Quappe und die Welt

Schreiben therapiert mich leider garantiert nicht.

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Ein Requiem - 02:28, 13 September 2008

Texte


Status Quo

Einhundert Gramm


Das ganze Requiem

 

 

Ein Requiem


Im Wissen, dass das Thema jetzt im September alles andere als progressiv ist, habe ich mir vorgenommen für dieses Jahr noch eine kleine Collage über die 1968er Generation zu sammeln.

Die ganze Komposition wird möglicherweise eher kritisch ausfallen, schliesslich wurden einem die Hommagen aus Magazinen und Fernsehsendungen schon seit Monaten um die Ohren geschlagen.

Ich bin ein verfluchter 68er-Fan. Man kann gar nicht mehr Freude daran haben. Ich finde das romantische Lebensgefühl grossartig, der Geschmack, der das Wort „Dorfdiskothek“ auslöst, einzigartig. Mit einem Motoroller durch die Ostschweiz fahrend, in der Transsibirischen Eisenbahn Mescalin schluckend, am Strand vom Preveli, in Israel, in der DDR, auf den amerikanischen Highways, überall flog dieses Gefühl durch die Luft, von dem man heute nur noch Geschichtchen hören kann.

Gerade eben diese Geschichten und die Tatsache, dass ich es nie erlebt habe, machen 68 zu einer so romantischen Jahreszahl.

Und ich befürchte, das weiss aus meiner Generation kaum jemand. Es kann sich niemand auch nur vorstellen was das bedeuten konnte. Das hat mich natürlich neugierig gemacht. Ich bin ein absoluter 68er-Fan, ich mag Alt-68er, solange sie keine SVPler sind und ich höre ihnen gerne zu. Was war das Mythisches, das nur zwanzig Jahre vor mir stattgefunden hatte und von dem ich nichts weiss, ausser, dass es wohl unser Leben verändert hat?

 

Gerade eben weil ich so ein Fan der 68er bin, wird dieses 68er-Requiem, wie ich es nenne, nicht unbedingt unkritisch behandelt. Romantische Gefühle, Aufbruchstimmung und das bürgerliche Leben, das heute viele dieser ehemaligen Revoluzzer führen, bieten sich perfekt an, eine Reihe von desillusorischen Texte zu schreiben.

 

 

Zum Abschluss ein Auszug aus meinem neuen Roman-Projekt mit dem Titel:

„Geschlechtsverkehr, Halluzinogene & gute Musik – ein Erziehungsbuch“

 

Unser Geschichtslehrer, Herr Bucher, hatte wiedermal einen braunen Anzug an, mit einer triumphal vor seiner Brust prangenden, hässlichen, rot-braun-karierten Krawatte, weil er denkt, Alt-68er werden Lehrer, weil sie Freigeister sind und und weil sie freigeistige Lehrer werden, müssen sie altmodisch und pseudo-pseudo-schick daherkommen, um zu zeigen, dass sie eigentlich Alt-68er sind, sich das aber nicht anmerken lassen, weil sie ihren Beruf als Lehrer ernst nehmen und sich deshalb auch gepflogen anzuziehen versuchen, was dann aber tatsächlich keinen gepflogenen Ausdruck macht, was schlussendlich auch das ist, was sie repräsentieren wollen. Ausserdem ist Herr Bucher heute bei der SVP, weil er glaubt, dass richtige Alt-68er so werden müssen.

 

 

PS: Ich hatte tatsächlich mal einen Lehrer namens Bucher. Seine Mode war auch etwas fraglich. Für einen Alt-68er war er aber fast schon etwas zu früh auf der Welt.


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