Mormonen
<%PostCommentPage%> <%PhotoAlbumPage%> <%ProfilePage%>

Unser Kartoffelgebet

Zu Beginn des Frühjahres 1947 nahm mein Vater, der im Kohlenbergwerk arbeitete, eine Woche frei, um zu pflanzen. Wir hatten nämlich eine kleine Farm. Meistens pflanzten wir nur so viele Kartoffeln, wie wir das Jahr über brauchten, und bauten auf dem restlichen Land Gemüse für unsere Familie an, die aus Vater, Mutter, zwei Söhnen und einer Tochter bestand. Außerdem bauten wir das Futter für die Kühe, Schweine und Hühner an. Als die Missionare zu ihrem wöchentlichen Essensbesuch kamen, war das Land umgepflügt und konnte bepflanzt werden. Die Missionare freuten sich übrigens immer genauso sehr auf ihren Besuch wie wir, obwohl wir in der Kirche nicht ganz aktiv waren.
Als Vater erwähnte, daß er Kartoffeln pflanzen wolle, boten die Missionare eilfertig ihre Hilfe an. Vater war nicht so begeistert von der Aussicht, daß zwei junge Männer, die keinerlei landwirtschaftliche Erfahrung hatten, ihm helfen wollten, aber weil sie darauf bestanden, gab er schließlich nach. Am nächsten Morgen, als wir Kinder uns für die Schule fertig machten, standen die Missionare schon vor der Tür. Wir hörten zu, wie Vater ihnen erklärte, wie die Saatkartoffeln vorbereitet werden mußten. „Das ist ganz leicht. Das hier ist das sogenannte Auge”, erklärte er und deutete auf eine kleine Schwellung. „Schneiden Sie jede Kartoffel in kleine Stücke, und achten Sie darauf, daß in jedem Stück mindestens ein solches Auge ist. Verstanden?”
„O ja”, antworteten die Missionare und machten sich begeistert an die Arbeit.
Vater fuhr fort, um ein Pferdegespann und ein mechanisches Kartoffelpflanzgerät auszuleihen, und wir gingen zur Schule.
Mittags kamen wir zum Essen nach Hause und sahen die Katastrophe. Die teuren Saatkartoffeln waren verdorben. Die Missionare hatten nicht gewußt, daß um jedes Auge herum auch noch etwas Kartoffel notwendig war, damit sich aus dem Auge eine Pflanze entwickeln konnte. Sie hatten sich also überlegt, daß sie uns bestimmt einen Gefallen täten, wenn sie weniger Kartoffel um das Auge ließen, weil wir dann ja mehr Kartoffeln zu essen hatten. Anstatt also jede Kartoffeln in Saatwürfel mit je einem Auge zu scheiden, hatten sie sie kreisförmig dünn abgeschält, so daß in der Mitte jeder Schale ein Auge war. Den Rest der Kartoffel hatten sie in einen Zuber gelegt, damit die Kartoffeln später gekocht und gegessen werden konnten.
Vater war außer sich, als er nach Hause kam und sah, was die Missionare angerichtet hatten. Aber er wollte sie nicht kränken; deshalb tauchte er die Kartoffelschalen in eine Schutzlösung und gab sie dann in das Kartoffelpflanzgerät. Die Missionare, denen es sehr leid tat, daß sie einen so schwerwiegenden Fehler gemacht hatten, boten an, beim Pflanzen zu helfen.
Kurz bevor wir wieder in die Schule gingen, sahen wir, wie Vater mit dem Kartoffelpflanzgerät auf das Feld fuhr. Die Missionare waren auch dabei. Ich wußte, daß sie jetzt darauf achten mußten, daß immer nur ein „Setzling” zur Erde fiel. Das war eine schwierige und zeitaufwendige Aufgabe, da das Pflanzgerät für Kartoffelwürfel gebaut war und nicht für dünne Schalen.
Sie waren fast fertig mit dem Pflanzen, als wir aus der Schule kamen. Weil jede Schale statt der üblichen vier oder fünf Augen nur eins hatte, hatten sie leider fast das gesamte umgeflügte Land gebraucht. Wo sollten wir nun noch Mais und Weizen pflanzen, die wir für unser Vieh brauchten? Die Missionare, die unsere Bestürzung sahen, fragten: „Bruder John, dürfen wir Ihre Kartoffelpflanzen segnen?” Vater zuckte mit den Achseln und sagte, er habe nichts dagegen. Ich weiß noch, daß die Missionare uns eine überreiche Ernte und große Segnungen für das Land verhießen. Vater dankte ihnen für ihre Hilfe und lud sie zum Bratkartoffelessen sein.
Als Vater wieder zur Arbeit ging, war er sehr niedergeschlagen. Er war sicher, daß wir in diesem Jahr keine Kartoffeln ernten würden. Aber zu unserer Überraschung ging jeder einzelne Setzling auf! Wir waren erstaunt, und die Missionare waren stolz.
Kurze Zeit später wurden die Missionare versetzt, und sie wissen bis heute nicht, ob wir eine gute Kartoffelernte hatten oder nicht. Eines Tages im Sommer brauchte Mutter Kartoffeln für das Abendessen, und deshalb grub ich eine der Kartoffelpflanzen auf. Wir waren erstaunt - die Kartoffeln hatten schon fast die normale Größe. Mutter sagte, wenn die übrigen Pflanzen so seien wie diese, dann könnten wir einige verkaufen. Als wir noch mehr Kartoffeln ausgruben, stellten wir fest, daß jede Pflanze etwa viereinhalb Kilo Kartoffeln produziert hatte! Unsere Nachbarn und die Gemüseläden in der Stadt erfuhren von unserer frühen Ernte, und sie kauften den ganzen Juli, August und September hindurch unsere Kartoffeln. Aber man sah trotzdem nicht, daß die Menge abnahm. Und nicht nur das - auch der Geschmack und die Qualität unserer Kartoffeln waren hervorragend!.
Zur Erntezeit gruben wir die restlichen Kartoffeln aus. Und was für Kartoffeln! Manche wogen zweieinhalb Kilo das Stück, und nicht eine war hohl oder matschig. Eine Kartoffel war sogar siebenundzwanzig Zentimeter lang und hatte einen Durchmesser von zehn Zentimetern. Wir ernteten ungefähr fünfmal soviel wie normal, und weil wir zwei Hektar Land bepflanzt hatten anstatt der üblichen 0,4 Hektar, fiel unsere Ernte fünfundzwanzigmal so groß aus wie geplant. Die Leute hörten von unseren Kartoffeln, und wir verkauften die gesamte Ernte. Vater verlor seine Arbeit im Kohlenbergwerk, aber von dem Geld, das wir für unsere Kartoffeln bekamen, konnten wir Schulkleidung und andere Gegenstände für die Schule, Futter für die Kühe und die Hühner sowie Lebensmittel und Brennstoff für den Winter kaufen.
Die größte Segnung aber war geistiger Art. Für uns waren diese Kartoffeln ein Wunder, ein Zeichen dafür, daß Gott die Worte seiner Knechte hört und in Erfüllung gehen läßt. Der Glaube unserer Familie nahm zu, und wir wurden viel aktiver in der Kirche.
Edward C. John, August 1990
Edward C. John gehört zum Pfahl Globe in Arizona.

