23 April 2009 } { 1 Kommentare } { Link }


El fin del mundo

Mit einem Gummiboot und hoher Geschwindigkeit verlassen wir Puerto Navarino und nähern uns von Süden einer, nicht DER südlichsten Stadt der Welt. Dieser Titel wurde offenbar, nach Streitigkeiten der beiden Länder,  dem chilenische Puerto Williams zugesprochen. Geschicktes Tourismus Marketing, die Koordinaten (54° 48' südlicher Breite) und vielleicht auch der exotisch klingende Name ("Ushuaia" bedeutet in der Sprache der Ureinwohner Yámana "Die zum Sonnenuntergang hin gewandte Bucht“), ziehen  Weltenbummler und Kreuzfahrer gleichermassen magisch an. Vorbei an grossen modernen Kreuzfahrtschiffen  gehen wir an Land und betreten eine Touristen Metropole, die irgendwo in der Schweiz beheimatet sein könnte.



Es wimmelt nicht nur von Europäern die hier ein paar Tage an Land gehen, sondern auch von Infrastruktur für diese: Souvenirshops, Restaurants, Outdoorausrüstung. Die stark gewachsene Stadt zergliedert sich gegen aussen und verliert sich an deren Rändern entlang der Schmelzwasserflüsse. Die Lage samt Aussicht, hinter uns eine amphitheatralische Bergkulisse die im späten Abendlicht unter roten Wölkchen leuchtet, vor uns der tief blaue Beagle Kanal, hat seinen Preis: Für relativ viel Geld beziehen wir wenig Unterkunft.



Am nächsten Tag fahren wir in den National Park tierra del fuego. Endlich sind wir von der staubigen Schotterstrasse weg. Die Argentinienr sind begeisterte Wanderer, solange sie dazu ihr Auto nicht verlassen müssen..

Aber unser Effort wird belohnt: in der Bahia Esmeralde steht, touristisch inszeniert, das südlichste Postbüro am fin del mundo. Für ein paar Pesos kriegt man einen Stempel auf die Postkarte der besagt, dass wir da waren.



Entlang des Beagle Kanals auf einem Fusspfad wird es ruhiger und knorrige windzerzauste Bäume drängen sich dicht bis fast an den spiegelglatten Kanal. Entgegen unserer Erwartungen ist es warm, und windstill. T-shirt-Wetter. Offensichtlich haben wir gerade einigen der wenigen Sommertage erwischt. Die Kombination von spiegelndem, klarem Wasser und bizarrem Zauberwald schlägt sich in den Gedanken nieder währenddem wir wandern, pausieren und Photos für die daheimgebliebenen schiessen, vergeht der Nachmittag  in einem gedehnten frischen Atemzug.



Am nächsten Tag. Der Taxifahrer, ursprünglich ganz vom heissen Norden Argentiniens, erklärt die Aussprache von seiner Wahlstadt die er auf keinen Fall wieder verlassen würde: Uswaja. Wir wandern durch das Huskital, der einzige Ort wo in Südamerika Schlittenhunde gezüchtet werden und erreichen, hochmoorige Vegetation durchwatend, und durch farbigen andine Gesteinsformationen begleitet, eine türkis gletschermilchige Laguna.



Ein Bergsee, den wir auf einer anderen Route wieder verlassen, uns verlaufen -verloren am Ende der Welt - und dann schliesslich doch wieder zu den Huskies im Tal finden. Im Bus treffen wir auf Hardcore-Trecker. Zwei Brasilianer eine Französin und eine Schweizerin, letztere textet uns gleich zu. Sieben Tage seien sie jetzt in der Wildnis gewesen, hätten Gummistiefel mitgeschleppt, die es wirklich, ganz sicher, nicht braucht. Ohne Wege, durch Wälder und Dickicht und am Schluss sei ihnen die Nahrung ausgegangen - ich hoffe sie waren nicht mal zu fünft… Wir kommen uns, angesichts solcher Abenteuern schon fast wie die grauen gruppenreisenden Kreuzfahrer vor.



Tendenzen zeigen sich: Anstatt der 18 Stunden Busfahrt, -Chile rein, Chile raus- lassen wir uns ausfliegen und erreichen bequem nach einer Stunde über wüstenähnliche Leere El Calafate.

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Von Pta. Arenas nach Ushuaia

{ 03:52, 27 February 2009 } { 3 Kommentare } { Link }

Fahrt von Punta Arenas nach Ushuaia

In dieser Stadt zeugen nebst einer feudalen Villa im buddenbrook’schen Stil, einem prächtigen Friedhof und Strassenschilder von der Vielfältigkeit der Einwanderer aus ganz Europa, zur Zeit als durch die Magellanstrasse die Schiffe segelten, beladen mit wertvollen Gütern, wie beispielsweise das begehrte Edelmetall des kalifornischen Goldrausches. Hunderte von Fracks entlang dieser Wasserstrasse sind Zeugen von tausenden Schiffen, die durch diese Passage gelotst wurden. Die Historiker sind sich uneinig, wer die Feurlandinseln entdeckt hatte - mehr dazu später. Es war der Portugiese Magellan, der im Dienste der Spanischen Krone einen Seeweg zu den Gewürzen finden sollte, um das träge, dumpfe und dunkle Mittelalter etwas zu würzen und Farbe hinzuzufügen. Dieser erste Weltumsegler war nicht sehr zimperlich (meuternde Kapitäne liess er vierteilen, unliebsame Priester aussetzen) insofern aber erfolgreich, dass die einzige, an manchen Stellen nur 2.4 km breite, natürliche Passage von Atlantik und Pazifik heute seinen Namen trägt.

Der Appetit auf Pfeffer und die Lust auf Tabak und Tee war so enorm, dass Handelsflotten losgeschickt, an strategisch wichtigen Punkten Kolonien gebildet und Menschen verschoben wurden. Viele der Siedler überlebten die Überfahrt nicht, versanken in den Fluten des stürmischen Meeres oder wurden von Epidemien dahingerafft. Die Überlebenden wiederum haben wesentlich dazu beigetragen, die schon ansässigen Indios, rapide und gegen Null, zu dezimieren. Kriege, als selbstverständliche Form der Politik, bildeten Staaten… Der Rest wurde am Verhandlungstisch mit dem Lineal zerteilt - anders ist die Logik der Grenzen nicht zu erklären und schon gar nicht die Irrationalität der gegenseitigen Gebietsansprüche Chiles und Argentiniens, die sich um den Grenzverlauf stritten und um ein paar Felsen im Meer zankten…

Deshalb wollten die beiden katholisch geprägten Länder Krieg führen, der schlussendlich in letzter Minuten durch die Schlichtung des Papstes verhindert werden konnte. Damit sind wir in der Neuzeit angekommen. Nun, ich war nicht dabei, die Historiker mögen die saloppe Schilderung verzeihen…

Jetzt ist also der Zeitpunkt gekommen, wo wir die “Baiha Azul“, eine Fähre, betreten. Die Privatsphäre beschränken die Wände unserer acht Qubikmeter grossen Koye (2x2x2m), die uns der Matrose im orangen Overall zuweist. Der Lastwagen und die paar Autos sind verankert mit massiven Ketten, was mein ängstliches Zweifeln verstärkt und nicht gerade das Gefühl einer ruhigen Fahrt zu wecken vermag. Kein Hauch von Traumschiff. Aber ein guter Kompromiss zwischen der viel zu teuren Luxusvariante für reiche Rentner und dem Landweg.

Wir haben glücklicherweise, durch das frühe Buchen, eine der beiden Koje mit Bett erwischt. Die zweite gehört dem Paar aus Österreich. Die zwei Franzosen und weniger als zehn Chilenen verbringen die 36 Stunden in den schmalen Kunstledersitzen.

Mit einer Stunde Verspätung verlassen wir die windstille Bucht von Punta Arenas. Wir: die erwähnten Touristen und die fünf-sechs Matrosen, ein Kapitän, und ein Koch. Das Spektakel beginnt am Abendhimmel mit einer Rundumwolkenschau, an Form und Plastizität sind diese Bilder, welche darstellen, was jeder sehen will, kaum zu überbieten. Nach jeder 360-grad-Drehung eine neue Sicht - aber jeder in seinem Film.

Dazu fahren wir zick-zack. Die meisten sind auf dem kleinen Deck; man spricht zusammen. Ein nicht mehr ganz so athletischer Fünfziger, mit dicker, viereckiger Brille auf einem Kopf, dem langsam die Haare ausgehen, redetet buchstäblich auf mich ein - erzählt mir seine Lebensgeschichte. Anscheinend flüchtet er aus Santiago, lässt eine Familie mit zwanzig jähriger Tochter zurück. Er will Grenzpolizist auf einer der abgelegensten Inseln werden. Er sei Polizist und müsse reiten lernen, denn dort habe es nichts, nada - verstehst du? Er leuchtet kurz mit seiner LED-Taschenlampe, die mit Kurbel betrieben wird, in die anschleichende Dunkelheit.

Etwas wirr berichtet er, dass es dort nur eine Polizeistation habe. “Weil, die Armee darf man ja nicht schicken, nicht an die Grenze stellen, darf man die Armee - das ist gegen das Abkommen“; deshalb die Carabinieri. Drei, vier Leute seien dort, alle zwei Monate könne man zurück. Und er hoffe nicht “loco” zu werden - dazu dreht er an einer grossen imaginären Schraube an seinem Kopf. Einsamkeit. Der arme Kerl strahlt die Verzweiflung aus. Auf die Frage nach dem Warum sagt er: “Man verdient mehr. Viel mehr.“ Seine Gesichtszüge entspannen sich kurz. Dann, immun gegen den Wind, der die Kälte voran schiebt, telefoniert er abermals - diesmal mit den letzten Sonnen- und Natelstrahlen.

Es wird dunkel und wir ziehen uns in unser Koyen zurück, um wenig später, zum monotonen Lärm der Schiffsmotoren, einzuschlummern. Am Morgen werden wir um halb acht vom Schiffskoch geweckt. Es gibt ein schweizer Zmorgen: Milchpulver und Nescafé von Nestlé, einen leuchtenden Vitamindrink, eventuell eines schweizer Chemieriesen, dazu Brot, “Anke u Confi”. Gewärmt und gestärkt, machen wir der nächsten Schicht Platz um zu frühstücken und gehen, richtig, gleich wieder ins Bett. Der relativ schwere Seegang und der Sprühregen, der an unserem Bullauge herabströmt, veranlassen uns dazu, den Beobachtungsposten auf Deck gegen das Kajütenbett und die Wolkendecke gegen die Wolldecke zu tauschen.

Nicht so die wetterfesten Österreicher, die mit roten Nasen und Wangen um halb zwölf zum Essen eintreffen. Gestaffelt gibt es für alle Suppe und danach ein Gemüsepüree mit Wurst. Sehr ordentlich und nichts von schlechtem Seemannsfras - allein der Kapitän kriegt Lachs mit Kartoffeln.

Eingepackt stehen wir danach auf Deck, je nach Wind vor oder hinter dem Führerstand, und bewundern den akrobatischen Flug dieser Vögel weinige Millimeter über der Wasseroberfläche.

Alle möglichen Wetterphänomene lösen sich binnen weniger Minuten ab. Die Schichten von Fjorden in distinguiertem grau, von beiden Seiten ins kalte Wasser greifend, bilden ein Labyrinth. Ein Rätsel, wie wir durch die Inseln und Inselchen, oftmals nicht mehr als ein verwitterter Fels in der Brandung, erratisch den Weg finden im Regen-Nebel und den aberwitzigen, abstrus klaren Regenbögen, die vor uns irrlichtern.

