Mormonen
<%PostCommentPage%> <%PhotoAlbumPage%> <%ProfilePage%>

Das Abendmahl

In jeder Sprache
Einmal fuhr ich in den Ferien mit dem Schiff die Wolga hinunter und war damit weit von jedem Gemeindehaus der Kirche entfernt. Für den Sonntag hatte ich mir vorgenommen, allein in meiner Kabine im Buch Mormon zu lesen.
Aber dann änderte ich meinen Plan, als ich erfuhr, daß eine Mitgliederfamilie das Schiff für die Fahrt geleast hatte. Mit der Genehmigung ihrer kirchlichen Führer wollten sie einen Gottesdienst für mitreisende Mitglieder durchführen, unter anderem auch für russische Mitglieder, die sich ebenfalls auf dem Schiff befanden. Ich wurde gebeten, das Abendmahl zu segnen, und fragte mich, oh ich es ganz allein segnen sollte und oh außer mir wohl noch andere junge Männer anwesend waren. Das hoffte ich sehr.
Als ich dann am Sonntagmorgen den Musiksalon betrat, wo die Versammlung stattfinden sollte, war ich gleich beruhigt, denn ich sah noch andere Jungen und Mädchen in meinem Alter. Die Jungen trugen einen Schlips, und die Mädchen hatten alle ein Kleid an. Ich schaute mich um und suchte den Abendmahlstisch. Zu meiner Rechten sah ich ein weißes Tischtuch aus dem Speisesaal, das man über die Klavierbank gebreitet hatte. Darauf standen Brot und Wasser. Der Bruder, der mich gebeten hatte, das Abendmahl zu segnen, machte mich mit einem jungen Mann bekannt:
„Das ist Sergej”, sagte er. „Er segnet zusammen mit dir das Abendmahl.”
Sergej kam aus Moskau und hatte gerade seinen Militärdienst beendet. In der U-Bahn hatte er zwei Missionare kennengelernt und sich taufen lassen.
„Dobryj djen”, sagte ich. Viel mehr Russisch konnte ich nicht.
„Dobryj djen”, entgegnete er lächelnd.
„Menja sawut William”, sagte ich.
„Menja sawut Sergej.”
„Sprichst du Englisch?”, fragte ich.
"Ein wenig."
Er zog ein Blatt Papier aus der Tasche, dein man die Gebrauchsspuren deutlich ansah, und faltete es auseinander. Dort standen bestimmte Ausdrücke aus der Lehre der Kirche, die mit einer Begriffserklärung versehen waren. Er deutete auf das Wort „Abendmahl”, als wolle er deutlich machen, welche Aufgabe uns bei der Abendmahlsversammlung zukam. Ich nickte. Dann deutete er auf das Wort „Brot” und dann auf sich.
„Ich?”, fragte er.
Dann deutete er auf das Wort „Wasser” und anschließend auf mich. Ich verstand. Er wollte das Brot segnen, und ich sollte dann das Wasser segnen.
„Da”, sagte ich auf Russisch, um zu zeigen, daß ich einverstanden war.
Die Musik setzte ein, und ein junger Mann namens Wladimir dirigierte. Wir sangen das Lied: „Kommt, Heilge, kommt”. Die Vorhänge waren aufgezogen, und durch die Bullaugen
sahen wir die russische Landschaft an uns vorüberziehen.
Sergejs heilige Schriften sahen schon ziemlich zerlesen aus. Er blätterte darin, um das Abendmahlsgebet aufzuschlagen.
Wir standen auf und brachen das selbstgebackene russische Sauerteigbrot. Ich hörte, wie die Anwesenden sangen: „Erstaunt und bewundernd” — halb in Russisch und halb in Englisch. Niemand hatte ein Gesangbuch, und alle sangen den Text auswendig mit. Ich fand die Kombination Russisch-Englisch sehr beeindruckend; es war, als ob wir eine neue Sprache geschaffen hätten.
Als das Lied zu Ende war, knieten Sergej und ich nieder. Ich spürte das leichte Schaukeln des Schiffs unter meinen Knien. Die Anwesenden neigten den Kopf, und Sergej begann, auf Russisch das Abendmahlsgebet zu sprechen.
Ich spürte, wie der Geist Gottes in mein Herz einzog und mir in der Brust brannte. Sergej und ich – beide waren wir weit von zu Hause und von unserer Familie entfernt, kamen aus zwei verschiedenen Kontinenten, sprachen verschiedene Sprachen und konnten doch denselben Geist spüren. Ich verstand, was Sergej mit ruhiger, klarer Stimme sagte, und ich spürte, wie feierlicher Ernst mich erfüllte.
Nachdem ich mir ein paar Tränen aus den Augen gewischt hatte, standen Sergej und ich auf. Wir gaben die Tabletts mit dem Brot an drei junge Priestertumsträger weiter, die das Abendmahl dann austeilten.
Kurz danach sprach ich das Abendmahlsgebet in Englisch – mit mehr innerer Überzeugung als je zuvor. Mir war, als spräche ich direkt zum Herrn. Als ich „Amen” sagte und aufstand, um die Tabletts mit dem Wasser weiterzureichen, empfand ich große Freude.
Sergej und ich hatten gemeinsam das Werk des Herrn getan. Wir hatten Brot und Wasser gesegnet – die Symbole, die Christus kurz vor seinem Opfertod eingeführt hat. Sergej hatte Russisch gesprochen, ich Englisch. Aber für alle Anwesenden gab es nur eine einzige Sprache, nämlich die Sprache des Geistes.
William Powley, Dezember 1995

