Shoeses
Posted on 19 June 2007 at 11:53 in Alltag
Nach 10 Monaten intensiven Gebrauchs haben einige meiner Kleidungsstücke den Ruhestand mehr als verdient. Zwei Hosen zerrissen, beide Schlafanzüge verblichen, eine Jacke entwendet, Unterwäsche ausgeleiert, Socken zerlöchert, und die zwei Paar Schuhe… wollte ich seit mindestens 3 Wochen ersetzen. Mal hielt mich der Regen, mal die Arbeit, mal das fehlende Geld zu Hause, und eigentlich wusste ich auch gar nicht so richtig, wo ich mich auf die Suche machen sollte (ein Grund, warum ich unbedingt noch länger hier bleiben sollte: Jetzt endlich weiss ich für jegliche meiner Bedürfnisse den richtigen Laden!).
Heute schlug ich zu – gleich dreimal. Sandalen mit Absatz für die heissen Temperaturen (Anti-Käsefuss-Modell), noch eine flachere Variante und schliesslich Ersatz für die mittlerweile hauchdünn besohlten Sneakers, die keinem Spritzerchen Regen mehr standhalten und sich zu schälen beginnen. Macht 45$.
Haaaaaalt! Klappe schliessen, bitte! Keine voreiligen Flüge nach UB buchen, sondern zuerst mal 20 rechnen. Aha. Und jetzt überlegt nochmals, ob diese Schuhe wirklich so günstig sind. Soviel würden sie, an Schweizer Löhne angepasst, bei uns nämlich kosten. Wenn man dann noch mit einbezieht, dass die Ware aus China kommt und eine Halbwertszeit von, sagen wir mal grosszügig, 5 Monaten hat, vorausgesetzt man kriegt nicht vorher einen Halux oder Plattfüsse davon, lohnt sich diese Reise erst recht nicht.
Bis jetzt habe ich keinerlei Kleider dazu gekauft, von dem Trostpreis für die ausgemisteten T-Shirts einer Freundin mal abgesehen. Es war mir einfach zu teuer. Jetzt, wo die Heimreise bald ansteht, denke ich wieder eher in Schweizer Preisen, denn wenn ich meine Treter erst in der Schweiz ersetze, sind die hier dann halt doch irgendwie günstiger. So lasse ich mir eine der zerrissenen Hosen (meine liebste) nachschneidern, und die gestohlene Jacke gleich mit. Den mongolischen Mantel kann ich übermorgen abholen; heute war Anprobe. In Peking wird mir wohl auch noch das eine oder andere ins Auge stechen, das meine lädierte Garderobe wieder auf Vordermann bringen könnte.
Bevor jetzt jemand meinen Titel bemängelt: der ist richtig so. Seit meine Gastgeberin in den Arabischen Emiraten penetrant die Schuhe nochmals vermehrt hat, „shoeses“ eben, bin ich mit dem Virus „Mispronunciatus Malgrammaticus“ angesteckt, was Schuhe betrifft. Solange es nicht der „Veni-vidi-visa“ ist ;-)
Zu gut
Posted on 18 June 2007 at 08:25 in Alltag
Seit meinem letzten Eintrag habe ich keine Minute vergeudet, alle Bekannten nach ihrem Computermodell auszufragen, immer in der Hoffnung, dass mir jemand seinen Adapter borgen kann. Kandidatin 25, die ich in einer plötzlichen Eingebung vor ihrem INSPIRON sitzen sah, ist dummerweise gerade ausser Landes. Kandidat Nummer 64 war perfekt: Der ist diese Woche in der Pampa unterwegs, wo Strom rationiert ist. Meine Begeisterung hielt sich dennoch leicht in Grenzen, denn ich kam mir so richtig mies vor, als ich nach 10-fachem Dankeschön mit dem gewünschten Artikel aus seiner Haustüre trat. Fakt ist, dass ich besagter Person seit geraumer Weile aus dem Weg gehe, sprich tunlichst in eine andere Richtung sehe, wenn sie mir am Sonntag begegnet. Die wenigen intensiveren Begegnungen haben mir einfach gereicht. Sieht komisch aus, gibt Seltsames von sich, anhänglich – ein Fall wo sich mir die Nackenhaare sträuben. Ich könnte jetzt argumentieren, ich hätte ihm mit meiner „Enthaltsamkeit“ ein unglückliches Sich-in-mich-verlieben ersparen wollen. Diese Leute haben die Tendenz, genau das zu tun, wenn sich jemand mal um sie kümmert oder auch nur duldsam lächelt, wenn sie ihre Geschichten an die Frau bringen. Tatsache ist, ich fühlte mich zu gut für ihn. Und jetzt hilft mir ausgerechnet DER aus meiner riesengrossen Patsche. Rabenschwarz. Wäre ich konsequent gewesen, ich hätte die Gelegenheit an mir vorbeiziehen lassen. Wenn ich mich nicht definitiv zu den manipulativen Heuchlerinnen zählen will, werde ich diese Woche daran arbeiten, meine Einstellung zu korrigieren.
Sicher ist sicher
Posted on 16 June 2007 at 04:54 in Alltag
Die Schweizer seien das am besten versicherte Volk, hab ich mal gehoert. Ich war noch nie eine, die alle Gefahren 100km gegen den Wind riecht und sinnbildlich in Watte gewickelt durch die Welt laeuft. Das Minimum ist gerade gut genug fuer mich. Bevor man sich in ein Entwicklungsland wagt, so viel war aber auch mir klar, sollte man sich ein paar Gedanken ueber moeglicherweise eintreffende Problemsituationen machen. Hab also den Versicherungstypen eingeladen und brav eine Diebstahlversicherung plus Reiseversicherung und noch irgendwas abgeschlossen, das mir schon wieder entfallen ist. Krankenkasse musste geregelt werden (die wollten mich rausschmeissen, weil ich das Land verlasse – jetzt bin ich halt immer noch in der Schweiz angemeldet und krieg dafuer die Steuerrechnung auch in meiner Abwesenheit - hurra), puh, ich weiss nicht mehr wieviel Papierkram ich hin- und hergeschoben habe. Und wofuer? Fuer den Fall der Faelle, der, sobald man fuer ihn versichert ist, eh nicht eintrifft. Ich haette mir all das Geld und die Zeit sparen koennen, oder wie mir der DELL-Berater vorgestern per Chat erklaert hat, besser fuer den „internationalen Service“ eingesetzt. Denn ohne diesen sitze ich jetzt fuedliblut da. Keine Musik, Schuelernoten, Skype, Speicherort fuer Fotos, Moeglichkeit die Zeit mit DVDs rumzuschlagen etc. Schlicht ohne Notebook. Futsch nach knapp 11 Monaten. Dass der schwankende Strom der Mongolei nicht gerade zur Gesundheit eines Adapters beitraegt, ist mir klar, aber dass es nun keine Moeglichkeit gibt, das Problem zu loesen, macht mich sternebitzgi sauer. Hab hoffnungsvoll das DELL Zentrum in UB aufgesucht – Keine Ersatzteile fuer mein Modell. Alle anderen Computerlaeden dasselbe Lied. Und dann eben der super Service von DELL Schweiz. Ich zitiere: "Also am nächsten ist Dell in China. (...) Da Sie leider keinen internationalen Service haben, wird notwendig sein, das Notebook auf China überschreiben zu lassen. (...) Die können aber nur innerhalb von China liefern." Merci, Danke, Adieu.
Genau gleich lief es, als mein Mobiltelefon geklaut wurde. Judihui, alles nicht so schlimm, habe ja schliesslich eine Versicherung. Tja, wer haette gedacht, dass der Selbstbehalt von 200 Franken hier ein Monatslohn und somit unerschwinglich ist? Pah! Fuer ein Stueck Metall, das ich in der Schweiz gratis zum Abo dazukriege, blaettere ich hier doch nicht einen Monatslohn hin! So fuehre ich nun also ein Modell spazieren, das schon bald wieder wertvoll ist...
Was ist wohl schlimmer: sich zu nerven, weil man versaeumt hat, eine Versicherung abzuschliessen, oder sich nerven, weil man eine Versicherung abgeschlossen hat, ohne dass sie einen etwas nuetzt? Sobald ich zu Hause bin, werden saemtliche nicht-obligatorischen Versicherungen abgesetzt. Vom eingesparten Geld goenn ich mir doch lieber eine entspannende Massage. Die wirkt Wunder bei angespannten Nerven!
