Der Colombo Blog

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Living the colonial dream und andere Ärgernisse

Posted on 14 June 2010 at 9:29 PM - 0 Comments - Post Comment - Link

Statt mich auf dem Laufband abzukämpfen wie jeden Montag morgen, sitze ich daheim und warte auf den Notfall-Reparaturmann. Das aktuelle Problem ist folgendes: gestern Sonntag abend versuchte Lipsu den WC-Deckel bei unserem Klo zu fixieren. Wie vieles andere entbehrte auch diese Arbeit Schweizer Qualität, und das Teil war völlig lodelig. Mein Mann streifte dabei also die Versenkung der Handdusche, diese löste sich aus der Wand. Ein astreiner Wasser-Rohrbruch, soweit ich das beurteilen kann. Und es läuft und läuft und läuft. Zum Glück hat unser Bad wenigstens einen anständigen Ablauf, sonst wäre es zur  Krönung noch überschwemmt. Zum Duschen, Zähneputzen etc. liessen wirs noch laufen, dann hatten wir keine andere Wahl, als den ganzen Wasserzulauf zu kappen.

Die Kinder zeterten heute morgen auch gehörig. Ab und zu höre ich mich in ihnen selber schimpfen. Peinlich. Wo bleibt da die Vorbild-Funktion? Aber wie schon mal erwähnt: Colombo kehrt die üblen Seiten in einem raus. Da spreche ich im Fall nicht nur für mich.

Item, wir werden das Rohr/Loch ganz zubetonieren lassen. Falls wir doch mal die Handdusche nach Sri Lankan Art gebrauchen sollten, können wir immer noch eins der anderen WCs benutzen. Ein Mangel an WCs pro Haushalt - DAS ist hier nicht das Problem.

Ärgernis Nr. 2 (in keiner speziellen Reihenfolge) Seit dem Wochenende hat wieder starker Regen eingesetzt auf der Insel. Schon vor 4 Wochen hats gestürmt und geregnet, halb Sri Lanka stand unter Wasser, es gab sogar Verletzte und Tote. Unzählige Leute gelangten nicht zur Arbeit, weil die Strassen blockiert waren. Ich kam vom Gym nach Hause nach 1stündiger Fahrt, und die Küche hatte sich in einen Tümpel verwandelt. Dies war der Moment, in dem ich wortlos auf die Veranda trat und zur Zigarette griff: am 17. Mai um 11 Uhr in der Früh inhalierte Frau Rieben mal wieder eine Benson. Normalerweise rauche ich seit über 8 Jahren nicht mehr, und inhalieren schon gar nicht … Das ganze ist ja ein Rattenschwanz: so lange es regnet, kann man das Dach nicht reparieren. Und solange es nicht Regenzeit ist, weiss man nicht, ob es „rünnt“. Letzten Freitag sass ich am Compi und hatte plötzlich nasse Füsse. Der Plastikeimer vermochte nicht das ganze Wasser, das nun auch im Gästezimmer von der Decke tropfte, aufzufangen. Man entdeckt immer wieder neue undichte Stellen, so aufregend. Inzwischen wurde das Dach temporär repariert, was immer das heissen mag. Ich muss sagen, als ich erfuhr, dass die US-Botschafterin für Sri Lanka in ihrer Residenz Sandsäcke aufgestellt hatte, ging es mir ein bisschen besser.

Zurück zu den Überschwemmungen vor 4 Wochen. Der Verkehr kollabierte vollends, und ich brauchte ewig, um die Kinder abzuholen. Die Strassen konnten teilweise nur einspurig befahren werden. Noé und Élie waren natürlich begeistert, es sah sehr abenteuerlich aus. Die Leute inkl. uns sind sich natürlich nicht gewohnt, dass es kühler als 27 Grad wird. Und wir haben uns alle verkühlt und Infektionen geholt, natürlich auch vom Dreck, der überall hochgeschwemmt wurde und rumlag. Unsere Malediven-Ferien mussten wir verschieben, es war keine schöne Zeit.

Ärgernis Nr. 3 waren dann die verschiedenen Telefongespräche in den letzten Wochen mit Platinum Enterprise, die uns die Akon-Tickets rückerstatten sollten. Dreimal dürft ihr raten, ob es schon passiert ist? Wir bleiben dran. Das waren jedenfalls die ersten und letzten Tickets, die ich in Sri Lanka im voraus gekauft habe.

Ärgernis Nr. 4: Dass es ab und zu rumort mitten in der Nacht unterm Dach, daran haben wir uns gewöhnt. Dies sind die sogenannten Polecats, die nachtaktiv sind. Nun scheinen sie Babies zu haben. Wir wissen, dass sich Babies nach keinem Rhythmus richten. Deshalb hören wir sie nun Tag und Nacht. Ausserdem riecht es nach Pipi im Gästezimmer, und Fäkalien hat Lipsu auch schon weggeräumt. Es stinkt gewaltig. Und in der tropischen Hitze noch viel mehr. Ich könnte hier noch viel mehr ins Detail gehen… Wir stellen dieser Tage einen neuen Gärtner/Putzmann fürs Grobe ein, und seine erste Aufgabe wird sein, in dieses Dachgeschoss zu steigen und dort aufzuräumen.

Ärgernis Nr. 5. Neulich, vor dem langen Vesak-Wochenende (einer der unzähligen Feiertage)  stellten uns die „Tuble“ vom Energieamt den Strom ab, weil wir angeblich die Rechnung nicht bezahlt hatten. Und zogen wieder von dannen, noch bevor ich pieps hätte sagen können. Sie wollten auch nur den Meter ablesen… hier wird künftig niemand mehr eingelassen um irgendwo einen Meter abzulesen. Es war dann auch unser Fehler, dass wir die Quittung, also den Beweis, nicht im Haus sondern in Lipsus Büro hatten… notabene eine Quittung über einen Betrag, der sich gewaschen hat. Hatte es doch sein Gutes, dass wir unsere Reise absagen mussten, sonst wären wir gar nicht da gewesen und alles im Kühlschrank wäre vergammelt, von den Würsten aus dem Schweizer Resto bis zum eingemachten Sugo. Niemand wäre den Lümmeln nachgesprungen, und den Aggressionsanfall hätte ich trotzdem gehabt, einfach 4 Tage später.  

So, dies waren nur die gröberen Sachen, die am meisten nervten. Dass sich der liebe Hausbesitzer noch anmasste, uns zu sagen, dass wir das Gras schneiden sollten im Privatsträsschen, nachdem er uns ein solches Haus hinterlassen hat, ist eigentlich nur eine Kleinigkeit.

Ich rate also niemandem, mich demnächst zu fragen, ob ich mich hier eigentlich nicht langweile. 

 

 

 

 

 

 


Ein Fast-Konzert von Akon in Colombo

Posted on 27 April 2010 at 8:36 PM - 0 Comments - Post Comment - Link

Vor ein paar Wochen verkündeten Zeitungen die frohe Kunde, dass Akon nach Colombo komme. Die Freude meinerseits ist riesig, kommt dies doch schon fast einem historischen Ereignis gleich. Eben noch im Krieg, lässt Sri Lanka einen R&B-Star einfliegen. Kaum sind die Tickets auf dem Markt, ziehe ich flugs los ins Cinnamon Grand und ergattere mir 2. Das „Supafest 2010“ soll am 24. April stattfinden und hat u.a. auch Pitbull und Kelly Rowland im Programm. Wow. Erst noch waren wir an der „Beatlemania“, einem Konzert einer Beatles-Coverband, auch das wäre vor einem Jahr aus Sicherheitsgründen völlig undenkbar gewesen. Es sieht aus, als wäre Sri Lanka bereit für die grosse weite Welt.

Einziger Stressfaktor: am gleichen Tag findet der alljährliche „Mardi gras“-Ball statt, eine Tradition aus Amerika, bei der man sich verkleidet oder zumindest eine Federnmaske trägt. Dies klingt nun so, wie wenn sich ob all der Events die Partygänger hier die Klinke in die Hand drücken würden, was natürlich nicht der Fall ist. Aber jede „Hundsverlochete“ wird mindestens irgendwo im „Hi“ oder „Vogue“ dokumentiert. Sehr interessant, fasch echly wie den „Berner Bär“ zu lesen. Man kennt immer Leute, und kann mitverfolgen, wer über die Jahre zu viele Currys und Kohlenhydrate zu sich genommen hat. Also mein Stressfaktor war folgender: wie überstehe ich in dieser brütenden Hitze (April ist am schlimmsten) ein paar Stunden Konzert am Nachmittag, finde Zeit für einen kleinen Erholungs“nap“, und wie komme ich dann in einer nützlichen Frist mit dem kleinsten Aufwand punkto Make-up in mein „Lady Gaga“-Outfit und halte durch ohne bereits um 10 Uhr schlappzumachen? Um diese Zeit wird an einem hiesigen Fest noch nicht einmal Nachtessen serviert. Ich muss mir wie die meisten andern, die in den Tropen stationiert sind, meine Energie geschickt einteilen, ebenfalls den Alkoholkonsum.

