Erlebnisse in Südamerika

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Zu guter Letzt

060648, 7.7.2011 .. Link
So, ez sägi wieder GRÜEEEZI mitenand ;-)

Doch trotzdem möchte ich euch natürlich auch an meinen letzten Abenteuern teilhaben lassen.

Nachdem ich in Quito meinen Galapagos-Trip gebucht hatte, machte ich mich per Bus in den touristisch wenig erschlossenen Norden Ecuadors auf. Atemberaubende Berglandschaften flogen am Fenster vorbei und nach ca. 5 Stunden süsse Bananenchips krümeln war ich auch schon an meinem Zielort El Angel angekommen. Kaum hatte ich meinen ersten Fuss auf dem Dorfplatz gesetzt, sprach mich schon ein netter Typ an und lud mich ein, ihn auf seine Lodge im nahen Nationalpark zu begleiten. Also den Rucksack auf die Ladefläche geschmissen und mit einer buntgemischten Truppe an Höhenmetern gewonnen. Das urchig, holzige Gästehaus liegt auf etwa 3500 m.ü.M. und wird von einem Kommunalprojekt geführt. Man kann hier also die pure Natur erleben und die Hochlandbewohner dabei unterstützen. Und vor dieser rustikalen Unterkunft wuchert einer der letzten uralten Zauberwälder Ecuadors mit den endemischen Papierbäumen und sanften Flechten und Moosen, die in dieser Abgelegenheit ihr zuhause haben. Zudem werden von den geschäftigen Gastgebern Forellen gezüchtet, die aber dummerweise in einem extrem schwer zugänglichen See ausgesetzt werden. So pflügte sich der Pickup mit einer männlichen, grunzenden Holzfäller-Truppe am nächsten Morgen durch das morastige Hochland. Der unvergessliche Ausblick über den südlichen Boulevard der schneebedeckten Vulkane und die Frailejones, ein Mönchsgewächs, das hier oben millionenfach gedeiht, entschädigten für das mühsame Anschieben, als unser Kleinlaster wieder einmal tief eingesumpft war.

Petri heil! Don Rogelio goes fishing. Verbissene Finger und stinkender Glibber waren da kaum zu vermeiden, aber am Ende des Tages feierten wir bei zarter Forelle unsere unseren 400kg-Fang. Lecker! Alles verladen und den Heimweg unter die Räder genommen. Der Arbeitstag war aber noch lange nicht vorbei. Jaja...Klein Roger auch Fische aufschlitzen und Eingeweide raus- reissen und dabei Sprüche klopfen :-)

Tschüss El Angel! Es war schön bei euch, doch jetzt wird nochmals richtig die Reisekasse geplündert. Ich flitzte zurück nach Quito, reorganisierte meine 7 Sachen und jettete 1000 km westlich über den Pazifik bis San Cristobal vor uns auftauchte. Kaum auf dem Eiland gelandet, wurden wir abgeholt und zum Hafen gebracht. Lustige Seehunde begrüssten uns dort und wir hopsten in kleine Schlauchboote, die uns zu unserem Kreuzfahrtschiff brachten. Die MS Santa Cruz kann bis zu 100 Passagiere aufnehmen und schipperte, nach einem kurzen Briefing gemächlich zum ersten Ankerplatz. Der schneeweisse Strand am Hexerhügel (Cerro Brujo) beherbergt einen Schildkrötennistplatz, ein paar blökende Seelöwen und schnaubende Drachen. Tatsächlich speien die Wasserleguane kein Feuer, sondern Salz aus ihrer Nase, das sie mit ihrer Nahrung (Algen) aufnehmen, aber in ihrem Organismus gar nicht gebrauchen können.

Unsere erste eindrückliche Begegnung mit der Fauna dieses Archipels mit ca. 150 Inseln. Es sollten aber noch zahllose Folgen. Die ersten 4 Tage waren luxuriös (Whirlpool, fettes Buffet, Topservice und grosszügige Kabinen), abenteuerlich (pro Tag ein Schnorchel- und ein Landgang) und einfach nur (ent)spannend. Die älteste Galapagos-Insel Española bot uns gigantische Albatrosse, verspielte Seelöwen, Finken, Bussarde und Leguane en masse und die kompetente Führerin lieferte das Fachwissen nach. Nach der Überfahrt nach Floreana hiess es Tiefsee-Schnorcheln. Im türkisen Wasser um die berüchtigte Teufelskrone glitten wir friedlich über den bunten Fischen, die sich unter uns tummelten. Und plötzlich kam ein braunes Riesenvieh auf mich zugeschossen und zischte erst kurz vor meiner Nase Backbord an mir vorbei. Ich sah nur noch die Flossen des kolossalen Seelöwen-Alphamännchens um den Felsen verschwinden. Wow!

Gefläscht tuckerten wir zurück zu unserem Bonzenkahn und besuchten nach einem leckeren Sushi-Snack Floreana, wo wir Strandrochen, Fregattvögel und Flamingos vor die Linse bekamen. Next Stop: Isla Fernandina! Die jüngste, recht kahle Insel des Archipels präsentierte ihren mächtigen, aktiven Vulkankegel in voller Pracht und wir durften auf einen flachen Lava-Zunge unzählige Echsen, Wasserschildkröten, flugunfähige Kormorane (kommt nur hier vor) und Seelöwen beobachten. Den Nordzipfel von der Insel Isabela nahmen wir per Schlauchboot und mit Taucherbrille unter die Lupe, nachdem wir unseren Adrenalin-Spiegel mit einem Sprung vom ca. 8 m hohen Sonnendeck in die Höhe schnellen liessen. Vor der Steilküste vergnügten sich Pingus, Schildis und äuäu's ;-)

Am morgen darauf landeten wir auf Santa Cruz und transferierten nach Puerto Ayora, der Hauptstadt mit 18000 Einwohnern, und besuchten in der Schildkröten-Aufzuchtstation den einsamen Georg. Dieser 150-jährige, halbe VW-Käfer ist der letzte seiner Art und kann sich obwohl er seine 3-mal kleineren Gespielinnen mehrmals täglich begattet nicht mehr fortpflanzen. Dank den Piraten, die die friedlichen Panzertiere gerne als Futtervorrat auf ihre Barken verschifften, ist Georg's Art dem Untergang geweiht.

Die folgenden 3 Tage verbrachte ich, nach der welligsten Überfahrt meines Lebens, auf der grössten aller Galapagos-Inseln - Isabela. Da 97% der Fläche 1957 zum Nationalpark erklärt wurden, findet man hier nur eine winziges paradiesisches Stranddorf namens Puerto Villamil. Ich checkte in einem gemütlichen Hostel ein und liess die Seele baumeln. Wanderstund hat Lava im Schlund;-) Tags darauf erklomm ich mit einer Gruppe den zweitgrössten Krater der Erde (12km Durchmesser). Der Cerro Negro (letzte grosse Eruption 2007) beeindruckte uns sehr und auch die ca. 5 Jahre alten Lavaströme an seiner Flanke liessen uns unsere Kinnlade herunter schnellen. Weissspitzenhaie tummelten sich am nächsten morgen in einer Spalte in der Hafenbucht. Beim anschliessenden Schnorchelplausch umkreisten uns haufenweise Pinguine, Rochen, Schildis, Sardinen und eine Teenage-Robben-Gang. Den Nachmittag entspannte ich lötend mit der lustigen Multikulti-Tour-Truppe und schwamm mit farbenfrohen Fischschwärmen in einem Naturpool um die Wette.

Hasta la vista Isabela. Die Fähre zurück nach Santa Cruz bescherte mir dieses Mal weniger Übelkeit. Mittags war Treffpunkt am Hafen von Puerto Ayora, denn die Guantanamera wartete schon uns 16 Landratten. Dieses Boot bietet weniger Komfort, dafür einen verrückten Guide. In den nächsten 4 Tagen standen nämlich so halsbrecherische Aktivitäten wie, Hammerhai-Watching und extrem Schaukeln auf dem Programm. Aber erst einmal besuchten wir wilde Riesenschildis im Hochland und stampften 3 km untertage durch einen Lava-Tunnel. Rostige Felsen und blutrote Strände begutachteten wir auf Rabida, bevor wir am Postkartenmotiv Nummer 1 (Pinnacle Rock, spitziger Felsen, den die Amis mit Bomben gemeisselt haben) den Sonnenuntergang genossen. Die nächtliche Schüttelregatta von der Isla Bartolomé zur Isla Genovesa kehrte so einigen den Magen um. Ich konnte auch nicht schlafen, weil es mir unter dem grandiosen Sternenfirmament ständig meine Haarpracht ins Gesicht wehte. Naja... Dieser abgelegene versunkene Krater ist ein Vogelparadies. Die seltenen Rotfusstölpel liessen sich aber vom wandelnden Blitzgewitter nicht aus der Ruhe bringen. Es würde den Rahmen hier sprengen alle Vogelarten zu nennen, die wir erspähten. Da erzähl ich euch lieber von der 20-köpfigen Hammerhaischule, die eine ca. 50 Tiere fassende Rochenschule verfolgend, unter uns vorbei schwebte. Leck mir am Herz! Es pochte nämlich im fünften Gang mit 8000 U/min.

Auch Landleguane durften wir noch bestaunen. Letzter Halt war North Seymour, wo mir ein Seelöwenbaby mir zum Abschied eine Kusshand zuwarf und mit einem Auge zwinkerte. Am Flughafen staunte ich nicht schlecht als mir gesagt wurde, mein Flug sei nicht bestätigt worden. So ein Ärger! So blieb ich halt noch einen Tag auf Santa Cruz und besuchte den alten Lüstling Georg nochmals in aller Ruhe.

Galapagos war ein teurer Spass aber jeden Rappen wert. Der Naturschutz ist für Ecuador auf einem fantastischem Stand. Müll wird getrennt, Zuchtprojekte retten bedrohte Tiere, eingeführte Plagen werden wieder ausgerottet und Nicht-Ecuadorianer dürfen sich hier nicht niederlassen. Die einzigartige Tierwelt, die sich hier besonders evolutionär zeigt dankt es dem Menschen und regeneriert sich langsam wieder auf gesündere Bestände. Nahrung hat sie durch die unzähligen Meeresströmungen, die Galapagos umspülen genug, ausser das fiese Kind (El Niño) macht den Tieren einen Strich durch die Rechnung. Leben entsteht und verschwindet wieder. So ist es auch mit dem Archipel, das ca. 7 cm pro Jahr ostwärts driftet und direkt am Äquator liegt. Bevor es allerdings auf südamerikanisches Festland trifft versinkt es sang- und klanglos wieder im Pazifik.

Guayaquil, die grösste Stadt Ecuadors liess ich auf allgemeines Anraten links liegen und reiste mit einem deutschen Pärchen nach Montañita. Hier, wo die beste Surfwelle des Kontinents bricht, entspannt man bei süsslichen Düften am Strand oder genehmigt sich einen Mojito an der Bar. Eines verkaterten Morgens stürzte ich mich, bewaffnet mit einen Bodyboard in die Fluten und fand mich schon bald im Schleudergang einer Industriewaschmaschine wieder. Soooo geil! :-) Weiter nördlich besuchte ich die Jungle-Lodge, wo ich arbeitete und die Schulkinder von Liguiqui, die sich sehr über die Stippvisite von Profe Rogelio freuten.

Im Hafenmoloch Manta haute ich mit Lehrer-Kollegen auf den Putz, gedenkte mit einer Familie schnappssaufend ihrem verstorbenen Opa und übernachtete in einer zusammengekleisterten Wellblechhütte im Armenviertel Mantas. Schon fast erschreckend wie grosszügig und offenherzig die Bewohner dieses Slums sind.

Mein letzter langer Schüttelbecher (Bus;-) raubte mir wiedereinmal den Schlaf. Ich machte nur kurze Zwischenstopps in Esmeraldas und San Lorenzo, wo ich nochmals deftig meiner Meeresfrüchteleidenschaft frönte und kurvte dann weiter die Anden hoch nach Ibarra. Ziel war, nochmals richtig in die Kultur der Indigenen Ecuadors einzutauchen. Ich erhielt einen Tipp, den ich zu meinem letzten grossen Abenteuer umsetzte. Ich fuhr 2 Stunden nach Huaca, das vom Stamm der Pastos bevölkert wird und erkundigte mich nach dem Dorfschamanen. Bereitwillig gab man mir Auskunft, bis ich dann aber Don Hector fand hatte ich schon stramme, übersäuerte Waden zu beklagen. Er begrüsste mich herzlich, obwohl ich unangemeldet auf der Matte stand und wir spazierten zusammen durchs Dorf. Don Hector el Curador (der Heiler) ist in Huaca eine angesehene Respektsperson. Werden die Leute krank, konsultieren sie zuerst ihn bevor sie ins Krankenhaus gehen. Sein Wissen erlangte er von seinen Grossvätern. Er sagte, grundsätzlich könne er mit Kräutern und Ritualen alles heilen. Hokuspokus dachte der schweizer Realist. Doch nach einer spirituellen Nacht, einem Bad in einer warmen Quelle und einer Reinigungszeremonie fühlte ich mich tatsächlich irgendwie eins mit dem Kosmos. Glaubt was ihr wollt! Don Hector liess mich eindrücklich in die Welt der Spiritualität und des Schamanismus eintauchen.

Zurück in Quito traf ich mich mit Monica, einer guten Freundin aus Urcutambo Zeiten. Ihr Bruder heiratete gerade und ich war eingeladen. Die frommen Christen feierten aber auf ziemlich langweiligen Niveau. Deshalb entschloss ich mich am folgenden Tag für mehr Action und fuhr mit der Seilbahn auf 4100 m.ü.M. auf den Hausberg Quito's namens Cruz Loma. Schnaubend stapfte ich anschliessend Richtung Gipfel vom Rucu Pichincha (4696 m.ü.M) und unterhielt mich blendend mit anderen Wanderfreunden. Der Gipfel war sehr herausfordernd. Einige Male musste ich umdrehen und eine neue Kletterroute finden, da diverse Passagen ungesichert einfach zu gefährlich waren. Der Gipfeljubel war dann umso überwältigender. Abends erwischte mich zum ersten Mal so richtig die Höhenkrankheit. Doch nicht nur diese bescherte mir Kopfschmerzen. Monica studiert nämlich Theologie und die Abschlussfeier am Tag danach war eine einzige übertriebene Huldigung von Gott und der Bibel. Doch das anschliessende Souvenir-Shopping half mir darüber wegzukommen.

Chao Monica, hola Familia Reyes. Hier, bei meiner ersten Gastfamilie durfte ich ja mein ganzes Zeug deponieren. Grosse Stopfaktion, kurzer und schmerzloser, aber trotzdem sehr emotionaler Abschied und ab an den Flughafen, wo ich europäisch, pünktlich Richtung nach Hause abhob. Nach ca. 4,5 Spielfilmen, 12 Folgen Simpsons und weiteren Entertainment-Vergnüglichkeiten landete ich in Amsterdam zwischen und jettete weiter nach Zürich. Krokodilstränen strömten aus meinen Augen als mich mein Mami und meine Oma am Flughafen Kloten mit einem strahlenden Bündner- und einem Schweizerfahnen empfingen.

Dies ist nun der vorläufig letzte Reisebericht von mir. Ich danke euch für eure Treue und für eure Freundschaft, die trotz der grossen Distanz nie erloschen ist.

Macht es gut und bis bald.

Roger





Viva Colombia!

010123, 5.17.2011 .. Link
Hola amigos!

Und wiedereinmal füttere ich euch mit einem spannenden Reisebericht. Diesmal über Kolumbien, dass sich während der letzten Wochen zu einer meiner Lieblingsländer in Südamerika entwickelt hat. Erst einmal muss ich mit mit ein paar Unwahrheiten aufräumen. Entgegen aller Vorurteile und Gerüchte stellte ich zufrieden fest, dass dieses mit Naturwundern und gut geschützten indigenen Kulturen gesegnete Land völlig sicher zu bereisen ist. Natürlich sind Guerillas und Paramilitärs immer noch aktiv, wurden aber in den letzten Jahren von der gnadenlos durchgreifenden, rechten Regierung in die unzugänglichsten Ecken des Landes zurückgedrängt. Man merkt es den Kolumbianern an ihrer offenen, hilfsbereiten Art merklich an, dass sie nach dem jahrzehntelangen Bürger- und Drogenkrieg, zufrieden sind, endlich wieder sorglos auf den Strassen spazieren und durch ihre Heimat reisen können. Der Tourismus blüht förmlich auf und die Bürger wollen der Welt zeigen, wie grossartig ihr Land ist.

Vor meinem Flug von Sao Paulo nach Bogota hat mich die brasilianische Airline TAM noch ordentlich auf die Palme gebracht. Sie verlangten doch tatsächlich von mir, ein Flugticket vorzuweisen, das beweist, dass ich Kolumbien auch sicher wieder verlassen werde. Der Zoll würde das verlangen hiess. So blieb mir nichts anderes übrig ein nutzloses (zum Glück rückerstattbares) Ticket von Bogota nach Quito zu erstehen. In Bogota gelandet, fragte keine Sau danach. SO EIN ÄRGER!!! Naja...

Die 8-Mio-Metropole Bogotá hat vor allem mit kühlem, regnerischen Wetter und Unmengen von Polizisten aufgetrumpft. Als ich am Karfreitag abends durch die Strassen der Altstadt „La Candelaria“ schlenderte erblickte ich auf einmal einen merkwürdigen Umzug. Die als lila-farbener Kuklux-Clan verkleideten Hardcore-Katholiken tragen riesige Kreuze und Sänften auf ihren baren Schultern durch die steilen Gassen und gedenken so dem Leidensweg von Jesus. Sogar die Kinder holen sich mit dieser Tortur ihrem ersten Hexenschuss. Da bin ich doch froh, dass das Einzige was in der Schweiz an Karfreitag Pflicht ist, lecker Fischfilet schnabulieren ist. Hehe! Der nächste „Juanes“, der aufstrebende Jungmusiker Guillo, führte mich nach seinem coolen unplugged Konzert im Hostel durch seine Heimatstadt. Zu den Highlights gehörten das beeindruckende Goldmuseum, der Präsidentenpalast und die mächtige Plaza Bolivar im Zentrum und das erfrischende „Poker“-Bier im Hardrockcafe in der Zona Rosa, dem Vergnügungsviertel Bogotas.

Im rumpelnden Kleinbus fuhr ich nordostwärts ins Kolonialstädtchen Villa de Leyva. Die malerischen, mit Kopfstein gepflasterten Strassen luden zu ausschweifenden Spaziergängen ein. Die von Landwirtschaft geprägte Umgebung erkundete ich per Fahrrad und stiess auf ein riesiges Fossil (8m) eines Wasserdinos, eine Kultstätte der Ureinwohner mit Riesenpenissen aus Stein und das erste Kloster Kolumbiens, dass mit seinem ruhigen, bunt-bepflanzten Innenhof dazu einlud, die Seele baumeln zu lassen.

In San Gil war dann nach dem gemächlichen Villa de Leyva, Action total angesagt. Ich stürzte mich nämlich, nur mit einem Schaumstoffbrett, einem Helm und Flossen ausgerüstet in die Fluten des Rio Foncé. Zudem trieb ich meinen Adrenalinspiegel mit einem 35m-Bungeejump, diversen Arschbomben von einem 4m-Wasserfall und einer waghalsigen Tour in ein Höhlensystem in die Höhe. Letzteres war der Wahnsinn und definitiv nichts für Klaustrophobiker. Fülligere Leute kommen gar nicht erst durch den engen Eingang, man muss durch einen ca. 5m langen Unterwassertunnel tauchen und dass der blutjunge Führer immer wieder den Wasserstand im Lehm markierte, trug auch nicht gerade zur Beruhigung der Nerven bei. Dafür wird man nach der schlammigen, kalten Tortur mit spitzigen Stalaktiten und Stalagmiten belohnt und die Fledermäuse schwirren einem um die Ohren. Die Atmosphäre im Hostel war grossartig und die Holländer kochten zur Feier des Geburtstags ihrer Königin, oranges Pouletcurry. Dazu schlürften wir 1A-Mojitos und knusperten geräucherte Riesenameisen. Gekrönt wurde der lustige Abend mit einer grandiosen Karaoke-Party. Volaré ooohoh, cantaré ohohohoh!!! ;-)

Im Nationalpark Chicamocha schossen, mein schwedischer Reisekompagnon und ich nur ein paar Fotos von den langgezogenen, grünen Tal und ich fuhr dann, wieder alleine, über Bucaramanga weiter an die Karibikküste nach Santa Marta.

Statt mich von der strapazierenden Übernachtbusfahrt zu erholen, entschied ich mich spontan mich einer Gruppe anzuschliessen, die eine 5-tägige Wanderung zur verlorenen Stadt in Angriff nahm. Wir waren eine lustige 23-köpfige Truppe, bestehend aus den Bridge spielenden, teils schwulen Engländern, ein paar dauerkiffenden Israelis, 2 netten Gummihals-Backpackern, den kolumbianischen Führern und Köchen, dem Food schleppenden Maultier und den furchtlosen halbwilden Hunden, die uns immer treu auf den Fersen waren. Die schweisstreibende Wandertour führte uns durch smaragdgrünen Urwald, auf und ab, an Indianerdörfern vorbei direkt zu unseren Camps, wo wir Dank des nächtlichen Junglelärms und den mittelkomfortablen Hängematten kaum zu Schlaf fanden. Erfrischung fanden wir im kristallklaren Fluss. Einmal durften wir sogar von einer 8m hohen Klippe ins kühle Nass springen. Am dritten Tag gelangen wir nach einigen abenteuerlichen Flussüberquerungen zum Anfang der 1200 Treppen, die zur 1975 entdeckten verlorenen Stadt führen. Also wurden die Popomuskeln noch ein letztes Mal deftig gefordert und somit erreichten wir die atemberaubenden Ruinen der Tayronakultur. Nur ein kleiner Teil des 2km-langen Komplexes ist vom Jungle befreit worden und dass wir die ganze Anlage für uns alleine hatten, machte die Sache irgendwie um einiges spezieller als Machu Picchu. Leider setzte ein sintflutartiger Regen ein und so mussten wir rasch wieder unseren Abstieg antreten. Unten angekommen hatte sich der Fluss in ein tosendes Hochwassermonster verwandelt. Zum Glück spannten uns die Jungs vom Camp ein Seil über den Fluss und so konnten wir uns durch die reissenden Fluten ziehen. In der Schweiz wäre wahrscheinlich der Rega-Helikopter bestellt worden. Den bemitleidenswerten Streunern half niemand und so sind sie von der Strömung mitgerissen worden. Wir fingen schon an um sie zu trauern und Ihnen als letzter Gruss Orchideen nachtreiben zu lassen. Als sie dann wundersamerweise doch wieder auftauchten, spendeten wir Ihnen einen anerkennenden Applaus und belohnten ihren Wagemut mit ein paar kleinen Happen am Abend. Die Wanderung zurück zum Startpunkt war dann zwar anstrengend und nass, aber nur noch Formsache. Zum Abschluss feierten wird eine wilde Party-Tanznacht in Santa Marta, nach der ich mir im Rum-Rausch noch übelst meinen grossen Zeh am Bordstein angeschlagen habe. „Suuf no meh!“ würde man in der Schweiz sagen.

