Mormonen
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Aus der Finsternis kam das Licht

In der Gemeinde war Fast- und Zeugnisversammlung. Mehrere junge Leute waren aufgestanden und hatten von der Güte des Herrn und von seinen Segnungen Zeugnis gegeben. Dann stand ein älterer Herr auf. Sein Gesicht war von Sorgenfalten zerfurcht, und das Alter hatte sein Haar versilbert, aber seine Stimme klang klar und fest:
„Ich weiß, daß Gott lebt und uns führt. Ich bin heute hier, weil er meine Gebete erhört hat, als ich noch ein Junge war, und weil er mich geführt hat“
Um seine Worte zu verstehen, müssen wir einen Blick zurückwerfen in die Zeit, wo der zwölfjährige Junge ein Mann wurde und zu arbeiten anfing.
Er lebte in einem Dorf im Kohlegebiet von Wales, wo fast alle Männer in der Kohlengrube arbeiteten. In wenigen Wochen wurde er zwölf. Dann mußte er wie die anderen Jungen im Dorf in die Grube gehen und als Hauer arbeiten. Er war ein Junge wie jeder andere und wußte: Er mußte die Schule verlassen und arbeiten gehen, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Eines Morgens auf dem Schulweg hatte er aber ein Erlebnis, das sich auf sein weiteres Leben auswirken sollte. Er erfuhr, was es heißt, Angst zu haben.
Den Hügel herauf zu den Hütten der Bergleute kam ein kleiner Leichenzug. Zwei Männer trugen eine Bahre, einer ging voraus. Ihre Gesichter waren schwarz vom Kohlenstaub. Auf der Bahre lag ein Leichnam, ein kleiner Leichnam unter einer braunen Decke.
„Wer ist's diesmal?” fragte jemand.
„Der kleine Davey Edwards”, antwortete der Mann, der voranging. „Eine Stollendecke ist eingestürzt und hat ihn erschlagen, den Armen.“
Der Junge setzte seinen Schulweg fort, doch er dachte nicht an die Schule, sondern an Davey Edwards. Zusammen waren sie über die Hügel gestreift. Sie hatten im Wäldchen am Mynyddyslwynberg Kastanien gesammelt und am Ufer des Gwyddonbaches Beeren gepflückt. Sie hatten zusammen am Waldrand gestanden, wo die Heide mit dem goldenen Ginster aufhörte und hatten den Kuckuck rufen hören, der den Frühling ankündigte. „Diese Tage sind für immer vorbei”. dachte er bei sich. „Bald liegt Davey auf dem Friedhof am Llanvachhügel, und ich werde im Stollen arbeiten.” Zum ersten Mal im Leben spürte er richtige Angst. aber er ließ sich nichts anmerken.
Sein 12. Geburtstag kam, und sein Vater teilte ihm mit, daß er am kommenden Montag in der Kohlengrube zu arbeiten anfangen würde. Am Samstagabend gingen sie hinunter ins Dorf. und der Vater ging mit ihm zum Gemischtwarenladen und kaufte ihm ein Paar feste Baumwollhosen und ein walisisches Flanellhemd. Auch kaufte er ihm eine Proviantbüchse und eine Teekanne sowie ein Paar Lederriemen, die sich die Bergleute unter die Knie schnallen, damit kein Kohlenstaub in die Hosenbeine eindringen kann.
Der Montagmorgen war naß und kalt, aber nicht so kalt wie das Herz des Jungen. Er wurde Dai Jenkins, einem erfahrenen Hauer, zugeteilt. Die Bergwerksleitung sah es nicht gern, wenn Vater und Sohn zusammen arbeiteten, weil es ein schlechtes Bild abgab, wenn bei einem Unfall zwei aus einer Familie umkamen.
Er stand neben Dai Jenkins, als der Käfig hinunterfuhr. Durch den Schein der Grubenlampen blickte er hinüber zu seinem Vater, und der Vater lächelte zurück.
Neben dem Vater stand ein anderer Zwölfjähriger aus dem Dorf.