Niemandsland
Posted on 15 June 2007 at 05:40 in Alltag
Abschied nehmen. Wer macht das schon gern? Am liebsten wuerd ich jeweils einfach weg sein. Einfach so verschwinden, ohne Haende schuetteln zu muessen und nach Worten zu suchen. Gerade jetzt – ueber etwas anderes schreiben, ueber einen platten Reifen in der mongolischen Steppe, von nervigen Schuelern, euch von mir aus von verlorenen Schluesseln im oasis erzaehlen. Irgendwas leicht Verdauliches. Abschied gehoert da eher zur Kategorie Schwerkaliber. Letzte Woche hab ich darauf herumgekaut, gleich mehrfach. Zwei meiner besten Freundinnen machen den Abflug, im wahrsten Sinn des Wortes. Ich bleibe hier, scheinbar jedenfalls, denn taeglich mache ich selbst einen Schritt hinein in dieses Niemandsland zwischen der Mongolei und der Schweiz, das aus zerrinnenden Tagen, Hotelbuchungen, Visa Antraegen und auslaufenden Kursen besteht. Nicht richtig weg. Nicht mehr richtig da. Der schleichende Abschied lauert sicher einmal pro Tag auf. Lieber einmal kurz und heftig. Lieber einmal Eis auf geschwollene Augen legen und dann mit dunklem Kajal optisch schrumpfen lassen als dauernd diese Wolke im Kopf rumtragen.
Manchmal taete Abschied nehmen aber auch gut. Dann, wenn es einem verwehrt bleibt, obwohl man noch nicht alles gesagt hat, was man haette sagen wollen. Wenn Abschied eigentlich nicht in der Agenda stand.
Vielleicht war es ja dieser Spagat zwischen den Versuchen, sich von ferne zu verabschieden und doch bewusst hier zu bleiben, der mich diese Woche so geschafft hat.
Nebst den weiblichen Hormonen.
Und dem Adapter zu meinem Notebook, der sich auch verabschiedet hat. gopferDELLi.
Doch noch von Hand
Posted on 8 June 2007 at 12:51 in Alltag
Hab ganz verschrumpelte Finger und Füsse, aber nicht etwa, weil ich ein Vollbad genommen hätte. Oder doch, kommt eigentlich ziemlich nahe, bloss fand das Geschehen NEBEN der Badewanne statt. Ja ja, ich hab wieder mal Wasser aufgewischt. Tüchtig.
Meine Waschmaschine hat schon letztes Mal komische Geräusche von sich gegeben – heute Abend war mitten im zweiten Waschgang nichts mehr zu wollen. Das Schmutzwasser floss partout nicht ab. Auf jeden Fall nicht auf dem normalen Weg. Nix mehr mit Spülen und Schwingen. Kam ich also doch noch dazu, meine Klamotten von Hand zu waschen – in der Badewanne. Jetzt bilden sich Pfützen unter meinem Stewi.
Irgendwie musste ich also das Wasser aus der Maschine rausbringen. Stehen lassen kam nicht in Frage, sonst hätte mich bloss morgen früh eine böse Überraschung erwartet. Ein Zustand wie nach 40 Tagen Regenwetter oder so. Irgendwie hab ich das fette Teil über den Wannenrand gehievt…
Weiss schon, welchen Kommentar die Mongolen da wieder abgeben werden: China halt, Scheissqualität. Kaufen tun sie’s aber trotzdem fleissig. Als bei meinem neu erworbenen Mobiltelefon damals auf der Fahrt nach Bulgan auf einmal Mattscheibe war und nur durch beid-daumiges Draufdrücken, bis mir der Kopf rot anlief, einzelne Hieroglyphen erkenntlich wurden, war das auch nicht anders. „Chiatad, moo!“ gab mir mein Beifahrer zu verstehen (China, schlecht!). Auf meiner Digi-Spiegelreflex Kamera, die er andächtig bestaunte, stand dann allerdings auch „made in China“, sehr zu meiner Belustigung.
Lotterbetrieb
Posted on 4 June 2007 at 11:12 in Alltag

So sieht es seit sicher zwei Monaten vor dem Haus aus. Alle paar Tage buddeln einige Arbeiter mehr oder minder motiviert etwas weiter. Dass sie ab und zu auch was verändern, spüre ich anhand meines fliessenden Wassers. Das war zuerst für 3 Wochen nur kalt, daraufhin kurze Zeit wie gewohnt, dann lief einen Tag lang gar nichts, und jetzt wieder bloss kalt.
Der Ersatzlehrer hinterlässt einen ähnlichen Geschmack wie damals wohl der Ersatzkaffee. Wenn der so eine Arbeitszeiterfassung ausfüllen müsste, wie sie einem in Schweizer Schulhäusern aufgebrummt wird, so könnte man da lesen: Vorbereiten = 0:00 h. 3 Minuten nach Unterrichtsbeginn, wenn ich schon dabei bin, seine Telefonnummer einzutippen, rauscht er mit wehenden Fahnen herein, grabscht auf dem Weg zum Zimmer sein Buch, und hoppla! Los geht’s. Die Prüfungen hat er ziemlich grosszügig korrigiert; ich hab bloss ein einziges Deckblatt angeschaut und schon 4 unentdeckte Fehler gesichtet. Von daher macht es mir nicht allzu viel aus, dass es ihm seit heute leider, ähem, nicht mehr möglich ist, diese Klasse zu unterrichten. Statt seiner stand heute meine Chefin höchstpersönlich vor den SchülerInnen. Könnte nicht behaupten, dass dies eine Verbesserung der Lage darstellt.
Was gibt’s sonst noch so zu meckern? He ja, wenn ich schon dabei bin. Ah, richtig, ein weiteres Kapitel meiner oasis-Leidensgeschichte wurde am Samstag geschrieben. Dass schon wieder der falsche DJ da war (der ist auch so ein „purple rain“-Kandidat), war ja noch zu ertragen. Vor der Garderobenstange stehend, viel Auswahl hatte es nicht mehr, griff ich zielsicher nach der dunkelgrünen Jacke mit rotem Etikett – igitt, was für ein Lötterlistoff ist das denn? Ist nicht meine. Die Besitzerin des besagten Teils muss entweder meine Meinung geteilt oder aber zu viele „White Russians“ gekippt haben, auf jeden Fall ist sie mit meiner Jacke auf und davon. #&!!* Der Türsteher verstand zwar meine schweizerdeutschen Sympathiebekundungen nicht, aber ich nehme mal an, mein Gesicht sprach wie immer Bände. Vielleicht hat der „richtige“ DJ ja auch solche Pechsträhnen gehabt, denn wie wir erfuhren, legt der jetzt in einem anderen Laden auf.
Aaaaaaaaah…!
Posted on 3 June 2007 at 04:48 in Alltag
Heute war ich beim Zahnarzt. Notfallmässig. Zum zweiten Mal splitterte ein Stück desselben Zahnes ab. Das erste Mal in Chile vor mehreren Jahren – da gab es eine provisorische Krone, die eigentlich in der Schweiz hätte ersetzt werden sollen – nun auch noch in der Mongolei. Spätestens jetzt wissen die Leute, für die dieser Blog ursprünglich gedacht war, dass es mir blendend geht: Ich war nämlich noch nie in Chile.
B. lag also mit weichen Knien auf dem Schragen, während meine ehemalige Schülerin mit Spritze und anderen Marterinstrumenten hantierte, um die Überreste der Krone zu entfernen, den Nerv abzutöten und den Kanal dann mit Paste aufzufüllen. Uäääh! Konnte fast nicht hinsehen. Lieber liege ich selbst mit hellgrünem Latz da. Nach 45 Minuten standen wir wieder auf der Strasse, B. erleichtert, aber nicht um viel Geld – die Behandlung hätte 11$ gekostet, dank mir kriegte sie sogar noch einen Freundschaftspreis – sondern weil sie nun sorglos eine zweiwöchige Reise ins mongolische Nichts antreten kann. Sobald sie zurück ist, wird dann eine neue Krone fabriziert. Kostenvoranschlag: 25$. Ich geh da auch noch hin, bevor ich wieder ins teure Schweizerländli komme! Man merke: Einmal mehr profitiere ich von meinen SchülerInnen.
Wenn wir schon beim Thema sind, und da ja eben gaaanz viele Fremde meine schriftstellerischen Ergüsse auch lesen, muss ich doch die Gelegenheit nutzen, um den Herren und Damen Zahnärzten zwei Tipps zu geben. Offensichtlich haben die selber noch nie in unserer Lage gesteckt, sonst würden sie einen nicht über Freud und Leid unseres Berufes ausfragen, während wir brav den Mund aufsperren, damit nebst zwei fremden Fingern auch noch Spucksaugschlauch und Zahnsteinharke da reinpassen. Sie hätten auch längst begriffen, dass Bilder an der Wand nichts taugen. An der Decke müssten sie hängen, so bräuchte unsereiner nicht als Zeitvertreib und zur Ablenkung vom unablässig steigenden Speichelsee im Rachen die perforierten Löcher zählen, die da meistens zu sehen sind. So. Jetzt bitte umsetzen. Kostet ja nichts, und die Kunden werden’s euch danken.