Tags darauf bin ich mit meinem deutschen Wanderkollegen Hans in den nahen Nationalpark Tayrona gefahren, wo paradiesische, mit Palmen gesäumte Strände auf uns warteten. Karibik pur! Fehlte nur noch die Black Pearl am Horizont und eine Flasche Rum. Obwohl... An diesem Tag, nach der Party. Nein danke! Hatte ich doch sehr gelitten auf dem 2-stündigen Spaziergang zu unserem Campingplatz.

Wieder fit, liessen wir es im Backpackerdorf Taganga nochmals so richtig krachen (diesmal erhielt der Wodka Vorzug, weil der polnische Kumpel Runden schmiss:-), bevor ich weiter nach Cartagena tingelte. In dieser geschichtsträchtigen, ehemaligen Piraten-Stadt übernachtete ich nur ein Mal, streifte durch die architektonisch hervorragend erhaltene und renovierte Altstadt, unternahm einen Bootsausflug zur Insel Barú mit ihrem weissen Traumstrand und schnorchelte dort mit regenbogen-farbenen Fischen um die Wette.

Und schon wieder setzte ich mich unwillig in einen dieser furchtbaren Übernacht-Rumpelkisten, die in Kolumbien Bus genannt werden. Nächste Station war die einst mörderischste Stadt der Welt, Medellín. In den 80er und 90er Jahren regierte hier der Drogenbaron Pablo Escobár und bezahlte seinen Killern 1000 Dollars pro ermordeten Polizisten. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Die 2,5-Millionen-Stadt überzeugt mit der einzigen U-Bahn Kolumbiens und vielen wunderbar gestalteten Plätzen und Parks.

Im herzigen, ländlichen und total entspannten Kolonial-Nest Salento konnte ich endlich ein wenig vom Grossstadt-Gewusel abschalten und einen Gang runter schalten. Aus der Region kommt der berühmte Kaffee, den viele so hochjubeln. Da ich kein grosser Liebhaber des schwarzen Gebräus bin, bleibe ich da lieber bei den grandiosen, exotischen Fruchtsäften, die man sich hier an jeder Strassenecke frisch auspressen lassen kann. Eine Wanderung durch die kolumbianische Schweiz oder „Valle de Cocora“ liess ich mir natürlich auch nicht entgehen. In diesem Naturjuwel, dass mit dem Nationalbaum, der Wachspalme übersät ist, durfte ich einige flinke, nektar-hamsternde Kolibris und den wirklich feuchten Nebelwald begutachten. Wegen des heftigen Regens hätte ich statt der Wanderstiefel lieber die Taucherbrille mitgenommen. Leider wurde mir der Blick über Klein-Helvetien durch den dichten Nebel verwehrt. Naja...

Wenigstens machte mich das Herumlatschen müde und ich konnte auf der Fahrt nach Calí ein Bisschen schlummern. Die zweitgrösste Stadt Kolumbiens (3 Mio. Einwohner) ist die Salsa-Stadt schlechthin. Klar liess es sich auch der etwas hüftsteife Schweizer aka Don Rogelio nicht nehmen eine flotte Sohle auf die Tanzfläche zu zaubern. Mehr schlecht als recht stampfte ich meinen geduldigen Tanzlehrerinnen auf den Füssen herum. Aber das musste ich mir ja wirklich noch antun. Ich meine, es wäre ja eine Schande Südamerika wieder zu verlassen ohne ein Bisschen Salsa getanzt zu haben. Sonst hat Calí, ausser der heissen Latinas und dem eisgekühlten Aguardiente (Anisschnapps à la Uso oder Sambuca) aber wenig zu bieten.

17 Stunden dauerte meine bisher letzte, hässliche Bus-Erfahrung um zurück nach Quito zu gelangen, wo ich einen herzliches Wiedersehen mit den Reyes, meiner lieben Gastfamilie hatte. Heute habe ich nun den restlichen Verlauf meiner Zeit hier verplant. Am Freitag fliege ich für 10 Tage auf die Galapagos-Inseln, die ein letztes grosses Highlight meiner verrückten Reise durch Südamerika bilden werden. In weniger als einem Monat kehre ich ja schon wieder zurück in die Heimat. Falls jemand einen Job für mich hat: MELDEN! ;-)

Bueno, liebe Leute von heute. Ich hoffe ihr hattet erneut Freude an meinen Geschichten und dass es euch blendend geht. Bleibt gesund und sauber und kommt mich, wenn ihr Lust habt, am Abend vom 15. Juni zu Hause besuchen. Wenn ihr kommt, schreibt mich doch bitte schnell eine Mail (Scooby-Doo@gmx.ch) oder postet es mir an die Facebook-Pinnwand, dass ich noch ein paar Bierchen kaufen kann.

Liebe Grüsse aus dem angenehmen Quito

Roger



Im Süden viel Neues

200833, 4.21.2011 .. Link
Bom dia aus Brasilien ihr Blog-Leseratten

Ich warte gerade auf meinen Nachtbus nach São Paulo und finde darum wiedermal eine Zeitlücke in meinem verrückt stressigen Reiseprogramm um euch wieder ein paar Geschichten und die Ohren zu schreiben.

Nachdem ich mir in Südperu die Sonne auf den Buckel habe scheinen lassen, traf ich mich mit meiner Ma und ihrem Freund Hermann am Flughafen in Lima, der gigantischen Hautstadt von Peru, die mitten in einer staubtrockenen Wüste liegt. Das Wiedertreffen nach vollen 9 Monaten war natürlich sehr emotional und wir nahmen uns herzlich in den Arm. Zu uns gesellte sich Hermann, der Freund meiner Mom und ein gut 20-köpfiges, wandelndes Gummihals-Altersheim (aka unsere Reisegruppe;-) und ab ging die Post! Aber laaaangsaaaam ;-)

Die nächsten 2 Wochen hatte ich nun Ferien von meinem spontanen Vagabundentum. Alles war organisiert, ich schlief in luxuriösen Hotelbetten, das Frühstücksbuffet lud zum schlemmen auf höchstem Niveau ein, mein Bauch wabbelt kräftig nach den üppigen Nachtessen in Restaurants und Infos über die besuchten Stätten erhielten wir von den meist gut aufgelegten, lokalen Reiseführern.

Die ersten 2 Tage erkundeten wir den Riesenmoloch Lima, was uns nicht wahnsinnig vom Hocker gehauen hat. Ein nettes Indio-Keramik-Museum mit teils nicht jugendfreien Darstellungen, ein düsteres Franziskanerkloster mit furchteinflössenden Katakomben, die Hauptplätze mit ihrem kolonialen Palästen und die durchaus ansehnliche Surferküste durften wir uns durch den teils dichten Küstennebel zu Gemüte führen. Unerwartet sauber und aufgeräumt präsentierte sich die Metropole, nur das Verkehrsnetz kollabiert durch die unzähligen Kleinbusse ununterbrochen. U-Bahn, Züge oder vernünftiges ÖV-Netz? Nö! Schade...

„Willkommen in der Inkastadt Cuzco!“ So begrüsste uns der manchmal etwas demotivierte aber lustige Reiseführer Walter, nach unserem Flug über die majestätische Andenkordillere und führte uns sofort durch die malerische, auf Inka-Fundamenten erbaute Altstadt von Cuzco. Danach besichtigten wir Saqsahuamán (Eselsbrücke: Sexy Woman;-), die ehemalige Stadtfestung Cuzco's. Erstaunlich, wie die Inkas die gigantischen Steinblöcke zentimetergenau meisselten und sie dann ohne Mörtel ineinanderfügten. Mit Bus und Zug fuhren wir nur mitten hinein in das sagenumwobene „Heilige Tal“, wo sich immer wieder mächtige Inka-Ruinen vor uns aufbauten und sich die Vegetation von Ackerland in dichten Nebelwald veränderte. Aguas Calientes (oder neu: Machu Picchu Dorf) empfing uns mit sinthflut-artigen Regen, was der greisen Abenteurer-Truppe natürlich gar nicht schmeckte. Aber es blieb uns Nichts anderes übrig und so wir rannten mit vollen 1.54321 km/h durch den strömenden Schiff. Schnaaaauf! Das edle Hotel wartete schon mit der Sauerstoffflasche auf die aufgebrachte Meute.

Im Morgengrauen kurvte der Bus die steilen Serpentinen hoch und schon fielen unsere Wundwinkel ins Bodenlose... Die legendäre Inkazitadelle Machu Picchu (Quechua: altes Werk) lag uns zu Füssen. Mit meiner Ma und Hermann erklomm ich die steilen Treppen hoch nach Huayna Picchu (neues Werk), wo wir aber statt des besten Ausblicks nur in eine dichte Wolkenmasse starrten. Pech! Wieder unten spielten wir „Wo ist Walter?“ in spektakulärer Kulisse und wurden auch bald fündig. Zum Schluss der interessanten Führung hörte es dann auch endlich auf zu regnen und wir konnten doch noch ein paar schöne Schnappschüsse schiessen.

Conducteure sind in Peru auch Entertainer und Models. So versuchten uns die Billetknipser doch tatsächlich überteuerte Alpaka-Mode anzudrehen. Naja! Der Unterhaltungswert war dank der hübschen Zugbegleiterin hoch und die reichen Russen haben ihr den hässlichen Fashion-Schrott sogar auch noch abgekauft.

„Ouuu mann! Schon wieder so ein langweiliger Luxusschuppen“, nahm ich mich selbst auf den Arm als wir das schicke Hotel bezogen. Abends schlenderte ich mit meiner Mam durch die engen Gassen, wir shoppten Souvenirs und liefen noch Kuba, dem etwas tollpatschigen Polen, mit dem ich in der Wüste von Huacachina übernachtet hatte, über den Weg. Die Welt ist ja manchmal schon klein.

Auf zum Titicacasee, dem höchstgelegenen, schiffbaren See der Welt, der leicht salzhaltig und etwa 13 Mal grösser als der Bodensee ist. Auf dem Weg guckten wir uns die sixtinische Kapelle der Anden und weitere Inka-Steinhaufen (Silos) an und kreuzten einen 4300müM hohen Pass. In Copacabana, auf der bolivianischen Seite des Tümpels, stiegen wir auf ein Tragflügelboot um und besuchten die pittoreske Sonneninsel, wo die Inkakultur entstand, gefolgt von der Mondinsel, die auch als Alcatraz des Titicacasees bekannt ist. Die Gefangen flohen, nachdem sie absichtlich ein Fussballspiel gegen die Wärter verloren, die sich dann mit dem gewonnen Schnaps dermassen betranken und somit die Flucht ermöglichten. Ich weiss nicht richtig, ob ich diese lebhaft erzählte Story von Anita unserer neuen Reisebegleiterin, glauben soll. Hmmm...

Am anderen Ufer winkte uns ein buckliger Greis im bunten Poncho von seinem Kanu aus Schilf schon von Weitem zu. Sein Name war Demitrio und wurde zu einer meiner eindrücklichsten Begegnungen meines Lebens! Was für eine Abenteuerlust doch seine schielenden Augen noch immer ausdrücken. Dieser Haudegen hat doch tatsächlich zusammen mit dem Norweger Thor Heyerdahl im selbstgebauten Segelboot aus Papyrus den Atlantik überquert. Ich erstarrte beinahe vor Ehrfurcht, als er mir leidenschaftlich erzählte, wie Rebellen, vor der Küste Somalias sein Boot abfackelten. Wow!

In der Ferne baute sich nun die bolivianische Königskordilllere vor uns auf. Wir sollen unsere Augen schliessen, meinte Anita in ihrem zackigen Befehlston. Augen auf und schon funkelte der nächtliche Talkessel von La Paz unter uns. Highlights waren der ausufernde chaotische Markt, mit getrockneten Lama-Embryos (Glücksbringer) und sonstigem kuriosen Allerhand, im Süden der Stadt, die vom Regen ausgewaschene, schroffe Mondlandschaft und die sehr günstigen, geschmuggelten Elektronikprodukte, die mir gerade recht kamen, da meine alte Kamera den Geist aufgegeben hatte. Hehe!

Nun trennte sich die Reisegruppe und der Altersdurchschnitt halbierte sich, wodurch sich das Lauftempo verdoppelte. Wir jetteten nach Buenos Aires, wo uns eine krächzende Schnattergans als Reiseführerin gegenüberstand. Das Hotel war in erbärmlichen Zustand und weil sich die gute Dame unglaublicherweise nicht zuständig fühlte, mussten wir uns selber um eine neue Bleibe bemühen, was wenigstens das Gruppengefühl ums zigfache steigerte. Wir gingen dann auch noch alle zusammen ein leckeres argentinisches Steak essen und verbrachten einen lustigen, feuchtfröhlichen Abend. Die Sightseeingtour war zwar schön aber diese talentlose Tante raubte uns mit ihren lächerlichen Kommentaren den letzten Nerv. So übernahm ich kurzerhand das Steuer und zeigte dem begeisterten Ententanz, tags darauf Colonia del Sacramento in Uruguay, das ich schon von meinem letzten Besuch her kannte. Mein Honorar waren einige Cuba Libre's am Abend, was ich selbstverständlich sehr schätzte.

Weiter ging es per Flugzeug nach Iguazú. Bewusst schreibe ich nur soviel: Ein Riesenplatsch! Um genau zu sein der grösste Wasserfall der Welt. 1750 Kubikmeter Wasser pro Sekunde stürzen hier im Durchschnitt in die Tiefe. Rekord 39'000 Kubikmeter/sek! Magisch, bezaubernd, ehrfurchterregend... Wenn ihr die Chance habt dieses unaufhörliche Naturschauspiel zu erleben - MACHT ES!!!

Den Abschluss unserer 2-wöchigen Rundreise fanden wir in Rio de Janeiro, das einem mit seinen schneeweissen Stränden, der gewaltigen Granitfelsen und seinem feucht-heissen Klima in seinen Bann zieht. Auch gestrandete Walrösser spannen sich hier einen String durch die Arschspalte, was zu vorübergehender Erblindung führte. Auf dem Corcovado fiel mir plötzlich der legendäre Evergreen von „die Doofen“ ein und schon johlte ich: „ Jeeesus, Jeeesus, du warst echt ok, Jeeesus, Jeeesus, everytime Fairplay!“ Natürlich brachte ich der überragenden, 30 Meter hohen Statue dann auch noch den nötigen Respekt entgegen. Mit der schweizer Luftseilbahn schwebten wir dann noch auf den Zuckerhut, wo der Ausblick über die betörende City einmalig war. Das obligate Strandfläzen an der Copacabana durfte natürlich auch nicht fehlen und so wurden wir von der tosenden Altlantikbrandung im Schleudergang wieder ausgespuckt. Und schon hiess es, nach dem letzten feuchtfröhlichen Caipirinha-Abend Abschied nehmen. Byebye Mami! In 2 Monaten sehen wir uns ja schon wieder.

Nun ziehe ich also wieder als Backpacker durch die Lande und habe die letzten Tage auf einer tropisch-paradiesischen Trauminsel (Ilha Grande) an der Costa Verde zwischen Rio und São Paulo verbracht. Jetzt befinde ich mich im fotogenen Paraty, einem niedlichen Kolonialnest und morgen fliege ich, da es mir auf die Nerven geht nicht portugiesisch zu sprechen, nach Bogotá in Kolumbien, wo ich wieder meinem mittlerweilen recht fliessendem Spanisch frönen kann.

Also liebe Leute, ich habe mich diesmal ein Bisschen kürzer gefasst aber dafür umso mehr Erlebnisse in den Text verpackt. Ich hoffe ihr habt die Lektüre genossen und freue mich euch schon bald wieder zu sehen.

Macht's gut und bis bald.

Rogerio



Der Kontinent ist durchquert

030318, 4.2.2011 .. Link
Buenas noches meine treuen Blog-Leser,

Es ist Abend, das Stranddorf verschlafen und ich bin total relaxed und fühle mich fit, wiedereinmal von meinen Erlebnissen in Südamerika zu berichten. Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll. Hmmm... Am besten wo ich beim letzten Bericht aufgehört habe ;-)

Nach meinem Wanderabenteuer auf der Insel Navarino bin ich über den tosenden Beagel-Kanal nach Ushuaia zurückgekehrt, wo mich mein Reisekompagnon Darryl bereits erwartete. Der Flug nach Buenos Aires war nicht gerade interessant, aber der Anblick über das Lichtermeer der 13-Mio-Metropole war schlichtweg atemberaubend. Ich hätte stundenlang geglotzt, doch der Pilot des Jets hatte leider etwas dagegen. Etwas unsanft landeten wir und 2.30 und fanden auf dem äusserst harten Steinboden des Airports, wie die hinterletzten Gammler, doch noch ein bisschen Schlaf. Da ich später mit meiner Ma nochmals nach BA zurückkehren werde, entschied ich mich, ohne Darryl, für ein paar Tage Uruguay zu erkunden. Also vom Flughafen an den Hafen und mit der Fähre den trüben Rio Plata überquert.

Wir landeten in Colonia de Sacramento, ein durchaus ansehnlicher, geschichtsträchtiger, alter Schmugglerhafen mit Kopfsteinpflasterstrassen und portugiesischer Architektur. Tags darauf fuhr ich über die Hauptstadt Montevideo zum bisher östlichsten Punkt meiner Reise zum Cabo Polonio, einer Hippie-Siedlung ohne Strom und fliessend Wasser aber mit einem Leuchtturm, einer Seelöwen-Kolonie und Sanddünen. Hübsch wars, aber ich hatte vergessen ausreichend Bares mitzunehmen. Darum habe ich verbotenerweise, ein Bisschen ausserhalb des Dorfkerns übernachtet. Das Wetter war gut und so habe ich mir die Mühe erspart mein Zelt aufzustellen. Das sollte sich aber rächen. Um 2 Uhr nachts wurde ich vom Regen wach gespritzt! So ein Ärger! Schleunigst mein Zelt aufgestellt und doch noch eine Mütze Schlaf bekommen. Der Nachbar, der mich dann am morgen weckte, meinte dann aber ich solle mich schleunigst vom Acker machen, da mir sonst die Polizei das Zelt wegnehmen würde. Na gut. Habe mich im welligen Atlantik erfrischt und bin dann westlich nach La Paloma gereist. Carnavaaal! Nach einem Tag an der uruguayischen Sonne hörte ich auf einmal leidenschaftliches Getrommel auf der Strasse. Ein bunter Umzug mit Chicas mit üppiger Dekoration aber wenig Bekleidung, Trommlergruppen und Fahnenschwinger war in vollen Gange. Natürlich liess auch ich fleissig die Hüften kreisen. Man hat keine Chance denn ansteckenden Rhythmen zu entkommen. Mir fiel ein paarmal der Laden runter beim Anblick der bildhübschen uruguayischen Mädels. Uauuu! Montevideo hat mich mich seinen offenen, hilfsbereiten Bewohnern in seinen Bann gezogen. Die Stadt hat einen ursprünglichen, kolonialen Charme, ist aber trotzdem kosmopolitisch angehaucht. Die Montevideños lieben ihrem Mate (bitterer Tee, der mit einem Strohhalm aus Metall mit Sieb, der aus einer Holzkugel gesürfelt wird) und natürlich ihr berühmtes Rindfleisch.

Mit vielen tollen Erinnerungen an die Schweiz Südamerikas (Uruguay) bin ich nach Buenos Aires zurückgekehrt und habe Darryl wiedergetroffen. Mit seiner chilenische Flamme Margarita und ihre Schwester erkundeten wir den Stadtteil Boca und besuchten am Abend ein Fussballspiel des berühmten Clubs dieses Barrios im Rahmen einer Tour, die mich leider ein Bisschen enttäuscht hatte. Das versprochene Bier und die Pizza (so viel man wollte, oder konnte ;-) wurde uns zwar vorgesetzt, aber wir hatten gerade mal 37 Minuten Zeit um uns „abzufüllen“. Und anstatt mit den Boca-Juniors-Fans abzugehen, verbannten sie uns mitten auf die langweiligere Sitzplatztribüne des Heimteams Velez Sarsfield. Naja, ich liess mir die Party auch so nicht nehmen und sang dann halt fröhlich mit den Velez-Fans um die Wette. Unglaublich wie enthusiastisch die Argentinier ihren Futból mitleben. Natürlich raufte ich mir die Haare als Boca eine ihrer wenigen Chancen vergab und kassierte darum fast eine Rechte eines Velez-Anhängers, berichteten mir andere Tourfreunde. Als ich dann aber wieder mit den Velez-Fans feierte, beruhigte sich zum Glück sein Gemüt wieder. Mit 1:0 für Velez endete der poplige Gähn-Match und wir wussten volle 40 Minuten warten bevor wir das Stadion verlassen konnten. Die radikalen Fans würden sich sonst die Köpfe einschlagen. Hooliganismus ist also auch in Argentinien ein leidiges Thema. Solche Idioten! Naja... Wir sind dann trotzdem noch in das legendäre Nachtleben (um 3 kommen die Leute und 4 ist es dann voll) von BA eingetaucht.

Leicht verkatert setzten Darryl und ich tags darauf nach Montevideo über und stellten verblüfft fest, dass der Karneval, wegen dessen wir extra hergekommen waren, schon vorbei war. So habe ich halt ein bisschen Stadtführer gespielt und Darryl und unseren Wanderfreunden von El Chaltén (Sum und Terry aus Hongkong) die wir zufällige wiedergetroffen hatten, meine Lieblingsplätze gezeigt. Nun war der grosse Abschied von meinem Kumpel Darryl gekommen. Ich war schon ein wenig traurig, freute mich aber zugleich wieder voll und ganz unabhängig durch die Gegend zu tingeln.