Der Käfig landete mit einem Ruck auf der Grubensohle. Als die Tür aufging und die Männer hinaustraten, schlug dem Jungen der Geruch von Pferden und Eseln entgegen. Die Tiere wurden eingesetzt, um die beladenen Kohlenhunte aus den Stollen zu ziehen und die leeren zurück hinein. Ein Pferdeknecht paßte auf die Tiere auf. Der Junge folgte seinem Kumpel die schmalen Geleise entlang bis zum sogenannten „Ort“ – dem Ende des Stollens, wo sie arbeiten sollten. Dai zog seine Jacke aus und hängte sie an einen Nagel, der aus einer Deckenstütze hervorstand. Auch die Proviantdose und die Teekanne hängte er auf. Der Junge machte es ihm nach.
Das Kohleflöz war nur einen Meter hoch, so daß Dai die rneiste Zeit auf dem Boden kniete und seine Haue schwang. Der Junge mußte die Kohle auf den Hunt laden. Das taube Gestein wurde in andere Wagen geladen. Nach einiger Zeit kam der Pferdeknecht und holte die Wagen zum Käfig, wo sie nach oben befördert wurden. Die Tage vergingen, und jeden Tag haßte der Junge die Finsternis der Grube mehr. Manchmal setzte sich das Gestein ein wenig, und es war, als würden die Stützen im Stollen brechen und er und Dai verschüttet werden. In solchen Augenblicken dachte er an seinen Freund Davey und fragte sich, ob er selbst auch auf einer Bahre mit einer braunen Decke darüber nach Hause getragen werden würde.
Im Lauf des Tages gab es aber auch einen Augenblick, den er sehr genoß, nämlich wenn Dai seine Haue beiseite legte und sagte: „Komm, Kleiner, es ist Zeit, daß wir etwas essen und einen Schluck trinken.” Zusammen saßen sie dann im schwachen Schein ihrer Lampen und aßen, was sie in ihren Dosen mitgebracht hatten. Manchmal gab Dai dem Jungen ein Stück Kuchen, den seine Frau gebacken hatte. Der Junge war dann glücklich und zufrieden.
Als Dai eines Tages mit seiner Haue arbeitete, geschah etwas Ungewöhnliches. Sie durchbrachen das „Ort” des Stollens und gelangten in eine kleine Höhle. Sie war nicht größer als ein kleines Zimmer, und die Decke war aus festem Fels. In Schulterhöhe verlief ein Gesims an der Wand.
Niemand weiß, weshalb am selben Tag, als sie gemeinsam ihr Essen verzehrten, ein Donnerschlag die Grube erschütterte. Die Erde bebte. Dai sprang auf und faßte den Jungen am Arm.
„Eine Explosion, Kleiner. Vielleicht brennt es. Wir müssen den Schachtscheider (ein Stück Leinwand) vor den Stolleneingang hängen. Das könnte unsere einzige Überlebenschance sein.”
Hastig nagelten sie die schwere Leinwand vor den Eingang der Höhle. dann setzten sie sich hin und warteten. Bald spürten sie die Hitze. als die Flammen näherkamen. Oben drängten sich die Dorfbewohner um den Schachteingang. Man hatte Rettungsmannschaften hinuntergeschickt. doch sie waren sofort wieder hochgekommen.
„Da unten kann niemand überleben”, sagten sie. „Die Grube brennt. Gott steh den Leuten bei, die da unten sind.”
Die Besitzer der Grube trafen eine schnelle Entscheidung. Ein Kanal, der in der Nähe verlief, mußte in die Grube geleitet werden, um das Feuer zu löschen.
Eine Frau schrie: „Und was ist mit unseren Männern?”
Ein Kopfschütteln war die Antwort auf ihren Entsetzensruf. Unten in der kleinen Höhle war die Hitze fast unerträglich, doch irgendwoher bekamen sie Luft. Die Zeit schien stillzustehen. Dann hörten sie das Wasser. Es lief langsam in die Höhle, erst knöcheltief. dann knietief, und es stieg weiter.
Dai kletterte auf das Sims und zog den Jungen hoch. Je höher das Wasser stieg, desto mehr ließ die Hitze nach. Dann folgte gespenstische Stille.
