Sheer driving pleasure
Auuuuuu! Hier sollte jetzt eigentlich ein Foto sein. Ein protziges. Alles auf Hochglanz poliert. Gepflegte Ambiance, blitzender Lack, ueppiges Buffet, live Musik, mittelalterliche Maenner und wenige Frauen auf den Loungesesseln oder an einen Leuchtkubus gelehnt. Seht ihr's? Mein Arbeitsplatz ist geraeumt, alle Schubladen leer. Letzter Arbeitstag - Ferien! Mein Desktop ist auch leer, weshalb ich jetzt halt auf euer Vorstellungsvermoegen zaehlen muss. Besagtes Foto befindet sich auf meinem Laptop, und das ist fixfertig verpackt zum Transport bereit.
Als feudaler Abschluss lud mich der Manager der lokalen BMW Zweigstelle zum Kundenanlass ein – richtig, das sind meine Businessmaenner, die lieber mit der Lehrerin parlieren und ihre Deutschkenntnisse zum Besten geben als Englischaufgaben machen (Vor zwei Wochen war Kontrolle aus Singapur im Haus. Anscheinend hat der Typ die ganze Zeit nur auf Deutsch und Englisch geflucht... Wie kommen Leute mit einem derart tiefen Niveau an solch hohe Positionen, frag ich mich?). Ich hab’s genossen. DAS ist Service! Ich wurde bestens umsorgt, stand nie alleine oder ohne Glas da und wurde in den neusten Fahrzeugmodellen ums Gebaeude kutschiert, obwohl die alle genau wissen, dass ich zu Hause einen 2er Golf mit Dalmatinerfell fahre und beileibe keine potentielle Kundin bin. Von 150 geladenen Gaesten tauchten zwar laeppische 40 auf, aber als spaet Abends nur noch Mitarbeiter um die Sektglaeser sassen, gab der Manager bekannt, dass man gerade eben 3 Autos verkauft habe. Der Aufwand hat sich also gelohnt. Sheer driving pleasure fuer 3 weitere Mongolen, obwohl kaum jemand den Slogan versteht. Auch der Manager stolperte beim Versuch, adaequate mongolische Worte dafuer zu finden.
Irgendwann stiess der neue Lehrer zur ziemlich angeheiterte Gruppe, vermochte aber nur die Frau des Managers zu beeindrucken („What a marvellous British accent!“). Die meisten anderen beeilten sich, mir ihre Sympathie kund zu tun. Hach sie werden mich ja soooo vermissen und ueberhaupt, sie koennen den neuen Lehrer schon jetzt nicht ausstehn. Ich gebe mich dann immer diplomatisch – wer moechte schon in der Haut meiner Nachfolger stecken unter diesen Voraussetzungen – aber poah, ist das Balsam auf eine Schweizer Lehrerinnenseele!
Montag geht’s los. 6-taegiger Ausflug in die Weiten der Mongolei. Der Prinz kam zwar mit Prinzessin daher, dafuer muss ich keinen Finger kruemmen, was die Organisation anbelangt, und der Preis ist mehr als moderat. 50$ pro Tag, das kostet andernorts der Fahrer allein, ohne Benzin, Unterkunft und Verpflegung. Ausserdem kenne ich alle 3 anderen Teilnehmer, habe also keine laestige Reisegruppe am Hals. Die perfekte Loesung, vorgestern einfach so von oben in meinen Schoss geplumpst. „Waehrend sich andere plagen und nichts passiert, sind wir zur rechten Zeit am rechten Ort und alles ist arrangiert...“. Xavier Naidoo weiss, wovon er spricht.




