Mormonen
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Frieden inmitten des Krieges

Ich hatte zwei Jahre in der US-Armee in Vietnam gedient. In Vietnam gibt es zwei Jahreszeiten, eine heiße und trockene sowie eine heiße und feuchte. An jenem Morgen war es heiß und feucht, wie an jedem anderen Tag in den letzten Wochen. Ich saß in einem Wassergraben, viel zu müde, um mir über den Schlamm, der in meine Stiefel lief oder das mit Blut durchtränkte stinkende Wasser, in dem meine Füße steckten, Gedanken zu machen. Schweiß lief mir von der Stirn und drang in mein Hemd. Die drückende Hitze machte das Atmen schwer.
Die letzten drei Wochen hatte ich auf Patrouille verbracht. Jetzt wartete ich mit den Kameraden, die überlebt hatten, an einem Landeplatz auf die Hubschrauber, die uns zum Stützpunkt zurückbringen sollten.
Ich dachte an die letzten Tage - an die Freunde, die ums Leben gekommen waren, an den Schmerz derjenigen, die davongekommen waren, und daran, daß ich das alles nicht mehr ertragen konnte. Wir hatten wochenlang ständig in Alarmbereitschaft gestanden und bei Tag die feindlichen Truppen in die Flucht geschlagen und nachts darum gebetet, daß sie uns nicht suchten. Aber sie kamen immer wieder.
Instinktiv verkroch ich mich tiefer im Graben, als Gewehrkugeln über meinen Kopf hinwegfegten. Ein feindlicher Heckenschütze hatte angefangen zu schießen. Wir mußten also auf der Hut sein. Unsere Wachposten suchten den Dschungel ab, hatten aber die Herkunft der Schüsse noch nicht ausgemacht.
Das Dröhnen der Hubschrauber füllte die Luft und drei von ihnen landeten etwa zehn Meter hinter mir. Mit ihren Maschinengewehren eröffneten sie das Feuer, um den Feind in Schach zu halten. Neue Soldaten, unsere Ablösung, sprangen aus den Hubschraubern in den Graben, während unsere Verletzten an Bord genommen wurden. Das alles dauerte nur Sekunden, dann waren die Hubschrauber verschwunden. Der nächste Flug galt uns. „Jetzt dauert es nicht mehr lange”, dachte ich, während ich mich bemühte, den Drang, meine verkrampften Beine auszustrecken, zu unterdrücken.
In der Stille, die nur durch gedämpftes Sprechen und gelegentlichen Feuerwechsel unterbrochen wurde, vernahm ich, daß jemand eine vertraute Melodie pfiff. Welches Lied war das? Es schien mir meine Ängste zu nehmen und den Krieg auszugrenzen. Ich hörte aufmerksam zu und sah in unmittelbarer Nähe einen Soldaten sitzen. Ich konnte sein Namensschild nicht sehen. Es handelte sich um einen Gefreiten, der eben eingetroffen war. Er pfiff weiter - und dann erkannte ich die Melodie: „Wir danken dir, Herr, für Propheten.”
Rasch kroch ich zu ihm hinüber und fragte ihn, ob er Mitglied der Kirche sei und das Priestertum trage. Er sagte ja, und mein Herz begann heftig zu schlagen. Seit ich vor Monaten den Zweig in Saigon besucht hatte, hatte ich keinen Kontakt mehr zu einem Mitglied der Kirche gehabt. Ich fragte, ob er würdig sei, das Abendmahl zu segnen, und er bejahte.
Es war Sonntag. Ich wußte das nur, weil meine Armbanduhr den Tag und das Datum anzeigte. Ich hatte einen Keks aus der Armeeration und eine Feldflasche voll Wasser bei mir. Also fragte ich ihn, ob er mir beim Abendmahl behilflich sein wolle. Er nickte, und wir krochen aus dem Wassergraben - aus der Sichtweite der anderen Soldaten - in das hohe Gras und den Bambus.
Aus meiner Tasche zog ich ein Exemplar der englischen HLT-Schriften für Soldaten, das mir mein Bischof gegeben hatte, als ich den Einberufungsbescheid bekommen hatte. Ich bot meinen Helm als Tisch an, und der Soldat holte ein weißes Taschentuch als Tischtuch hervor. Zusammen mit meinem neuen Kameraden kniete ich im Schlamm nieder, holte den Keks hervor, brach und segnete ihn. Während ich betete, beobachtete er mit schußbereitem Gewehr den Dschungel. Dann gaben wir einander das Brot. Daraufhin legte er seine Waffe beiseite, nahm den Becher der Feldflasche mit Wasser und segnete es, während ich ihm Deckung gab.
Niemals in meinem Leben hat das Abendmahlsbrot so köstlich und das Wasser so rein geschmeckt wie an jenem Tag. Und niemals ist meine Seele durch diese Handlung so gestärkt worden wie damals. Wir gaben uns die Hand und krochen eilig in den Schutz des Grabens zurück. Plötzlich war das Geräusch der Hubschrauber wieder zu hören, und ich rannte mit meinen Kameraden zum Landeplatz. Ich drehte mich um und schaute zurück, die Angst hatte mich verlassen. Mein Glaubensbruder lächelte und winkte mir zu, als ich in den Hubschrauber kroch; dann flogen wir schon.
Ich habe den Soldaten nicht nach dem Namen gefragt, er auch nicht nach meinem, doch in diesen wenigen Augenblicken schufen wir eine Verbindung, die in Ewigkeit Bestand haben wird. Ein Mitglied der Kirche hatte meine Seele von dem Schrecken und der Hoffnungslosigkeit des Krieges befreit. Als ich im Dschungel das Abendmahl nahm, fühlte ich mich dem Herrn näher als je zuvor.
Durch eine heilige Handlung des Evangeliums hatten wir Frieden gefunden.
Robert K. Hillmann, Dezember 1989

02:09 - 29 March 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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