Dass euch das noch nie einer gesagt hat, liegt übrigens daran, dass man vor der Behandlung in die Schweizer Illustrierte vertieft oder nervös ist, daraufhin mundtot gemacht wird, und kaum vom Stuhl runter sich darüber freut, dass man für ein Jahr aus dem Schneider ist, und so möglichst tifig der Praxis entflieht.
Hindernisse
Posted on 30 May 2007 at 11:17 in Alltag
Zum zweiten Mal seit letztem August haben sich die Strassen UBs in einen Hindernisparcours verwandelt. Auf den holperig geteerten Strassen reiht sich Pfütze an Pfütze – es regnet. Hier gehört ein Regenschirm nicht zur Grundausstattung. Ich geniesse das „schlechte“ Wetter fast, denn ein wenig Nass bedeutet klare Luft und weniger Staub. Allerdings hab ich letztes Mal einen Schuh voll rausgezogen (bis zum Knöchel war ich drin – schliesst selbst auf die Tümpeltiefe…), und das Risiko, dass einen das Schicksal der Carry Bradshaw ereilt, ist schon fast eine Garantie.
Mit Pfingsten war ja wieder mal Essig in diesem Land voller Heiden! Buddha hatte wohl keinen Sinn für Ruhetage. Seufz. Dafür fällt der „Kindertag“ auf diesen Freitag – hätte ich das früher realisiert, wäre wieder mal ein Trip angesagt gewesen. Bin nun einfach zu faul, um noch was auf die Beine zu stellen. Hab heute schon genug organisiert – Hotel in St. Petersburg ist gebucht, jetzt fehlt noch Irkutsk, und dann kommen die verschiedenen Zugreservationen in Etappen. Im „International Railway Ticketing Center“ war wieder mal nur das Schild international; dementsprechend detailreich also die Auskünfte, die ich bekam. Pfeifendeckel, sagte ich mir, jetzt rechne ich einfach damit, dass dann schon alles irgendwie klappt, und buche frech die Hotels. Mal sehen, wen ich anstellen kann, um mir den Zugplatz in UB freizuhalten, da ich erst in Irkutsk einsteige. Reservieren kann man nämlich nur von UB aus. Reservation garantiert aber nichts, da ein Zug normalerweise einfach aufgefüllt wird. Wer nicht kommt zur rechten Zeit… Vor Jahren sei das in Europa auch nicht anders gewesen, hab ich mir sagen lassen, von einem gebrannten Paar, das seine romantische Reise nach Italien auf Koffern vor dem WC sitzend verbrachte, statt im 1.Klasse-Couchette in horizontaler Lage. Ausser dass man in einer Nacht in Italien ist. Von Irkutsk nach Moskau geht’s ETWAS länger. Hach, welch Abenteuer! Da schwingt doch noch eine Prise Columbus’sches Risiko mit. Meuterei in Transmongolischer Eisenbahn! Landung in Indien nach monatelanger Irrfahrt! Ich seh die Schlagzeilen schon vor mir.
Wettrüsten
Posted on 15 May 2007 at 10:15 in Alltag
Nein, die Mongolei wird niemandem den Krieg erklären. Deren Armee hätte mit maximal einer knappen Million Krieger zahlenmässig gegen die Russen und Chinesen nicht viel zu melden (wie bloss hat das der Dschingis geschafft??). Trotzdem handelt es sich hier um eine Kriegserklärung, eine persönliche: Ich werde mich wehren! Jawohl. Wer mich abzocken will, soll was erleben. Ich sehe nicht einfach zu, wie die mich ausnehmen wollen. Habe meinen Wortschatz aufgestockt („Ich bin kein dummer Tourist“) und bin nun bereit, mich mit geldgierigen Mongolen anzulegen. Hu! Ha! Einmal mehr.
Es ist nun mal so: Kaum lugten die ersten paar grünen Blättchen aus den dürren Föhren, tanzten sie an, die Touristen. Zeitgleich begann der Zirkus um sie. Die Strassencafés werden so gut es geht aufgemöbelt, die traditionellen Tanzshows finden wieder allabendlich statt (ich kann gratis gehen – einer meiner Schüler tanzt mit :-), alle möglichen und unmöglichen Souvenirs kosten vermutlich jetzt dreimal so viel wie im Winter, und die Taxifahrer überbieten sich gegenseitig im lächerlich hohe Preise fordern, ohne mit der Wimper zu zucken. Auch die Taschendiebe schwärmen deutlich aktiver um jede „Hochnase“ herum. Aber nicht mit mir!
Natürlich ist der Tourismus eine formidable Einnahmequelle; nicht bloss für die Städter, sondern auch für manchen Hirten, der sein Ger als Übernachtungsmöglichkeit anbietet und dafür mit Kind und Kegel bei den Nachbarn unterschlüpft. Hätte ich Schweizer Franken im Sack, würde mir das auch nichts ausmachen, 30 Rappen mehr zu bezahlen, oder auch 3 Franken. Hab ich aber nicht. Im Winter war es ganz klar, dass ich kein Tourist war – jetzt muss ich dies jedes Mal durch Demonstration von Mongolischkenntnissen unter Beweis stellen, die sich halt immer noch auf überlebensnotwendigem Niveau befinden. Da gäbe es vielleicht noch eine Alternative. Ich könnte mich so richtig aufbretzeln und mich damit optisch vom Gros der Reisenden abheben. Ein Schüler hat gemeint, in die Mongolei kämen keine reichen Touristen, denn die sähen immer so abgebrannt aus. Schmuddelklamotten, staubiges Wuschelhaar und so. Ich hab ihm dann erklärt, dass man in finanziell gut gestellten Ländern nicht unbedingt so viel Wert auf das Aussehen legt wie hier. He ja, welche Schüler trugen in meiner Schweizer Klasse die schicksten Kleider und achteten auf eine gepflegte Frisur? Bestimmt nicht die Müllers und Meiers. Verrückt. Wer bedürftig ist (auf welche Art auch immer), gibt sein letztes Geld für die richtige Aufmachung aus, während die reichen Bubis absichtlich fettige Strähnen ins Gesicht züchten und die Unterhose spazieren führen.
Dass meine Haltung Touristen gegenüber etwas extrem ist, bin ich mir durchaus bewusst. Trotzdem wäre mir UB lieber ohne sie, jetzt wo die Stadt endlich ihre Sommerkleider aus dem Versteck holt und einen gewissen Charme ausstrahlt. Wobei sie diesen vielleicht nur jenen entgegenbringt, die ihre kratzbürstige Seite auch erduldet haben.
(Ent-)Warnung
Posted on 12 May 2007 at 12:32 in Alltag
Hab gerade eine Premiere hinter mir: arbeiten am Wochenende. Seit letzter Woche bereite ich für zwei Klassen vor, da Jim weg ist und bis anhin kein Ersatz für ihn gefunden wurde. Sprich, ich kaue Sayamaa alles vor, damit sie dann unterrichten kann, erstelle alleine Arbeitsblätter und korrigiere zwei Klassensätze Prüfungen. Drei Stunden sass ich gerade am Pult und hab jetzt Eiszapfen als Finger – für die gibt’s dummerweise keine Thermowäsche – dabei bin ich noch nicht mal fertig! Als Pausenbrot gibt’s nun Wohnung putzen: Teppich wieder mal schamponieren (Staubsauger hab ich keinen), Wollmäuse aus den Ecken jagen… Wenigstens wird mir dabei warm! Die zurückgekehrten kühlen Temperaturen haben ein Gutes: Das Fondue von heute Abend schmeckt bestimmt doppelt so gut. Ich hab mir überlegt, ob ich die importierte Kostbarkeit mit MongolInnen teilen soll, mich dann aber dagegen entschieden, da meine Schweizer Freundinnen ein FIGUGEGL bestimmt viel mehr zu schätzen wissen. Fehlt nur noch ein Heimatfilm zur Vervollkommnung des Schweizer Abends, aber den „Eugen“ anzufordern hab ich verpasst.
Warnung: In nächster Zeit kann ich nicht für regelmässige Blogs garantieren, denn sie wird doch noch zur Tatsache, die 36-Lektionen-Woche. Deshalb schieb ich auch Überstunden, denn wenn ich abends um 8:30 endlich auf die andere Seite des Flurs zurückkehre, hab ich wahrscheinlich gerade noch die Energie, ein wenig zu zappen.
Entwarnung: Meine Herren im Anzug haben sich am Freitag ganz anständig verhalten. „Kaffeepause“ kann zwar immer noch nicht seinen Mund halten und hat dauernd irgendwelche Privatansprüche, aber wenigstens hat er diesmal nicht seinen Anstand zu Hause gelassen.
Auf geht’s. Bügeleisen her.
