Integrations-Politik

Imam-Ausbildung ?

Eintrag vom 23 July 2009 um 11:37

Kommentar zum Artikel  " Imam - Ausbildung " des Tagesanzeigers und vom Bund vom 23. Juli 2009

 

Im Artikel von Herrn von Burg wird anhand von einem Einzelfallschicksal der Stab über eine nicht homogene Gruppe gebrochen. Die vermeintlich gründliche Recherche des Autors ist bei näherem Hinsehen eher schwach.

 

Es ist nicht richtig, dass der Autor den – nicht nachvollziehbaren – Wunsch eines Vaters nach harter Bestrafung seines Sohnes (welcher zum Christentum konvertiert ist) in Verbindung zu Muslimen in der Schweiz bringt. Ich glaube, dass er kaum einen muslimischen Vater hier in der Schweiz findet, der auch solch einen Wunsch äussert. Zumal das Leben und die Moralvorstellungen eines Menschen irgendwo im kurdischen Irak nicht vergleichbar mit dem Leben hier in der Schweiz ist.

 

Mit besserer Recherche hätte der Autor erkannt, dass die überwiegende Anzahl von Muslimen in der Schweiz in ihren Moscheevereinen (nach schweizerischem Zivilgesetzbuch) aus dem Balkan und der Türkei stammen. Muslime aus diesen Gebieten leben ihre Religion und mit dieser zusammen ihre Traditionen unterschiedlicher aus als Muslime aus dem nahen Osten oder aus Schwarzafrika. Deshalb ist auch die Gruppe „Muslime“ so unterschiedlich.

 

Die Mehrheit der Imame aus der Türkei sind meist Menschen, welche in der Türkei Theologie studiert haben, also gebildete Menschen, die ganz bestimmt auch einen moderaten Islam predigen – weil der türkische Staat als laizistischer Staat die Ausbildung dementsprechend lenkt. Es stimmt deshalb auch nicht, dass diese Imame nur vorübergehend oder „Teilzeit“ hier sind und den Koran nur schlecht kennen würden.

 

Das Problem sehe ich aber dennoch. Diese Menschen, die für drei oder vier Jahre in die Schweiz kommen und hier die Religionsausbildung der Muslime – allen voran der Kinder – gewährleisten, anfänglich meist keinen wirklichen Bezug zur Schweiz haben. Die Sprache und die kulturelle Identität zur Heimat der Kinder welche hier geboren und aufwachsen fehlt. Und genau das ist erst recht ein Grund, die Ausbildung solche Religionslehrer hier zu ermöglichen.

 

Hat mancher Schweizer oder Schweizerin eine Vorstellung, wie Eltern reagieren, wenn ein Mädchen nach Hause kommt und sagt: „Mama, Papa…ich habe einen neuen Freund! Er ist Türke und Muslim“? Auch manche Schweizer Eltern haben Mühe, wenn die eigene Tochter oder Sohn mit einem Andersgläubigen zusammen ist und sich zu diese/r neuen Religion hingezogen fühlt – nicht nur moderate muslimische Eltern , wie der Autor vermitteln will.

 

Das Forum für einen fortschrittlichen Islam mag Ziele mit guter Absicht haben, dennoch kann so eine Gruppierung nicht für die vielen Tausend Muslimen, welche regelmässig beten, sei es in Moscheen oder privat bei sich zu Hause, sprechen. Der orthodoxe Islam stecke in einer Sackgasse wird Saida Keller-Messahli zitiert. Diese Aussage kann so nicht stehen gelassen werden, denn der Alltag und das Leben der Muslime in der Schweiz, welches ganz normal und konfliktfrei verläuft, widerlegt diese Aussage. Der Islam in Europa bekommt im Gegenteil immer mehr einen europäischen „Touch“ und wird irgendwann mal zu einem „europäischen“ Islam; weil eben auch die Kultur und die Tradition der Menschen in das religiöse Leben einfliesst.

 

Zum Schluss noch eine Anmerkung: in über 40 muslimischen Ländern wurden über 50'000 Muslime in Direktinterviews repräsentativ für die 1,3 Milliarden Muslime befragt. Diese Ergebnisse wurden in einem Buch verarbeitet das den Titel trägt: „Wer spricht für den Islam? Was eine Milliarde Muslime wirklich denken“. Diese Studie wurde vom renommierten amerikanischen Gallup Institut durchgeführt und es wurden ganz interessante Erkenntnisse gewonnen (http://www.gallup.com/consulting/worldpoll/26410/gallup-center-muslim-studies.aspx).

 

siehe auch:

 

www.chblog.ch/migrationspolitik/33833/Wie+Muslime+wirklich+denken.html

 

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