Hunderte Jahre zurück: Böen die an den gebleichten Segeln und der ausgemergelten Besatzung gezehrt haben mussten. Hier am Ende der Welt, wo weder Leuchttürme den Weg wiesen und vor Untiefen warnten, noch Radar und GPS halfen ans Ziel zu kommen.

Aber vielleicht waren sie damals einfach nicht so verweichlicht und kälteempfindlich wie wir. Und so wie es scheint, ist der Maschinist ein Nachkomme dieser Seemänner. Im T-Shirt steht er rauchend vor uns, während wir mehrere Schichten um den Körper haben. Er bietet uns einen Rundgang im Maschinenraum an. Voller Freude zeigt er uns die vier zehnzylindrigen Dieselmotoren aus den germanischen Werken von Mercedes Benz. “380 caballos cada uno!”, schwärmt er. Die Lösung des Zickzack-Kurses des Vorabends konnte der Österreicher Dieter bei einem Gespräch mit dem Kapitän finden. Es war der neue Steuerlehrling der üben durfte…

Den Blick in die Ferne gerichtet, schüttelt der Carabinieri den Kopf: Wen vor was zu beschützen, weiss er auch nicht so ganz. Er würde es begrüssen, wie in Europa keine Grenzen mehr zu haben - versteht es nicht. Als politisches Zeichen, ein tierisches Markieren des Reviers vor dem Nachbarn, damit dieser nicht auf dumme Ideen kommt. Irgendwie so (miss)verstehe ich ihn und das Ganze. Obwohl, oder gerade deshalb, weil sie so ähnlich sind, trauen sich die Nachbarn nicht über den mit Vorurteilen gesäumten, geschichtsträchtigen Weg. Die Gründe sind zahlreich aber eigentlich ungültig. Viel gäbe es da zu schreiben und zu erzählen, doch mittlerweile sind wir im Beagle-Canal und das Spektakel lässt ihn vergessen, dass er auch nicht viel von den Argentiniern hält.

Linkseitig begleitet von der Darwin-Cordilliere, ziehen langsam, einer nach dem anderen, die riesigen Gletscher an uns vorbei. Gewaltig beeindruckend hängen sie an den Felsen. Staunen. Sehen und geniessen. Ohne Worte.

Warum Beagle, wann und warum Darwin, warum Fitz Roy - dies hat wohl, aus aktuellem Anlass zu Ehren Darwins, schon jeder gelesen. Das Letzte was ich will, ist mit redundanter Information, die treuen Leser zu langweilen.

Einen Exkurs über die Bewegung der Kontinentalplatten mit ihrer Bugwelle, genannt Anden, die sich westwärts gegen die Nazcaplatte schiebt, kann man sicher ausführlicher betreiben. Mit einem Blick auf die Karte erahnt man einiges. Im wesentlichen schiebt sich die Südamerikanische Platte gegen die Nazca-Platte im Westen und wird durch das Gewicht der Anden, links, also auf chilenischer Seite, nach unten gedrückt: Bergspitzen werden zu Inseln und Täler zu Fjorden. Währenddem hebt sich der Meeresgrund auf der Westküste, Jahr für Jahr, einwenig mehr aus dem Atlantik. Diese Drift, die in den Jahrmillionen die Anden tausende Meter aufwarf und immer noch formt und sporadisch die Erde beben lässt, erfährt nicht überall den gleichen Widerstand. Unten, im dünneren Teil Südamerikas wird durch diese Bewegung langsam die Spitze geknickt. Ihr Schicksal ist besiegelt: durch diese abreissende Drehbewegung werden sie zu Inseln, die schliesslich im Meer versinken. Einige haben den Gang schon angedeutet. So ungefähr der Grund warum die Darwincordilliere von West nach Ost verlaufen. Assez!, ich bin kein Geologe.

In der zweiten, kalten Nacht, wecken mich um ein Uhr die rasselnden Ankerketten, ich schlafe weiter und bin mir nicht bewusst, dass gerade der Grenzwächter aus- bzw. abgesetzt wurde. Möge er glücklich sein… Adios.

Morgens um acht Uhr ist auch für uns die Fahrt zu Ende. Versöhnlich lagern wir in der windstillen, spiegelnden Bucht vor Puerto Williams. Im 2000-Seelen-Nestchen streunen wir umher und werden von einem Taxifahrer zu seinem Haus gelots.

Dort gibt’s einen Café und Tickets nach Ushuaia. Dazu werden wir nach Puerto Navarino gefahren. Die Zöllner die uns den Stempel in den Pass drücken, werden mit dem kleinen Bus gleich mitbefördert. Wir verlassen diese zwei Häuser in Navarino und nähern uns per Schlauchboot der angeblich südlichsten Stadt der Welt - Ushuaia - von Süden!

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Punta Arenas - Puerto Natales

{ 02:39, 17 February 2009 } { 2 Kommentare } { Link }

Punta Arenas - Puerto Natales

Von Santiago de Chile (T max. 35°C; 33°27’S) fliegen wir zwanzig Breitengrade über tausende Kilometer nach Punta Arenas (T max. 15°C; 53°9’S) -Patagonien- in den  zersplitterten Teil des südamerikanischen Faustkeils. Die Spitze dieses Kegels, um den die Winde über die herbe Landschaft mit ihren Schafen und seltenen Estanzien fegen, bestaunen wir schon aus dem Flieger. Hätten uns nicht die Anden geführt, wären wir, nicht nur in einer neuen Klimazone, sondern in einem neuen Kontinent schlechthin, gelandet. Hier fast am Ende der Welt.


Temperaturen runter - Preise rauf. Wir errichten in Punta Arenas unser Basislager, organisieren, erkunden und buchen das Schiff, welches einmal die Woche fährt. Sieben Tage haben wir also Zeit die Umgebung zu sehen und fahren nach Puerto Natales, dem Tor zum berühmten Nationalpark “Torres del Paine”. Die Stadt selber liegt an einem Fjord und wenn es die Wetterverhältnisse zulassen, erscheinen die umliegenden Berge und Hügel, die zusammen mit den licht- und schattenspielenden Wolken immer wieder neue Bilder erzeugen.


Kontinuierlich stürmen sie in die Arena: Die schweren Grauen rempeln aneinander, die weissen Fetzen verbinden sich und die Aufgeplusterten schieben sich vorwärts. Weit oben, dort wo die Loge des Himmels mit blauem Samt bespannt ist, sitzen die verschleierten und zerzausten Cirrus und beobachten das wilde Treiben windschief.
Die Akteure dieses wandernden Wolkenzirkus wechseln atemlos und sind sie besonders zum Spassen aufgelegt, biegen sie kurzerhand den Regen, der den Regen peitscht, zu einem Bogen.


Später in der guten Stube. Draussen verfängt sich der Wind in den Drähten und heult auf,  will das Wellblech von den Dächern rupfen. Er tobt, rüttelt an den Fenstern und poltert um die Baracken, schüttelt die Vegetation. Das Rauschen und Brausen, Singen und Weinen des Windes der aus dem Westen kommt. Dadurch wenig beeindruckt wiegt diese Geräuschkulisse Rea in den Schlaf und dessen Zwischenzustände, dort wo Erinnerungen und Gedanken verschmelzen, sich zu bewegen beginnen und in Träumen enden.


Ein neuer Tag. Milchiger Nebel in der Ferne und ein Bus voll europäischer Touristen, die in atmungsaktiver Unterwäsche stecken, ihre Beine in gut betuchten Trekkinghosen hüllen und mit Schuhen der neusten Generation, in CoreTex Edelmarken Jacken wandern und dabei unablässig mit einer Spiegelreflex, vorzugsweise von Canon oder Nikon, knipsen. Zugegeben, einiges dieser Ausrüstung macht hier unten durchaus Sinn - wir schreiten auch zur Aufrüstung.


Wie hunderte andere werden wir zur ersten Attraktion gefahren. Eine grosse Höhle, wo ein Milodon (vor zehntausend Jahren ausgestorbenes Tier, eine Mischung aus Ameisenbär und Faultier) gelebt hat. Nun, das ist auf unserem geführten Tagesausflug, auf  dem Weg zu den Torres, einfach mit dabei. Und obwohl unser Guia immer etwas zur Eile mahnt und dabei zu dieser Mahnung eilt, lösen sich die Torres aus der nebligen Umklammerung und zeigen sich uns.


Anekdotisch wird erzählt, dass es auch Leute gab, die vier Tage in diesem, mit Seen und Zacken durchsetzte Gebiet, auf der so genannten W-Route um die Torres wanderten und nichts ausser (Nebel)suppe sahen. Ja diese Zacken! - laut Lokaltourismus, einer der schönsten Plätze auf Erden - sind schon spektakulär. Mit den gletschermilchigen Seen. Wie ein Hemd im Knitterlook sind hier die Felsen vor Millionen Jahren zusammengeschoben und zerknüllt worden.  Links noch waagerecht und durch den Druck früher Gletscher gewellt, ragen rechts des Busfensters schon senkrechte Gesteinsschichten gegen den verhangenen Himmel.  



Ein neueres historisches Monument steht draussen, fünf Kilometer vor der Stadt. Eine Fabrik, die ab 1910 die patagonischen Schafe zu Fell, Fett und Fleisch verarbeitete. Seit ein paar Jahren strömen menschliche Besucher in die, zum Museum umgebaute Fabrik und werden mit einem guten alten Walkman® als Audio Guide durch das Areal gelotst. Die Gebäude im postviktorianischen Stil der Engländer hatten, nebst diversen Werkstätten eine eigene Eisenbahn, Fettraffinierungsanlage, die immer noch zum Himmel stinkt und ein mit dampfbetriebenes Ammoniakkühlsystem, wo das Fleisch gefroren und exportiert wurde. Das Ganze macht einen furchtbaren und schauerlichen Eindruck und seitdem ist Lamm gar nicht mehr auf meinem Speisezettel. 


An einem der nächsten Tage erfahren wir, im Selbststudium und kleinen Museum der Stadt, etwas über die präcolumbianische Bevölkerung: jagende und sammelnde Menschen. Mich würde speziell interessieren, warum sie bis in diese entlegenen Winkel vorgestossen sind. Orte an denen wir uns schon im Sommer nicht mit wenigen Fellen, sondern mit CoreTex bedecken.

Café und leckeren Kuchen in einem hübschen Ort “Cherritos” mit freundlichster Bedienung. Gracias Carolina!

Wir müssen los! Der Kutter ist bereit in See zu stechen!

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Iguazu

{ 11:50, 3 February 2009 } { 2 Kommentare } { Link }

Iguazu, La Paloma und Buenos Aires

Wir verlassen Valparaiso am Abend und fahren, Zollprozedur in der kalten Nacht ertragend, zurück nach Mendoza und später nach Buenos Aires. Spontan, in einer Cafépause beschlossen, fahren wir nach Iguazu. Satte dschungelartige Vegetation umgibt uns 18 Stunden später. An den Busbahnhöfen in der Provinz Misiones gibt es Automaten, welche die hier anscheinend obligaten Thermoskannen, gegen ein paar Münzen mit warmem Wasser füllen. Wir sind im Mate-Land und wir brechen gleich auf um die brasilianische Seite dieser enormen Wasserfälle zu bestaunen. Wobei Fotos und Text natürlich einen kümmerlichen Versuch darstellen das ganze Spektakel zu beschreiben.

Die schwüle Hitze, die jede Pore bis in die Lunge zum kleben bringt, zusammen mit der Duftkomposition der torfigen Erde, welche verdorrte, tabakige Blätter verdaut und saftiges Grün spriessen lässt, erinnern die Sinneseindrücke an ein Treibhaus, wären da nicht, die durchs Unterholz raschelnden Echsen und die amphitheatralisch angeordneten, tosenden Wasserfälle, die ihre Gischt bis weit hinauf zerstäuben.

