Mormonen
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In Tennessee

An einem feuchtheißen Nachmittag im Mai 1895 stiegen zwei Missionare die felsigen, aber dicht bewaldeten Hügel in der Nähe von Smithville in Tennessee hinauf. Die Leute in der Stadt hatten sie abgelehnt, und so hatten sie sich aufgemacht, Menschen unter den Bergbewohnern zu finden, die auf hügeligen Farmen mit geringem Ertrag schlecht und recht ihr Dasein fristeten. Die Missionare reisten zu Fuß und ohne Geldbeutel und Tasche und mußten sich auf den Geist des Herrn und auf die Gastfreundschaft der Leute verlassen, um Nahrung und Unterkunft zu erhalten.
Gegen Abend kamen die Missionare zu dem bescheidenen Häuschen meines Großvaters, Harvey Anderson Pinegar, und seiner jungen Familie. Großvater hatte sie bereits auf einer Versammlung predigen hören und bot ihnen Speise und einen Platz zum Schlafen an, was sie bereitwillig und dankbar annahmen. Harvey und seine Familie teilten ihr Essen und ihr Haus mit den Missionaren. Die drei Kinder schliefen auf dem Dachboden, Großvater und Großmutter legten für sich selbst Strohsäcke in eine Ecke auf den Fußboden, und die Missionare schliefen im einzigen vorhandenen Bett. In diesem bescheidenen Haus in den Bergen lehrten die Missionare meinen Großvater und seine Familie das wahre Evangelium Jesu Christi.