Über Nacht flitzte ich mit einem komfortablen Bus nach Córdoba, dass vor allem europäische Kolonialarchitektur und unzählige Traumfrauen in kurzen Röcken zu bieten hatte. Caliente (heiss;-)! Diese Studentenstadt mit viel Alternativkultur und einem lebendigen Nachtleben haut einem wirklich vom Hocker. Um abzukühlen besuchte ich in Alta Gracia ein Ché-Guevara-Museum, dass im Haus untergebracht ist, wo die Revolutionslegende, seine Jugend verbrachte. Das langweilige San Miguel de Tucuman war dann nur eine Zwischenstation auf meiner Reise durch üppigen steilen Feuchtwald nach Tafi del Valle. In diesem, von Jesuiten gegründeten, Bergdorf schnürte ich einmal mehr meine Wanderstiefel und zottelte durch das Hochtal, einem Fluss und einem Stausee entlang nach El Mollar, wo der Dorfplatz einem Friedhof ähnelt. Die bildgehauenen Monolithen die hier aufstellt wurden, sind Zeremoniensteine der Ureinwohner der Region. Am Morgen verliess ich Tafi bergab Richtung Amaica, wo ich einen Bus zu einer Kreuzung mitten im Nichts nahm. Warum ich hier ausstieg wollt ihr jetzt sicher wissen. 5 km weiter landeinwärts warteten die grössten präinkaischen Ruinen Argentiniens darauf erkundet zu werden. Ein Bauer ersparte mir den Fussmarsch durch die ungnädige Hitze und ich wurde auf seinem Motorrad auf der Schotterpiste heftig durchgeschüttelt. Die Quilmes-Kultur errichtete die am Hang stehende Festung, die sogar den spanischen Konquistadoren-Ansturm überstand. Heute sind trotzdem nur noch Mauerreste übrig, da die Quilmes später nach Buenos Aires deportiert und nachher ausgebeutet und ausgerottet worden sind.

Nun stöppelte ich zurück zur Kreuzung und hupfte auf den Bus nach Cafayate, einer Weinhochburg Nordwestargentiniens, wo ich den Belgier Tom, den ich in Tafi kennengelernt hatte, wiedertraf. Mir mampften ein dickes argentinisches, bluttriefendes Steak, kosteten den leckeren regionalen Torrontes-Weisswein und wurden von den maskierten Kindern beim farbenfrohen Karnevalsumzug mit Rasierschaum vollgespritzt. Hahaaa! Luuuustig! Naja... Nach dem wohltuenden Schlaf mieteten wir Fahrräder, kreuzten die Wüste und brausten in die Cafayate Schlucht, wo sich uns ein surreales Schauspiel bot. Unzählige, vom Wind und Wetter geformte Felsformationen erschienen vor unserem erstaunten Nasen. Die Fotokameras wurden bis zur Überhitzung malträtiert. In Worten kann man die Landschaft kaum beschreiben. Nur der ständige Gegenwind raubte uns gehörig den Spass an der Radtour. Per Bus kehrten wir zurück nach Cafayate, fuhren am Abend zusammen nach Salta und erkundeten tags darauf diese hübsche Stadt im Grünen. Mit der Seilbahn erklommen wir den Hausberg, genossen die weite Sicht übers Land und stiegen die steilen Treppen wieder runter in die City. Byebye Tom, denn ich verliess mit anderen Travellern (2 Argentinierinnen, 1 Ami mit Wurzeln in Wuppenau! und 1 Franzose) zusammen die Provinzhauptstadt und düste mit ihnen ins Nest Purmamarca. In dieser indigenen Kommune dinierten wir festlich Lama-Steaks mit Kartoffelgratin und verbrachten einen feuchtfröhlichen Abend. Sehr früh riss uns der Wecker aus den Träumen, doch nach einem kurzen Aufstieg fanden wir uns sogleich in einer neuen Traumwelt wieder. Hinter der Siedlung leuchtete nämlich einen Felsen in allen erdenklichen Farben. Mein Gedudel auf der Mundharmonika, die ich vor Kurzem erstanden habe, machte den Moment sogar noch ein Bisschen halluzinogener ;-) Zurück ins Dorf und per Bus nach Tilcara, wo wir eine antike Festung besichtigten und ein Museum über die Urvölker der Region anguckten. Danach nahm ich Abschied von den anderen und fuhr nach la Quiaca, an die bolivianische Grenze.

Am morgen reihte ich mich in den Ameisenstrom vom Indios ein, die auf ihren Buckeln Waren nach Villazón, Bolivien transportierten. Alle durften passieren, nur der wahrscheinlich einzig legale Gringo-Grenzgänger aka ich wurde herausgefischt, da ich natürlich einen Stempel in meinen Pass abholen musste. Villazón hat ausser seiner staubigen Strassen mit zahlreichen Schwindlern und Betrügern rein gar nichts zu bieten, deshalb reiste ich gleich weiter nach Tupiza, einem herzigen, leicht touristischen Städtchen. Viele Backpacker empfohlen mir eine Tour in den Südwesten, des rauen, chaotischen und unzuverlässigen Boliviens. OK! So bestiegen meine 3 kanadischen Mitbestreiter und ich zusammen mit Segundino, unserem Fahrer und Führer und Marta unserer Köchin am nächsten morgen einen Toyota-Landcruiser, den wir kurzerhand Olga tauften. An zackigen Felsformationen vorbei fuhren wird über diverse Pässe Richtung Altiplano, der Hochebene der Anden. Schon bald erspähten wir die ersten schneeverzuckerten Gipfel und die à la Christbaum dekorierten Lamas (zur Besitzidentifizierung). Auf ca. 4000 müM futterten wir Lunch und bekundeten Mühe genug Sauerstoff einzuatmen. Glücklicherweise hatte Cal aus Vancouver Koka-Blätter am Start, die wir zuerst zerkauten, anschliessend den Aktivator (Backsoda) über den Bollen streuten und dann in unserem Backen deponierten. Aus den bitter-schmeckenden Blättern wird in einem chemischen Verfahren Kokain hergestellt, was aber nicht bedeutet, das man vom kauen high wird. Ich fühlte mich allenfalls etwas wacher und nach einer Weile begann ich sogar den merkwürdigen Geschmack zu schätzen. Übernachtet haben wir auf 4200 müM bei einer Indio-Familie in San Antonio de Lipez und Marta tischte uns deliziöse bolivianische Kochkunst auf (Gemüse-Suppe, Lama-Mais-Klösse etc). Ich könnte an dieser Stelle noch seitenweise über diesen 4-tägigen Jeep-Trip schreiben, fasse mich aber kurz. Die Landschaft war schlicht atemberaubend, umwerfend und einzigartig. Wir bestaunten Seen in allen Farben, majestätische Andengipfel, Lamas und deren wilde Vetter, die Vikuñas, Flamingos, baumförmige Felsen, surreale Wüsten, topf-ebene Steppen, brodelnde Vulkanlandschaften, fauchende Geysire, rauchende Vulkankegel und heisse Quellen. Beendet haben wir die Tour am Salzsee von Uyuni, der zu dieser Jahreszeit geflutet ist und uns tolle Fotomotive bot. Selbstverständlich schliefen wir in der letzten Nacht in einem „Hotel“ aus Salz (selbst die Stühle und Tische waren aus der weissen Masse). Alles verlief perfekt bis der einsame (da einzige) Geldautomat in Uyuni keine Bolivianos ausspuckte. Zum Glück (oder leider;-) fand dann Segundino doch noch eine Lösung wie wir unsere Rechnung begleichen konnten. Keine 10 Pferde hielten mich nun noch in diesem total abge****ten Ort mit Abfallbergen ausserhalb der Stadt Darum ab in den Holterdipolter-Übernachtbus ohne Klo (welch Leidensgeschichte) nach Oruro. Dieser Maloch hatte ausser seinem Regen und dem harten Fussboden des Busterminals, worauf ich mir wie ein Penner ein paar Stunden Schlaf erzwang, nichts Sehenwertes für Turisten parat. Wie jeder Bus hatte mein Bus nach Arica Verspätung. Als es dann hiess, dass der Car irgendwo ganz steckengeblieben war, wurde ich kurzerhand und ohne weitere Erklärungen in einen Personentransport nach La Paz gepfercht. Ein netter Bolivianer, der die gleiche Reise gebucht hatte, half mir dann aber mein Ziel doch noch zu erreichen. Nachdem wir am höchsten Berg Boliviens (Sajama 6542müM) vorbeirauschten, passierten wir die Grenze zu Chile und fuhren Downhill nach Arica.

Fazit Bolivien? Unzegähmtes Kultur- und Naturparadies. Falls es euch jemals hierher verschlägt: Vergesst schweizer Zuverlässigkeit, streicht das Wort Fahrplan aus eurem Vokabular, würzt das ganze mit einer Prise Unzuverlässigkeit und Chaos, multipliziert das ganz mal x und ihr werdet euch noch immer ziemlich verarscht vorkommen. Aber man gewöhnt sich mit der Zeit dran... Blablablaaaa ;-)

Zurück in der Wohlfühloase Chile genoss ich 2 Tage Sonne und Strand in dessen nördlichster Stadt Arica. Meine Beschäftigungen waren: Bodyboarden in den tosenden Brechern, Flanieren in der durchaus schönen Stadt, Faulenzen en Masse, Mumien gucken, Mote con Huesillos sürfeln (eiskaltes Pfirsichgetränk mit eingelegten getrockneten Pfirsichen und einer Art weicher Weizenkörner) und die leckeren Meeresfrüchte geniessen.

Liebe Leser, willkommen in Peru! Mein erster Stopp Tacna können wir geruhsam links liegen lassen. Also weiter nach Arequipa und rein in den zweit tiefsten Canyon der Welt namens Colca Canyon. Ich beschloss die Schlucht auf eigene Faust zu bewandern, holte mir beim steilen, 1200 Höhenmeter-Abstieg blaue Zehen, übernachtete für ungerechnet, 4 läppische Fränkli, besuchte das Bergdorf Tapay an der Gegenwand, lernte eine hundertjährige Indiofrau kennen, schlemmte süsse Kaktusfrüchte, stieg zusammen mit 2 Lesben (ich hoffe das ist politisch korrekt;-) aus Schott- und Finnland in die Oase ab, badete dort im traumhaften Pool, verbrachte einen lustigen Abend mit anderen Wanderern und stiess bei meinem Wiederaufstieg nach Cabanaconde an meine physischen Grenzen. Es war ja sooo heiss und je höher man stieg, desto weniger Sauerstoff gelang in die ohnehin schon strapazierten Muskelfasern.

Zurück in der zweitgrössten Stadt Perus Arequipa (950'000 Einwohner) liess ich zur Feier der bewältigten Schlucht die Korken knallen und tanzte mit ein paar heissen Peruanerinnen bis die Sonne aufging zu cooler Live-Rockmusik und schlechten 80er-Schlagern à la Modern Talking. Arrrg! Verkatert ging ich am nächsten Nachmittag auf Entdeckungstour und erblickte geblendet eine schmucke, mit weissem Vulkangestein erbaute Stadt, über der der ca. 5500 Meter hohe Vulkan El Misti thront.

In der Nacht holperte ich mit dem etwas paranoiden aber luxuriösen Cruz-del-Sur-Bus (inkl.: Sicherheitscheck, Boarding-Lounge, hübsche Stewardess, Notfall-Video, GPS-Überwachung, Gesichtsvideoshooting, Dinner by Rumpeldipumpel etc) nach Nazca, wo ich die berühmten, mysteriösen Linien in der Wüste überflog. Mit einem witzigen 53-jährigen Kanadier und einem etwas unbeholfenen jungem Polen nahm ich tags darauf ein 1960-Dodge-Muscle-Car-Sammeltaxi und düste mit 150 Sachen durch die staubtrockene Wüste nach Ica und mit dem TukTuk-Taxi nach Huacachina, wo wir bei einer lustigen Sandbuggy-Tour in den massiven Dünen Sand schluckten und ich beim Sandboarding meine Qualitäten als Boarder unter Beweis stellen konnte. Ein gediegener Adrenalinkick, den wir mit einer Übernachtung in der Wüste mit Bier und Sternenhimmel krönten.

Gestern nun inspizierten wir die Islas Ballestas und bekamen Humboldt-Pinguine, guano-scheissende (sorry Kinder;-) Seevögel und eine riesige Seelöwenkolonie zu Gesicht bekamen.

Nach meinen „Erholungstagen“ hier in Cerro Azul, fahre ich dann übermorgen, nach Lima und hole dort mein Mami und ihren Freund Hermann am Flughafen ab. Das Wiedersehen nach über 9 Monaten wird sicher sehr emotional, aber ich freue mich sehr zusammen mit ihnen wiedereinmal den Kontinent zu durchqueren und und am Ende des 2-wöchigen Trips an der Copacabana in Rio einen Tanga-String durch meine Backen zu spannen ;-) Hehe!

So, genug von meiner Seite! Es wäre schön auch etwas von euch zu hören. Ich freue mich stets über Neuigkeiten aus der frühlingshaften Schweiz. Also lasst doch auch eure Finger mal über die Tastatur tanzen und schreibt mir wenn ihr Lust dazu habt.

Macht's gut und bis zum nächsten Mal.

Roger



Südwärts

200818, 3.1.2011 .. Link

Hola liebe Blog-Leser

Dieses Mal melde ich mich aus dem tiefsten Süden. Ein Ziel ist also abgehakt. Das Ende der Welt, die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia habe ich erreicht. Die letzten Tage bin ich sogar noch ein Bisschen weiter gen Süden vorgedrungen und habe meine Wanderlust im südlichsten Wandergebiet der Welt, auf der chilenischen Isla Navarino gestillt. Vom südlichsten Punkt meines Hikes, dem Paso de los Dientes (Pass der Zähne) durfte ich bei tollem Wetter sogar ein Blick auf das Archipel des Kap Hoorns werfen. Südlicher gehts nun wirklich nicht mehr in Südamerika. Und wiedereinmal gab es schroffe Gipfel, spieglige Seen, und kristallklare Bergbäche zu bestaunen. Warum wiedereinmal?

Der letzte Monat war geprägt von Naturwundern. Mein kanadischer Reisekompagnon Darryl und ich erkundeten zuerst die grösste Insel Chiles, Chiloé. Gerade mal läppische 10.- Franken mussten wir investieren um von Nord nach Süd zu gelangen. Wir frönten nämlich wieder fleissig unserer Autostop-Leidenschaft, was vorzüglich klappte. Das Tolle am „Hacer Dedo“ (spanisch: Daumen machen:-) ist, dass man meistens von der lokalen Bevölkerung mitgenommen wird und so viel mehr über regionale Traditionen, leckeres Essen und spezielle Lebensweisen erfährt. Und zudem kann man sein Spanisch anwenden und weiter verbessern. Chiloé wartete mit authentischen Fischerdörfern, bunten Pfahlbauten, antiken Holzkirchen, leckerem Seafood-Spezialitäten in riesigen Portionen und sehr wechselhaftem Wetter auf. Mir haben auch die lustigen gestreiften Zipfelmützen gefallen, denen man hier ständig über den Weg läuft. Im Nationalpark haben wir eine 2-tägige Wanderung dem Strand entlang unternommen, was bis auf die tosende Brandung, nicht gerade aufregend war. Wenigstens haben wir einen sensationellen Wildcamp-Spot gefunden und genossen dort den romantischen Sonnenuntergang. In der Hauptstadt Castro gelang uns, zusammen mit 2 deutschen Mädels, wiedereinmal ein atemberaubender Karaoke-Auftritt. Ich schmetterte Joe Cockers „You can leave your hat on“ von der Bühne und erntete, obwohl ich mich nicht ausgezogen habe, tosenden Applaus ;-) Nach 9 abwechslungsreichen Tagen haben wir der sagenumwobene Hexen-Insel von der Fähre aus, zum Abschied Kusshände zugeworfen.

Nun waren wir da... Patagonien! Wir verliessen die Fähre in der Geisterstadt el Chaltén und versuchten in der Dunkelheit der Nacht und in der, seit eines schweren Vulkanausbruchs, stromlosen Stadt eine Unterkunft zu finden. Schon fast verzweifelt wurden wir in einem Restaurant doch noch fündig und hauten mit der Dorfjugend zusammen auf den Putz, obwohl die Disco, wie alle anderen Gebäude ohne Generator, dunkel war. Naja...

Ein patagonisches Sprichwort sagt: “Wer sich in Patagonien beeilt, vergeudet seine Zeit“. Was das meint, erfuhren wir am nächsten Morgen mit einer geballten Ladung Wartezeit. Der Bus sollte um 10 Uhr abfahren. Um 14.30 Uhr war Abfahrt. Ahaaaa! Schönen Dank! Die grossartigen Berg- und Waldlandschaften mit azurblauen Seen entschädigten dann aber den Bus-Ärger. Im einem Nest, namens La Junta mussten wir übernachten, weil der Bus nicht weiterfuhr an diesem Tag. Wir fanden einen fantastischen Wildcamping-Platz und frönten, zusammen mit einer schrägen israelischen Backpackerin, der wir immer wieder über den Weg liefen, und 2 Amerikanern unserer Kartonwein-Leidenschaft (günstig und erstaunlich gute Qualität). Auf der verkaterten Busreise auf der legendären Carretera Austral (Schotterpiste) wurden wir gnadenlos durchgeschüttelt. Eine Fahrt im Autoskooter würde ich als komfortabler bezeichnen! Arrrg!

Nächster Stop: Puerto Puyuhuapi. Der Kiefer fiel uns runter als wir den verspiegelten Traumblick über den Fjord sahen. Am nächsten morgen wollten wir den Bus nach Coyhaique besteigen, hatten aber nicht reserviert. Wir versuchten unser Glück mit Autostop, aber wo nur alle 2 Stunden ein Auto vorbeikommt, ist es relativ schwierig aufgepickt zu werden. So spielten wir halt Frisbee auf dem Gemeindeplatz.

Die recht öde Stadt Coyhaique war dann nur ein Zwischenstopp in Richtung Süden. Die Landschaft erschien mir trockener als weiter nördlich und die Felsformationen schroff und in allen Farben schimmernd. In Puerto Ibañez überquerten wir mit der Fähre den riesigen Lago General Carrera, der auf der argentinischen Seite Lago Buenos Aires genannt wird und übernachteten im langweiligen Chile Chico.

Tags darauf betraten wir erstmals argentinischen Boden und erkundeten das hässliche Los Antiguos. Wir staunten sehr über den klapprigen Bus, den wir am nächsten Tag erklommen, da der Fahrpreis doch sehr saftig daherkam. Volle 16 Stunden verbrachten wir, gelangweilt von den öden Steppenlandschaft, schwitzend und durchgeschüttelt in dieser Klapperkiste und der freche Fahrer entschuldigte sich mit einen wohl gutgemeinten „Sorry, die Klimaanlage ist gerade kaputt“. Das wollten alle am wenigsten von ihm hören. Naja... Wenigstens kamen wir sicher im Wanderhauptdorf Argentiniens namens El Chaltén an. Von dieser kleinen Touristenenklave aus, in der wir mangels Hostelbetten im Kraut übernachteten, stiegen wir 4 Stunden zu einem atemberaubenden Aussichtspunkt auf das zackige Fitzroy-Massiv, auf. Majestätisch kreisten Kondore über unseren Häupten und wir genossen den herrlichen Anblick des himmelblauen Gletschersees. Im Stechschritt ging es zurück nach El Chaltén und am Abend genossen wird hausgebrautes Bier mit unseren Wanderfreunden aus Hong Kong und liessen bei einem Ska-Konzert die Puppen tanzen. Der Festival-Drink? Welch Würg! Fernet mit Cola. Bäh -> Brummschädel!

Mit Augenpopel im Gesicht kamen wir schlaftrunken, nach 3 Stunden Busfahrt in El Calafate an, wo wir unseren Rausch ausschliefen und durch die Touri-Hochburg flanierten. Der Anblick des Königs aller Gletscher liess uns am nächsten Tag zu Eisblöcken erstarren. Der bläulich schimmernde Gigant kalbte immer wieder krachend neue bizarre Eisberge in den Lago Argentino. Leider machte uns ein winterlicher Wetterumschwung den Gletschergenuss zu Nichte und wir verbrachten den ganzen Nachmittag schwatzend unterm Schermen.


Zurück in Chile, zurück bei meiner Freundin. Nein Mami, brauchst keine Angst zu haben! Ich habe mich nicht in eine Chica sondern in die heilige Helena (Kartonwein: Santa Helena) verknallt;-) In Puerto Natales haben wir, in unserem Hostel endlich ein paar nette, offene Israelis kennengelernt und mit ihnen unseren Abschied aus der Zivilisation gefeiert. Der Plan war nämlich, uns für ein paar Tage in den berühmt-berüchtigten Nationalpark Torres del Paine abzusetzen. Wir tuckerten also, am nächsten morgen per Bus, 2 Stunden nördlich in das Unesco Biosphärenreservat und liefen ca. 5 Stunden, vollgepackt mit Proviant und Ausrüstung, steil ein Hochtal hinauf. Die Landschaft kam pittoresk und gespickt mit fantastischen Lookouts daher. Es ergoss sich kurz ein Schauer während unseres Marsches, sonst hat das Wetter aber mitgespielt. Beim Gratis-Campingplatz am Ende des Tals angekommen, mussten wir uns warm einpacken, da ein frischer Wind wehte. Und siehe da: Graupelschnee im patagonischen Hochsommer! Ixtriim Kämpiing! :-) Über Nacht hatte ich mir alle Kleider übergestülpt, die ich dabei hatte, aber trotzdem drückte ich kaum ein Auge zu. Schon um 5 Uhr morgens war Tagwache und wir kletterten zusammen mit ca. 50 anderen Verrückten zu einem Aussichtspunkt auf, was mich wenigstens ein Bisschen aufgewärmt hat. Oben angekommen, durften wir, während der Dämmerung die fotogenen Felsnadeln bestaunen. Dann ging es abwärts. Ganze 9 Stunden wanderten wir durch die spektakuläre Bergwelt Südchiles. Auf und ab, über Stock und Stein und unsere Beine übersäuerten nach und nach. Als wir endlich beim Campground ankamen, hiess es auf einem Schild: “geschlossen“. What the f***?!?! Nicht mit uns! Wir konnten nicht mehr und stellten unsere Zelte auf. Tags darauf gingen wir auf Entdeckungstour im Valle Francés. Und die Superlative überschlugen sich. Dieser Park ist der Wahnsinn und voller Naturwunder. Und praktischerweise muss man kein Wasser mitschleppen, da immer ein netter, kleiner Bergbach mit frischem Gletscherwasser in der Nähe ist. Unsere Beine hatten dann aber genug und wir entschlossen uns, den Park via Katamaranfähre zu verlassen.

