Mongolia

Bedienung!

Posted on 4 July 2007 at 04:32 in Kultur
Unter Dienstleistung versteht man hier, dass die Angestellte gelangweilt von der angefangenen Textnachricht hochblickt, wenn sich jemand traut, sie anzusprechen. Auf dem Markt stoert mich das kein bisschen, da wuehle ich gern ungestoert („chanichihnehelfe?), aber in Fachgeschaeftern frage ich mich jeweils, wofuer die ihren Lohn kriegen. Bestimmt nicht fuer zuvorkommende Kundenbedienung. Zu oft hoere ich da folgende drei Worte: "midguee / baechguee / tschadachguee", die da heissen weiss ich nicht, hab ich nicht, kann ich nicht. Was sie anscheinend auch nicht haben, ist Geschaeftssinn! Ist es nicht klossbruehig klar, dass man nicht mehr zum Holzhaendler geht, der einem ein "aussen top, innen flop" Buendel an Planken verkauft hat? Manchmal begreif ich sie einfach nicht, die Mongolen ;-) Besonders amuesant finde ich den Schriftzug auf dem Ruecken der Angestellten im groessten Kaufhaus hier: „Ask me!“ steht da dick und fett. Die meisten wissen nicht mal, was da auf dem T-Shirt steht, so vollkommen sind deren Englischkenntnisse...

Schlange stehen ist auch so ein Thema. In Hoeflichkeitsformen sind die meisten Asiaten perfekt, sagt man. Nun denn, die Mongolen bilden eine Ausnahme. Ich kann zwar mit freundlicher Fassade und Faust im Sack nichts anfangen – das Dauerlaecheln der Japaner und die koreanischen Zuckerguss-Stimmen wuerden mich wahrscheinlich zur Weissglut treiben – aber dass ich anstaendig warte, bis die Verkaeuferin mir ihre Aufmerksamkeit zuwendet, dabei meine sorgfaeltig komponierten Saetzchen innerlich vor mich hinmurmelnd, und dann kommt da ploetzlich einer zur Tuer rein, steht frech neben mich hin und laesst einen solchen Redeschwall los, dass ich ganz aus dem Konzept komme, kommt mir eine Spur zu haeufig vor. Oder dann die typische Schalterszene, heute Morgen auf der chinesischen Botschaft erlebt: eine Warteschlange quer durch den Raum. Niemand ausser mir kommt es in den Sinn, dass die Dame am zweiten Schalter ebenfalls Visaantraege entgegen nehmen koennte, statt ihre Fingernaegel zu studieren. Um fuenf vor zwoelf, nach 45 Minuten Beine in den Bauch stehen (ich habe mittlerweile saemtliche Kuriositaeten im Raum eingehend studiert und alle Herkunftslaender erraten), dann das Unvermeidliche – der Schalter werde in Kuerze geschlossen, man moege bitte am Freitagmorgen wieder kommen. Bockig bleiben wir alle stehen. Der Waerter moechte uns gerne rausschmeissen, aber gegen den stirnrunzelnden Mob kommt er nicht an. Und siehe da, auf einmal dauert das Prozedere pro Person kaum mehr eine Minute. Ich geh am Freitag wieder hin, aber nicht um das Gesuch aufzugeben, sondern um meinen Pass samt Visum abzuholen.

Der schillerndste Ort in UB

Posted on 3 July 2007 at 11:34 in Kultur

Der Narantuul Markt, auch Schwarzmarkt genannt, ist eines der beliebtesten Touristenziele in UB. In allen Reisefuehrern wird, zu recht, vor Gaunern gewarnt. Die Einheimischen schaetzen den Markt wegen der billigen Preise, so dass besonders am Wochenende ein heilloses Gedraenge herrscht, in dem protzige Uhren, Mobiltelefone und Geldbeutel geschickt den Weg zu neuen Besitzern finden. Meine Spiegelreflex-Digicam hab ich deshalb keinen Wimpernschlag aus der Hand gelassen, als ich die bunten Eindruecke trotz Gefahr in Bildern festhalten wollte. Geld gehoert in den BH oder in die Hosentasche, und Rucksaecke, so praktisch sie auch sein moegen, sind praedestinierte fuer lautlos Reissverschluss-oeffnende Langfinger. Keine Ahnung, wie man auf die Idee kommt, an so einen Ort seinen Pass und die Rueckflugtickets mitzubringen, aber laut befreundeten Botschaftsmitarbeitern kommt das tatsaechlich nicht allzu selten vor.

Mich fasziniert der Markt. Zwischen einer unglaublichen Fuelle an Waren machen es sich die Verkaeufer so bequem wie irgend moeglich. Auf Stoffballen ausgestreckt laesst es sich bequem schlafen, einige lesen Zeitung, spielen Karten zum Zeitvertreib oder essen das mitgebrachte Nudelgericht aus Marmeladeglaesern. Viele Staende sind Familienbetriebe. Kinder hueten die Auslage, waehrend die Muetter ein paar Meter weiter einen Schwatz halten. Jetzt im Sommer ist der Markt bestimmt ein Kinderparadies - im Winter allerdings duerfte es weniger Spass machen. Nach einer Stunde war ich total durchgefroren. Ob die gigantischen Stiefel der Marktleute die Kaelte einen ganzen Tag lang fernhalten, wage ich zu bezweifeln.

Anfänger, Debussy und Fleischschau

Posted on 21 May 2007 at 03:09 in Kultur
Die Stationen dieses Wochenendes lassen sich am besten in Bildern wiedergeben.

