Mormonen
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Mein Bruder wohnt da

„Wo kann der Rauch bloß herkommen? Er scheint so überaus nah. Was mag da wohl brennen?”
„Vielleicht brennt bloß eine Grasfläche.”

„So nah ist es auch wieder nicht, das sieht nur so aus.”
„Ja! Vielleicht ist das bei uns in der Nähe. Bitte nicht!”
Es war unser dreizehnter Hochzeitstag. Weil wir abends schon anderweitig verpflichtet waren, hatten wir beschlossen, mit einem netten Mittagessen im Restaurant zu feiern und unsere fünf Kinder mitzunehmen. Wir hatten kaum unser Essen bestellt, da entdeckte eines der Kinder den Rauch, und die festliche Stimmung war so gut wie verflogen. Wir versuchten einander einzureden, es könne nicht in der Nähe unseres Hauses sein, und schafften das Essen auch irgendwie. Dann hielt uns aber nichts mehr. Eilig stiegen wir ins Auto und fuhren nach Hause.
Es waren nur etwa 16 Kilometer, aber der Weg kam uns sehr lang vor. Je mehr wir uns dem Rauch näherten, desto größer wurde unsere Sorge. Es sah wirklich aus, als käme der Rauch aus unserer Nachbarschaft. Ich kann mich gut an die Furcht erinnern, die sich während der Fahrt auf jedem Gesicht widerspiegelte.
Wir wohnten in Südkalifornien; nach dem heißen Sommer waren schreckliche Grasbrände schon an der Tagesordnung. Unser Haus lag fast oben auf einem Hügel, und die Straße führte am Haus vorbei noch weiter nach oben. Hinter dem Haus und den Hügel hinunter lagen Tausende Hektar unerschlossenes Grasland mit vereinzelten Baumgruppen. Das Gras war den Sommer sehr hoch gewachsen und war dann, weil es nicht geregnet hatte, so hoch es stand, vertrocknet. Irgendwie hatte dieses Gras Feuer gefangen.
Als wir ankamen, standen bereits die Polizei und mehrere Feuerwehrautos auf der Straße, die den Hügel hinaufführte. Der Wind blies in unsere Richtung, und das Feuer breitete sich mit unglaublicher Geschwindigkeit aus. Ich flüsterte ein schnelles Gebet: „Lieber Gott, rette unser Haus.”
Es ist doch interessant, was man für wichtig und wertvoll hält, wenn in der Einfahrt bloß ein kleiner Lastwagen steht, mit dem man sein kostbares Hab und Gut in Sicherheit bringen kann. In unserem Fall spielten sentimentale Gefühle eine größere Rolle als der Geldwert. Die Familienaufzeichnungen (unsere Genealogie) kamen als erstes, und das einzige Möbelstück, an das wir überhaupt dachten, war das Klavier meiner Urgroßeltern, das sich nicht einmal mehr stimmen ließ. Die Mädchen wurden nebst ihren ausgewählten Schätzen mit einem Gemeindemitglied fortgeschickt, aber unsere elfjährigen Zwillingsjungen blieben da; sie legten nasse Decken aufs Dach und hielten sie feucht.