Next Stop: Punta Arenas! Diese Ölstadt war aber nicht sonderlich schön anzusehen und wir entschlossen uns für die Fähre über die Magellanstrasse nach Porvenir. Vergnügte Delfine schwammen mit dem Schiff um die Wette. Nun zog sie uns in den Bann... Die sagenumwobene Abenteuerinsel Feuerland. Im verschlafenen Kaff Porvenir, Daumen hoch und mangels Verkehr lange gewartet, Steine jongliert und uns die Sonne auf die Rübe scheinen lassen. Etappenweise sind wird vorwärtsgekommen. Der coolste Autostop-Ride bot uns ein Schafzüchter, der uns auf seine Farm mitnahm, uns einen zVieri spendierte und uns den Hof und das Landleben zeigte. In der Führerkabine eines Riesenlasters fühlten wir uns wie die Könige des Autostops. Sagenhafte 300 km legten wir an diesem Tag gratis zurück und überquerten die Grenze nach Argentinien. In Rio Grande fanden wir leider keinen passenden Wildcamp-Spot, darum entschieden wir regen-risikoreich unter dem Sternenfirmament am Strand zu mützen. „Wo ist der Ozean hin?“ fragte ich Darryl, schlaftrunken in der Morgendämmerung. Unglaubliche 14m beträgt hier die Differenz zwischen Ebbe und Flut. Raus aus der Stadt, Daumen hoch und uns auf einer Ladefläche in Eiszapfen verwandelt. Die Polizei hatte keine Freude an unserer Art zu reisen und wir mussten wieder Willen unser Gefrierfach verlassen. 30 Meter weiter, Daumen hoch und von einem jungen argentinischen Paar bis nach Ushuaia mitgenommen worden. Hier sind wir nun! In der südlichsten Stadt der Welt. Ist es nun der Anfang oder das Ende der Welt? Wie auch immer... Wir chillten einen Tag und checkten dann den nahen Nationalpark Tierra del Fuego aus. Unsere Zelte installierten wir an einem herzigen See und abends grillten wir Wienerli auf unserem Lagerfeuer. Auf einer tollen Wanderung genoss ich einen grossartigen Ausblick über die schneeverzuckerten Gipfel der Cordillera Darwin, dem Anfang der Anden. Die Tiere hier sind Touristen gewohnt und so erspähten wir Biber, Hasen (beide nicht heimisch=ausgesetzt und bedrohen die Natur), Füchse, Adler, Spechte, Gänse und Falken. Nach dem abschliessenden Küstenwanderweg kehrten wir müde aber glücklich nach Ushuaia zurück.

Heute Nacht fliegen wir nun nach Buenos Aires, ich erkunde für ein paar Tage Uruguay und am 6.3. werden wir nach All-you-can-eat Pizza, all-you-can-drink Bier und Fangesangslektionen, ein Fussballspiel des Maradonaclubs Boca Juniors besuchen. Karneval in Montevideo und ab in den Norden Argentiniens, Bolivien undundund. Es steht also so einiges auf dem Programm.

Somit schliesse ich meine erneute Trudi-Gerster-Geschichtsstunde ab und hoffe, dass ihr viel Freude beim lesen hattet.

Machts gut und hasta luego

Roger



Das Vagabundentum

221043, 1.27.2011 .. Link
Seid gegrüsst liebe Daheimgebliebenen.

Hier ist er nun... Der heissbegehrte, lang erwartete, erste Reisebericht als Rucksacktourist aus Chile. Ich wünsche viel Freude beim Lesen und beim Eintauchen in eine atemberaubende Abenteuerwelt.

Nach dem emotionalen Abschied von meiner Gastfamilie in Quito hat mich Chile mit einem traumhaften Sonnenaufgang über den Anden, den ich aus dem Flugzeugfenster genoss, willkommen geheissen. Die ersten Tage in Santiago de Chile waren geprägt von einem groben Kulturschock. Auch wenn man sich noch so Mühe gibt, Ecuador und Chile lassen sich definitiv schlecht miteinander vergleichen. Es fahren viele moderne Karossen auf den Strassen, die einem nicht versuchen über den Haufen zu fahren, sondern wie in der Schweiz brav anhalten, selbst wenn kein Zebrastreifen zur Verfügung steht. Grundsätzlich ist das Land weiter entwickelt als Ecuador und der Lebensstandard höher, was es natürlich nicht gerade zu einem günstigen Reiseziel macht. Chile ist eine 4300 km lange Schlange, die sich zwischen Pazifik und den Anden hinein gequetscht hat und erzeugt daher den Charme eines stilvollen Hinterhofs. Es ist reich an Bodenschätzen (vor allem Kupfer) und hat eine bewegte Geschichte mit Konquistadoren, Diktatoren und Aufständen der Ureinwohner hinter sich. Die Ess- und Trinkkultur entspricht ganz meinem Gusto. Riesige Portionen, frische Meeresfrüchte, Käse mit Geschmack, vollmundige, spottbillige Weine, schmackhaftes Bier und der allgegenwärtige Pisco (Weindestillat) verwöhnen meinen von Hühnchen und Reis gebeutelten Gaumen. Ausserdem schwinge ich in den Hostel-Küchen ab und an den Kochlöffel und zaubere deliziöse Pasta-Gerichte. Ich wundere mich tagtäglich über die zahllosen, zum Glück meist friedlichen Strassenköter, die an jeder Ecke herumlungern. Das Spanisch der Chilenen war am Anfang schwierig zu verstehen, da sie ganze Wortteile verschlucken und an jedes zweite Wort „po“ anhängen (Abk: pues, deutsch: +- also). Cachay? (Kapiert?) Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und plaudere fleissig mit den sehr hilfsbereiten, offenherzigen und gutgelaunten Chilenen.

4 Tage habe ich in Santiago verbracht. Die Stadt überzeugte mich mit ihrem europäischen Flair, modernen Wolkenkratzern, bunten Künstlervierteln, seiner offenen, multikulturellen Bevölkerung und dem sommerlich heissen Klima. Schon bald packte mich dann aber das Reisefieber und ich erkundete die bunte, kulturelle Küstenstadt Valparaíso, wo unter anderem der berühmte chilenische Dichter und Politiker Pablo Neruda seinen Lebensabend verbrachte. Ca. 80 km nördlich von „Valpo“ habe ich im kleinen, authentischen Fischerdorf Horcón Halt gemacht und durfte im Garten eines flotten Ehepaars mein Zelt aufschlagen. Zusammen mit den Einheimischen habe ich wie Gott in Frankreich gelebt, delikate Paila Marina (Fisch- und Meeresfrüchtesuppe) probiert, fangfrischen Fisch gegrillt, kräftigen Rotwein gesürfelt, ein paar Porros gequarzt und am Strand die Seele baumeln lassen. Herrlich! :-)

Die Touristenhochburg La Serena war dann der Ausgangspunkt zu einer Tour ins sagenumwobene Elqui Tal, wo in den trockenen Sonnentälern Piscotrauben angebaut und zu hochwertigem Fusel weiterverarbeitet werden, nur um ihn dann mit Cola oder Zitronensaft zu mischen um ganze Nächte lang daran zu nippen. Ausserdem ist das eingekesselte Tal dank des staubtrockenen Klimas der beste Ort auf der Welt um sich eine Halskehre zu hohlen. Warum? Weil die Sterne des klaren Nachthimmels wie Diamanten funkeln und man vom Hinaufglotzen nicht genug kriegen kann. In der Nähe der Wüstenstadt Ovalle habe ich im unscheinbaren Encanto Tal einen Nationalpark besucht, der reich an uralten Steinmalereien und Petroglyphen der El Molle-Kultur ist. Ein sehr mystischer Moment als der Wind im Dämmerungslicht auffrischte und mich die Gegenwart der Geister, der unter halluzinogenen Kaktus-Drogen stehenden Künstler, spüren liess.

Mit einem komfortablen Nachtbus, mit Liegesitzen, DVD, Infodisplay (km/h, Fahrzeit des Chauffeur etc. werden angezeigt!), WC und Klimaanlage bin ich dann zurück in die Hautstadt gefahren und habe von dort aus das nahe Hochgebirge erkundet. Das Maipo Tal strotzt nur so vor mächtigen, schneebedeckten Gipfeln und farbenfrohem Vulkangestein. Eine Tageswanderung führte mich durch ein mit Mineralquellen übersäten Tal zur Moräne des San Francisco Gletschers. Überall erblickten mein spanischer, versiffter Wanderkumpel und ich bunte Andenblumen, flitzige Eidechsen und schlaue Vögel.

Nächste Station: Süden! Über die ländliche Weinhochburg Curico erreichte ich den Nationalpark Radal Siete Tazas (sieben Tassen). Der mit smaragdgrünen Wälder bestückte Park ist nach einer spektakulären Schlucht benannt, in der das kristallklare Wasser nach sieben Naturpools einen romantischen Wasserfall hinab stürzt. Für Wanderfreunde ist Chile ein Traumziel. Es stehen unzählige Tages- oder Mehrtageswanderungen zur Verfügung, die teilweise hervorragend ausgeschildert sind. Endlich bin ich froh darum, dass ich meine gut eingelaufenen Trekkingschuhe ein halbes Jahr quasi unbenutzt mit mir herumgeschleppt habe.

Das nächste Naturwunder hat mich im Nationalpark Laguna de Laja, ca. 50 km östlich des Landwirtschaftszentrums Los Angeles, erwartet, in den keine Busse fahren. Also Daumen hoch und auf die Ladeflächen der Pickups der hilfsbereiten Landbevölkerung geklettert. In der Nacht wurde mein 35-Franken-Festivalzelt zum ersten mal auf die Probe gestellt. Es trotzte dem starken Regen erstaunlich gut und liess nur knapp einen halben Liter Wasser in meine „Behausung“ eindringen. Bevor es sträzte spazierte ich zu den Wasserfällen, die nach 4 km unter erstarrter Lava kraftvoll hervorschiessen. Auch der kegelförmige Vulkan und die mit Gletschern besetzte Cordillera liessen sich blicken, was die relativ schwierige Anreise voll entlöhnte.

Von der langweiligen Stadt Temuco aus bin ich per Bus weiter nach Melipeuco gereist, das die Ausgangsstation für den Nationalpark Congillío ist. Per Daumen bin ich etappenweise in den abgelegenen Vulkanpark vorgedrungen in dem einige der letzten Bestände der Aurakarien-Bäume stehen. Meine Füsse haben mich dann über einen gigantischen Lavastrom zu einem Campingplatz an einem azurblauen Bergsee getragen, wo ich den Abend mit 2 netten, chilenischen Studenten, philosophierend am Lagerfeuer verbracht habe. Nach der klirrend kalten Nacht hat, am morgen der 26-jährige Darryl aus Toronto, Kanada meinen Weg gekreuzt und wir entschieden uns, zusammen los zu latschen. Wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden und da uns beide der Süden ruft, sind wir seither zusammen unterwegs.

Pucón ist das Interlaken Chiles und wartet mit unzähligen Tour-Angeboten auf die Touristen. Auf dem Rio Trancura habe ich mich in einem aufblasbaren Kayak (Ducky) in die Stromschnellen gestürzt. Der witzige australische Guide musste mich 2 mal aus den eiskalten Fluten fischen, da mich die Wellen des Wildwassers aus dem Gummiboot schleuderten. Sehr unterhaltsam und Adrenalin fördernd! :-) Tags darauf sind wir dann mit ca. 400 weiteren Gipfelstürmern den aktiven Vulkan Villarica (2847 m.ü.M) hinauf gekraxelt. Der Zickzack-Aufstieg über Schneefelder war ziemlich kräfteraubend, aber der atemberaubende Ausblick über das Seengebiet Chiles auf dem Gipfel war die Mühe wert. Der Schwefelrauch, der aus dem Krater aufsteigt führte zu Atemnot und Hustanfällen. Darum montierten wir bald unseren Füdli-Blätz (Wasserschutz) und slideten auf unserem Allerwertesten die Flanken dieser Asche spuckenden Bestie herunter. Wie ein kleiner Lausbengel habe ich gejuchzt. Ihaaa! Da das Nachtleben in Pucón überraschend lausig war und nur die coole Stimmung in unserem Hostel rockte, beschlossen mein kanadischer Reisekompagnon und ich weiterzuziehen und mussten in Erfahrung bringen, dass Autostopp an der Autobahn leider nicht funktioniert. Aber für diesen Fall gibt es ja immer noch die Busse.

Über das Viehzucht-Zentrum Osorno gelangten wir, nach einem Gratisfrühstück beim chilenischen Ski-Abfahrts-Meister von 1982, der uns aufgeladen hatte, zum Weiler El Caulle. Der Beizer des Restaurants meinte; bis zum Campingplatz seien es zwei einhalb Stunden, aber wir jungen, stramm-wadigen Burschen würden es in 2 schaffen. So ein Dummschwätzer! Wir quälten uns ganze 4 einhalb Stunden den für Bergziegen geschaffene, steile Pfad hinauf. Und als wäre das nicht genug gewesen, haben uns noch die unzähligen, nervraubenden Stechfliegen (Tabanos) auf die Palme gebracht. Ausserdem plagt mich derzeit mein Heuschnupfen, da die chilenischen Wiesen in voller Blüte stehen. Am nächsten morgen drangen wir aber in kahle Vulkanlandschaft vor, was meine Nase wieder beruhigte. Den majestätischen Krater des Vulkans Puyéhue erklomm ich bedauerlicherweise alleine, da sich Darryl einen Muskelfaserriss am Oberschenkel zuzog und wieder zu Camp abstieg. Da ich mich während der Wanderung durch die pittoreske Lavawüste immer müder fühlte, beschloss ich umzukehren obwohl ich somit die natürlichen Thermalquellen verpasste. Halb so schlimm... Tags darauf stiegen wir wieder zum Restaurant ab und haben den Wirt gehörig die Meinung gesagt. Wir sind sicher, dass dieser „Witzbold“ allen Wanderern weiter den gleichen Mist erzählt. So ein Ärger! Naja...

Die letzten 2 Tage haben wir im Puerto Varas, einem „deutschen“ Städtchen am Ufer eines grossen Sees verbracht, unsere verkaterten Beine hochgelegt, das köstliche Regionalbier genossen und eine abenteuerliche Canyoning-Tour absolviert. Ausgerüstet mit Neoprenanzug und Helm kletterten wir zu einem Bergbach, sprangen von einer 4-Meter-Klippe ins kühle Nass und rutschten die vom Wildwasser geschliffenen Wasserrutschen herunter. Weitere Highlights waren bis zu 12 Meter hohe Jumps und am Schluss seilten wir uns 35 Meter senkrecht einen sehenswerten Wasserfall ab.

Heute sind wird nun auf der sagenumwobenen, mystischen und grössten Insel Chiles namens Chiloé gelandet und haben das friedlich bunte Küstennest Ancud erkundet. Einheimische haben uns empfohlen Curanto zu probieren. Also ab in ein klassisch-authentisches Restaurant und einem Teller mit einem Berg von Muscheln, Poulet, Schinken, Wurst, Kartoffeln und Klössen verschlungen. Deftig sättigende Hausmannskost muss natürlich mit einen mundenden Glas Weisswein ergänzt werden. Mmmmh... Lecker!

Die nächsten Tage entdecken wir nun die Insel und hoffen im regnerischen und stürmischen Patagonien auf gutes Wetter. Es gibt so viel zu sehen und es sind immer noch etwa 1500 Kilometer bis nach Feuerland. Darum habe ich das Zeitlimit von einem Monat, den ich in Chile verbringen wollte schon über den Haufen geworfen. Reisen mit Zeitstress macht nur halb so viel Spass und Land und Leute sind wirklich hinreissend. Daher habe ich entschieden, in einem gemütlichen Tempo zu vagabundieren und die Zeit hier ganz einfach zu geniessen.

Arrrg, die Haut meiner Finger ist schon wund, daher lasse ich meine Autorenkarriere nun ca. einen Monat ruhen. Ich hoffe ihr hattet Spass am Lesen und freue mich wie immer über Kommentare und News aus der winterlichen Schweiz.

Liebe Grüsse aus Südamerika

Roger



Das Abenteuer ruft! Letzte News aus Ecuador...

170502, 1.2.2011 .. Link
Buenos dias meine treuen Leser,

Die Zeit fliegt! Schon hat sich das Jahr 2010 mit Pauken und Trompeten, ecuadorianischen Traditionen und haufenweise Feuerwerk, verabschiedet. Ich hoffe, dass ihr, wie ich, die Weihnachtszeit geruhsam und friedlich verbringen konntet und dass ihr mit einem tollen Fest ins neue Jahr gerutscht seid.  Am Abend beginnt nun mein grosses Abenteuer. Über Nacht fliege ich nach Santiago de Chile. Die letzten Vorbereitungen sind getroffen, der Rucksack voll gepackt und das Fernweh hat mich voll in seinen Bann gezogen. Folgen tun nun ein paar Zeilen über meine letzten Erfahrungen als Freiwilliger in Ecuador.

Mein letzter Monat im Nordwesten der Provinz Pichincha ist, bis auf ein paar Ausnahmen recht alltäglich verlaufen. Das Lehrerleben war bis zum Schluss ziemlich nervenaufreibend und nur teilweise von Erfolg gekürt. Doch vielleicht waren auch meine Erwartungen an die Dorfjugend ein Bisschen hoch gesetzt. Leider habe ich das Gefühl, dass besonders an der Schule in Bellavista, nicht viel von meinem Lehrstoff hängenbleiben wird. Die Kinder waren einfach zu laut, zu unkonzentriert und wenig motiviert. In Urcutambo haben sich einige Schüler sich schon ein guten Basis-Vokabular aufgebaut was ihnen in der Zukunft sicher helfen wird. Trotz den Schwierigkeiten schaue ich positiv und auch ein wenig stolz auf diese Zeit im Hinterwald Ecuadors zurück. Ich habe mein Bestes gegeben, den Kindern schweizer Disziplin eingeflösst, sie in mein Herz geschlossen, dicke Freundschaften gefunden und den Lebensstil der ärmeren Landbevölkerung authentisch kennengelernt. Mit spassigen Weihnachtsprogrammen (Reise nach Jerusalem, Sackhüpfen, Eier-Balancieren, Sketches, Tanz) wurde ich herzlich von beiden Dörfern verabschiedet und sogar reich beschenkt. Das hat mir gezeigt das meine Arbeit geschätzt wurde und die Leute froh waren, mal einen „Exoten“ um sich zu haben. Die Schulleiterin stellte mir ein exzellentes Zeugnis aus, worüber ich mich sehr freute und was mir ein nützliches Zertifikat von meiner Organisation bescheren wird. Auch mit meiner Familie hatte ich am Ende ein besseres Verhältnis als zu Beginn meines Aufenthaltes. Jeden Abend glotzten wir „Frauen-Entscheidung“, eine schmierige Seifenoper, voller Skandale und Intrigen und schmetterten gekonnt prägnante und lustige Kommentare. Ein grosser Spass, den ich sogar ein Bisschen vermisse.

Die herzliche, schwarze Pastor-Familie, die mich jeden Dienstag und Donnerstag in Bellavista zum meist leckeren Mittagessen (einmal gab es gekochte Sauenhaut, da war sogar mein madenessendes Gourmetlimit erreicht;-) eingeladen hatte, setzte sich ein breites Grinsen auf, als ich eines langweiligen Samstagsabends mal einen ihrer Gottesdienste besuchte. Es bot sich mir ein eigenartiges Schauspiel. Obwohl die Zeremonie speziell für Junge gedacht war, fanden sich nur eine Hand voll buckeligen Greisen in der evangelischen Kirche ein. Unter meinem dazugedichteten Motto „Gott will das nicht hören“ wurde lausig musiziert und gesungen. Mit viel Anstand ausdrückt nennt sich das: Neben dem Ton. Naja... Sonst war es ganz ok. Die Gemeinde tanzte und klatsche und huldigte Jesus wie in Trance. Die Predigten waren kurz und prägnant, die Stimmung heiter und die Ohren nach 2 Stunden Katzenmusik halb taub.

Mit Monica, der Tochter des Dorfladenbesitzers habe ich mich angefreundet. Mit ihr habe ich die Umgebung erkundet und über Gott und die Welt philosophiert, was sehr tiefgründig endete, da sie Theologie studiert. Gemeinsam wanderten wir nach Vista Hermosa (deutsch: herrliche Aussicht), wo wir mutig einen 20m hohen Wasserturm erklommen und den Blick in die grüne Hügellandschaft genossen. Wir besuchten auch das archäologische Freiluftmuseum von Tulipe, wo wir interessante Gegebenheiten über die Ureinwohner (Yumbos) der Region erfuhren. Wir besichtigen auch die für Zeremonien genutzten Bäder, die wie Halbmonde, Kreise oder Jaguare (mit viel Fantasie) geformt sind. Ausserdem besuchten wir ihre Schwester in Charguayeco, das unglaublicherweise noch abgelegener liegt als Urcutambo. Auf der 120 ha grossen Finca mit grünen Weiden und sagenhaftem Primärwald, lernte ich das reale Leben einer Bauernfamilie kennen, half mit einen Hahn zu schlachten (Kehle aufschlitzen und ausbluten lassen, arrrg) und fällte à la Rambo mit einer Machete eine Palme. Meine armen, samtig-zarten Bürogummi-Hände trugen ärgerliche Blasen davon. Dafür schnabulierten wir Abends im Kerzenschein (der Strom war ausgefallen) leckeres Palmherz-Thunfisch-Ceviche (mit Limonensaft, Tomaten und Zwiebeln). Lecker! Tags darauf erkundeten wir das grasgrüne, steilwändige Tal des Intag-Flusses. Sagenhaft, diese Natur!

Im Dezember habe ich mich freiwillig in ein ecuadorianisches Spital eingeliefert, weil ich wiedermal Flitzekacke zu beklagen hatte. Da es hier so gut wie keine Krankenkassen gibt, ist die Behandlung in den öffentlichen Spitälern gratis. Die Untersuchung war fliessbandmässig und erschien mir wenig professionell aber die kostenlosen Tabletten haben meine Verdauung wieder stabilisiert.

Anfangs Dezember bin ich nach Quito gepilgert um den Fiestas de Quito beizuwohnen. Die ganze Stadt war eine Partymeile und ich habe verschiedene Konzerte (Nationales Symphonie-Orchester, Calle 13...), spassige Events und bunte Umzüge besucht. Mit meinem Experiment-Kumpel Andres und ein paar anderen Amis haben wir auch noch die Ausgangsmeile Quitos (La Mariscal) unsicher gemacht was mit einem umwerfenden Luftgitarrenkonzert endete.