 

Die Arbeit mit Erwachsenen bringt es mit sich, dass man Einblicke in deren Leben bekommt. Die haben alle schon einen Beruf und Lebenserfahrung, welche in den Unterricht einfliesst und ihn manchmal auch auf die Freizeit ausweitet. Hier besuchte ich einen Schüler aus meiner Anfängerklasse bei seiner Arbeit als traditioneller Tänzer. Eine sehr vielseitige Show mit typisch mongolischen Instrumenten, Gesang, Tanz, buddhistischen Fabelfiguren (Götter) und sich in alle möglichen Richtungen verrenkenden Mädchen. Anschliessend gemütliche Runde im Irish Pub. Ich staune immer wieder, wie ich mit meinen Anfängern nach vier Monaten Unterricht über alles möglich reden kann, trotz beschränktem Wortschatz und viel Interpretations-Bedarf. Beispiel gefällig? Zwar nicht aus meiner Erfahrung, aber es demonstriert die Sache gut. Was heisst „big friend“ respektive „little friend“? Ganz einfach, das eine ist ein enger Freund und das andere eine lose Bekanntschaft.

 

Am Samstag dann auf ins Japanische Ballett, wo Teile von „Schwanensee“, Debussy und irgendein Russe gezeigt wurden. Das Programmheft war in Mongolisch… War toll, Kostüme und Tanz sehr schön. Dass die Musik aus der Konserve kam, hat mich nicht weiter gestört – lieber das als Ablenkung durch Misstöne. In der Mongolei ist die Konkurrenz in der Kunstbranche nicht besonders gross, bei 2.6 Millionen Einwohnern. Dementsprechend ist das Niveau, verglichen mit anderen Ländern, etwas nach unten verschoben.

Sonntagnachmittag: Fleischschau im Wrestling Palace. Die Sonntagszeitung schrieb über den Aufschwung des Schweizer Schwingsports, während ich mongolische Knackärsche und Fettbäuche genaustens inspizierte. Erstaunlich, wie wenig Frauen unter den Zuschauern waren :-) In einer Arena kämpfen 8 Paare zeitgleich um den Sieg. Zuerst Hut abgeben beim Schiri, dann irgendwie den Gegner mit Knie, Ellbogen oder Rücken auf den Boden zwingen, der Verlierer löst die Schnur seines Boleros und muss unter dem Arm des Gewinners durch, man klatscht sich gegenseitig auf den Hintern, holt den Hut ab, und die nächsten zwei treten an. Eine Gewichtsklasse gibt es nicht, so dass anfangs kuriose Päärchen zu sehen waren. Fettwanst gegen Büebel. Ein Leichtgewicht entfloh seinem stiernackigen Gegner schrittweise quer durch die ganze Halle, bevor dieser der ungleichen Partie endlich ein Ende machte.

 

Ach ja, und übrigens hat sich ein Lehrer gefunden, so dass ich nun doch wieder Zeit für anderes habe. Bis es so weit war, hab ich nochmals Einblick in die hier typische Unterrichtsweise bekommen – I wasn’t amused.

Katharina die Grosse

Posted on 12 April 2007 at 11:35 in Kultur
Schon am ersten Tag in diesem Land schaute mir eine wildfremde Frau im Supermarkt tief in die Augen und fragte, ob ich Russin sei. Seither hat sich einzig geändert, dass ich die Frage mittlerweile selbst verstehe. Kommt schon mal vor, dass ein Taxifahrer den Radiosender zu russischen Schnulzen wechselt wenn ich einsteige. Woran das liegt?

Erstens mal hab ich blau-grüne Augen. Die Iris der Mongolen ist höchstens stechend grün, meist aber dunkel. Ausschlaggebend ist jedoch, dass ich – ausser an faulen Samstagen – eine eher gepflegte Erscheinung bin. Viele Ausländer gehören zur Sparte „Abenteurer“, und die latschen eben in Turnschuhen und strapazierbarer, bewegungsfreudiger Outdoor-Kleidung herum. Meine Arbeitskollegin hat mir gestern beim Mittagessen etwas verschämt erzählt, dass die Fremden manchmal in Sandalen rumlaufen würden und schmutzige Füsse hätten! Igitt! Danke für die Warnung :-) Muss gleich mal wieder meine Schuhe putzen.

Wenn ich schon dauernd zu den Genossinnen gezählt werde, kann ich doch von Glück sprechen, dass die meisten Mongolen eine sehr positive Meinung von diesem Volk haben. Spricht man hingegen China an, prallt man auf eine Mauer von Rassismus. Ich versteh nicht so ganz wieso, schliesslich haben beide Grossmächte pausenlos versucht, sich die Mongolei einzuverleiben! Aber eben, nach 70 Jahren Unterdrückung jeglicher Eigeninitiative ist es schwierig, so plötzlich mit Demokratie und freier Marktwirtschaft klar zu kommen. Da sehnt sich so mancher nach den „Fleischtöpfen Ägyptens“ zurück, die da heissen gesicherte Arbeitsstelle, erfolgreiches Bildungssystem und organisierte Krankenpflege. Zum Beispiel. Das alles krachte 1990 erst mal mit viel Getöse in sich zusammen. Zu allem Überfluss folgten einige Kältewinter und Dürresommer, so dass ein Ausweichen auf Hirtentum und Viehwirtschaft zum Scheitern verurteilt war. Deshalb weinen viele immer noch den Russen nach, was wir westlich geprägten Europäer schlecht nachvollziehen können. Konsalik hat sich ja zwar Mühe gegeben, uns Mütterchen Russland nahe zu bringen, aber der Amerikanische Einfluss war wohl doch stärker.

Kontrastprogramm

Posted on 10 April 2007 at 01:52 in Kultur
War wieder mal kulturell aktiv. Nach zwei typischen Touristen-Programmpunkten konnte ich auch noch etwas erleben, was den meisten Reisenden verborgen bleibt.

