Mongolia

Eine Woche unterwegs

Eintrag vom 16 July 2007 um 03:06 in Ausflüge
Montag, 9. Juli: Zu viert geht es los. Nebst mir sind da noch Durzii, Parvati und Barbara mit von Partie. Durzii ist gerade dabei, gemeinsam mit Parvati eine Reiseagentur aufzubauen. Barbara und ich sind sowas wie Versuchskaninchen.

Wer in der Mongolei auf Reisen geht, faehrt viel. Am ersten Tag nehmen wir’s gemuetlich, picknicken an einem Fluss und staunen nach stundenlanger Holperfahrt ueber den super Zustand der Strasse, die wir antreffen. Etwas abseits, in Brunnennaehe, schlagen wir unsere Zelte auf.

Dienstag: Barbara und ich stehen um 4:30 Uhr auf, um den Sonnenaufgang mit zu erleben. Spaeter gibt es ein Riesenfruehstueck mit allem, was das Herz begehrt. Obwohl Naadam erst am 11. Juli beginnt, feiern die kleinen Orte ihren eigenen Naadam etwas frueher, um dann auch noch an regionalen Festen teilnehmen zu koennen. So schauen wir uns die Festivitaeten im naechsten Ort an. Das Pferderennen ist besonders eindruecklich, da es parallel zur Strasse verlaeuft und wir mitfahren koennen. Heute ist es heiss und staubig – das Thermometer klettert auf 38 Grad.

Abends erreichen wir nach einiger Sucherei (wie orientiert man sich in einem Land, wo es kaum Wegweiser gibt und man weit und breit bloss blauer Himmel und gruene Huegel sieht?) die vier Gers der Familie des Kindermaedchens von Durziis Schwester. Die Nudelsuppe ist eigentlich lecker, bloss die Fleischstuecke muss ich mich gelegentlich zwingen, runterzuschlucken. Dann wird eine grosse Schale mit Airag, vergorener Stutenmilch, gereicht. Tapfer trinken Barbara und ich aus, aber oh weh, ein weiteres Mal macht die Schale die Runde. Beim dritten Mal trauen wir uns dann, bloss noch einen Schluck zu nehmen und den Rest zurueck zu reichen. Puh, ueberstanden. Das Getraenk solle sehr reinigend sein, viele bekaemen davon Durchfall. Na super, und das an einem Ort, wo man sich fuer jedes Geschaeft 300m von den Jurten weg hinter einen Stein kauert.

Mittwoch: Der Durchfall bleibt aus. Ein fauler Vormittag; ich lese kirgisische Liebesgeschichten, waehrend Durzii und Barbara sich heisse Abalone-Schlachten liefern. Dann bekochen wir die Familie. Die selbstgemachte Pastasauce mit Penne und Salat schmeckt den Nomaden genau so fremd wie uns gestern das Airag. Einzig Minschee, die im Winter in der Stadt lebt, ist sich daran gewohnt und isst ihren Teller ratzeputz leer. Am Nachmittag dann Spaziergang mit Pferd. Eigentlich haette es einen Ausritt geben sollen, aber Minschee konnte nur ein Pferd auftreiben, da die anderen fuer Naadam eingesetzt werden. Bin gar nicht traurig darueber, denn erneut macht der Gaul das, was er fuer richtig haelt. Kaum sitz ich im Sattel, macht er kehrt und galoppiert mit mir Richtung Zuhause… Barbara hat derweil eine Magenverstimmung eingefangen und liegt im Bett.

Donnerstag: Auch Durzii und mir war es in der Nacht uebel. Da hilft nur ein grosser Schluck Vodka, der desinfiziert! Leider faehrt mein Magen bei der blossen Vorstellung, nun das starke Gebraeu runterstuerzen zu muessen, bereits Achterbahn. Trotzdem machen wir uns auf den Weg nach “Naiman Nuur”, den acht Seen. Minschee kommt mit uns. Immer schwieriger wird der Weg, ohne Vierradantrieb waeren wir verloren. Ein Bus dreht um; die Pfuetzen und Steine sind zu viel fuer ihn. Durziis Fahrkuenste werden auf die Probe gestellt, und manchmal auch unsere Nerven, wenn sich der Minibus wieder mal bedenklich zur Seite neigt. Fuer 80km benoetigen wir 5 Stunden, aber endlich ist es geschafft – wir stehen auf dem Berg. Fuer Minschee ist es das erste Mal, dass sie einen See sieht. Angesichts der vorgerueckten Stunde und der Regenwolken stellen wir erst mal unsere Zelte auf. Saukalt ist es ploetzlich, und ich wuenschte ich haette auch so einen warmen, praktischen Deel, wie ihn Minschee traegt. Zum Glueck haben wir eine geuebte Feuermacherin dabei, denn bei starkem Wind aus vom Regen feuchten Pferdeaepfeln ein Feuer hinzukriegen – ich haette ohne Abendbrot zu Bett gehen muessen. So aber brutzeln ziemlich bald Gemuesestuecke in Alufolie gewickelt in einem Haufen Scheisse. Schmeckt wunderbar!

