Mormonen
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Tornado

Während ein unvorhergesehener Sturm und Hagel von ungeheurem Ausmaß eine Ortschaft in Arizona verwüstete, fanden Gläubige auf einer Abendmahlsversammlung im Gottesdienstraum, in dem plötzlich das Licht verlöschte, Frieden, ein Gefühl der Sicherheit und verspürten den Geist der Gemeinschaft.

Als ich mich am Morgen des 11. Septembers in meiner Nachbarschaft umsah, war ich entsetzt über die schreckliche Verwüstung, die die Natur über den Menschen und sein Werk bringen kann.
Dabei hatte der Tag zuvor wie jeder andere Sonntag in der Alma-Gemeinde im Mesa-West-Pfahl begonnen. Meine Familie war — wie viele andere in der Kirche — eifrig damit beschäftigt, von einer Versammlung zur anderen zu eilen, ohne im geringsten zu ahnen, daß wir, noch bevor der Tag vorüber sein würde, auf höchst dramatische Weise die Hand Gottes verspüren würden.
Don, mein Mann, war für das Programm des Abendmahlsgottesdienstes verantwortlich, das sich mit der Missionsarbeit befassen sollte. Er hatte ein entzückendes junges Ehepaar, Ben und Ellie Hill, gebeten, die Geschichte von der wunderbaren Veränderung zu erzählen, die als Ergebnis ihrer Bekehrung und Taufe in ihr Leben getreten war. Don hoffte dadurch, die Mitglieder der Gemeinde anzuregen, daß sie den Missionaren bei ihren Bemühungen helfen, Menschen zu finden, denen sie das Evangelium verkündigen konnten.
Am Sonntagmorgen rief Schwester Hill uns an, um uns mitzuteilen, daß sie nicht kommen könne, weil ihr jüngster Sohn sehr krank geworden sei. Ihr Mann würde aber auf jeden Fall kommen. Nun dachte Don an ein anderes Ehepaar, Jack und Jan Wright, das vor kurzem zur Kirche gekommen war. Bruder Wright nahm dankbar den Auftrag an, sich in letzter Minute noch auf eine Rede vorzubereiten. Jetzt war Don beruhigt, denn er wußte, daß das Programm bei diesen speziell dafür ausgesuchten Brüdern in guten Händen war. Niemand von uns konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, daß uns alle auf der kommenden Abendmahlsversammlung weitaus stärkere und liebevollere Arme umschlingen würden.
An jenem Sonntagnachmittag fuhren Bruder und Schwester Wright uns zum Gemeindehaus. Als wir ein freies Stück Feld durchfuhren, sahen wir die schönen Superstition Mountains, über die sich eine wunderschöne Wolkenformation türmte. Wir waren alle einer Meinung: „Es sieht so aus, als ob wir heute abend Regen und Sturm bekommen!” Doch in Erwartung auf eine erbauliche Versammlung, die vor uns lag, vergaßen wir rasch dieses Naturschauspiel.
Nach der Spendung des Abendmahls war Bruder Wright der erste Redner. Seine Worte waren sehr bewegend. Er sprach darüber, wie froh und dankbar er sei, daß sich jemand genug Mühe gegeben habe, ihm immer wieder von der Wiederherstellung des Evangeliums zu erzählen, bis er schließlich eingewilligt habe, sich die Missionare anzuhören. Wie sehr habe dies doch sein Leben verändert! Wie wichtig sei es doch für uns, führte Bruder Wright weiter aus, daß wir unseren Freunden von der Wiederherstellung des Evangeliums erzählen, und wie wichtig es sei, beharrlich zu sein!
Nach Bruder Wrights Rede sangen zwei Brüder einige Lieder, welche die Kinder in der Kirche singen. Sie sangen so schön, daß niemand bemerkte, wie rasch es draußen dunkel wurde und wie sehr der Wind am Gemeindehaus rüttelte.
Dann stand Bruder Hill auf, um zu uns zu reden. Er hatte gerade damit begonnen, uns davon zu erzählen, wieviel das Evangelium ihm in seinem Leben bedeutete, als das Heulen des Sturmes draußen so heftig wurde, daß man Bruder Hills Worte kaum noch verstehen konnte. Blitze erleuchteten auf unnatürliche Weise unseren Gottesdienstraum. Die Gemeinde wurde allmählich unruhig. Der Sturm wurde immer heftiger und der Lärm immer größer. Und nun begann es auch noch zu hageln. Der Hagel trommelte so heftig aufs Dach des Gemeindehauses, daß Bruder Hill für eine Zeit seine Rede unterbrechen mußte, weil er nicht mehr gehört wurde.
