Mormonen
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Nicht Geld sondern Glauben

Ich fühlte mich nicht als Experte. aber die vier Männer in dem kleinen Raum. Reggie, Robert, Charles und Don, der Distriktspräsident, blickten mich alle an, als wäre ich einer. Sie brauchten Hilfe, damit sie ihr neues Gemeindehaus bauen konnten, und man hatte mich zu diesem Zweck hergeschickt.
Es gibt aber Augenblicke, wo auch Experten keine Antwort wissen. Was sollte ich diesen vier Männern sagen, die von mir eine unfehlbare Methode wollten, mittels derer man das benötigte Geld auftreiben konnte. Die in der Kirche vorgesehene Methode sind Mitgliederspenden. Aber die hiesigen Mitglieder sagten, daß sie nichts spenden konnten — oder zumindest schienen sie dazu nicht in der Lage. Sogar die Wohlhabendsten wirkten arm.
Mir fiel aber keine andere Lösung ein. Ich sagte: „Natürlich werden wir das Geld von den Mitgliedern bekommen müssen.”
Sie nickten und sagten nichts. Sie wussten, daß ich ihnen keine echte Lösung geboten hatte.
Darum ging ich einen Schritt weiter: „Zu allererst ist es notwendig, daß jeder von Ihnen sich zu einer Spende verpflichtet”, sagte ich. „Wieviel schlagen Sie vor?” fragte Don. „Fürs erste würde ich sagen: Fünfzig Pfund.” An ihren Gesichtern konnte ich ablesen, daß ich zu hoch gegriffen hatte. „Wie das Volk. so die Führer”, erinnerte ich sie. „Sie können nicht von anderen verlangen, wozu Sie selbst nicht bereit sind. Wenn Sie selbst ihr Opfer gebracht haben, wird der Herr Ihnen helfen. Wenn dann noch gut geplant und schwer gearbeitet wird, läßt sich alles schaffen.” Sie nickten, aber ich sah ihnen an, daß sie noch Vorbehalte hatten. Zwei der Männer waren Pensionisten mit einer niedrigen Pension, und die anderen beiden — einer war Baumeister, der andere Hilfsarbeiter — hatten eine Familie und ein geringes Einkommen.
Nach der Versammlung fuhr mich Don ins Hotel zurück. Charles begleitete uns. Als ich ausstieg. sah Charles Don an und sagte: „Ich fahre von hier mit dem Bus weiter. Ich muß mit Bruder Walton sprechen.”
„In Ordnung”, gab Don zur Antwort. „Ich komme um sieben bei dir vorbei und hole dich zu unserer Versammlung ab.” Er lächelte, aber aus seinen Augen blickte noch immer die Beunruhigung, die jene fünfzig Pfund hervorgerufen hatten.
Charles und ich stiegen die Treppen zur Veranda des Hotels hinauf und setzten uns in einen Korbstuhl. Ich betrachtete sein Gesicht und erblickte darin ein ganzes Leben voll schwerer Arbeit. Wir saßen da, schaukelten in unseren Stühlen und blickten über die breite Straße hinüber zum Park und zum Indischen Ozean jenseits des Parks.
Endlich fing er zu sprechen an: „Was das Geld angeht — ich habe eine begrenzte Pension und kein anderes Einkommen. Auch bin ich nicht sehr gesund. Meine Frau und ich haben jeden Monat Mühe, alle Rechnungen zu bezahlen. Ich sehe einfach keine Möglichkeit, irgend etwas zu spenden, seien es fünfzig Pfund oder weniger. Mir geht es nicht besser als anderen. Vielleicht sollten wir noch eine Weile warten, bis wir uns in ein so großes Unternehmen stürzen.” Er war ein demütiger Mann. und ich bereute es, daß ich ihn in diese Lage gebracht hatte. Ich spürte, wie leid es ihm tat, daß er nichts beitragen konnte. Ich antwortete nicht, weil ich auf ihn keinen Druck ausüben wollte, aber ich muß zugeben, daß ich daran dachte, wie viele Seiten Geschichte über die Mühen von Menschen geschrieben worden sind, die das Unmögliche geschafft haben. Schließlich sagte ich: „Ich schlage vor, Sie sprechen darüber mit Ihrer Frau. Beten Sie auch darüber. Es ist eine Sache zwischen Ihnen und dem Herrn, nicht zwischen Ihnen und mir oder irgend jemand anders.”
Charles stand auf, und wir reichten uns die Hände. Er war ein kleiner, blasser Mann mit kraftlosen Händen, aber aus seinen Augen blickte Aufrichtigkeit. Er ging die breiten Holztreppen hinab. Als er die Straße überquerte, muß er meinen Blick gefühlt haben, denn er wandte sich um und winkte.