Klamotten und Kaffeepause
Posted on 8 May 2007 at 11:46 in Alltag
Chrom. Schwarzer Lack und Lederpolster. Mittendrin ich in Nadelstreifenhose und weissem Leinenjackett, umgeben von Männern im Anzug. Ich hab ihre volle Aufmerksamkeit, denn ich verrate ihnen gerade… wie man auf Englisch buchstabiert!
War ich froh, dass ich per Zufall mal nicht gerade Jeans und Shirt anhatte, oder noch übler, meine pinkfarbene Hose! Die ist zwar nach 100+ Waschgängen nicht mehr ganz so grell, aber meine Professionalität hätte sie in diesem schicken Umfeld dennoch nicht gerade unterstrichen. Obwohl sich wieder mal bewies, dass die Verpackung nicht lange über den Inhalt hinweg täuschen kann. Dieser Mann muss beruflich top sein, denn sonst würden ihn seine Mitarbeiterinnen bestimmt nicht lange aushalten. Das, oder dann ist „sexual harassment“ hier noch überhaupt kein Thema. Das Wort bringe ich ihnen in der nächsten Lektion bei!
Meine weitherzigen Krankenschwestern habe ich per heute eingetauscht mit den MitarbeiterInnen von „Naran Motors“. Nebst BMWs verkaufen die auch noch andere hübsche Sächelchen von Yves Rocher, Esprit und Victorinox. Vielleicht nichts Spezielles in der Schweiz, hier jedoch von A-Z Edelmarken, von denen der Durchschnitt allerhöchstens zu träumen wagt. Prompt weht hier ein ganz anderer Wind! Angefangen hat die Geschichte zwar wie immer – mit Improvisation. Das eigentliche Unterrichtszimmer war belegt, und so quetschte ich mich mit 8 Männern und zwei Frauen in ein Sitzungszimmer, das für sechs gedacht war. CD-Spieler hatten sie auch keinen zu offerieren, dafür durfte ich die DVD-Anlage zum Hörverständnis einsetzen, die sonst zeigt, wie Nobelkarossen durch Wüste, Wälder und Wiesen flitzen und am Schluss immer noch blitzen. So oder ähnlich.
Wenn ich es mir recht überlege, war eigentlich nur einer ein Kotzbrocken, aber, und das Phänomen kennen alle PädagogInnen, das reicht vollkommen, um einem die ganze Truppe gallig zu machen. Der fragte als erstes nach meinem Namen, als zweites nach einer Kaffeepause und dann nach meiner Kleidergrösse. Auch sonst hatte er noch so einige Sprüche auf Lager, die er natürlich nicht für sich behalten konnte, da wir alle ja so sehnsüchtig darauf warteten, dass jemand unseren Tag mit zweideutigem Stuss bereichern würde. So respektlos, unter dem Deckmantel des Witzboldes, ist mir noch nie jemand gekommen. Und das vor seinem Chef, der seinerseits echte Grösse bewies, indem er einfach Schüler war und Demonstrationen seines Status nicht nötig hatte. Das schlimmste daran ist, dass „Kaffeepause“ ernsthaft das Gefühl hat, er sei der Obermacker. Nach zwei Lektionen Zurückhaltung meinerseits hat er dann vielleicht doch gemerkt, dass seine Masche nicht zieht (normalerweise muss man bei mir nicht überaus sensibel sein, um das zu spüren), als ich ihm nämlich sagte, er solle sich doch nochmals überlegen, ob er in dieser Klasse am richtigen Ort sei, wenn er keine Hausaufgaben machen wolle. Da war er zum ersten Mal ganz still. Ha! Mal sehen, wie lange der mir noch das Klima verpestet. Vielleicht sollte ich ihm vorschlagen, einen Blog zu eröffnen, um seine geistreichen Ergüsse dort loszuwerden, wo man weiterklicken kann.
P.S. Ich geb mir echt Mühe, Anglizismen zu umschiffen. Deutsch ist ne schöne Sprache, und die meisten Schweizer haben eh immer noch keine Ahnung, was die „kühl“ klingenden Worte eigentlich bedeuten. Einen Monstervorteil hat Englisch allerdings: Man muss nicht so wahnsinnig Rücksicht auf in ihrem Wert verunsicherte Frauen nehmen. Oder habt ihr schon mal von „teacherEss“ oder „staffIce“ gehört? Ich nicht! Jetzt krieg ich dann wahrscheinlich ein zwei wutschäumende Kommentare – aber zu guter Letzt entscheidest du ganz alleine, was du wert bist. Basta.
Potenzielle Nachtrauerfaktoren
Posted on 5 May 2007 at 01:49 in Alltag
Ihr merkt’s, fast in jedem Beitrag drückt die näher rückende Heimreise in irgendeiner Weise durch. Der 16. August ist nun weder Damoklesschwert noch Jubeltag, aber ich würde auch nicht sagen, dass ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge nach Hause komme. Gefällt mir gar nicht, diese Redewendung, weil viel zu abgewetzt – abgesehen davon, will mal die Person sehen, die das schafft! Also meine Hirnhälften sind ordentlich verkabelt, da gibt’s solche Halbbatzigkeiten nicht ;-) Ich stell mir das etwa so vor: Solange UB aus dem Zugfenster noch erkennbar ist, wird synchron geweint, danach ziemlich zügig der Vorfreude auf Moskau, Sankt Petersburg und „Schefzaar“ (Schweiz auf Mongolisch) Platz gemacht!
Ich hab hier keine Minute mit Heimweh verbracht. Trotzdem reicht ein Jahr nicht aus, um 27 Jahre Wurzeln bilden im Thurgau vergessen zu machen. Von all den netten Bekanntschaften, die ich hier geschlossen habe, bleiben nur die wenigsten hier, und noch weniger Beziehungen gehen über oberflächliche Ausgeh-Freundschaften hinaus. Dies ist der Hauptgrund, weshalb ich mich auf die Rückkehr freue. Ich bin immer noch fremd hier, obwohl ich mittlerweile auch auf die „gadaad chun“ zeige im Restaurant (die Zeit ist angebrochen, wo sich die Touristen wieder in dieses Land wagen), als ob ich nicht zur selben Sorte gehören würde – zu den Ausländern nämlich.
An zweiter Stelle steht… was denkt ihr? Wer meine Einträge einigermassen regelmässig verfolgt hat, kann das bestimmt erraten. Sie haben gewonnen, wenn Sie per Kommentar den richtigen Tipp abgeben. Was den Preis angeht – der bleibt geheim, sonst wäre die Antwort zu offensichtlich. Jetzt bin ich aber mitten in einer Liste angelangt, die eigentlich gar nicht Thema dieses Eintrags sein sollte. Ich wollte ja über mongolische Dinge schreiben, die ich in der Schweiz wahrscheinlich vermissen werde.
- Die Sonne. Die scheint fast pausenlos. So lässt sich auch ein langer Winter leichter ertragen. Wenn ich da an die spinnweben-grauen Tage der Schweiz denke…
- Die Schüler. Die sind so was von angenehm. Sagen sogar danke am Ende der Lektion!
- Englisch-Doppellektionen halten zu können - in 45 Minuten kommt man ja nirgends hin!
- Die Schönheits-Salons. Für 7 Dollar kriegt man hier Gesichtsmassage plus Reinigung samt Maske – in der Schweiz blättert man locker 100 Franken dafür hin. Klar, von Wellness ist hier nix zu spüren. Im Hintergrund läuft keine stimulierende Säuselmusik, und der Raum hat kein ausgeklügeltes Farbkonzept. Fön, Mobiltelefone, Geschwätz, Geläuf, rauschendes Wasser bilden die Geräuschkulisse; meine Liege eine von sechs auf engstem Raum. Ich fühle mich zwar etwas weniger privilegiert, aber meine Haut fühlt sich nachher genau gleich wie ein Kinderpopo an.
- Super Kontik. Die besten Schokoladenkekse der Welt.
- Ein Arbeitsweg von 5 Schritten und zwei Türen.
- 10 Minuten Fussmarsch bis zum Lieblings-Tanzlokal.
- Die Strasse nach Lust und Laune bei Rot oder Grün überqueren zu können.
- Die neusten DVD's für weniger als einen Kinoeintritt kaufen.
- die Unverplantheit und Spontanität dieses Landes - kein Problem, erst am Samstagmittag den Abend zu planen
- sich vom Taxi rumkutschieren zu lassen
- erschwingliche Kleider nach Mass
- die Seidenstoffe auf dem Markt
Die Liste wird laufend ergänzt.
Ich bin gaaaaanz ruhig…
Posted on 27 April 2007 at 12:01 in Alltag
Ha, von wegen Gelassenheit! Hab mich heute postwendend ziemlich aufgeregt. Zuerst las ich einen Blogeintrag, der mich dazu veranlasste, gleich zwei Kommentare innerhalb von drei Stunden zu deponieren, um mir Luft zu verschaffen. Dann kam jedoch das Beste: Meine Chefin präsentierte beim Mittagessen stolz die Pläne der neuen Räumlichkeiten.