Schmetterlinge, vereinzelt Leguane begleiten den Weg, der uns sukzessive näher führt. Ein waghalsig gebauter Steg über das Wasser gibt einblick in den Schlund. Das Hirn ist ausgelastet mit sehen, hören riechen und schlussendlich schmecken. Das grünlich-weiss herabstürzende Wasser riecht nach - Murtensee.

Die Zeit fliesst - wir sprechen von Kreislauf: da!, da fällt gerade ein Molekül Wasser die Klippe runter, das mal Einstein ausschwitzte und dort eines, das mal in einem Tropfen Dinosaurier Blut war… Wir müssen gehen.

Das Hotel, mit Pool und nur einer einsamen Kakerlake in unserm Zimmer, verlassen wir am nächsten Tag für die argentinische Seite. Die Fahrt durch den Dschungel im 67’000 ha grossen Naturschutzgebiet erinnert kurz daran, dass nebst den prächtig ins Szene gesetzten Wasserfällen, auch Farne, Lianen, Moose, seltene Palmen und Riesenbambus, Lebensgrundlage für über vierhundert Vogelarten und gegen hundert verschiedene Säugetiere sind.

Mit einem Boot werden wir Flussaufwärts gefahren. Die Gischt durchnässt uns innert weniger Sekunden, als wir uns nähern. In nur einer Sekunde stürzen über die zweihundert grössere und kleinere Fälle um die zweitausend Kubikmeter Wasser - bis zu achtzig Meter tief. Nicht Verwunderlich, dass fünf Millionen Menschen pro Jahr dieses lange und breite Spektakel sehen wollen. Und so könnte man fortfahren und erzählen, dass die Ameisen (250 Arten) bis zu 4 cm gross werden und dass sich eine Iguazu-endemische Flora und Fauna entwickelt hat und dass… Wir reissen uns los und reisen weiter. Reisen, ein permanentes, sanftes Reissen.

In der Abenddämmerung fährt unser Bus über die rote Erde Brasiliens, die stellenweise immer wieder zu der satt grünen Vegetation kontrastiert. Hügelige Felder aus Soja bis an den Horizont, während drinnen im Fahrzeug ein paar Brasilianer bis spät in die Nacht palavern, quatschen und tratschen. Das Gegenteil eines Schweizer Pendlerzugs morgens um halb acht, wo allenfalls das Rascheln der Gratiszeitungen hörbar ist.

Ohne brasilianisches Geld werden wir früh morgens an einem Vorort von Puerto Alegre entlassen. Ein Kioskmann spricht ein altes, abgewetztes Deutsch, und lotst mich zum Geldautomaten. Dann ist die Verständigung erstmals vorbei. Mit Händen und Füssen und unter Einsatz des gesamten Sprachschatzes aller Beteiligten, gelingt es uns Tickets nach Uruguay zu kaufen. Schwieriger als man denkt - zumal es zwei Chui gibt: ein brasilianisches und eines auf der Seite von Uruguay. Die Zeit verbringen wir in der irgendwie schrägen Stadt Porto Alegre mit Warten und - für wenig Geld - die Haare abrasieren lassen, um später fahrend im Bus zu schlafen. Umsteigen. Warten. Pommes Chips von Lay essen und Cola trinken. Fahrend im Bus schlafen. Falsch aussteigen… Warten. Tee trinken… Fahren.

Aber dann ist unser kleine Odyssee zu Ende und wir sind in La Paloma. Olé! Hotel: günstig und mit Meersicht. Das Zmorgen kann man knicken, wie Olivia sagen würde.

Endlich können wir in die Fluten des erfrischenden Atlantiks springen. Wellen und Wind, Sand und Sonne. An den endlosen Stränden sind wir fast alleine.

Wenige Tage später zieht uns das Gravitationszentrum Buenos Aires wieder an. Die Damen kaufen noch dies und jedes… Wir verbringen einen fantastischen Tag am Pool eines Bekannten, ausserhalb der Stadt. Wir werden bewirtet wie selten, alles perfekt - sogar das Wetter. Mehr wollen wir hier auch nicht verraten… Es bleibt uns in bester Erinnerung. Muchas gracias Louis!

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San Antonio de Areco

{ 11:46, 1 February 2009 } { 0 Kommentare } { Link }

Campo II

Vamos al Campo. Für den Gegenwert eines Busbilletes kann man hier Zeitreisen. Als wir nach zwei Stunden von den Fängen der Riesenkracke Buenos Aires befreit, und die städtischen Anzeichen der Zivilisation hinter uns gelassen haben, sind wir auf dem Land. Ein junger Zöllner und ein Lastwagenfahrer, mit denen wir im Bus Mate tranken, haben uns nicht gerade abgeraten dort auszusteigen… allein sie fanden es nicht sehenswert. Der erste Eindruck, eine Tankstelle, eine John Deer Vertretung, vor der immerhin grosse, gelbgrün glänzende Modelle standen und ein verstaubter Busbahnhof, sollte auch diesmal nicht entscheidend sein.

Kopfsteinpflaster und gleich mehrere Touristeninformationen die uns sehr hilfsbereit weiterhelfen. Der zum Weiher gestaute Fluss - mit seiner hier bekannten alten Brücke - in dem am Sonntag die Bevölkerung planscht, schliesst das Dorf auf der einen Seite ab. Dahinter ziehen sich hektarweise, unkrautfreie (RoundUp®) Soja- und Maisfelder die mittels Direktsaat- und John Deer-Technik in die abgeernteten Getreidefelder gesät wurden. Fachmagazine (“Supercampo”) berichten von GPS-navigierten Traktoren und Düngerstreuern, die anhand von Satelliten- und andern Daten soviel streuen wie nötig; nun, ich bin nicht Agronom. Aber eben, es scheint, als hätten alle Bauern, Feldarbeiter, Traktor- und Mähdrescherfahrer frei und niemand müsse auf den Feldern schufften. Die Menschen geniessen den Sonntag, picknicken, spazieren, grillieren und beschallen aus ihren Autos jeweils die nähere Umgebung.

“Zu-fällig” finden wir einmal mehr eine Unterkunft wie für uns geschaffen…. Es gibt nicht viel zu sehen oder zu machen - und das ist gut. Die Besitzerin der vier herzig eingerichteten Zimmer will, dass wir das Landleben geniessen; es gelingt hervorragend. Auf einem einfachen Eisenstuhl sitze ich, an einem runden Eichentisch auf dem ein paar Blumen in einem Glas placiert sind. Schreibend warte ich auf die Hitze, die alle an den Schatten zur Siesta zwingen wird. Die nackten Füsse auf der gekachelten Veranda ausgestreckt, werde ich dann den Blick über die Büsche und Bäume wandern lassen um vielleicht dieses oder jenes zu lesen.

Am nächsten Tag, mit dem Velo (alt, einfach, schwarz) des Hauses unterwegs. Nachdem wir die Silberhandwerkskunst, die hier anscheinend besonders erfolgreich betrieben wird, gesehen und den Gang in einen Laden, in dem alles, ausser den Lebensmitteln, aus den fünfziger Jahren stammt, getan haben, ist es immer noch relativ früh am Morgen.

Noch bevor die böenartigen Thermikwinde an der Lokalzeitung rütteln, die mir der weisshaarige Kosmopolit, offenbar der Herausgeber derselben, in die Hand drückte, will ich diese Bubentraumtraktoren sehen. Ich stehe vor dem Laden: “John Deere, Hermanos Hatto, San Antonio de Areco“. Eine Frau steht plötzlich neben mir, bemerkt meine glänzenden Augen und gibt mir -so lieb- einen John Deer Hut. Jawohl. Ich Frage wie die Geschäfte so laufen. Die Preise von Soja seien im Keller und zu trocken sei’s auch für diese Jahreszeit. Keine gute Ernte, keine neuen Traktoren.

Später habe ich Zeit, besagte Zeitung zu studieren. Die Einleitung und ein paar andere Artikel sind auch auf englisch. Das wirklich Wichtige ist nur in spanisch: kurzer Artikel über ein Gauchofest. Dazwischen gibt es John Deere Inserate von den Gebr. Hatto, Werbung für Sprühflugzeugdienste und Agrochemikalien von Syngenta. Später wird ausführlich von dem 50 jährigen Hatto Jubiläum berichtet und endlich ein Artikel über die neusten Erkenntnisse der Direktsaat. So verfliegen die Stunden. Hätte ich noch mehr Zeit, ich würde zum Experten… Der Süden ruft und rupft an unseren Kleidern.

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Valparaiso

{ 02:34, 20 January 2009 } { 1 Kommentare } { Link }

Valparaiso

Gerufen hat uns die Stadt: Leute haben wir kennen gelernt, die von dort sind, oder dorthin auswanderten, gelesen, gehört. Wir konnten und wollten es nicht mehr überhören. In kurzer Zeit ist man am Pazifik. Der erste Eindruck sollte auch hier nicht entscheidend sein. Das Hotel ist in Hafennähe und die Einheimischen mahnen mit der typischen Geste zur Vorsicht: „Ojo“ - mit dem Zeigefinger unters Auge tippend. Tatsächlich, die Attribute einer Hafenstadt werden erfüllt: Ein Striplokal (Stop Secret) fast vor unserem Hoteleingang, unzählige Kneipen und Bars, ein Gewühl in den Strassen, in der nicht nur an den gusseisernen Laternenpfahle der Urin von drei verschiednen Spezies trocknet. Mensch, Hund, Katze - eine Koexistenz.

Auf dem kleinen, schummrig beleuchteten Markt, verströmen reife Honigmelonen ihren Duft, bevor sich ein durchdringender Gestank von totem Fisch dazumischt. Bevor es die Augen sehen: Wenig gekühltes Fleisch, daneben Berge von dunkelroten Erdbeeren, saftigen Aprikosen, ein paar Schritte weiter blühende und verwelkte Blumen. Immer wieder Hunde, die auf etwas, nicht mehr verkauf- aber essbares warten. Vom Meer weg führt praktisch jede Strasse in die Höhe - und weg vom Gewirr. Sofort erkennt man ein anderes Gesicht dieser Stadt: farbig, improvisiert, aber mit Freude am Detail.

Fasziniert folgen wir den Gassen, steigen über steiles Natursteinpflaster, über dem der süße Duft von Flieder klebt, vorbei an blühenden Oleander, bis wir schliesslich den Blick gebannt, auf die darunter liegende Stadt schweifen lassen. Hospedaje, Cafés und immer wieder blühende Blumen. Ein gutes Zeichen nicht nur für die Postkartenmotive im Überfluss. Eine Hafenstadt, obwohl zu den emsigsten in Südamerika, mit Charme.

Ein schüchternes Mädchen fragt mich, ob ich eine Unterkunft brauche. Für das gleiche Geld können wir auf dem Hügel (Cerro Conception) im Casa Manuel wohnen. Ein schlecht rasierter, liebenswürdiger Chaot und Vater des Mädchens. Menschen die lachen sind sympathisch. Dazu hat er eine Dachterrasse die ihresgleichen sucht. Da wollen wir nicht kleinlich sein, wenn wir zwei Stunden auf unser Frühstück warten müssen.

Gebannt sitzen wir auf der Dachterrasse und diskutieren, bis morgens um drei. Schlafen? Eine angenehm kühle, feuchte Pazifikbrise weht Gittarenklänge wie aus Gerbersgarten durch das offene Fenster. Harmonisch, melancholisch wiegt es mich im geräumigen Doppelbett nicht in den Schlaf, sondern führt mich ins Traumland, währenddem die Hügel festlich mit Lichterketten geschmückt sind. Über und über. Hier und da Konturen von Strassen die weiter den Hang hinaufführen, leuchtende Pixel in der Nacht, währenddem in der Bucht still und schlafend die Kolosse mit ihrem orangen Flutlichtglanz ruhen. Wartend. Ruhe und Friede liegt über dem Quartier.