Freitag: Ich kann meinen Augen kaum trauen: Nebel! In der Mongolei! Heisses Wasser kriegen wir von einem benachbarten Ger. Das Fruehstuecksbuffet ist immer noch ziemlich reichhaltig, wenn auch die Milch sauer geworden und der Joghurt aufgegessen ist. Solange es Nutella hat, ist Barbara gluecklich. Der junge Hirte, der sich zu uns setzt, moechte allerdings von Fruechten und Gemuese nichts probieren. Das esse er nie, sagt er. Nachdem er seinen Tee geleert hat, schwingt er sich ohne Kommentar auf sein Pferd und reitet mit einem knappen “Wiedersehn” davon. In der Mongolei macht man nicht so viel Aufhebens um Begruessung und Verabschiedung.

Derweil machen wir uns auf den Weg zum See. Am Anfang nieselt es bloss, doch bald beginnt es zu regnen und irgendwann schuettet es gnadenlos. Nach einigem Hin und Her ziehen wir die Sache durch und stehen bald vollkommen durchnaesst am See. Auf dem Rueckweg bessert sich das Wetter, so dass wir unsere tropfnassen Kleider zum Trocknen auf die Steine legen koennen, bevor wir uns auf den Rueckweg machen. Da der Hinweg so beschwerlich war, waehlen wir eine andere Route, was sich auch lohnt. Ich habe von der ewig gleichen Landschaft langsam genug gesehen, aber Barbara und Parvati lassen Durzii alle 5 Minuten anhalten, damit sie diese Wolkenformation und jenes Lichtspiel auf den Huegeln auch noch fotografieren koennen. Es ist durchaus eindruecklich, dass man stundenlang fahren kann und dabei nur auf eine handvoll Gers trifft. Weit und breit keine andere Menschenseele.

Samstag: Uebernachtet haben wir wieder bei Minschees Familie. Bevor wir uns verabschieden, gibt es ein Festessen. Innerhalb von 2 Stunden wird eine Ziege geschlachtet, ausgenommen, in Stuecke gehauen, zusammen mit Kartoffeln (manchmal auch Karotten) in eine metallene Kanne gesteckt, unter Druck gegart und dann verspiesen. Eine Herausforderung fuer mich verwoehntes Schweizer Kind. Wo, frag ich mich, sind die schoenen Fleischstuecke? Das Filet? Genuesslich nagt die ganze Sippe samt Nachbarn auf den Knochen herum. Ich esse deutlich mehr Kartoffeln als Fleisch und spuele vorsichtshalber mit Vodka nach. Dann machen wir uns auf den langen Heimweg. Fast 500 Kilometer liegen vor uns. Gegen Ende wird mir immer unwohler – ich hab mir wohl eine Erkaeltung eingefangen – so dass mir das ewige Geholpere total auf den Wecker geht. Ich will nur noch in mein Bett.

Am Sonntag geht eine beachtliche Bruehe den Abfluss runter – zuerst von mir selbst, und dann von der Waesche. Eine Woche auf dem Land, und das Waschen lohnt sich! Eine tolle Woche war das, die sehr gut organisiert und vom guten Einverstaendnis aller Beteiligten gepraegt war.  

Ziege

Eingetragen am 18 July 2007 um 08:19 von Zar
Man ist auch keine Ziegen. Das arme Vieh! Kommt Du mal nach Schweiz zurück und wir bereiten Dir ein Gemüseblech, das sich gewaschen hat!

katzen...

Eingetragen am 19 July 2007 um 06:32 von klugi
...sind dagegen ok, oder? waren das am ende bloss boese, rassistische verleumdungen, wenn im quartier die katzen verschwanden, waehrend die italos in ihren schrebergaerten grillierten?! mit einem bierchen respektive vodka laesst sich alles runterspuelen...

geändert von klugi an 18 July 2007 bei 11:32

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Ich bin wieder zu Hause - die Mongolei und die dazu gehörenden Erlebnisse, die grösstenteils in diesem Blog festgehalten sind, gehören zur Kategorie "Erinnerungen". Viel Spass beim Lesen!