Kurzer historischer Rückblick: Das Hauptbüro besteht schon seit über 10 Jahren, während das Kurszentrum, wo ich angestellt bin, erst letztes Jahr dazugekauft wurde. Anfangs Jahr wurde deutlich, dass das Hauptbüro jene Räume nicht mehr im selben Umfang würde mieten können. In einem Kraftakt wurde also die Bibliothek in unsere Klassenzimmer verlegt. Dass die Öffnungszeiten durch den stattfindenden Unterricht stark beeinträchtigt würden, hatte sich niemand vor der Schlepperei überlegt. Keine vier Wochen später wurde deshalb der ganze Krempel wieder zurück gefugt. Ich weiss nicht, wie viele Studenten zur falschen Zeit am falschen Ort in die Bibliothek wollten – oft wusste ich nicht mal, wie der aktuelle Stand der Dinge gerade war. Dann hiess es plötzlich, man müsse jetzt ganz ausziehen und verlege den Standort zu uns. Bitte wie? Und wo genau sollten die 4 Arbeitsplätze samt Krempel Platz haben? Auf dem Klo vielleicht? Dieses Argument leuchtete ein, und so machte man sich auf die Suche nach einem neuen Standort, wo alles unter einem Dach untergebracht werden sollte. Unser Büro samt zwei Klassenzimmern wird dafür verkauft. Übrigens zu dem stattlichen Preis von 700$ pro Quadratmeter.
Ich nuckle also gerade an meinem Trinkhalm und freue mich, dass ein passendes Gebäude gefunden wurde. Der Plan sieht gut aus. Ziemlich viel offener Raum, ein Klo, zwei abgetrennte Räume; aha, für den Unterricht. Da höre ich es. EIN Klassenzimmer. Das zweite Zimmer wird als Büroraum benötigt. Doch, sehr weitsichtig, muss ich sagen. Ich bin nicht gerade die planungsfreudigste Person, aber wenn mir innerhalb von 2einhalb Sekunden schon allerhand Probleme in den Sinn kommen, dann ist echt Essig. Mit den Einwänden konfrontiert, bringt meine Chefin dann immer so tolle Lösungen. Genau wie der Spengler. Ein Schnellschuss, ein absoluter Pfusch, alles andere als dauerhaft gelöst, kurz unprofessionell. Wäh! Einziger Trost: Ich muss das nicht mehr mitmachen. Ich werde keine Kunden vertrösten müssen, weil der nächste Kurs erst in vier Monaten stattfindet, da das Schulzimmer dauernd belegt ist. Ich werde auch nicht in der Bibliothek bei lausiger Akustik und nach Lust und Laune reinspazierenden Leuten unterrichten müssen. Uf u dervo. Die nächste Lehrerin darf gerne daran ihre Gelassenheit trainieren.
I wett it hätt...
Posted on 20 April 2007 at 10:59 in Alltag
… es Schwizer Sackmesser. Noch besser einen ganzen Werkzeugkoffer, denn dass ich jetzt, wo mein Bad nach drei Wochen Schattendasein wieder belichtet ist und nicht mehr stündlich unter Wasser steht, bis im August Ruhe habe, wage ich kaum laut zu sagen. Normalerweise überlasse ich solche Probleme gerne kundigen Männerhänden, doch hier sind mir die Handwerkerzünfte höchstens im Material überlegen.
Als vor etwa einem Monat mein Abwaschwasser regelmässig unter der Küchenkombination hervor floss, statt den üblichen Weg durch die Röhre zu nehmen, kroch ich mal unter die Spüle, um der Sache auf den Grund zu gehen. Diagnose: verstopfter Ablauf, diesmal der grosse, wo Abwasser von Bad und Küche einmünden – sinnigerweise einfach in zwei grosse Löcher in der Röhre. Wann immer also die Wassermenge den verstopften Abfluss überforderte, gab es einen Rückstau. Wasser nimmt bekanntlich den Weg des geringsten Widerstandes, und der führte durch das Loch ziemlich direkt auf den Fussboden.
Abends war das Problem laut Handwerker behoben. Aus Erfahrung schaute ich selbst nach – und fand meine Befürchtungen bestätigt. Der schlaue Fuchs hatte doch einfach die Öffnung in der Röhre mit Gips zugepappt. Super. Dass das Abwasser nun statt der Küche mein Bad via zweites Loch überfluten würde, so weit reichte sein Vorstellungsvermögen nicht. Mal abgesehen davon war das Rohr immer noch verstopft. Der Typ wollte sich bloss nicht die Hände schmutzig machen.
Er trabte also zum zweiten Mal an, ziemlich widerspenstig, da er für die Behebung desselben Problems nicht nochmals bezahlt werden würde. Bestandesaufnahme abends: Rohr entstopft, auf einen Blick ersichtlich, da dessen Inhalt jetzt meine Fliesen schmückte. Mein gelber Putzlappen diente neu als Verschluss der Öffnung. Sehr professionell. Na immerhin hatte er den nicht auch noch zubetoniert. Am nächsten Morgen tappte ich blind ins Bad (hatte ja kein Licht), mitten in eine Pfütze. !!!
Eine Woche später tauchte der Typ endlich wieder auf. Der Schlauberger hatte einfach nicht geantwortet, wenn unsere Nummer im Display erschien. Der weiss schon, weshalb. Ich hab nun meinen gelben Putzlappen wieder. Wunderbarerweise kann man auf dem Markt so ziemlich alle Schikanen, die diese Art „Abwassersystem“ erfordert, kriegen, wie zum Beispiel Gummikappen zur Abdichtung. Warum man erst zweimal improvisieren, sprich pfuschen muss, entgeht meiner Schweizer Logik. Mittlerweile sind zwar die Fugen zwischen den Fliesen bröcklig und spröde von der dauernden Nässe, und ich muss meinen Luftbefeuchter wieder einschalten, da das Bad nicht mehr diese Funktion übernimmt, aber dafür ist die erste herausfordernde Tätigkeit am frühen Morgen nicht mehr trockenen Fusses zum Klo zu gelangen, sondern die passende Unterhose zu wählen :-)
Vorsorgliches
Posted on 18 April 2007 at 04:12 in Alltag
Gerade hab ich die Bestätigung der Buchung meines Rückfluges ausgedruckt. Am 16. August werde ich wieder Schweizer Boden unter den Füssen haben. Natürlich freue ich mich – zuerst mal auf all die lieben Leute, die mich auch vermisst haben. Besonders lebhaft nimmt in meiner Vorfreude aber der imaginäre Menuplan Gestalt an. Wieder mal Gschwellti. Birchermüesli mit viiielen Früchten. Fleisch vom Grill. Die Liste ist lang, und ich sabbere bereits auf meine Tastatur…
Dann macht sich aber auch eine leise Panik breit. Was, schon fast vorbei? Ich wollte doch noch so vieles sehen, erleben. Womit hab ich eigentlich meine Zeit verplempert?! Stopp. Moment. In einem Land, wo man sich zuerst mal gründlich einleben muss, der Winter einen dann monatelang in die warme Stube zwingt und man 100% arbeitet, geht ein Jahr schnell rum. Wie zum Hohn bewältige ich ab nächster Woche auch noch ein Mordspensum: 36 Lektionen pro Woche. Und das freiwillig! Ich kann den Leuten doch nicht sagen, ootschlarä, kommt im August wieder (und beschwert euch in der Zwischenzeit beim Erziehungsminister über das monströs tiefe Niveau des Unterrichts an euren eigenen Schulen). Lange Zeit war ich unterbeschäftigt, da liegt ein wenig Krampfen schon auch drin. Wahrscheinlich eine gute Vorbereitung auf Schweizer Verhältnisse… Ich bin darauf eingegangen, weil es sich um Doppellektionen handelt (weniger Aufwand für die Vorbereitung als für zwei Einzellektionen) und ich einen der Kurse bereits zweimal unterrichtet habe. In der Schweiz hab ich es nie mit mehr als 25 Lektionen versucht. Hat mir völlig gereicht. Dort war ich aber auch Klassenlehrerin, musste im Team mit arbeiten, Sonderanlässe vorbereiten, Lager planen, Englisch und Mathe mit anderen Klassen koordinieren, Schüler beim Nachsitzen beschäftigen, mich über respektlose Gören aufregen, den Faulpelzen zum hundertsten Mal zur Stellensuche antreiben, mich um die ritzende Schülerin sorgen, und mir jeden Tag neu selbst sagen, dass ich eine gute Lehrerin bin. Die 36 Lektionen schaff ich also locker.
Ausländer bitte!