Nun, meine Bedenken werden kurze Zeit darauf zerstreut, als nämlich folgende Schlagzeile in der Zeitung steht: „No visa for Akon…“. Was war geschehen? Gemäss „Daily Liar“, pardon „Daily Mirror“ tanzen im Video zu „Sexy bitch“ ein paar heisse Bikini-Schönheiten um eine Buddha-Statue rum. Ich habs mir jetzt mal wieder angeschaut auf you tube – und erst im zweiten Durchlauf habe ich den Buddha im Hintergrund erkannt. Von „dancing around it“ wie in der Zeitung beschrieben, kann keine Rede sein. Es ist wohl nicht bis hierhin durchgedrungen, dass Buddha-Statuen in westlichen Ländern auch als Lifestyle-Accessoires dienen. In diesem Fall wars halt eine überdimensionale.

Nicht einmal Madonna schaffte es in den 90ern, einen solchen Aufruhr zu veranstalten mit ihrem ans Kreuz gefesselten Jüngling in „like a prayer“, während diese Affäre hier auf präsidialem Niveau diskutiert wurde! Well then, zum Glück gibt’s in diesem Land nichts Dringlicheres zu tun.

Doch nicht bereit für die grosse weite Welt, Sri Lanka? Inzwischen lachte sich ein dritter ins Fäustchen, nämlich die Malediven. Die holten sich Akon stantepede auf ihre Inseln und freuen sich über den unerwarteten Geldsegen. So geht das. Wir vergnügen uns derweil weiterhin mit alten Hits aus dem Radio im Stil von „Shakin Stevens“ und „Achy breaky heart“ von Billy Ray Cyrus und warten auf musikalisch bessere Zeiten.

dafür genügend Zeit zum Aufbrezeln

 

 

 

 


Kinder-Geburtstagsfest

Posted on 22 April 2010 at 11:57 AM - 0 Comments - Post Comment - Link

Kürzlich feierten wir den 7. Geburtstag von Élie. Wie die Zeit vergeht. Und ich brauche die selben Worte wie damals meine Eltern bei mir. Nerv.

Auch genervt haben mich manchmal die Kinderparties in der Schweiz, bei dem sich gegenseitig alle in Aufwand und Angebot zu übertrumpfen schienen. Je working mum, umso mehr Anstrengungen wurden unternommen, ein unvergessliches Fest zu bieten mit Schatzsuche etc. Ich schliesse mich hievon nicht unbedingt aus. In Sri Lanka ist der Hype noch einen Zacken verschärft. Im Moment ist es auch hier sehr in, Kinderparties unter ein Motto zu stellen. Das Lieblingsthema aller Kinder ist derzeit Michael Jackson. Und es wird mit der grossen Kelle angerührt: Dj’s werden angeheuert, Buffets für die Eltern aufgestellt, Zauberer treten auf, es gibt Hüpfburgen, Glacé- und Zuckerwattestände etc. Tische biegen sich unter den Geschenken. Der Hammer war mal die Party einer 3Jährigen, die vom hiesigen Glanzheftli „Hi“ gecovert wurde. Am Schluss des Fests gibt’s auch hier Geschenksäckli mit auf den Weg, die aber meistens grösser und wertvoller sind als dasjenige, das man mitgebracht hat. Kürzlich kamen die Kinder mit hübschen Stoffsäckli heim, die ihre Initialen trugen und einem T-Shirt drin. Unlängst gabs bei einer Party Michael Jackson-Hüte und –Handschuhe als Andenken. Alles super, das ist klar. Aber wie kann man sich da bis zum 18. Geburi noch steigern? Wenn man hier Einladungen verschickt, weiss man nie so genau, wann die Kinder auftauchen. Auch nicht, ob sie auftauchen. Und wenn sie dann erscheinen, haben sie nicht selten einen Bruder oder eine Schwester im Schlepptau. Im Gegenzug sind dafür meist auch die Geschwister zu ihnen eingeladen. Währenddem wir bei uns froh sind um jede Minute unerwarteter Freiheit, die wir als junge Eltern geniessen, wird man hier nahezu genötigt, dabei zu bleiben. Meinem Noé ist das mittlerweile peinlich, verständlicherweise. Die wenigen Male, bei denen ich mich gezwungen sah zu bleiben, sass ich dann auf einem Plastikstuhl in einer Reihe mit anderen Müttern, die sich gegenseitig anschwiegen.

 

Ich hab Élie sogar die Wahl gelassen, ob er sein Fest lieber woanders steigen lassen  möchte, aber er bestand darauf, daheim zu feiern. Die Alternativen wären wohl Pizza Hut oder das Hilton Residence gewesen. Das hätte den Vorteil gehabt, dass die Sauerei nicht bei mir stattgefunden hätte. Nun denn, so führten wir die Chose bei uns durch und zwar im Retro-Stil. Das heisst, eine Party in der Art, wie wir sie früher als Kinder feierten. Und das kommt auch heute noch ganz gut an. Die Kinder sind sich zwar gewohnt, nonstop unterhalten zu werden, aber können es ganz gut selber, wenn man sie lässt.

 

Punkt 3 Uhr tauchen die ersten Kinder (davon 2 Schweizerlis und 1 mit deutschem Vater…) auf, um 5 der letzte (!). Es ist immer das gleiche. Am Anfang denke ich, alles ist unter Kontrolle und bereits nach Ankunft des ca. 5. Kindes verliere ich dieselbe. Ich kam auch diesmal mächtig ins Schwitzen. Irgendwann zerschlug einer mit dem Fussball eine Lampe, einer turnte auf dem Dach rum. Ein halbes Dutzend Kinder waren pflotschnass. Ohne dass ich irgendwas davon mitbekommen hätte, hatte Élie sein erstes Geschenk, eine Wasserpistole, ausgepackt und eins führte zum andern. Dann galt es, diese Buben neu einzukleiden. Und den ganzen  Nachmittag hörte ich nonstop: „Auntie“ (Tanti) ich brauche ein Pflaster, Auntie, wo sind die Schreibstifte, Auntie, was sind das für Würstchen im Hot Dog, Auntie, ich will…,  Auntie hier, Auntie da. Auntie needs a drink! Es waren ja alles herzige Kinder, einfach so viele an der Zahl, und es wird jedes Jahr lauter und wilder. Gott sei Dank hatte ich Hilfe von meinem Vater und seiner Freundin. Die Idee für die Bastlerei mit Ostereiern hab ich mal bei einer Freundin – merci Liliane – abgeguckt. Päpu hielt derweil die Mütter auf der Veranda bei Laune, während wir drinnen Osterdekorationen bastelten. Als ehemalige Lehrerin war Gerda „in charge“ und vor allem ruhender Pol.

Die ca. 15 Kinder – zählen konnte ich sie nie – fandens also alle glatt, obwohl kein Zauberer auftrat und es auch keinen Michael Jackson-Tanzwettbewerb gab.

Diesmal bekam Élie auch schöne, stille Geschenke, die keine Batterie brauchen. Herrlich.

Und Auntie gönnte sich schliesslich einen Drink und schwor sich „never again“. Das nächste Mal werden zwei, drei Gspändli eingeladen zum Übernachten. Jemand soll mich bitte an meine Worte erinnern im Oktober, wenn Noé als nächster an der Reihe ist...

 


Letzten Samstag, unterwegs

Posted on 10 March 2010 at 8:21 PM - 2 Comments - Post Comment - Link

Letzten Samstag zog ich los in mein Lieblingsmöbelgeschäft, dem Gandara. Mit dabei habe ich zwei Kissenbezüge, bei denen es den Reissverschluss zu reparieren gilt. Ein solcher Auftrag kann gut und gerne einen halben Tag beanspruchen. Diesmal gehts allerdings im Expresstempo, weil relativ wenig Autos unterwegs sind. Zwei Mitarbeiter und ein Telefonat später, darf ich die Kissen beim dritten Menschen abgeben. Typisch für Sri Lanka: viele Mitarbeitende, niemand entscheidet. Ich bin – noch – gut gelaunt und überbrücke die Zeit mit Stöbern in einem Hochglanzbuch zum Thema „Schöner Wohnen“.

