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21 March 2012 - BYE BYE INDIA

Erlebe Indien...


Indien hat sich mit zwei architektonischen Höhepunkten von seiner besten Seite gezeigt.

Taj Mahal in Agra und der Goldene Tempel von in Amritsar. Zwei bezaubernde Bauwerke, welche nicht nur durch ihre Architektur bestechen, sondern durch die spezielle Atmosphäre verzaubern und in ihre Bann ziehen!

Taj Mahal, ein Traum in Weiss.


Goldener Tempel, eine Pracht in... - wer errät es - Gold.

 

Am Ende des zweiten Tages in Amritsar spürte ich: Es ist Zeit die Heimreise anzutreten. Alles in und an mir ist bereit dafür. Gründe gibt es viele! Ich möchte einige nennen:

Erstens habe ich tausende neue, herrliche und interressante Eindrücke gesammelt

Zweitens hatte ich 5 Monate lang Freiheit, frei von Erwartungen mir gegenüber

Drittens bin ich müde, nach den 14 Tagen Sightseeing in Rajastan

Viertens habe ich keine Energie mehr für die vielen, hilfsbereiten aber auch aufdringlichen indischen Leute

 

Zusammengefasst: Ich bin müde. Ich mag nicht mehr viel Neues aufnehmen. Ich bin glücklich, ab den vielen gewonnenen Erfahrungen und Eindrücken. Ich freue mich sehr auf Familie und Freunde zu Hause und alles mir Wohlbekannte. Ausserdem freue ich mich nicht mehr nur aufzunehmen, sondern auch zu geben, zu leisten, zu arbeiten und Erwartungen zu erfüllen. Seit wenigen Tagen weiss ich, dass ich bald nach meiner Rückkehr bis zu den Sommerferien 4 Tage in der Woche in meinem alten Schulquartier Feldli-Schoren in St.Gallen und 1 Tag in Arbon unterrichten kann. Perfekt!

 

Somit war ich also bereit für meinen letzten Indientag: 9-stündige Eisenbahnfahrt von Amritsar nach Delhi. Das war gestern.

Und wie sich herausstellte, war es ein Indientag par Excellence!

 

Erlebe Indien:

Da der Zug aufgrund eines Streiks 4 Stunden verspätet in Amritsar abgefahren und Delhi angekommen ist, war es natürlich bereits 9 Uhr abends und stockdunkel... Hab die Metro schnell gefunden und bin bei der Haltestelle ausgestiegen, in deren Nähe alle Flughafenhotels sind, somit auch meines.

Dann hat das Suchen angefangen. Ich habe etwa 20 Leute gefragt, niemand wusste wo es war. Alle Autorikschadriver wollten mich hinfahren, wussten aber nicht wohin. Ich bekam einige Wegbeschreibungen, die sehr bestimmt klangen, aber nicht ans Ziel führten =) "India live", habe ich verzweifelt gedacht... Schliesslich konnte der Receptionist einem hilfsbereiten Passanten über Telefon erklären, wo ich ungefähr duchlaufen musste. Nachdem ich noch einmal 2 Leute gefragt habe, stand ich dann vor dem Hotel!

 

Todmüde, aber glücklich, das Hotel gefunden zu haben und freundlich empfangen worden zu sein, schloss ich die Zimmertür und musste gleich einmal eine Weile laut lachen. "Bravo, geliebtes Indien, das war ein toller Abschlusstag!"

 

 

Jetzt bin ich in Singapur angekommen - kein Kulturschock, eher eine Kulturfreude! Alles ist sauber, die Metro funktioniert klar ersichtlich nach einem System und ist auf Plan festgehalten, Wegweiser machen einem das Suchen einfach und sogar die Strassen haben Namensschilder! Einfach herrlich und alles so einfach! Hier ist das Reisen ein Kinderspiel, - wenn auch um einiges teurer! ;-)

Beim Verlassen der Metrostation, war ich mir nicht sicher, ob ich auf der richtigen Strassenseite war. Ich fragte gleich den erstbesten jungen Asiaten nach der Smithstrasse, wo sich mein Hostel befindet. Beim Erwähnen des Strassennamens machte er ein ratloses Gesicht. Ich glaubte schon zu erfahren, dass die Leute in Singapur nicht weniger hilfsbereit und hilfseireich seien. Aber was zweites anbelangt, so hatte ich mich geirrt! Schnell zog er sein I-Pad hervor, öffnete Google Map und zeigte mir innert wenigen Sekunden auf welcher Strasseseite ich stand, in welche Richtung ich gehen musste und bei der wievielten Strassenkreuzung ich nach links abbiegen musste! *Ich war hoch erfreut und erst einmal sprachlos!*

 

 

Jetzt sitze ich in der Sittingaerea des Hostels, schreibe meinen letzten Blogeintrag und geniesse das prasselnde Geräusch des Regens an der Fensterscheibe. Mir wird bewusst, dass ich für mehr als 3 Monate keine richtigen Regentropfen mehr gesehen habe! Herrlich!!!!!

Das Hostel habe ich mit Bini ausgesucht! Er fühlt sich hier total wohl. Kein Wunder bei diesem Namen: "Beary nice"


Überall sitzen Binis Freunde. Bini ist natürlich der Star unter den Bären im Hostel. Hat er doch so viele Abenteuer zu erzählen, der Kleine aus der Schweiz!


 

Die nächsten 4 Tage, werde ich mich wieder an eine geordnete, pünktliche Lebensweise gewöhnen, in der Zeit eine andere Bedeutung hat. Einen grösseren Gegensatz zu Indien hätte ich mir mit Singapur wohl nicht aussuchen können dafür =)

 

 

In dem Sinne: bärisch nette Grüsse aus Singapur und ich freue mich tierisch auf euch alle in der sauber geordnete Schweiz, in der man sich auf Informationen und Auskünfte verlassen kann.

Ausserdem freue ich mich auf Raclette, Berge, Verkehrsregeln, Schnee und den Frühling...

 

See you soon*

 

Su

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13 March 2012 - HOLI

Indien, Land der Farben - Holi

Hätte mich vor einer Woche jemand gefragt, welches DIE Farbe Indiens sei, so hätte ich mich nicht für eine einzige entscheiden können. Gelb wie die Turbane? Rot wie die Saris? Blau wie die Häuser in Jodhpur? Grün wie Bhindi, mein indisches Lieblingsgemüse? Braun wie der trockene Boden? Orange, die Farbe Hanumans des Affengotts?

Es war mir unmöglich nur eine Farbe zu nennen.

Seit 4 Tagen kann ich die Frage aber ganz klar beantworten: Die Farbe Indiens ist ROSA!

Happy Holi, hiess es am 8.März. In ganz Indien wurde der Frühling mit Farbe gefeiert. Wer die Strasse betrat, war nach kurzer Zeit mit Farbpulver bepudert. Rot, gelb, grün, blau, orange verwandelten alle Menschen mitsamt Kleidern und Haaren in farbenfrohe Gestalten. Da mir von einigen Leuten abgeraten wurde, sich als Frau alleine unter das Volk zu mischen, blieb ich mit Mami und Silvia im Hotel. Von der Dachterrasse aus konnte man gut das Treiben auf der Strasse beobachten.

Ich war gerade daran ein Mail zu schreiben, als aus dem Innenhof freudige Rufe und Gelächter drangen. Durch das Fenster konnte ich beobachten, wie sich junge Männer mit Farbpulver und gefärbten Wasser bewarfen. Mit der Kamera bewaffnet verliess ich mein Zimmer, um ein paar gute Bilder zu schiessen.

„Come on, join us!“, riefen die farbigen Spieler. Nach anfänglichem Zögern konnte ich nicht wiederstehen. Ich lief zurück, legte meine weissen Legins und das Tuch ab und erschien dann wieder am Rand des Spielfeldes. Das Spiel und die Regeln wurden mir erklärt. Ziel war es, rotes Wasser mit einem kleinen Becher über den Rücken anderer Spieler zu leeren.

Das schien mir sehr einfach und harmlos. Ich stieg in das Spiel ein und spritzte kräftig Wasser. Allerdings merkte ich schnell, dass es nicht einfach um friedliches Wasserspritzen ging. Das wirkliche Ziel war, sich von hinten an einen unaufmerksamen Spieler anzuschleichen, um dann mit möglichst viel Kraft das Wasser über seinen Rücken zu schleudern, so dass es wie eine Peitsche wirkte und ein Brennen auf dem Rücken des Opfers zurückliess. Schon nach kurzer Zeit war ich klitschnass und rot von Kopf bis Fuss vom gefärbten Wasser und dem zusätzlichen Pulver. Es hat richtig Spass gemacht! Eben HAPPY HOLI…

Nach einer halben Stunde fror ich allerdings erbärmlich. Meine langärmligen Kleider klebten am Körper und jedes kleine Lüftchen liess mich erschauern. So gab ich meine Wasserwaffe ab und zog mich in den Schutz meines Zimmers zurück. Vor Kälte zitternd entledigte ich mich meiner Kleider und stand unter die warme Dusche. Das Wasser um mich herum färbte sich augenblicklich rot. Ich schrubbte und spülte, trocknete mich ab und schaute in den Spiegel. O Schreck, immer noch alles rot! Meine Haut beunruhigte mich weniger, ich war mir sicher, die Farbe würde mit einem erneuten intensiven Schrubben verschwinden. Was mir aber Sorge machte, waren meine Haare. Da ich vor meiner Abreise nach Indien meine Rottönung loswerden wollte, machte ich eine Blondierwäsche. Das heisst, die roten Farbpigmente wurden entfernt. Mit ihnen aber auch die natürlichen Farbpigmente. Somit war mein Haar richtig blond und durch die aggressive Farbentfernung auch etwas trocken und spröde. Dank monatelangem Waschen mit Balsam und Haarbutter, hatte es endlich wieder etwas an Stärke und Glanz erlangt… Doch schaute ich jetzt in den Spiegel, so erblickte ich eine erbärmlich wirkende rothäutige mit rosa Haaren. Schrecklich! Ich versuchte mich zu beruhigen. Mit mehrmaligem Waschen würde ich die Farbe schon rauskriegen! Aber ich konnte waschen und schamponieren so oft ich wollte. Das Wasser färbte sich nicht mehr rot. Das bedeutete auch, dass keine Farbe mehr aus den Haaren rauskam! Sh**!!!

Erst fluchte ich! Dann weinte ich! Es half alles nichts… Dann gab ich Mami die Apothekenschere mit dem Auftrag den schlimmsten Teil abzuschneiden. Wie sie mir aber klar machte, hätte das eine Kurzhaarfrisur bedeutet… Ich solle doch erst mal die Haare trocknen lassen und dann nochmal in den Spiegel werfen, redete sie mir gut zu. Auf eine Kurzhaarfrisur hatte ich keine Lust, ausserdem war Mami nicht auf Frauenkurzhaarfrisuren spezialisiert und die Schere war auch nicht optimal dafür. So blieb mir also nichts anderes übrig, als die Haare trocknen zu lassen.

Da ich mich auf das Schlimmste gefasst machte, fiel der gefürchtete Blick in den Spiegel dann etwas harmloser aus, als erwartet. Nachdem ich mir Fransen geschnitten hatte, konnte ich zum Glück nur wenig rosa in meinen Haaren ausmachen. Der rosigste Teil war an meinem Hinterkopf und der blieb mir zum Glück bei einem geraden Blick in den Spiegel verborgen… Ich realisierte, dass es von jetzt an zwei Möglichkeiten gab, wie ich meine Haare trug: 1. Haare zusammen binden und Schal über den Kopf. 2. Haare offen tragen und mein Outfit auf die Rosapracht abstimmen. Beides schienen mir akzeptable Lösungen.

Aber trotzdem: Happy Holi blieb nicht lange happy Holi und hatte leider zu früh einen unhappy Beigeschmack…

Mittlerweile habe ich mich etwas an den edlen Rosenschimmer in meinem Haar gewöhnt. Mir ist eingefallen, dass ich als Kind lange eine Barbiepuppe gewünscht habe, welcher man die Haare rosa färben konnte. Mit derselben Farbe konnte man sich auch Farbsträhnen in die Haare machen. Ich fand das unheimlich toll! Weder Puppe noch Farbe habe ich je gekriegt… Aber jetzt 15 Jahre später… Besser spät, als nie – würde eine Optimistin jetzt sagen, oder?

