Whistleblower = Nestbeschmutzer?
Erstellt am 28 July 2010 at 08:02
Nein die deutsche Übersetzung für Whistleblower ist nicht Nestbeschmutzer. Obwohl die Wahrnehmung dieser so genannten Hinweisgeber oft einem Nestbeschmutzer gleichkommt. Ihre Geschichten sind oft tragische Geschichten und dies obwohl ihre mutigen Taten innerhalb der Wirtschaft zu mehr Ethik führen. Der wohl bekannteste Whistleblower der Schweiz war und ist ein gewisser Christoph Meili. Was auch immer sein Motiv war, Akten vor dem Schredder zu retten, es war im ethischen Sinne eine mutige und richtige Tat. Die Fortsetzung der Geschichte aber wird jeden potentiellen Whistleblower abschrecken. Von vielen als Nestbeschmutzer beschimpft, von anderen hoch gelobt, instrumentalisiert und danach fallen gelassen wie eine heisse Kartoffel. Zwischen Tisch und Stuhl gefallen. Kein Trost dürfte für Christoph Meili sein, dass er sein Schicksal mit vielen anderen Hinweisgebern teilt. Also lieber Klappe halten und sich dem System anpassen. Wenn sich das schlechte Gewissen meldet, sich vor Augen führen, dass man dieses Schicksal mit vielen anderen Personen teilt. Alle wollen mehr Ethik in der Wirtschaft, so lange diese den Profit nicht gefährdet, also nichts kostet. Es gibt viele sehr umstrittene Indikatoren, wie heute Ethik in der Wirtschaft gemessen wird. Ein wichtiger ist für mich, der Umgang der Volkswirtschaften und Gesellschaften mit Whistleblowern. Und es reicht nicht, zahnlose Gesetze zu verabschieden und die Hinweisgeber gleichzeitig zu ächten. Ich denke nicht, dass dies der Staat regeln kann, sondern diese Impulse müssen direkt aus der Gesellschaft kommen. Gibt es keine Whistleblower mehr, sind zwei Erklärungen möglich. Entweder die Unternehmen machen konsequent ihre Hausaufgaben oder das System der Angst und Profitgier hat die Ethik vollends im Würgegriff. Die Interpretation überlasse ich Ihnen.
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