 

Mission accomplished. Bevor ich wieder heimkehre, entscheide ich spontan, noch schnell bei „Cotton collection“ vorbeizuschauen, einem Kleidergeschäft, in dem ich unlängst ein Schnäppchen erstand, nämlich „Billabong“-Shorts fand für 6 Franken. Nebst „odel“ und „snobb“ (neu und bei uns gleich ums Eck) shoppingmässig so ziemlich „as good as it gets“ auf der Insel. Manchmal hat man Glück, meistens aber finde ich nichts Schlaues; daheim würde ich wohl nicht zweimal hingucken. Ich verdächtige ja europäische Kleiderfirmen, die Ware, die bei uns niemand mehr will oder die defekt ist, nach Sri Lanka und andere Orte zu verschiffen. Oft genug finde ich ausgeschaubtes wie Blusen von Yessica (C&A) und Shirts, bei denen das Etikett abgeschnitten wurde. Heute ist mächtig was los im kleinen Laden von „Cotton collection“, eine Art Promotion nämlich, und die Leute rammen einander schier die Ellbogen und Handtaschen in die Seite. Ich schnappe mir ein Pyjama und ein T-Shirt und will zur Anprobe schreiten. Die Verkäuferinnen, die irgendwo in einer Ecke miteinander schwatzen, klären mich darüber auf, dass die Kabine geschlossen sei, und der Gipfel: vor den Spiegel haben sie ein Kleidchen gehängt, damit man sich nicht selber begutachten kann im potentiell neuen Stück. Hä? Soll das etwa verkaufsfördernd sein? Mit leeren Händen und bereits leicht genervt verlasse ich den Laden und schaue beim nächsten rein (fast wie auf den Champs-Elysées…), dem Dilly’s. Dort grad das nächste Highlight, also Schlag auf Schlag heute. Gegrüsst wird auch hier nicht, statt dessen lange Gesichter und wieder plapper, plapper. Mir sticht dafür eine Sandale ins Auge und ich frage nach dem zweiten Schuh. Dann will man mir die beiden dort stehenden Schuhe als Paar verkaufen. Dabei sieht frau vom Schiff aus, dass sie mind. 2 Grössen voneinander trennen. Das reizt mich nun wirklich und ich fange schon wieder an rumzubellen. Wenn ich aber ehrlich bin, so bezweifle ich, dass ich mir ein Bein ausreissen würde für einen Job, der jeden Monat knapp 100 Franken einbringt.

Beim Nachhausefahren trägt sich dann noch folgendes kleines Intermezzo zu mit einem Minibus-Fahrer. Er überholt wie ein Wahnsinniger, dabei dauerhupend und jeweils mit Seitenschlag. Auf gleicher Höhe mit ihm zeige ich ihm den Vogel zeige und er mir den Mittelfinger. Voilà. Wieso es meinerseits erst jetzt zu einem Aussetzer gekommen ist auf den Strassen Colombos, ist ein Wunder. Ich glaube, es ist das Diplomatenschild am Auto, das mich bis heute daran gehindert hat. Ob ich heute eine Schwelle überschritten habe? 

Eine andere Schwelle hingegen darf man dieser Tage auf keinen Fall übertreten. Es soll Leute geben, und zwar nicht wenige, die über den hiesigen Präsidenten und/oder seine Familie lästern und somit deren Image schädigen. Um derlei „illegale Aktivitäten“ (Zitat Daily Mirror) künftig zu unterbinden, wurde eine spezielle Einheit der Kriminalpolizei gebildet. Bei dieser Unit können nun rechtschaffene Bürgerinnen und Bürger dieses Landes die „Mud Slingers“, also Dreckschleudern (erneut Daily Mirror), die Ungemach über den Präsidenten bringen, „verrätschen“. Auch dies eine Variante, Sri Lanka wieder auf den rechten Pfad zu bringen.

 

 


Reise durch Sri Lanka

Posted on 19 January 2010 at 12:48 PM - 0 Comments - Post Comment - Link

Am 27. Dezember geht sie los, unsere Reise durch Sri Lanka. Nach etlichem chären und rottweilern, klappts dann auch mit einem anständigen und grösseren Bus. Unser Reisegrüppchen besteht aus Schwiegermutter Maja, Schwager Tinu, seinen Kindern Anna und Tomas. Plus wir vier, ein Fahrer und ein Assistent/Reiseleiter.

Erste Übernachtung ist in Dambulla; wir werden mit strömendem Regen begrüsst. Gesundheitlich angeschlagen, begeben sich die Frauen erstmal in die ayurvedische Massage. Autsch, grad feinfühlig ist man hier allgemein nicht. Erstaunlich auch, welche Kraft in diesen feingliedrigen Frauen steckt. Am nächsten Tag geht’s weiter Richtung Sigirija. Statt den Felsen zu erklettern, entscheiden wir uns für die Elefanten-Safari. Nach Lipsus Einwand, er wolle nicht gleich den ganzen Elefanten kaufen, gibt’s eine Mini-Reduktion für die Kinder… Lustig ist es, und wir sehen unterwegs allerlei Schmetterlinge, Vögel und sogar ein Krokodil, als wir durch einen kleinen See ruckeln. Die Reise geht weiter, ohne dass wir uns die Höhlentempel anschauen. Diesmal rottweilert Lipsu, weil die Preise einfach jenseits von Gut und Böse sind. Die nächste Destination ist Kandy. Im Hotel „Amaya Hills“ sind am anderen Morgen früh die Affen los. Zwei davon machen sich im Hotelzimmer an Tinus Koffer zu schaffen. Definitiv das Highlight des Tages. Nach einem Pipi-Stopp in einem Gem-Laden ausserhalb Kandys ziehen Wolken auf an meinem persönlichen Gemüts-Horizont. Wir bleiben nämlich stehen auf den Gleisen von Kandy, obwohl die Zugfahrt nach Nuwara Eliya gebucht ist und wir Tickets dafür haben.

Kandy, dört wo der Zug ging scho abgfahre isch oder no  nid isch cho


„Reiseleiter“ Sumith kriegt ein Ohr voll zu hören - und dann geht’s halt mit dem Bus wieder weiter, die vielen Kurven hoch, Richtung höchste Stadt von Sri Lanka. Unterwegs schauen wir uns eine Teefabrik an und versuchen dem Kauderwelsch des Führers zu folgen. In dieser Gegend stocken wir auch unseren Vorrat an „Flowery Broken Orange Pekoe“ usw. auf. Die Fahrt entschädigt für das Zug-Ärgernis, und auf ca. 1800 Meter angekommen schlägt mein Puls wieder normal. Im Grand Hotel, wo wir nächtigen, wähnt man sich im alten England, also eigentlich im ganzen Ort. Überall schön geschnittene Büsche und Rasen, im April findet hier sogar ein Pferderennen statt. Es ist auch empfindlich kalt, also nie ohne einen Faserpelz und Käppli für die Jungs. Am nächsten Tag packen wir unsere sieben Sachen und fahren weiter. Wir bleiben im Hochland, vorbei geht’s an vielen Gemüseplantagen und Erdbeerfeldern, absolut lieblich ist diese Gegend. Unterwegs halten wir noch bei einem Hindu-Tempel, die Kinder verfüttern den Affen Mandarinen. So süss, wir können uns alle kaum trennen.

Am Nachmittag kommen wir in Haputale an. Wir haben ein riesiges Bungalow gemietet, mit eigenem Koch und Butler, mitten in den Teeplantagen. Auch hier haben wir das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben. Wir wandern durch die Gegend und geniessen die wohl schönste Aussicht von ganz Sri Lanka. An Neujahr – niemand mochte am Vorabend über die Stränge schlagen, die Reiserei ermüdet ganz schön – geht die Reise weiter zum Yala National Park. Schon beim Einfahren im Yala Village entdecken wir Büffel, Pfaue, ein Krokodil. Vom Observatory Deck aus geniesse ich den schönsten Sonnenuntergang ever bei einem Arrack-Cocktail. Am Abend dürfen wir nicht alleine im Areal rumgehen, weil sich gerne wilde Elefanten dort aufhalten. Und tatsächlich, nach dem Znacht kommen zwei genau vors Restaurant und knabbern an den Bäumen. Am nächsten Morgen um 6 sitzen wir im Jeep, bereit für die Safari und wieder mampft ein Elefant direkt neben uns Zweige vom Baum. So friedlich. Leider sehen wir keine Leoparden auf unserer Safari, aber so ist es eben.

im Yala National Park


Nach dem Zmorgen fahren wir dem Meer entlang nach Tangalle, unserer zweitletzten Destination. Wir wohnen wieder ganz anders, in kleinen Cabanas und geniessen das Strandleben. Am Mittag essen wir jeweils frischen grillierten Fisch, mit den Füssen im Sand.