 

Also, lasst euch sagen: Die Farbe Indien ist ROSA.

 

 

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13 March 2012 - BIHAR UND RAJASTAN


Danke Grossmuetti für den feinen Bröcklichueche!
Ich habe ihn in Pushkar genossen!


Making friends in India

 

 

 

 

Kennst du das Gefühl, nach einem leckeren Essen zufrieden zurück zu lehnen und das leichte Völlegefühl zu geniessen?

Kennst du auch das Gefühl, nach einem leckeren Essen zufrieden zurück zu lehnen, obwohl man viel zu viel gegessen hat? 

Aber kennst du auch das Gefühl, mit einem vollen Bauch vom letzten Essen, vor einem lecker riechenden Buffet zu stehen und anstelle von Appetit eher leichte Übelkeit zu verspüren? So ist es mir zweimal ergangen während den vier Tagen in Patna und Umgebung. Beklagen möchte ich mich aber nicht! Im Gegenteil, ich habe diese Tage sehr genossen. Hunger habe ich kein einziges Mal verspürt während dieser Zeit und auch über zu wenig Aufmerksamkeit konnte ich mich nicht beklagen!

Am 26. Februar wurde ich von Gyan Sing und seinem Neffen in Patna am Bahnhof abgeholt. Gyan ist der Grossvater meiner Aupair-Familie aus England und kommt ursprünglich aus einer Nachbarstadt von Patna (Nähe Varanasi). Da er zurzeit Ferien in seinem Herkunftsland macht, vereinbarten wir ein Treffen und er erklärte sich gerne bereit MIR  SEINE alte Heimatstadt und Umgebung zu zeigen. Schlussendlich lief es aber ebenso darauf hinaus MICH  SEINER Heimatstadt und Umgebung zu zeigen! =)

Meine Anwesenheit (eine weisse Blonde aus der Schweiz) sprach sich schnell herum. In den vier Tagen besuchten wohl so viele Verwandte und Freunde das Haus von Gyans Neffen , wie seit der Beerdigung seines Vaters nicht mehr. Zudem konnten wir uns vor Teeeinladungen fast nicht mehr retten. Gyan verwaltete aber die Teedates gekonnt und so beschränkten wir uns auf etwa 6 Tee pro Tag. Mein Problem war, dass ich nicht wirklich über den Tagesplan Bescheid wusste. Oder besser gesagt, dass sich dieser dauernd wieder änderte. So hatte ich Mühe meine Energie- und Hungerreserven sinnvoll auf den Tag zu verteilen.

Zum Hunger: Als besonders „tricky“ erwies sich die Tatsache, dass zu jedem Tee (mit Milch und Zucker) noch Snacks serviert wurden. Vom Moment, in dem ich mein Zimmer verliess bis ich es wieder betrat, gab es wohl keine vollen zwei Stunden, in denen ich nichts gegessen habe. Samosa, indische Teiggebäcke, Chips und Sweets füllten die Tische. Genauso erstaunt wie ich beim Tauchen über mein Lungenvolumen war, überraschte mich jetzt mein Magenvolumen. Aber wie auch die Lungen hat der Magen ein Limit und dieses war am 2.Abend erreicht. Nach einem kulinarisch angenehmen Morgen, jagte am Nachmittag ein Tee- und Snacktermin den nächsten. Um 18 Uhr war ich bereits so voll, dass ich mich am liebsten ins Bett gelegt hätte, um bis am nächsten Morgen nicht einmal von Essen zu träumen! Aber ich hatte noch ein Abendessen vor mir. Mit etwas mulmigem Gefühl sass ich um 20 Uhr vor 6 Schüsseln Gemüse, Fleisch, Reis und Chapati (Brot), als wir uns plötzlich vom Tisch erheben mussten, um in der Nachbarwohnung noch einen Apérotee zu trinken – mit Snack, versteht sich! Wie ich das (natürlich trotz allem sehr leckere) Essen in meinen Bauch gekriegt bevor ich ein drittes und viertes Mal Nachschöpfen abwehren konnte, weiss ich nicht mehr genau. Auf jeden Fall war ich nach dem Essen völlig geschafft.

Das beste Rezept in Indien gegen vollen Magen: Spät aufstehen und früh zu Bett gehen, wenn möglich. So verkürzt sich die Essenszeit =)
Gute Vorsätze, wie zum Beispiel nur einmal schöpfen, sind nutzlos. Erstens sind die Inderinnen und Inder zu charmant oder beharrlich und zweitens ist das Essen einfach zu gut!

 

 

 

 

Zur Energie: Eines weiss ich jetzt definitiv. Während vier Tagen VIP zu sein ist sehr anstrengend! Überall wo du hinkommst drehen sich die Köpfe nach dir. Sind die Leute genug mutig oder neugierig, wollen sie mit dir sprechen. Sind sie zu schüchtern sprechen sie über dich. Manche Leute tun beides. Eine Hürde zum ungezwungenen Gespräch stellte die Sprachschwierigkeit dar. Einige Verwandte und Freunde sprachen ganz akzeptabel Englisch. Andere beherrschten nur wenige englische Worte. Zur Verständigung anerbot sich demnach die Zeichensprache oder… Hindi.
Sehr zur Freude aller Anwesenden testete ich meine spärlichen Hindikenntnisse.

„Mera nam Susanne hai“ (Ich heisse Susanne)

„Apke nam kia hai?” (Wie heissen Sie?)

“Me Switzerland se.” (Ich bin von Schweiz.)

“Ap gaise hai?” (Wie geht es Ihnen ?)

 

Nie hätte ich mir gedacht mit so wenigen Worten so viel Begeisterung hervorzurufen. Um noch etwas Sympathie zu gewinnen schloss ich an:

„Mujhe India bohut passand.“ (Mir gefällt Indien sehr.)

„Indian khana bohut achcha!“ (Indisches Essen ist sehr gut!)

„Apke ghr bara hai, sundar hai!“ (Sie haben ein schönes grosses Haus!)

 

Usw. Was das Essen betraf, so gehörten folgende Wörter schnell zu meinem Vokabular: „Thora sa, thora sa. (Nur ein wenig), „Bas!“ (genug), „cattam!“ (fertig), „bohut achcha!“ (sehr gut), „Mujhe nehi bhuk laga hai!“ (Ich habe keinen Hunger)

 

Am meisten Freuden hatten sie am Satz: „Me Hindi sikti hum.“ (Ich lerne Hindi)

Doch der Satz hatte seine Tücken. Denn auf ihn folgte immer ein Schwall Hindi-Wörter und Sätze, von welchen ich nicht das Geringste verstand. Als Primarlehrerin und Benutzerin des französischen Lehrmittels „envol“ weiss ich um viele bewährte Strategien eine Fremdsprache zu verstehen. Meine Lieblingsstrategie: „Intelligentes Raten.“ Ich versuchte mein Glück und beantwortete auf Hindi oder Englisch ihre Fragen. Ich weiss nicht, ob mein Raten immer so intelligent war, auf jeden Fall rief es meistens heiteres Lachen hervor!

 

Da schnell allgemein bekannt wurde, dass ich in der Schweiz als Primarlehrerin arbeite, häuften sich auch die Einladungen, Schulen zu Besuchen. Auch dort wurden wir jeweils mit  Tee im Büro der Schulleitung begrüsst, bevor wir einen Rundgang durch die Schulen starteten. Alle empfanden es als grosse Ehre, so hohen Besuch aus Europa zu empfangen. Ich kam mir vor, als wäre ich Vorsitzende des Bildungsdepartements der Schweiz, so VIP-mässig wurde ich empfangen… Ich gab mir Mühe einen guten Eindruck zu hinterlassen =)

 

 

 

 

Die vier Tag waren streng, aber ebenso wertvoll und spannend. Ihre Gastfreundschaft war unglaublich herzlich. In kurzer Zeit habe ich mehr Einblicke in die verschiedene indische Haushalte erhalten, als in den 2 Monaten zuvor. Auch die Eindrücke, welche ich nun in zahlreichen Schulen gewinnen konnte, waren interessant und prägend.

Dank Gyan habe ich vier Tage authentisches Indien erlebt. Unterwegs als eine Freundin, nicht als eine Touristin… ein grosser Unterschied. Barah, Gyans Heimatstadt, Nawada, Ruinen einer Universität für 10‘000 Studenten und Bodgaya, der Erleuchtungsort Buddhas… Egal, immer mit einem ortskundigen, unaufdringlichen, informativem Guide. Danke Gyan!

 

 

 

 

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Rajastan, der Wüstenstaat mit Palästen und farbigen Kleidern

 

 


Hier finde ich nun das Indien, in wessen Fotos ich mich vor einigen Jahren verliebt habe. Trockene, warme, sandfarbene Landschaft mit Frauen in bunten Saris, die in stolzer Haltung Waren auf dem Kopf balancieren. Die Landschaft ist mehrheitlich karg. In mühsamer Arbeit wird Wasser aus tiefen Brunnen an die Oberfläche gebracht, um die Felder zu bewässern.

 

 

 

 

In den Städten sind künstliche, oder halbkünstliche Seen zu finden, die ihre Umgebung zu einer fruchtbaren Oase werden lassen. Märchenhafte Paläste zieren die Strassen. Mächtige Forts überragen die Häuser. Prächtige Handelshäuser und Tempel mit aufwendigen Steinschnitzereien lassen sich bestaunen.

Rajastan ist klar die Gegend mit den meisten ästhetischen Höhepunkten auf meiner ganzen Reise. Jeder Tag bietet neue Überraschungen. Ich komme aus dem Staunen kaum heraus.

Aber anstatt nun drei Seiten lang zu schwärmen, zeige ich euch am besten einige Bilder…

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 








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Ausserdem geniesse ich beste Gesellschaft. Mit Mami und ihrer Arbeitskollegin Silvia zu reisen ist eine Freude! Wir geniessen neben all den grossartigen landschaftlichen und kulturellen Eindrücken auch leckeres Essen und einzigartig, authentische, z.T. palastartige Hotels. Wieder einmal mehr werden mir die enormen Unterschiede bewusst, wenn ich die jetzigen Unterkünfte mit denen vor einer Woche vergleiche…

 


Indien,…

Land der Unterschiede,

Land der Superlative,

Land der Gerüche,

Land der Farben,

Land der Religionen,

Land der Kühe,

Land der vielen Menschen


 


Eine Taxifahrt in Kolkata

 

 

Ich brauche nur meine Hand zu heben und schon hält ein Taxi am Strassenrand. „Flowermarket“, sage ich. „100 Rupees“, sagt er. Ich lache. Weiss ich doch, dass die Fahrt zum Blumenmarkt rein von der Distanz her nicht mehr als 60 Rupien kosten sollte. Also antworte ich: „Non o! Taxometer“. Er schaut mich grossen Augen an. „Taxometer“, wiederhole ich. Er zögert und schüttelt dann den Kopf. Immer dieses Kopfschütteln. Heisst das nun Ja oder Nein? Da sich das Taxi aber nicht in Bewegung setzt, deute ich das Kopfschütteln als ein Ja. Ich setze mich auf die Rückbank, er setzt den Taxometer in Bewegung und das Taxi gliedert sich in den stockenden Verkehr. Nach fünf Minuten stockender, hupender Fahrt hält er bereits an. Weit gekommen sind wir noch nicht, der Flowermarket ist weit und breit nicht zu sehen. „Just two minutes, you wait here“, sagt der Fahrer und macht Anstalten das Taxi zu verlassen. „Ticke, ok, but please stop the taxometer!“, antworte ich. Seinen Chai, den er sich am Strassenrand holt möchte ich nicht mit dem laufenden Taxometer bezahlen. Ausserdem entsprechen 2 indische Minuten mindestens 6 wenn nicht sogar 10 schweizer Minuten.