Posted on 12 April 2007 at 02:53 in Alltag
Jim verlässt uns Ende Monat, um die neuen Peace Corps Volunteers in Empfang zu nehmen und in ihren 2-jährigen Dienst einzuführen. Haben also ein Inserat aufgegeben und eine Lehrerin zum Gespräch eingeladen. Mir fällt hier auf, dass die Bewerbungsdossiers furchtbar langweilig und nichtssagend daher kommen - alle Sprachlehrerinnen haben „excellent“ Kenntnisse des Englischen… Dann hab ich mich geschämt für meine Chefin, die deutlich unvorbereitet und zu spät zum Gespräch erschien. Anders als die Kandidatin vom Herbst konnte diese sich auf Englisch verständigen, unterrichtet aber, wie hier üblich, zum grössten Teil in Mongolisch. Deswegen luden wir sie zu einer Probelektion mit meinen Anfängern ein.
Meine Augenbrauen gingen das erste Mal in die Höhe, als sie erklärte, eine Viertelstunde reiche ihr, um sich auf die Lektion vorzubereiten - sie kannte weder das Unterrichtsmaterial noch den Inhalt der Lektion. Die 7 Jahre Erfahrung und methodisch-pädagogischen Fähigkeiten, mit denen sie sich auf Papier gerühmt hatte, vermisste ich während der ganzen Lektion. Ich sass in meiner Ecke, bediente das Audiogerät (um sich mit dessen Umgang vertraut zu machen, fehlte natürlich die Zeit) und musste mich zusammenreissen, meinen Mund zu halten und nicht allzu unruhig auf dem Stuhl herumzurutschen. Sie gab sich wirklich Mühe, Englisch zu sprechen, aber mit steigender Unsicherheit rutschte sie immer öfter in die Muttersprache zurück. Meine Schüler, gewohnt, sich mit einfacher Wortwahl verständlich machen zu müssen, sprachen ebenfalls signifikant weniger Englisch. Ich hatte Mitleid mit Lehrerin und SchülerInnen und sehnte das Ende herbei. Heute hab ich dieselben zwei Buchseiten nochmals eingehender behandelt… Nicht ohne Grund erkundigen sich praktisch alle Interessierten nach Herkunft der Lehrer – Hauptsache Ausländer!
Ich weiss zwar noch nicht, wohin es mich nach meiner Rückkehr verschlägt, aber ich muss wohl noch ganz bewusst das angenehme Klima beim Unterrichten geniessen. „We like you!“ kam als Rückmeldung von der Klasse, als ich wissen wollte, wie sie die Probelektion erlebt hätten. Ausserdem haben sie mich letzte Woche zum Mittagessen eingeladen :-)
Durchblick
Posted on 1 April 2007 at 12:51 in Alltag
Ich gehöre zu den gestraften Lebewesen, die ohne Sehhilfe nicht mal ihren Bauchnabel erkennen. Die Strafe liegt nun zwar nicht im halb blind sein, sondern in den Rechnungen, die einem die Behebung dieses Problems beschert. Dies insbesondere, wenn sich die Werte ständig ändern.
Die Schweiz mag preislich nicht gerade budget-freundlich sein, aber nach heute ist mir klar: Ich krieg auch was dafür. Beginnen wir mal mit der Vorfreude. Ich weiss, ich werde in ein gestyltes Ladenlokal reinspazieren, mein Anliegen vorbringen, einen bequemen Stuhl samt Kaffee kriegen, von Mike mit Witz, Charme, Ironie oder auch einfach etwas Bischofszeller Klatsch versorgt werden, bevor er dann meine Linsen bestellt oder einen prüfenden Blick in mein Gesicht wirft und 5 Brillen aus seinem Arsenal auswählt, die er mir sogar noch auf die Nase setzt. Unter diesen 5 Modellen befindet sich normalerweise meins, und nach höchstens 45 Minuten ist die Angelegenheit passé und ich fahre beschwingt nach Hause.
Heute bin ich also mit der „Nanny“ losgezogen. Im ersten Geschäft war um 11 Uhr der Optiker noch nicht da. Dann klapperten wir im Zentrum alle Optikergeschäfte nach Monatslinsen ab. Ein Fremdwort! Die meisten reagierten mit einem knappen „bächgue“ – haben wir nicht – andere boten mir nach ausgiebigen Telefonaten an, welche in Korea zu bestellen, allerdings für ein Vielfaches von Jahreslinsen (und doppelten Schweizer Preisen!). Auf die Frage, warum die denn so viel teurer seien, kam einmal mehr eine typisch mongolisch-logische Antwort… die Qualität der Monatslinsen sei halt viel höher, und weil sie dünner seien, wäre die Produktion schwieriger. Klar, deswegen schmeisst man sie nach 30 Tagen weg, weil sie die Jahreslinsen qualitativ in die Ecke stellen! Mit anderen Worten, die Dame hatte keine Ahnung.
Irgendwann hatte ich mein Rezept und liess mich auf Halbjahreslinsen ein, da die so günstig waren, dass ich mir getrost jeden Monat ein Set kaufen kann, sollte das nötig sein. Die Diagnose „Hornhautverkrümmung“ konnten sie mir zwar stellen, aber die Linsen dazu liefern, leider nein. Egal. Rein in die Tüte und raus. Das war aber nur der Auftakt zu einer noch grösseren Odyssee auf der Suche nach einer Brille. Ich erspar euch die Einzelheiten, aber Kaffee gab's keinen, fachkundige Beratung erst recht nicht, und so hatte ich 4 Stunden später im einen Geschäft das Gestell erstanden und im anderen Laden die Gläser. Brille: 30$. Linsen: 18$. Ich werde morgen rausfinden, welche Flaschenböden sie mir in den Rahmen montiert haben, dessen Lack an einigen versteckten Stellen schon ein wenig abblättert. Die Alternative hätte 150$ gekostet, und die Farbe der Bügel passte nicht mal zum Rest. Wahrscheinlich hat die Mongolei auch da einen Deal laufen mit den Händlern des Westens. Abgelaufene Ware, Restposten? Her damit, wir verkaufen es trotzdem. Ich wäre beinahe darauf eingegangen, dermassen sehnte ich mich nach dem Schlussstrich. Proportional beschwingt war diese Heimfahrt dann auch... Es lebe Mike.
Von Stiefeln und Leuchten
Posted on 16 November 2006 at 12:15 in Alltag
„Zickenalarm“ - ein Ausdruck meiner letzten Realklasse - gibt es hier kaum, wenigstens was die Besucher aus aller Welt betrifft. Wer hierher kommt, hat praktische Kleidung im Gepäck und kriegt keinen Anfall, wenn mal kein heisses Wasser für die Dusche verfügbar ist oder das Frühstück nicht aus Gipfeli besteht. Eigentlich seltsam, dass Ulaanbaatar noch nicht als Traumdestination für Modebewusste entdeckt worden ist, denn hier stöckeln definitiv viel mehr gestylte Frauen herum als in jeder Schweizer Stadt. Einige erinnern in ihrer Aufmachung eher an ein bestimmtes Milieu, aber grundsätzlich gilt für die mongolischen Frauen, dass sie sehr gepflegt sind; ich hab sogar Bauarbeiterinnen Lippenstift tragen sehn. Schon mal erwähnt habe ich die hohen Absätze, aber eine Geschichte neueren Datums lässt mich nochmals darauf zurückkommen.
1. Szene: Mit den sinkenden Temperaturen wird die Pendenz „Winterstiefel kaufen“ immer dringlicher. Das letzte Mal habe ich im Kindesalter solche mit Pelz gefütterten Ungetümer getragen, denn in der Schweiz Nähe Bodensee überlebt man die kalte Jahreszeit erstens gut mit Schuhen, und zweitens ist die Auswahl an Stiefeln minim. Mit meinen Velowaden schrumpfte das Angebot jeweils zackig von 5 auf 1 runter, und letzteres schied meist wegen seines Preisschildes aus. Ulaanbaatar hingegen ist die Stiefelhochburg schlechthin. Die Modelle reihen sich bis zur Unendlichkeit in den Gestellen, ein Fest für das Frauenauge. Da gibt es alle möglichen Farben, Materialien, hohe und keine Absätze, Fellbesätze und Nieten… und wie ich festgestellt habe, auch die verschiedensten Preisklassen. Als Sayamaa eine temporäre Ausstellung entdeckt, zitiert sie mich per Handy dazu. Sie schwelgt, aber ich bin nach einem Blick auf die Preise nicht mehr so begeisterungsfähig. Das billigste Paar kostet so um die 140$, das teuerste übersteigt die 300. Insgeheim frage ich mich, was die sonst so überlegte Kollegin dazu brachte, mich hierher zu holen? Sie stellt schliesslich meinen Lohnscheck Ende Monat aus und weiss, dass diese Stiefel nicht in meiner Reichweite liegen. Jä nu, wir gehen unverrichteter Dinge wieder ins Büro.