Nach zwei Nächten packen wir zum zweitletzten Mal die Koffer für die Etappe nach Unawatuna, strandmässig unser Lieblingsort von Sri Lanka. Hier kann man das ganze Jahr schwimmen, es gibt keine gefährlichen Strömungen und bei diesen relativ kleinen Wellen wagt sich sogar Tirs ins Meer…

Vier Tage hängen wir ab im paradiesischen „Secret Garden“ und erholen uns von den Reisestrapazen. Wir bädelen im lauwarmen Meer, und ein paar von uns holen sich spätestens hier ihren Touristen-Sonnenbrand. Wie überall auf der Insel gibt es auch hier frische Fruchtsäfte, dazu ein leckerer Tandoori Chicken-Wrap im „Kingfisher“-Resto (oder beides?) danach auf den Riesenkissen nebenan abhängen und Hochglanzheftli lesen, einfach herrlich. Einmal machen wir einen Ausflug nach Galle, wo wir durch das Fort lustwandeln und die kolonialen Überbleibsel der Portugiesen und Holländer bestaunen. Zum krönenden Abschluss gönnen wir uns High-Tea an meinem absoluten Lieblingsplätzchen, auf der Veranda des Hotels Amangalla. Unvergesslich. Am 8. Januar reisen wir wieder zurück nach Colombo. Unterwegs besuchen wir eine Schildkrötenfarm und machen einen Stopp bei Walti in Bentota. Am nächsten Tag, also dem Rückreisetag unseres Reisegrüppchen gilts noch die letzten Souvenirs zu posten, im Sena-Gem vorbeizuschauen und zu packen. Dann wie üblich ein tränenreicher Abschied, oder eben der „Wasserfall“. Ich gewöhne mich eben nie dran, mich wieder für längere Zeit von meinen Lieben zu trennen, es fägt einfach nicht. Alles gut gegangen, niemand ist ernsthaft krank geworden, und dafür bin ich dankbar. Ich bin überzeugt, dass unsere Familie einen guten Eindruck von unserem vielseitigen Gastland gewonnen hat. Repräsentativ war es nicht ganz, dazu fehlte der alltägliche Ärger wie der Lärm und das Puff auf den Strassen, das grobe Miteinander hier, das ewige Gefeilsche mit Tuktuk-Fahrern usw. Nun freu ich mich drauf, meinen Teil Bett wieder für mich zu haben. Und auf den nächsten Besuch natürlich.


Kreuzfahrt und Shop-over in Singapore

Posted on 24 November 2009 at 9:16 PM - 0 Comments - Post Comment - Link


Vor zwei Wochen sind wir zurück gekommen aus unseren Herbstferien.

Super wars. Am 1. November gehts mitten in der Nacht los Richtung Singapore. Mit null Schlaf in den Gliedern und zwei schlecht gelaunten Kindern im Schlepptau können wir am Mittag endlich einchecken auf unser Schiff „SuperStar Virgo“. Auf Deck 8 sind wir in einer 4er-Kabine mit Fenster untergebracht. Recht eng das ganze, aber es ist wunderbarerweise alles vorhanden.

Wir haben eine 5tägige Kreuzfahrt gebucht, die uns durch die „Straits of Malacca“ zuerst nach Penang, Malaysia, dann nach Phuket Island in Thailand führt. Nach 3 Tagen geht’s zurück nach Singapore, wo man von Bord kann und sich z.B. in den chicen Läden am Hafen austobt, bis man wieder losfährt. Danach geht’s weiter in dieselbe Richtung nach Malacca und Kuala Lumpur in Malaysia. So kann der Kunde sich sein Reisli beliebig zusammen stellen und wohl am einen oder anderen Ort länger verweilen, bevor er wieder an Bord kommt. Soviel zur Route.

 

Pünktlich wie eine Schweizer Kirchenuhr kreuzen wir am Nachmittag um 4 Uhr los, bei strahlendem Sonnenschein und Partymusik am Pool. Die Kinder – und die Eltern – stürzen sich gleich auf die 100m lange Wasserrutschbahn. Sehr vergnüglich. Die Freude über das schöne Wetter währt indes nicht lange, bald tauchen Wolken am Horizont auf, die uns fortan begleiten sollen. Ich habe irgendwie das völlig falsche gepackt, immer friere ich ein bisschen, weil die meisten Aktivitäten drinnen stattfinden und alle Räume auf gefühlte 10 Grad runtergekühlt sind. Mit Aktivitäten ist - was mich betrifft - vor allem das Essen gemeint, sei es Zmorge, Morning Tea, Mittagessen, Afternoon Tea oder Abendessen, es gibt nonstop zu futtern. Und dies erst noch recht gut. Das einzige was auch hier stört ist die Schlacht am Buffet. Manchmal lassen wir uns deswegen gerne auch in einem der anderen Restos bedienen. Am Abend gibt es professionelle Shows im „Lido“ und es kommt Zirkusfieber auf. Die Kinder liebens. Einzig dort spüren wir auch mal den Seegang unserer „SuperStar Virgo“. An Bord gibt’s auch einen tollen Kinder-Hütedienst, den wir ein paar Mal in Anspruch nehmen. Wir sind einmal mehr die einzigen Schweizer auf dem Schiff, dazu eine Handvoll Deutsche und zwei Frauen aus Aserbeidschan. Die meisten Passagiere kommen aus Indien, China, Singapur, Malaysia, oder Sri Lanka.

Am zweiten Tag machen wir einen Ausflug nach Phuket Island. Wir fahren mit dem Bus in den Norden der Insel. Von dort per Motorboot am Meer entlang bis zur James Bond Island. Auf dem Rückweg halten wir noch in einem Fischerdorf, das gänzlich auf dem Wasser erbaut wurde. Ich bin etwas enttäuscht von diesem Ausflug, wir erhalten wenig Informationen und fahren sehr viel. Alle sind wir erschöpft, als es endlich Zmittag gibt. Von dort fahren wir zurück und halten noch in einer riesigen Bijouterie. 40 Minuten Zeit zum Edelsteine posten. Für solche Entscheidungen reicht mir die Zeit nicht, deshalb hurtig ein paar Souvenirs gekauft und weiter. Den anderen Ausflug, den wir machen, ist noch enttäuschender. Wir gehen zwei Tage später in Port Klang von Bord und fahren mit dem Car eine Stunde bis nach Kuala Lumpur. Dort lädt der Chauffeur uns bei einem hässlichen Shopping Center aus, und der Guide verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Wir haben knapp 2 Stunden Zeit fürs Junk shopping, wie eine ältere Frau es nennt. Die beiden Buben machen das aber locker mit und zum Abschluss gibt’s kalte Schokolade in Jackie Chan’s Café. Dort lümmeln wir auf riesigen Ledersofas und dort verliert Lipsu zur Krönung des Tages noch seine Brille.

Wir beschliessen, uns für den verbleibenden Teil ganz auf das Bordleben zu konzentrieren und auf weitere Ausflüge zu verzichten. Die Schweinegrippe ist übrigens auch hier ein grosses Thema. Überall stehen Gütterli mit Desinfektionsmittel herum, von denen wir uns bedienen sollen. Auch beim Betreten des Schiffs werden wir von einem Fiebergerät durchleuchtet.

Nach 5 Tagen Kreuzfahrt haben wir genug gegessen und Lust auf festen Boden unter den Füssen. Die restlichen 3 Tage unserer Ferien verbringen wir in Singapur. An der Orchard Street, quasi die Champs-Elysées von Singapur, wohnen wir nobel im Hotel Pan Pacific.

Am ersten Abend holen wir uns überteuerte Leckereien vom Traiteur, dazu Schweizer Brot und essen vor dem Fernseher. Am nächsten Tag geht’s zivilisiert wieder weiter mit Frühstück vom Buffet und dann nichts wie los. Wir hoppen auf einen dieser Stadtbusse und steuern als nächstes Sentosa an, den Vergnügungspark von Singapur. Es gibt dort eine Unterwasserwelt mit exotischen Fischen, eine Delphinshow, eine Art Go-Kartbahn, Mövenpick-Glacé. Strandleben, usw. Wir geben in wenigen Stunden etwa gleich viel Geld aus wie für einen Tag Skifahren in der Schweiz. Aber wir amüsieren uns prächtig.