Nach dem Morgenchai setzt sich der Fahrer wieder hinters Lenkrad, der Taxometer  und das Taxi in Bewegung. Wir fahren auf eine Kreuzung zu. Die Ampel steht auf rot. Der Fahrer hupt und wir passieren die Kreuzung. War da eben noch rot? Unser Blinker zeigt dem Fahrzeug hinter uns einen Richtungswechsel an. Wir biegen links ab. Ein Schild steht mitten in der Strasse: „No Entry“. Gekonnt kurvt unser Taxi um das Schild. War da eben ein No-Entry-Schild? An Ende der Strasse stehen 8 Polizisten in weissen, stolzen Uniformen. Ein Polizist weist gestattet uns den Vortritt. Die anderen 7 schauen zu, schwatzen oder stehen lässig mit einer tollen Sonnenbrille am Strassenrand. Die folgende Strasse ist gesäumt mit Gemüsehändlern, die ihre Wahre auf einem Tuch anbieten. Das Taxi fährt eine Handbreite an den Karotten und Zwiebeln vorbei. Mmhh. Wo esse ich heute mein Gemüsecurry?

„Flowermarket“, sagt mein Fahrer und hält an. Ich bezahle 50 Rupien (beinahe 100  Rupien, jaja!) und steige aus. Von der Brücke aus schaue ich auf den Blumenmarkt. Dieses Getümmel! So viele Menschen! Soll ich mich da wirklich hineinwagen? Ich flechte meine Haare zu einem Zopf, werfe mir den Schal über den Kopf und stürze mich ins Getümmel…

 





Glenburn Tea Estate – Teatime

 

 

 

 

“Welcome to Glenburn” begrüsst mich Najma Ahmed, eine zierliche Inderin aus dem Assamgebiet, und legt mir einen Kata (Begrüssungsschal) um den Hals. „How was your journey? You must be tired! Please try our Glenburn Ice Tea and have a seat while our staff brings your luggage in your room.” Ein Angestellter hält mir ein Silbertablett mit Spitzentuch und einem Glas diskret vor die Nase und ehe ich mich versehe sitze ich mit einem erfrischenden, hausgemachten Ice Tea in einem bequemen Korbstuhl auf der Veranda des Hauptpavillions. Zwei weitere Angestellte verschwinden mit meinem Gepäck Richtung Nebenpavillon. Jetzt wird mir klar, warum mein Fahrer 2 Minuten bevor wir vor dem Haus vorfuhren zum dritten und letzten Mal telefonisch Bericht erstattete, wo wir uns befinden. Das erste Mal meldete er sich bei der Hausherrin nachdem er mich nach 20 minütiger Suche am Bahnhof New Jalpaiguri endlich gefunden hatte. Die 20 Minuten erschienen mir ziemlich lange, musste ich doch mindestens 10 Taxifahrer und bettelnde Frauen, Männer, Kinder und Hunde abwimmeln. Ich wurde mir bewusst, wie schroff ich mittlerweile in solchen Situationen mit den Menschen rede. Aber nach 2 Monaten Indien habe ich gelernt, dass die Leute in solchen Situationen ein Lächeln nicht als warme Geste, sondern Schwäche und Chance erkennen. Trotzdem plagte mich das schlechte Gewissen, als ich mich auf die Rückbank des modernen, gut gefederten Jeeps setzte, um in die teuerste Unterkunft zu fahren, welche ich mir auf der 5-monatigen Reise leisten würde. Ich beruhigte mein Gewissen in dem ich mich an den armen Mann in Kolkata erinnerte, der mich um Essen für seine Kinder bat. Da ich mir vorgenommen hatte kein Geld, sondern Essen zu spenden, willigte ich nach kurzem Zögern ein. Er brachte mich zu einem Kiosk und ich bezahlte ihm teure Kindernahrung in einer Büchse. Natürlich wurde mir schnell klar, dass er sobald ich im Taxi sitze, die Nahrung beim selben Kiosk wieder gegen das Geld eintauschen würde… Aber ich brachte einmal mehr die Energie und Härte nicht auf das Geld zu verweigern. Der wieder aufflammende Ärger über dieses Gefühl „für dumm verkauft, reingelegt, ausgenommen zu werden“ verdrängte mein schlechtes Gewissen an diesem Morgen hart und unnachgiebig geblieben zu sein. Die gute Laune des Fahrers und das Picknick an einem Aussichtspunkt nach 2-stündiger Fahrt stellten mein Wohlbefinden wieder ganz her. Lieblich zubereitete, leckere Sandwiches, Früchte und Kuchen, dazu warmen Tee in einer Keramiktasse mit Unterteller wurden vom Fahrer aus dem Picknickkorb gezaubert. Ich war auf dem Weg in den Himmel!

 

1 Stunde später sitze ich also nun in diesem weichgepolsterten Korbsessel und glaube dem Himmel noch ein Stück näher gerückt zu sein. Nachdem ich mein Glas genüsslich leer getrunken habe führt mich Najma zum Nebenpavillon, dem Water Lilly Pavillon.

 

 

 

 

Auch dieser Pavillon hat eine grosse Veranda mit Korbstühlen unter welchen schwarze und weisse Steinplatten ausgelegt sind. Genau wie auf den Fotos auf dem Internet, welche ich mir immer und immer wieder angeschaut habe. Auf die Fotos bin ich gestossen, als ich eine Unterkunft für Darjeeling gesucht habe. Wer meine Wohnung besucht hat oder meine Zimmereinrichtung in St.Gallen kennt, weiss, wie gerne ich Tee trinke. Daher war für mich schon lange klar, sollte ich das indische Visum erhalten, stände Darjeeling ganz weit oben auf meiner „To visit – Liste“. Und hier bin ich nun. Glenburn Tea Estate seit 1860. Zwei Pavillons inmitten grüner Teeplantagen. Ich frage mich in welches der individuell eingerichteten 8 Zimmern Najma mich führen wird. Gewünscht hatte ich mir die „Simbong Butterfly Room“, aber ich wusste aus dem Internet, dass sich dieses Zimmer im Hauptpavillon befindet. Das fiel also schon mal weg. Blieben noch… „Camelia Suite, this is your room. At 1.30 we serve lunch on the veranda of the Main Pavillon. There will be four more guests having lunch with you. If you require anything, don’t hesitate to ask any member of the staff. Now take your time to relax…”

 

 

 

 

Die Tür schliesst sich hinter mir. Ich stehe in einem grossen, hellen Raum. An den weissen Wänden hangen Vogelbilder mit Goldrahmen, auf dem Holzboden liegen zwei grüne Teppiche, in der Mitte des Raums steht ein grosses Bett aus dunklem Holz. Die Bettwäsche, sowie zahlreiche Kissen und die Vorhänge zieren das „one and bud“-Muster. Es zeigt die Spitzen der Teepflanzen, welche gepflückt werden.

 

 

 

 

In einem kleinen, halbrundförmigen Erker stehen zwei Korbstühle und ein Tischchen mit einer Früchteschale. Wo ich auch hinschaue, alles passt farblich und stilistisch bis ins Detail. In einer Ecke steht ein Schreibtisch mit Tischlampe und frischen Blumen. Auf den beiden Nachtischen stehen Wasserflaschen und Gläser. Perfekt! Ich lege mich aufs Bett. Wow, herrlich, nicht zu weich, nicht zu hart. Hinter dem Kissen entdecke ich einen Schalter mit drei möglichen Positionen: „Off“, „Pre-heat“, „All night“. Eine Bettheizung! O mein Gott, das ist ja noch besser, als eine warme Bettflasche! Bevor ich meinen Rucksack und Tasche ausräume werfe ich einen Blick ins Bad.

 

 

 

 

Staunend stehe ich in der Tür. Eine Badewanne! Eine Dusche mit extragrosser Brause. Ein Lavabomöbel mit frischen Blumen und ein romantisch verzierter Spiegel. Einfach alles perfekt.

 

 

 

 

Beim Lunch treffe ich die vier weiteren Gäste. Ein Ehepaar, beide um die 50, aus der Nähe von London und ein älteres Ehepaar aus einem kleinen Dorf im Süden Englands. Der Lunch ist vortrefflich. Das Gespräch angenehm. Beide Ehepaare reisen viel und haben viel zu erzählen. Oh wie angenehm ist es doch wieder einmal Gesprächspartner zu haben, welche „a proper british accent“ haben. =)

Als wir den Tisch verlassen ist es bereits halb vier. Und jetzt? Najam kommt und fragt uns nach unseren Plänen und Wünschen. Vorsichtig frage ich, ob es erlaubt sei, ein Bad zu nehmen. Schliesslich weiss ich um die Wasserknappheit in Darjeeling und das begrenzte Warmwasserangebot in ganz Indien. Meine Frage löst aber bei allen Anwesenden ein heiteres Lachen aus, welches bedeutet: Oh wie süss, noch so jung, höflich und unerfahren. Ach ja stimmt, für diesen Luxus habe ich ja bezahlt. Hier wird nicht gefragt, sondern gewünscht und erwartet! „But sure you can take a bath! Even twice a day, if you feel like! =D You want it now? I’ll tell a member of the staff to prepare the bath for you.” O nein, das kann ich auch alleine, danke!!!

Als ich nach 4 Monaten mehrheitlich kalten Duschens in das warme, wohlriechende Schaumbad steige, bin ich mir sicher im Himmel angelangt zu sein. Überglücklich tauche ich bis zum Hals in das herrliche Nass, schliesse die Augen und lausche dem schönsten Walzer der Welt: Shostakovich, Suite No2.

 

 

Als ich am zum Abend zum Apéro am Kaminfeuer erscheine werde ich natürlich sofort gefragt: „Did you enjoy your bath?“ (jetzt wissen alle 14 anwesenden Gäste, dass ich gebadet habe…) – Ich strahle in die Runde und antworte: „Oh yes, I enjoyed it a lot! It was… heaven!“ – „Take another one tomorrow!“ – „Yes, why not?“, denke ich und setze mich mit einem Glas Rotwein auf das Sofa neben das Feuer.

Während den nächsten zwei Tagen geniesse ich Tee in Porzellantassen, eine Teedegustation, Führung durch die Teefabrik, Spaziergänge durch die Teeplantagen, herrliches Essen, Campfire, angenehme Gesellschaft aus England, Kanada und Frankreich, anregende Gespräche und – ein zweites Bad!

 

Glücklich und zufrieden steige ich am dritten Tag nach dem Lunch und anschliessenden Austauschen von Adressen mit einigen Gästen in den Jeep nach Darjeeling. Etwas verwundert über mich selber stelle ich fest, dass ich ohne Wehmut vom Glenburn Estate wegfahre. Normalerweise vergehen solche Erlebnisse viel zu schnell. Ich realisiere, dass ich während diesen zwei Tagen jede einzelne Minute intensiv genossen habe. und es kommt mir vor, als hätte ich eine ganze Woche an diesem Ort verbracht!

 

Nur, wer bringt mir in den kommenden Tagen den Tee ans Bett?

 

 

Mehr Fotos auf

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.334295506612541.70897.100000962830832&type=1&l=82edb46549

 

Und wen es Wunder nimmt: www.glenburnteaestate.com

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25 February 2012 - OOTY AND THE ANDAMANS

Meet Sherlock in Ooty

 

The Dancing Men, so heisst eines von Sherlock Holmes Abenteuer. Ich kenne es in-und auswendig. Das Hörspiel lief schon einige Male auf meinem Computer. Aber nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich in Ooty, einer Stadt in den Nilgiri Hills im Süden Indiens, auf die Spuren des Protagonisten stossen würde…

 

 

 

 

Etwas oberhalb der Stadt, mit überwältigender Aussicht über Hügel, Teeplantagen und die farbigen, einfachen Häuser von Ooty liegt das Hotel Sherlock Holmes. In den Aufenthaltsräumen stehen bequeme Sessel, am Abend brennen die Kaminfeuer und an den Wänden hängen Fotos von Sherlock und seiner Backpfeife. Die Zimmer sind nach den Abenteuern Sherlocks benannt. „The oaktree“, „the spotted ribbon“ oder eben „the dancing men“.

Vor dem Zimmer befindet sich eine sonnige, lichtdurchflutete Veranda. Wie angenehm ist es dort im wärmenden Sonnenschein und Windschatten zu sitzen und ein Buch zu lesen. Am Abend wird es aber frisch! Schliesslich liegt Ooty deutlich über 1000 Höhenmeter. Aber selbst die kühlen Abende werden gemütlich, wenn man im Bett liegen kann, einen warmen Tee trinken und dem Knistern des Kaminfeuers zuhört. Manche Gäste haben sogar das Glück, ein Fotoshooting des bekannten Starfotografen Stefan Huber zu geniessen. Bini liess sich diese Chance nicht entgehen und posierte gekonnt vor dem prasselnden Feuer.