03:06 - 2 May 2008


Last Page Next Page
Description
Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
Home
User Profile
Archives
Friends
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Mormonwiki
FairWiki
FAIR
Jesus
Das Buch Mormon überzeugt
mehr zum Buch Mormon
Bekehrungsgeschichten
HLTs in aller Welt
Berichte der Pioniere
Abenteuer der Mormonen
Geschichte der Kirche
Propheten
Joseph Smith
Offenbarungen (Ersatz für BP-Streik)
Der Geist des Elija
Genealogie
Tempel und Tempelarbeit
Missionsarbeit
Die Gebote
Gedenke des Sabbats
Gesetz der Keuschheit
Der Zehnte
Wort der Weisheit
Fasten
Kontroversen
Der Glaube der Mormonen
Recent Entries
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Sie haben im Traum mein Kind gesalbt
- Das Gedicht
- In Tennessee
- Nicht meine Zeit
- „Schlag auf den Stahl!“
- Meine Last wurde leicht
- Tornado
- Es gibt ein Gesetz
- Wunder sind Zeichen der wahren Kirche
- Die Einflüsterungen des Heiligen Geistes
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Betet immer
- „Horche, horche!"
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Unser Kartoffelgebet
- Eine Stimme im Nebel
- Karolinas Gebet
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Kannst du Johnny beten lehren?
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Auf der Robinson-Crusoe-Insel
- Das Abendmahl
- Ich bin nur deinetwegen hier
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Auf der Robinson-Crusoe-Insel
- Sie ging in den Tempel
- Siehe, ich bin bei euch”
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Aus der Finsternis kam das Licht
- Auf Tonga
- Sechs Tage nach der Taufe
- Dem Tornado entronnen
- Im Feuer bewahrt
- Frieden inmitten des Krieges
- Mein Bruder wohnt da
- In Licht getaucht
- Nicht Geld sondern Glauben
- Missionarin durch Beispiel
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Ein gewonnener Kampf
- Sag ihr, ich habe dich gesandt
- Ben vorlesen
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Der Schokoladenbomber
- David
- Der Schatten des Todes lag auf ihrem Gesicht
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Folgt mir nach
- Onkel Jacks wichtigstes Hilfsmittel
- Mutter, sei nicht traurig
- In Liebe, Ihre Besuchslehrerinnen
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Schweizer Samariter
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- Warnung in der Nacht
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert
- dieser Titel wurde von CH-Blog zensiert