Den nächsten Tag verbringe ich shoppenderweise. Ich habs noch drauf. Fast sieben Stunden lang bin ich unterwegs. Ich investiere in eine franz. Handtasche – made in China – dafür ein Schnäppchen. Dann noch ausgiebig zu Zara. Ansonsten nur Luxus-Shops. Frau wird hart geprüft in dieser Stadt. An jeder Ecke Louis Vuitton, Chanel, Burberry etc. von allem sind gleich mehrere Filialen präsent. Die Frauen stöckeln in High-Heels, kurzen Minis und echte Gucci-Taschen schwingend durch die Strassen. Ich habe ein schreckliches 80er-Jahre-Flashback und stelle fest, dass uns Steghosen wieder erfreuen werden. Die Männer verbringen derweilen den Vormittag im Zoo und den Nachmittag, wer hätte es gedacht, nochmals in Sentosa. Am letzten Tag kaufen wir noch ein wenig für die Kinder ein und können fast nicht aufhören mit lädelen. Kurz vor Abflug decken wir uns in der Schweizer-Metzg noch mit Wienerli, Zweifelchips und Thomi-Mayo ein. Kurz vor Mitternacht landen wir wieder sicher im regnerischen Colombo. Nächstes Jahr sollte Disneyland fertig erstellt sein. Singapore, we shall be back!


Der koloniale (Alp-?) Traum, Teil II

Posted on 15 May 2009 at 5:27 PM - 0 Comments - Post Comment - Link

  

Nochmals zurück zum Tag X, also Einzugstermin Nr. 2. Ich stehe also im unfertigen und total unsauberen Haus, als die Zügelmänner erklären: „we’re done, we are leaving now“. Es wird klar, dass wir so nicht wohnen können, und wir ziehen für ein paar Tage ins Haus von Markus, Lipsus Chef. Von dort weiter - mal wieder ins Hotel Hilton Residence. Dort kennt man uns noch, und wir werden herzlich empfangen. Ubrigens: der Zimmerservice hat neuerdings japanische Menus im Programm. Elies 6. Geburtstag findet auch hier statt. Wenigstens kommen sie fast alle, seine Gspändli, und er kriegt einen schönen Spiderman-Kuchen. Sein Geschenk befindet sich leider genauso in den Kisten wie sein Schulsack. Deswegen bekommt er in der Schule noch beinahe einen „black star“. Unseren Schreiner, der uns Monate vorher ein sehr schönes Bett gezimmert hat, ist mittlerweile mit der 2. Renovation beauftragt, und bessert aus, so gut er kann. Was durch die Möbel, die ja immer noch überall im Haus rumstehen, nicht unbedingt erleichtert wird. Es ist soweit. Wir packen wieder die Koffer. Zwischen Auschecken und am neuen Ort einziehen muss ich noch schnell mit Noé wegen einer Entzündung und einem Pilz im Ohr (!) notfallmässig zum Arzt. Dabei ramme ich im Spital mit unserem Auto ein kleines Strassenschild. Es soll nicht das letzte Mal sein in diesem Monat. Es läuft wirklich alles super. Mein Vater, der zu dieser Zeit auf Besuch kommt und voller Tatendrang ist fürs Zügeln, kommt erst gegen Ende seines Aufenthalts zum Einsatz mit Bildern aufhängen.

Da wir unsere Küche noch nicht benutzen können, lernen wir alle Restaurants der Umgebung, die take-away anbieten, in Kürze kennen. Hingehen mögen wir des Abends nirgendwo mehr. Woher die Energie nehmen? Dazu hätte man sich ja zuerst noch duschen und wieder herrichten müssen. Auch die Kinder sind so kurz vor den Ferien mehr als müde und zu keinerlei solchen Taten aufgelegt. Am Vorabend unserer Reise, die uns ins Hochland, Nationalpark und Regenwald führen soll, weihen wir mit Rapauds unsere Veranda ein. Währenddem wir uns erschöpft von all der Hin- und Herzüglerei und in ferienhafter Vorfreude dem Weisswein hingeben, zieht ein Gewitter auf. Es entlädt sich dann heftigst über Colombo, auch durch unser - ich zitiere erneut: „one hundred per cent waterproof“ - Ende des Zitats, Dach hindurch. Die Kinder jagen mich durch das ganze Haus und schreien wild durcheinander, wo es überall reinregnet. Ich mit Weinglas in der einen, Duschtücher in der anderen Hand weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich entscheide mich fürs Weitertrinken. Ein Lob auf die Saugfähigkeit von Migros-Duschtüchern. Schlecht gepackt und ebenso lausig vorbereitet reisen wir am nächsten Morgen viel zu spät ab. Daheim bleiben unter anderem Fotoapparat und Lonely Planet, weil wir die Sachen einfach nicht finden in unserem Puff. Nur schrittweise kommen wir voran durch den Samstags-Stau. Irgendwann gegen Mittag, in der Nähe von Radnapura steigt plötzlich die Klimaanlage aus. Kommt es da sehr überraschend, dass der Motor überheizt und wir wenig später das Auto abschleppen lassen? Wohlverstanden an einer poya, also einem dieser Vollmond-Feiertage in Sri Lanka. Dafür haben wir jetzt einen Van mit Fahrer. Die ganze Chose hätte einfach viel günstiger bereits ab Colombo stattfinden können und gibt erneut Anlass zu zickigen Kommentaren (Frau) und entsprechenden Antworten (Mann). Auf unserer Reise übernachten wir noch eine  Nacht im Adventure park Ella, was besser tönt als es ist. Ohne Strom, knapp ein Dach über dem Kopf, Anreise nur im Jeep möglich, bin ich der Natur näher, als ich mir dies gewünscht hätte. An unserem letzten Spot in Talalla, ganz im Süden der Insel, gedenken wir die Reise mit ein paar Badetagen abzurunden. Der Genuss wird dadurch gemindert, dass ich völlig von den Sandfliegen gefressen werde. Tagelang hält der Juckreiz an. Daheim werden die Stiche merkwürdigerweise mehr, nicht weniger. Über 50 zähle ich am rechten Bein und dies obwohl ich uns regelmässig mit Antibrumm einspraye. Halbstündiges ekstatisches Kratzen wird zu meinem Einschlafritual.

Bis plötzlich Lipsu den Beweis antritt und in unserer Matratze einen „bug“ findet. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich den Rest der Nacht verbracht habe. Meine neue Mission, eine Matratze zu kaufen, gehe ich am nächsten Tag an. Never a dull moment in Colombo! 

der künftige landscaped garden


Der koloniale (Alp?-)Traum

Posted on 29 April 2009 at 9:42 AM - 0 Comments - Post Comment - Link

Wie ich schon am Anfang meines blogs den Eindruck hatte, dass man in Kolonialhäusern viel Ärger hat, kann ich jetzt nur bestätigen: ja, der Schein trügt nicht. Aber alles der Reihe nach:

Wir entdecken also dieses wunderschöne alte Bungalow, einstöckig, hohe Decken, luftig mit grossen Zimmern. Der grosszügige Garten hat einen alten Cashewnut-Baum zum Klettern für die Jungs, und das Kernstück des Hauses, die riesige Veranda, schützt vor Regen und Sonne und bietet sich an für lauschige Abende draussen. Das Haus liegt in Colpetty, der richtigen Gegend von Colombo, unweit von Restos, Meer und Einkauf. Der bekannte hiesige Autor Ashok Ferrey hat sogar ein Buch über die Leute hier geschrieben: Colpetty people.  Soweit so gut: bei der ersten Hausbesichtigung wird klar, dass wir das Haus, wie es ist, so nicht mieten können. Von den 4 Bädern ist eines nur den 7 Katzen des Hauses gewidmet. Und man riecht und sieht es. So ist das hier. Zu etwas Sorge tragen ist ein Fremdwort. Wir werden uns einig punkto Mietzins und Bedingungen. Und versprochen wird uns vollmundig die Luxusvariante der Renovation...  ich will hier niemanden mit Details langweilen. Der Einzugstermin rückt - "don't worry" - näher, und das Haus ist fern von einzugsbereit. Der erste Umzugstermin verstreicht. Eine Woche später zügeln wir.  In ein unfertiges Haus.

Mein persönlicher Lacher war, dass man den ganzen Bauschutt von ca. 200 m2 Beton im Garten auftürmte, zusammen mit anderem Abfall. Wir haben ja keine Ahnung. Da kommt natürlich Erde drauf, und das ganze ergibt dann einen "landscaped garden". Der Hammer, oder. Und wenn man unseren bereits gelandscapten garden so anschaut, wird einem klar, dass das Haus schon die eine oder andere patchwork-Renovation durchgemacht hat.