Am 18. Dezember war ich zu einer ecuadorianischen Hochzeit eingeladen. Die Braut ist Mitglied meiner Urcutambo-Familie, wohnt aber in Quito. Ich habe das Brautpaar auf einem der Urcutambo-Bauerntänze kennengelernt. Der Bräutigam ist wirklich ein lustiger Typ. In der riesigen Kirche fanden sich leider nur wenige Gäste ein. Die Zeremonie war relativ plump und vom kitschiger Ghetto-Blaster-Musik begleitet. Im Festsaal ging dann aber anschliessend die Post ab. Wir haben Sekt gesürfelt, traditionelle Spiele gezockt (Strumpfband ausziehen, Strauss fangen...) und der verrückte Bräutigam hat mir doch tatsächlich sein Plastik-Bouquet überlassen, was mir fast schon ein Bisschen peinlich war, da ich in Jeans und Kurzarm-Hemd total underdressed war. Nach dem leckeren Hochzeitsmenü wurde dann bis Tief in die Nacht getanzt und Whisky-Mineral gesoffen. Es herrschte eine überbordende Stimmung und sogar die Grossmütter liessen die Hüften kreisen. Ich war schon gröber „parat“ als wie die Heimfahrt antraten und freute mich schon mich aufs Ohr zu hauen. Zu früh gefreut! Im Haus der Eltern war eine brachiale Sound-Anlage installiert und es ging weiter mit der Sauftanzerei. Kurz gesagt: bis zum geht nicht mehr... Denn morgendlichen Kater möchte ich an dieser Stelle lieber aussparen;-)

Meine Zeit am Ende der Welt war am 23. Dezember vorüber und ich verabschiedete mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge von meinen Schülern, der Gast-Familie und den Bewohnern dieses abgelegenen Ortes. Die letzten Tage habe ich mit meiner lieben Quito-Gastfamilie verbracht. Weihnachten feiert man hier ähnlich wie bei uns... Nur viel bunter und mit Unmengen von Blinklichtern und Kitsch. Sogar in der Kirche, diesmal eine katholische, funkelte es in allen Farben und es wurde geklatscht und lautstark „Viva la navidad“ gejubelt. Trotz des leckeren Ofen-Hühnchens vermisste ich natürlich das leckere schweizer Weihnachtsessen. Das harte Los eines Reisenden halt. Am 25ten hatten wir Besuch der Verwandtschaft und wir haben in der Stube getanzt und Rum mit Sprite vernichtet. Der Sprücheklopfer schlechthin war ein Cousin meiner Gastmutter. Er hat lange Zeit im ecuadorianischen Militär bei den ruhmreichen, elitären Fallschirmjägern gedient, ganze 3 Kriege überstanden und musste ca. 30 Peruaner töten. Ich glaube ich war ihm sympathisch, denn ich kann es mir nicht anders erklären warum er mir, mit Tränen in den Augen seine Ehren-Veteranen-Medaille überlassen hat. Ein fantastisches Andenken, Gänsehaut inklusive.

Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich nun meine letzten Vorbereitungen für mein grosses Abenteuer erledigt. Habe mir eine Camping-Ausrüstung zugelegt, da ich in Chile und Argentinien mehrtägige Wanderungen unternehmen möchte. Zudem habe ich einen Museumspass geschenkt gekriegt, den ich natürlich ausnützte. Die Sylvester-Nacht wird hier mit viel Aberglaube und Traditionen gefeiert. Zu Essen gab es einen deliciösen Truthahn mit Pflaumen-Sauce und schmackhaften Beilagen. Die Leute tragen gelbe Unterwäsche, was zu Reichtum im neuen Jahr führen soll. Kurz vor Mitternacht werden 12 Trauben verspeist, zu jeder darf etwas gewünscht werden. Jede Familie bastelt sich mit alten Kleidern und Zeitungspapier eine Puppe, die Viejo (Alter) genannt wird und die Fratze eines nervigen Politikers oder sonst einer Unbeliebtheit trägt. Um Mitternacht wird der Viejo genüsslich abgefackelt. Anders als bei uns kann man hier die Feuerwerke in kurzen Hosen anzünden. Ich als zukünftiger Vagabund, musste mir, leicht angetrunken, meinen Rucksack schultern und einmal um den Häuserblock rennen. Es kann also nichts mehr schiefgehen auf meinem Trip:-)

Nun bin ich bereit für einen abenteuerlichen, hoffentlich spannenden und sicheren Lebensabschnitt mit vielen frischen Lebenserfahrungen, neuen Freundschaften und kulturellen Erlebnissen. Ich bin mir bewusst, dass es sicher nicht immer einfach wird aber ich werde die Sache schon schaukeln. Ist ja nicht das erste Mal, wo ich umher vagabundiere;-)

Ich wünsche euch nur das Beste und schicke euch einen letzten, warmen Gruss aus dem sonnigen Quito.

Roger



Vom Staub zum Matsch

200815, 12.2.2010 .. Link
Geschätzte Leseratten

Schon wieder ist ein ereignisreicher Monat vergangen und es gibt einiges zu berichten. Die letzte Woche meiner Schulferien habe ich bei meiner ecuadorianisch-temperamentvollen Flamme namens Patricia in Cuenca verbracht. Sie wohnt mit in einer WG mitten in der City, direkt am Tomebamba-Fluss zusammen mit Isabel, der lustigen, aufgestellten Küstenseñorita. Im „Happy-Gringo-Room“ (Zimmer für Untermieter) ist Janine aus Basel untergebracht. So konnte ich mich wiedermal in meiner schon fast verloren gegangenen Muttersprache unterhalten. Ausser der süssen, humorvollen und lebensfrohen Chicas hat die Stadt und ihr Umland überaus viel zu bieten.

Da meine Muchacha arbeiten musste, habe ich die Region um Cuenca alleine erkundet und habe einsame, romantische Wasserfälle erwandert, wo ich meine Klippenspringer-Qualitäten unter Beweis gestellt habe (Brrr, eisgekühlt). In den Bergtälern finden sich ab und an verschlafene Handwerksdörfer, die Schmuck, Keramik und Basteleien in Hülle und Fülle anbieten. Vom 1. bis zum 3. November fanden die Cuenca-Festtage mit allerlei kulturellen Veranstaltungen statt. Mit Patricia und ihrem ganzen Freundeskreis besuchte ich bunte Märkte, alternative Filmvorführungen, schräge Theaterstücke und ein Folklore-Openair, wo das halbe Publikum Polonaise tanzte und zu den Klängen der Charango (kleine Gitarre), der Pan- und Blockflöten und der Bongotrommeln abging. Eine fantastisch, ausgelassene Stimmung herrschte auch am darauffolgenden Reggae- und Skakonzert in einem Alternativschuppen. Meinen wallenden Haarbalg wuchtete ich häädbängend über die mickrige Tanzfläche. Das „Pilsener“, frische Mojitos (entwickelt sich langsam aber sicher zu meinem Lieblingsdrink) und der Canelazo (heisser Zuckerrohrschnaps) floss in rauen Mengen und auch der Liborpegel wurde auch ab und zu ausgeglichen.

Natürlich bin ich auch kulinarisch voll auf meine Kosten gekommen. Neben Tourismus hat meine Corazon nämlich auch Gastronomie studiert, und ab und zu leckere Spezialitäten aufgetischt. Sie zauberte unter anderem Kartoffelbrei-Klösschen und süsse Küchlein (Tamales), die sie beide in Blätter eingewickelt und gedämpft hatte. Mmmh! Lecker. Ausserdem habe ich auf dem Markt endlich gegrilltes Meerschweinchen (Cuy) probiert, das nach einer Mischung aus Poulet- und Kaninchenfleisch schmeckt und das man samt knusprigen Krallen verspeist. Bodo und Sabi: Versteckt eure Viecher besser, bevor in euch in Winti besuchen komme;-) Auch die berühmten Cascaditas (knusprig-gebratene Schweinehaut) bekam mein Gaumen zu schmecken. Die armen aufgespiessten ganzen Sauen stehen ja unübersehbar an jeder zweiten Strassenecke Spalier. Meistens werden Mote (weisser Mais), Papas (Kartoffeln) und Aji (pikante Zwiebel-, Limonensosse) dazu gereicht. Schweizerische Adventsgefühle überkamen mich am 2.11., wenn in Ecuador traditionellerweise Elggenmannen (Grittibänzä) vertilgt werden und Colada Morada (dickflüssiges, tiefrotes Beeren- und Gewürzgebräu) gesürfelt wird. Traurig, den 60-Liter-Rucksack aber vollgepackt mit unvergesslichen Ecuador-Erinnerungen habe ich mich per Nachtbus von Cuenca und meinem Temperamentsbolzen aka Patricia, verabschiedet.

Nach meinen unvergesslichen zweieinhalb Wochen Schulferien und einer schlaflosen, 12-stündigen Busfahrt zurück nach Urcutambo, stellte ich enttäuscht fest das meine Gastfamilie, mir nichts dir nichts meinen treuen Freund, Bär (auf spanisch Oso) den Hund verschenkt hatte. In meinem Bretterwürfel, auch Zimmer genannt kämpfte ich mich durch den knietiefen Staub bis zu meinem Bett vor, in das ich gerade so knapp reinpasse (Länge 1.80m) und das neu mit einer Deluxe-5cm-Schaustoffmatraze mit mit eingebautem Rückenschmerzgenerator belegt war. Meine alte Komfortliege war mit den 2 grösseren Töchtern nach Quito umgezogen. Was hiess nochmals danke auf spanisch? Ah ja... Muchas gracias! Glücklich wieder in meinem mondänen „Heimatdorf“ zu sein, goss ich mir danach schweissgebadet 2, 3 Eimer kaltes Wasser über den Kopf. So duscht man ja hier im Hinterwald;-) Tags darauf fand ich mich im Lehreralltag zurück. Die Prüfungen wurden nur an einer, der 2 Schulen erfolgreich geschrieben und darum stellte ich die ungezogenen Bellavista-Lausebengel zur Rede. Auf die Frage warum sie nicht gelernt hatten, vermeldeten sie recht unverschämt: Wir haben nichts von den Prüfungen gewusst (was Schwachsinn ist) und dass sie wie Hombres (Männer) auf dem Zuckerrohrfeld gearbeitet hatten. OK! Das mag stimmen, trotzdem blieb ihnen noch Zeit um die wenigen Vokabeln zu lernen. Naja!

Schon nach 2 Tagen war Wochenende und ich pilgerte per Bus knapp 10 Stunden, die Andenwestflanke runter, durch Ur- und Ölpalmwälder und die Anden über eine atemberaubend, prächtige Passstrasse wieder rauf nach Latacunga. Mit 4 deutschen Freunden, die auch mit dem Experiment (meine Organisation) hier sind, habe ich das Folklorefest „Mama Negra“ besucht. Da meine Reise leider so unglaublich lange dauerte, habe ich die Mama Negra (als schwarze, dicke Frau verkleideter Mann) leider nicht zu Gesicht bekommen. Trotzdem war der farbenfrohe Umzug mit prächtigen Trachten- und Tanzgruppen und nach Guggenmusik klingender Marschmusik ein eindrückliches Erlebnis. Zudem wurden riesige Gestecke aus Grillwaren (eine ganze Sau, Hühner und Meerschweinchen) durch die Strassen getragen und das Publikum wurde mit Schnaps und Bier abgefüllt. Die logische Folge war, dass schon um vier Uhr etliche Schnapsleichen auf der Strasse lagen und ihren Rausch ausschliefen. Arrrg! Auch wir feierten bis in die tiefe Nacht hinein und mussten teilweise recht rabiat die besoffenen Ecuadorianer abwimmeln.

Der ecuadorianische Winter hatte Urcutambo schon voll eingematscht als ich aus Latacunga zurückkehrte. Der in allen Arten fallende Regen, verwandelte die staubige Piste an der ich wohne in eine glitschige Schlammrutschbahn. Herrlich! So kommen meine Kautschuk-Stilettos wenigstens wiedermal zum Einsatz. Die hartnäckige Feuchte und der dichte Nebel sind uns bis heute erhalten geblieben. Die Leute beschweren sich über die klirrende Kälte, ich empfinde das Klima als warmen Sommerregen. Die Tage plätscherten buchstäblich dahin, und meine Nerven wurden teilweise wieder ärgstens strapaziert. Die lustigen Telefongespräche mit meiner Señorita haben mich am Abend aber wieder ausgeglichen. Die Wochenhöhepunkte bildeten die Lehrersporttage, wo sich Pädagogen aus vier Bezirken treffen und leidenschaftlich kicken, Bälle bugsieren (Ecua-Volley) und Körbe werfen. Der „Gringo“ aus der Schweiz wird als zerstörerischer, holzbeiniger Aussenverteidiger-Flankenläufer aufgestellt und konnte sich schon im zweiten Spiel als glorreicher Torschütze feiern lassen. Habe dem Sportlehrer dermassen einen in den Rahmen gepfeffert. Im dritten Match durfte ich stürmen und war trotz der 5:3 Niederlage und einer leichten Oberschenkelzerrung mit 2 Assist und einem Goooooool (so kommentierte es der Stadionsprecher;-) ins Lattenkreuz „Man of the Match. Harrharr! Auf der Stadion-Tribüne wird fleissig zu den peitschenden Reggaeton- und Modern Talking-Beats getanzt, lausige Sprüche und provokante Kommentare ins Mikrofon geplärrt, Snacks verputzt und Bier vernichtet. Und obwohl ich nur wenig Regeln kenne wurde ich prompt als Basketball-Schiri engagiert. Die heissspornigen, teils leicht über-motivierten Lehrerinnen, die ich alle um 2 Köpfe überrage, gackerten mich mit allerlei Wüstem zu, wenn ich mal einen Schrittfehler übersah. Arrrg! Hehe;-)

Das Weekend vom 12.11. verbrachte ich mit Paty in Quito. Wir schlenderten gemeinsam durch die Altstadt, gingen mit Freunden aus ihrer Schulzeit aus, schnoiggten Linzertörtli und Totebaili (mein liebes Mami hat mir ein Fresspaket inklusive Mikrowellenfondue zukommen lassen;-) und rockten am QuitoFest im strömenden Regen zu fetter Rock-, Funk- und Reggaemusik. Natürlich unterhielten wir uns auch über unsere Zukunft, die uns alles andere als viel Zeit zu zweit bescheren wird, da ich im Januar ja meinen Rucksack schultern werde. Sie hatte sich in ihrer Verliebtheit ein surreales Luftschloss gebaut und schon „Te amo“ (Ich liebe dich) in den Mund genommen. Ich war dann eher Realist und entgegnete:“Tranquila bonita, te quiero“ (ich hab dich lieb), was ihr offensichtlich bitter im Halse steckenblieb. 3 Tage später schickte sie mich, per SMS (wie übel!!!) in die Wüste, was mich aber nur kurz traurig stimmte, da ich auch spürte, dass das mit uns eher in eine Sackgasse führen würde. Und so kann ich meinen Trip im neuen Jahr nun voll und ganz unabhängig geniessen. Nach einem klärenden Telefon beschlossen wir Freunde zu bleiben und ich bin ihr trotz des ziemlich stillosen Abschusses auch nicht mehr böse.

Weniger als einen Monat bleibt mir noch im Noroccidental (Nordwesten) der Provinz Pichincha und das ruhige Leben nimmt seinen Lauf. Vor Kurzem haben wir in unserer Schule mit Pauken und Trompeten ein Wasserfiltersystem eingeweiht. Die umwerfend, als Yumbos (Ureinwohner der Region) verkleideten Kinder führten den Financiers einen urchigen Tanz vor und es wurden ergreifende Reden gehalten. Mein Kommentar dazu („keine Macht dem Dünnpfiff“) trifft den Nagel wohl am prägnantesten auf den Kopf;-) Nein im Ernst! Nichts wichtigeres als das die Kinder endlich parasitenloses, gesundes Trinkwasser zu sich nehmen. Toll, dass auch in den hinteren Ecken des Entwicklungslandes Ecuador der Fortschritt Einzug hält. Seit der linksgerichtete Präsident Correa die Zügel in der Hand hält, wird viel in Bildung, Infrastruktur, Gesundheit und Armutsbekämpfung investiert. Und die zunehmende Sicherheit könnte den Ökotourismus zum Retter der unglaublich vielfältigen Flora und Fauna machen. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Zuletzt weise ich wie immer auf die Fotos auf meinem Facebook-Profil hin. Es sind mir wiederum ein paar recht ansehnliche Shots gelungen. Und selbstverständlich freue ich mich stets über Feedbacks, Fragen oder einfach nur ein paar News aus der fernen Heimat.

Eine wohlig, heimelige und stressfreie Adventszeit wünscht euch

Don Rogelio el profesor de Inglés aka Roger;-)



Feriengrüsse aus Cuenca

140257, 10.28.2010 .. Link

Seid gegrüsst meine lieben Blog-Leser

Endlich finde ich mal wieder Zeit in die Tasten zu hauen und euch mit News aus Ecuador zu versorgen. Ich geniesse zurzeit Schulferien und reise mit meinem Rucksack durch die atemberaubende Vulkanlandschaft der ecuadorianischen Anden. Im Moment bin ich Cuenca, der meiner Meinung nach, schönsten Stadt Ecuadors mit viel europäischem Einfluss und umrundet von herrlichen Bergen.   

Mein Wochenende in Otavalo am 8.10. war grossartig. Noch vor dem Frühstück bin ich zum Viehmarkt flaniert und habe das bunte Treiben beobachtet. Der schweizer Tierschutz hätte Dampf aus den Ohren geschnaubt bei diesen Bedingungen. Die armen Kühe, Säue, Ziegen, Schaafe, Hühner, Meerschweinchen, Kaninchen, Katzen, Hunde undundund, waren entweder in engen Käfigen eingepfärcht, lebend an den Beinen ausgehängt oder wälzten sich in ihrem eigenen Geschäft. Teilweise unter aller Sau! Die Tiere werden als seelenlose Ware behandelt. Leider gehört das scheinbar hier zur Kultur dazu. Nach dem Frühstück erstrahlte aber der Rest der Kleinstadt in bunten Farben und  mit überladenen Ständen der Indios, die in dieser Region mindestens die Hälfte der Bevölkerung bildet. Es sind sehr tüchtige Handwerks- und Händlerleute mit ihrem bestickten Trachten, Filzhüten und Ponchos.

Am Nachmittag hat mich das Wanderfieber gepackt. Die Landschaft um Otavalo ist von majestätischen Vulkanen und tiefblauen Bergseen geprägt. Im Parque Condor konnte ich verschiedene Greif- und Raubvögel beobachten. Leider nur im Käfig. Trotzdem muss ich erwähnen, zufrieden festgestellt zu haben, dass sich der Park sehr um Schutz und Zucht der bedrohten Arten (vor allem der grösste flugfähige Vogel der Welt->Kondor) kümmert. Der Kondor wird nämlich immer noch bejagt, weil die Leute denken er erlege ihr Vieh. Das ist allerdings Unsinn, da der Kondor, eine Geierart, Assfresser ist. Auch einen romantischen Wasserfall habe ich noch besucht und am Abend genüsslich einen Hamburger mit Pommes verputzt. Mmmmh! Mal wieder gewohntes Essen, letztens habe ich nämlich bei meiner Gastfamilie Schweinsherz-Geschnetzeltes probiert. Naja... 

Meine Voluntär-Organisation (EIL) hat vor knapp 3 Wochen ein Seminar veranstaltet, um uns "Lehrer" (es arbeiten einige deutsche Freiwillige in der Region) beizubringen wie man den Kindern mehr Disziplin einflössen könnte. Mit grossem Enthusiasmus habe ich dran teilgenommen und ein paar gute Tips notiert, die ich auch anwenden kann. Der Höhepunkt dieses Kurses war allerdings ein Besuch einer Käserei, die, hörthört, Käse mit schweizer Technologie herstellt. Mmmmh! Eine Geschmacksexplosion in meinem von weichem, geschmacksarmen Frischkäse gebeutelten Gaumen. Natürlich habe ich mir einen Vorrat gekauft oder wie ich es nenne: EIn kleines Stück Heimat;-) Meine Gastfamilie hat enttäuschenderweise nicht mal probiert. Es ist eben doch war: Was der Bauer nicht kennt, frisst er auch nicht... 

Zurück im Lehreralltag schlug ich mich weiterhin mit den Disziplinproblemen durch. Vor allem in einer der 2 Schulen wo ich unterrichte fehlt die Motivation und der Respekt der Schüler. Aber jeden Tag sammle ich mehr Erfahrung und ich lass mir auch nicht alles gefallen. Wenn sich ein Kind wirklich total daneben benimmt, schicke ich es eifach nach Hause, was die Eltern aber leider nicht allzugross zu kratzen scheint. Meine Kolleginnen haben mir erzählt, dass einige Eltern weder kontrollieren ob die Hausaufgaben gemacht werden, noch sich für die Schulnoten interessieren. Wahrscheinlich weil sie nicht wollen, dass ihre Kinder im Alter von 10 schon mehr wissen als sie selbst. Es ist schon sehr schade. Nicht viele Kinder auf dem Land haben die Chance in eine Fremdsprache einzutauchen. Leider wird dieser Elfmeter verschossen wie dazumal Roberto Baggio im WM-Final 1994:-) Auf der anderen Schule läufts bedeutend besser. Bei den Examen haben einige Schüler Bestnoten geschrieben und "Profesor Rogelio" durfte sich mit stolzer Brust in die Ferien verabschieden. Zuvor wurden die 2 Schulzimmer jedoch miteinenader verbunden und ein grosser Tanz veranstaltet. Die Bier-auf-Ex-Becher machten wieder fliessig die Runde und ich habe mit der einen oder anderen feurigen Latina das Tanzbein geschwungen.  

Bis zum 4. November fällt die Schule aus. Eine Woche Schulferien, eine Woche Lehrerseminar, an dem ich aber nicht teilnehmen muss und dann noch ein paar Feiertage. Perfekt also um mein Gastland noch besser kennenzulernen. Zuerst habe ich kurz meine erste Gastfamilie in Quito besucht und bin dann mit dem Bus Richtung Süden, auf der Panamericana, die hier Avenida der Vulkane genannt wird, nach Latacunga weitergereist um den höchsten aktiven Vulkan der Erde, den Cotopaxi (5950 m.ü.M.), zu Gesicht zu bekommen. Auch die einzige Autobahn Ecuadors wird von ohrenbetäubenden Auspuff-Kutschen, beklebt mit allerlei Poserklebern (NOS, Remus, Ferrari undundund), die von Pornobrillen tragenden Machos gesteuert werden, beherrscht. Lächerlich! Naja... Übernachten durfte ich gratis bei meiner netten Lehrerkollegin Carmen im verschlafenen Keramikdorf Pujilí. Abseits der Panamericana wanderte ich um die türkisfarbene, fast kreisrunde Kraterlagune Quilotoa. Der Marsch war ziemlich strapaziös, auf und ab des Kraterrandes und stieg bis auf 4040 m.ü.M auf, was sich mich schneller Atmung und Herzrasen bemerkbar machte. Auch der dichte Nebel und der Regen machte mir anfangs zu schaffen. Als es dann aber aufklarte, bot sich mir ein unvergesslicher Blick auf den 250m tiefen See und die faszinierende Paramo-Landschaft. Nächste Station Baños, dem meistbesuchten Touristen- und Pilgerort Ecuadors. Höhepunkte meines Aufenthaltes war eine Tour zu den bis zu 70m hohen Wasserfällen und das Swiss-Bistro, wo ich mit Glückstränen in den Augen, einen gemischten Salat und Zürigschnetzlets mit Rösti geschlemmt habe. Herrlichst! Verdaut und entspannt habe ich dann im Thermalbad, wo mir ein Schlawiner meine Flipflops geklaut hat. Nun hat es also auch mich erwischt. Aber der Verlust hält sich wenigstens in Grenzen.