Nicht so im Hafen. Dort werden rund um die Uhr Container aus den Schiffsbäuchen gehievt, um nach langer Reise ihre finale Destination zu erreichen. Der Hafen bei Tag gleicht einem Ameisenhaufen. Von einem weiteren Hügel beobachtbar, sieht man Männchen, die alle eine Aufgabe haben - jeder weiss was zu tun ist. Lastwagen hohlen farbige Container, fahren aus dem Hafen oder zum nächsten Kran, der Tetrisblöcke stapelt, nach einer mir unersichtlichen Ordnung. Rote, Orange, Grüne, Weisse - kunterbunt. Faszinierend, wie jeder Quader sein Ziel findet. Tonnenschwer, doch sehen sie von hier aus, als seien es Spielbauklötze. Unwirklich.

Was, wenn durch einen Röntgenblick erst ihr Inhalt zum Vorschein käme: Plastikspielzeug aus China, mit Maschinenteilen aus Deutschland gefertigt, Textilien aus Indonesien, gesponnen auf alten Sulzerwebstühlen, Metallrohlinge aus Südafrika mit Fahrzeugen aus Nordamerika transportiert. Was die Welt halt so braucht. Ein Schiff wird kommen - mit ihm Menschen. Russische, thailändische, chinesische, marokkanische Matrosen, die auf hoher See zu Weltbürgern werden und hier, nachdem sie die blaue Scheibe tagelang umgab, farbige Menschen und Häuser sehen. Fremd an den meisten Orten, aber doch irgendwie zuhause in jeder Hafenstadt? Mythen umwoben, Klischee behaftet, die Seemänner, ohne Das Meer gehen sie ein, mit auch. Ein eigener Schlag, für ein paar Tage nur, im sicheren Hafen.

Ein Schiff wir kommen - und gehen. Ein weiterer Frachter wird weit draussen abgeholt und von diesem Winzling von Schiff ans Dock bugsiert, beladen mit hunderten wie es scheint, farbigen Würfelzuckern. Immer wieder Normcontainer. Zur gleichen Zeit feilen im Nassdock Arbeiter in Overalls an einem riesigen Propeller - genannt Schiffsschraube. Der Dimension nicht gerecht werdend, wird sie sich später mehrmals pro Sekunde um die eigene mächtige Achse drehen und der dazugehörige, hunderte von Tonnen wiegende Stahlrumpf, durch Wind und Wetter an einen anderen Erdteil schieben.

Ich bleibe Zuschauer.

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Mendoza

{ 03:49, 15 January 2009 } { 1 Kommentare } { Link }

 

Mendoza

                         

Wetterleuchten rund um uns - anehrend erhält man einen Eindruck der weitläufigen Pampa, durch die wir Stunden fahren, bevor wir selber in ein praktisch geräuschloses Blitzlichtgewitter fahren: Leuchtwürmer, zu tausenden glitzern und funkeln sie im Vorbeirauschen. Später biegt starker Wind die schnurrgeraden Pappel-Alleen, bis schliesslich Regen an die Scheibe peitscht, der die Sicht nimmt und den grellen Blitzen das Donnergrollen schluckt. Am Morgen ist alles weit hinter uns, als wir in die Hauptstadt des Bezirkes Mendoza einfahren. Das Zentrum argentinischen Weins verströmt sofort das Flair einer Gartenwirtschaft. Kaum haben wir uns einen Tag umgeschaut, treffen wir Olivia. Nicht ganz zufällig natürlich, aber es hat alles reibungslos geklappt. Sehr schön.

 

 

 

Schon bald weiss man nicht mehr, ob die Häuser von einem Platanenwald überdacht werden, oder ob die Schattenspender, welche die geometrisch angelegte Szene der Strassencafés, mit ihrem löchrigen und flimmernden Schatten auflösen, zu tausenden als Allee gepflanzt wurden.

Entlang den breiten Strassen und den niedrigen Gebäuden fliesst Wasser aus den Anden durch acquias, den Wassergräben. Offenbar eine Technik, welche die Spanier, als sie 1561 die Stadt gründeten, den Inka abgeschaut und perfektioniert haben. Weiter draussen bleibt die Symbiose von Wassergräben und Alleen bestehen. Durch einen grünen Tunnel, in dem das Wasser bald rauscht, bald gemächlich gluckst, radeln wir, entlang von Reben und Olivenbäumen zu einem Olivenbauern und besuchen, nach der Degustation, einen der massenhaften Winzer gleich vis-a-vis. Degustation, Picknick, baden im Fluss, schwatzen mit den Einheimischen, die immer wieder freundlich auf uns zukommen.

 

 

Später bringt uns der Bus zurück ins Zentrum, indem ein grosser, quadratischer, und vier kleinere Parks, die Mitte bilden. Sie wurden grosszügig angelegt und erlauben Zuflucht, vom Alltag und von Erdbeben; ein seismischer Schock zerstörte 1862 mit einem Ruck unzählige Menschenleben und die gesamten Kolonialbauten.

dal

 

 



Puerto Madryn

{ 08:13, 8 January 2009 } { 1 Kommentare } { Link }

 

Puerto Madryn

Die paar Tage am tintenblauen Meer verwehen wie die täglichen Wolkenformationen im Wind. Vielschichtige, hohe Nebel die von den kalten Fingern des Windes in alle Himmelsrichtungen zerzaust werden. Davon unbeeindruckt schafft Ebbe den Sandplatz zum Fussballspielen jeden Tag neu, bevor die Flut die Spuren wieder verwischt. Ein Vollmond der über dem brandenden Atlantik aufsteigt und uns entzückt. Eine Velotour gegen den kalten Südwind „Pampero“ - über siebzehn Kilometer nicht enden wollende Schotterpiste. Seelöwen die sich von uns und den kreischenden Möwen ungestört sonnen.

Verweilen, spazieren, geniessen, alles in der Nähe einer Stadt, in der sogar die Uferpromenade mit einer stilisierten Schwanzflosse gesäumt ist. Wind und Meer toben sich hier aus, eine weitere sandsturmähnliche Störung zieht auf - wir fahren ihr davon. Die sich neigende Sonne schickt schräg ihre Strahlen, durch Wolken die in Strähnen herabregnen. Die Kulisse ist eine Kinderzeichnung im wirklichen Grossformat. Die Weite nimmt sich den Platz und lässt Raum für Gedanken. Ähnlich den un(be)greifbar und interpretierbaren Wolken kommen und gehen sie, ziehen vorüber, verdichten sich, kondensieren und benetzen vielleicht einen grünen Zweig, oder verdampfen ins Nichts. Passend dazu lese ich im „Geo“ einen Artikel, welcher nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler erklärt, was Bewusstsein ist. Die Quintessenz, wenn das Hirn als Orchester betrachtet wird, sei das gemeinsame Musizieren der verschiedenen Instrumente. Das gleichgerichtete Feuern verschiedener Neurone, das Weitergeben von elektrischen Impulsen. Gedankenwolken werden zu bewussten Geistesblitzen…

Derweil stehen wir an der Tankstelle und unser Bus schluckt zweihundertachtzig Liter Diesel auf ex. Wir nähern uns Cordoba; neue alte Stadt. Von den Dagebliebenen erfuhren wir, dass es heiss geworden ist, aber die Müllmänner streiken zum Glück nicht mehr. Wahrscheinlich kommen sie immer noch mit ihrem hochtourigen Laster mitten in der Nacht, hetzen im Laufschritt zu den improvisierten Körben mit den Säcken drin und füttern das gefrässige Maul, bevor der Innhalt, noch hochtouriger zusammengepresst wird. Hoffentlich zu einem besseren Lohn. In dieser Stadt, in der es wirklich warm geworden ist, verschiebt sich die Aktivität auf die kühleren Abend- und Nachtstunden. Nachmittags um drei, vier sieht man allenfalls Touristen mit ihren Rucksäcken oder Rollköfferchen durch die Strassen schleichen. Die Einheimischen und wir halten uns an die Siesta. Ich liege im kühleren Zimmer, Erinnerungen kommen und gehen, verdichten sich, wirken.

Ich sehe die alte Lagerhalle. Zum Konzertsaal umgestellt, beherbergt sie dunkel eine kleine Bühne auf der wenig später tatsächlich eine Band zu spielen beginnt. Ein bärtiger Bassist, ein Hüne am Saxophon, ein Unscheinbarer am Schlagzeug und ein Dinosaurier am Keyboard. Der letzte mimt einen Tyranosaurus Rex, indem er mit seinen kurzen, angewinkelten Ärmchen auf die Tasten tippt, rauchend die Augen gegen den eigenen Zigarettenrauch zusammenkneifend. „Take five“ von Dave Brubeck, was sonst, wird als erstes intoniert. Natürlich hat jeder seinen Solopart, der zwischenzeitlich recht chaotisch wird und etwas (t)raumartig abdriftet. Der Bassist eckstatisch zupfend, der T-Rex fuchtelnd, nur der Beau am Sax bewahrt die Contenance bis sie sich alle wieder finden.

Hier trifft sich auch die alternative Szene. Getränke müssen via Bon gekauft werden (wieso auch immer), an den Wänden hängen Bilder die sehr, sehr wahrscheinlich unter dem Einfluss von Meskalin gemalt wurden. „Tingeltangel Bob“ mit seiner Wahnsinnsmähne läuft mir über den Weg. Die Menschen, Männer und Frauen, sind sehr offen und kommunikativ und freuen sich, wenn auf die Frage, wo wir herkämen, Suiza („oh que lindo“) geantwortet wird. Sehr amü- und interessant, aber um fünf Uhr ist es für uns vorbei.

Für die österreichischen Fussballanhänger ist Cordoba, vor allem das Stadion, eine Art Pilgerstätte. Seit die österreichische Nationalelf 1978 den grossen Bruder Deutschland schlug, wird der Mythos beschworen. Wie zuletzt an der Euro08, wo die beiden aufeinander trafen, und Journalisten das Wunder von Cordoba her zu schreiben versuchten. Wir Schweizer sind ja auch eine Art kleine Brüder der Deutschen und freuen uns genauso, wenn wir gegen sie gewinnen (würden), deshalb marschierten wir zusammen mit Lisa, der Österreicherin, in das berühmte Stadion und zwar nicht zu irgendeinem Spiel, sondern zu einem Derby.

Zwei, der drei cordobesischen Mannschaften spielten gegeneinander. „Belgrano vs. Tallere“, ein mit Schein-Strassen- leer-fegender Klassiker - sichtbar an dem Zuschaueraufkommen. Siebenunddreissigtausend ausschliesslich Belgranofans fanden sich in dem, wie wir hörten, einundvierzigtausend Menschen fassenden Stadion, ein. Um das Spiel zu sehen und ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Die anderen wurden aus Sicherheitsgründen aus dem Stadion gebannt. Wir sind die einzigen, die nicht in hellblau erscheinen. Die Massen strömen geordnet herein. Am Eingang, nach gründlichen Sicherheits-checks, kann jeder sich impfen lassen… hm? Dann Brot und Spiele: Gegen den saftigen Gegenwert von einem Stück Fleisch und einer Flasche Wein, notabene in einem anständigen Restaurant, erhält Mann Zugang zur überdachten Tribüne. Die Frauen erhalten Rabat.