 

 

 

 

Ein weiterer Höhepunkt bietet sich an, wer sich überwinden kann um halb fünf aus dem warmen Bett zu steigen und auf den nahen Hügel zu klettern. Ooty’s Sonnenaufgang zählt wohl zu den schönsten in ganz Indien. Trotz klirrender Kälte und kalten Händen und Nasen…

 





Die andere Welt

 

Unglaublich diese Vielfalt! Kleine, grosse, dicke, dünne, elegante, plump wirkende, eindrückliche, süsse Fische in allen Farben mit Streifen und Punkten in allen Formen. Sie schwimmen alleine oder in Schwärmen, über, unter und neben mir, ganz langsam oder blitzschnell durch das weite blaugrüne Wasser oder verstecken sich zwischen Korallen und Wasserpflanzen. Sie verharren reglos, jagen, fliehen, fressen, beobachten und ziehen lautlos, glitzernd durchs Wasser. Shrimps und Lobster bewegen lediglich ihre langen Fühler. Oktopusse, optimal getarnt, wechseln auf wundersame Weise plötzlich ihre Farbe. Muränen mit spitzigen Zähnen schauen bedrohlich aus Steinlöchern. Rochen pflügen sanft durch das Wasser und Schildkröten gleiten trotz ihrer Masse erstaunlich leicht und schnell durch das Wasser. Irgendwie unreal, erscheinen mir diese Erinnerungen. Wie ein genialer 3D Film, oder aber sicher eine andere Welt, als die Welt, welche ich während 25 Jahren gekannt habe.

Schliesse ich die Augen, spüre ich ganz bewusst meinen Atem. Ich spüre, wie mich das Einatmen im Element Wasser höher steigen und das Ausatmen sinken lässt. Nie habe ich so bewusst geatmet, wie unter Wasser. Unglaublich, wie leicht ich meine Lungen mit Luft füllen kann und überraschend, wie viel Luft noch aus den Lungen ausgestossen werden kann, nach dem ich schon das Gefühl habe keine Luft mehr zu besitzen. Es ist interessant, wie das Element Luft im Element Wasser an Bedeutung gewinnt. Einatmen, ausatmen… Was im alltäglichen Leben völlig selbstverständlich und automatisch geschieht, fordert plötzlich die ganze Aufmerksamkeit. Es stellt eine besondere Herausforderung dar, das Atmen zu einer bewussten Nebensache werden zu lassen. Klingt etwas paradox, ist aber einfach zu erklären. Bewusst, da das regelmässige Atmen auf Grund vom Stoffwechsel und dem sich mit der Wassertiefe veränderndem Druck überlebenswichtig ist. Bewusst aber auch, da man versucht, das Atmen auf ein Minimum zu reduzieren, damit die Luft so, lange als möglich hält. Trotz dem grossen Bewusstsein, sollte das atmen aber möglichst automatisch und nebensächlich geschehen, damit man sich auf die vielfältige Unterwasserwelt konzentrieren kann.

Durch die ungewohnte Umgebung und unglaublichen Bilder, die sich einem bieten, kann das Atmen nur zu leicht vergessen werden! Darum: Breath regularly and never stop breathing! Atme gleichmässig und stoppe niemals zu atmen! Leichter gesagt als gemacht. Vor allem wenn man trotz Atemgerät im Mund eine Nase voll Wasser eingeatmet hat! Ich spreche aus Erfahrung.

An meinem dritten Kurstag, zweiten Tag unter Wasser, sollte ich eine Übung wiederholen, welche ich bereits zweimal ohne Probleme absolviert hatte: Unter Wasser die Tauchmaske entfernen und wieder aufsetzen. Als mir mein Tauchlehrer, in 12 Meter Tiefe vor mir kniend, das Zeichen gab, nahm ich meine Tauchmaske und entfernte sie von meinem Gesicht. Weiss der Himmel wie das passieren konnte, was dann passierte. Plötzlich bekam ich nicht mehr genug Luft. Ich konnte nicht mehr atmen. Meine Atemwege waren blockiert. Was war los? Ich realisierte, dass reflexartig durch die Nase eingeatmet hatte! Zudem merkte ich, dass der Reflex „einatmen“ durch das Malheur nun noch verstärkt war. Mein Körper versuchte auf allen möglichen Wegen zu Luft zu kommen und das bedeutete Einatmen durch Mund UND Nase. Mit noch mehr einströmendem Wasser wurde ich nun völlig aus den Atemrhythmus geworfen. Ich hielt mir die Nase zu und versuchte mich auf das Einatmen durch den Mund zu konzentrieren. „Ruhig atmen!“, befahl ich mir. Aber meine Atmung gehorchte mir nicht mehr. Ich würgte und hustete und versuchte gleichzeitig zu Luft zu kommen. Das Würgen und Husten unter Wasser klang wie ein verzweifeltes Schreien. Zudem sah ich nichts mehr, da ich keine Tauchmaske aufhatte. Nur Blau um mich herum und keine Luft. Das Verlangen nach Luft siegte über meinen Verstand, der mich unablässig ermahnte ruhig zu bleiben und zu atmen. Obwohl ich wusste, dass es gefährlich war zu schnell aus 12 Meter Tiefe aufzusteigen, wollte ich nach oben an die Luft und zwar so schnell als möglich! Dies war ein Notfall, da war ich mir sicher! Ich zeigte in wilder Gestik mit dem Daumen nach oben und versuchte mich vom Boden abzustossen. Vergeblich. Mein Tauchlehrer hielt mich fest. „Aha, er lässt mich nicht aufsteigen“, bemerkte ich. „Na er wird es wohl besser wissen. In diesem Falle ist das kein Notfall!“, schlussfolgerte ich. Mein Verstand hatte wieder die Oberhand gewonnen. „Ruhig atmen!“, befahl ich mir. Der Tauchlehrer führte meine Hand mit der Tauchmaske zu meinem Gesicht. Ich realisierte, dass die Maske die Lösung für das ganze Problem war. Ich zog das Gummiband über meinen Kopf, platzierte die Maske auf dem Gesicht und… oh Wunder, der Atemrhythmus war wieder hergestellt. Ich hustete noch zwei- dreimal, leerte meine Maske und atmete dann wieder ganz normal, als wäre nichts passiert. Ein Ok-Zeichen zum Tauchlehrer und wir schwammen mit den Fischen davon. Wie lange diese unangenehme Situation gedauert hat, kann ich nicht sagen. Bestimmt aber weniger lang als eine Minute. Für mich aber eine unglaublich lange Minute! Im Nachhinein bin ich aber sehr dankbar, diese Erfahrung im Rahmen einer Übung und im Beisein des Tauchlehrers gemacht zu haben. Ich weiss nun, dass mein Körper mich schnell mal überlisten möchte und mir vorgibt schon fast am sterben zu sein, obwohl noch viel, viel Luft vorhanden ist! =) Schlaumeier!! Ich glaube, das nächste Mal (falls es ein nächstes Mal gibt) wird mein Verstand noch stärker sein!

 

Auf jeden Fall sehne ich mich jetzt schon wieder nach der ruhigen, farbigen Unterwasserwelt, in der alle Bewegungen viel runder und harmonischer erscheinen. Ich sehne mich danach mein Atmen zu hören und mit den Tieren durchs Wasser zu schweben. Wann ergibt sich wohl die nächste Gelegenheit für einen weiteren Tauchgang?

 

 

Mehr Bilder zu den Andamanen auf folgender Homepage:

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.334269296615162.70895.100000962830832&type=3&l=c5fd06fa74

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31 January 2012 - SAME, SAME, BUT DIFFERENT


Ooty

Ooty oh Ooty – Ooty, eigentlich ein ziemlich merkwürdiger Name, habe ich heute gedacht. Aber die Landschaft ist bestechend schön. Nach einigen warmen Tagen in Goa und Hampi geniesse ich mit Stefan (Primarschulfreund) und einer Tasse Tee die Veranda unseres tollen Hotels im britischen Kolonialstil. Der Ausblick auf die saftig grünen Hügel und Teeplantagen ist herrlich und einmal mehr – so anders als die Landschaft der letzten Tage…

Vor 1 Woche habe ich Stefan vom Flughafen in Goa abgeholt. Auch wenn ich alleine zu reisen schätzen gelernt habe, zu zweit unterwegs zu sein macht deutlich mehr Spass. Vor allem bin ich froh gemeinsame Erlebnisse, Eindrücke, positive und aber auch unangenehme Momente teilen zu können.

Zu zweit zu reisen bedeutet aber auch: weniger Zeit (und Bedürfnis) den Computer bzw. das Internet auf zu suchen. Den folgenden Blogeintrag habe ich vor einer Woche geschrieben, aber noch nicht gepostet.

Wünsche euch viel Spass beim Lesen wie es mir vor einer Woche gegangen ist…

 

 

 

 

Indien – Land der Gegensätze und Unterschiede… Kein Ort ist gleich wie der andere. In jeder neuen Stadt und Landschaft sehe ich  markante Unterschiede. Varanasi – Mumbai und jetzt Panaji (Hauptstadt des Staates Goa). Aber viele Dinge sind auch gleich. Die Indische Mentalität und ihre Eigenheiten scheinen grundsätzlich die Gleiche zu sein. Same same but different!

 

 

 

Goa


 

 

 

Die Kolonialmacht Portugal hat deutlich ihre Spuren hinterlassen. Farbige, charmante Häuser in südländischem Baustil verleihen den Städten und Dörfern eine besondere Atmosphäre. Ferienstimmung.

 

 

 

 

Die vielen strahlend weissen Kirchen prägen die Landschaft. Wo sind die Tempel? Beim Betreten der ersten Kirche überkam mich ein wohliges Gefühl. Alles schien mir bekannt – wie Zuhause in Europa. Weihwasser beim Eingang, hölzerne Kirchenbänke, Maria und Jesus, ein Altar und eine Orgel. Es war ein angenehmes Gefühl. In diesem Gebäude meiner Religion fühlte ich mich willkommen. Natürlich wurde ich auch in hinduistischen und buddhistischen Gotteshäusern willkommen geheissen, aber als Besucherin, als Fremde. Diese Tempel und Klöster waren interessant, schön und eindrücklich, aber nie wusste ich genau, wie ich mich in so einem Haus korrekt verhalte. Was ist angebracht? Was sind die Rituale und was die Tabus? Ich habe während 3 Monaten keinen Tempel gesehen, in dem so deutlich ein Verbot aufgezeigt wurde, wie dieser Kirche…

 

 

 

 

In der Kirche konnte ich mich frei bewegen. Ich wusste genau, wie ich mich verhalten darf ohne andere anwesende Gläubige zu stören, da ich vergleichsweise zu den anderen Religionen ein grosses Hintergrundwissen und alltägliche Erfahrungen habe.

So schön und heimelig diese portugiesische Atmosphäre in Goa auch ist, mit einigen Hintergrundinformationen verliert sie leider etwas an Glanz und Charme. Wie in vielen anderen Kolonialstaaten hat die Bevölkerung von Goa unter seinen Herrschern gelitten. Die heimische Sprache, Religion und Kultur wurde mit aller Härte unterdrückt. Entweder du sprichst Portugiesisch oder du bist tot.

Entweder du glaubst an Gott oder du bist tot.

Entweder du verhältst dich so, wie es die Kolonialherren verhalten oder du bist tot.

Mit dem Wissen, das in der Geschichte Indiens während der Kolonialzeit viel Schlimmes passiert ist, aber auch viel zur positiven Entwicklung, Infrastruktur und Architektur beigetragen wurde geniesse ich darum alles, was meinem ästhetischen Auge geboten wird.

Ich bin zurzeit in einem grossen, sauberen, hellen Hotelzimmer mit himmelblauer Wand, Spiegel mit Goldrahmen und schwarzem Schnörkeltisch. Das entspricht meinem Sinn für Ästhetik voll und ganz!

 

 

 

 

Heute hole ich Stefan vom Flughafen ab. Ich freue mich sehr für einen Monat nicht alleine zu reisen, Erlebnisse und Eindrücke zu teilen und das leckere Essen in Gesellschaft zu geniessen!