„Kleiner”, sagte Dai, „kannst du beten?” „Ja”, antwortete der Junge. „bevor meine Mutter starb, hat sie's mir beigebracht.” „Dann bete für uns. Es ist unsere letzte Hoffnung.”
Der Junge schloß die Augen, und eine Zeitlang fand er keine Worte. Doch dann kam es langsam aus seinem angstvollen Herzen:
„Lieber Jesus, wir rufen zu dir in dieser Finsternis, denn uns bleibt nur deine Hilfe. Wenn es dein Wille ist, laß uns das Licht wieder sehen. Laß uns wieder nach Hause gehen. Laß uns wieder die Vögel singen hören und die Sonne über dem Rhysogberg aufgehen sehen. Wir sind allein und brauchen deine Hilfe. Amen.”
Er spürte Dais Arm auf seinen Schultern und hörte seine Stimme: „Danke, Kleiner. Jetzt hab' ich keine Angst mehr.”
Die Stunden vergingen, und es muß Nacht geworden sein, denn sie schliefen. Als sie aufwachten, waren ihre Lampen verlöscht. Nun war es stockfinster — eine schwarze und unheilvolle Finsternis. Mit der Finsternis kam auch die Angst — nackte, kalte Angst. Der Junge sah sich. wie er auf einer Bahre den Hügel hinaufgetragen wurde, mit einer braunen Decke bedeckt. Dai spürte, daß er sich fürchtete und legte ihm tröstend einen Arm auf die Schultern.
„Kleiner”, sagte er, „kannst du nicht ein wenig singen?“
Der Junge zögerte eine Weile, doch dann sang er mit vor Angst bebender Stimme: „Jesus, dir gehört mein Herz, laß mich ruh'n an deiner Brust, während noch der Sturm hier brauset und uns droht die Wasserflut.” Und mit seinem noch kindlichen Tenor sang er den Refrain: „0 Erretter, birg mich treu, bis des Lebens Sturm vorbei.“ (Nr 65) Er spürte, wie Dai vor innerer Rührung bebte, und konnte nicht weitersingen.
In der Finsternis kann man nicht sagen, wie schnell oder langsam die Zeit verstreicht, doch sie wurden hungrig und durstig.
„Kaue ein Stück Leder, Kleiner”, sagte Dai. „Das hilft gegen den Hunger.”
Der Junge nahm den Lederriemen von seinem Bein und kaute daran. Es war neues Leder und schmeckte noch nach Gerberlohe, doch es stillte ein wenig den Hunger.
Sie schliefen wieder, und es verging noch ein Tag. Dai war jetzt ruhig, als merke er, daß das Ende nahe sei. Vor Hunger und Durst war auch der Junge still und kraftlos geworden. Die völlige Finsternis hatte sich wie ein Leichentuch auf ihn gesenkt. Er wartete nur noch auf den letzten Schlaf. Plötzlich hörten sie weit entfernt eine Stimme: „Ist jemand da?” Die Stimmen kamen näher. Dann warf jemand die Leinwand zur Seite und das Licht einer Grubenlampe fiel auf Dai und den Jungen.
„Ein Wunder!” rief der Knapp den anderen Helfern zu. „Sie leben!”
Dai konnte selbst gehen, doch der Junge wurde zum Käfig getragen, und der Aufzug brachte sie ans Tageslicht hoch und zurück zum Leben.
Der Vater des Jungen war bei der Explosion umgekommen, und so nahm ihn Davey Edwards Familie auf. Einige Tage später kamen Verwandte, die weiter unten im Tal wohnten, und holten ihn zu sich nach Hause. Sie galten als gute Leute, außer daß sie sich einer eigenartigen amerikanischen Kirche angeschlossen hatten.
Zusammen mit seiner neuen Familie schmiedete der Junge Pläne, und es kam der Tag, wo sie nach Amerika auswanderten. Sie ließen sich in einem Gebirgstal nieder.
Der alte Mann kam zum Ende seines Zeugnisses. ,Aus Angst wurde Glauben,+ meine Brüder und Schwestern“, sagte er „und
aus der Finsternis kam lebendiges Licht.”
Thomas J Griffiths, Januar 1982

09:34 - 31 March 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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