Das Stadion (la cancha) sieht ziemlich klein und dreissig jährig aus. „I glaub i bi im falschn Stadion“, ist Lisas Kommentar, bevor der  fanatische Mann zu unserer Linken alles zu kommentieren beginnt. Der zehnjährige Nachwuchs beider Clubs eröffnet das Vorspiel. Einsatz und Gesten wie ihre grossen Vorbilder. Nach dem Spiel werben diese Gemeinsam für Fairplay. „Wir sind Rivalen, nicht Feinde“ steht auf dem Banner, das sie durchs Stadion ziehen. Das Stadion füllt sich fast komplett und eine hellblaue, brodelnde Masse kocht über, als ihre Elf den Platz betritt. Schlachtrufe unterstützt durch Papierschnitzel und Rauchpetarden.

Das Gekicke beginnt - kein schöner argentinischer Kombinationsfussball der mit Toren brilliert. „Zu emotional“, erklärt mir Ann. Ich denke die Spieler sind am Eingang gegen Torwut geimpft worden. Hin und her, bis in der 43. Minute das Tor fällt. Jubel, als wären sie Weltmeister geworden. Pause. Pepsi ist das einzige Getränk das verkauft wird. Seitenwechsel. Es plätschert vor sich hin. Plötzlich das Gegentor: Wie im lautlos gestellten Fernseher. Stille. Jetzt nur nicht irgendwelche Sprüche machen oder zu fest lachen. Soviel zum Thema Fairplay. Das Spiel geht weiter, man einigt sich offenbar auf Unentschieden. Das Stadion entlässt die Menschen auf die Strasse wo sie mit einer grandiosen Blechlawine die Strassen verstopfen. Rauchende Grills braten Choripan. Tags darauf nimmt dieses Ereignis vier von sieben Sportseiten in der Sonntagszeitung ein. Jede einzelne Minute, die detaillierte Aufstellung, Analysen, Kommentare. Ich verliere den Überblick ab soviel „Sport“.

Aber zum Glück gibt’s auch in Argentinien mehr als nur Fussball und deren Fans. Tingeltangelbob hat uns zu seinem 22jährigen Geburtstagsfest eingeladen. Sehr coole Leute die uns emotional einiges näher stehen, als die grölende Meute in hellblau. „Ähnliche Energien“ erklärt mir einer von ihnen, der Yogalehrer werden will. Gespräche über den Mond und die Welt. Spirituelles Mysterium: von Mayakult bis Buddhismus. Zwischendurch wird Musik gemacht. Einer der Bewohner dieser WG ist Musikstudent. Schlagzeug, Djembe, Gitarre, Bass: Pinkfloydcover. Was will man mehr. Fahrt mit grünem Remis nach Hause.

Am Sonntag, weil wir schon so „kulturell“ unterwegs sind, gehen Rea und ich ans Kurzfilmfestival, „Cortopolis“ genannt. Der Eintritt kostet vier Pesos… Wir und die lokalen ungekünstelten Kunstschaffenden, finden uns in den von Hochhäusern umgebenen Hinterhof  ein. Freiluft. Die Hauswand wird zur Leinwand. Fünf Filme zwischen einer und siebenundzwanzig Minuten werden gezeigt und sind z.T. etwas abstrakt aber gut. Als die Sponsoren über die Häuserwand flimmern, erscheint zu unserem Erstaunen „Schweizer Eidgenossenschaft“, mit Schweizerkreuz und natürlich in vier Sprachen…!

Ein cordobesisches Wochenende ist mit einem Gedankengang vorbei und wir sind für kurze Zeit wieder wahrhaft im Castillito. Alte Bekannte und neue Gesichter. Trinken ein Bier und tauschen Reiseberichte aus. Weiter geht’s, wir sind zur Geburtstagsparty der Mutter „unserer Familie“ eingeladen. Offiziell beginnt die Feier abends um zehn. Pünktlich eine Stunde später sind die hundert Gäste, hauptsächlich aus der Verwandtschaft, plötzlich da. Zurecht gemachte Frauen in Abendkleidern knabbern an Oliven, Männer im Polo zapfen Bier. Später gibt es Pizza vom Grill und eine Sängerin singt zum Saxophon. Getrunken wird wenig, getanzt viel. Alle tanzen eigentlich, bis auf die Damen und Herren die eine Generation älter sind. Nach einem üppigen Dessertbuffet verabschieden sich die Geladenen gegen fünf Uhr.

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Dumm gelaufen...

{ 12:35, 10 December 2008 } { 5 Kommentare } { Link }

Meine lieben Leserinnen und Leser

Wie ihr sicher festgestellt habt, ist der Blog um einiges geschrumpft. Die Hitze in Mendoza hat der Redaktion arg zugesetzt - ausversehen wurde der ganze Blog im Nichts aufgelöst.

Natürlich arbeitet die Redaktion Tag und Nacht am Wiederaufbau - doch das wird eine Zeit dauern. Sobald alles wieder steht, werde wir euch informieren. Leider sind auch alle Kommentare gelöscht worden und das, liebe Leserinnen und Leser, trifft uns am meisten. Wir bedauern den Zwischenfall und möchten uns herzlich entschuldigen.

Vielleicht habt ihr aber auch in Zukunft Lust uns eure Gedanken über Wort und Bild mitzuteilen - wir würden uns sehr freuen.

Eine schöne Adventszeit und noch schönere Bescherung wünschen wir euch.

Liebe Grüsse aus dem sommerlichen Buenos Aires

Dave und Rea



Miramar

{ 02:48, 12 November 2008 } { 0 Kommentare } { Link }


Miramar

Neulich, am Kurzfilmfestival, sahen wir unter andern den Film „El ultimo dia“ von Javier Cutrona, Miramar, 27’ 2008. Mar chiquita wählten die Cordobesen mit seinen Flamingos zum schönsten Reiseziel innerhalb der Provinz Cordoba. Der Reiseführer erwähnte knapp „in Miramar findet der Reisende touristische Infrastruktur“. Wir nahmen die dreieinhalb Stunden Fahrt durch die Ebene auf uns und landeten, nachdem die drei Schulklassen unseren Bus verliessen und Stille einkehrte, kurz im Film. Miramar, sieht auf der Karte aus wie ein in Milchkaffee getauchtes Petit-beurre-biscuit dessen durchweichte Spitze einfach von der Brühe verschluckt wurde. Und so sieht es den auch aus.


Die Küste mit Musik aus Koyaanisqatsi betretend, begegnen wir keiner Menschenseele
unter dem blaugrauen Himmel, der sich am Horizont mit dem graublauen Meer vereint.
Strassen, die direkt ins Wasser führen. Darin die entseelten Elemente einer Zivilisation die vom Meer gefressen wurden: Mauern, Strassen, Stümpfe von Bäumen die händeringend aus dem Wasser ragen.


Am Ufer Haufen von Ziegelsteine, Knäuel aus Armierungseisen und betonierten Fundamente, die mit stinkendem Schlamm überzogen sind. Endlich, ein Lebewesen, ein weisser Hund mit zwei verschiedenen Augen schliesst sich uns an, kraxelt mit uns über die Trümmer. Wir fühlen uns wie die Frau im Kurzfilm die nach einer Katastrophe eine der wenigen Überlebenden darstellt. Eine alptraumhafte Stimmung, die einem, wie die weit entfernte Hotelruine am Wasser, in den Bann zieht, unmöglich den Blick abzuwenden. Der halb verwitterte Turm mit dem Schriftzug MIRAMAR steht wie ein Mahnmal da und überblickt die surrealistische Szenerie, die später mit den rosa Flamingos  dem Pinsel von Salvador Dali entsprungen sein könnte.


Wir wandeln über Kacheln der Küche, bewegen uns über Fliesen der Bäder und marschieren auf Mauern die zu Schlafzimmern  und der darin lebenden, liebenden und sterbenden Menschen gehörten. Fast scheint man dabei gewesen zu sein als es hier pulsierte, erhält private Einblicke, sieht Geschichten, die uns nichts angehen.
Ein verwilderter Garten ist ein Zeichen des Zerfalls, geflutet Häuser ein Zeichen des Todes, der Vergänglichkeit. Momento Mori.

Was passierte, wie mussten sich die Bewohner gefühlt haben als das Wasser über Jahre immer näher kam, um den Keller zu fluten und die Mauern zu durchtränken? Koyaanisqatsi. Das Meer hat sie genarrt die Bewohner hier, und man könnte eine Saga draus spinnen.


Vor anfangsloser Zeit entstand die Lagune durch die Tränen der Göttin Ansenuza die als Zeichen ihrer Schönheit die Flamingos den Menschen zur Freude schenkte. Bis eines Tages jemand auf die Idee kam in diese Reich einzudringen und Spuren der Zivilisation zu hinterlassen. Ein kleiner Kratzer hier, ein paar Schürfungen dort, die Menschen kamen badeten im salzigen Tränensee. Reizten und Nutzten es aus bis die Göttin Ansenuza ab diesem Anblick so traurig wurde dass sie weinen musste, Jahrelang.   Und so füllte sich das Meer durch die Tränen und schwoll an, verschluckte alsbald die ersten Häuser, langsam, qualvoll, nicht sintflutartig, aber immer weiter frass sie sich vor. Strassen und Häuserzeilen aufsaugend. Bis die Menschen sie in ihrer Verzweiflung anflehten aufzuhören. Und das Wunder geschah, das Wasser wich. Sie sprach: „Als Zeichen werdet ihr eure eigenen Hässlichkeiten und Fehler jeden Tag anschauen müssen“. Seit dann versuchen die Mensche im übrig gebliebenen Dorf alles zu kompensieren. Sie pflegen und hegen ihre Gärten. Einerseits aus Scham um von  ihren begangenen Taten abzulenken, andererseits um der Schönheit Ansenuza’s zu huldigen bauten sie hübsche kleine Hotels um die im Sommer herbei strömenden Gäste, die das kleine Meer mitten im Land sehen wollen, zu beherbergen.


Allmählich als die Sonne hell durch die sich auflösende Wolkendecke brennt ist der Spuk vorbei. Wir treffen auf Menschen; ein alter Mann erklärt uns dass sich hier nur die Alten Flamingos rum trieben, denn die jungen Familien seien weiter weg, brauchten Ruhe.


Wir gehen zurück, sehen die Klassen die eine Art Sporttag haben und vergnügt herumrennen. Jetzt hat sich auch das Dorf aufgemacht. Wir finden etwas zu trinken und essen im Park unter Palmen und blühenden Bäumen. Die Menschen sind aus der Erstarrung erwacht, die gespenstische Ruhe schwindet. Später, die Profifotografin knippst erneut Flamingos währenddem der Schreibende mit dem Fernglas die Umgebung beäugt. Schnell ist Zeit und wir fahren zurück.

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Campo

{ 02:07, 10 November 2008 } { 0 Kommentare } { Link }

„Campo Campo Campo“

Mehrere locker hin gestreute Gebäude, die mit dem Windrad in der Mitte die Estancia Acacia ausmachen. Bellende Hunde im Regen begrüssen uns lange bevor der Pächter auftaucht. Unser Auto steht da, wie aus einer anderen Zeit, neben einem kaputten Motorrad und einem  uralten „John Deer“. An der obligatorischen Parilla vorbei, bringen wir die mitgebrachten Lebensmittel in die ordentlich geräumige Küche mit aufgehängten Töpfen, Kühlschrank und Gasherd. Von der Grossraumküche mit Esstisch getrennt, liegen die Schlafgemächer, die an die zehn Betten für zwei Familien beherbergen. Das Innere, angenehm aus dem letzten Jahrhundert konserviert - „Belle Epoque“ ausstrahlend. Auf dem robusten Holzboden stehen Sessel um einen Salontisch. Ein in Leder eingefasstes Porträt des Urgrossvaters, eine Photographie des Grossvaters mit Familie: das kleine Mädchen -  die Mutter der Besitzerin. Wie Zeit vergeht. Gerahmte Bilder hängen an den Wänden und über der Tür ein Kruzifix. Eine Skulptur schaut neben einem Schrank mit Marmorplatte in den Raum, dessen Türen auf eine grosszügige, mit grob behauenen Steinen gepflasterte und dicken Holzbalken gestützte Veranda führen. 