In Riobamba, dem geschichtsträchtigen Ort am Fusse des höchsten Berges Ecuadors dem Chimborazo, wollte ich die legendäre Bahnfahrt zur Teufelsnase und die 3-tägige Wanderung entlang des Inkaweges buchen. Leider war aber  für die Wanderung kein Führer verfügbar. Die coolen Jungs des Reisebüros haben mich trotzdem spontan zu sich nach hause eingeladen, wo ich auch 2mal übernachten durfte. Am Tag darauf bin ich die Flanken des Chimborazos (erloschener Vulkan, 6310 m.ü.M., vom Erdmittelpunkt weitempferntester Gipfel der Erde) hochgekraxelt und es gelang mir bis zur zweiten und letzten Schutzhütte auf 5000 m.ü.M vorzustossen. So hoch war ich in meinem Leben noch nie. Wow! Welch ehrfürchtiges Gefühl zumindest einen Teil dieses Feuer- und Eisgiganten bestiegen zu haben. Die Landschaft dort oben erschien mir karg und steinig. Trotzdem gibt es hier Vicuñas, die kleinen Geschwister der Lamas. Die Zugfahrt war leider weniger abenteurlich als erwartet. Die nostalgische Dampflok wurde durch fade Dieselzug-Busse ersetzt, die Mitfahrt auf dem Dach wurde nach 2 tödlichen Unfällen verboten und die Teufelsnase ist im Moment leider gesperrt. Trotzdem hat sich der Trip gelohnt. Der Chimborazo leuchete königlich in der Morgensonne und wird durchpflügten eine authentische Landschaft mit arbeitenden Indios und sich ständig wechselnder Vegetation. Beim zweiten Halt entgleiste der Schienenbus! Die Eisenbahner versuchten vergeblich, ihn wieder zurückzubuxieren darum mussten wir in den zweiten "Zug" umsteigen und die Fahrt stehend zu Ende führen. Was könnte typischer sein hier in Ecuador?   

In einem riobambanischen Taxi habe ich zufälligerweise noch Kalina aus Bulgarien, die momentan in Cuenca wohnt, kennengelernt. Und sie hat mich spontan eingeladen bei ihr zu wohnen. Als ich also letzten Samstag in Cuenca ankam, meldete ich mich bei ihr und schwupsdiwups hatte ich eine Gratisunterkunft. Sie führte mich durch die Stadt und wir gingen in den zauberhaften Nationalpark von Cajas wandern. Gletscher formten hier eine schroffe Bergwelt mit unzähligen Seen und spezieller Vegetation. Papierbäume und Mönchsgewächse wachsen hier auf 3200-4000 m.ü.M. Da Kali (Spitzname von Kalina, rüschtüsch legger Bockwuchst mit Braatesoose:-) am Montag wieder arbeiten musste habe ich die Ruinen von Ingapirca alleine besucht, bin aber auch dort auf nette Traveler gestossen und habe mit ihnen zusammen die verfallenen Kultstätten und Tempel der Cañaris und der Inkas bewundert. Da es in Riobamba nicht geklappt hatte mit dem Inka-Trail wollte ich es in Cuenca noch einmal versuchen... Und was passiert immer dann wenn man es am wenigsten erwartet? Richtig! Man verknallt sich... Sie heisst Patricia, ist 23, Ecuadorianerin, temperament- und humorvoll, intelligent, arbeitet im Reisebüro und... Viel besser kenne ich sie auch noch nicht;-) Habe meine Reisepläne über den Haufen geworfen und werde mit ihr die Feiertage (ca. 1 Woche Party mit Konzerten, Theater und Umzügen) in Cuenca verbringen. Der Dünnpfiff ist passé, nun dominieren Schmetterlinge meinen Bauch. Mal schauen was sich da noch ergibt, denn...

Meine Pläne fürs neue Jahr sind konkreter geworden. Am 2. Januar fliege ich nach Santiago de Chile und von da an beginnt mein neues Leben als Backpacker. Mit Ziel ist Feuerland, dem südlichsten Zipfel Südamerikas. Das Abenteuer ruft! Ich freue mich schon wahnsinnig darauf. Zuerst bleibt aber noch einiges zu tun an meinen Schulen und ich werde mein Bestes geben und den Kindern einen Rucksack voller Englisch und schweizer Disziplin mitzugeben.

Fotos meiner unvergesslichen Reise findet ihr wie immer im Facebook.

Macht es gut, bleibt bei eurem kalten Wetter gesund (bei uns ist T-Shirt und kurze Hosen angesagt;-) und lasst es euch gut gehen.

Liebe Grüsse aus Cuenca

Roger



Geschichten aus dem Appenzellerland Ecuadors

231140, 10.1.2010 .. Link
Liebe Daheimgebliebenen,

Zu allererst möchte ich euch die Sorgen nehmen, von den Krawallen in Quito bin ich nicht betroffen. Ich war aber auch ganz schön schockiert als ich die kriegsähnlichen Bilder in den Nachrichten sah. Heftig! Ich hoffe, die Hauptstadt kommt bald wieder zur Ruhe.

Seit knapp 3 Wochen lebe und arbeite ich nun in der Abgeschiedenheit der ecuadorianischen Voranden. Das Kaff Namens Urcutambo, wo mich eine 10-köpfige Familie aufgenommen hat, liegt 2 einhalb Busstunden nordwestlich von Quito, voll im „Gjett“ draussen an einer staubigen Rumpelpiste. Die Nordhalbkugel hat mich also wieder. Aber in diesen Land sind es manchmal nur Katzensprünge von der einen zur anderen Hemisphäre. Etwa 40-50 Familien nennen dieses Provinznest ihre Heimat. Die meisten sind Bauern und Tagelöhner. Es gibt 2 winzige Dorfläden, eine Strohhütten-Bar mit Billardtisch, eine kleine Kirche und eine Schule. Das ist aber auch schon alles was der karge Ort zu bieten hat. Ausser natürlich die wunderschöne Hügellandschaft mit Bergpanorama, die mich stets ans Appenzellerland erinnert. Nur das hier leider kein leckeres „Quöllfrisch“ gebraut wird und der Käse weich und ziemlich geschmacksarm daherkommt. Zudem wachsen hier allerlei leckere Bio-Früchte (Orangen, Mandarinen, Zitronen, Bananen und andere, bei uns unbekannte Naturleckereien), Zuckerrohr, Bambus, Palmen und sonstiges Grünzeugs das man rund um Herisau kaum zu Gesicht bekommen wird. Das Wetter gestaltet sich sehr angenehm. Die Sonne scheint quasi täglich und wird von romantischem Nebel und warmen Regengüssen ergänzt. Grundsätzlich fühle ich mich wohl und habe mich gut eingelebt. Aber es gibt da ein paar Eigenarten, an die ich mich nur schwer gewöhnen werde.

Das Leben hier ist nämlich ziemlich rudimentär. Meine Familie besteht aus 10 Mitgliedern, die sich vier Schlafzimmer teilen. Die Oma übernachtet mit 2 Enkeln zusammen, die Eltern mützen separat (welch Luxus;-), die eine Tochter teilt sich mit ihrem Freund und ihrer Tochter das Gemach und die andere Tochter kümmert sich im letzten Zimmer um ihr 1 Monat altes Töchterchen. Ich bewohne einen staubigen 3x4 Meter grossen, schalldurchfluteten Bretterwürfel. Wie ich euch vorstellen könnt, ist die Privatsphäre ziemlich eingeschränkt.

Mit dem Putzen nehmen sie es hier nicht so genau. Schweizerischen Hygienestandard sucht man hier vergebens. In der Küche herrscht ein heilloses Chaos, es müffelt teilweise bedenklich und es tummelt sich schon auch mal die eine oder andere Cucaracha (Kakerlake). Nach diesen drei Monaten wird mein Immunsystem, dem Hochsicherheitstrakt von Guantanamo ähneln. Über das Bad gibt es auch einiges zu berichten. Das Wasser fliesst nur ein paar Stunden am Tag. Darum ist es mit einer grossen Wanne ausgestattet, die als Wasserreservoir dient. Die elementare WC-Schüssel ohne Brille verfügt über keinen Tank und somit über keine Spülung. Mit einem handelsüblichen Eimer spült man sein Geschäft in Richtung Abflussrohr. Wenn das Wasser fliesst kann man unglaublicher Weise lauwarm duschen, wie das funktioniert weiss ich nicht wirklich. Ich nehme an, das Wasser wird direkt in der Brause elektrisch erwärmt. Genehmer Halbsterne-Luxus! Hehe... Fliesst kein Wasser bleibt einem nur die schockige Eimerdusche, die ich aber gar nicht so übel finde, da man danach wach und fit für die Arbeit ist.

In meinen 3 letzten Monaten hier im liebgewonnenen Ecuador, unterrichte ich nämlich Englisch, Informatik und Sport. Montags, mittwochs und freitags in Urcutambo, dienstags und donnerstags in Bellavista, der Nachbargemeinde. In den Schulen stehen 2-5 PCs zur Verfügung, was Unterricht am Fliessband bedeutet. Aber wenigstens lernen die 5 bis 12-jährigen Schlaumeier und Frechdachse ein kleines Stück der Welt von Bits und Bytes kennen. Die Kids sind goldig, können einem jedoch ganz schön auf die Palme bringen und wissen gewisse Situationen schamlos auszunutzen. Regeln scheinen ihnen fremd zu sein. Es ist manchmal fast unmöglich, sie unter Kontrolle zu halten und sie zum lernen zu motivieren. Meine stählernen Geduldsnerven werden Tag für Tag arg strapaziert. Es hat auch Schüler darunter, die sich mit Gewalt ausdrücken. Ich nehme an, sie sind sich von zu Hause aus nichts anderes gewohnt. Schwierig... Aber der Job hat nicht nur negative Seiten! Da sind auch die lachenden Kindergesichter, die kleinen aber stetigen Lernerfolge, die spontanen Umarmungen, die überbordende Neugier und die strahlenden dunklen Rehaugen der Kinder. Diese Aufmunterchen lassen einem die harten Momente eines Lehrerlebens schnell wieder vergessen. Mit den kleinsten bastle, male und singe ich viel und lasse meine Künste als Handpuppenspieler aufblitzen. Mit den Grösseren pauke ich schon ernster, lockere den Unterricht aber auch mit Liedern und Spielen auf.

Montags tragen die Schüler Uniformen mit Krawatte und Lackschuhen. Beim Fahnenaufzug wird stolz die Nationalhymne gesungen und wie im Militär stramm im „Achtung“ gestanden. Letztes Wochenende war das „Juramento de la Bandera“. Mit allem drum und dran schwören die Siebtklässler, fahnenküssend, der Flagge Ecuadors ewige Treue. Ein eigenartiges Schauspiel aber das ist hier Tradition. Danach wird getrunken (auch die 7-jährigen wird schon Wein und Bier verabreicht!) und in den Schulzimmern getanzt. Es floss reichlich selbst gebrannter Zuckerrohrschnaps mit Mandarinensaft.

Zu einem Höhepunkt zählte das Dorffest am 18. September. Die Blasmusik schmetterte schräg-zackige Guggenmusik vom Podest herunter und wurde nicht ein einziges mal mit Applaus honoriert. Arrrg! Beim Ecua-Volley-Turnier (3 gegen 3, grösserer Ball, höheres Netz) wurde fleissig gewettet und das Bier floss in rauen Mengen. Hier trinkt aber nicht jeder seine eigene Flasche, nein. Jemand sammelt Münz, besorgt die Flasche mit einem kleinem Plastikbecher, der zum exen herumwandert. Der Restschaum wird demonstrativ auf den Boden geschüttet. Und dazu werden posermässig Zigaretten gequarzt, die einzeln an der Bar gekauft werden. Und am Abend durfte natürlich auch die feuchtfröhliche Freiluft-Dorfdisco nicht fehlen. Ich habe mich gekrümmt vor Lachen als der DJ „Moskau“ von Dschingis Khan auflegte und bin wie der Teufel dazu abgegangen. Haha! Es wird, nicht wie bei uns, paarweise das Tanzbein geschwungen und die heissen Reggeaton- und Merengue-Rythmen treiben das Volk in Ekstase. Jeder macht mit! Selbst mit der Oma habe ich das Beton-Parkett aufgemischt.

Das Essen ist ländlich einfach und manchmal nichts für schwache Nerven. Gefrühstückt werden Eier in allen Zubereitungsarten, trockener Reis, Mais, Yuca-Wurzeln, Poulet, Salz-Tomaten, Bananen (süss oder salzig, frittiert oder gekocht) und Würstchen. Wenn ich Glück habe gibts auch mal ein getoastetes Brötchen mit mozzarella-ähnlichem, fadem Käse. Mittags und abends wird mehr oder weniger das Selbe serviert. Dazu wird aber eine Suppe gereicht, in der auch schon mal ein Hühnerbein oder eine Güggelleber schwimmt. Die Fettschwarten werden hier nicht ausgespart, doch hier ist meine Grenze erreicht. Das Zeugs kriegt nicht mal der maden-fressende Gourmet namens Don Rogelio runtergeschluckt. Filetiert wird kaum, Nagen ist angesagt. Der frische Fruchtsaft wäre Weltklasse ist aber leider meistens völlig überzuckert. Schade! Die Milch ist frisch vom Euter und tiptop, da die Kühe hier frisches Gras weiden.

Montagnachmittags ist Wandertag. Vier Stunden tschalpe ich durch die herrlich grüne Landschaft. Kreuzt ein Fahrzeug meinen Weg ist eine staubige Lunge und Dreck auf der Zunge unabdingbar. Beschilderte Wanderwege wird man hier vergeblich suchen. Schade! Das Klima, die gute Luft und die atemberaubende Natur wären wie geschaffen für Wandertourismus. Aber die Ecuadorianer sind nicht gerade wander-begeistert. Wenn ich jemandem von meinem Ausflügen berichte, werde ich kopfschüttelnd zum Exoten abgestempelt. Naja, die Kulturen unterscheiden sich eben. Mir tut es gut mich zu bewegen. Das hilft mir runterzukommen und meine Gedanken und Erlebnisse zu sortieren.

Das Resümee fällt dieses Mal nicht ganz so überschwänglich aus wie auch schon. Diese 3 Monate werden sicher nicht einfach und werden auch nicht so flüssig dahin flutschen, wie mein ab und zu auftretender Dünnpfiff. Aber ich bin unter anderem auch hier um auf diese Weise zu leben, kennen zu lernen und der ärmlichen Bevölkerung auf dem Land etwas von meinem bescheidenen Wissen mitzuteilen. Und danach werde ich das Reisen, die wohlorganisierte und saubere Schweiz, und das vermisste schweizer Essen doppelt zu schätzen wissen.

Das Wochenende verbringe ich übrigens in Otavalo wo jeden Samstag ein berühmter Handwerks- und Tiermarkt stattindet. Ich bin schon sehr gespannt drauf was ich morgen früh alles zu Gesicht bekommen werde.

Wie immer freue ich mich sehr über Feedbacks und sonstige Wortmeldungen von euch. Lasst es euch gut gehen. Ich denke viel an euch und trage euch überallhin in meinem Herzen.

Hasta luego de la Provincia Imbabura del Ecuador

Roger aka Don Rogelio

 



An der Küste Ecuadors

200842, 9.11.2010 .. Link

Geschätzte Leseratten,

Auch mein zweites Projekt im Feuchtwald von Pacoche, südlich der Hafenstadt Manta habe ich nach dreieinhalb Wochen erfolgreich beendet. Es ist mir wieder einiges Unerwartetes wiederfahren. Trotz oder gerade deswegen war es eine sehr lehrreiche und entspannte Zeit in der Küstenprovinz Manabí.

Am 18. August bin ich mit dem einigermassen komfortablen Bus (die Klimaanlage war auf Nordpol eingestellt) knapp 8 Stunden nach Manta gefahren. Wow! Endlich durfte ich wieder einmal den atemberaubenden Pazifik bestaunen. Manta ist dagegen nicht sehr sehenswert. Die Hauptstadt Manabí's zählt eine halbe MIllion Einwohner und ist wegen einer Militärbasis der USA förmlich explodiert in den letzten Jahren. Halbwegs schön anzusehen ist allenfalls der Strand und die dazugehörende Promenade. Ich wurde nach dem Frühstück einem Restaurant von Carolina, meiner neuen Chefin abgeholt und wir besuchten den Markt und erledigten noch einige Sachen. Danach fuhren wir durch den öd-wirkenden und unwirtlichen Trockenwald Richtung Süden. Nach 20 Minuten wendete sich jedoch das Blatt. Plötzlich befanden wir uns in einer satten Vegetation in leuchtendem Grün. Wir hatten meinen neuen Arbeitsplatz, den geschützten Feuchtwald von Pacoche erreicht. 

Die Lodge des Natur-Reservats liegt direkt an der "Ruta del sol", der touristischen Küstenstrasse Ecuadors. Es stehen 2 recht luxuriöse Gästehütten (eine war meine Unterkunft:-) und ein grosszügiges neues Restaurant zur Verfügung. Auf dem 10 ha grossen Gelände wachsen Palmen, Bambus, Helikonien und zig andere Bäume und Pflanzen. Auch die Tierwelt kann sich sehen lassen. Vor allem die Heuleraffen haben mich fasziniert. Sie röhren vor allem am morgen und abends tief in den Wald hinein. Leider sind sie bedroht und werden daher von der Lodge (Fundation) geschützt. Auch Kolibris, Frösche, kleine Leguane und etliche verschiedene Vogelarten leben in dieser "Oase der Biodiversität". Das Wetter hier, wie es der Name schon sagt ist: FEUCHT! Praktisch täglich hatte es dicken Nebel, der sich meistens in Nieselregen verwandelte. Der Satellitenschüssel verdanke ich gemütliche TV-Abende mit Live US-Open Federer-Matches und dem EM-Quali-Dasaster Schweiz gegen England. Das Essen war grössten teils sehr lecker. Natürlich gab es viel Fisch! Vorallem die Spezialität namens Ceviche (roher Fisch oder Crevetten in Limonen-Saft mit Zwiebeln und Tomaten, garniert mit Ketchup und Senf) hat mir sehr geschmeckt. Bis ich in einem Restaurant ein Muschel-Ceviche probiert habe... Folge: 4 Tage Dünnpfiff (Magen-Darm-Infektion) und Orkan-Blähungen en masse. Arrrg! Alle Hausmittel (Oreganotee mit Salz und Limone und anderes ekliges Zeug) versagten. Der harte Stoff (Tabletten) scheint jetzt aber zum Glück zu wirken.

Meine Gastfamilie war sehr nett. Carolina und ihr 3-jähriger Sohn Nico wohnen ständig in Pacoche. Ihre Eltern Mildred und Agusto und ihr Mann (in Trennung) Diego verbringen ab und zu einige Tage in der Lodge und unterstützen Carolina, da Nico sie ständig auf Trab hält. Er ist nämlich ein "Quängeli" und hat mich manchmal mit seiner Heulerei, wegen NICHTS ziemlich auf die Palme gebracht. Neben der Familie arbeiten noch die Köchin Estrella und der "Handlanger" Enrique auf der Lodge. Vor allem mit Ique habe ich auch schon mal Schabernak getrieben. Wir waren nämlich oft alleine und so nahmen's wir mit der Nachmittags-Arbeit (die Wanderwege sauber machetelen, Wände malen, Bäume pflanzen...) nicht immer so genau.  

An den Wochenenden habe ich verschiedene Ausflüge unternommen. In Puerto Lopez buchte ich eine Boots-Tour zur berüchtigten Pirateninsel "Isla de la Plata" und durfte Buckelwale beim Paarungstanz beobachten. Unvergesslich! Unter anderem haben wir auch einen riesigen Mantarochen, seltene Wasserschildkröten, Blaufusstölpel, Fregattvögel und, beim Schnorcheln, bunte Fische observiert. In der nähe von Puerto Lopez besuchte zudem eine Ausgrabungsstätte der Manteño-Kultur (lebten vor und mit den Inkas) was mir als Hobby-Archäologen (haha) grosse Freude bereitete. Ich habe mir auch den Luxus eines Mietautos gegönnt und bin mit meiner winzigen "Weiberkarre" über die mit Schlaglöchern übersähten Strassen gebrettert. Die bezaubernde, sich laufend ändernde Landschaft und die teilweise menschenleeren Traumstrände habe ich in vollen Zügen genossen. Die Leute an der Küste sind kurliger und lauter als in den Anden und sprechen ein ultraschnelles, schwierig zuverstehendes "Verschluck-Spanisch". Man gewöhnt sich aber auch an dies;) Ich habe viel nette und hilfsbereite Leute getroffen und sogar einem Schweizer Namens "Michi" bin ich begegnet. Wir haben zusammen im coolen Surferörtchen Canoa die Strandbars aufgemischt und laufend den Libor-Pegel ausgeglichen.      