So plötzlich wie der Sturm gekommen war, so plötzlich wurde es auch wieder ruhig. Bruder Hill sagte darauf mit einem Lächeln: „Wissen S,ie, liebe Brüder und Schwestern, auf dem Weg zum Gemeindehaus heute nachmittag, dachte ich an ein Versprechen des Herrn, nämlich daß er die Erde nie wieder mit einer Sintflut heimsuchen würde.” Die Antwort auf diese Bemerkung, die die Spannung abbauen sollte, war ein gutmütiges Lachen der Mitglieder.
Doch dann brach auf einmal der Sturm Wieder los; aber dieses Mal noch viel heftiger. Das Heulen des Windes schwoll zu einem ohrenbetäubenden Lärm an. Die Lichter im Raum gingen aus und wir saßen in völliger Dunkelheit.
Ungefähr 500 Leute — Männer, Frauen, Kinder, alle enge Nachbarn und Brüder und Schwestern im Evangelium — saßen im dunklen Gottesdienstraum. Und über uns raste donnernd und heulend ein Sturm hinweg. Das Trommeln des Hagels war so laut, daß man sich ganz zum Nachbarn hinüberbeugen mußte, um ihn zu hören.
Doch trotz des fürchterlichen Sturmes war unter uns überraschenderweise ein solches Gefühl des Friedens und der Zufriedenheit, daß sich keine Stimme erhob — nicht einmal ein Kind weinte oder schrie aus Angst. Jeder war außergewöhnlich ruhig — nicht aus Furcht vor dem rasenden Sturm draußen, sondern wegen des Friedens, der im Raum herrschte.
Diese liebliche Ruhe schien sich weiter und weiter auszudehnen. Dann begann jemand von hinten leise das Lied „Wir danken dir, Herr, für Propheten” zu singen. Leise stimmte einer nach dem anderen in das Lied ein, bis schließlich die ganze Gemeinde sang. Ein solches Gefühl des Friedens erfüllte unsere Brust und ließ unsere Stimme anwachsen, wie es uns niemals zuvor bei einer Liedübung in der Sonntagsschule gelungen ist! Irgendwie drangen die Worte „Wenn Wolken der Trübsal uns ängsten, den Frieden des Lebens bedrohn” einem jeden direkt mit solcher Inbrunst aus dem Herzen, daß mir Tränen die Wangen hinunterzulaufen begannen und mir die Kehle zuzuschnüren schienen, so daß ich nur mit Mühe die nächsten Worte singen konnte:
.. dann blicken wir auf zu dem Himmel, denn er ist, o Vater, dein Thron."
Niemand bewegte sich. Niemand brach diesen Zauberbann des Friedens und der Ruhe dieser schönen Botschaft.
„Wir zweifeln nicht an deiner Güte, o Herr, sie ist jeden Tag neu.” Etwas in meinem Herzen war in Erregung versetzt worden: Haben die Heiligen in jener schweren Zeit in den frühen Tagen der Kirche so empfunden wie wir heute?
Als wir das schöne Lied beendet hatten, begann unser Chorleiter das Lied „Kommt, Heil'ge, kommt!” zu singen, und wieder stimmten wir alle mit ein.
Obwohl der Sturm draußen immer noch raste, verspürten wir innen ein wunderschönes Gefühl der Liebe und Gemeinschaft; und die Musik unserer Wegbereiter weitete unsere Seele und unsere Stimme.
„Nicht Müh' und Plagen scheut; wandert froh euern Pfad.” Als wir „Alles wohl, alles wohl!” sangen, da wußte ich es auf einmal. Ja, so haben die Pioniere empfunden! Alles ist wohl — jetzt und in diesem Augenblick. Ich konnte diesen gleichen Geist fühlen, der von allen Anwesenden in dem dunklen Raum aus'estrahlt wurde. Auch sie wußten es.
Nachdem das schöne Lied zu Ende war, stand Bruder Hill wieder auf und setzte seine Rede fort. Das Mikrofon funktionierte zwar nicht, weil der Strom ausgefallen war, aber der Sturm hatte sich etwas gelegt, und so lauschte jeder, wie dieser, der noch nicht lange bei der Kirche war, durch den Geist Zeugnis gab.
Und dann erläuterte mein Mann das Missionsprogramm und legte uns unsere Pflicht gegenüber unserem Nächsten ans Herz. Als er so im dunklen Gottesdienstraum sprach, fühlte ich, daß viele von seinen ernsthaften Worten angesprochen wurden; aber nur wenige konnten die wirkliche Tiefe seiner Worte so empfinden wie ich, wie Bruder Hill und Bruder und Schwester Wright, denn mein Mann war es gewesen, der diesen beiden großartigen Familien vom Evangelium erzählt hatte.