2. Szene: Zum zweiten Mal quetsche ich mich mit einer ellenlangen Einkaufsliste durch den Schwarzmarkt. Endlich, endlich kam die lange versprochene Fahrt dahin zustande; eine organisatorische Höchstleistung, wie es scheint, die so bald wohl nicht wiederholt wird, deshalb schlage ich zu und kaufe nebst Matratze auch gleich noch einen Vorhang, einige Küchenutensilien, eine Hakenleiste für die Garderobe und einen Luftbefeuchter. Ich entdecke eine super Stehlampe, die genau in meine Wohnung passen und sicherlich etwas mehr Stimmung verbreiten würde als meine drei Neonröhren. Sayamaa fragt nach dem Preis und meint abwinkend, die sei viiiel zu teuer, 60$! Na gut, dann halt nicht. Während des restlichen Rundgangs geht mir die Lampe nicht mehr aus dem Kopf. Wenn ich eines gelernt habe in diesem Land, dann dass man nicht zaudern darf, wenn einem etwas gefällt. Nächste Woche wäre die Lampe bestimmt weg, und nachbestellen ist unmöglich. Unterdessen sind wir bei den Stiefeln angelangt. Nach einer Weile habe ich glücklich ein passendes Paar in Grösse 40 erstanden, für 18$. Umso mehr liegt die Lampe drin, schliesslich hätte ich unanständige 300$ dafür ausgeben können! Als ich Sayamaa zurück zu den Lampen dirigiere, kann sie es gar nicht fassen. Sie erzählt mir von einem anderen Lampengeschäft, wo man weniger bezahlt, ruft sogar den Fahrer an um sich darüber zu erkundigen, und als ich ihr meine Argumentation darlege, schüttelt sie bloss den Kopf und meint, die Stiefel trage man schliesslich jahrelang, die seien qualitativ nicht zu vergleichen mit meinen billigen vom Markt. Naja, Lampen wechselt man auch nicht gerade wie die Unterwäsche, oder? Noch als ich schon das Geld zücke, versucht sie mich umzustimmen, aber ich hab mich entschieden und trage das Ding wie eine Trophäe zum Auto.
Mit meinem Kauf stosse ich bei allen weiblichen mongolischen Kolleginnen auf Unverständnis – so viel Geld für eine Lampe! Aber Stiefel, nein, das ist was ganz anderes, die sind ihren Preis wert. Sie prophezeien meinen Tretern eine Lebensdauer von höchstens einem Winter, aber länger müssen die auch nicht halten, denn schliesslich kann ich auch auf dem Rückweg nicht mehr als 20kg einpacken, und da wären die Fellstiefel bestimmt nicht erste Wahl. Ich amüsiere mich köstlich über diese kulturelle Diskrepanz, sie sich auch, und wenn ich abends nach Hause komme, geniesse ich meine Lampe in vollen Zügen.
Drama queens usually don’t make their way to Mongolia. Not yet. Whoever comes here has practical clothing in their luggage and doesn’t freak out when there’s no hot water or no croissants for breakfast. Actually Ulaanbaatar has the potential to become THE destination for fashion freaks, as I see far more stylish women on its streets than in any city of Switzerland. Some of them look like they’ve just escaped the redlight-district, but in general they are classy. I’ve even seen construction workers wear make up (women on building sites are no exceptions here). I already mentioned the high heels, but a recent incident forces me to rehash that topic.
First episode: Sinking temperatures force me to take on “buying winter boots”, which has been on my to do-list for some time now. I remember last wearing furry boots somewhere around fifth grade, since in Switzerland near Lake Konstanz, you will for one survive with a pair of warm shoes, and what’s more, the number of boots in a shoe shop is very limited. With my bicycle calves, it commonly shrinks from 5 to 1 option, and the last one will drop out after I look at the tag. Ulaanbaatar however is the stronghold of boots. They are lined up in endless rows, a feast for the eye of every woman. There are types of all imaginable colours and materials, high and no heels, fur trimmings, rivets… and as I’ve discovered, to all kinds of prices. When Sayamaa discovers a temporary sale, she calls me to join her. While she indulges spotting her favourite pair, I take one look at the the tags and lose my interest. The cheapest boots cost 140$, the most expensive ones top 300. I wonder what made my otherwise so thoughtful colleague think I’d want to buy these, after all she’s the one who issues my paycheck every month. They’re simply out of my league. Oh well, we head back to the office empty-handed.
Second episode: Again I make my way through the market with a long list in my pocket. Finally the long awaited trip became reality, the organization of which seems to be a true challenge and thus not to be expected to repeat itself in the near future, so I take advantage of it by buying not only the mattress, but also a curtain, some kitchen utensils, some hooks for coats and a humidifier. In a corner with lamps I find one that would fit perfectly into my room. I picture the atmosphere they’d create, something that the three neon lights on my ceiling can only dream of. Sayamaa asks for the cost and then shrughs, way too expensive, 60$! Well, I guess I won’t buy it then. While going after the rest of my requests, the lamp keeps popping up in my head. If there’s one thing I learned in Mongolia, it’s not to waver when I see an object of my desire. Surely, the lamp would be gone by next week, and ordering it is impossible. Meanwhile we have reached the boots. Moments later, I wear a pair of them for 18$. I could have spent an indecent 300$ for them, so why shouldn’t I get this lamp? When I head back to the lamps, Sayamaa does her best to convince me otherwise. She tells me about this other lamp shop where you pay less, she even calls the driver for some additional information, and when I explain my reasons, she just shakes her head and replies that good quality boots are worn for many years, unlike the cheap stuff I just bought. Well, I don’t change my lamps at the same rate as my underwear either. She still tries to stop me from this foolish bargain when I already have the money in my hand, but I’ve made my decision and carry the lamp to the car as if it was some kind of trophy.
All my Mongolian girlfriends show the same reaction when they hear about my purchase – that much money for a lamp! But, boots, no, that’s a completely different story, they are worth every Penny. My boots will survive one winter at most, they prophesy, but then they don’t have to last much longer, since the limit for luggage will still be at 20kg once I head home. The fur boots wouldn’t make it into the suitcase! I am amused by this obvious cultural difference; so are they, and when I get home at night, I enjoy the warm light of my lamp.
Mist gebaut – messed up
Posted on 19 October 2006 at 12:33 in Alltag
Jedes Mal wenn zwecks Wiederherstellung der Internetverbindung jemand an mein Laptop muss, behindert das Passwort. Schon einige Male habe ich es deshalb entfernt und wieder neu eingerichtet. So auch vor 2 Tagen. Meine Finger finden den Weg durch die wenigen Ziffern von alleine, ohne dass ich auch nur überlegen muss. Offenbar haben meine Hände ein Eigenleben entwickelt, denn als ich das nächste Mal den Compi aufstarte, erklingt statt der wohlbekannten Melodie ein ärgerliches Hupen: Passwort falsch! Es hupt noch einige Male, und mit jedem Mal steigt mein Adrenalinspiegel an. Scheisse! Was hab ich mir da eingebrockt? Anscheinend habe ich es tatsächlich geschafft, das fehlerhafte Passwort zweimal hintereinander identisch einzugeben. Meine Schüler sitzen schon bereit, ich habe keine Zeit zum Pröbeln und muss mich auf meine Lektion konzentrieren.
Abends starte ich schweren Herzens neu auf. Alle Varianten spiele ich durch. Gross-klein verwechselt, Feststelltaste an, Finger auf der Tastatur verrutscht nach links/rechts/oben/unten, als Gast einloggen – Huphuphuphuphuuuuuuuuup! Als ob er mich zum Narren halten wollte, wartet der Rechner manchmal eine Weile, wie wenn er sich das erst gut überlegen müsste, bevor er die niederschmetternde Nachricht erneut rauströtet, dass ich Mist gebaut habe. Mir bleibt nichts anderes übrig, als das Ding wieder abzuschalten. Das ist aber auch das Einzige, wozu ich noch bevollmächtigt bin.
Nachdem ich meine Möglichkeiten ausgeschöpft und mir die Konsequenzen vor Augen geführt habe, bleibt mir noch eins: Hilfe von aussen. So spät abends und in einem fremden Land reduziert sich die Auswahl relativ schnell auf Gott. Ein Wunder muss her. Ich geh ins Bett, vielleicht dauern ja auch Wunder ihre Zeit…
Am Morgen packe ich nach etwas Zögern den Stier bei den Hörnern und versuche es erneut. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie sich das Problem gelöst haben soll und habe im Traum auch keine Zeichen und Ziffern gesehen, aber wenn ich dieser verflixten Maschine aus dem Weg gehe, wäre da bestimmt kein Senfkorn an Glauben zu finden in mir.