Weiter hinten, ein kleines Häuschen, gross genug um ein Doppelbett darin zu platzieren. Daran, von einer späteren Generation angebaut, ein Bad mit Warmwasser welches von einem mit Holz betrieben Boiler stammt.


Nach dem Regen wird das Land inspiziert. Hundert Hektaren, die Fläche bis zum Horizont: „das gehört einmal alles dir“ ist hier eine Gewissheit. Die frische Luft erzeugt Hunger, welcher spätabends mit einem zünftigen Asado gestillt wird.


Das einzige Licht, nachdem der brummende Generator verstummt und die Glühbirnen erlischt sind, stammt von den blinkenden Sternen, die am gewaschenen Himmel mit einer galaktischen Klarheit strahlen. Ein Planetarium, mit Kopf stehendem Orion. Sternschnuppe. Schnell etwas wünschen. Da! Schon wieder eine. Wir sind soweit wunschlos glücklich und schlafen bald darauf selig in „unserem Häuschen“.

Sorgenfrei und wolkenlos erwacht. Noch intensiver als die optischen Reflexe der beruhigenden Weite, mit dem darüber gespannten, Simpsonwölkchen verzierten Himmel, sind die olfaktorischen Reize. Der Lungenzug offenbart erquickende, würzige Frische. Der Duft des jungen Grün wird von der Ausdünstung der dunklen fruchtbaren Erde, die archetypisch eine betörende Kraft verströmt, eingebetet und bildet die Grundlage zahlreicher Geruchskombinationen.


In einer neuen Dimension gesellt sich die Geräuschkulisse dazu: das Gurren der Tauben, Trillern, Zwitschern, Singen und Jubilieren der Vögel in den Bäumen und Büschen. Die leichte Brise weht animalisches herüber: das Verstaubte des Hühnerstalls, das Säuerliche der Ziegen, die feuchte Wolle der blökenden Schafe, die schlammigen  Ausscheidungen der kauenden Rinder und der scharfe Gestank der grunzenden Schweine, sowie der Atem der Pferde. Darüber hinaus, würde man es sehen, ein Hauch eines Feuers aus Prärieholz, das eine Alukaffeekanne erwärmt und dessen Rauch, dünn und grau, einem rostigen Ofenrohr entsteigt.


Wir trinken Kaffee und Tee, essen Criollos, um uns fürs „Wandern“ zu stärken. Auf geraden, sandigen Pfaden gehen wir, an bis zum Horizont frisch gesätem Mais, entlang. An und für sich unspektakulär, wir aber geniessen es sehr.


Die Familie, typisch argentinisch, vereinigt einige der vermeintlichen Klischees  und verdichtet, für uns, Dichtung zu Wahrheit. Der Vater, das Kind im Manne, ein intellektueller, sanfter Patriarch, ist stolz auf seine Herkunft: zelebriert es beim Asado, wo er mit dem typischen Gaucho-Messer hantiert, oder beim Spazieren mit Peret, sowie bei den Regeln des Matetrinken, die er strikt einhält. So wissensdurstig wie weltoffen. Der temperamentvolle Kopf und die vernünftige Organisation vereint die Mutter in einer Person. Die Kinder, strebsam das Mädchen, pubertierend der Junge, haben Manieren. Muchas gracias familia!

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Salta, Jujuy und Humahuaca

{ 01:31, 1 November 2008 } { 0 Kommentare } { Link }


Grossraum Salta


Über Nacht mit dem Bus schlafend in eine andere Welt gefahren worden. Bs.As ist mehr als tausend Kilometer entfernt, erscheint aber hier oben wie das ferne Licht eines Fixsterns, welches das vielleicht politische Zentrum darstellt, sonst aber keinerlei praktische Bedeutung hat. Interaktion mit den Portenos gibt es hauptsächlich an freien Tagen, wenn sie mit dem Flugzeug, Bus und Auto hier her navigieren, um die Bewohnerzahl der kleinen Dörfer anschwellen zu lassen und die zahlreichen Unterkünfte zu füllen.

Salta, später Jujuy zurücklassend, schnauft ein alter Bus das Tal des dünnen Rio Grande hinauf. Viertausend Meter hohe Berge, die eigentlich eher Geröllhügel sind, werden zunehmend farbiger und gespickt mit tausenden von Kakteen. In dieser von der Unesco zum Welterbe erklärten Schlucht (Quebrada de Humahuaca), hält der Bus immer wieder und es steigen Menschen ein und aus. Wer wohnt hier in Lehmziegelhäuser wie man sie auch aus Peru und Bolivien kennt? Was kann noch kommen? Humahuaca ganz oben, ist noch lange nicht das Ende der Welt. Mit gepflasterten, Laternen gesäumten Strassen, Kirche, und spektakulärem Denkmal, ist Humahuaca offenbar das achttausend Menschen zählende Zentrum der Region.


Am nächsten Tag erklärt uns der Bäcker einer Empanaderia, dass Columbus am zwölften des Oktobers 1492 Amerika entdeckt habe. „Gut für die Touristen, aber schlecht für das Land.“ Von der Fiesta hingegen merkt man nichts. Vielleicht liegt es daran, dass sie zu diesem Mann ein gespaltenes Verhältnis haben.
Speziell für die Urbevölkerung war das europäische Emigrationsmodell alles andere als ein Segen. Geschützt in unzugänglichen Tälern der Anden haben hier Menschen mit ihrer Kultur überlebt.



Nun. An diesem, durch Columbus verlängerten Wochenende, kommen sie wieder, die Weissen. Die Portenos fallen ein und dabei auf. Wie wir Europäer. Inmitten von indigenen Menschen, die Cocablätter kauen, riecht man das einheimische Aufputschmittel und die dicken Wangen zeugen davon. Die Frauen tragen Hüte wie die Bolivianerinnen; es sind auch nur noch wenige Kilometer bis zur Grenze. Die sonnengegerbten Gesichter unter den Filzhüten wollen sich nicht mit einer Kamera digitalisieren lassen - das wissen und respektieren wir.



Cocablätter kauen auch die Jungen Portenos - diese sollen auch gegen die Höhenkrankheit helfen. Wir sind dreieinhalb Kilometer über dem Meeresspiegel. Nach wenigen Treppen atmet man ganz schön-tief die klare Luft in die Lunge. Wenn die Sonne geht, schleicht sich die Kälte nicht an, sondern ist plötzlich da. Wir kaufen warme Kleider aus regionaler Produktion auf dem Markt.



Früh am Morgen am Busbahnhof brennt die Sonne auf uns. ¡Hay café! hay pizza! verkündet eine Stimme wiederholend im Gewirr. Einheimische hinter abgegriffenen Styroporkühltruhen, auf denen sich Sandwichs, Süssigkeiten, Fruchtsalat in Bechern und Getränke stapeln, warten auf Passagiere und wir auf den Bus.

Man wird vom Wein- zum Gesteinliebhaber: nicht Önologe, Geologe sollte man sein um die malerischen Felsen zu verstehen: Schattierungen von grün, natürlich grau in allen Variationen, Nuancen von blau, sattes Rot und dessen Übergänge zu gelb und ocker. Alles unter tiefblauem Himmel mit purem Licht das kurze, schwarze Schatten schlägt. Kamera versengend. „I can’t hold a sun.“



Ambra Pampa: aussteigen. Weit und breit nicht mehr viel. Weiter geht’s mit einem Renault: ein wortkarger Jüngling braust mit uns, eine Staubwolke hinterher ziehend, zur Laguna de los Pozuelos, wo zur richtigen Zeit eine rosa Flamingowolke schweben soll. Wir sind offensichtlich zum falschen Zeitpunkt dort. Was heisst falsch: es stelzen vereinzelte Flamingos im Wasser umher - mit dem „Feldstecher“ sind sie sogar zu erkennen.



Zurück. In der brennenden Nachmittagssonne steht eine circa siebenköpfige Familie am Wegrand und bittet den Fahrer sie schnell nach Hause zu fahren. Kind und Kegel quetschen sich ins Auto bevor der Fahrer uns zurücklässt und die Familie in das nächste Dorf bringt. Wir haben Zeit unsere Sonnencreme zu testen und ein Foto zu machen.



Später ausserplanmässiger Reifenwechsel, dann aber wieder im Bus Richtung Humahuaca. Farben sind durch die tieferstehende Abendsonne neu gemischt, noch intensiver, aber jetzt lassen sich die Fenster des Busses nicht mehr öffnen. Tippe mit dem Finger an die Stirn. Alles hier oben.

Wieder in Humahuaca. Charmante Lokale, touristisch etwas aufbereitet: das verbreitete Neonlicht wurde ersetzt durch wohnliche Beleuchtung. Die Kakteen kehren wieder, in Form des löchrigen, aber zähen Holzes, welches als Dachbalken oder Tisch Verwendung findet. Die Spezialitäten des Nordens, Locro, eine Art Erbsensuppe aber mit Bohnen und Tamales, im Maisblatt verpackte Polenta, schmecken lecker. Für die Besucher singen zwei Muchachos zur Gitarre. Schön. Angenehm.



Am nächsten Tag nach Purmamarca. Wir erkennen bald, dass wir nicht die einzigen sind, die in die Salinas wollen. Die einstige Inka(rast)stätte, vor einmal mehr grandioser Kulisse, ist heute ein ziemlich überfüllter Touristenumschlagplatz. Im winzigen Dörfli befindet sich in der Mitte ein Markt, auf dem die Touristen zu Panflötenpopsongs das immer gleiche vorfabrizierte, „handgemachte“ erstehen können. Es gibt kein Bus in die Salinas, dafür müssen wir erst mal unsere Rucksäcke deponieren. Jedes Kilo Gewicht, das nicht über das mächtige, bedächtig erodierende Gebirge gekarrt werden muss, zählt. Erst dann kutschiert uns die Fahrerin auf 4170 Meter hinauf. Foto. Wir sind über den Berg! Die Strasse schlängelt sich kurvenreich den Hängen entlang immer tiefer an schleichenden Lastwagen vorbei, in die Salzwüste, welche von weitem aussieht wie ein mit Milch gefüllter See.



Trotz begrenzter Zeit geniessen wir den Augenblick. Verschwommen, der weite flimmernde Übergang von weiss zu blau, der alles in die horizontale zwingt. Wir, die kleinen Menschen, das einzige Senkrechte soweit das Auge blickt. Das Hirn schaltet um, der Verstand wird beweglich und der fliehende Geist will sich der Idee des Endlosen hingeben.
Meditativ – Beruhigend - Schwebend. Einfach Stunden versöhnlich in die Leere spazieren.



Doch wir sind vorerst noch in dieser Welt und fahren nach Salta, was soviel wie „die Schöne“ bedeuten soll. Rummel und wieder ein recht erschüttender Szenenwechsel. Wir könnten in einer italienischen Stadt sein. Die Temperaturen um Mitternacht sind andalusisch, dazu der mit Menschen  bevölkerte Zentralplatz nueve de Julio. Gemächlich geht der Lauf der Dinge.
Am nächsten Morgen spüren wir die Abdrücke des Metallfedernbettes noch leidend im Rücken, erkunden darauf die Stadt bei Tag und gehen in einen Park, indem sich die Menschen amüsieren und sich scheinbar über den Freientag freuen. Abermals Marktstände. Mit der Gondelbahn (Made in Switzerland) geht’s auf Saltas Hausberg, wo Kinder an künstlich angelegten Wasserfällen spielen und kreischen. Wasser in Form von Wolken zieht sich langsam zusammen und verwischt, in Begleitung der staubigen Luft, die schmutzigen Ränder der unter uns liegenden Grossstadt, dessen Zentrum wirklich hübsch ist. Es wird schwül und sieht nach Regen aus. Wir spazieren runter und warten auf die Abfahrt.



