Mormonen
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Siehe, ich bin bei euch”

Ich kann mich noch gut erinnern, daß meine Taufe, als ich sieben Jahre alt war, so weit weg schien, als würde ich sie nie erleben. Voll Aufregung war ich dabei, als mehrere Kinder aus meiner Sonntagsschulklasse getauft und konfirmiert wurden. Irgendwie kamen sie mir nach der Taufe anders und sehr wichtig vor.
Endlich kam der Sommer, und Schwester Nielsen, unsere Lehrerin, sagte der Klasse, daß die Reihe als nächstes an mich käme. Ich konnte kaum fassen, daß es wirklich soweit war. Ich sollte an meinem Geburtstag getauft werden, am 24. Juli, der bei den Heiligen der Letzten Tage als Pioniertag gefeiert wird. Gleich nach der Taufe wurde ich konfirmiert und empfing die Verheißung, ich könne den Heiligen Geist als ständigen Begleiter haben. Freude und Zufriedenheit erfüllten mich.
Doch die Tage wurden zu Monaten, und ich fing etwas enttäuscht an zu denken, daß der Heilige Geist für einen ständigen Begleiter allzu schweigsam sei. Manchmal fragte ich mich, ob ich vielleicht meiner besonderen Verheißung und Konfirmation nicht würdig gewesen sei.
Dann kam der zweite Sommer nach meiner Taufe. Ich war zehn und groß für mein Alter. Meine Arbeit zu Hause konnte ich rasch erledigen, um dann zu meiner Großmutter zu entwischen, die in einiger Entfernung auf ihrer Farm wohnte. Auf dem Weg dorthin schien ich fast zu fliegen, so ungeduldig war ich, zu dem liebsten Menschen zu kommen, den ich kannte.
Es war die Zeit der Heuernte, und die Arbeiter waren schon auf den Feldern, als ich zu Großmutter eilte. In ihrem Haus standen auf langen Tischen immer die herrlichsten Speisen: Gemüse aus dem Garten, frischgebackenes Brot und Beerenkuchen.
Der Tag schien zu verfliegen, wie all die schönen Sommertage, die ich bei Großmutter verbrachte. Nur ungern nahm ich Abschied. Wie immer fiel es mir auch diesmal schwer, die angenehme Wärme in Großmutters Küche zu verlassen, doch die Schatten der Bäume und der Hügel hinter ihrem Haus wurden schon lang, und ich wußte: Wenn ich noch viel länger wartete, wurde es dunkel, bevor ich nach Hause kam ﷓ ein unangenehmer Gedanke, obwohl ich die beleuchteten Fenster unseres Hause unten im Tal am Fluß würde sehen können.
Ich blieb kurz auf der Treppe sitzen und genoß den süßen Duft des reifen Obstes und der Rosen, die über die Veranda wucherten. „Warum muß es dunkel werden?” dachte ich.
Seufzend fand ich mich damit ab und ging den Gartenweg zum Tor hinab. Als ich den Hof hinter dem Tor überquerte und ans Gatter auf dem Hügel kam, merkte ich plötzlich, daß es Nacht geworden war. Selbst die Schatten waren verschwunden. Mit dem Fuß stieß ich ein paar Steine vor mir her, als ich den steilen Hang hinabstieg. Ich hörte sie kollern, bis sie ganz unten waren. Sonst machte es mir Spaß, Steine hinunterzurollen, doch heute klang ihr Poltern, wenn sie in der Nacht verschwanden, wie ein böses Vorzeichen.
Als ich den Fuß des Abhanges erreicht hatte, fielen mir die tiefen Wagenspuren an der Stelle ein, wo während des Tages viele Wagen die Straße überquert hatten. Sie waren voll Wasser, und ich sprang immer von einem Stein zum anderen, wenn ich darüber mußte, doch in der Dunkelheit war das unmöglich. „Macht nichts”, dachte ich, „es ist warm, und meine Schuhe sind ohnehin schon alt.” Ich stapfte durch, und meine Füße rutschten und glitten auf den Steinen und im weichen Lehm.