Man weiss ja, dass ein Haus zu bauen, ein schwerer Prüfstein für jede Ehe ist. Eine Renovation in Colombo kann damit locker mithalten. Das eine oder andere Mal sind bei uns die Fetzen geflogen. Diesen Monat feiern wir trotzdem unseren 9. Hochzeitstag.

Was ist sonst noch schief gelaufen im neuen Haus? Meine schöne Lederjacke und meine geliebten Patrick Cox-Schuhe haben eine Pilzkultur entwickelt ob all der Feuchtigkeit. Zusatzfrage: Wieso braucht jemand in Colombo eine Lederjacke?


Alltag

Posted on 11 March 2009 at 12:16 PM - 0 Comments - Post Comment - Link

Ja, es ist richtig, dass mein letzter Eintrag vom November stammt. Das tat weh, Ed und Rebekka, sehr weh.
Ich kann mir die stiefmütterliche Behandlung meines Blogs nur damit erklären, dass sich für unsere ganze Familie seither ein gewisser Alltag in Colombo eingestellt hat.
Ich bringe die Kinder in die Schule, danach gehe ich ins Gym, fahre eine Runde Rad oder arbeite sonst an meinem zu stählenden Körper. Die Kondition hat sich fei echly eingestellt, hingegen Muskeln wollen sich partout noch keine zeigen. In Ergänzung zum Muskelaufbau à la Madonna arbeite ich auch an meiner Beweglichkeit. Regelmässig gehe ich zu Judith ins Yoga. Da hingegen habe ich sehr rasch Fortschritte bemerkt. Mein Ziel, bis Juni wieder den Boden berühren zu können, (was ich ja schon seit 2 Jahrzehnten nicht mehr fertig brachte) habe ich bereits im Februar erreicht. Dann gehe ich manchmal einkaufen, entweder in den Supermarkt oder auf den Kolpetty Markt für Früchte und Gemüse. Manchmal statte ich auch dem „Gandara“, meinem Lieblings-Möbelladen einen Besuch ab. Schauen, was es Neues gibt. Die Möbel kommen hauptsächlich aus Indien, China, Tibet, Vietnam und auch Sri Lanka. Einfach super. Ich halte mich im Zaume, schliesslich passen die Sachen in der Schweiz dann kaum irgendwo in eine Wohnung rein. Bevor ich schon wieder die Buben abholen muss, koche ich manchmal oder erledige administratives. Hin und wieder erlaube ich mir sogar eine blaue Stunde im „coffee bean“ und lese Zeitung. Im „Coffee Bean“ gibts die allerfeinsten Scones, Bagels und sonstigen Schweinereien. Womit sich dann der Kreis wieder schliesst mit dem Gang zum Gym am nächsten Tag...
In der letzten Zeit war ich auch sehr damit beschäftigt, für uns ein neues Haus zu suchen. Schliesslich wurden wir fündig, ganz alleine, ohne Agent. Per Internet habe ich unser Kolonialhaus gefunden. Es ist mitten in der Stadt, ruhig gelegen, nächst Restos, Einkauf etc.
Nächstes Wochenende sollten wir einziehen. Es gab wie vorauszusehen, eine kleine Verzögerung bei der Renovation des Hauses. Sie ist also noch immer in vollem Gange. Während der Arbeiten habe ich auch per Zufall gemerkt, dass es in der Küche gar kein heisses Wasser gab. Hier lässt man ja abwaschen, ergo spielt es wohl auch keine Rolle. Dasselbe gilt übrigens für Geschirrspüler. Quasi inexistent. Alle Missverständnisse sind nun geklärt, und unsere Sachen sind in fast vollständig in Boxen und bereit zum Zügeln. Mal wieder.
Hier noch die letzten Meldungen aus dem Tierreich: vor etwa einem Monat will ich als Gutherzige den piepsenden Vögeli im Garten ein paar Brosamen hinwerfen, da sehe ich aus dem Augenwinkel etwas kleines schwarzes daherschlängeln. Unsere beherzten Wachleute haben die Viper dann „aus dem Verkehr geräumt“. Als unsere Hausangestellte kürzlich beim Babysitten nach unten kam, sass unser „Hausaffe“ frech auf dem Esstisch. Kurz darauf erfreute er uns dann auch wieder mal mit einem Gagu. Alles beim alten also.
 

Zur Schule gehen in Colombo

Posted on 26 November 2008 at 9:30 AM - 1 Comments - Post Comment - Link

Das "Gehen" im Titel ist nicht wörtlich gemeint. Selbstverständlich geht hier überhaupt niemand; die Kinder werden alle gefahren. Die LehrerInnen in der Schweiz würden sich darob die Haare raufen, wo doch heute jedes Kind weiss, dass die wichtigsten sozialen Kontakte gerade auf dem Weg zur Schule zustande kommen. Aus dem Auto entdecken wir in Colombo dafür manchmal Warane, die im Fluss schwimmen oder Papageien auf den Bäumen. Manchmal hingegen stecken wir ganz unglamourös im Stau. Nämlich dann, wenn einer der über hundert Minister mit Polizei-Eskorte (Gewehre im Anschlag) ganz schnell zu seiner ganz wichtigen Arbeitsstelle gefahren wird.

Unsere Buben gehen in die Colombo International School, Noé in Year 2, das entspricht in der Schweiz der 2. Klasse; Elie in die Reception Class, was bei uns der 2. Kindergarten wäre. Der kleinere, Elie, lernt jetzt schon zu schreiben und zu lesen. Obwohl es ihn noch nicht brennend zu interessieren scheint. Man fängt hier früher an als bei uns. Beide Buben gehen  recht gerne zur Schule und haben auch Freunde gefunden. Der Schulalltag dünkt mich recht anstrengend mit sehr viel Hausaufgaben. Dazu kommen Projekte wie z.B. ein kleines Buch schreiben. Da lob ich mir die 20 min. Blitzrechnen bei Frau Moser in der ersten Klasse der Spitalackerschule. Die Kinder sprechen nach drei Monaten Schule schon ganz passabel englisch, es ist eine wahre Freude. Und wenn man sie etwas fragt, wackeln sie wie die Einheimischen mit dem Kopf. Sofern ich dies beurteilen kann, strebt man an der Colombo International School ganz klar eine akademische Karriere an. Die Schüler lernen von ganz kleinen Kindesbeinen an, vor Leuten zu stehen und etwas aufzuführen oder aufzusagen. Das ganze nennt sich Assembly. Diese Shows sieht sich immer auch der Schulrektor an, der dann jeweils ein paar lobende Worte für die Schüler bereit hält. Bei einer der ersten Vorführungen "machte ich einen Wasserfall" (Zitat Kinder), so rührend waren die Grööggle auf der Bühne. Und inmitten all dieser dunkelhaarigen: unsere beiden blonden Spätzlis. Als weitere Fächer stehen auf dem Stundenplan auch französisch, singhalesisch und Drama. Was daneben zu kurz kommt,  ist p.e. also die physical education, sprich Turnen. Dabei springt man ein bisschen staffettenmässig auf dem Hof rum. Es gibt an den internationalen Schulen sehr viele übergewichtige Kinder und solche, die kaum richtig gehen können. Ernährungsberater aus aller Welt würden sich hintersinnen, auch über das Snack-Angebot in der Schule: von fishbuns über Schoggi-Eclairs ist alles dabei, Hauptsache nichts Fruchtiges. Die Lehrerinnen an der Unterstufe sind sehr herzlich im Umgang mit den Kindern und machen einen richtig guten Job. Im Gegensatz zu Europa, wird hier einem Lehrer oder einer Lehrerin aber auch viel Respekt entgegengebracht und nicht dreingeredet. Am Morgen stehen die kleinen 6Jährigen auf zur Begrüssung: good morning teacher. Das könnte man ganz gut bei uns wieder einführen, finde ich. Alle StudentInnen an der CIS haben Uniformen zu tragen, die Kleinen T-Shirt und Shorts in rot-weiss, die grösseren ein beiges Outfit. Teenager-Girls dürfen kein Make-up oder Nagellack tragen; unrasierte Jünglinge werden nach Hause geschickt zum rasieren. Alles ist klar festgelegt und lässt keinen Spielraum für persönliche Interpretationen offen... 

