Mormonen
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Eine Taufe im Winter, die Wärme spendete

Meine Eltern haben die Kirche während des ersten Weltkrieges in Deutschland kennengelernt, obwohl dort damals keine Missionare zugelassen waren. Meine Mutter hörte zuerst durch eine meiner Kusinen, die älter ist als ich, etwas vom Evangelium. Meine Kusine war von ihrer Familie verstoßen worden, weil sie sich der Kirche angeschlossen hatte. Mein Vater erlaubte meiner Mutter zwar, die Versammlungen zu besuchen und meinen Bruder und mich mitzunehmen, wollte aber selbst nichts damit zu tun haben. Dann gab ihm ein Arbeitskollege ein Buch Mormon und erzählte ihm von der Kirche. Mein Vater las das Buch, befaßte sich mit dem Evangelium und begann, mit uns zur Kirche zu gehen.
Als der Zweigpräsident meiner Mutter anriet, sich taufen zu lassen, sagte sie ihm, sie selbst und die Kinder seien bereit, aber sie wolle auf ihren Mann warten. Vater sagte: „Ich bin auch bereit.” Aber Mutter sagte ihm, er sei es nicht, weil er immer noch Pfeife rauchte. Da zerbrach Vater die Pfeife in drei Stücke und warf sie ins Feuer. Als Juwelier und Uhrmacher war er gewohnt, an einem hohen Tisch zu arbeiten und dabei eine lange Pfeife zu rauchen, die bis zum Fußboden hinunterreichte. Es kostete ihn schon einige Mühe, damit aufzuhören.
Da Taufen damals verboten waren, vereinbarten wir mit einigen Mitgliedern, uns nachts an einer Straßenbahnhaltestelle zu treffen und zur Taufe zum Fluß zu gehen. Am vereinbarten Tag kam ich so krank von der Schule nach Hause, daß ich kein Abendbrot essen konnte. Als es Zeit war, loszugehen, ging es mir noch schlechter, und Mutter sagte, ich solle warten und mich später taufen lassen. Ich bestand aber darauf, jetzt getauft zu werden, und wollte nicht mehr warten. Wir fuhren ungefähr eine Stunde mit der Straßenbahn, um bis zur Chemnitz zu gelangen. Dann gingen wir durch den Park an den Ort, wo die Taufen stattfinden sollten.
Als wir aus der Straßenbahn ausstiegen, fühlte ich mich so elend, daß ich weder sprechen noch gehen konnte. Mein Vater und einige Brüder trugen mich abwechselnd. Als wir ankamen, fanden wir einen Polizisten, der Wache hielt, aber er saß gegen einen Baum gelehnt und schlief. Vor den Pfad, der zum Fluß führte, war Stacheldraht gespannt, aber einige Brüder hielten den Draht auseinander, und wir schlüpften hindurch. Wir stellten fest, daß der Fluß zugefroren nacht. Ich nickte, denn ich konnte immer war, aber die Brüder schlugen das Eis noch nicht sprechen, und ich war die auf, und dann wurde ich gefragt, ob ich erste von elf (drei Kindern und acht immer noch in dieser Nacht getauft Erwachsenen), die getauft werden sollten. Als ich untergetaucht wurde, war mir, als würde eine dicke Schale von mir abgezogen. Das muß die Wirkung des kalten Wassers gewesen sein. Ich konnte allein das Ufer hinaufklettern und fühlte mich wieder gut. Mutter und einige Schwestern halfen mir, mich abzutrocknen und anzuziehen. Danach setzte ich mich auf einen kleinen Klappstuhl, um konfirmiert zu werden.
Nach den Taufen kehrten wir auf dem gleichen Weg zurück, den wir gekommen waren – den schmalen Pfad entlang, durch den Stacheldrahtzaun und an dem Polizisten vorbei, der immer noch schlief. Der große, leuchtende Mond machte die Nacht fast zum Tag, und während wir zur Straßenbahnhaltestelle zurückgingen, sangen wir unserem himmlischen Vater Loblieder.
Einige Zeit nach Kriegsende kamen wieder Missionare nach Deutschland, und an einem Sonntagvormittag kam ein neuer Missionar – ein Amerikaner, der unsere Sprache nicht beherrschte – zu uns zum Essen. Meine Eltern sprachen etwas Englisch, da sie vier Jahre in Liverpool in England gewohnt hatten. Am Abend gingen wir alle zur Abendmahlsversammlung, und der neue Missionar wurde gebeten zu sprechen. Ich erinnere mich noch, daß er mir leid tat, denn ich wußte, daß er kein Deutsch konnte, und ich fragte mich, was er wohl sagen würde. Er hatte auch keine Zeit, von einem der anderen Missionare, die schon länger da waren, eine Ansprache abzuschreiben.
Er sprach über eine Stunde! Er forderte die Heiligen auf, nach Amerika zu ziehen, denn es werde wieder ein Weltkrieg kommen, und der würde noch schlimmer als der sein, den wir gerade hinter uns hatten. Das war schrecklich zu hören, denn wir erinnerten uns noch lebhaft an die Leiden des letzten Krieges. Auf dem Heimweg fragte ich meine Eltern, welche Sprache der Missionar gesprochen habe. Ich wußte, daß es weder Deutsch noch Englisch war, obwohl ich Englisch nicht verstand. Trotzdem hatte ich jedes seiner Worte verstanden. Mein Vater sagte, ich solle dieses Erlebnis nie vergessen, denn so etwas würde ich wahrscheinlich nie wieder hören. Der Missionar hatte in Zungen gesprochen.
Von diesem Tag an sprachen meine Eltern von kaum etwas anderem als von dem Plan, nach Amerika auszuwandern. Mein Vater reiste als erster ab, und ungefähr ein Jahr darauf ließ er mitteilen, meine Mutter, mein Bruder und ich sollten nachkommen. Meine Mutter bekam zuerst keine Ausreiseerlaubnis, weil sie herzkrank war. Sie bestand aber darauf, daß mein Bruder und ich abreisten; sechs Monate später durfte sie zu uns stoßen.
Es kam alles so, wie der Missionar vorausgesagt hatte. Meine Schwester, die das Evangelium nicht angenommen hat und die noch in Deutschland lebt, berichtete uns von den Ereignissen dort. Sie liefen entsprechend der Prophezeiung des Missionars ab.
Hildegard Hahl, November 1982

12:44 - 29 March 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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