Mormonen
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Der Kaplan überlegte es sich anders

Es war Krieg. Wir nahmen Abschied von unseren Angehörigen und marschierten über die Laderampe an Bord der Sea Ray, eines Schiffs der Handelsmarine im Hafen von San Francisco. In fünfundvierzig Tagen würden wir unser Ziel erreicht haben.
Von den 2500 Mann, die sich auf dem Schiff drängten, waren zumindest drei Heilige der Letzten Tage. Wir wünschten uns nichts mehr, als zu einer eigenen Abendmahlsversammlung zusammenzukommen. Wir fragten den Marinekaplan, ob wir für unsere Versammlungen die Schiffskapelle benutzen durften, und waren überrascht, als er entgegnete, er habe keine Zeit, für eine so kleine Gruppe einen eigenen Gottesdienst zu halten. Wir würden an einer der Versammlungen für andere Glaubensgemeinschaften teilnehmen müssen.
Wir erklärten ihm, daß wir unsere Versammlungen selbst halten würden und die Schiffskapelle nur zu einem Zeitpunkt brauchten, da sie nicht besetzt sei. Aber er blieb dabei: Für eine so kleine Gruppe lohne es sich nicht, die Kapelle zu benutzen. Wir erwiderten, wir selbst fänden es der Mühe wert.
Wir baten ihn noch mehrmals, aber er lehnte immer wieder ab. Schließlich sagte er mit aller Deutlichkeit, daß wir zu den bereits geplanten Gottesdiensten kommen sollten, und ließ uns stehen.
Also begannen wir, auf dem überfüllten Schiff nach einem Platz zu suchen, wo wir ungestört waren. Jeder Winkel auf Deck war von Soldaten besetzt, die die frische Seeluft den überfüllten, stickigen Kajüten unter Deck vorzogen. Wir suchten das Schiff von vorne bis hinten ab und mussten schließlich einsehen, daß wir uns nur versammeln konnten, wenn wir uns mit gekreuzten Beinen in einen engen Winkel zwischen den Schornsteinen des Schiffes hockten und dort gemeinsam die heiligen Schriften studierten. Wir hatten einfach nicht die nötige Abgeschiedenheit und Freiheit, um das Abendmahl zu nehmen, zu singen und zu beten, aber wir waren zumindest beisammen.
Während wir besprachen, was wir vorhatten, plärrte eine Lautsprecherstimme: „Gottesdienst für alle Heiligen der Letzten Tage, sechs Uhr, Tür 45.” Wir wunderten uns, waren aber zugleich erfreut, daß man uns doch noch einen Versammlungsraum zur Verfügung gestellt hatte. Was hatte den Kaplan veranlaßt, es sich anders zu überlegen?
Es war schon fast sechs, und so eilten wir über die Treppen hinab in einen ehemaligen Vorratsraum. Es war ein großer Raum, vollgeräumt mit langen, dicken Schiffsplanken und kleinen Holzfässern. Sitzgelegenheiten gab es keine, aber wir waren froh, daß wir einen Platz hatten, wo wir das Abendmahl nehmen, singen und beten konnten.
Wir fingen an, aus den Planken und Fässern Bänke zu bauen. Bald kamen weitere junge Männer im Kampfanzug herunter und fragten, ob hier die HLT-Versammlung stattfände. Sie halfen uns, und bald sah der Raum ordentlich aus und war bereit für den Gottesdienst. Als wir die Anwesenden zählten, waren es dreißig, die zu unserer ersten Versammlung in unserem eigenen Raum unter Deck gekommen waren.
Anhand der Militärausgabe des Buches „Grundsätze des Evangeliums” - es enthält Lieder und die Abendmahlsgebete - stellten wir das Programm für eine besondere Abendmahlsversammlung zusammen. Wir hörten Ansprachen und Belehrungen aus dem Stegreif und spürten den Geist des Herrn. Unser Herz war bewegt, und wir fühlten uns einander sehr nahe, vereint durch die Liebe zu Gott, unserem himmlischen Vater, und zu seinem geliebten Sohn. Erinnerungen an daheim und an unsere Familien wurden in all ihrer Wärme lebendig.

Nach dem Gottesdienst blieben wir noch da und wollten nicht, daß die Zeit des Zusammenseins endete. Von allem, was wir auf See erlebten, erinnerte dies noch am ehesten an zu Hause. Während der ganzen Woche freuten wir uns auf die nächste Versammlung. Die Versammlungen waren in diesen bedrückenden Tagen unsere Lichtblicke.
Sonntag für Sonntag hielten wir unseren Gottesdienst. Ohne daß wir es wußten, war der Kaplan auf uns aufmerksam und neugierig geworden. Als wir uns an einem Fastsonntag im Januar 1945 versammelten, kam er zu unserem Erstaunen die Treppe herabgestiegen. Er fragte, ob er unseren Gottesdienst besuchen dürfe, und wir hießen ihn willkommen.
Männer in Kampfanzügen neigten andachtsvoll das Haupt zum Gebet, sangen Kirchenlieder, segneten und nahmen das Abendmahl - ernst und voll Demut. Nach dem Abendmahl stand einer nach dem anderen auf und gab Zeugnis. Sie brachten ihre Dankbarkeit zum Ausdruck - für gute Eltern, die sie belehrt hatten, für Familien, wo sie in Liebe, Frohsinn und Freude hatten aufwachsen können, für die Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi auf Erden und für den lebenden Propheten.
Nach der Versammlung sprach uns der Kaplan an und fragte, ob er beim nächsten Gottesdienst zu uns reden dürfe. Wir gewährten es ihm ohne Zögern.
Am darauffolgenden Sonntag erteilten wir nach dem Abendmahl dem Kaplan das Wort. Er stand vor uns, und wir saßen auf unseren Planken und Fässern. „Ich weiß nicht, wer ihr seid und was ihr da tut, aber wer immer ihr seid und was auch immer eure Mission ist, macht bitte so weiter”, sagte er. „Während meines ganzen Studiums, in allen Gottesdiensten, die ich geleitet, und in allen Kirchenräten, an denen ich teilgenommen habe, bin ich geistig nie so sehr erbaut worden wie in eurer Versammlung am letzten Sonntag. Gebt bitte weiterhin ein so gutes Beispiel wie bisher.”
Es beeindruckte uns sehr, wie er seine Meinung und Einstellung bezüglich der Heiligen der Letzten Tage geändert hatte.
Wir versammelten uns weiterhin jeden Sonntag in unserem Gottesdienstraum, bis wir unser Ziel erreichten und sich unsere Wege aufgrund verschiedener Einsätze trennten. Ich habe mich seither oft gefragt, was aus diesem Kaplan geworden ist. Ich bin dankbar, daß er uns einen Platz zur Verfügung gestellt hat, wo wir uns versammeln konnten. Und ich bin dankbar für unsere schönen Versammlungen in diesem Raum unter Deck.
Ralph Mortensen , März 1989

01:27 - 29 March 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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