Ich wollte soeben auf mein Zimmer gehen, als Reggie vorbeifuhr, mir zuwinkte und seinen Wagen abstellte. Er war jung und drahtig und nahm zwei Stufen auf einmal. Er erzählte mir von seinem kleinen Betrieb, seinen kleinen Kindern, von mangelnden Aufträgen und schließlich, daß er keine Möglichkeit sähe, die fünfzig Pfund zu spenden.
Ich faßte ihn an der Schulter. „Ich schlage vor, Sie sprechen darüber mit Ihrer Familie und mit dem Herrn. Sie wollen diese Kirche ja nicht für mich bauen, sondern für den Herrn. Vielleicht hat er einen Weg für Sie bereit. Lassen Sie sich aber auf keinen Fall entmutigen. Niemand verlangt von ihnen mehr, als Sie schaffen können.”
Reggie hatte es eilig, und es gab offenbar nichts mehr, was ich sagen konnte. Ich wusste; Wenn diese Führungsbeamten nicht ihr Opfer brachten. konnte man von ihrer Gemeinde keine Opfer erwarten. Mir blieb nicht viel Zeit, um über Reggie nachzudenken. Bevor er noch außer Sicht war, wurde ich an das Telefon gerufen.
Der Anrufer war Robert. Er war Postangestellter im Ruhestand, ein guter Mann, der erst vor kurzem bekehrt worden war. Er sprach langsam und wiederholte fast wörtlich, was Charters gesagt hatte. „Wir leben von einer kleinen Pension und haben ein begrenztes Einkommen. ”
Ich stand am Empfangstisch des Hotels und war nicht allein. Ich wollte Roberts finanzielle Lage nicht in aller Öffentlichkeit besprechen und stimmte allem zu, was er sagte. Dann erinnerte ich ihn: „Es gibt aber noch jemanden außer mir, mit dem Sie sprechen müssen.”
Einen Augenblick herrschte Schweigen. dann sagte er: „Ich verstehe. Wir sehen uns bei der Versammlung.”
Die Mitglieder der Gemeinde füllten das kleine Ziegelgebäude, das sie ihre Kirche nannten. Wir schlossen alle Fenster, aber immer noch hörte man das Geplärr des Radios im Nachbarhaus durch die Wand. Es war eine gewöhnliche Versammlung, ohne große Überraschungen. Trotz der Ereignisse des vorherigen Nachmittags war ich auch nicht überrascht, als der Präsident und seine Ratgeber ankündeten, daß sie fünfzig Pfund für das neue Gebäude spenden würden. Ihre Reden waren kurz und aufrichtig, und die Zuhörer wurden bewegt, sich zu beteiligen.
Am nächsten Tag kehrte ich zuversichtlich nach Sidney zurück. Das Geld würde gesammelt werden, und man würde das Gebäude errichten. Ich mußte nur noch einen Bauleiter besorgen. Ich schickte ein Telegramm nach Sah Lake City, mit der Bitte um einen Bauleiter. Die ersten wöchentlichen Berichte aus Perth waren nicht sehr ermutigend. Es wurde zwar Geld gespendet, aber nicht genug. Ich entschloß mich bald zu einem weiteren Besuch in dieser Gemeinde, um zu sehen, wann die Bauarbeiten begonnen werden konnten. Auf keinen Fall wollte ich einen beschäftigungslosen Bauleiter in Perth haben. Ich sandte Don ein Telegramm, und eine Woche später saß ich wieder mit denselben vier Männern beieinander. Diesmal war eine Spannung und Aufregung zu verspüren, die neu war. Ich spekulierte, warum die vier denn so aufgeregt seien, gab aber bald auf und bat Reggie um seinen Bericht.
„Ich wußte nicht, wie ich fünfzig Pfund auftreiben sollte, aber meine Frau und ich verpflichteten uns trotzdem, diese Summe zu spenden, in der Hoffnung, daß sich irgend etwas ergeben würde. Nachdem ich mich verpflichtet hatte, erkundigte ich mich bei einer Baumschule nach etwaigen Verdienstmöglichkeiten. Ich bekam einen Vertrag — ich sollte Samen von wilden Blumen beschaffen. Die Baumschule hatte soeben eine Bestellung solcher Samen aus den USA erhalten. Hier im Westen Australiens haben wir die schönsten Blumen der Welt. Zusammen mit meiner Familie verbringen wir nun jeden Samstag und jede freie Stunde nach der Arbeit damit, Samen zu sammeln. Wir haben auf diese Weise nicht nur das Geld für die Spende verdient. sondern es ergaben sich auch positive Nebeneffekte. Die Kinder haben an den Familienausflügen großen Spaß und freuen sich über die Gelegenheit, etwas Geld zu verdienen. Wir haben einiges anschaffen können, was wir uns bisher nie hatten leisten können.” Er sah jeden von uns lächelnd an und fügte hinzu: „Wir sind wirklich sehr gesegnet worden!”