Samstag: Gandan Kloster. „Das Gandan-Kloster (…) ist für seine 26 Meter hohe Statue der Göttin Janraisig berühmt und das größte Kloster der Mongolei. (…) 1938 hatten sowjetische Truppen die Statue demontiert und eingeschmolzen. Die buddhistische Gemeinde ließ nach 1990 mit umgerechnet fünf Millionen Dollar Spenden eine neue vergoldete Janraisig errichten.“ (Quelle: Wikipedia) Fotografieren ist in den Gebäuden grundsätzlich nicht angebracht, aber für 10$ darf man die Göttin ablichten… Dieses Geld geb ich lieber anderweitig aus. Spannend war das Beobachten der Mönche und Gläubigen in der öffentlichen Zeremonie.

Sonntag: Spontan besuchte ich ein „Chumi“-Konzert. Kehlkopfgesang oder Obertongesang wird diese spezielle Gesangstechnik auch noch genannt. Dabei hört man zwei verschiedene Töne aus einer Stimme, einen normalen Grundton und eine Melodie im hohen Frequenzbereich. Nicht unbedingt schön, aber sehr faszinierend. Entstanden ist diese Technik, wie könnte es anders sein, bei den Nomaden. Hirten hatten viel Zeit, Vögel zu beobachten, und versuchten ihre Laute nachzuahmen.

Montag: Abends um 10 Uhr vor dem UB-Hotel. Wie abgemacht finde ich mich bei der Lenin-Statue ein und komme mir etwas verloren vor. Hier ist der Treffpunkt der Prostituierten. Ein Freund schenkt jeden Samstag und Montag heissen Tee aus, manchmal gibt’s noch Kuchen oder Kekse dazu. Er hat mich eingeladen, ihn zu begleiten. Hinter den hübschen Gesichtern würde ich niemals die tragischen Geschichten vermuten, die mein Freund mir erzählt hat. Höchstens die Augen verraten etwas vom Stress des Anschaffens: lauernd und abschätzend, dauernd auf der Hut. Manche der Mädchen sind gerade mal 18.

Feuergott und Weihrauch

Posted on 9 April 2007 at 12:29 in Kultur
Pünktlich zu Ostern wird in der Schweiz jeweils mit etlichen Zeitungsartikeln gegen das Vergessen angekämpft, weil die Feiertage immer mehr in Nikoläusen, Schoggihasen, Gschenkli und gefärbten Eiern ersaufen. Schliesse ich mich also an und thematisiere den Glauben der Mongolen.

Ursprünglich ist das Nomadenvolk naturverbunden und verehrt deshalb Naturgeister – den Gott des Himmels, der Flüsse, Berge etc. Damit verbunden wäre eigentlich eine grosse Ehrfurcht vor der Natur. So würde man niemals Abfall im Feuer verbrennen, denn dies wäre dem Feuergott ein Gräuel. Na ja. Davon ist heute nicht mehr allzu viel zu spüren, sonst wäre unser Nachbargebäude kaum vom WWF bewohnt. Etliche Tiere sind gefährdet, die Luft von Kohle und Abgas verpestet. Hat wohl damit zu tun, dass immer mehr Nomaden der Natur den Rücken kehren und an den Stadtrand ziehen.

Eine besondere Funktion nimmt der Schamane oder die Schamanin ein, die wohl ähnliche Aufgaben haben, wie wir sie von den Indianern kennen. Mit allerlei seltsamen Tänzen, Gesängen und selbstgebrauten Mitteln sind sie zum Beispiel zur Stelle, wenn jemand krank ist. Ihr Wissen geben sie an „Lehrlinge“ weiter.

Mit den Siegeszügen des Dschingis Khan im 14. Jahrhundert kam der Buddhismus ins Land. Erste Kloster wurden gebaut, eine Mischform zwischen Buddhismus und Naturglauben entstand.

Ab den 20er Jahren gaben die Sovjets den Ton an. Diese verneinen jedwelche höhere Macht und metzelten in den 30er Jahren sämtliche Klöster und Mönche nieder. Einzig in UB wurde eins übrig gelassen, um das Blutbad vor internationalem Besuch geheim halten zu können. Dessen Mönche waren allerdings von den Russen eingesetzt und überwacht…

Seit Beginn der Republik erlebt das Volk eine Rückbesinnung auf ehemalige Werte. Dschingis Khan darf wieder als Volksheld verehrt werden, Klöster werden aus den Ruinen aufgebaut, Bräuche wiederbelebt. Christliche Missionare nutzten den Rückzug der Russen, um die gute Nachricht hierher zu bringen. Die Kosaken - eine Minderheit im Westen des Landes – sind Muslime.

Am meisten verbreitet ist immer noch die mongolisch Variante des Buddhismus. So arbeite ich morgen ganz normal, und auch Freitag war Alltag. Macht nichts – dass Jesus lebt, auf dieser Überzeugung gründet sich mein Alltag so oder so. Das weiss ich auch ohne Palmwedel, Fisch und Osterpredigt. Am ehesten vermisse ich noch die mit Krokant gefüllten Schoggi-Eier :-)

Lärmverschmutzung – noise pollution

Posted on 4 April 2007 at 01:39 in Kultur
Ich unterrichte mit einem Lehrmittel der Oxford University Press. Die reinrassig britischen Bücher sorgen allenthalben für komische Momente, wenn mein Lehrerkollege Jim, ein Cowboy aus dem Wilden Westen, mit den Aussprache-Übungen kämpft: walk=„wook“, talk=“took“, horse=“hoos“, water=“woota“ und so weiter. Das Lehrmittel ist so angelegt, dass man international damit unterrichten kann. Trotzdem stosse ich mit manchen Themen an Grenzen. Da ist z.B. der Quiz über das 20. Jahrhundert. Meine Schüler mögen gerade mal so knapp wissen, wer „Hasta la vista, baby“ gesagt hat, eventuell noch der Fall der Mauer in Berlin, aber Greta Garbo? Fred Astaire? Ayrton Senna? Deutlich zu Europa-lastig. Im Gegensatz zu mir erkennen sie, ob jemand japanisch oder koreanisch spricht, aber italienisch und französisch kommt ihnen, na was wohl, spanisch vor.