 

Su*

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20 January 2012 - INDIEN PUR

Zugfahrt

Ich sitze im Zug von Varanasi nach Mumbai. Vor dem Fenster zieht eine unglaublich schöne, in das warme orange Licht  der untergehenden Sonne getauchte Landschaft vorbei. Senfblumenfelder, kleine Dörfer mit Hütten aus Lehm und Stroh, Kuhherden, welche über den trockenen Boden stampfen und Staub aufwirbeln, Frauen mit bunten Saris, di Holz auf dem Kopf nach Hause tragen, einzelne Bäume, welche wohl im Sommer den bitter nötigen Schatten spenden, Schafherden, die  auf trockenen Feldern das braune Gras abgrasen, Gruppen von Männern, die am Feuer auf dem Boden kauern und Chai trinken, einzelne Tümpel und kleine Seen, in denen sich das Licht goldig reflektiert, Strommasten in regelmässigen Abständen in der weiten Ebene verteilt, die Kontur von grossen Vögeln, die sich auf einem kahlen Baum niedergelassen haben, ein Landweg auf dem ein Traktor, seine volle Ladung Brennholz  zur Hütte fährt und ein Motorrad zum Überholen ansetzt. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Die Landschaft zieht gleichmässig an mir vorbei. Indien zeigt sich von seiner schönsten Seite. Das sanfte, monotone Rattern des Zuges und sein immer wieder einsetzendes Hupen verleihen der ganzen Atmosphäre einen meditativen Touch. Gegenüber von mir liegt eine schlafende, tief und gleichmässig atmende Frau und im Bett über ihr, ihr schnarchender Ehemann.

Sechs Stunden Fahrt liegen hinter mir und 20 vor mir. Am Bahnhof in Mumbai erwartet mich Tazeen, eine Freundin der Familie. Ich freue mich auf die riesige Metropole. Reisen kann sehr anstrengend und ermüdend sein. Auch wenn ich nicht jeden Moment der Reise aus vollem Herzen geniessen kann – in diesem Moment tue ich es und möchte mit niemandem auf der Welt den Platz tauschen!

Ich lasse mir nochmals meine ersten zwei Wochen Indien revue passieren: Die Überfahrt von Nepal nach Indien, die 12 Tage KIRAN und 2 Wochenende in Varanasi…

Varanasi

 

Die Stadt ist einzigartig. In ihr wimmelt es von Menschen, Rikshaws, Auto-Rikshaws, Motorrädern, Fahrrädern, Hunden, Kühen und Affen. Im Stadtinnern sind die Strassen gesäumt von kleinen Shops und fahrbaren Markttischen auf denen Gemüse und Früchte angeboten werden. Auf den Strassen gilt grundsätzlich Linksverkehr. Jedoch wird rechts und links überholt. Betonblöcke, welche die linke und rechte Strassenseite voneinander trennen, werden kurzerhand verschoben damit Autos und Buse auf die andere Fahrbahn wechseln können, da ihre Spur aufgrund von grossen Löchern, Tümpeln und Bauarbeiten unpassierbar geworden ist. Die Nerven der Fahrer scheinen aus Eisen zu sein. In voller Geschwindigkeit auf das Gegenüber zufahren und im letzten Moment ausweichen ist hier die Regel. Wer nicht aufpasst kommt unter die Räder. Wie das kleine, braune Welpen am Tag meiner Abreise. Wie ein Film spielt sich die Szene immer und immer wieder vor meinen Augen ab. Sie hat nur einige Sekunden gedauert, trotzdem erscheint sie mir in Zeitlupe. Ich hätte es verhindern sollen! Doch wie ? Ich sass mit Vera hoch auf dem Rikshaw.  Sehen und gesehen werden passt zu dem fahrenden Thron. Völlig ausgestellt wird man von links und rechts angestarrt. Da hilft auch das Kopftuch nicht viel. Die vorher erwähnte Tatsache von regelmässigen Geisterfahrern macht die günstige Mitfahrgelegenheit zu einem Nervenkitzel. Zudem laufen immer wieder Menschen, Kühe und Hunde vor die Räder. Bei den Menschen wird geklingelt, bei den Kühen geschnalzt und gerufen. Bei den Hunde einfach weiter gefahren. Meistens weichen sie aus, das habe ich schnell gelernt. Deshalb sass ich mit einem scheinbar gleichgültigen, ruhigen Blick hinter dem Fahrer, meinen schweren Rucksack zu Füssen, die kleine Tasche auf den Knien, als der kleine Welp ohne zu zögern die Strasse überquerte. Wie hätte er in dem Getümmel, das auf der Strasse herrschte die  grossen gefährlichen Räder erkennen sollen. Ich schaute nach unten und vermutete, dass das Rad nur wenige Zentimeter am Welp vorbeirollen würde, so wie das immer der Fall war in ähnlichen Situationen. Aber das Rad drückte das kleine Hündchen erst zu Boden und überrollte es dann mühelos. Meine guten 50 kg, 30 kg Gepäck und Rikscha auf einem nur wenige Wochen alten Hundekopf. Der Gedanke an die Auswirkungen lassen mich immer wieder erschauern. Ich blickte zurück und sah einen kurzen Augenblick den Welp winselnd, den Kopf am Boden, sich im Kreise drehen. Schon schloss sich die Menschen- und Verkehrsmenge wieder hinter mir. Was geschah wohl mit dem Welpen? Ein totes oder verstümmeltes kleines Hündchen mehr? Leid, Armut und Tod sind in der heiligen Stadt Shiva‘s, dem Zerstörer, allgegenwärtig. Kühe und Hunde suchen in den engen Gassen nach Essbarem. Zu wenig zum Überleben für einige. Ungesund für alle. Möchte nicht wissen, wie viele Plastiksäcke in einem Magen einer Kuh zu finden sind! Mir wurde erzählt, dass ein ausländischer Tierarzt Operationen an Kühen in Varanasi vorgenommen und dabei haarsträubende Entdeckungen gemacht hätte. Kann ich mir gut vorstellen. Wahrscheinliche hat er all das gefunden, was auch in den Strassen und engen Gassen auf den Boden liegt… Die Aufzählung überlass ich eurer Fantasie. Ich glaube nicht, dass ihr die Realität übertreffen werdet =)


Auf jeden Fall sollte, wer durch Strassen und Gassen Varanasis wandert, nicht träumen sondern seine Augen offen halten. Den Blick abwechselnd nach unten, rechts, links, vorne und hinten schweifen lassen. Bei verdächtigen Geräuschen ist auch ein prüfender Blick nach oben angebracht, denn ein Affenangriff kann unangenehme Folgen haben.

 

Nichts desto Trotz: Ich liebe Varanasi. Nach meiner traurigen und wenig schmackhaften Einleitung kommt dieses Geständnis wohl sehr überraschend. Aber wie ich schon zu Beginn des Textes gesagt habe: Varanasi ist einzigartig. Mehr noch sie ist betörend. Sie lebt. Die Stadt Shiva’s, der Zerstörer. Ich weiss nicht, ob es eine zweite Stadt gibt, in der Tod so präsent ist, wie in der heiligen Stadt am Ganges. Wahrscheinlich ist es genau das, was die Stadt so lebendig scheinen lässt. Tod ist ein Teil des Lebens und Tod ist ein Teil der Stadt. Wer von den grösseren Strassen der Stadt ostwärts geht, gelangt in ein Labyrinth aus kleinen, engen Gassen. Musikshop, Kiosk, Restaurant, Travelagencies und Guesthouses reihen sich aneinander. Wer an den im Abfall wühlenden Kühen vorbei aus dem unübersichtlichen Gassenlabyrinth wieder herausfindet, kommt zu steilen Treppen, welche zu den unzähligen Ghats führen. Die Ghats  sind das Herzstück Varanasis und verleihen der Stadt einen bezaubernden, wenn gleich auch etwas eigenen Charme.



Es reihen sich Tempel an Tempel, Treppe an Treppe. Alle führen an den heiligen Fluss Ganges. Ein Bad in diesem Wasser gilt als reinigend. Die Atmosphäre ist entspannt. Es wird Chai getrunken, geschwatzt, spaziert und Kricket gespielt. An zwei Ghats werden die Toten verbrannt. Öffentlich,  für jedermann ersichtlich.  Nicht weit von den Feuern entfernt spielen Kinder Fangis. Wer in Varanasi verbrannt und wessen Asche anschliessend in den Ganges gestreut wird, der kommt direkt ins Nirvana. Die Feuer erlöschen selten.

Die vier Tage in der Stadt waren spannend und abwechslungsreich. Varanasi bei Tag und Nacht, bei Sonnenaufgang mit dem Boot auf dem Ganges und bei Nacht mit langen Spaziergängen entlang der Ghats.



Am Sonntag wurde „Kitcheri“ gefeiert. Die Strassen und Ghats waren gefüllt mit Pilgern von nah und fern, Bettlern und Süssigkeitsständen. Alle Menschen strömten zum Ganges, um ein reinigendes Bad zu nehmen. Auf den Dächern standen Kinder und liessen Drachen steigen.

So viele Menschen, so lebendig!


Und nach so viel Spiritualität und tiefgründigen Sätzen noch ein handfestes Argument Varanasi zu besuchen: „Kreshni“ Ein Feinschmecker Restaurant. Weiss nicht, ob ich schon einmal so gut indisch gegessen habe! Nahezu 30 Paneer (Frischkäse) Gerichte. Und eines besser als das andere. Eine wahre Gaumenfreude!

„Wie trostlos wäre das Leben ohne gutes Essen“, dachte ich zufrieden mit vollem Bauch, als ich das Restaurant verliess und lief geradewegs in die Arme eines Bettlers, welcher mit verkrüppelten Füssen am Boden sass.

Das ist Varanasi. Und das ist wohl Indien, von dem ich so lange geträumt habe und dass ich nun während 3 Monaten erleben darf.



*Su
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4 January 2012 - FOTOLINK 2

Einen neuen Fotolink mit weiteren Fotos zum geniessen...

Nepal - Indien (Von Kathmandu nach Varanasi)

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.303119106396848.65862.100000962830832&type=1&l=070894b5c4







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3 January 2012 - WELCOME IN INDIA

In Sonauli steckengeblieben

 

„Warum“, so fragte ich mich bereits zum x-Mal, „habe ich nicht das Flugzeug genommen?“ Ich stand mit einem Chai in der Hand am Strassenrand, schaute den schwitzenden Rickshawfahrern, spuckenden Passanten und im Dreck wühlenden Kühen zu, während ich angestarrt wurde. 15 Stunden zuvor hatte ich Kathmandu verlassen und schien nun für einige Stunden an der Indischen Grenze festzusitzen. Mein Buch hatte ich während der langen Busfahrt fertig gelesen. Weit und breit war kein Buchladen zu sehen... Nur kleine Shops mit einigen verstaubten Büchern in Hindi.

Das Reisen mit dem Flugzeug wär so einfach gewesen. In Kathmandu mit dem Taxi vom Hotel zum mir bereits bekannten Flughafen, dann Flug nach Varanasi und von dort mit dem Auto-Rickshaw zum Laden des KIRAN-Village. So einfach… Was sprach denn dagegen?

Ach ja, Fliegen ist etwas teurer, verschmutzt die Umwelt und bedeutet weniger Authentzität und Abenteuer. There you go! Nun hatte ich das authentische Reisen und grossartige Abenteuer, welches ich mir gewünscht hatte.

War es wirklich das, was ich mir gewünscht hatte? Ich war mir auf einmal nicht mehr sicher.

 



Am Abend des 29. Dezembers wurde ich vom Taxifahrer am Busbahnhof abgeladen. Nach einer 15- minütigen Suche (es war dunkel, nichts angeschrieben und die herumstehenden Leute wiesen mich von einer Person zur nächsten) fand ich meinen Bus. Während der Fahrt geschah nichts Unerwartetes. Der Bus war gefüllt mit Menschen und Gepäck auf den Sitzen und im Gang. Ich döste vor mich hin. Mir wurde gesagt, der Bus erreiche Birawha zwischen 5 und 6 Uhr am Morgen. Von dort aus müsste ich einen Local-bus zur Grenze und dem indischen Sonauli nehmen (10 minütige Fahrt). Anschliessend stände ein Bus bereit, welcher direkt nach Varanasi fahre. Am Abend des 30. Dezembers zwischen 5 und 6 Uhr käme ich also in Varanasi an. Das klang gut. Vor allem gefiel mir, dass ich bei dieser Reisevariante bei Tageslicht meine ersten Eindrücke von Indien sammeln konnte, bevor ich in Varanasi ankam.