Als Don geendet hatte, strahlte ein jeder von uns ein übermächtiges Gefühl des Friedens und des Glücks aus, obwohl es eine der ungewöhnlichsten Versammlungen gewesen war, die jemals einer von uns besucht hatte: eine Versammlung inmitten eines tobenden Tornados und in 45 Minuten totaler Dunkelheit!
Dann stand der Bischof auf und ermahnte uns, nach dem Schlußgebet sehr vorsichtig nach Hause zu gehen, denn der Sturm würde großen Schaden angerichtet haben und viele umgeknickte Leitungsmasten und entwurzelte Bäume würden auf der Straße liegen.
Als wir aus dem Gemeindehaus traten, trauten wir unseren Augen nicht! Überall lagen Äste und Palmenblätter, und — was besonders überraschend war — an den Zäunen und Hauswänden lagen große Berge Hagelkörner, die das Licht der Autos reflektierten. Hagel im heißen, trockenen Arizona!
Die Straßen waren überflutet, und zahllose Leitungsmasten versperrten die Straßen. Allmählich wurde uns klar, was geschehen war, und uns erfüllte tiefe Dankbarkeit, daß unsere ganze Familie im Haus des Herrn gewesen war, wo wir auch hatten sein sollen!
Was sich da unserem Auge bot, als wir unsere Nachbarschaft erreichten, läßt sich kaum beschreiben. Der Sturm hatte von etlichen Häusern das Dach abgetragen, und der Hagel hatte einen Großteil der Fenster eingeschlagen. Bauholz, Bretter, Türen und Hagel bedeckten die Straße vor unserem Haus.
Doch wie durch ein Wunder war an den Häusern von den Mitgliedern in unserer Nachbarschaft, die in der Kirche waren, kaum ein ernsthafter Schaden entstanden. Nur einige Dachziegeln und zwei Sonnenblenden waren von unserem Haus heruntergerissen worden.
Jedermann zog sich rasch Arbeitskleidung an und half den Nachbarn, die Trümmer wegzuschaffen. Meine beiden jüngeren Töchter und ich nahmen einige Kinder von heimgesuchten Familien zu uns auf und gaben ihnen zu essen. Jeder Besen, jeder Eimer und selbst Bettzeug wurde verwendet, um das Wasser aus den Häusern zu schaffen.
Aber erst nach dieser wunderlichen Nacht wurden wir des wahren Ausmaßes dieses Sturmes gewärtig, als wir die Gegend im Tageslicht betrachten konnten. Uns kam der Friede in den Sinn, den wir im Gemeindehaus während des Sturmes verspürt hatten, und so gingen wir nachschauen, ob der Sturm am Kirchengebäude etwas angerichtet hatte. Worte können die Ehrfurcht nicht beschreiben, mit der wir unser Gemeindehaus betrachteten, das ruhig und ohne einen Schaden mitten im Zentrum der Zerstörung und des Chaos stand. Nicht ein einziger Dachziegel fehlte am Dach! Keine Scheibe des Hauses war geborsten! Selbst die schlanke Turmspitze hatte den tobenden Sturm ohne das geringste Zeichen von Schaden überstanden. Und nicht einmal 30 Meter weiter waren zwei starke Beleuchtungstürme eines Baseballfeldes umgeknickt worden und lagen auf dem Boden.
Man konnte sehen, wie der Sturm ganze Dächer abgedeckt hatte und dann mit unvorstellbarer Wucht über das Baseballfeld hinweggerast war und die Beleuchtungstürme umgerissen hatte. Dann mußte er durch eine unsichtbare Barriere über das Gemeindehaus hinweggehoben worden sein, um nur 15 Meter neben dem Gemeindehaus wieder niederzugehen und mehrere Häuser zu verwüsten und Bäume und Sträucher zu entwurzeln. In ungefähr 15 Minuten hatte der Tornado auf einem zwölf Quadratmeilen großem Gebiet Verwüstungen im Werte von mehr als einer Million Dollar angerichtet und, wie etliche zu berichten wissen, den Boden mit Hagelkörnern bedeckt, die so groß waren wie Golfbälle.
Doch inmitten dieser schrecklichen Zerstörung hat der Herr seine Heiligen bewahrt. Kein Wunder also, daß wir den wunderbaren Geist der Ruhe und Gelassenheit verspürt haben. Alles wohl!
JOYCE A. ORGAN, August 1973
Schwester Organ ist Hausfrau und in ihrer Gemeinde in Mesa (Arizona) Gesangsleiterin.

12:10 - 16 May 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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