So wurde auch letzte Woche ein kultureller Unterschied offenbar. Unter dem Titel „noise pollution“, also Lärmverschmutzung, gab’s da eine Liste der zehn meistgenannten Störenfriede im Buch:

  1. Lärmende Nachbarn
  2. Baustellen
  3.  Läden und Nachtclubs mit lauter Musik
  4. Alarmanlagen, die nicht abgeschaltet werden
  5. Laute Feiern spät nachts
  6. Strassenarbeiten
  7.  bellende Hunde
  8. Verkehr, hupende Fahrer
  9.  Autos mit überdimensionalen Lautsprechern
  10. Fluglärm

Nach 7 Monaten in Ulaanbaatar kann ich da nur müde lächeln. Ich fand es schon früher, als ich noch nach europäischen Normen tickte, total doof, dass man sich wegen Kuh- und Kirchenglocken in die Haare kriegen kann. Nun geht es bereits über meinen Verstand, dass in Europa überhaupt ein Begriff „Lärmverschmutzung“ existiert. Redet man in UB von Verschmutzung, dann meint man die Luft oder die Flüsse, nicht den Lärm, obwohl man dazu bestimmt mehr Anlass fände als in der Schweiz oder in England.

Hier wird jeden Tag rund um die Uhr gebaut. Samstag und Sonntag und auch jede Nacht! Wehe dem, der neben einer der zahlreichen Baustellen wohnt. Die Hupe ist das am besten funktionierende Teil an jedem Auto. Die Alarmanlagen kreischen und heulen zwar durchdringend, aber so oft, dass niemand auch nur mit der Wimper zuckt, wenn wieder mal eine losgeht. Hunde sind als Haustiere beliebt - mindestens ebenso viele treiben sich wild draussen rum. Die Strassen sind sicher dreimal täglich total verstopft. Dann kommen noch die quietschenden Keilriemen dazu, und die schreienden Microbus-Fahrer, nicht zu vergessen die ALLZEIT und ÜBERALL klingelnden Mobiltelefone. Über meine Nachbarn gibt es meistens nicht viel zu sagen (ich wohne ja in einem Bürogebäude), aber es kam auch schon vor, dass abends um 11:30 noch fröhlich gebohrt, oder von Vodka inspiriert durchs ganze Treppenhaus gesungen wurde. Das einzige Getöse, das uns Europa voraus hat, ist Fluglärm.

Dass Lärm hier kaum ein Thema ist, mag daran liegen, dass die restlichen Quadratkilometer dieses riesigen Landes praktisch unbewohnt sind. Wer Ruhe will, flüchtet kurz in die Einöde. Auf dem Land kann man sich dann eben über Muhen und schnarchende Ehemänner aufregen, weil sie nicht mehr im restlichen Gedröhne untergehen.

I teach with books from Oxford University Press. The veeery British material is always good for a laugh when my colleague Jim, a cowboy from the wild west, wrestles with pronunciation practice exercises... The teaching material was designed to be used in all countries; however, I occasionally find that difficult. There’s this quiz about the 20th century – my students might know who said “Hasta la vista, baby”, probably also when the wall in Berlin came down, but Greta Garbo? Fred Astaire? Ayrton Senna? Definitely too heavy on foreign cultures. Other than me, they can distinguish Korean from Japanese when they hear it, but Italian and Spanish will remain undetected. Another one of those cultural differences revealed itself the past week. There was a list of the top ten trouble makers concerning “noise pollution”.

  1. noisy neighbours
  2. building sites
  3. shops or pubs playing loud music
  4. burglar or car alarms which aren’t switched off
  5. noisy parties late at night
  6. roadworks
  7. barking dogs
  8. heavy traffic and drivers hooting
  9. people who play their car radios at full volume with the windows open
  10. planes taking off or landing

After 7 months in Ulaanbaatar, all this list does is raise a smile. Even back when I was wired according to European standards I couldn’t understand people bashing their heads in because of cow- or church bells. Now it’s beyond my comprehension that the term “noise pollution” even exists in Europe. If people talk about pollution in UB, they mention the air, the rivers, but never the noise, even though there would be far more reason for that than in Switzerland or England.

Construction is going on 24/7 here. Saturdays, Sundays and every night, too! You better pray nobody’s going to build next to your flat. The hooter is the part which works best in every vehicle. Car alarms squeal and howl piercingly, but nobody even bats an eyelid when one goes off, as the sound has become so frequent and thus common. Dogs are popular pets – at least as many stroll around freely on the streets. The roads are jammed at least three times a day. Then there are squeaking v-belts, shouting microbus drivers, and last but not least, mobiles ringing EVERYWHERE and ANYTIME. Usually, I can’t complain about my neighbours, after all I live in an office building, but occasionally someone needs to drill at 11:30 p.m., or sings a vodka-inspired song through the staircase. The only bluster Europe can claim unchallenged is aircraft noise.

The reason that noise pollution is no issue here whatsoever might be that the remaining part of this gigantic country is nearly deserted. Whoever craves peace escapes to the countryside for a moment, where you can get all worked up over mooing cows and snoring husbands, as they aren’t any longer drowned out by other noise.