Dann bat ich Robert um seinen Bericht. Er schlug die Beine übereinander, lehnte sich lächelnd nach vorn und begann zu erzählen. „Wie Reggie wußte auch ich nicht, woher ich das Geld nehmen sollte. Ich hatte vor jener Versammlung zum Herrn gebetet und auch danach. Ich brauchte seine Hilfe. Am nächsten Morgen erhielt ich einen Brief von einem alten Freund. Sein Sohn wurde an der hiesigen Universität aufgenommen und braucht ein Quartier und Verpflegung. Unsere Kinder sind verheiratet und außer Haus, und wir haben ein Zimmer frei. Der Junge ist jetzt seit zwei Wochen bei uns, und er bringt Sonne und Heiterkeit in die Familie. Es ist ein netter Junge, und wir freuen uns, daß wir ihn bei uns haben können. Er gehört keiner bestimmten Kirche an, darum geht er jetzt mit uns zur Kirche.”
„Und was ist mit deiner Spende?” fragte Don mit einem Augenzwinkern. „Ach ja, sein Vater hat uns fünfzig Pfund als Vorauszahlung für das erste Studienjahr geschickt. Er nicht viel, und es wird uns nicht schwer fallen, ihn aus unserem eigenen Budget mit zu verpflegen — besonders jetzt. wo unser Garten so gut gedeiht.” Er lachte uns alle an, und ich mußte schlucken. „Wir haben nicht nur das Geld bekommen, sondern auch einen Sonnenstrahl in unserem Leben.”
Don wandte sich an Charles: „Berichte du, Charles.”
„Auch ich war am Ende meiner Weisheit. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich je die fünfzig Pfund auftreiben sollte, die zu spenden ich mich verpflichtet hatte. Auch ich brachte geraume Zeit damit zu, dem Herrn mein Problem zu schildern und ihn uni Hilfe zu bitten.
Am Morgen nach der Versammlung war ich in der Stadt, und als ich eine Straße überqueren wollte, kam ein Lastwagen daher, der mit Eisenstangen beladen war. Sie ragten weit über die Ladefläche des Wagens hinaus, und ich wäre fast blindlings hineingelaufen — und auch mehrere andere Passanten kamen um ein Haar davon. Ich ärgerte mich so sehr, daß der Fahrer keine Warnflagge an die Ladung gehängt hatte, daß ich die Polizei anrief. Man sagte mir, daß Warnflaggen in der Tat gesetzlich verlangt würden, daß es aber zur Zeit nirgends welche zukaufen gab und die Polizei daher ein Auge zudrücken mußte.”
Charles holte tief Atem und setzte fort: „Meine Frau und ich haben allen roten Stoff aufgekauft, den es in der Stadt gibt. Wir haben das Tuch zu der vorgeschriebenen Flaggengröße zugeschnitten, und meine Frau säumt die Flaggen ein und versieht sie mit einem Aufhängeband. Ich habe mich mit einigen Frächtern in Verbindung gesetzt, und wir haben mehr Bestellungen, als wir liefern können. Mehr noch: unsere eintönigen Tage sind wieder lebendiger geworden, und wir haben ein kleines Geschäft angefangen, das noch lange nach dem Bau unseres Gemeindehauses produktiv sein wird. Wir haben unsere Spende bezahlt, und wir können jetzt noch weit mehr leisten.” Er lehnte sich mit einem zufriedenen Lächeln zurück und strahlte vor Dankbarkeit.
Don berichtete als letzter.
„An dem Montag nach jener Versammlung nahm ich an einer Geschäftssitzung teil. Später hörte ich, wie unser Lagerleiter sich darüber beklagte, daß nicht genügend ehrliches und verläßliches Personal vorhanden sei, um Inventur zu machen. Ich sprach ihn daraufhin an und bot ihm vier Arbeiter an — meine Frau, mich selbst und meine beiden großen Töchter. Wir haben bereits den ersten Scheck über einen Betrag von fünfzig Pfund erhalten. In sechs Monaten machen mir wieder Inventur — gerade rechtzeitig, um die nächste Spende zu verdienen, die gebraucht wird. Und noch etwas: Unsere Arbeit ist meinen Vorgesetzten positiv aufgefallen. Ich habe eine Gehaltserhöhung bekommen, und man hat mir eine Beförderung angekündigt.”

Ich sah die vier Männer im Zimmer an. Jeder hatte seine Verpflichtung erfüllt - mit der Hilfe des Herrn. Und dann wußte ich mit größerer Gewißheit als je zuvor, daß ich selbst zwar kein Experte bin, daß man sich aber immer auf den Herrn verlassen kann. Die Mitglieder in Perth sind der Aufforderung, die an sie erging, gehorsam und eifrig nachgekommen. Der Herr öffnete seinerseits die Fenster des Himmels und schüttete seinen Segen über sie aus.
H. Dyke Walton, Dezember 1979

01:50 - 29 March 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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