Bedienung!
Schlange stehen ist auch so ein Thema. In Hoeflichkeitsformen sind die meisten Asiaten perfekt, sagt man. Nun denn, die Mongolen bilden eine Ausnahme. Ich kann zwar mit freundlicher Fassade und Faust im Sack nichts anfangen – das Dauerlaecheln der Japaner und die koreanischen Zuckerguss-Stimmen wuerden mich wahrscheinlich zur Weissglut treiben – aber dass ich anstaendig warte, bis die Verkaeuferin mir ihre Aufmerksamkeit zuwendet, dabei meine sorgfaeltig komponierten Saetzchen innerlich vor mich hinmurmelnd, und dann kommt da ploetzlich einer zur Tuer rein, steht frech neben mich hin und laesst einen solchen Redeschwall los, dass ich ganz aus dem Konzept komme, kommt mir eine Spur zu haeufig vor. Oder dann die typische Schalterszene, heute Morgen auf der chinesischen Botschaft erlebt: eine Warteschlange quer durch den Raum. Niemand ausser mir kommt es in den Sinn, dass die Dame am zweiten Schalter ebenfalls Visaantraege entgegen nehmen koennte, statt ihre Fingernaegel zu studieren. Um fuenf vor zwoelf, nach 45 Minuten Beine in den Bauch stehen (ich habe mittlerweile saemtliche Kuriositaeten im Raum eingehend studiert und alle Herkunftslaender erraten), dann das Unvermeidliche – der Schalter werde in Kuerze geschlossen, man moege bitte am Freitagmorgen wieder kommen. Bockig bleiben wir alle stehen. Der Waerter moechte uns gerne rausschmeissen, aber gegen den stirnrunzelnden Mob kommt er nicht an. Und siehe da, auf einmal dauert das Prozedere pro Person kaum mehr eine Minute. Ich geh am Freitag wieder hin, aber nicht um das Gesuch aufzugeben, sondern um meinen Pass samt Visum abzuholen.