Umkämpfte Männer

Posted on 25 March 2007 at 07:36 in Kultur
Wenn in der Schweiz diesen Sonntag eine Stunde draufgeht, um „Tageslicht zu sparen“, spüre ich nichts davon, ausser dass jene Freunde, die sich endlich die 7h Zeitunterschied eingeprägt haben, wieder durcheinander kommen. Schon im Herbst lief das Prozedere hier mit ein paar Wochen Verspätung ab. Nicht so diesen Frühling, wie ich gehört habe: die mongolische Regierung habe beschlossen, ab sofort keine Zeitverschiebung mehr durchzuführen. Grund: es sei sehr ungesund. Wieher! Ich hab mich wieder mal kaputt gelacht ob der im grössten Ernst vorgetragenen Begründung. Meine Güte, was hier alles ungesund ist! All dieser Aberglaube – darüber muss ich auch mal schreiben – aber dass das fette Essen, der übermässige Konsum von Vodka, die Luftverschmutzung nicht gerade zur Langlebigkeit dieses Volkes beitragen (man stirbt hier mit durchschnittlich 60 Jahren), das ist halt schwierig zu ändern, also beginnt man mal bei der Zeitverschiebung. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das alles auch stimmt. Vielleicht eifert die Mongolei einfach einmal mehr „Mütterchen Russland“ nach. Ach, noch so ein Thema. Heute hab ich ganz viele Ideen.

Da ich mich in den ersten frühlingshaften Tagen prompt erkältet habe und jetzt mein Sofa hüte, dachte ich mir, ich könnte mal mein Versprechen einlösen und über Männer und Frauen schreiben. Ein heisses Eisen. Und ich sag euch schon jetzt, die Männer kommen nicht sehr gut weg hier. Ist natürlich alles pauschalisiert und unzureichend studiert – wirklich kennen tu ich etwa 15 Mongolen, davon zwei Drittel Frauen, und diese Männer entsprechen nicht mal dem von mir später beschriebenen Exempel. Meine Aussagen gründen sich auf Beobachtungen in der Öffentlichkeit und auf „Zeugenaussagen“.

Ladies first. Die mongolische Frau ist eine Powerfrau. Sie arbeitet, hat Familie und achtet auf ihr Äusseres. Sie gibt schon mal ihren ganzen Monatslohn für ein paar neue Jeans aus, um sich dann den Rest des Monats von Reis zu ernähren. Trotzdem; sie mag wohl hochhackige Stiefelchen tragen, aber sie kann genauso gut einen Plattfuss wechseln. Dies gilt jedenfalls für +20, darunter kann’s schon auch verwöhnte Gören geben, die sich nicht den Fingernagel ruinieren möchten. Frauen sind ambitioniert – über 70% an den Universitäten sind weiblich. Familie und Karriere bringen sie unter einen Hut. Oftmals dienen die Grosseltern, die im selben Haushalt wohnen, als Babysitter. Dann muss man allerdings auch sagen, dass hier mit Kindern weitaus weniger zimperlich umgegangen wird. Wenn Mama in den Ausgang will, muss der Kleine schon mal allein zu Hause bleiben. Und wenn Mama in Deutschland studieren will, bleiben die Kinder eben hier bei den Grosseltern.

Die Männer sind ungehobelte, ungepflegte Machos. Viele haben ein Alkoholproblem. Die wenigen mit guter Bildung wandern meist ins Ausland ab oder nützen ihre Position für unlautere Geschäfte und Korruption. Auch dies gilt besonders für die Generationen über 20.

Fazit: Frauen in meinem Alter haben ein ernsthaftes Problem, einen Partner zu finden. Die guten sind rar und schnell weg. Da die wenigsten Englisch sprechen, besteht auch kaum Gefahr, dass ich hier bei einem Mongolen hängen bleibe – obwohl das meine mongolischen Kolleginnen gerne sähen.

Camel Polo

Posted on 25 March 2007 at 12:45 in Kultur

Besuch aus der Gobi: Letztes Wochenende fand ausserhalb von UB das Camel Polo statt - ich war nicht da, dafür bin ich am Montag extra früher aufgestanden, damit ich die Abschlussparade auf dem Sukhbaatar Square mit ansehen konnte.

Dank meinem Riesen-Teleobjektiv konnte ich ganz gut Leute fotografieren, ohne dass diese es bemerkten. Im Bild zwei traditionell gekleidete Mongolen.

Return to Sender

Posted on 17 March 2007 at 12:32 in Kultur
Ich warte auf zwei Pakete aus der Schweiz – „Päckli“ J. Muetti hat sich immer noch nicht so ganz daran gewöhnt, dass die verlässlichen Aussagen der Schweizer Postangestellten den Mongolen schnurzegal sind: Sie wundert sich jedes Mal erneut darüber, dass jetzt doch schon 20 Tage vergangen sind, seit sie es abgeschickt hat! Es sind noch alle angekommen, jedoch dauert es meist 6 Wochen.

Ein Grund dafür könnte sein, dass ich keine Adresse habe. Klar, die haben mir schon so ein paar Zeilen angegeben, die man auf den Brief schreiben kann. Hier angekommen hab ich irgendwann gemerkt, dass „Sukhbaatar District“ und „Baga Toiruu“ ziemlich viele mögliche Standorte für das Haus Nummer 8, Wohnung Nummer 401 zulassen - es handelt sich dabei um den Stadtteil und eine der grösseren Strassen. Häuser sind zwar nummeriert, aber nach dem Prinzip „Wähl dir ne schöne Zahl aus“. Null System dahinter. Dazu kommt mein Verdacht, dass die Ausländer die Strassennamen besser im Griff haben als die Einheimischen. Pläne lesen können sie nämlich auch nicht besonders gut, hab ich gemerkt… Wie also orientieren sich die Leute hier? Ganz einfach, man muss bloss alle wichtigen Gebäude kennen. Wenn ich auf dem Heimweg ins Taxi steige, leiere ich manchmal drei davon herunter, bis sie wissen, wohin ich will. Kein Wunder also, dass meine Pakete alle im Hauptbüro der Schule landen statt in meiner Wohnung, das Büro ist nämlich in einem berühmten Haus untergebracht. Schleierhaft ist mir nur, weshalb dann alle Postkarten und Briefe bis jetzt immer direkt bei mir gelandet sind!!