Später in unserem Doppelstöckerbus zeigen sie wenigstens nicht einen auf spanisch untertitelten originalton Bollywoodfilm. Diese sind unglaublich mies, obwohl Hollywood mit „Batman“ auch nicht überzeugt. Obschon draussen „Nichts“ passiert, ist es interessanter. Ich schaue aus dem Fenster in die vom wolkenverhangenen Vollmond beleuchtete Prärie. Flach. Bäume hier und dort. Wir fahren mit dutzenden Kilometern pro Stunde, dennoch flackert eine halbe Ewigkeit lang kein künstliches Licht. Nirgends.

Mit diesem Bild fliessen die Gedanken in das Traumland zu den anderen Schlafenden des Busses. Kein Abendrot, dafür Morgengrauen. Aufwachen. Endlich, im Regen fahrend, irgendwo im nirgendwo sieht es aus, als wäre ich nie weg gewesen. Pampa bis zum Horizont. Dazwischen Dörfer, wo gigantische Landmaschinen auf ihren Einsatz warten. SuperSoja! verkünden am Feldrand aufgestellten Werbeschilder. Kilometer später sind wir in der Stadt. Cordoba. Zu hause. Vorerst.


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Villa Belgrano - Cumbresita

{ 06:51, 20 October 2008 } { 0 Kommentare } { Link }

La Cumbresita

Nachdem „unsere“ argentinische Familie beim Asado von „La Cumbrecita“ in den höchsten Tönen schwärmte (muy muy lindo) und zur gleichen Zeit im Nachbardorf Oktoberfest gefeiert wurde, machten wir uns auf, dieses seit 19XX Fiesta de la Cerveza genannte Volks-Fest zu erkunden. Eine alpine Seilschaft bestehend aus einer Österreicherin und zwei „Wanderfreunden“ aus der Schweiz. Tatsächlich, es wurde schon bevor wir das Dorf erreichten zentral europäisch. An einem Staussee entlang über schmale Kurven gelangten wir auf das Hochplateau der Sierra und erreichten Villa General Belgrano. Na nu? Gartenzwerge in den Vorgärten von Häusern, wie wir sie in den Voralpen bauen. Alles ganz adrett, schmuck und sauber. Hier findet man sie also, die eingewanderten Zentraleuropäer: Hinter sieben Bergen. Etwas übertrieben und gekünstelt wirkt dieser Kontrast - dann das Oktoberfest. „Eine Art Kopie des Oktoberfestes“ wie später die Hotelbesitzerin in akzentfreiem österreichisch präzisiert. Sie hat es erfasst: es ist nicht eine Kopie, sondern nur eine „Art Kopie“. Leute mit umgehängten Krügen und Kopfbedeckungen wie man sie so ähnlich aus Bayern kennt. Der Unterschied was wo aus welcher Kultur oder Ecke stammt, kennt man hier nicht, macht auch nichts.

Die deutsche Ausgabe des Reiseführers „Lonely Planet“ erzählt uns noch folgendes: „Der Erholungsort bezeichnet sich selbst als „Pueblos de las Culturas“ und verweist nur allzu gern auf seine Entstehungsgeschichte: Die heimatlosen Überlebenden des deutschen Kriegschiffs „Graf Spee“ waren hier interniert. Der Kapitän des Schiffs hatte im Dezember 1939 im Hafen von Montevideo sein schwer beschädigtes Schiff selbst versenkt.“ Ach so. Alles irgendwie unverständlich, dennoch Reliquien der Graf Spee (Kettenglieder und ein Anker) liegen in einem weissen Häuschen direkt neben einem Markt, wo eine friedliche Hippie Kommune Kunsthandwerk anbietet.

In der Stadt hat es zuerst Frauen und Kindern in Trachten, dann, es bleibt uns nicht erspart, einige Männer in Lederhosen. Es wird vor dem Rathaus getanzt, Walzer, Polka unter der wehenden argentinischen Flagge. Die Vorbereitungen laufen für den Umzug. Konserviert. Eine artige Parallel-Gesellschaft, als gesellige Parallele zu unseren Festlichkeiten. „Unsere Vorfahren“, in der Tracht, mit „Sennenhemli“ und „Treichlen“ gehen sie durch die Strassen. Rea hat sofort Kontakt geknüpft. Sie sprechen akzentfrei, wir sollen uns melden, wenn wir was bräuchten oder in Schwierigkeiten steckten. Echt. Nett. Frei nach Oscar Wilde: Reisen veredelt unser Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf. Allerdings, Argentinien wirkt.

Der Umzug beginnt. Eine Freakshow, man weiss nicht genau was man davon halten soll. Die Argentinier johlen, klatschen. Das Ganze ist irgendwie suspekt. Wir gehen in eine Kneipe, die ebenso gut in der Schweiz stehen könnte und bestellen ein Bier (Isenbeck, Argentina) plus einen Hotdog mit Sauerkraut. Ebenso suspekt, aber ok. Nach zwei Stunden, haben wir die vorbei defilierende Blasmusik aus Deutschland und diverse Exilgruppen, der Schweiz, Irland, Italien sowie Spanien, Griechenland und einige mehr, gesehen.

Wir haben genug Oktoberfest getankt und fahren für eineinhalb Stunden über eine staubige Schotterpiste in das zwanzig Kilometer entfernte La Cumbrecita. Busse und Autos halten vor der Brücke, zu Fuss geht es gleich danach über unbefestigte, sandige Strassen den Hang hinauf. Die Wege schlängeln sich durch das Dorf, führen an Chalets vorbei, sowie durch im Wald versteckte Häuschen. Ganz niedlich. Etwas weniger künstlich, aber immer noch genug. Vorbei an der „Bar Suizo“ und dem deutschen Restaurant, bis wir zu unserem Hotel kommen. Der sauber geschnittene Buchs führt uns zur Rezeption. Dort beginnt die alte Frau mit uns nach wenigen Sätzen deutsch zu sprechen. Wie schon erwähnt, nach über fünfzig Jahren immer noch akzentfrei. So lange ist’s wahrscheinlich auch her, als dieses Hotel modern war. Weder muss erwähnt werden, dass es im alpinen Chaletstil erbaut wurde, noch, dass es sehr sauber ist.

Wir spazieren durch diesen Kurort. Es ist gut, aber als Österreicherin und Herr und Frau Schweizer ist es halt trotzdem alles etwas Mimikry. Den Argentiniern jedenfalls, denen gefällt’s, auch wenn sie mit der ganzen Familie am Sonntag nur ein paar Schritte durchs Dorf gehen und im besten Fall die „Wanderung“ zum zwanzig Minuten entfernten Wasserfall in Kauf nehmen. Den Wasserfall (deutsch und spanisch angeschrieben) haben wir gleich nach unserer Ankunft „gemacht“. Obwohl die Mädels zuerst lieber lädele wollten. Wir als Älpler. Oder?

Zum Znacht gibt’s eine Art Bernerplatte und Spätzli mit Pilzen (wie bei uns). An der Rösti müssen sie noch etwas feilen, aber alles in allem sehr gut für fünfunddreissig Pesos pro Person. Wir, den Bergen verpflichtet, müssen natürlich am nächsten Morgen früh aufstehen, um nach dem Frühstück den höchsten Gipfel der Region zu besteigen: Mit seinen 1715 Metern ragt der Cerro Wank vor uns auf. Knapp ohne Seil und rote Wandersocken sind wir los, um in einer Stunde die 300 Meter Höhendifferenz zu überwinden. Wir sind über weite Strecken ganz alleine.

Auf dem Gipfel machen wir einen Moment auch keinen Wank mehr, bis ein riesiger Vogel (Eine Art Steinadler, Kondor - keine Ahnung jedenfalls gewaltig) sich zu uns gesellen will und die verängstigte Lisa in zwei bis drei Meter überfliegt. Ein Spektakel, das nicht eingefangen werden konnte. Wir geniessen den Ausblick bis zum Abstieg. Die achsotollen Bergler verlaufen sich etwas, finden den Um-weg und ab da sicher zurück. Nach einer kurzen Brotzeit geht’s zurück, mit dem Bus, vorbei an künstlich angelegten Föhrenwäldern, an die manchmal, wahrscheinlich ebenso künstlich, Feuer gelegt wurde; eine kahle, gespenstische Landschaft hinterlassend.

Nochmals nach Villa Belgrano, wo die Mädels Schokolade und ich von einem richtigen Schweizer argentinischen Emmentaler kaufe, bevor wir mit dem Bus zurück fahren. Müde aber glücklich immer noch in Argentinien zu sein.

dal




Talampaya und Valle de la Luna

{ 10:48, 7 October 2008 } { 0 Kommentare } { Link }

 

 

Talampaya und Valle de la Luna 

Mitten in der Nacht besteigen wir am 20. September einen kleinen Bus, um einen zweitägigen Ausflug in die Provinz la Rioja, zehn Autostunden nordwestlich von Cordoba, zu unternehmen. Das erste Ziel: Ischigualasto – wegen seiner Trockenheit und Ähnlichkeit auch „Valle de la Luna“ (Mondtal) genannt, ist nicht nur für Geologen, Paläontologen und Mondliebhaber spektakulär. Die circa 200 Mio. Jahre alten Gesteinsschichten ragen abgetragen durch Wind und Wetter, bizarr geformt, verschiedenfarbig in die Höhe. Darunterbeherbergt dieses „triasische Becken“ ein erst in jüngster Zeit ausgegrabener „Coraptor“; für die Spezialisten das älteste bisher gefundene grössere Lebewesen. Weiter ist erwiesen, dass es hier mal von Rincosauriern gewimmelt hat.

Hier fand vor langer Zeit ein Übergang der Evolution statt. Bevor sich die Anden erhoben und diese Gegend in einen fossilen Tier- und Pflanzenfriedhof verwandelten, herrschte hier unter mächtigen Baumfarmen ein schwüles, tropisches Klima in dem sich aus pflanzenfressenden Reptilien pflanzenfressende Säugetiere entwickelten.



Wir haben nicht die Möglichkeit das 25 km lange und 10 km breite Tal ausführlich zu entdecken. Dazu bräuchte man wohl mehrere Tage. Auf einem vierstündigen Rundgang werde uns die Highlights gezeigt und mit interessanten Berichten (2000 von der UNESCO zum Naturerbe erklärt, Trias, Dinosaurierfunde, versteinerte Pflanzen, etc.) die Entstehung des steinernen Figurenkabinetts erklärt. Farbe und Form wechseln ständig, Kreativität und Schönheit sind kaum zu überbieten und noch schwerer gestaltet sich der Versuch sie naturgetreu in unsere Fotoapparate zu zwängen.



Cañon Arcon Iris (Regenbogental), befindet sich im 200 Quadratkilometer grossen Nationalpark Talampaya. Dieses Tal ist eigentlich ein Canyon und wurde unglaublicherweise erst vor zwei Jahren entdeckt, und sei deshalb noch in keinem Reiseführer zu finden, versichert uns Adrian, unser Guide. Wir fahren eine Stunde durch versiegte Flussläufe, in denen vor zwei Tagen noch Wasser floss, davor hat es seit März nicht mehr geregnet, versichert uns der Ranger und Entdecker dieses Canyons. Kahle Bäume zäumen den Eingang in die Schlucht. Grüne Wände, mal hell, mal dunkel ziehen sich hoch gegen den Himmel. Je tiefer wir in die Schlucht gehen, desto mehr verändern sich die Farben der Seitenwinde. Langsam bekommen sie einen rötlichen Schimmer, bis sie schlussendlich in einem leuchtenden Rot, vergleichbar mit unseren Ziegelsteinen, in der sich langsam neigenden Sonne erstrahlen. Durch die tektonische Plattenverschiebung ragen die Steinschnittes senkrecht aus dem Boden heraus.