Kurz darauf trötet wieder etwas, aber diesmal bin ich es, vor lauter Freude und Erleichterung. Keine Ahnung wie, aber ich bin drin, nach nur drei Versuchen! Ich schaff es auch noch ein zweites Mal, um das falsche Passwort zu deaktivieren. Immer noch hab ich nicht den leisesten Schimmer, was da genau krumm lief, aber das ist mir jetzt piepegal, besser gesagt hupegal, ich mache den Engeln Konkurrenz und singe das ganze Haus zusammen.
Every time someone else has to work on my laptop to fix the internet connection, my password is in the way. It’s been several times now that I have removed it and set it up again, as it last happened two days ago. My fingers know their way across the keyboard on their own, I don’t have to waste a thought on it. Well, obviously my hands have developed their own will, for when I start the computer the next time, I get an angry honk instead of the familiar tune: wrong password! Some honks later, my level of adrenaline is definitely increasing. Damn! What did I get myself into? It seems I managed to identically enter the same faulty password twice. My students are waiting, I have no time for trial and error now.
At night I give it a second shot. I go through all the possible variations. Letters mixed up, capitals somewhere else, hands too far left/right/up/down, log in as a guest – Honkhonkhonkhoooooooonk! As if it wanted to play games with me, the server occasionally hesitates a few moments before it announces the devastating news once more that I messed up. I have no choice than to shut it down, that’s all I’m entitled to do now.
So after I have pulled off everything in my might and considered the consequences, my last resort is to get some help. At this time of day and in a foreign country, the options shrink quickly to one: God. I need a miracle. I then go to bed, maybe even miracles take some time…
In the morning I decide to face the facts after some wavering. I can’t think of a way the problem would take care of itself, neither did I see the password in my dream, but if I avoid this rotten machine, I definitely won’t be able to claim a seed of faith in me.
Shortly after, there’s a noise again, but this time it’s me, hollering with joy and relief. I have no clue how, but I’m in, after only three attempts! I even make it a second time when I try to deactivate the unlucky password. I still haven’t got the faintest idea what exactly went wrong, but I couldn’t care less now – I’m busy competing with the angels, waking up the entire block with my songs.
Premiere
Posted on 21 September 2006 at 11:08 in Alltag
Eigentlich wäre nun ein Bericht über meine zwei Tage mit Marcel und Dora dran, aber vor dessen Länge graust mir ein wenig. Die Fotos hab ich schon mal veröffentlicht, und auf den Rest müsst ihr wohl oder übel warten. Kürzer ist die Geschichte meiner beruflichen Premiere in der Mongolei. Zum Thema Lehrer gibt es nur eines zu sagen: respektiert wird der Berufsstand ganz sicher nicht gross. Ich spreche hier nicht von frechen Schülern, sondern von der Gesellschaft, die uns mit einem Hungerlohn abspeist. Ich komme, da privat angestellt, gut weg mit meinem etwa doppelt so hohen Lohn. Alle schreien nach besserer Bildung – eine Finanzspritze würde da bestimmt helfen. Bei solchen Lohnaussichten hätte ich nämlich sicher auch lieber das KV gemacht, und da bleiben dann halt nur noch Nieten und jene, die sich berufen fühlen, für den Lehrerberuf übrig.
Letzten Freitag hatten wir Vorstellungsgespräche für einen zusätzlichen, mongolischen Lehrer. Von den zwei Kandidaten glänzte der erste mit super Qualis und fliessendem Englisch, konnte 7 Jahre Lehrerfahrung in Japan vorweisen und kannte sich mit den Kursen aus. Dann kam die gute Frau, die Englischlehrerin an einer lokalen Uni ist. Ich glaube, die war nur schon erstaunt, dass das Gespräch in Englisch stattfand. Die Antworten bröckelten ziemlich langsam daher, stellenweise hatte ich keine Ahnung, wovon sie sprach. Kein Wunder können die Kids kaum Englisch, auch nach mehr als 3 Jahren nicht.
Am Montag begann ich also mit meinem ersten TOEFL-Kurs. Die meiste Zeit der 90 Minuten waren für mich sehr bequem, denn ich schockte sie so richtig und hab ihnen gleich einen Mini-TOEFL vorgesetzt. Vielleicht dachten einige, ich sei sadistisch veranlagt, am nächsten Tag kam gerade noch die Hälfte. Für mich waren die Resultate sehr aussagekräftig – abgesehen von einem Schüler haben die meisten sehr tiefe Punktzahlen erreicht. Wenn wir in knapp zwei Monaten wieder einen Übungstest schreiben, wird sich herausstellen, wer welchen Fortschritt erzielt hat und wer bereit für den Test ist.
Zwei von neun Schülern waren gestern pünktlich. Ich hatte schon von diesem Phänomen gehört und mir vorgenommen, auf niemanden zu warten und auch keine Zusatzerklärungen abzugeben, sondern ganz normal weiter zu unterrichten. Die sind ja selbst schuld, wenn sie ihr Geld zum Fenster rauswerfen. Kann sein, dass ich das Thema auch mal anspreche, wenn alle da sind (sollte das je der Fall sein). Wer den TOEFL machen will, hat meist vor, in Nordamerika, England oder Australien zu studieren, wo Zuspätkommen nicht geschätzt wird. Das wäre also ein Teil der persönlichen Vorbereitung, wenn man schon hier Pünktlichkeit trainiert.
Momentan unterrichte ich 2 Lektionen pro Tag, und den Rest der Zeit verbringe ich damit, mich darauf vorzubereiten. Beinahe. Ein paar Mails und etwas grafische Arbeit liegen auch noch drin. Da das Neuland für mich ist, fühle ich mich wieder wie eine Anfängerin. Alles muss ich zuerst für mich aufbereiten. Abends schlafe ich um halb 10 auf dem Sofa ein, meine Wäsche stapelt sich im Kasten, und in meinem Kühlschrank herrscht gähnende Leere, weil ich abends nicht mehr raus mag. Wie hab ich das nur gemacht mit 9 Lektionen pro Tag? Aber dann ist das ja gerade der Grund, weshalb Teilzeit-Lehrpersonen im Team wertvoll sind – sie haben viel mehr Zeit als die Hauptlehrer, sich auf ihre Lektionen vorzubereiten.
Actually I should now write a text about the two days I spent with Marcel and Dora, but I hesitate because of its presumed length. I already uploaded the pictures, for the rest you will have to wait. The story of my professional premiere in Mongolia goes first. Talking about teachers there’s one thing worth mentioning: they’re not very much respected around here. I’m not talking about naughty students, but about society and the state, who put us off with a lousy salary. I can’t even complain as I am employed by a private institution and receive about twice as much as a regular teacher. Everybody asks for a better education here – I suggest they start with the finances. At the prospect of making that little money, I think I would have favoured a master of business administration or international relations, too. The people who actually become teachers must be either of not much use or convinced that this is their calling.
Last Friday, two candidates for a teaching job at our center came over for an interview. The first presented fabulous qualifications and spoke English fluently, having taught in Japan for the last 7 years and being familiar with the courses. After him, a woman presently teaching English at a local university sat opposite us. I think she expected the interview to be in Mongolian, it was a pain to listen to her stuttering bits and pieces. Sometimes I didn’t have the faintest idea what she was saying. It no longer surprises me that few kids are able to communicate in English, even after more than 3 years of teaching.
This Monday, I started my first TOEFL course. Most of the 90 minutes were easy-going for me, since I threw a mini-TOEFL at them right at the beginning. Some obviously thought I had a sadistic inclination, for the next day, only half of the class appeared. The results of this test were very clear – all except one student got rather low scores. When we write another pre-test in about two months, we’ll see who’s ready for the real test and how much they were able to profit.
Two out of nine students were on time yesterday. I had heard about this phenomenon before and decided not to wait for anyone and not to interrupt my lesson for extra explanations, but to continue teaching as if nothing had happened. It really is to their own disadvantage if they arrive late. If they want to throw their money out of the window, I’m the last one to mind. Maybe I’ll address the topic of punctuality once I see the whole class, if that should ever happen. Usually, people who apply for TOEFL have plans to study in Northern America, England or Australia, where showing up late is not appreciated, so it would be a way of getting ready for that to start timekeeping.
Right now I’m teaching 2 lessons a day, the rest of it I just about spend preparing. A few mails and some graphic design fit in apart from that. Since I have never taught these kinds of courses before, I have to prepare everything carefully and become familiar with it before I can teach. I feel like a greenhorn again, I’m falling asleep on the sofa at 9:30 pm, dirty clothes are piling in my cabinet, and my fridge is starving as I’m too tired to go out after work. Just how did I handle 9 lessons a day, I ask myself. Then again that’s exactly the reason, why part-timers are so valuable to have on a team – they usually spend more time preparing their lessons.
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Aus und vorbei!
Ich bin wieder zu Hause - die Mongolei und die dazu gehörenden Erlebnisse, die grösstenteils in diesem Blog festgehalten sind, gehören zur Kategorie "Erinnerungen".
Viel Spass beim Lesen!
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