111 – Auskunft…

Posted on 1 March 2007 at 12:40 in Kultur
Während sich in der Schweiz wohl so mancheR an die neue Nummer der Auskunft erst gewöhnen muss, kriegt man hier unter 111 immer noch Antwort auf Fragen. Aber was für welche! Natürlich habe ich keine Erfahrung aus erster Hand, denn telefonieren in einer Fremdsprache ist bekanntlich noch schwieriger als eine Konversation von Mensch zu Mensch, da Gestik, Mimik und Lippenbewegungen als zusätzliche Informationsquellen nicht zu Hilfe genommen werden können. Ich bin von Natur aus gutgläubig, aber hier lege ich mir mit gutem Grund ein gewisses Mass an kritischem Misstrauen zu. Zu oft wurde nicht Wort gehalten. „Wann kommen denn die Bücher ENDLICH?“ – „Nächste Woche.“ Bloss dass es das schon letzte Woche hiess. Ich warte immer noch auf das Audiomaterial, das wir im Oktober bestellt haben. Das kommt auch nächste Woche J.

Der Anlass, die mongolische Auskunft zu thematisieren, ist übrigens die Fortsetzung von „Schwimmen im Takt“. Dazu muss ich aber nochmals kurz zurückgreifen auf frühere Geschehnisse.

Bevor ich die niederschmetternde Auskunft erhielt, dass man nur sonntags schwimmen gehen kann ohne Abo, ereignete sich schon ein typisches Beispiel der verzwickten Informationslage in der Mongolei: Sandra und ich beschlossen nach unserem erfolgreichen Sonntag, am Dienstagabend nach der Arbeit gleich wieder zu gehen. Um sicher zu sein, dass wir nicht vor verschlossener Tür stehen würden, rief meine Kollegin an. Jawohl, geöffnet. Der Mann im Foyer aber schüttelte nur den Kopf und schwatzte irgendwas. Ich machte ihm klar, dass meine Kollegin gerade angerufen hatte und die Auskunft erhielt, das Bad sei geöffnet. Da holte der den Direktor, der uns sehr freundlich die x Zettel am Anschlag erklärte. Mit ein paar Brocken Englisch seinerseits und unserem spärlichen Mongolisch fanden wir dann raus, dass am Dienstag bloss Aqua Aerobic statt findet, ein Monatskurs. Von Mittwoch bis Sonntag sei das Bad geöffnet, unter der Woche koste es sogar nur 3.000 Tugrik, so unser Informationsstand am Dienstagabend.

Daraufhin also der erneute Anruf am Mittwochmorgen mit bekanntem Ausgang. Ich liess Sandra per Mail wissen, dass unsere abendlichen Schwimmpläne ins Wasser gefallen waren. Ihre Antwort hier wörtlich:

„Katrin

Nein, alles ist natürlich anders ;o). Mein Kollege hat noch mal angerufen und es war natürlich offen und hat viel Spass gemacht. (…) Einzig kostete es dann doch 4.500… aber das haben wir ja gelernt: es kann immer anders sein, als man es vorher gesagt bekommen hat. (…)

Sandra“

Wenn die hier was nicht wissen, erfinden sie einfach was! Je nach Lust und Laune. Trau, schau wem.  

Für die Gäste nur das Beste…

Posted on 22 February 2007 at 03:01 in Kultur
… stand zu Hause auf unserer Plätzchendose. Wie es die Mongolen mit der Gastfreundschaft halten, muss, wie vieles andere auch, in Stadt- und Landleben unterteilt werden.

In UB habe ich nach einem knappen halben Jahr das erste Mal eine mongolische Wohnung von innen gesehen. Bei anderen Ausländern war ich schon oft zu Gast, aber obwohl ich auch mongolische Kolleginnen im Freundeskreis habe, wurde ich von ihnen nie eingeladen. Wir haben uns immer auswärts getroffen, in Restaurants oder Clubs. Zu Neujahr hingegen wurde ich sogar von fremden Familien (die meines Arbeitskollegen und eines Bekannten) erwartet, bekocht und traditionsgemäss beschenkt. Was unter dem Jahr also ziemlich spärlich stattfindet, holt man zu Tsagaan Tsar wieder auf. Nachdem sich ein Fahrer ausgiebig über die teure Feier beschwert hatte (Essen und Geschenke für weit über 100 Besucher müssen gekauft werden, je nach Bekanntheitsgrad der Familie), fragte ich in meinen Klassen nach, ob alle das Fest eher als Belastung ansehen – dem war aber nicht so.

Einen Grund für die kaum vorhandene Gastfreundschaft kann ich nicht nennen, denn auf dem Land verhält sich die Sache ganz anders, und schliesslich basieren alle Traditionen dieses Landes auf dem Nomadenleben. Wer in der weiten Landschaft auf ein Ger stösst, wird herzlich willkommen geheissen und auch gleich verköstigt. Neuigkeiten sind im eintönigen Alltag willkommen, jeder Besuch stellt eine Abwechslung dar. In Kharkhorin war bei unserer Ankunft schon die ganze Familie im Bett. Für uns wurde der Ofen nochmals neu eingeheizt, Tee frisch zubereitet und Bortsog gereicht. Die schlafenden Kinder wurden in den Decken zum Nachbarger herübergetragen, damit wir uns breit machen konnten. Mit dem wachsenden Tourismus ändert sich die Situation natürlich: Ger Camps bieten zwar äusserlich eine authentische Schlaf- und Wohngelegenheit, aber von der Gastfreundschaft, den typischen Getränken und Gerichten spürt man dort nichts. Man könnte gerade so gut in einem Tipidorf schlafen. Wer die richtigen Leute kennt, kommt für 5 Franken pro Nacht bei einer Familie im Gästeger unter. Dort hat man zwar auch etwas mehr Freiraum (z.B. um Schoggibananen zu braten :-), aber der Familienanschluss ist trotzdem noch gewährleistet, und um einen Vodka und einen Schluck Airag kommt man bestimmt nicht herum.