Niemand hatte mich zuvor informiert, dass ich hier als Englisch-, Deutsch- und EDV-Lehrer arbeiten sollte. Das hat mich ganz schön gefordert. Nun war Improvisation und Kreativität gefragt. Am ersten Montag fuhren wir also nach Liguiqui, einem kleinen Fischerdorf, 5km von der Pacoche Lodge entfernt. Infos? Fehlanzeige! Nach der kurzen Begrüssung stand ich nun vor 6-8 jährigen, zum Knuddeln süssen Kindern, die mich mit grossen Augen anstarrten: Ähm, sali zämäää! ;-)

Das Schulniveau hier in Ecuador lässt sich niemals mit unserem in der Schweiz vergleichen. Die Kinder besuchen die Schule nur morgens für 4 Stunden. Es ist immer ein buntes Treiben und unruhig in den Schulzimmern, was den Geduldsfaden gehörig spannt. Gerissen ist er mir allerdings nie:-) Die Kinder lernen unter diesen Bedingungen klarerweise relativ langsam, hatte ich zumindest das Gefühl. Erstaunlicherweise verfügt die kleine Dorfschule (Grössere Betonhütte ohne Glasfenster) über einen kleinen Computerraum, leider aber über keinen Lehrer der EDV unterrichtet. Hä? Naja... Ich stürtzte mich dann ins" Vergnügen" was nicht ganz einfach war, da nur 3 funktionierende PC's für 7-11 Schüler bereitstanden. Arrrg! Das hat mich mit Abstand am meisten Nerven gekostet. Die Rasselbande war in der Warteschleife einfach nicht ruhig zu kriegen. Graue Haare - Neinnein;-) In der Pause haben wir dann auf dem sandigen Vorplatz gekickt bis die Tore umfielen, was für mich ein toller Sandsack zum abreagieren war. Aber keine Angst, die Blutgrätsche habe ich nie ausgepackt;-)

Im Nachhinein war es eine sehr lehrreiche und unvergessliche Zeit für mich. Die Kinder waren goldig, meistens motiviert und haben so viel zu geben obwohl sie sehr wenig besitzen. Zum Abschluss hat sich das halbe Dorf versammelt um einen Geburtstag einer Lehrerin und meinen Abschied zu feiern. Sie haben mich reich beschenkt mit einem schicken Shirt, einer coolen Mütze, einer lässigen Tasche und Flechthandwerk alles verpackt in !Eishockey-Papier-Tüten! Wo zum Himmel haben sie diese nur aufgetrieben? Unglaublich! Die Präsidentin der Schulgemeinde hat mir auch noch ein Zertifikat überreicht und mein Gesicht landete mit dem faulen "Ach-beiss-doch-mal-rein-Trick" in der Abschieds-Torte. Hehe! All das hat mir gezeigt, dass meine Arbeit hier sehr geschätzt und respektiert wurde, obwohl ich die Arbeit ohne Vorkenntnisse und Erfahrung angepackt hatte.

Ich habe mich somit entschieden auch in den letzten drei Monaten meiner Zeit hier in Ecuador zu unterrichten. Wieder habe ich nur spärliche Informationen. Morgen werde ich nach Gualea, 3 Bus-Stunden nordwestlich von Quito reisen und dort in den umliegenden, kleinen Bauerngemeinden weiterhin wichtige pädagogische Maloche leisten. Es wird sicher nicht immer leicht aber ich bin ja nicht hierhergekommen um Ferien zu machen, sondern um der armen Bevölkerung wenigstens ein kleines Bisschen zu helfen und den Kindern mein bescheidenes Wissen weiterzugeben. Ich weiss, dass ich die Welt nicht ändern kann und nur ein Tropfen auf dem heissen Stein bin. Trotzdem bin ich deswegen nicht minder motiviert gute "Büäz" zu leisten und freue mich, mein Glück mit der "arm an Dingen aber reich an Herz und Lebensfreude"-Bevölkerung Ecuadors zu teilen.

In diesem Sinne, Piis und Blüämli;-), macht es gut, geniesst die Zeit, bleibt gesund und sauber.

Hasta luego y adios!

Roger

 

 



Urwald Geschichten

231148, 8.18.2010 .. Link

 

Liebe Blog Leser,

Nach einem erlebnisreichen Monat im ecuadorianischen Regenwald arbeite ich nun in der Pacoche Lodge in der Nähe von Manta. Wers glaubt wir seelig... Ich bin seit 2 Wochen „Lehrer“ und unterrichte english, deutsch und „cumputación“ in Liguiqui, einem winzigen Küstendorf nahe der Gemeinde Pacoche. Die Kinder bringen mich vor allem in „EDV“ auf die Palme (es stehen 3 Pcs für 11-15 Schüler zur Verfügung) aber sie sind grossartig, einsame Klasse und... Sie kitzeln ununterbrochen an meiner, durchaus hohen, Geduldsgrenze und können gleichzeitig „Alle meine Entchen“ im Kanon singen:-).

Sie haben wenig bis nichts!... Aber trotzdem soooo viel zu geben! Und ich versuche ihnen wenigstens ein wenig meines bescheidenen Wissens weiterzugeben...

Und sie bringen mir tschutten bei! Das Gekicke in der Pause zählt im Moment zu den absoluten Höhepunkten meines Lebens. Hehe!

Folgen tuen ein paar Auszüge von meiner Zeit im Urwald. Enjoy the Lektüre:)



Von meiner grossartigen Gastfamilie habe ich mich nach einem feuchtfröhlichen Abschlussabend mit Kaminfeuer, Bier, Wein, Gerberchäsli und Militärgerichtlich (meine letzten schweizerischen Gourmet-Spezialitäten;-) am morgen des 18. Juli 2010 verabschiedet. Die Gefühle übermannten mich schon ein bisschen als ich realisierte das mein Monat hier schon vorüber war. Andererseits war ich aber auch froh, vor dem Lärm und Stress der Grossstadt fliehen zu können.   

Die zehn stündige Busfahrt von Quito nach Coca war nicht so der Hammer. Der Busfahrer machte alles andere als sich auf die Strasse zu konzentrieren. Er war ja "nur" für vierzig Menschenleben verantwortlich. Als er neben einem Handytelefonat gerade im DVD-Koffer herum wuselte, kamen wir prompt von der Strasse ab. In der Mitte vom Nichts, auf der Passstrasse über die Ostanden knallte es plötzlich höllisch, laut aber zum Glück konnte er mit grossem Glück den Bus wieder unter Kontrolle bringen. Nach den herrlichen Gebirgslandschaften, fuhr der Bus eine kurvige Serpentine und einem Gebirgsbach entlang mitten in den dichten Regenwald hinein. Schon bald tauchten die ersten Ölpipelines am Strassenraum auf und die Kamine der Raffinerien spielen lodernde Flammen. Der abscheuliche Abfallberg stand Spalier und die Bevölkerung erschien mir sehr arm, denn man erblickte viele Wellblechhütten. Die Städte die wir passierten waren ziemlich runtergekommen, die Passagiere, die andauernd auf und absprangen transportierten Tiere und alles mögliche im Bus. Aus den Lautsprechern dröhnte überlaute Latino-Musik oder schlechte 80er Songs. Wie gesagt: Gelohnt hat sich die Busfahrt nur für den Geldbeutel (10 USD für 10 Stunden Fahrt).

In Coca übernachtete ich und wurde am nächsten Tag vom Motorkanu der Carina-Lodge abgeholt. Nach 45 Minuten Fahrt auf dem riesigen Rio Napo bogen wir rechts in den kleinen Rio Mandarin ab und da war sie nun; die berüchtigte Carina Lodge! Ich wurde erstaunlicherweise nicht vom Chef sondern von einem Junge-Führer empfangen. Ausser ihm schien niemand auf mich zu warten. Naja... Eduard hat mir dann gezeigt wie der Laden läuft und wir haben mit den Touristen zu Mittag gespienes. Was die Küche den ganzen Monat zauberte war überraschend lecker. Sie bereiteten leichte Menüs mit Reis, Yucca (Maiswurzelbohrer), Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Radieschen, anderem exotischem Gemüse, Suppen aller Variationen, Poulard, Fisch, Rindfleisch unduldsam zu. Ich lebte zusammen mit 3 Quichotte-Jungs (Indios aus dieser Region) in einem Zimmer. Sie absolvierten ein Praktikum für ihr Tourismus-Studium in der Lodge. Sie sind sehr aufgeschlossen und ich musste ihnen alles über die Schweiz erzählen. Ich lehrte ihnen ein wenig Englisch und sie mir im Gegenzug ein paar Fetzen Quichotte, das erstaunlich ähnlich klingt wie mein berühmtes Kauderwelsch (dnerebdnerepp;-). Hehe! Die erste Woche begleitete ich die Touristen zusammen mit Eduard in den Aktivitäten. Die anderen 3 Wochen verbrachte ich mit verschiedenen Guides und übersetzte vom spanischen ins Englisch für die Touris, die des Spanisch nicht mächtig waren. Manchmal fehlten mir schon die richtigen Fachworte, aber mit Improvisation und Gestik habe ich den Leuten alles erklären können. Als Volontär (Freiwilliger) war ich auch immer Vorkoster und Versuchskaninchen was meistens für viel Gelächter sorgte. Weil alles typisch südamerikanisch spontan organisiert wurde, ging auch schon mal eine Aktivität für eine Gruppe vergessen. Deshalb musste ich auch Wanderungen alleine führen was ziemlich schwierig war. Aber wozu habe ich denn einen hervorragenden Improvisationsgeist?;-)Ab und zu half ich in der Küche mit und rechte Laub. Aber meistens wanderten wir im unberührten Primärwald des 465 Hektar grossen Privat-Reservats, durchquerten knietiefe Sümpfe, paddelten der friedlichen Manduro hinauf, besuchten eine Quichua-Familie, fischten blutrünstige Pirañas und beobachteten die unglaublich vielfältige Tierwelt des Regenwalds. Für die Elektrizität war der Dieselgenerator (jede Woche Handle-Light-Dinner wegen Stromausfalls) zuständig. Und das soll eine Öko-Loge sein? Das lachen ja die Uhrwaldpapageien! Anscheinend ist die Solartechnik noch nicht soweit in die Wildnis vorgedrungen. Sonne hätte es in jedem Fall genug. Das Wetter war nämlich meistens angenehm warm bis feucht-heiss und fast täglich ergoss sich ein sintflutartiger Regen.



Die indigenen Guides erzählten viel über die Kultur und das Leben der Indios im tropischen Tiefland. Die meisten Leben in Bauern-Gemeinschaften. Die Familie, die wir besuchten wohnt in einer traditionellen Pfahlbau-Hütte im sekundär Wald (nach der Rodung neu gewachsen), ohne Strom und fliessend Wasser und verdient ihr Geld mit der Landwirtschaft zusammen mit ca. 30 anderen Familien in einem Genossenschaft. Das Land gehört der Gemeinschaft und die Kinder besuchen die 700 Meter entfernte Grundschule. Die Bauern pflanzen Yuca, Platanos (Bananen), Cacao, Papayas, Mais und vieles mehr an. Alles Bio:-) Um das Haus wachsen verschiedene Heilpflanzen, da das nächste Spital weit entfernt ist und die Familie kaum Geld hat um eine Behandlung im Spital zu bezahlen. Gegessen wird vor allem Yuca und Platano in allen Variationen manchmal ergänzt mit einem, im Bananenblatt gegarten Fisch oder Poulet. Sie trinken ungefiltertes Regenwasser und natürlich Chicha, ein Gebräu aus der Yuca-Wurzel, das nach einigen Tagen fermentiert und dann dank des entstandenen Alkohols ziemlich berauschend wirkt. Gekackt (Sorry Kinder, mir fiel grad nichts anderes ein;-) wird im Wald, abgeputzt mit Pflanzenblättern und gebadet im verschmutzten Rio Napo. Es gibt in Ecuador auch noch Stämme, z. B. die Huaranis, die ohne Kontakt zur Aussenwelt leben. Sie jagen mit dem Spuckrohr und Giftpfeilen und wollen mit der Zivilisation nichts zu tun haben. Toll das ihre Kultur bis jetzt überlebt hat. Leider werden die Ureinwohner im ganzen Land unterdrückt und als unterentwickelte Barbaren angesehen.



Die gemächlichen Wanderungen durch den üppigen Jungle waren sehr lehrreich und manchmal ziemlich aufregend. So fischte ein Guide einst plötzlich eine 2m-Baby-Anaconda aus dem Sumpf. Sofort strangulierte sie seinen Arm dermassen fest, dass er sie schnell wieder freilassen musste. Wow! Ab und an tummelten sie Totenkopf-Äffchen in den Baumwipfeln. Sie sprangen wie von der Tarantel gebissen von Ast zu Ast. Die Schildkröten plantschten fröhlich im Wasser. Mit dem Feldstecher observierten wir Spechte, Tukane, Kolibris, Eisvögel, unzähligen andere bunte Vogelarten sowie schimmernde Schmetterlinge. Zur Stärkung haben wir Limonen-Ameisen bei lebendigem Leib verputzt. Ich würde auch sauer schmecken wenn man mich einfach fressen würde;-) Richtig geekelt habe ich mich vor 2 Riesenschnecken die gerade Liebe machten. Immer wieder haben die Führer Pausen eingelegt und über die Herstellung und Wirkung der Naturheilmittel referiert. Gegen fast alle Krankheiten wächst hier ein Kraut und auch die Säfte einiger Baumrinden werden zum Beispiel als natürliches Desinfektionsmittel eingesetzt. Die kurzen Nachtwanderungen sind eine fantastische Therapie gegen Spinnen-, Insekten- und Schlangenphobie. Alles was kreucht und fleucht ist jetzt aktiv. In der Lodge zeigten sich nachts auch die Vogelspinnen, die kleine Nischen in der Dächern der Strohhütten behausen. Die lustigen 2 Loros (kleine Papageien, einer konnte ein wenig sprechen) waren sehr beliebte Fotomotive und auch die 2 Tapire, die manchmal aus dem Urwald auftauchten waren die Lieblinge der Touris. Sie sind aber auch dick und hässlich und dadurch sooo knuffig. Hehe!



Meine Lehre zum Kanu-Steuermann hatte ich nach ein paar Tagen, und Irrfahrten mit Crashs in die Uferpflanzen und Baumstrünke, erfolgreich abgeschlossen und wir überquerten manchmal sogar den grossen Rio Napo mit unseren wackligen Barken. I der nahegelegenen Lagune gingen wir nachts auf Kaiman-Pirsch. Sobald die roten Augen im Lampenlicht aufblitzten, paddelten wir leise in diese Richtung und konnten so die mit dem Alligator verwandten Reptilien beobachten. Im Ufer-Gras leuchteten romantisch die Larven der Glühwürmchen.



Das mit dem Fischen ist nicht so mein Ding. Laaangweilig! Nach vollen 10 Stunden habe ich meinen erstens kleinen Katzenfisch gefangen. Na Petri heil dann! Ein Piraña blieb mir leider versagt aber dafür habe ich auch einmal eine Krabbe (das Mistvieh hat mir fast den Finger abgebissen) und eine Sardine aus dem Wasser gezogen, die wir dann in die Küche brachten und am Abend genüsslich verspeisten. Geködert wurde ziemlich rudimentär mit Rindfleisch und die Guides machten meist das Rennen im Wettbewerb um den umfangreichsten Fang.



Mit den Arbeitern der Lodge habe ich mich grundsätzlich gut verstanden. Ich spielte manchmal mit ihnen Ecuavolley gespielt. Es zocken 3 gegen 3, das Netz hängt höher, dass die kleingewachsenen Ecuadorianer auch ja nicht schmettern können (hehe) und der Ball ähnelt in Grösse und Gewicht einem Fussball. Aber immer wenn ein anderer Arbeiter aufgetaucht ist, bin ich unsanft ausgewechselt worden. Mit der Zeit kam ich mir recht verarscht vor, weil ich für meine Verhältnisse echt gut mitspielte. Hab es dann bleiben lassen. Ist sowieso gammliger als richtiges Volleyball;-) Beim 40 (Cuarenta), dem hiesigen Kartenspiel habe ich der Jungs dann als Revanche den Meister gezeigt. Ein paar Tage musste ich, da die Lodge ausgebucht war, in der Arbeiterhütte pennen, was für die Integration ins Team sehr hilfreich war aber ziemlich hart (dünne Matratzen) und unhygienisch. Naja! Ich hab in dieser Zeit auch mit den Büäzern gegessen. Reis mit Bohnen zum Frühstück, Suppe, Reis mit Bohnen und Restfleisch zu Mittag und das gleiche zu Abend. Ziemlich eintönig und fad das ganze aber nach 4 Tagen war der Spuk dann zum Glück vorbei.



I habe glaube ich noch nie so einen ruhigen 1. August erlebt. Keine Böller, keine Funken, keine Grillparty. Nur die Grillen zirpten friedlich in den Sternen verhangenen Nachthimmel. Ich hab an diesem Tag das erste mal meine Kleider von Hand gewaschen und prompt landeten ein paar Stücke im Chloridwasser und erscheinen nun im funky-flecken Style;-) Schönen Dank meinem Waschlehrer Rodrigo!



Alles in allem war die Zeit im Urwald eine tolle Erfahrung. Aber 4 Wochen sind genug, da ich keinen freien Tage hatte (wozu auch, ich hätte ja eh nichts gescheites unternehmen können) und da man doch sehr ab vom Schuss ist. Zuerst ist es toll an so einem speziellen Ort zu leben, doch mir fehlte nach einer Weile der Kontakt zur Aussenwelt sowie auch mal wieder News zu lesen. Man wiederholt die Touren zweimal in der Woche und mit der Zeit wird das ganze recht monoton. Ich habe zum Glück sehr viele nette und aufgestellte Leute getroffen und habe einige neue Freundschaften geknüpft.



So, weitere hoffentlich ähnlich spannende Abenteuer-Geschichten folgen. Ich hoffe ihr hattet Spass am lesen und freue mich stets über Feedbacks, News oder Fragen von euch. Auf Facebook, wie die meisten wahrscheinlich schon gesehen haben, habe ich einige Highlight-Fotos hochgeladen.



Macht es gut, und bleibt sauber und gesund.

Liebe Grüsse

Roger





Letzter Eintrag vor Abreise in die Wildnis

001233, 7.16.2010 .. Link

Seid gegrüsst meine lieben Blog-Leser,

Vor der einmonatigen Funkstille möchte ich noch ein kleines Testament hinterlassen;-)

Auch die letzten Tage haben mir sehr gut gefallen. Wir ihr auf den Fotos auf Facebook sehen könnt, habe ich wieder ein paar tolle Ausflüge unternommen und habe heute Abend lecker Güggelpfote verspeisst. Haha! Auch Ziegenfleisch stand schon auf dem Menuplan. Die Kralle war aber tatsächlich "deliziöser". In der Schule ist Endspurt angesagt. Meine Lehrerin Narda hämmert mir die letzten Regeln der spanischen Grammatik in den Kopf. Unaufhörlich, gnadenlos und bis es dampft und qualmt. Aber es nützt! Ich werde von Tag zu Tag sicherer beim phrasieren.

Auf allgemeinen Wunsch möchte ich noch kurz das Thema Bier/Alkohol in Ecuador anschneiden. Das ecuadorianische Alkoholgesetz wurde vor kurzem vershärft. Das heisst, wie teilweise in den USA, Buddeln in die Tüte! Für den Jugendschutz sicherlich nichts schlechtes. Obwohl jedes kleines Kind weiss was in den Tüten ist. Naja... Leider gibt es auch hier viele Verkehsunfälle des Alkohols wegen. Diskotheken schliessen darum am Freitag um 12 und am Samstag um 2 Uhr. Naja... Ich bin ja wirklich selten im Ausgang anzutreffen, darum stört mich das kaum. 

Das meistgetrunkene Bier nennt sich simplerweise "Pilsener",  enthält eine Überdosis an Kohlensäure und schmeckt gar nicht mal so übel, kann aber geschmacklich niemals mit einem frischen, eisgekühlten Quöllfrisch mithalten. Das "Conquer", eine weitere Marke bildet die Spühlwasser-Fraktion! Und "Club", das Noble unter den Ecuadorianern schafft schon fast schweizerische Standards. Wirklisch lecker Bierschen!      

Im Urwald sol es ein spezielles Indio-Getränk geben, das mit Spucke zubereitet wird. Ich bin ja für vieles offen aber da werde selbst ich dankend ablehnen.

Ausser Fussball (aber die WM ist jetzt vorbei) schaue ich hier kaum fern. Es laufen sowieso nur oberschnulzige Seifenopern. GZSZ ist dagegen ein Actionmovie à la Bruce Willis. News aus aller Welt und der Schweiz schnappe ich im Internet. Die Luschen haben das Ölleck endlich verstaut! Wow! Und morgen kommt der Weltfrieden!

Das Wetter hier in Quto spielt weiter verrückt. Jeden Tag ergiessen sich heftige Regenschauer. So konnte ich mich wenigstens schon dran gewöhnen. Im Regenwald, wie es der Name schon sagt, wird der Himmel sicher auch jeden Tag sintflüteln. Wenigstens werden dort aber angenehme bis heisse Temperaturen wie bei euch herrschen.

Also, hiermit melde ich mich ab für einen Monat. Die Gummistiefel und reichlich Antibrumm sind gepackt und das Busticket (10 Stunden Fahrt für 10 US-Dollar!) ist gekauft.  Vielleicht werde ich ab und zu die Stadt in der Nähe meines Projekts besuchen und mich ins Internet verlaufen. Mal schauen!

Ich wünsche euch eine tolle Zeit. Lasst es euch gut gehen und wünscht mir Glück abseits der Zivilisation.

Liebe letzte Grüsse aus Quito

Roger



Geschichten aus Ecuador

210905, 7.11.2010 .. Link

Hola Amigos,

Wie ihr es aus meiner ersten Zeile entnehmen könnt, bessert sich mein spanisch von Tag zu Tag. Hehe!

Die letzte Woche Spanischunterricht steht vor der Tür. Meine liebe Lehrerin Narda, auch genannt die Unpünktlichkeit in Person, klopft mir hoffentlich nochmals kräftig Grammatik in meinen Kopf. Ich kann mich inzwischen recht gut mit den Quiteños (Einwohner der Stadt) unterhalten. Wenn mich zum Beispiel ein schlitzohriger Buskassier übers Ohr hauen will, wie praktisch jeden Tag, hat er sich den falschen Gringo ausgesucht.

Auch vom Güggel, der mich jeden Tag aus den Träumen gerissen hat, lass ich mich nicht mehr stressen. Oropax sei Dank. Trotzdem bin ich ab und zu ziemlich Müde und lasch. Ich weiss nicht genau woran es liegt. Vieleicht die dünne Luft, die Spanischgrammatik bis einem der Kopf qualmt oder eifach der Grossstadtstress. Naja... selbst wenn ich durch die Müdigkeit mal nicht so guter Laune bin, muntert mich meine tolle Gastfamilie immer wieder auf und in einer Woche werde ich der Andenmetropole Quito den Rücken zukehren und mein erstes Freiwilligenprojekt in Angriff nehmen.

Und jetzt haltet euch fest! Klein Roger geht in den Urwald! Wer hätte das gedacht? Für einen ganzen Monat werde ich mich, in einer Jungle-Lodge (www.yarinalodge.com), abseits jeglicher Zivilisation als Volutär engagieren. Die Hütten befinden sich eine Bootsstunde vom nächsten Ort entfernt, mitten im Regenwald, wo sich Kaimane, Faultiere und exotische Vögel gute Nacht sagen. Internet ist nicht! Telefon gibt es, Handyempfang wohl kaum. Ich werde versuchen, den einheimischen Jungle-Führern besser Englisch beizubringen, werde mit den Touristen Tages- und Nachttouren durch die Wald-Fluss-Landschaft unternehmen, vieles über das Leben und die Kultur im Regenwald lernen, mich in der Auffangstation um gestrandete Tiere kümmern und natürlich auch mithelfen das Reservat und die Lodge sauber zu halten. Ich freue mich sehr auf dieses Abenteuer und kaufe mir nächste Wuche noch die obligaten Gummistiefel.  