 

Naja, ist nun wieder einmal anders gekommen, als erwartet. Anstatt um 5 bzw. 6 Uhr in der Früh, erreichte mein Bus Birawha erst um 9 Uhr. Warum? Keine Ahnung. What to do? - Weitermachen wie geplant! Weit und breit war kein Local-bus zu finden. Also nahm ich ein Rickshaw, welches mich nach den Angaben des Fahrers für 150 Rupien nach Sonauli bringen würde. Vor der Grenze hielt er an, zeigte mir das nepalesische Grenzbüro und wies mich an, mir den erforderlichen Ausreisestempel zu holen und ihm die 150 Rupien auszuzahlen. Ob er mich den nicht wie abgemacht nach Sonauli fahre, fragte ich ihn verwundert. Das sei gleich hinter der Grenze (ca. 50 Meter)! Mich dort hin zu fahren koste 50 Rupien extra. „Na Bravo, dann laufe ich lieber“, dachte ich. Ich zog einen 500 Rupienschein aus der Geldbörse. Nein, ich müsse ihn mit indischen Rupien und nicht mit nepalesischen Rupien bezahlen, schliesslich sei er Inder. Etwas überrumpelt von der Forderung zog ich einen indischen 500-Rupienschein hervor und zahlte den nun deutlich höheren Preis (100 nepalesische Rupien = 69 indische Rupien). Während ich beim Rikshaw wartete versuchte der Fahrer Wechselgeld auf zu treiben. Bereits bereute ich das Bezahlen in indischer Währung. Schliesslich war ich noch in Nepal und wollte lieber das nepalesische Geld loswerden. Ausserdem hätte ich es passend gehabt und ich musste doch den nächsten Bus erwischen, hatte also nicht endlos Zeit zum Warten. Mit den ergatterten Banknoten wedelnd kam der Fahrer zurück. Allerdings waren es 380 nepalesische Rupien. Zwar etwas mehr als die erwarteten „350“ indischen Rupien, aber –so nahm ich an- wohl immer noch zu wenig Wechselgeld. Ich verlor die Geduld und weigerte mich das Geld anzunehmen. Wenn er schon indisches Geld wollte, so sollte er mir auch wenigstens indisches Wechselgeld auftreiben! Er verschwand wieder in der Menschenmenge. Währenddessen füllte ich die Formulare für die Ausreise aus.

Er kam mit 340 indischen Rupien zurück. Mehr konnte er angeblich nicht auftreiben. Entnervt nahm ich das Geld und mein Gepäck. Ob er mich nicht noch auf die andere Seite fahren solle, fragte er mit mitleidigem Blick, denn mein Gepäck sei sehr schwer!

Ich strafte ihn mit einem bösen Blick und lief wortlos Richtung Grenze.
Beim „office for indian immigration“ füllte ich erneut ein Formular aus, bekam einen Stempel und fragte nach Mr.Bablu. Er habe das indische Busticket für mich, wurde mir in Kathmandu gesagt. Nach 5 Minuten Marsch fand ich Mr.Bablu, einen kleinewüchsigen, rauchenden Mann mit Bierbauch und etwas schiefen, weissglänzenden Zähnen.
„Hello, welcome to India“, begrüsste er mich freundlich. „Why are you coming so late? Your bus to Varanasi left two hours ago!”, schloss er der freundlichen Begrüssung an, bevor ich “Namaste” sagen konnte.

Jetzt war ich erst recht sprachlos.

Er wiederholte seine Frage. Wieso ich so spät komme? Das müsse er den nepalesischen Busfahrer fragen, war das einzige, dass ich erwidern konnte. Ich sei doch so schnell als möglich von Birawha zu ihm gekommen. Und nun? Der freundliche Mr. Bablu sagte mir mein Busticket sei nicht verloren. „You wait for the next bus at 4.30 pm. You arrive at 6 am in Varanasi.“ „Alles andere als perfekt!“, dachte ich. „8 Stunden warten und dann noch eine zweite schlaflose Nacht. Das ist authentisch! Bravo!“ Und meine erste Tagesfahrt durch Indien konnte ich auch streichen. Aber was blieb mir anderes übrig.

Ich verbrachte also meinen ersten Indientag in einer kleinen Stadt an der nepalesischen Grenze mit warten, beobachten, beobachtet werden, spazieren, Samosa essen, Chai trinken und Hindi lernen. 
„Namaste!“

„Abka nam kia hai?“

– „Mera nam Susanne hai.“

„Apse milkar bohut achcha laga“ (Nice, to meet you!)

„Mera ghr Switzerland hai.“

„Me intjar kar rahi hun benaras bus ka.“ (I’m waiting for the bus to Benares.)

„MERI SAGAI HO GAI HAI!” (Ich bin verlobt!)

Der letzte Satz wird mir wohl in den nächsten 3 Monaten noch einige mühsame Gespräche ersparen. 

 

 

Pünktlich um 16.30 pm verliess ich in einem wenig abgefederten, engen Bus Sonauli. Die Nacht verlief holprig und nicht uninteressant. Kurz nach Abfahrt sah ich nach 2 Monaten endlich wieder Zugschienen!

 

An einer Stelle säumten dutzende, schwer beladene Traktoren mit Anhänger die Strasse. Die Fahrer waren nicht aufzufinden. Die Strasse war durch die unerwarteten Hindernisse für Gegenverkehr nahezu unpassierbar geworden. Nur schienen das viele Lastwagenfahrer und unser Buschauffeur, sowie einige Pkw-Fahrer erst zu realisieren, als alle Gefährte ineinander verschachtelt stehen blieben und weder vor, noch zurück konnten. Ein riesiges Chaos! Männer liefen geschäftig hin und her, versuchten sich ein Bild von der schier ausweglosen Situation zu machen und gaben anschliessend mehr und weniger konstruktive Anweisungen, um das Chaos zu entwirren. Es dauerte gute 45 Minuten, bis nach mühsamer Zentimeterarbeit alle Fahrzeuge ihre Fahrt fortsetzen konnten.

 

 

Endlich angekommen

 

Trotzdem kamen wir scheinbar zügig voran. Denn bereits um 4 Uhr morgens erreichten wir Varanasi. „Irgendwie unfair“, dachte ich. „In Nepal 3 Stunden zu spät, sodass ich meinen Bus verpasse und dann in Varanasi 2 Stunden zu früh.“ Was sollte ich so früh in einer mir unbekannten Stadt. Varanasi wurde mir von allen Leuten, als ein Ort beschrieben, in dem es von Menschen wimmelt! Bei meiner Ankunft war die Stadt allerdings nahezu menschenleer. Ein Auto-Rikschaw brachte mich zur Adresse des KIRAN-shops. Natürlich geschlossen! In einer nahegelegenen, warmen Geldautomatkabine wartete ich also auf die mir unbekannte Öffnungszeit. Alle 20 Minuten machte ich einen Kontrollgang zum Shop. Um 6 Uhr erwachte das Haus zum Leben. Zwei Jugendliche im Rollstuhl brausten die Rampe herunter und öffneten mir lachend das Tor. Endlich: KIRAN war zum Greifen nah. Diese zwei jungen Männer aus dem KIRAN leben, wie ich später erfahren habe, mit anderen Jugendlichen im Haus und besuchen von dort aus das College oder Universität. In ihrem Speisesaal wartete ich weitere 3 Stunden auf den Bus, der mich dann schlussendlich zum KIRAN-Village bringen sollte. Ich war so erschöpft, dass ich auf einer harten Holzbank einschlief. Wer hätte das von Susanne gedacht… Scheinbar kann sogar ich -je nach Zustand- überall schlafen!

Mit zahlreichen Angestellten erreichte ich gegen 10 Uhr das KIRAN-Village.

Ich konnte es kaum fassen. Da stand ich nun. Im KIRAN, über das ich so viel gelesen und gehört hatte. Das Dorf, das für 5 Monate meine Heimat hätte werden sollen und auf dessen Leute ich mich so lange gefreut hatte. Ein Plan und Wunsch, der nun nicht in der erhofften Form hatte stattfinden können… Nun war ich hier! Zwar 3 Monate später als geplant und nur für 2 Wochen anstelle von 5 Monaten… Aber ich stand tatsächlich im KIRAN und wurde herzlich begrüsst.

 

www.kiranvillage.org

 

Endlich angekommen!

Mit gemischten Gefühlen erlebe ich nun meine ersten Tage hier im KIRAN.

Zum einen bin ich überglücklich hier zu sein. Obwohl das Dorf zurzeit nicht im Normalzustand ist, da die meisten Kinder während einer Ferienwoche nach Hause gefahren sind, ist die gute, fröhliche Atmosphäre zu spüren. Ein Ort, an dem jede Person so sein darf wie er/sie ist!

Zum andern bin ich immer wieder enttäuscht und traurig, dass ich keine 5 Monate hier verbringen durfte. Zu gerne hätte ich mit den Kindern, Angestellten, Vouluntair Vera und Sangeeta (Gründerin) meine Zeit geteilt und an ihrem alltäglichen Leben teilgenommen und mitgearbeitet.

Momentan bleibt mir leider nichts anderes übrig, als die zwei kurzen Wochen zu geniessen. Und das werde ich bestimmt! Ich freue mich darauf!

 

 

 

Su*

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29 December 2011 - VON POKHARA NACH KATHMANDU


 

Alles ist rund gelaufen! Heute konnte ich mein Indienvisum abholen! Eigentlich sprach nichts dagegen und trotzdem blieb die Möglichkeit bestehen, dass ich Indien für eine Weile aus meinen Plänen streichen musste, weil mein erstes Visum bereits abgelehnt wurde. Damit ich im Fall aller Fälle nicht wieder im luftleeren Raum stehen würde, hatte ich mir eine Plan B ausgedacht: Myanmar. Ausserdem hätte es ja noch viele andere Länder in Asien gegeben, welche es wert sind besucht zu werden!

Da nun aber alles geklappt hat, möchte ich mich heute von Nepal verabschieden. Ein letzter Blog über die letzten Tage seit meiner Abreise von Pokhara.

 


Bandipur

 

Mit einem Paar aus Italien sitze ich in einem Jeep und holpere über die Strasse. Unzählige Kurven lassen uns von einer Seite zur andern wanken und es gelingt uns nur mit Mühe nicht auf den Knien unseres Gegenübers zu landen. Draussen ist dichter Nebel. Ich frage mich, wie viele solche Kurven auf dieser Bergstrasse noch folgen werden. Noch eine und noch eine… immer höher  geht die Fahrt. Mühsam ächzend kämpft sich der Jeep den Berg hinauf.

 

So unkomfortabel, kalt und etwas düster beginnt meine Geschichte von Bandipur. Kaum zu glauben, dass ich zwei Nächte später völlig begeistert von dieser kleinen Bergstadt wieder zurück ins Tal fuhr.
Die Geschichte nimmt nämlich eine unerwartete Wendung. Und zwar genau jetzt:

Mit einem letzten Effort kämpft sich der Jeep um die nächste steile, enge Kurve und plötzlich befinden wir uns auf einer Anhöhe in hellem Sonnenlicht, unter klarem, blauem Himmel mit Blick auf das Nebelmeer. Vor uns liegt, an den Hügelkamm geklebt, eine kleine, verträumt wirkende Stadt: Bandipur.

 

Erwähnt jemand in meiner Nähe Bandipur, so beginnen meine Augen zu leuchten und ich gerate ins Schwärmen. Warum wohl? Denn so viel hat Bandipur auf den ersten Blick nicht zu bieten. Aber eines hat die kleine Stadt bestimmt: Charme. Ich fand gleich bei meiner Ankunft am Bazaar (Hauptteil des Städtchens) ein kleines Gasthaus im Newaristyle (typisch Bauart des Kathmandutals und in Bandipur sehr gut erhalten). Die weisse Fasade und die dunklen, geschnitzten Fensterläden und Balkone verliehen dem Gebäude eine bescheidene Eleganz. Eigentlich erhoffte ich mir ein Zimmer mit Blick auf die Strasse, von wo aus ich einen guten Überblick über den Bazaar gehabt hätte. Stattdessen wurde ich durch den dunklen Flur zu einem Zimmer auf der anderen Seite des Hauses geführt. Beim Öffnen der Holztür musste ich zuerst meine Augen schliessen. Das Zimmer war von hellem Licht durchflutet und eine löchrige Holztür führte auf einen kleinen Balkon mit Blick über weite grüne Hügel. Traumhaft. Ich setzte mich gleich einmal auf die Stufen zum und las in der wärmenden Sonne das erste Kapitel von „Palpasa Café“, einem Roman von einem nepalesischen Autoren.