Am größten von allem
Ich schaute auf die alten Leute, die in dem Pflegeheim zur Abendmahlsversammlung zusammenkommen waren, und machte mir Gedanken. Manche sahen aus, als ob sie schliefen; eine Frau war ganz in Tränen aufgelöst und rief immer wieder: „Ich will nach Hause, ich will nach Hause!” Diejenigen, die wach waren, starrten uns mit trüben Augen an. Ich fragte mich, warum ich überhaupt mit den Jungen Damen und den Jungen Männern unserer Gemeinde hierhergekommen war, um eine Abendmahlsversammlung durchzuführen. Was konnten wir schon bewirken, außer das Abendmahl auszuteilen?
Einer der jungen Männer leitete die Versammlung. Sie sollte genauso ablaufen wie jede andere Abendmahlsversammlung auch, nämlich mit einem Eröffnungslied, einem Eröffnungsgebet, einem Abendmahlslied, dein Austeilen des Abendmahls, mehreren Sprechern und einem Schlußlied.
Als wir das Lied „Kommt, Heilge kommt” sangen, sah ich, daß eine gebrechliche alte Frau, die bisher reglos dagesessen hatte, in die Wirklichkeit zurückzukehren schien und den Text auswendig mitsang. Als das Abendmahl ausgeteilt wurde, nahm fast jeder davon. Langsam wurde mir klar, daß die alten Leute genau wußten, was vor sich ging.
Nach dem Abendmahl sprach Shawna, die Klassenpräsidentin der Lorbeermädchen, darüber, daß man bis ans Ende ausharren muß. Ich fragte mich, wie ihre Worte wohl auf die Anwesenden wirken mochten, die doch mehr ertragen hatten, als wir uns überhaupt vorstellen konnten.
Dann spürte ich plötzlich inmitten meiner Gedanken, daß der Heilige Geist tatsächlich anwesend war. So stark hatte ich ihn noch nie gespürt. Und dann sah ich auch, daß fast alle Anwesenden Shawna anschauten. Der Heilige Geist hatte das Band der Bruderschaft um uns geschlungen, denn wir waren ja alle Kinder des himmlischen Vaters.
Da fiel mir eine Schriftstelle ein: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.” (1 Korinther 13:13.)
Es mag zwar mehrere Gründe gegeben haben, warum diese Abendmahlsversammlung stattfand, doch am größten unter ihnen war die Nächstenliebe, nämlich die reine Christusliebe.
Sara Kuester, Nov 1995

04:39 - 20 April 2008


Last Page Next Page
Description
Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
Home
User Profile
Archives
Friends
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Mormonwiki
FairWiki
FAIR
Jesus
Das Buch Mormon überzeugt
mehr zum Buch Mormon
Bekehrungsgeschichten
HLTs in aller Welt
Berichte der Pioniere
Abenteuer der Mormonen
Geschichte der Kirche
Propheten
Joseph Smith
Offenbarungen (Ersatz für BP-Streik)
Der Geist des Elija
Genealogie
Tempel und Tempelarbeit
Missionsarbeit
Die Gebote
Gedenke des Sabbats
Gesetz der Keuschheit
Der Zehnte
Wort der Weisheit
Fasten
Kontroversen
Der Glaube der Mormonen
Recent Entries
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Sie haben im Traum mein Kind gesalbt
- Das Gedicht
- In Tennessee
- Nicht meine Zeit
- „Schlag auf den Stahl!“
- Meine Last wurde leicht
- Tornado
- Es gibt ein Gesetz
- Wunder sind Zeichen der wahren Kirche
- Die Einflüsterungen des Heiligen Geistes
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Betet immer
- „Horche, horche!"
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Unser Kartoffelgebet
- Eine Stimme im Nebel
- Karolinas Gebet
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Kannst du Johnny beten lehren?
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Auf der Robinson-Crusoe-Insel
- Das Abendmahl
- Ich bin nur deinetwegen hier
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Auf der Robinson-Crusoe-Insel
- Sie ging in den Tempel
- Siehe, ich bin bei euch”
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Aus der Finsternis kam das Licht
- Auf Tonga
- Sechs Tage nach der Taufe
- Dem Tornado entronnen
- Im Feuer bewahrt
- Frieden inmitten des Krieges
- Mein Bruder wohnt da
- In Licht getaucht
- Nicht Geld sondern Glauben
- Missionarin durch Beispiel
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Ein gewonnener Kampf
- Sag ihr, ich habe dich gesandt
- Ben vorlesen
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Der Schokoladenbomber
- David
- Der Schatten des Todes lag auf ihrem Gesicht
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Folgt mir nach
- Onkel Jacks wichtigstes Hilfsmittel
- Mutter, sei nicht traurig
- In Liebe, Ihre Besuchslehrerinnen
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Schweizer Samariter
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Warnung in der Nacht
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert