Sicheres Wissen kann niemals über etwas gewonnen werden, das in ständiger Veränderung begriffen und der Zeit unterworfen ist. Somit ist quasi nichts in der Sinnenwelt, vielmehr ist alles im Fluss. Von dem, was der Sinnenwelt angehört, kann der Mensch nur eine unsichere Meinung haben. Allein von der Ideenwelt, die mit den Sinnen nicht erkannt werden kann, kann der Mensch sicheres Wissen erlangen. Dazu ist der Gebrauch der Vernunft unabdingbar. Die Sinne des Menschen sind an den Körper gekoppelt und daher unzuverlässig. Platon postuliert demzufolge die Regentenschaft der Vernunft, da sie allein im Stande ist, der sinnlichen Begierde entgegenzuwirken und zur Erkenntnis befähigt. Zu der Vernunft treten die vier Kardinaltugenden (Weisheit, Tapferkeit, Mässigung und Gerechtigkeit). So stellt der philosophierende Mensch sicher, dass er das "störende Kleid" des Leibes, das ihn behindert und einengt, abstreifen und in das wahre, zeitüberdauernde Leben eintreten kann.
|