Was hier schwierig ist, ist der Kontakt zu anderen Kindern ausserhalb der Schulzeit. Den meisten Schülern werden noch zusätzliche Aktivitäten oder Nachhilfe aufgehalst, so dass kaum Zeit bleibt, mit Gleichaltrigen zusammen zu kommen oder sich mal ordentlich zu langweilen. Wenn man Lust hat zum draussen spielen, kann man nicht einfach zum Nachbarsbub Fabian klingeln gehen. Sondern dies zieht eine organisatorische Übung vom feinsten mit sich. Geburtstags-Feste finden vornehmlich im Mac-Do oder im Pizza Hut statt. Meist wird dazu die ganze Klasse eingeladen, und das Geburtstagskind ist jeweils heillos überfordert. Die Schenkerei wird noch viel mehr auf die Spitze getrieben als bei uns.  Alle übertrumpfen einander gegenseitig, und Geld ist kein Thema.


Von Schlangen, Waranen und Affen

Posted on 11 November 2008 at 10:59 AM - 0 Comments - Post Comment - Link

Noé und Elie mit dem einzigen Haustier, das Mami z.Zt. erlaubt

Heute mal ein paar Erlebnisse, aus der Tierwelt: 
In Sri Lanka gibt es nebst  Elefanten selbstverständlich eine Vielzahl an anderen interessanten Tieren. Es hat  zahlreiche wunderschöne Vögel, Ornithologen aus aller Welt hätten ihre wahre Freude an ihnen. Auch da wo wir wohnen, gibts einige Prachtsexemplare zu beobachten. Für unsere Kinder viel eindrücklicher ist alles, was gefährlich ist, gross und/oder beisst. Dies gilt mal für die Warane, von denen man hier sicher einmal am Tag einen antrifft. Sie leben meistens im Wasser und sind sicher 2m lang. Vor einiger Zeit sahen wir einen dieser Monitors zu Lande. Er lag völlig unbeweglich da, während mehr als 24 Stunden. Daheim schon ein Drama mit den Kindern, weil er sehr tot aussah, und wir errichteten in unserem Garten ein kleines Kreuz, um seiner zu gedenken. Plötzlich war der Monitor weg. Ich hab mir sagen lassen, dass diese Riesenechsen, wenn sie z.B. eine giftige Schlange gegessen haben, sich erst mal erholen müssen von dem ganzen Verdauungsprozedere. Es empfiehlt sich in keinem Fall, einem dieser Viecher nahe zu treten, denn sie schlagen einem mit dem messerscharfen Schwanz und sind blitzschnell. Wissen wir alles aus "animal planet". A propos Schlange: von dieser Spezies hatten wir auch schon zwei im Garten. Es geht die Legende, wenn man eine totschlägt, kriegt man sieben weitere davon. So geschehen bei einer englischen Bekannten.

Auch sehr eindrücklich sind die Flughunde, vor allem wenn sie zu tausenden in den Parks kopfüber in den Bäumen hängen.

Leider sind unsere Kummerbuben-Fische (also: Männdu, Hänsu, Fredi, Fritzli, Peterli und Pöili) letztes Wochenende unter sehr mysteriösen Umständen verstorben. Ein letzter Fisch (Jöggu?) konnte gerettet werden und wurde im Fluss ausgesetzt. Nun haben wir einen trockengelegten Tümpel im Haus.

Ein weiteres Tier, das wir zusammen mit dem Haus übernommen haben, ist unsere Schildkröte. Ich habe beschlossen, dass es ein Weibchen ist, und die Kinder nennen sie Lisa. Lisa frisst einfach ein bisschen Gras und ist ansonsten sehr bescheiden im Unterhalt. Und lebt lange. Das perfekte Haustier eben.

Dann ist da noch der herzige Baby-Affe, der regelmässig Gast bei uns ist. Seit Anfang kommt er alle paar Tage, manchmal mehrmals täglich bei uns vorbei. Leider haben wir einmal den Fehler gemacht, ihm eine Banane zuzuwerfen. Das soll man ja unter keinen Umständen je tun. Very dangerous. Die ganze Zeit ist nichts passiert, nun vorletzte Nacht dann der Hammer. Als der Lipsu in die Küche kam am Morgen, entdeckte er einen nicht identifizierbaren Gagu am Boden. An Ratten-Exkremente überall in der Wohnung sind wir ja bereits gewöhnt, aber das war echt das Toupet. Den definitiven Beweis hatten wir dann, als wir die Bananenschinti auf dem Tisch bemerkten. Die Früchteschale war - mind you - mit einer Fliegenglocke zugedeckt. Somit wurde der Affe leider zur persona non grata, und wir lassen das Haus bis oben hin mit einem Gitter zumachen. Damit schlagen wir dann auch gleich zwei Fliegen auf einen Streich, und die Ratten werden hoffentlich weniger. Ist ein Seich, wenn man auf nüchternen Magen als erstes eine gefangene Ratte mit dem Golfschläger totschlagen muss. Natürlich nicht ich; ich muss Tee kochen am Morgen. Kürzlich hat sich leider ein Eichhörnchen auf den Leim der Rattenfalle verirrt. Aber das hat unser Fahrer dann in einer aufwändigen Befreiungsaktion und mithilfe der Kinder retten können. Es braucht übrigens niemand gleich den Tierschutz zu rufen, wir sind im Grunde anständige Menschen. Einfach unser Haus möchten wir nicht mit Ratten, Kakerlaken und so weiter teilen.

 


die ersten Ferien in Sri Lanka

Posted on 26 October 2008 at 8:49 PM - 0 Comments - Post Comment - Link

Noé und Elie am Strand von Unawatuna

Zwischen dem 19. und 26. Oktober haben die Buben eine Woche Schulferien, sogenannte Half-Term, also Halbzeit bis zum nächsten Trimester. Wir beschliessen, diese Woche am Meer zu verbringen. Am Sonntag fahren wir mit wenig Gepäck los. Man braucht ja hier wirklich nicht viel. Alle warmen Pullis, Jeans, Stögelischuhe sind tief im Schrank verstaut. Dafür sind Sonnencrème mit sehr hohem Schutzfaktor und Anti-Mückenspray angesagt.

Am Sonntag fahren wir los Richtung Galle, also südwärts. Wenn man es einmal auf die sogenannte Duplication Road geschafft hat, ist es ein Kinderspiel und man fährt eigentlich immer dem Meer und der Nase entlang. Mit der Strassenbenamsung ist es hier so eine Sache. Die Duplication Road zum Beispiel heisst eigentlich gar nicht so, sondern R.A. de Mel Mawatha. Und die Baseline Road heisst eigentlich Elvetigala Mawatta. Logisch, oder ? Leider sind nie beide Namen auf der Strassenkarte markiert, so dass Anfängerinnen wie ich immer wieder reinfallen. Dies muss eine der sri lankischen Eigenheiten sein. Nach 2 Stunden Fahrt (für ca. 80 km...) fangen wir an, die Hotels abzuklopfen gemäss unseren Reisebücher-Empfehlungen. Ich komme mir vor wie in 1991, als ich für ein Reisebüro arbeitete und auf Studienreisen unterwegs war. Die Situation im Lande ist bekanntlich nicht rosig, und umso weniger Touristen hats im Moment. Nun ist es aber nicht so, dass die Hoteliers etwa weniger verlangen, sondern eher mehr. Wir wären in manchen Hotels die einzigen Gäste, was uns dann doch zu trist ist. Schliesslich landen wir im Unawatuna Beach Resort, einem einfachen Hotel mit Pool und direkt am Meer. Das Meer ist angenehm warm, aber gebährdet sich wild und wellig. Nicht zu unterschätzen sind auch die Strömungen. Deshalb sollte man sich wirklich nur als sehr gute SchwimmerIn ins Meer trauen. In Unawatuna finden wir eine ruhige Stelle, wo auch ich mich reintraue.

Mit dem Wetter haben wir in dieser Woche ein kleines bisschen Pech. Fast jeden Tag schüttet es runter, dass es kein Erbarmen hat; manchmal während einer halben Stunde, manchmal länger. Es reicht allemal für ein paar Überschwemmungen im ganzen Land.

Deshalb entschliessen wir uns, die andere Hälfte der Woche in Bentota zu verbringen, anstatt noch weiter der Westküste entlang zu fahren, wo es angeblich viel Wasser auf der Strasse hat.  Wir checken also bei Walti ins Ayubowan ein und geniessen nochmals ein paar Tage Sonne, bädele und feines Essen. Dank des Regens ist es auch nicht mehr so heiss, so dass wir gut ohne Klimaanlage auskommen. Am Wochenende gesellen sich noch Freunde dazu mit ihren beiden Mädchen, und es ist richtig zfriede und gemütlich.