Auf dem Hügel standen nur ein paar Häuser, alle in einiger Entfernung voneinander. Wir fingen an, wie alle unsere Nachbarn, das trockene Gras und Gebüsch rund um unser Grundstück fortzuräumen. Es schien sinnlos, aber wir mußten etwas tun; wir konnten ja nicht einfach dastehen und warten.
„Lieber Gott, rette unser Haus.”
Das Feuer kam immer näher, und die Luft wurde immer heißer. Jetzt interessierten sich auch schon die Nachrichtenmedien für uns. Die Fernsehkameras wurden auf uns gerichtet, und wir wurden für die Abendnachrichten interviewt.
„Was ist das für ein Gefühl, wenn man darauf wartet, daß das eigene Haus abbrennt?”
„Vielleicht brennt es ja gar nicht ab.” „Sagen Sie uns aber, wie Sie jetzt fühlen.”
„Schrecklich, ich habe Angst.”
Die Polizei hatte unser Gebiet schon längst für den Verkehr gesperrt. Nur die Leute, die dort wohnten, und nahe Verwandte wurden durchgelassen. Plötzlich kam ein Auto voller Leute aus unserer Gemeinde vorgefahren. Sie wollten alle helfen, und wir waren dankbar für ihre Besorgnis. Dann kamen noch mehr Älteste. Wir wußten von der Straßensperre und wunderten uns, daß diese guten Leute da durchgekommen waren.
„Bruder Ellett”, fragte ich einen, „wie sind Sie an der Polizei vorbeigekommen?”
„Ganz einfach”, schmunzelte er, „ich habe ihnen bloß gesagt, daß mein da Bruder wohnt!” Anscheinend waren auch die anderen Brüder so durch die Straßensperre gekommen.
Es kamen immer noch Älteste an; da kam ein paar Minuten später ein junger Polizist zu uns in die Einfahrt.
„Ich wollte mir den Mann doch mal ansehen, der so viele Brüder hat”, meinte er.
Ich ging nach draußen und zählte alle Männer aus unserer Gemeinde, die ich sehen konnte. Es waren 39. Neununddreißig Brüder! Neununddreißig Priestertumsträger, dachte ich. Da kämpften sie mit allem, was sie nur finden konnten, gegen das Feuer. Sie kämpften mit Schaufeln, mit Hacken, mit Rechen und sogar mit Stöcken. Und in dem Augenblick wurde mir bewußt, daß sie noch größere Macht hatten, als in den paar hilflosen Werkzeugen steckte. Tiefer Frieden erfüllte mich. Ich wußte so sicher, wie ich je etwas gewußt habe, daß durch die Linie dieser Feuerbekämpfer kein Feuer dringen konnte.
Wer schon einmal miterlebt hat, wie eine Gruppe ausgewachsener Bäume oder auch nur ein einzelner Baum, der Feuer gefangen hat, explodiert, weiß, wie furchteinflößend das ist, vor allem aus nächster Nähe. Ich stand da und betrachtete die Flammen, die scheinbar bis zum Himmel reichten, und wußte trotzdem, daß ich und all mein Hab und Gut vor dem tobenden Inferno sicher waren. Den inneren Frieden und die Ruhe, die mich erfüllten, werde ich niemals in Worte fassen können. Ich war so dankbar, ja, so dankbar für meine Mitgliedschaft in der Kirche und die Erkenntnis, die ich besaß. Mir liefen Tränen übers Gesicht, und ich dankte dem Herrn — nicht einmal so sehr für den materiellen Besitz, den er mir erhielt, sondern vielmehr für den geistigen, den nichts vernichten kann.
Irgend jemand hatte zwischen dem brennenden Gebiet und uns einen tiefen Graben gezogen. Die Fernsehkameras berichteten eifrig über das Geschehen. Der Graben wäre niemals breit genug gewesen, um das Feuer aufzuhalten, wenn nicht plötzlich etwas anderes geschehen wäre. Der Wind, der die ganze Zeit kräftig in unsere Richtung geblasen hatte, schlug plötzlich um und blies auf das schon verbrannte Gebiet zu. Der Kampf war jetzt leichter, und das Feuer sprang nicht über den Graben auf unser Haus über.
„Mein Bruder wohnt da”, hatten sie gesagt.
Mein Bruder! Damals spürte ich stärker als je zuvor, was uns in der Kirche verbindet. Ich spürte, daß die Brüder meine Familie liebten und sich um uns sorgten. Wir sind nicht allein. Wir haben einander. Oft, wenn ich abends reise und in der Ferne ein einsames Licht sehe, frage ich mich. wer da wohl wohnt. Dann fällt es mir ein, und wie ein Blitz durchfährt mich der Gedanke: „Mein Bruder wohnt da!”
Lea Mahoney; Juli 1984

 

02:03 - 29 March 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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