 

 

Nach einem kleinen Snack machte ich mich auf den Weg zur angeblich grössten Höhle in ganz Asien. Der Weg führte zuerst auf einen kleinen Hügel und dann durch den Urwald ins Tal. Vorbei an gurgelnden Quellen, zirpenden Grillen und kreischenden Affen. Von diesen Geräuschen abgesehen war alles ganz still. Weit weg von Autolärm und Menschenstimmen. Genau die richtige Gegend für Tiger und andere Wildkatzen. Aber daran war wohl besser nicht zu denken!

Vor der Höhle sass ein junger Nepali und wartete auf Kundschaft. Angeblich war es nicht erlaubt ohne Guide die Höhle zu betreten. Mit Taschenlampe ausgestattet führte er mich durch den engen Eingang in den Berg hinein. Der Gang wurde immer weiter und bald schon standen wir in einer grossen Halle. Kalesh führte mich an bizarren Gesteinsformationen vorbei, welche nicht selten Namen trugen. Am eindrücklichsten war der „brüllende Tiger“.

 

 

Nicht weit davon entfernt stand eine Formation, welche an einen Elefantenkopf erinnert. Einmal im Jahr, zum Höhlenfest, kämen Hindus von nah und fern, um hier Ganesh (Gott mit Elefantenkopf) die Ehre zu erweisen und Opfergaben zu hinterlegen, erklärte mir Kalesh. Über Leitern kletternd und Steine rutschend gingen wir bis ans Ende der Höhle und mit dreckigen Hosen (ich versuchte erfolglos nach der 7-Meter-Rutsche auf den Füssen zu landen) wieder zurück in die Sonne.

 

Nun galt es die zahlreich abgestiegenen Höhenmeter in entgegengesetzter Richtung in Angriff zu nehmen und nach Bandipur zurück zu kehren. Allerdings hatte ich einen deutlich leichteren Aufstieg, als die Dorffrauen, welche ich überholte.

 

 

Denn Sonnenuntergang beobachtete ich von einem windigen Hügel aus. Ich sass zusammengekauert vor einem Tempel und schaute mit zusammengekniffenen Augen und Shiva im Rücken in die immer röter werdende, untergehende Sonne bis sie verschwand.

Sobald in Nepal die Sonne untergeht wird es kalt. Menschen ziehen ihre Mützen an und hüllen sich in Decken. Vor den Häusern werden kleine Feuer angezündet und Klein und Gross sitzt gemütlich plaudernd zusammen.

In einem stilvollen Gasthaus mit tibetischen Möbeln, Bildern und grosser Terrasse mit Laternen bestellte ich einen Masalatee, an dem ich mir meine kalten Hände wärmte. Dann widmete ich mich dem 2.Kapitel von „Palpasa Café“. Kaum hatte ich jedoch die erste Seite gelesen, wurde es auch schon dunkel. Stromausfall. What to do? Kerzen wurden angezündet und ich montierte meine Stirnlampe. Reise nie ohne Gelassenheit und Taschenlampe nach Nepal!

Der aufmerksame Leser hat bestimmt bereits bemerkt, was ebenfalls immer in meiner Tasche steckt: ein Buch. Denn einige Dinge gibt es genügend in Nepal: schöne Orte, unbekannte Schriftsteller und Schriftstellerinnen, Geschichte und Zeit. - Viel Zeit zum Lesen.

 

 

Den nächsten Tag verbrachte ich mehrheitlich mit lesen. Am Nachmittag besuchte ich eine Seidenfarm. Ich versprach mir eine interessante Führung und viele Informationen. Allerdings wurde ich ziemlich enttäuscht. Der Leiter der Farm hielt mir lediglich einige eingelegte Raupen und Puppen unter die Nase und beschrieb mir in knappen 10 Minuten und schlechtem Englisch das Leben einer Seidenraupe. - An dieser Stelle ein grosses Lob an den Schweizer Ballenberg! Da lernt man einiges mehr, was die Seidenproduktion angeht.- Ich verliess die Farm mit demselben Wissensstand, wie ich sie betreten hatte. Naja, etwas habe ich gelernt. In Nepal erwartet jeder ein saftiges Trinkgeld – egal für was für eine lausige Dienstleistung.

 

Der andere Besuch an diesem Tag galt einer öffentlichen Primarschule. Diese zwei Stunden haben mich trotz Vorwissen ziemlich geschockt und nachdenklich gestimmt. Auf dem Platz vor der Schule herrschte ein munteres Treiben. Hier sah ich bis auf die Schuluniformen keinen grossen Unterschied zur Schweiz. Plötzlich aber standen die Kinder in mehreren Reihen. Ohne ein Zeichen, oder zumindest schien mir dieses entgangen zu sein. Ich war verblüfft und beeindruckt. So schnell hat das bei mir nie geklappt!

 

 

Aus vollem Halse wurde die Nationalhymne gesungen und dann verschwanden die Kinder in den Zimmern. Die Zimmer waren klein und dunkel. Kleine Holztische und Bänke standen im Raum, auf die sich die Kinder drängten. Nun hiess es warten. Einem deutschen Voluntär nach, der bereits 3 Monate an dieser Schule unterrichtete, verbringen die Kinder viel Zeit in der Schule mit warten. Warten auf Aufträge, warten bis der Lehrer oder Lehrerin kommt oder warten bis überhaupt irgendjemand kommt und ihnen mitteilt, dass sie nach Hause gehen können, da heute keine Lehrperson zur Verfügung steht. Er sagte mir, dass er sich zu Beginn seiner Voluntärzeit für eine von 4 Klassen entscheiden musste, welche alle keine Lehrperson hatten. Mittlerweile hätten sie zwar für alle Klassen eine LP, welche jedoch oft zu spät oder gar nicht auftauchte. Die anwesenden Lehrerinnen waren sehr interessiert an meiner Person. Eine Lehrerin aus der Schweiz! Eine Attraktion. Ich versuchte mich mit ihnen zu unterhalten, aber obwohl sie alle Englisch unterrichteten, war es unmöglich ein Gespräch zu führen. Sie verstanden wenig und konnten nur fragen wie alt ich sei und ob ich verheiratet wäre. Der Schulleiter wollte von mir wissen, ob es Unterschiede zwischen seiner und meiner Schule gebe. Ich habe dreimal geschluckt und versucht so objektiv als möglich einige Unterschiede aufzuzählen. Einrichtung der Schulzimmer, Material, Ausbildung der Lehrpersonen, Didaktik und Methodik. Allerdings stoppte ich bald, da ich merkte, dass es ihn entweder nicht interessierte oder er nicht verstand von was ich sprach. War vielleicht auch besser so. Wie hätte ich ihm erklären sollen, dass bei uns praktisch alles anders und aus meiner Sicht besser ist? Kurz nach dem Erklingen der Glocke kam bereits das erste Kind aus dem Zimmer gestürzt. Weinend hielt es sich das Auge und Blut tropfte zwischen seinen Fingern auf den Boden. Die Lehrerin hatte wohl etwas zu stark zugeschlagen. Eine Frau schaute gelangweilt aus dem Büro des Schulleiters. Träge begann sie unter meinem missbilligenden Blick dem Jungen das Auge mit einem nassen Tuch abzuwischen.

Wie ich später erfuhr, hatte keine der dort unterrichtenden Lehrpersonen eine pädagogische Ausbildung. Und das trifft auf eine Mehrheit der Lehrpersonen in Nepal zu. Wieso sollten sie dann anders unterrichten, als sie selber unterrichtet wurden…

Die öffentliche Schule wird vorwiegend von Kindern aus armen Familien und Mädchen besucht. Die wohlhabenderen Kinder besuchen Privatschulen, welche etwas fortschrittlicher sind.

 

Eine Geschichte aus dem Dorf hat mich sehr traurig gestimmt. Ein junges Paar, nennen wir sie Raul und Laksmi, haben geheiratet. Eine Liebesheirat! Für die Dorfbewohner eine Schandtat. Und als ob das nicht schon genug wäre, stammen sie auch noch aus verschiedenen Kasten! Die Familien beider Seiten haben sich von ihnen abgewendet. Laksmi gebar drei Kinder. Ein SEGEN! Allerdings waren es drei Mädchen. Eine SCHANDE und ein BWEIS dafür, dass eine LIEBESHEIRATS verwerflich ist. Letzten Frühling ist Laksmi an Krebs gestorben. Eine TRAGIK! Für die Leute aber ein weiterer BEWEIS, dass heiraten zwischen verschiedenen Kasten nur UNGLÜCK bringt. Nun steht Raul mit seinen drei Töchtern alleine da. SCHICKSAL? Wenigstens ist da noch eine Witwe, die sich von Zeit zu Zeit um die Töchter kümmert. Denn da sie ja Witwe und dadurch wertlos ist, hat sich nicht mehr viel zu verlieren…

 

Trotzdem habe ich gut geschlafen, in meinem kleinen, staubigen Zimmer mit Blick in den wolkenlosen Sternenhimmel. Am nächsten Morgen war Abreisetag. Um den Touristenbus in der nächsten grösseren Stadt Dumre nicht zu verpassen, fand ich mich bereits früh an der Bushaltestelle in Banidpur ein. „Was für ein Glück“, dachte ich, „der Bus steht bereits mit laufendem Motor in Startpositzion!“ Ich setzte mich und wartete darauf, dass wir losfahren würden. Aber der Motor erlosch und der Fahrer verliess den Bus. Anscheinend hatte er nur überprüft, ob der Motor anspringt. „We leave in 10 minutes!“… Das konnte ja heiter werden! 10 Minuten verstrichen. Noch einmal 10 Minuten. Noch einmal 10 Minuten. Gut, dass ich mein Buch dabei hatte. Nach 40 Minuten wurde ich allerdings etwas unruhig und nach 50 Minuten suchte ich den Fahrer auf und bat ihn zu fahren. Er war einverstanden, denn seinen Tee und Schwatz hatte er anscheinend beendet…
In Dumre kaufte ich mir an einem Kiosk einige Kekse und wunderte mich, wie ich den Bus nach Kathmandu finden sollte, in dem ich meinen reservierten Platz hatte. What to do? Schon hielt ein Bus nicht weit vom Kiosk entfernt und der Türsteher rief: „Blue Sky!“ „Yes, that’s me!“, rief ich, schnappte mein Gepäck und stieg ein. Der Bus brauste mit mir davon.

 

 

Streik

 

Zahlreich stehende Autos und Buse, grosse Menschenansammlung und brennende Autoreifen. Das verhiess nichts Gutes. Unser Bus fuhr an all den stehenden Autos und ratlos wirkenden Menschen vorbei nach vorne. Nach langen Verhandlungen hiess es unser Bus dürfe passieren, da wir ein kleines Mädchen an Bord hätten. Allerdings müssten alle Nepali austeigen! Das taten diese auch, nachdem sie ihr Gepäck im Handgepäckfach versteckt hatten. Der Bus wurde auf Passagiere überprüft und durfte passieren. 500 Meter weiter vorne stiegen unsere nepalesischen Mitreisenden wieder ein und die Reise ging weiter. Dasselbe wiederholte sich siebenmal bis wir in Kathmandu ankamen.

In Kathmandu liess sich kein Taxi finden und so lief ich den halbstündigen Weg zu meinem Hotel. Für solche Spaziergänge hatte ich ja schliesslich einen Rucksack mitgebracht…

Dieser kleine Aufstand war aber erst der Vorbote für den nächsten Tag. Generalstreik! Anscheinend wurde ein inhaftierter, politisch aktiver Student, während einem Angriff im Gefängnis durch Mitgefangene schwer verletzt und ins Spital eingeliefert, wo er einige Stunden darauf verstarb. Dies veranlasste eine Studentenverbindung einen Generalstreik auszurufen. Was der genaue Zweck dieses Streiks war, konnte mir keiner erklären. Nepal schien einfach wieder mal reif für einen Streik…

Die sonst verstopften Strassen waren leer. Kein Auto, kein Taxi, kein Bus. Alle Läden geschlossen. Wer geöffnet hatte musste einen Angriff und Verwüstung befürchten. Einige Restaurants im Thamel (Touristenviertel) hatten geöffnet. Allerdings war der Rollladen nur halb geöffnet und wurde sobald in der Nähe laute Parolen zu hören waren, sofort heruntergelassen.