Großvater schrieb in sein Tagebuch:
„Ich prüfte ihre Lehre und kam zu der Überzeugung, daß sie zur einzig wahren Kirche auf Erden gehörten. Daher ließen meine Frau und ich uns am 14. Mai 1895 von Missionar Owen M. Sanderson im Sink Creek, ein paar Meter oberhalb von Jones' Mühle im 7. Distrikt von DeKalb County, Tennessee, taufen. Das geschah sehr zum Mißfallen meiner Verwandten, aber ich kümmerte mich nicht darum und tat weiter den Willen des Vaters im Himmel. Ich wußte, daß die Lehre von Gott und nicht von Menschen war.”
Ungefähr hundert Leute sahen bei der Taufe von Harvey und Josie Pinegar zu. Gegen die „Mormonenreligion” gab es in diesem Gebiet starken Widerstand. Harveys Freude über seinen Beitritt zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wurde von seinem Bruder, seinen Schwestern, den Eltern und den Nachbarn nicht geteilt. Mein Großvater erkannte sehr bald, daß er mit Anfeindung in seinem Ort und seiner Familie rechnen mußte. Er leistete damals gerade Dienst als Schutzmann. Als die Männer, die zu seiner Bezahlung als Schutzmann beisteuerten, erfuhren, daß er sich der Kirche angeschlossen hatte, weigerten sie sich, ihn weiter zu bezahlen. Einer von diesen Männern war sein eigener Cousin.
Mehrmals wurde Harvey Pinegars Haus ein Zufluchtsort für die Missionare. Diese halfen Großvater, die Fenster und Türen als Schutz gegen den Pöbel abzusichern, der gedroht hatte, die Missionare zu teeren und zu federn.
Vier Jahre nachdem sich Großvater der Kirche angeschlossen hatte, begleitete mein Vater, damals ein junger Bursche von acht Jahren, seine Familie und zwei andere Familien zu einem Taufgottesdienst. Großvater wollte an diesem kalten Tag, am 3. Dezember 1899, seine Tochter und die Töchter einer Nachbarsfamilie taufen. Auf dem Weg zum Fluß an Reynolds Mühle begegneten ihnen drei Reiter. Als die Männer fragten, wohin sie wollten, erklärte ihnen Großvater ihr Vorhaben. Der Anführer der drei drohte, sich mit anderen zusammenzutun und das zu verhindern. Großvater entgegnete darauf, er und die 20 Leute bei ihm würden ihr Vorhaben ausführen, ganz gleich, was der Mann und seine Leute täten. Großvater und die anderen setzten ihren Weg zu Reynolds Mühle fort.
An der Mühle angekommen, suchten sie eine abgelegene Stelle für die Taufe. Der Hügel oberhalb des Flusses war mit Bäumen, kleinen Eichen und Efeu bestanden. Mein Vater, der junge John, setzte sich auf einen umgestürzten Baum, der über eine Sandbank in den langsam dahinfließenden Fluß hineinragte. Von hier aus konnte er alle Einzelheiten dieser heiligen Handlung genau beobachten. Großvater watete in den Fluß hinein, um die richtige Tiefe zu finden, und kehrte dann zum Gebet ans Ufer zurück. In der Stille des Gebets hörte John das Geräusch eines knackenden Zweiges. Er schlug die Augen auf und warf einen schnellen Blick nach oben durch die Bäume — da waren die Männer, die sie vorher schon einmal angehalten hatten. Sie hatten sich mit anderen zusammengerottet, um ihre Drohung wahr zu machen. Einer der Männer stand neben einem Steinhaufen, bereit, die Taufgemeinde mit Steinen zu bewerfen.
Plötzlich rissen alle die Augen auf. Ein riesiger Jagdhund, der dem Anführer des Pöbels gehörte, war den Hang heruntergesprungen und einige Meter vor meinem Vater stehengeblieben. Der junge John sah den Hund angsterfüllt an, da dieser bedrohlich knurrte. Diese Männer waren entschlossen, die Taufen zu verhindern. Mein Großvater Pinegar fuhr jedoch unerschrocken mit dem Gottesdienst fort
Der Anführer, der sich nun davon überzeugt hatte, daß diese Mormonenfamilien keine Angst vor seiner Drohung hatten, befahl nun seinem Hund, Großvater Pinegar anzugreifen. In diesem Augenblick geschah etwas ganz Unbegreifliches. Der Hund stieß ein dumpfes Knurren aus, und sein Haar sträubte sich. Plötzlich bleckte er die Zähne und lief zu seinem Herrn zurück, sprang ihm an den Hals und warf ihn zu Boden. Als die übrigen Männer sahen, daß der Hund seinen eigenen Herrn angegriffen hatte, suchten sie ängstlich das Weite. Sobald sich der völlig überraschte Anführer von seinem Hund befreien konnte, eilte er seinen Freunden in wilder Jagd nach, den kläffenden Hund dicht auf den Fersen.
Ein Wunder war geschehen! Die Familie Pinegar und ihre Nachbarn dankten dem Herrn für ihre Errettung, und der Taufgottesdienst konnte ohne weitere Störungen fortgesetzt werden.
Am Abend kehrten die Familien zu Großvaters Haus zurück. Nachdem sich die Dunkelheit über die Berghütte gesenkt hatte, kamen die Störenfriede wieder und drohten erneut, über meinen Großvater und seine Mormonenfreunde herzufallen. Als sie ihm von der Gartenpforte her Schmähworte zuriefen, befahl er ihnen im Namen des Herrn Jesus Christus zu gehen. Der Mob verschwand und kehrte nicht mehr zurück.
Dieses Erlebnis, das uns mein Vater und mein Großvater oft erzählt haben, ist der Familie Pinegar seit Generationen eine Quelle der Kraft gewesen. Ich habe dadurch Dankbarkeit für meines Großvaters Treue zum Herrn gelernt, und es hat mir die Gewißheit gegeben, daß Rechtschaffenheit gegen alle Hindernisse und Widerstände obsiegen wird.
Der Mut meines Großvaters und der anderen, fest für das Rechte einzustehen, brachte die Hilfe des Herrn. Eine stille, friedvolle Kraft kam in ihr Herz, wodurch sie imstande waren, den Anfeindungen mit Mut und Vertrauen zu begegnen. In meinem eigenen Leben hat es Fälle gegeben, wo mir die Erinnerung an dieses Erlebnis meines Großvaters die Kraft gegeben hat, Überredungen, das Falsche zu tun, zu widerstehen.
Ich bin dankbar für die Treue und den Glauben meines Großvaters. Seine Furchtlosigkeit begründete ein Erbe des Glaubens an den Herrn und der Liebe zu ihm. Die Opfer, die er und andere meiner Vorfahren gebracht haben, haben die vielen Segnungen der politischen und religiösen Freiheit ermöglicht, die ich heute habe. Ich will meine Treue gegenüber meinem Großvaterzeigen, indem ich dem Herrn gegenüber auch treu bin.
Wir können unsere Treue zum Herrn unter Beweis stellen, indem wir den Eltern gehorsam sind, unsere Geschwister achten, auf die Führer der Kirche hören und unsere Berufung in der Kirche und unsere Priestertumspflichten erfüllen. Zur Treue gehört auch, daß wir die Landesgesetze und Gottes Gebote befolgen. Treue gegenüber unserem Arbeitgeber, gegenüber unseren Arbeitnehmern — wie sie sich in einer ehrlichen Tagesarbeit und einer gerechten Entlohnung für diese Leistung erweist — sind auch Teil unserer Treue zum Herrn, denn was wir unserem Nächsten tun, das tun wir ihm. Es bedeutet auch, für das Rechte einzustehen, wenn unsere Freunde uns überreden wollen, etwas Falsches zu tun. Es kann auch heißen, daß wir in der Verteidigung von Wahrheit und Recht allein stehen.
Vielleicht finden Sie auch im Leben Ihrer eigenen Familienangehörigen ähnliche Beispiele von Treue gegenüber dem Vater im Himmel, die Ihnen eine Quelle des Glaubens und des Mutes sein können.
Möge ein jeder von uns dankbar sein für all das, was wir unseren treuen Vorfahren verdanken, und mögen wir uns mit wahrem Glauben bestreben, diesen edlen Seelen treu zu sein, indem wir dem Herrn treu sind.
Rex D. Pinegar, Dezember 1976

06:54 - 28 May 2008


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Hier veröffentliche ich besondere Erlebnisse von Mormonen aus alten Kirchenzeitschiften
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