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| Aphorismen, Zitate | Gesellschaft | Mirabile dictu | Politik | Religion Sammelsurium | Todesverständnis im Kontext |
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Liebe Leserin, lieber Leser. In OPUS ONE äussere ich fernab von alltäglichen Zwängen, sozusagen in aller "Narrenfreiheit" Ideen, Gedanken und Meinungen, die von mir im Alltag Aufmerksamkeit erhaschen. Seit dem 14. April 2007 erscheinen unter anderem Beiträge, in denen ich versuche, die Frage nach dem Sinn des Leids und des Todes zu kommentieren. Sie finden im Kontext der Weltreligionen, der Philosophie und der Psychologie statt. Die Beiträge sind eingetragen in "Todesverständnis im Kontext". |
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Die Unsterblichkeit der Seele "beweist" Sokrates seinen Zuhörern in drei Schritten: im ersten Schritt legt er den grundsätzlichen kreisläufigen Prozess und ein naturgegebenes In-einander-übergehen der natürlichen Gegensätze dar und folgert, dass "die Lebenden nirgends anders herkämen als von den Toten" (Platon, Phaidon, 70 d) und notwendigerweise muss es auch ein dem Sterben entgegengesetztes Werden geben. Nach Sokrates "Beweisführung" gibt es ein "Wiederaufleben und ein Werden der Lebenden aud den Toten und ein Sein der Seelen der Gestorbenen." (Ebd., 72 d) Den zweiten "Unsterblichkeitsbeweis" leitet Sokrates aus der erkenntnismässig begründeten These ab, dass Lernen und Erkennen Wieder-Erinnern (anamnesis) ist: In der Betrachtung der Abbilder, die in der sichtbaren Welt in Erscheinung treten, erfährt der Mensch eine vage Erinnerung an die Urbilder. Dass alles Lernen und Erkennen letzten Endes eine Wieder-Erinnerung, "das Wiederaufnehmen einer uns schon angehörigen Erkenntnis" (Ebd., 75 e) ist, resultiert aus dem Umstand, dass die Seele die Ideen bereits in der Präexistenz geschaut, sie jedoch beim Eintritt in den Körper vergessen hat. In ihrem Innern gibt es jedoch Spuren davon. Diese Erinnerungsspuren ziehen den Menschen mittels seiner Seele zu den Urbildern. Da die sinnliche Wahrnehmung nichts Dauerndes erkennt, ist die "richtige" Begriffserklärung wesentlich. Die Bildung der Begriffe in der menschlichen Seele ist ebenfalls ein Akt der Erinnerung, denn die Seele hat vor dem Eintritt in den Körper, wie schon erwähnt, die Ideen selbst bereits geschaut. Die (unwandelbaren) Begriffe allein geben, wenn sie richtig gebildet sind, wirkliches Wissen, da sie Abbilder der Ideen sind. Die Seele hat teil an den Ideen mittels Begriffe, die sie wiedererkennt. Je umfangreicher und grösser die Teilhabe der vorfindlichen Dinge an den Ideen ist, um so schöner beziehungsweise besser sind die Dinge. Die menschliche Seele sehnt sich nach höchstmöglicher Vollkommenheit, die in der vergänglichen Welt aber immer nur in einer Annäherung erreichbar ist. In einem dritten Schritt erörtert Sokrates die Verwandschaft der Seele mit dem "Göttlichen, Unsterblichen, Vernünftigen, Eingestaltigen, Unauflöslichen und immer einerlei und sich selbst gleich sich Verhaltenden". (Ebd., 80 a) So gelangt Sokrates zu dem dialektischen Schluss, dass die Seele niemals das Gegenteil ihrer Wesenheit annehmen kann und ihr somit Unsterblichkeit zueigen ist: "Denn den Tod (...) kann sie nicht annehmen und gestorben sein, wie die Drei niemals gerade sein kann, ebensowenig wie das Ungerade selbst, noch auch das Feuer kalt, ebensowenig wie die Wärme in dem Feuer." (Palton, Phaidon, 106 b) Die menschliche Seele ist Selbstbewegung. Sie ist nicht prinzipiiert, sondern selbst Prinzip. Sie ist der Anfang aller Bewegung. Die Seele ist der Ort der Begegnung von Idee und Sinnlichkeit, von Sein und Bewegung, von Logos und Eros. Die Seele ist aber auch zwischen dem Seienden und dem Werdenden zerissen: "Bin ich etwa ein Ungeheuer (...) noch verschlungener gebildet und ungetümer als Typhon, oder ein milderes einfacheres Wesen, das sich seines göttlichen (...) Teiles (...) erfreut?" (Platon, Phaidros, 230 a) Die Frage lässt Platon unbeantwortet. Solange die Vernunft an den Körper gebunden ist, der Körper selbst aber vernunftlos ist, sind weder der Anfang des Werdens noch der Anfang des Seienden unmittelbarer Erkenntnis zugänglich. Die Seele selbst unterteilt Platon in drei Seelenschichten, die in einem hierarchischen Verhältnis zu einander stehen. Die Dreiteilung der Seele illustriert Platon anhand eines "Seelenwagens" (vgl. Platon, Phaidros, 246 a) eines Gespanns, vor den der Mut und die Begierde gespannt sind, gelenkt von der Vernunft. Diesen drei Seelenteilen ist jeweils eine Tugend zugeordnet: der Vernunft die Weisheit, dem Mut die Tapferkeit, der Begierde die Mässigung. Diesen drei Tugenden ist die der Gerechtigkeit übergeordnet, zusammen bilden sie die vier Kardinaltugenden. Daraus folgert notwendigerweise das Postulat der Vernunft und - eng damit verbunden - eine Abwertung des Leiblichen zugunsten der intelligiblen Welt des Geistigen. | ||
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