Teacher’s day

Posted on 7 February 2007 at 02:05 in Kultur
Schon seltsam. Lehrer und Ärzte, in der Schweiz gut bezahlte Berufe, fristen hier ein Dasein knapp an der Armutsgrenze. Es hat eine Weile gedauert, bis es so richtig in mein Bewusstsein gedrungen ist, dass ich jetzt weniger verdiene als ein Bürogummi, um’s bissig zu sagen. Ich hab nicht so den Durchblick, was meine Mitarbeiterin den ganzen Tag macht – bestimmt auch nicht immer Finanzen und Buchhaltung und Planung für die Schule – faul ist sie sicher nicht, aber dass sie mehr verdient, das passt mir nicht! Die Kernarbeit erledige schliesslich ich! DASS sie mehr verdient, dieser Groschen ist irgendwann gefallen: Alle meine administrativ beschäftigten Mitarbeiter führen die modernsten Handys spazieren (ich hab gerade Modell Fred Feuerstein für „günstige“ 40$ erstanden), kaufen sich Schmuck, Kleider und teure Stiefel ohne nennenswerten Anlass (wie z.B. „eine meiner fünf Hosen ist in Einzelteile zerfallen, nachdem ich sie zweimal geflickt habe“) und verreisen spontan nach China für Ferien. Alles Dinge, die ich mir nicht leisten kann. Die Hälfte meines Lohnes geht für Lebensmittel drauf. In der Schweiz waren das höchstens 10%!

Während ich das so schreibe, schmunzle ich über mich selbst. Hätte nicht gedacht, dass ich zu solchen Neidanwandlungen fähig bin. Klingt auch eine Spur nach Baden im Selbstmitleid. Tut mir ganz gut, mal zu erleben wie sich das anfühlt. Viel zu selbstverständlich hab ich vorher meinen Lohn ausgegeben.

Eine schöne Seite hat das Lehrer-sein hier allerdings, das die Schweiz nicht bieten kann: Ich werde von allen respektiert. Freche Schüler? Gibt’s nicht. Ausdruck dieser Achtung ist der „teacher’s day“ in der ersten Februarwoche. Da wird man von den SchülerInnen beschenkt. Schokolade, Geldbeutel aus Leder und mongolische Figürchen gab’s für mich. Ehrlich, ich hab’s genossen, dieses Zeichen, auch wenn die Lebensdauer der Figürchen schon jetzt bestimmt ist…

Strange. Teachers and doctors, in Switzerland well-paid jobs, struggle to make a living here. It took a while until it sank in that I earn less than a “pencil-pusher” now – it makes me waspish, as you can tell. I have no idea what my co-worker is doing all day long. It’s definitely not 8 hours of finances, advising and management of our school either. She’s far from being lazy, that’s not what I want to imply, but I can’t get over it that she earns more than I do. After all, I’m the one who takes care of the core work! That she does earn more, this penny dropped when I realized that all my administrative colleagues walk around with the latest cell phones (I just acquired one type Fred Flintstone for a “pricy” 40$), they buy jewellery, clothes and boots with no namable reason (like “one of my five pants just fell to pieces after I had patched them back together twice”) and go on a spontaneous trip to China over Christmas. All of this I can’t afford. More than half my paycheck is consumed by groceries. In Switzerland I spent 10% at most for food!

While I’m writing this, I can’t help but smirk at myself. I didn’t know I could be that envious. Sounds a bit like I’m wallowing in self-pity, too. Actually, I’m glad for this experience. I used to spend my salary pretty thoughtless, taking it for granted.

Naturally, there’s also a nice aspect about being a teacher here - I get a lot of respect. Students who mouth off? Non-existent. „Teacher’s day“ is a reflection of this attitude: In the first week of February, all the teachers get presents from their students. I got yummy chocolates, a leather wallet and Mongolian figurines. I really appreciated this sign, even though the days of the figurines are already counted…

Fix it!

Posted on 26 January 2007 at 10:06 in Kultur
Momentan wasche ich mich in der Küche, denn das absolut beschissene Abflussrohr im Bad, das dazu prädestiniert scheint, dass auch sicher jedes Haar darin hängen bleibt (sieht aus wie ein Ziehharmonika-Schlauch), war natürlich nach nur viereinhalb Monaten komplett verstopft. Damit könnte man ja noch leben, das Wasser hat ja den ganzen Tag Zeit abzulaufen, bis ich abends wieder daher komme. Aber dann hatte es auch noch irgendwo ein Leck. Nachdem ich also eine Woche lang in der Küche Zähne geputzt hatte, haben es "die Männer" (ganz bestimmt keine Spengler) dann geschafft, mein ganzes Bad plus Boden total zu verdrecken, ohne aber das Rohr ganz zu entstopfen. Dann hat sich rausgestellt, dass ich den Ablauf nur zu- aber nicht mehr aufstöpseln kann, weil die da etwas falsch zusammengesetzt haben. Ich hab mir schon so meine Gedanken gemacht, als auf dem Rand des Lavabos ein Dichtungsring lag, der nicht mehr an seinen Platz gefunden hatte... und jetzt warte ich seit einer weiteren Woche auf einen zweiten Besuch der „Spezialisten“. Heute Morgen hat sich beim Haare waschen ohne mein Zutun auch noch der Wasserhahn in seine Einzelteile zerlegt.