Am nächsten Tag geht’s früh los, der Mond weicht traumartig und wir erscheinen zusammen mit der Sonne im Talampaya. Fünf Stunden wandern, wirklich in Kontakt treten durch den bekannteren Teil dieses Weltnaturerbes. Abermals Urgesteine, verwitterte Sandsteine, in allen Grössen und Formen. Durchsetzt mit knorrigen, alten Bäumen und Sträuchern. Erstere haben doppelt so lange Wurzeln, wie sie Kronen haben, um an das rare Wasser zu kommen. Letztere machen, mangels richtiger Blätter so ihre Photosynthese, wenn ich das richtig verstanden habe. Im Sommer wird es hier bis zu 45° C heiß, da kann nur die innovativste Wüstenvegetation überleben. Als kleines Extra – eine Düne mit Sträuchern. Später präzise geschliffene, kantige Steinsäulen und als sei es nicht schon genug faszinierend, ziehen hoch über uns zwei Kondore gemächlich ihre Runden.



Kurz darauf erkennen wir auf einer Plattform recht die Ausläufer der roten Steinfelsen, links, durch den Dunst etwas verzerrt, liegen erhaben die schneebedeckten Anden und direkt vor uns erstreckt sich ein in abwechselnden Grüntönen gemalenen Teppich aus Sträuchern, Büschen und Gras. ¡Asombroso!



Bevor wirr Talampaya verlassen, entzückt uns noch eine akustische Attraktion. Im Jardin Botanico, welcher im Schatten der Felswände 40 verschiedene, meist Medizinalpflanzen beherbergt, stellen wir uns gedrängt an die hohe Steinwand und rufen alle zusammen: ¡Hola Argentina!... ¡Hola Argentina!... ¡Hola Argentina!... ¡Hola Argentina!...

Nach dem Essen und nachdem wir in einem kleinen Dorf ausserplanmässig einen Kanister Diesel kaufen mussten, fahren wir zurück. Das rotblaue Licht der Dämmerung verschluckt allmählich die flache Endlosschleife von Büschen, Wälder und Weiden mit schwarzen Kühen, um dem Südhalbkugelsternenhimmel Platz zu lassen.

Dieses Wochenende war einzigartig und dies nicht zuletzt wegen der ausgezeichneten Führung und Organisation: Muchas gracias! an das beste Team weit und breit: Adrian, Carlos und Dario.

dal




Cordoba

{ 11:54, 26 September 2008 } { 0 Kommentare } { Link }
 

Alta Cordoba - Unser Quartier

Kamerafahrt aus der Luft. Waldbrand. Weisser Rauch. Trotz drei Millionen Einwohner kleiner Prärie Flughafen. Gelbes, unwirklich verzerrtes Licht.  Ein unrasierter Klischee-Taxifahrer braust mit uns vom Flughafen in die Stadt; das heisst in ein Vorortsquartier von Cordoba. Das Wunder. Die Stadt in der die Österreicher immerhin einmal, ich glaub es war 1978 und Live am Fernsehen zu sehen, die Deutschen an der Fussball-WM geschlagen haben; es kann also alles nicht so schlimm sein. Was uns erwartete war zuerst erschreckend: streunende Hunde und Menschen. Abfall. Um es milde zusagen: Noch mehr improvisiertes. Und dieser Rauch. Die Szene könnte aus einem Inaritu-Film entsprungen sein - mit diesem mexikanischen Touch hier. Tarantino könnte auch seine Sujets finden.

Dafür haben sie andere Qualitäten, die Cordobesen, das merkt man schnell: Sie sind herzlich, gemütlich, hilfsbereit. Und echt. Die dunkelhäutige Frau, mit den Goldzähnen, bei der wir jeden Tag Café con leche trinken, ein Medialuna essen und Rea ihre „prima“ nennt, strahlt uns an. Jeden Tag.

Locker könnte ein Newcomer-Regisseur einen Plot mit den Menschen aus Alto Cordoba spinnen, sie als Figuren in einem independent Kinofilm einbetten. Die Gebrüder aus dem Kiosko, sind meine Favoriten. Sie haben von ihrem Vater aus Armenien noch schwärzere Haare und dichtere Bartstoppeln geerbt, als die eingewanderten Italiener und Spanier. „Los  hermanos“ scheinen nicht nur immer gut gelaunt zu sein, sie SIND es. Ein Spruch für jeden passend: Für die Omi, die ohne Hektik schwatzend ihrem Einkaufszettel folgt, sowie für die kichernden Chicas die Kaugummi kaufen, oder für den „Streuner“ der ziemlich exzessiv Bier einkauft und dementsprechend aussieht. Immer gut gelaunt, von Morgens um neun bis Abend um neun -ohne Siesta- und bei Kundschaft bis zehn.

Nach dem Eintritt in diesen Kiosko-Mikrokosmos, reisst jeder einen fortlaufend nummerierten Zettel (N°72) von der Rolle: bevor er weiter hinten vor Ungezieferbekämpfungsmittel, Taschentüchern und den Trichtern zu stehen kommt, manövriert er sich an Kühlschränken voller Weine und Süssgetränken vorbei, entlang diversen Fruchtsäftchen, Milchprodukten und einem imposanten Turm aus Eiern zu den alltäglichen Dingen, wie fünf verschiedene Sorten Cerveza, Cola in drei verschiedenen Grössen, Olivenöl in viereckigen Blechkanistern und einem riesigen Korb voller Backwaren. Des Weiteren ringen hinter dem Hundefutter- das pfundweise auf der gleichen Waage abgewogen wird wie Salami, Schinken und Käse- Beutelsuppe, Tee und Gewürze, um die Gunst des Kunden. 

¡Setante y dos! Ruft einer der Hermanos. Ich bin schon dran, meine Nummer. ¿Que más amigo?

Ein weiteres Sujet: Die Brücke überquert man mit einer Melodie aus einem Enrico-Moricone-Italowestern im Kopf. Um diese Fussgängerbrücke ranken sich schon Gerüchte und es wurde gleich zu Beginn davor gewarnt sie alleine oder während der Siesta zu passieren. Immerhin sind dort auch schon Jungs von unserer Sprachschule überfallen worden. Die Perspektive des einmaligen FLUCHTpunktes erhält auf dieser Brücke eine neue Bedeutung. Nach dem Überqueren der rostigen, ausrangierten Züge wechselt nicht nur Seite und Szene, sondern auch der Regisseur.

Entlang der Allee aus kahlen Bäumen liegen sieben, acht, neun tote Tauben in der Kälte. Erfroren. Erschossen. Ermordet. Ein surreales Linch-Zeichen am Wegrand.

Weiter zur Wäscherei. Dort wird die Wäsche von einer hübschen, zierlichen, schlecht geschminkten, aber immer freundlich lächelnden Frau angenommen, um sie auf nur 95°C zu waschen, dann im Feuertumbler zu trocknen. Dementsprechend passen die zu grossen Jeans immer besser und haben nächstens Babyformat. Egal. Wir sind ja froh wenn die Lumpen zurück kommen. Den Perfektionismus haben wir in der Schweiz gelassen. Im Moment passt alles.

dal



Buenos Aires

{ 07:34, 12 September 2008 } { 0 Kommentare } { Link }

Bs.As. Anders als man denkt

Ein Versuch die 17 Millionen Seelen der Porteños zu erfassen, kann eigentlich nur scheitern. Erwartungen werden nicht enttäuscht, aber überraschend anders löschen die neuen Eindrücke das Bild der romantisch-melancholischen Stadt des Tangos. Klischees werden andauernd widerlegt und erfüllt zugleich. Schnell fliessend und gemütlich dahin plätschernd. Schön und hässlich lösen sich auf kleinstem Raum ab. Vieles wirkt improvisiert, weit weg vom anscheinend perfekten Vorbild Europa. Strassen, Häuser. Nicht zu übersehen, die Autos die wir nur aus Schrottpressen kennen, fahren hier über die anscheinend breiteste Strasse der Welt und über löchrige Seitenstrassen. Daneben gehen auf unansehnlichen Trottoirs Geschäftsmänner im perfekten Anzug in einem Takt, als seien sie in Manhattan oder Zürich.

Bs.As. ist ein wachsendes, nicht bösartiges Organ und bringt eigene Zellen und Kulturen hervor. Die Siedlungen der Armen und Ärmsten an der Autobahn, die Hundespazierer, die tausenden von Taxifahrern die zusammen mit den farbigen, rauchenden Bussen in den „Quadros“ des Organs Menschen zu Menschen bringen; die unzähligen „Kioscos“, welche Material zu Menschen bringen, um schliesslich die Müllmänner erneut mit Material zu versorgen. Ein symbiotischer Kreislauf wie es scheint. Eine unglaubliche Zahl von Rindern verschlingt dieses Organ jeden Tag, ab Mittag liegt der Geruch von Gebratenem in der Luft, und mischt sich mit den Abgasen - Buenos Aires wird seinem Namen in der Fussgängerzone eher gerecht: Es riecht nach schweren Rasierwassern von Männer, die noch richtige Kerle sind und blumigen Parfüms von Frauen, die noch strahlende Chicas verkörpern. Das moderne, androgyne, metrosexuelle Zeug scheint hier noch nicht angekommen zu sein, ebenso wenig Kopftuch und Hiphop.

Leben - essen - trinken. Alles nach Sonnenuntergang. In der Dunkelheit wird von anderen der Abfall nach Brauchbarem durchstöbert - wer zuerst kommt, wühlt zuerst. Das Übriggebliebene schnappen die offiziellen Müllwagen, derweil die Nacht die Wühlmänner schluckt und diese am morgen im Park unter hellblau-weissen Himmel und Flagge schlafend wieder entlässt.

Ebenfalls am Morgen haben die mit ein paar Pesos mehr, in den unzähligen Cafés alle Zeit der Welt, um bei „medialunas“ und „cafe con leche“ keine Hektik zu verbreiten. Kolonialstil - auf dieses Wort trifft man nicht nur beim Café trinken, sondern auch in jedem Reiseführer. Seine Bedeutung muss ebenso wenig erklärt werden, wie der Umstand, dass jede Epoche immer wieder am Lack dieser Verschnörkelungen kratzte, wobei sonnige Tage und dunklere Zeiten dem ganzen Geflecht sporadisch neue Anstriche verpassten. Ein Gebilde, an dem rostige Elemente auffällig zaghaft mit einer frischen Farbe erneuert wurden und die darunter liegende Patina bröckelnd immer wieder zum Vorschein kommt – darüber gepinselt wird bei Gelegenheit.

Dieses Imperfekte gibt unermesslichen Raum für Verbesserungen und erlaubt verschiedenen Kulturen sich neu zu entfalten oder wie in einem geschützten Biotop zu überleben und anachronistisch zu überwintern, um sich nach Jahren der Vergessenheit über den Globus auszubreiten. Tango entzückt, mit einer Kultur die als ausgestorben galt. Aus der Not wird eine Tugend und Leeres gefüllt. Kneipen wie man sie aus der Kastanienallee in Berlin kennt. Junge Menschen. Kreationen. Leben. Hauswand an Hauswand mit der Markthalle von San Telmo, welche Gemüse und Früchte in Pyramidenform auftischt und Trödlerläden beherbergt. Zwei, drei Strassen weiter: ein Markt im Park mit Selbstgemachtem.

Zurück und weiter.

Eine Stadt die man nicht erfassen kann. Vielleicht fühlen? Hinfahren und buenos aires atmen.

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