Die Frösche, die laut gequakt hatten, waren nun still, und meine Angst wuchs wie ein dunkles Gespenst. „Ich werde singen”, sagte ich mir, und stimmte ein Lied an, das für ängstliche Herzen wie geschaffen war: „Vorwärts, Christi Jünger...”
Kaum hatte ich diese Worte gesungen, als eine Stimme in meinem Inneren sagte: „Sei still und horch!”
Einen Augenblick lang war ich erschrocken, doch dann hielt ich es für Unsinn, sang noch lauter als zuvor und marschierte dazu, um meinen schwindenden Mut nicht ganz zu verlieren.
Wieder kam es wie ein alle Gedanken verdrängender Befehl: „Sei still und horch!”
Ich blieb stehen, und mein Herz schlug lauter als der Marschschritt meiner klitschnassen Schuhe einen Augenblick zuvor. Entschlossen holte ich tief Luft und begann noch einmal: „Vorwärts...” Doch bevor ich die Worte hervorbrachte, hörte ich es wieder, noch eindringlicher: „Sei still!”
Ich hielt inne. Das letzte Fünkchen Mut flog davon wie ein dürres Blatt im Wirbelwind. Was sollte ich tun? Angst ergriff mich, und ich begann zu beten: „Himmlischer Vater, bitte segne mich!” Ich wußte nicht einmal, worum ich bitten sollte, sondern sagte nur immer wieder: „Himmlischer Vater, bitte segne mich”, bis die Welle der Angst verebbte und ein Gefühl der Sicherheit mich erfüllte. Dann hörte ich die Worte: „Geh von der Straße weg!”
Diesmal gehorchte ich sofort, und so laut ich vorher gewesen war, so lautlos ging ich nun, den Weg eher ertastend als sehend. Fast einen Kilometer ging ich so durch das Feld neben der Straße, in der Dunkelheit verborgen. Fast hielt ich den Atem an, und ich horchte angestrengt auf die Geräusche der Nacht um mich her, manche wohlvertraut, andere fremd und kaum vernehmbar.
Die Furt war nun ganz nah, und ich dachte schon an das Gatter am Fluß. Sollte ich darüberklettern oder unten durchkriechen? Kaum hatte ich das zu Ende gedacht, da kam die Antwort: „Geh nicht am Gatter über den Fluß!”
Wo sonst? Ich blieb wieder stehen, diesmal um an den Fluß und an den dichtbewachsenen Sumpf zu beiden Seiten des Wassers zu denken. Da kam man schon bei Tag schwer durch, aber nachts?
Da nahm ich plötzlich einen Geruch wahr, den die Nachtluft mir zutrug. Er ließ mich erschauern, und nun wußte ich auch, daß Gefahr drohte: Tabakrauch, scharf und durchdringend! Gewiß war jemand am Gatter, und mir war klar, daß dort Gefahr lauerte.
Wie ich den sumpfigen Fluß überquerte und das andere Ufer erreichte, habe ich längst vergessen, doch erinnere ich mich noch deutlich an mein Heimkommen und wie ich meinen zerzausten Zustand und alles andere erklärte.
Mein Vater glaubte mir, ohne zu fragen. Er zog die Stiefel an, nahm das Gewehr von der Wand und ging hinaus über die Felder in die Dunkelheit. Stunden später kam er zurück. Er erzählte nichts, versicherte mir aber tröstend, daß ich ganz entschieden das Richtige getan hatte.
Obwohl damit meine langen, schönen Heimwege in der Dämmerung endeten, war ich glücklich und dankbar für das Wissen, daß mich der Heilige Geist in der Tat begleitete. Und ich bin heute noch dankbar dafür, denn dieses Wissen hat mir oft geholfen, und ich bin sicher, daß es mir bis ans Lebensende noch oft helfen wird. Hat doch der Herr verheißen: „Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.” (Matthäus 28:20.)
Cherie B. Warnock, Juni 1985

12:37 - 12 April 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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