Genau gleich lief es mit dem Cablecom-Typen. Seit dem allerersten Tag (!) steht in meiner Wohnung ein Fernseher. Nachdem die erste Antenne mein Programm auf minim mehr als Ameisenrennen vergrössert hatte und ich sie irgendwann klammheimlich auf den Abfallberg schmuggelte, kam nach Weihnachten endlich das nötige Gerät plus Montagemann daher. Nicht dass ich das gefordert hätte, ich habe den Kasten ja gar nicht vermisst. Zuerst riss er das ganze Klebeband und Abdichtungsmaterial - vor 2 Monaten sorgfältig angebracht, um die Kälte draussen zu halten - von der Balkontüre runter und schmiss alles auf den Boden, so dass ich nachher einen Nachmittag mit heissem Wasser und einem Messer auf dem Fussboden verbrachte, und jetzt warte ich seit drei Wochen darauf, dass er das Kabel sauber an die Wand pinnt. Zu guter Letzt hat mein Mop seine Herkunft – China – verraten: er brach ganz einfach in der Mitte entzwei. Wie lange hat meine Mutter ihren Schrubber schon??! MÜLL! Dringender nötig als Schweizer Lehrerinnen hätte die Mongolei Lehrmeister in allen Baubranchen!

 

I brush my teeth in the kitchen these days, for the absolutely crappy drainpipe of the sink in my bathroom, seemingly predestined to hold back every single hair (made of folded plastic), is blocked after only four months. I could deal with that, as the water can trickle down the entire day until I come back in the evening. But then it started to leak. So after I had washed my face in the kitchen for at least a week, “the men” (definitely no plumbers) managed to mess up my whole bathroom without cleaning everything out. Then I found out that after their job, I couldn’t unplug the sink again because they had obviously put the parts back together backwards. I’d had my doubts when I saw an odd sealing gasket sit on the sink… I’ve been waiting another two weeks for the “pros” to come and fix that problem now. This morning when I was washing my hair, the hot water tap fell to pieces without me even touching it.

No different is the story with the cablecom guy. Since the very first day of my arrival, a TV inhabits my room. Remarkable. After the first antenna had expanded the number of channels to slightly more than the racing ants and I had secretly dumped the piece, the guy finally showed after Christmas and installed the device which is needed for cable TV. I hadn’t asked for that, since I grew up without television and thus don’t miss it at all. Anyway, first he tore the seals off the door of my balcony – applied only two months ago to keep the cold out – and threw everything on the floor, as a consequence of which I spent one Saturday afternoon on the floor with a knife and hot water, trying to remove that sticky stuff. Also, I’ve been waiting for three weeks now for him to finish the job and tacker the cable neatly up the wall. Last but not least, my mop gave up the information where it was made – China – by simply braking in halves. For how many decades has my Mum had her mop??! Rubbish! The need for construction specialists in this country is far greater than that of Swiss English teachers!

Microbus

Posted on 1 January 2007 at 08:07 in Kultur

 Ein weiteres „must“ aus der Liste der typisch mongolischen Erfahrungen ist abgehakt: eine Fahrt im Microbus. Meine einheimischen Freundinnen haben mir zwar davon abgeraten – gefährlich!!! – und ehrlich gesagt bewege ich mich immer noch am liebsten zu Fuss in Ulaanbaatar. Für alles andere braucht man Orts- und Sprachkenntnisse, und die stecken immer noch in den Kinderschuhen. Diesmal ging’s aber nicht anders, denn ich wollte eine befreundete Familie in einem kleinen Ort etwa 30 Minuten ausserhalb von UB besuchen. Also los an die Haltestelle. Alle paar Minuten nähert sich so ein kleiner Bus. Noch bevor er ganz anhält wird ein Fenster oder die Schiebetür geöffnet, und jemand streckt den Kopf raus, um lautstark (und für mich unverständlich, besonders wenn gleichzeitig drei anhalten) die Fahrtrichtung bekannt zu geben. Puh. Wie finde ich da raus, welches mein Bus ist? Ich frage bei jedem der Schreihälse nach: Gatschuurt? Kopfschütteln. Uguee. Nein, andere Richtung. Ich stehe sicher schon 10 Minuten dort und frage mich langsam, ob ich wohl noch bei Tageslicht in Gatschuurt ankomme, als ich endlich ein Kopfnicken ernte. Wie könnte es anders sein – mein Bus ist schon mehr als voll. Ich kriege den Sitz des Schreiers, der quetscht sich auch noch rein und sitzt halb auf meinem Schoss für die nächsten 10km, bis ein paar Leute aussteigen. In dieser Sardinenposition gestaltet es sich ziemlich schwierig, das Fahrgeld aus der Tasche zu klauben, und natürlich kriege ich wieder 100 Tugrik zu wenig raus. Was soll’s, 40 Rappen für eine halbstündige Fahrt sind ja nicht alle Welt. Hauptsache, ich komme ans Ziel.

 

There’s another tick on my list of typical Mongolian experiences: a ride on a microbus. My local friends advised me to keep away from them – dangerous!!! – and frankly, I still prefer moving around Ulaanbaatar on foot. For any other means of transportation, language skills and knowledge of the city are required, and those are still not very developed. However, this time it was inevitable, for I planned on visiting a family living in a small village about 30 minutes outside of UB. At the bus stop, every other minute one of those small busses approaches. Even before it comes to a complete stop, the door or a window slides open and a head emerges in order to bark out the route. I usually don’t understand a word of it, especially when three or more arrive at the same time… Some minutes pass with me standing there, wondering how I can find out which bus is mine. I start questioning every squaller: Gatschuurt? They shake their heads. Uguee. No, some other direction. After numerous negative answers I begin to doubt that I will reach Gatschuurt before sunset, but finally I get a nod. Sure enough, my bus is already more than full of people. I get the seat of the conductor who himself sits halfway on my lap for the next 10 kilometres, until some passengers get out. Jammed as it is, it takes some time to gather the money from my bag, and once again, I pay 100 Tugrik more than the locals. But I’m not complaining, since 40 cents for a ride of half an hour is just fine – if only I reach my destination.


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Aus und vorbei!

Ich bin wieder zu Hause - die Mongolei und die dazu gehörenden Erlebnisse, die grösstenteils in diesem Blog festgehalten sind, gehören zur Kategorie "Erinnerungen". Viel Spass beim Lesen!