Mongolia

Flucht zum Pferde

Eintrag vom 22 June 2007 um 04:27 in Ausflüge
Eine Siesta waere jetzt angebracht. Anstrengender Tag hinter mir, frueh aufgestanden, voller Bauch, und die Hitze hilft auch nicht gerade. In den letzten 3 Wochen war es, mit wenigen Ausnahmen, immer zwischen 26 und 36 Grad. Waere toll, wenn es denn Schwimmbaeder, Waelder und Wiesen gaebe, wo man sich hinflaezen und abkuehlen koennte. Statt dessen fliesst hier nur die Blechlawine stetig. Ich hab den Gestank satt. Nahm deshalb das Angebot einer Schweizerin, mit ihr reiten zu gehen, gerne an, kassierte einen meiner Freitage und fand mich am Treffpunkt ein.

Es kam, wie es kommen musste. Die Urgrossnichte des Fahrers war im Spital (DIE Ausrede schlechthin in der Mongolei – da Familie hier sehr wichtig ist, kann niemand was dagegen sagen, wenn man sich um laedierte Angehoerige kuemmert), deswegen war man nicht bereit und wir wurden Zeugen davon, wie Bestandteile zweier nigelnagelneuer Gers auf einen Lieferwagen gehievt und festgezurrt wurden. Mit einer Stunde Verspaetung und saemtlichen Familienmitgliedern an Bord ging es dann los. Ich freute mich schon darauf, beim Aufbau zuschauen zu koennen. Am Eingang zum Terelj-Nationalpark war dann aber erst mal Endstation. Die Bewilligung, sich in der geschuetzten Region nieder zu lassen, fehlte. Ich ahnte schon, dass es eine laengere Geschichte werden wuerde, und so machten wir zwei Schweizerinnen uns auf den Weg zum nahen Fluss. Der Hunger trieb uns etwa eine Stunde spaeter wieder zurueck. Wie erwartet war die Situation unveraendert, und zu allem Uebel auch noch das Restaurant geschlossen. Vor der sengenden Hitze fliehend verbrachten wir die naechsten Stunden im Schatten des Waerterhaeuschens, in Gesellschaft von drei dickbauchigen, stiernackigen Beamten in Wuestentarnkleidung und einem russisch anmutenden Uniformierten (gruen-blaue Augen). Waehrend meine Kollegin erst kurze Zeit in der Mongolei ist und folglich, typisch loesungsorientiert, eine Vorschlag zur Verbesserung unserer Situation machte, der natuerlich ignoriert wurde, hat mich der mongolische Lebensstil anscheinend doch schon etwas erfasst. Ich wartete naemlich einfach ergeben. Nach fuenf Stunden besann sich der Beamte dann eines Besseren und liess uns unter einer Bedingung weiterfahren. Mittlerweile waren wir schon ziemlich schlapp vor lauter Rumhaengen und wollten eigentlich nur noch nach Hause. Da das Erfuellen der Bedingung aber so oder so noch mindestens eine weitere Stunde dauern wuerde, bestiegen wir dann trotzdem noch unsere Pferde.

Die Touristengaeule sind meistens lahme Enten, wenn sie nicht von Natur aus geduldig und gutmuetig sind. Wenn man im Land der berittenen Krieger ist, muss man mindestens auch mal hoch zu Ross unterwegs sein – sieht ja nicht so schwierig aus. Die meisten werden dann schnell merken, dass es gute Gruende fuer Reitschulen gibt. Der Pferderuecken ist erstens nicht gerade bequem, wenn man da so unkontrolliert rumhopst, und dann haben diese Viecher auch noch ihren eigenen Willen! Einer wollte bloss fressen und nach Hause, meiner folgte auf Schritt und Tritt der Stute, moeglichst so dass mein Bein zwischen den Leibern eingeklemmt war. Da konnte ich lange die Zuegel nach rechts, links oder hinten zupfen (auch zerren half nicht mehr), „Schu!“ rufen und mit den Fersen antreiben. Der Gaul wusste ganz genau, dass er ein blutiges Greenhorn auf seinem Ruecken hatte, das loszuwerden nicht besonders schwierig sein wuerde. Schritttempo war angenehm, alles andere unsanft bis schmerzhaft (Koerbchengroesse A empfohlen...). Gluecklich zurueck beim Ger, der Heimweg war deutlich beschwingter, galt es noch den obligaten Suutetsae zu trinken, und dann machten wir uns, ohne die beiden Gers auf der Ladeflaeche, auf den Weg nach Hause. Als erstes verspeisten wir eine Riesenteller Fleisch, als zweites ging es unter die Dusche, Staub und Schweiss abwaschen. Auch diesmal hat zu guter Letzt doch noch alles geklappt.

Ger?

Eingetragen am 24 June 2007 um 03:35 von Zar
Ger? Ist das nicht der altgermanische Wurfspiess aus den Kreuzworträtseln? Was hat selbiges auf einem Lieferwagen in der Mongolei zu suchen?

Ger = Jurte

Eingetragen am 24 June 2007 um 11:23 von klugi
Ein Ger ist eine runde Huette aus Holzgestell und Filzmatten. Die Nomaden, aber auch viele zugewanderte Staedter am Rand von UB, wohnen in ihnen. Wer Uebung hat, braucht nicht laenger als 45 Minuten, um es ab- respektive aufzubauen. Beheizt wird es mittels einem Kohleofen, der auch als Kochstelle dient. Die Russen nennen das Ger "Jurta", weshalb bei uns von Jurten gesprochen wird.

Jurte....

Eingetragen am 24 June 2007 um 10:17 von sultanine1966
Mein Mann hat ja nach dem Erdbeben in Pakistan einen Hilfseinsatz geleistet, dort wurden auch div Zelte aufgestellt.
Ich hab ein Bild gefunden, weiss aber nun nicht, ob das so ungefähr das ist, was man in Mongolia mit Ger bezeichnet?

http://www.magix-photos.com/mediapool02/AF/E6/71/C0/D8/41/11/DA/AB/10/4D/44/50/DA/7A/0F/oma/10/E0C241E0DD8F11DAA8E74DD4D9A2588E.jpg

Ihr Lieben...

Eingetragen am 25 June 2007 um 10:06 von klugi
schaut doch einfach in mein Fotoalbum! Unter "Tsagaan Tsar" findet ihr sowohl Innen- als auch Aussenansicht der mongolischen Behausung. Sultanine, dein Bild sieht ziemlich aehnlich aus, ist aber kein Ger.

Ger? Jurte? Sport BH!

Eingetragen am 27 June 2007 um 06:16 von CptBit
Als passionierter Reiter kann ich es mir nicht vekneifen aber jede(r) der / die schon mal auf einem Pferd sass und nicht gerade, wie von dir formuliert, Körbchengrösse "a" (kleingeschrieben) hat, sollte den Sport BH nicht zuhause lassen... und ich nehme da fettleibige Männer nicht aus ;-)

Da hast du was dazu gelernt, gell?!

P.s.: Hab dir etwas verspätet noch eine Antwort auf dein Mail gesendet... sorry, dass es etwas gedauert hat!

geändert von CptBit an 26 June 2007 bei 11:18

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Ich bin wieder zu Hause - die Mongolei und die dazu gehörenden Erlebnisse, die grösstenteils in diesem Blog festgehalten sind, gehören zur Kategorie "Erinnerungen". Viel Spass beim Lesen!