Tiere sehen wir wieder einige: zum einen taucht ab und an das Köpfchen einer Wasserschildkröte aus den Wellen auf, dann schlängelt sich eine Schlange am Strand entlang - not dangerous - gemäss den Einheimischen. In der Nähe von Bentota besuchen wir eine Turtle-Hatchery, ein Rettungsprojekt für Wasserschildkröten. Dort schwimmen in verschiedenen Becken winzig kleine Wasserschildkröten. Im einen Becken sind sie einen Tag alt, im andern paddeln die 2 Tage alten. Allerliebst. Nach drei Tagen werden sie im Meer ausgesetzt. Ausser die alten, riesigen, verletzten Schildkröten. Die bleiben immer dort. Jeder, der ein Ei am Strand findet, kann dies in die Hatchery bringen und bekommt dafür ein paar Rupien. So will man versuchen, die Schildkröten zu retten. Eine sympathische Sache.

Nach dieser Woche sind wir bereit, unseren Alltag in Colombo wieder in Angriff zu nehmen und freuen uns schon fast drauf. Unter anderem auf den iced coffee im "coffee bean", der mir in der Tat fehlte.

 

 


Im neuen Haus

Posted on 17 September 2008 at 10:20 AM - 0 Comments - Post Comment - Link

die Familie im Garten



Am 9. September ziehen wir ein in unser Haus am Golfplatz in einer der ruhigsten Ecken Colombos. Für diejenigen, die gerne den schweizerisch-srilankischen Postweg auf die Probe stellen möchten, hier unsere offizielle Wohnadresse: 188/2 Lake Drive, Colombo 8, Sri Lanka.  Die Telefonnummer aus der Schweiz lautet 0094 11 267 40 08. Leider können wir immer noch nicht ins Ausland telefonieren. Lange Geschichte.

Die Suche nach der optimalen Bleibe für Familie Beutler Rieben war nicht leicht. Wir haben sehr viele schöne Häuser angeschaut. Eines wäre toll gewesen, mit Pool, stand aber leider am falschen Ort. Je nachdem wo man wohnt, steckt man dann die ganze Zeit im Stau. Ein anderes Haus war brandneu, am richtigen Ort, aber schlussemment zu klein mit zu wenig Stauraum für uns. Den Traum vom Haus im Kolonialstil mussten wir leider begraben. Zu viel Ärger wäre vorprogrammiert gewesen. In einem dieser wunderbaren Gebäuden regnete es grad rein, als wir auf Besichtigungstour waren. Zum Glück. Ich studiere noch immer an jenem mosaikgefliesten Badezimmer herum. Auch in unserem Haus, das Mitte Neunziger Jahre gebaut wurde (aber nach Achtziger ausschaut) gibt es immer etwas, das kaputt ist. Schon zweimal war ein Mann hier, um die gleiche Toilette zu flicken.

Wir haben uns dann für eine schweizerische Kompromisslösung entschieden. Für eben dieses Haus am Lake Drive, sehr ruhig gelegen, neben dem Golfplatz, voll in der Natur und doch nahe von Schule und Einkauf. Unser Haus besteht aus 3 Stöcken: zuunterst der Wohnbereich mit zwei (!) Küchen oder pantries, wie man hier sagt. Dies ist üblich in Sri Lanka wegen der Gerüche. In der einen Küche kocht man, in der anderen richtet man an. Vom Living geht es raus in einen relativ grossen Garten, der wiederum durch eine hohe Mauer abgetrennt ist von den Nachbarsgrundstücken. Ebenfalls im Parterre gibt es ein Gästezimmer mit Bad.

Im ersten Stock dann unser Reich: das Kinderschlafzimmer, Spielzimmer, nochmals ein Wohnzimmer und der Master-Bedroom mit meinem persönlichen Highlight: einem walk-in-closet. Dieses sieht ziemlich abgewiedelt aus, aber egal. Ich habe eine begehbare Garderobe. Überall gibt es kleine Balkone, und das Haus ist wirklich gross. Hinzu kommt noch ein roof-top, also eine Terrasse auf dem Dach. Meistens ist es jedoch zu heiss, um sie zu gebrauchen. Trotzdem nice to have.

In Sri Lanka ist es üblich, Hauspersonal anzustellen. Bei uns sind dies Ira, die uns beim Kochen und Putzen hilft. Sie liebt die Kinder und vice versa. Ausserdem Lalindra, der Fahrer und zugleich gelernter Elektriker ist. Sein Job ist es im Moment z.B. auch, zusätzliche Ventilatoren zu installieren. Ich darf übrigens stolz vermelden, dass wir in Colombo auch selber Auto fahren, inzwischen schon recht versiert. Ich verfahre mich zwar regelmässig, aber gewisse Routen habe ich voll im Griff. Wir haben ausserdem einen Gärtner, der einmal in der Woche zum rechten schaut. Dazu kommen zwei Wachmänner, die sich ablösen. Alleine sind wir also nie, und das macht mir manchmal Mühe.

Denkt jetzt bitte nicht, ich hätte nichts mehr zu tun. So ist es leider nicht; obschon ich mir dies in Bern so vorgestellt habe. Tatsache ist, dass die Tage auch hier zu kurz sind. Ich bin immer irgend etwas am nüderen, versuche unseren Papierkram in Ordnung zu bringen, kaufe ein oder bringe und hole die Kinder und mache Hausaufgaben mit ihnen.

Des Abends sinken wir meistens um 10 Uhr hundemüde in die Federn und schlafen sofort ein. Das tropische Klima schafft uns total. Wohlverstanden, die Kälte fehlt mir überhaupt nicht. Der Rhythmus hat sich einfach geändert: früh raus und wieder früh "ungere". 

 


Umzug

Posted on 30 July 2008 at 12:30 AM - 0 Comments - Post Comment - Link

Noé und Élie mit unserer Seefracht

Am 25. Juli ist es soweit: die meisten unserer Habseligkeiten sind verpackt und im Container. Was noch vor ein paar Tagen in scheinbarer Ferne lag, nimmt definitiv Formen an. Die Wohnung ist leer, und es gibt kein Zurück mehr. Ich verdrücke mal wieder ein paar Tränen. Heute wird unsere Fracht via Basel nach Rotterdam geschickt. Spätestens dort kommt der Container auf ein Schiff und wird, über verschiedene Meere schaukelnd, hoffentlich in nützlicher Frist in Colombo eintreffen.
Wenig später stelle ich bereits fest, dass einiges, was eigentlich mit meinem Reisekoffer nach Sri Lanka hätte gehen sollen, natürlich in die Seefracht gelangt ist. Unter anderem - und hier kommt das erste Geständnis - meine neuen Croc's. Ja, ich gehöre jetzt auch zu denen, schlussemment aus praktischen Gründen. Ausserdem kennt mich hier niemand.
Wir nehmen in diesen Tagen von all unseren Liebsten Abschied, und es fällt mir sehr schwer, mich vor allem von meinem neu geborenen Gotte-Bub Yaron zu trennen. So ein Knuddel-Baby. Alles in allem ein emotionales Rösslispiel. Zwei Tage später sinken wir in die Sitze der United Emirates und lassens uns gut gehen. Die Bedienung des Bordcomputers gibt mir nicht zum ersten Mal Rätsel auf...
Irgendwann am nächsten Morgen kommen wir nach einem Zwischenstopp in Dubai hier in Colombo an. Wir werden sehr herzlich von den künftigen Arbeitskollegen von Lipsu empfangen und zum Hilton Hotel begleitet. 
Die ersten Tage verbringen wir am Pool und mit Angewöhnen an Klima und Zeitverschiebung (+ 3 1/2 Std.). Am zweiten Abend findet bereits eine Sause beim Chef von Lipsu statt. Mit vielen netten Leuten, in einem lässigen Haus, mit cooler Musik.

Colombo ist eine sehr wuslige Stadt, lärmig, heiss, manchmal stinkig. Auf den ersten Blick geht einem nicht grad das Herz auf. Es braucht für alles ein bisschen länger hier. Eigentlich wie ich es von Moskau aus den 90ern kenne, einfach das ganze in wärmeren Gefilden. In diesen ersten Tagen starte ich auch meine persönliche Mission nach zuckerfreiem Kaugummi so wie nach Watte-Rondellen. Es gibt halt keine Migros und kein Coop. Man findet nichts einfach so "in one go". Und irgendwie müssen sich desperate swiss wives beschäftigen. Ich halte Euch auf dem Laufenden darüber, ob ich fündig werde.