Natürlich habe ich auch die letzten 2 Wochen so einiges erlebt. Es folgen ein paar lustige und weniger lustige Anekdoten meines Alltags in Ecuador.

3 von meinen Mitschülern, haben am Freitag vor einer Woche ihren Schul-Abschluss gefeiert. Kulinarisch hochstehend und unglaublich grosszügig war vor allem das Menü, das uns unser deutscher Freund José(f) serviert hat. Weissbrot mit Avocado-Sosse. Naja! Zum Glück haben ihn die 2 Iren mit einer Art Hackfleisch-Erbsli-Herdöpfelstock-Gratin à la fad übertroffen. Ich hab noch Militär-Guetzli, Gerberchäsli und schweizer Schoggi speniert und habe somit den Goumet-Contest eindeutig für mich entschieden. Haha! Abgesehen von Essen war das Fest aber recht lustig. Wir haben am Abend vergeblich ein Museum gesucht, uns in gefähliche Strassen verirrt (passiert ist zum Glück nichts) und uns mit billigem Fusel die Lampe. Naja... Ich werde meine sympathischen Mitschüler trotzdem vermissen. Wir haben 2 tolle Wochen miteinander verbracht.  

Ich lerne die ecuatorianische Küche von allen Seiten kennen. Einen Tages beim Mittag-Essen, wo es, wie könnte es anders sein, Reis mit Kartoffeln und Nudeln gab, erwähnte ich, dass für mich das Essen eine grosse Rolle in der Kultur spiele und das ich möglichst viele Spezialitäten kosten möchte. Aus dieser simplen Redewendung entstanden schon mehr oder weniger leckere Abenteuer. Am Abend rief mich nämlich mein Gastmami Monica mit irem allgegenwärtigen:"Roooooojeeeeee!!!" runter ins Wohnzimmer und zerrte mich und die 2 Töchter aus dem Haus. 3 Kreuzungen später, standen wir vor einem Grill einer zwergenmässig anmutenden Indianerin. Und Zack hatte ich schon eineTüte gegrillter Rinder-Darm mit weissem Mais in meiner Hand. Salziger, unzerkaubarer Chätschgummi mit pampigem Popcorn würde man in der Schweiz sagen. Aber ich wollte es ja so. Gestern durfte ich eine weitere Delikatesse kosten. Monica bereitete extra für mich eine Suppe mit Rinds-Hufe zu. Ich würgte das glibbrig-knochige "Wohlfühldinner" mit einem überzeugenden "Mmmmh, wie lecker" herunter, habe dann aber dankend auf das Supplement verzichtet. Es gab ja noch fritiertes Muni-Hirn mit Zuckerglasur zum Nachtisch. Neinnein, kleiner Scherz am Rande;-) Aber grundsätzlich wird hier so ziemlich alles vom geschlachteten Tier verwertet. Weitere Episoden von "Trau dich, wenn du dich nicht zu sehr ekelst" folgen. Übrigens, Ecuador hat eine ausgeprägte Grill-Kultur. Nur sind es hier keine Bratwürste, die man brutzelt, sondern Bananen.

Unvergesslich war der Sonntagsausflug vor einer Woche. Mit dem Bus bin ich 2 Stunden ins verschlafene Dörfchen Mindo gefahren. Nach ca. 1 Stund Fahrt veränderte sich die Vegetation dramatisch. Von der wüstenähnlichen Hochtallandschaft Nord-Quitos in ein majestätisch wucherndes Nedelwald-Tobel. Wow! Ich bin endlich im Naturparadies Südamerika angekommen! In Mindo lernte ich ein dänisches Päärchen kennen und wir wanderten anschliessend gemeinsam durch den Urwald. Überall schwirrten Schmetterlinge, sangen Vögel und summten Insekten. Sogar eine kleine Biene-Maya-Schlange (schwarz-gelb gestreift) konnten wir erhaschen. Nach einer nervenkitzligen Fahrt in einer Seilbahn besuchten wir paradiesische Wasserfälle und bestaunten die farbige Blütenpracht und die mit Moos überzogenen Baumgiganten. Auf dem Rückweg wurden wir vom Regen des Nebel-Waldes (Hä?) überrascht und darum wärmten wir uns, zurück im Dorf, mit einem erfrischenden Bier wieder auf. Auf der Heimfahrt stellte sich heraus , dass die Überlandbuschauffeure keinen Deut besser sind als die urbanen. Halsbrecherische Überholmanöver, überschwängliches Kopfnicken zur Musik und Handy am Ohr gehören hier dazu, wie das Fondue zur Schweiz. Sie sind ja nur verantwortlich für das Leben von ca. 60 Leuten. Naja... 

Wie ist es eigentlich mit dem Thema Fussball-WM in Europa? Gibt es bei euch auch diese Tintenfischhysterie? Wenn man hier in Quito über die WM sprechen will, kommt man nicht um diesen ominösen Pulpo (Tintenfisch) herum. Pulpo da und Pulpo dort und der Pulpo weiss ja sowieso am besten wer gewinnen wird. Über Taktik und Spielweise wird selten ein Wort verloren. Na gut! Ich bin mir halt von meinen fussballverrückten Kumpels zu Hause anderes gewohnt. Aber der Spuk ist ja nun vorbei. Es ist im Eishockey wie im Fussball und in diversen anderen Sportarten: Die Schweiz gewinnt gegen den künftigen Weltmeister und scheidet dann sang- und klanglos nach der Vorrunde aus. Naja, Trostpreise trösten meistens nicht wirklich aber... und das ist ein grosser Aufsteller: Wir durften einen Deutschland-freien Final geniessen. An meine deutschen Leser: seid mir nicht böse! Dieser Blog ist extra für euch in Hochdeutsch verfasst.

Die Ämter hier in Quito sind auch eine kleine Story wert! Um meinen Censo (Ausländerausweis) zu bekommen bin ich zuerst 45 Minuten in einer Schlange vor dem Migrationsamt gestanden um dann ein Ticket (à la Grosspoststellen) zu ziehen. Weitere 90 Minuten habe ich seifenoperguckend und umringt von teils düsteren Gestalten, Players à la Miami Vice und stillenden Müttern im Wartsaal verbracht. Der Beamte in Polizeiuniform war dann zum Glück freundlich... aber langsam wie eine Schnecke die im Sekundenleim stecken geblieben ist. 

Ein Höhenpunkt von diesem Wochenende waren eine nächtliche, abenteuerliche Spritztour durch Quito. Zu siebt, sind wir (meine Gastfamilie und ich) ihn einen Peugeot 206 (welch Nostalgie) über Schlaglöcher und die ungeliebten Tempo-Bremser-Schwellen gebrettert. Zum Glück bin ich mindestens einen Kopf grösser als alle andern, so durfte ich vorne sitzen. Plötzlich... eine Polizeikontrolle! Ay Caramba! Pablo, Freund von der ältesten Tochter und Fahrer, hatte seinen Führerausweis nicht dabei und er müsste das Auto auch schon lange vorgeführt haben. Ich hatte eine Flasche Bier in der Hand und hätte mich nicht ausweisen können, was zu einer Nacht im Knast führen kann. Obwohl die Karre total überfüllt war, winkte uns der Polizist erstaunlicherweise durch. Rundfahrt mit Adrenalin-Rausch inklusive. Hehe! Euphorisiert von unserem Glück genossen wir den grandiosen Blick über Quito auf dem Panecillo-Hügel und schlenderten mit einem Becher Canelaza (Heissgetränk mit Zimt und Hochprozentigem) die legendäre Altstadt-Meile "La Ronda" entlang.

Gestern habe ich mein Gastmami an die Abdankung ihrer Tante beigleitet. Die katholische Prozession war ziemlich eindrücklich. Was mich überraschte war, wie lachend und gut gelaunt sich die Trauergesellschaft nach der Kirche unterhielt. Entweder war die Tante nicht sonderlich beliebt oder man geht hier erstaunlich locker mit dem Thema Tod um. Anschliessend sind wir an eine Familienzusammenkunft von Monica gepilgert. Am Anfang war es recht langweilig. Nach und nach stiessen aber immer mehr Leute dazu und die winzige Stube platzte bald aus allen Nähten. Als ein Onkel einen Beamer fürs Karaoke installierte war ich zuerst skeptisch aber was dann folgte war der absolute Brüller. Die rammelvolle Stube mutierte zum Hexenkessel als die grottenschlechten Sänger, lausig-schnulzige Latinobaladen und spanische Evergreens ins Mikrofon trällerten. Natürlich war auch ich nicht vor diesen lärmenden Jodel-Contest gefeit und übernahm souverän, mit "Yesterday" von den Beatles und 97,15 Punkten der extrem willkürlichen Computer-Skala, die Führung. Als ich "We are the Champions" ins Mikrophon schmetterte und als erster die 100 knackte, frass mir das Publikum aus der Hand. Dank der Cuba-Libre-Shots wurde die Stimmung immer bombastischer und die Wände wackelten als am Ende wurden die Songs per Zufallgenerator ausgewählt wurden und alle nur noch blöd ins Mikro kreischten. Natürlich wurde auch geschlemmt und geschnattert was das Zeug hält und eine wohlproportionierte, hübsche Latina namens Miriam brachte mir ein paar Schritte Salsa bei. Meine ersten wackligen Versuche in der Kunst des berüchtigten Latino-Flirts. Haha! Insgesamt war es ein grandioser, lustiger und ohrenbetäubender Abend mit einer weltoffenen Gross-Familie, die offensichtlich noch nie "Hemmige" von Mani Matter hörte.

Heute, bin ich mit meinem Gastpapi Fernando und meinem Gastbruder Pablo den Hausberg Quitos hochgekraxelt. Beschilderte Wanderwege? Fehlanzeige! Dafür viel Abfall in den Eukalyptus-Wäldern und streunende Hunde überall, die Fernando geschickt mit einem Stock verjagen konnte. Der fantastische Blick über der bergige Landschaft und das riesige Quito lohnte die Mühe aber alle mal und wir genossen unseren Rucksack-Zmittag mit der Sonne im Gesicht. Für mich als Grossstadt-Muffel ist es immer toll raus in die Natur zu kommen und Kraft zu tanken. Deshalb freue ich mich auch schon sehr auf die Zeit im Urwald.

Sooo, ich hoffe, dass ich euch wieder gut unterhalten konnte (Vielen Dank für die motivierenden Feedbacks beim letzten Blog) und dass ich euch meinen Alltag in Südamerika ein bisschen näher bringen konnte.

Liebe Grüsse

Roger

   

   

 

 



Neuigkeiten aus Ecuador!

231130, 6.29.2010 .. Link

Seid gegrüsst meine treuen Leser!

Seit eineinhalb Wochen bin ich nun in diesem tollen Land namens Ecuador und es gefällt mir tiptop.

Meine Gastfamilie, bestend aus Fernando (56, Lehrer), Monica (52, Projektmitarbeiterin, Hausfrau), Alejandra (23), Pablo (14), Anaí (12), den beiden Hunden Manolo (Schäfermischling), Jiji (reinrassiger Bluthund, wenn man draufsteht blutet er) und dem Hamster Killer, hat mich sehr freundlich aufgenommen. Sie sind sehr zuvorkommend, gebildet und geduldig. Wir sprechen aussschliesslich spanisch, was schon einigermassen gut klappt. Das Haus ist etwa so gross wie unseres in der Schweiz, hat Wireless-Internet und ist sonst recht Oldschool eingerichtet. Ich als Gast habe das grösste Schlafzimmer, wobei ich vermute, das ich nur darin schlafen darf, weil nebenan ein Güggel jeden morgen Punkt 6 güggerigüüt. Es fehlt nicht mehr viel und ich reiss ihm seine *nicht-jugend-freies-wort* Stimmbänder raus. Naja! Kleine Ärger müssen halt auch sein.

Was ich bis jetzt von der Stadt Quito gesehen habe, kann man durchaus mit sehenswert betiteln. Die Andenmetropole erstreckt sich über 50km von Norden nach Süden und wird von 2 Bergketten flankiert. Der Hausvulkan "Pichincha" ist über 4000m hoch. Quito selbst liegt auf ca. 2800 m. ü. M. und beherbergt ca. 3 Millionen Einwohner. Vorallem die Altstadt, wo es mehr Kirchen als sonstige Gebäude gibt ist einen Besuch wert. Die Plätze und Parks sind mehr oder weniger gepflegt und und mit vielen Statuen und Kunstwerken geschmückt. Die Hochhäuser der Neustadt sind hässlich und die meisten Wohnhäuser der Quartiere bröckeln vor sich hin und haben Risse in den Mauern, da die Erde doch ab und an bebt. Ich hab mich fast nicht mehr eingekriegt, als ich in einem Kommerztempel westlichen Standards ein Eisfeld erblickt habe. An der Wand hing sogar ein Poster mitem einem Postfinance-Topskorer drauf. Für mich: ein nostalgisches, unvergessliches Highlight! 

Auf den Strassen gibt es viele kuriose Dinge zu sehen. Eines morgens erblickte ich zum Beispiel einen Jongleur mit brennenden Fackeln mitten auf einer Kreuzung. Jeder versucht hier irgendwas zu verkaufen, seien es noch so kitschige oder nutzlose Dinge. Die neueren Busse erfüllen etwa Abgasnorm y, die anderen überschreiten z eindeutig. Will man hinter einem Bus die Strasse überqueren, wird man gnadenlos eingenebelt.

Die Schule ist streng, aber sehr lehrreich. Von Montags bis Freitags habe ich 4 Stunden Einzelunterricht. Jeden Tag lerne ich einige Fetzen mehr spanisch. Meine attraktive Lehrerin Narda ist Grund genug jeden Tag motivert mitzumachen. Ich habe hier auch schon eine paar neue Freunde gefunden. Deutsche (sie sind wirklich überall...;-), Iren, Amis und auch sogar eine Schweizerin aus Wil SG.  

Obwohl es mich schon einmal zünftig durchgeputzt hat (Dünnpfiff par excellence) muss ich sagen, das man hier durchaus fein schnabulieren kann. Ich probiere fast alles. Meine Gastmutter ist eine ausgezeichnete Köchin. Sie hat viel Ahnung von gesunder Ernährung und zaubert meistens feine Menüs. Wir sürfeln immer Suppe zur Vorspeise, mampfen Reis, Choclos (Maiskolben), Papas (Kartoffeln), Indianer-Furz-Bohnen, sonstiges Gemüse, zähes Rindsfleisch oder Poulet zum Hautgang und glibbern uns zum Dessert durch rote Götterspeise. Messer und Gabel? Fehlanzeige! Alles wird gelöffelt. Sogar das Gummisohlenfleisch muss man mit dem Löffel zerstückeln. Naja! Passt scho... Zum Zmorge gibt es frischen Saft aus exotischen Früchten, die mir vorher komplett unbekannt waren, pampige Gipfeli oder Weiss-Brötli und Chäs aus der Tupperware-Dose. Alles ganz ok, bis auf das ich mein geliebtes Zmorge-Comella vermisse. 

Erstaunlicheweise bin ich hier zum Teetrinker mutiert. Monica (mein Gastmami) braut mir jedem morgen einen Zaubertrank à la Miraculix mit frischen Kräutern. Sie trinkt aber trotzdem lieber Kaffee, denn sie insbrünstig zelebriert. Zuerst wird aus gemahlenem Kaffeepulver ein Konzentrat extrahiert, das danach mit heissem Wasser in der Tasse vermischt wird und mit ca. 2-3 Ess!löffeln Zucker verfeinert wird. Kurios und extrem süss. Ich bleib da lieber bei meinem Tee.

Das Busfahren hier in Quito ist eine Sache für sich. Man kann eigentlich ein-und aussteigen, äxgüsi, springen wann und wo man will. Eine Fahrt kostet 25 Cent (US-Dollar) egal ob man 50 Meter oder 50 Kilometer (ca. die Länge der Stadt) fährt. Sitzplätze sind am morgen unmöglich zu ergattern und die Busfahrer brettern unerbittlich über die löchrigen Strassen. Man muss sich also ganz schön festhalten. Und wäre das nicht schon genug, muss man auch extrem aufpassen, dass einem nichts aus dem Hosensack stibitzt wird. Für mich Morgenmuffel ist dieses Multitasking ganz schön heftig und die bunte Innendekoration der Busse blendet prekär. Dazu läuft fetzige oder total schnulzige Latino-Musik. Ich muss mich zuerst noch an dieses Ramba-Zamba-Ding am morgen gewöhnen.

Letzten Donnerstag haben wir mit der Schule einen Ausflug gemacht. Das kleine Indianer-Städtchen Saquisili liegt ca. 2 Stunden südöstlich von Quito. Jeden Donnerstag herrscht auf den Marktplätzen reger Betrieb. Es ist gefeilscht, getauscht, gebrutzelt, gemetzget, getanzt, musiziert, gebastelt, gestrickt und geschnitzt worden was das Zeug hält. Das Angebot an Waren war atemberaubend. Hühner- und Schrumpfköpfe, indigenes Kunsthand, Kleidung, Autoteile, Tiere (Kühe, Esel, Güggel, Meersäuli, Ente, Chüngel...), exotische Früchte und Gewürze, Gemüse, Fleisch undundund. Tierschutz? Reden wir nicht darüber... Trotzdem war es ein lässiger Besuch der indigenen (indianischen) Art.

Ich bin auch schon auf dem Äquator balanciert. Die fast schon lächerliche Touristenstadt "Mitad del Mundo" oder "Hälfte der Welt" liegt ca. 20 km nördlich von Quito. Aus verkehrstechnischen Gründen hat die Regierung den Obelisken ca. 200m neben dem Äquator gebaut. Es gibt 4 6x6m grosse Pavillons mit Austellungen die man sich sparen könnte, eine paar Restaurants, Souvenirs und ein Planetarium, das alles andere überstrahlt. Naja... Ich war da! Das herzige Freiluft-Museum "Inti-ñan", das sich gleich neben dem protzigen Touri-Bloost befindet und GPS-berechnet auf dem Äquator liegt, hat mir den Tag dann allerdings gerettet. Hier werden einige physikalische Phänomene des Äquators einfach aber eindrücklich vorgeführt. Zum Beispiel die Geschichte mit der abfliessenden Wasser. 2m südliche des Äquators strudelt es im Uhrzeigersinn aus der Wanne. 2m nördlich gegen den Uhrzeigersinn. Und auf dem Äquator strudelt es überhaupt nicht. Erstaunlich! Ausserdem wird einem die Kultur und Gebräuche der Ureinwohner Ecuadors nähergebracht.

Fotos zu diesem Bericht findet ihr allerdings auf meinem Facebook-Profil, da mir dieser Blog nur lächerliche 50MB zur Verfügung stellt.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch in den Juli und hoffe, dass ihr alle gesund und munter seid. Lasst es euch gut gehen.

Liebe Grüsse aus Quito

Roger 

ps: Italien ist draussen! Hahahahahaaaa! Fehlen nur noch die Gummihälse und die WM ist gerettet;-)

 

 

 

 

 



Bienvenidos en el Ecuador!

231150, 6.20.2010 .. Link

Liebe Freunde in aller Welt,

Nach ca. 30 Stunden Reise, mit unerwarteter Übernachtung in Amsterdam (das Flugzeug hatte technisch Probleme) bin ich gut in Ecuador gelandet. Monica und ihr Sohn Pablo, die am Flughafen in einer riesigen Menschentraube auf mich warteten, habe ich danke eines Schildes mit meinen Namen drauf, ohne Probleme gefunden. Nach einer turbuleten Taxifahrt wurde ich von der kleinen Anai (12) dem Hund Manolo und dem Hündchen Jiji herzlich in meinen neuen, vorübergehenden zuhause empfangen. Später kam auch noch Fernando, der Herr des Hauses, dazu. Mein erster Eindruck ist durchwegs positiv. Die Familie ist sehr zuvorkommend, freundlich und aufgeschlossen. Im Haus herrscht ein grosszügiges Platzangebot.Es hat kabelloses Internet und mein Zimmer ist überraschend gross und mit einem Doppelbett ausgestattet. Leider ist es schlecht isoliert und darum erleide ich öfters einen Gänsehaut-Anfall (10 Grad drinnen und draussen). Ab der morgigen Sonnenwende sollte das Wetter, laut Monica aber wärmer werden. Neben ihrer Wetterfrosch-Qualitäten ist sie auch eine gute Köchin. Es gibt exotische Salate und Früchte, Gummisohlen-Fleisch, dass aber sonst gut schmeckt und selbstgemacht Pommes oder Reis. Der Dünnpfiff blieb bis jetzt zumindest gänzlich aus. Hehe! Das mit dem Spanisch klappt auch schon einigermassen. Ab und zu muss ich halt im Dix umhergischpeln wenn mir ein Wort fehlt, aber alles in allen verstehe ich schon recht viel.  Heute Abend waren noch andere Familien-Mitglieger auf Besuch. Eine lustige Laferi-Runde mit frischem Käse in Blätter eingewickelt und Kaffekonzentrat (flüssig) das man mit heissem Wasser vermischt. Extravagant aber gar nicht so schlecht mit 2,3 Löffeln frischen Ecuador-Rohrzucker;-) Für den Lacher des Tages sorgten heute die italienischen Fussballer. Was für ein Genuss, dieses Unentschieden gegen Neuseeland! Für einmal lasse ich die rosarote Karte stecken. Hehe! 

Morgen gehts dann los mit Spanisch-Intensiv-Büffeln. Leider verpasse ich darum wahrscheinlich den grandiosen, ungefährdeten Sieg (ich bin jetzt mal optimistisch;-) der Scheiz gegen Chile. Mal suerte oder auf Deutsch: Pech gehabt. Naja! Trotzdem: Hopp Schwiiz!!!

Also, nun wisst ihr das ich gut in Ecuador angekommen bin und mich schon recht gut eingelebt habe.

Macht es gut und hasta luege de Quito!

Roger 



Vor Abflug

111156, 6.1.2010 .. Link

Herzlich willkommen auf meinem Blog!

Nur noch 17 mal schlafen und dann geht es ab nach Ecuador. Die Vorfreude ist gross, genau so wie der Respekt vor dem fremden Land. Aber es wird sicher alles gut kommen. Ich bin positiv eingestellt und nehme es so wie's kommt.  

Nun gilt es noch alles einzupacken, Freunde und Familie zu verabschieden und alles zu erledigen was noch zu tun ist.

Ich freue, wenn Du meinem Blog ab und zu besuchst und wünsche Dir viel Spass beim lesen und Fotos anschauen.

En liebe Gruess

Roger

 



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