Die Stimmung schien aber grösstenteils friedlich. Das ganze nepalesische Volk schien auf den Beinen zu sein, als wäre ein grosser Feiertag. Tausende spazierten friedlich auf den autofreien Strassen. What to do, an so einem geschenkten Tag? Laufen, laufen, laufen und Eindrücke sammeln.

 

 

Vorgestern war erneut ein Streik. Allerdings bedeutend kleiner. Er betraf vorwiegend Ladenbesitzer. Der Grund dafür schien mir hier weitaus klarer und bedeutender. Da die Strassen Kathmandus vor 65 Jahren geplant und gebaut wurden, halten sie der stetig wachsenden Bevölkerung von heute nur schwer stand. Sie sind sehr eng, in schlechtem Zustand und der Verkehr und die Menschen stauen sich. Die Regierung möchte nun alle Strassen etwas verbreitern. Das bedeutet aber, auf jeder Strassenseite 1 Meter an Häusern, Shops und Wohnungen dem Erdboden gleich machen! Da scheinbar die meisten Gebäude dem Staat gehören bleibt der Bevölkerung nichts anderes zu bleiben, als zu streiken und eine Entschädigung zu fordern.

Allerdings fiel mir auf, dass selbst bei diesem Streik die Leute mit wenig Energie und Motivation dabei waren. Die Schicksalsergebenheit und der fehlende Glaube selber Einfluss auf das Geschehen zu haben scheint sich auch hier durchzusetzen. „WHAT TO DO…? WHAT TO DO!“, wie das nepalesische Volk zu sagen pflegt.

 

 

What to do in Kathmandu?

 

There is a lot to do in Kathmandu! Kathmandu ist eine Stadt, die lebt. Es gibt so vieles zu sehen und zu tun hier. In Kathmandu findet man alles! Sogar Ruhe, obwohl das einige bestreiten. Aber ich sage: Man muss nur den richtigen Orte dazu finden. Ich habe die Stadt in mein Herz geschlossen und möchte wieder einmal hier zurückkehren! Es gibt einige Dinge, welche ich noch nicht gesehen habe. Z.B. Bhaktapur (die Newaristadt in der Nähe), Nagarkot (ein nahgelegenes Städtchen mit frischer Luft und Topaussicht), Upper Jazz (ein kleiner Jazzclub), Nepali Chulo (ein Lokal mit nepalifood und folklore), Délices de France (französiche Küche aufs Feinste) und einiges mehr. Nächstes Mal!

 

Aber Vieles habe ich gesehen! Und ich bin begeistert von der Lebendigkeit dieser Stadt!

Hier meine Ratinglist:

 

Platz 1: Garden of Dreams
Der Name sagt es bereits. Einfach traumhaft. Ein kleiner paradiesischer Garten inmitten des lärmigen Kathmandus. Der ideale Ort in der Sonne ein Buch zu lesen.

 

 

Platz 2: Ting’s

Im Aussenquartier Lazimpat liegt dieses Hotel. Eine Oase der Ruhe, Einfachheit und Ästhetik. Mit Heizung! Der ideale Ort zum der Kathmanduhektik zu entfliehen und die müden Füsse auszuruhen.

 

 

Platz 3: Boudha

Nach einer Runde um die grösste Stupa der Welt (im Uhrzeigersinn) auf der Dachterrasse eines Restaurants einen Tee und die Stimmung geniessen.

 

 

Platz 4: Thamel

Durch die lebendigen Strassen spazieren und im Pilgrim’s Bookshop durch die riesige Bücherauswahl stöbern.

 

 

Platz 5: Durbarsquare

Sich auf eine Plattform des Maju Deval setzen und dem bunten Treiben der Menschenmasse zuschauen und Leute beobachten.

 

 

Platz 6: Pashupatinat

Bei Sonnenuntergang die mystische Stimmung des Shivatempels und den Verbrennungen der Verstorbenen wirken lassen.

 

 

Platz 7: Swayambhunath

Die Aussicht auf Kathmandu geniessen und den Affen beim Spielen und Lausen zuschauen.

 

 

Platz 8: Freakstreet

Die etwas ruhigere Thamelstrasse hinauf schlendern und im Snowman Café den leckeren Banenen-Schokoladencake probieren.

 

 

 

Platz 9: Patan

Die Architektur des Durbarsquares bestaunen und das Patanmuseum besuchen, um mehr über Hinduismus und Buddhismus zu erfahren. Taschenlampe für allfälligen Stromausfall nicht vergessen!

 

 

Platz 10: Sal’s Pizza

Eine gute Sache unterstützen, indem man eine Pizza und zum Nachtisch einen leckeren Brownie isst. Der Platz wird von ehemaligen Waisenkindern geführt.

***


 

 

 

 

 

Goodbeye Kathmandu!

I do love you!

Su**

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25 December 2011 - MERRY CHRISTMAS

Merry Christmas and a happy New Year!

So weit weg von zu Hause… Schon etwas merkwürdig. Weit und breit kein Schnee, kein Weihnachtsbaum, kein Adventskranz und keine Läden voller Weihnachtsdekoration.
Dafür aber Sonnenschein, Blumen  und viele frische Mandarinen!

Alleine unterwegs zu sein gefällt mir besser, als ich es mir erhofft habe. Ich kann machen was und wann ich es will. Ich lerne viele Menschen kennen und ich habe unglaublich viel Zeit zum Lesen. Traumhaft! Trotzdem gibt es natürlich immer wieder Momente, in denen ich mir Freunde oder Familie in der Nähe wünschte… Der Gedanke an Weihnachten, so weit weg von allem Bekannten und allen Bekannten, Verwandten und Freunden, machte mir „ali ali“ (ein wenig) Angst. Wie würde ich mich wohl fühlen? Ich suchte darum nach einer guten Lösung. – Und wurde fündig!

 

24 Dezember

Die Nacht vom 23. auf den 24. verbrachte ich in einem Zelt, im „Last Resort“ http://www.thelastresort.com.np ca.3 Stunden von Kathmandu . Obwohl die Tagestemperatur in Kathmandu (1300 m.ü.M) und Umgebung deutlich über 10 Grad steigt, sind die Nächte sehr kalt. Dank meinem Seidenschlafsack und 2 Decken waren die kalten Temperaturen aber gut zu ertragen. Das Zelt teilte ich mit einer holländischen Touristin, welche beim zu Bett gehen noch von der guten Lage unseres Zelte schwärmte (next to the toilet). Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie froh ich um diese exzellente Lage sein würde… Bald aber ahnte ich Böses. Die leichten Bauchkrämpfe, die mich seit dem Mittagessen begleiteten, wurden immer stärker. Ein 1.Gang zur nahen Toilette war bald unausweichlich und es folgten noch etliche weitere. Die Nacht vor Weihnachten verbrachte ich somit abwechslungsweise entweder zusammengekrümmt mit schrecklichen Bauchkrämpfen im warmen Bett oder zusammengekauert auf der kalten Toilette. Mir wurde wieder einmal bewusst, wie beschissen oder verschissen so eine Reise doch sein kann! (Entschuldigt meine Worte, aber es gibt Situationen, die können nicht beschönigt werden.)

Gegen den Morgen wurden die Krämpfe schwächer und um sieben stieg ich mit etwas wackeligen Beinen aus dem Bett und wusch mir die Haare. Das eiskalte Wasser verursachte zwar leichte Kopfschmerzen, welche aber praktischerweise von den Bauchkrämpfen ablenkten und bald wieder verschwanden.

Nichts desto trotz, machte ich mich auf den Weg zum reichhaltigen Zmorgenbuffet und deckte mich mit einer Kanne Schwarztee und etwas Naturjogurt ein. Jetzt ins Bett zurück zu kriechen kam nicht in Frage. Schliesslich hatte ich grosses vor an diesem 24. Dezember 2011!

Um 8 Uhr war das Briefing. Um 8.15 Uhr wurde ich gewogen. Um 8.45 Uhr lief ich mit weiteren 15 mehr und weniger Mutigen zur 160 Meter hohen Brücke. Um ca. 9 Uhr kletterte ich unter der Schranke hindurch, stand mit meinen Zehenspitzen am Rand der kleinen Plattform und schaute in die Schlucht, durch die sich ein Fluss schlängelte. Weihnachten, alleine, weit weg von Familie und Freunden! Warum sollte ich mich da nicht von einer Brücke stürzen? Ich tat es. Ich öffnete meine Arme und flog in die Tiefe. Nach wenigen Sekunden war der Sturz vorbei. Das Bungeeseil katapultierte mich wieder zurück in die Höhe. Bald schon hing ich mit dem Kopf nach unten über dem Wasser und wartete darauf, ans Ufer gezogen zu werden. Der ganze Spuk vorbei. Irgendwie ziemlich unrealistisch! Richtig begriffen habe ich es erst, als ich über einen steilen Weg die 160 Meter wieder aus der Schlucht aufsteigen musste. Runter wenige Sekunden, rauf gute 20 Minuten.


Oben angekommen entschloss ich mich auch noch die „Swing“ zu wagen, um etwas länger zu fliegen. 6-7 Sekunden freier Fall und anschliessend angenehmes Hin- und Her Schweben über dem Fluss. Hat sich gelohnt.

Den Abend des 24.Dezembers verbrachte ich wieder in Kathmandu, im wohl charmantesten und angenehmsten kleinen Hotel der Stadt. Die geschmackvolle, simple Einrichtung, die herzlichen dänischen Besitzer, das freundliche Personal und die ruhige Lage machen das Hotel zu einer Oase im lauten und lebendigen Kathmandu. Zudem ist das Essen wirklich lecker und – es ist kaum zu glauben – in den Zimmern ist es dank Gasheizung angenehm warm! Seit meiner Ankunft in Nepal vor 2 Monaten endlich mal ein warmes Zimmer! Herrlich! Das ist Weihnachten!

Das dänische Ehepaar und die Angestellten, hiessen mich am 24. herzlich willkommen. Es gab ein leckeres Christmas Dinner! Anwesend waren einige Gäste und Freunde des Ehepaars aus Nepal, Dänemark, Australien, USA und der Schweiz. (Ich sass zwischen Dänemark und Australien.)

Zum Essen lief Weihnachtsmusik und auf dem Tisch lagen kleine Geschenke. „Hübsche Dekoration!“, dachte ich. Die Dekoration war aber nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen, Auspacken und Bestaunen gedacht. Jeder Gast, durfte sich ein Geschenk aussuchen. Zum Vorschein kamen zahlreiche nepalesische und buddhistische Gegenstände. Von goldigen Mandalas, über Ilam-Tee bis kleine Buddhastatuen. Ich zog eine Dorje. Im Buddhismus steht die Dorje für das Männliche, während eine Glocke das Weibliche repräsentiert. Die beiden rituellen Instrumente werden von Mönchen in je einer Hand gehalten und auf Höhe des Herzens gekreuzt. Diese Haltung symbolisiert die Vereinigung von Weg und Ziel – Ying und Yang.


Müde und zufrieden legte ich mich in dieser Weihnachtsnacht ins Bett. Zwar hatte ich an diesem Heiligen Abend weder die Weihnachtsgeschichte gehört, noch habe ich Weihnachtslieder gesungen oder die Kerzen am Baum angezündet. Aber ich spürte, dass das Zusammensitzen von Menschen verschiedener Nationalitäten und Religionen bei gutem Essen und Musik eine wahre Weihnacht war.



Viele Leute schauen mich zurzeit mit Mitleid an und fragen: „Weihnachten ganz alleine. Vermisst du deine Familie nicht schrecklich?“ Meine Antwort: „Ein klein wenig schon, aber vor alle freue ich mich sehr nächstes Jahr wieder mit ihnen zu feiern!“

 

*Su

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14 December 2011 - GOODBYE POKHARA

 

 

 

 

Meine Zeit in Pokhara neigt sich dem Ende zu. Morgen fahre ich Richtung Kathmandu, wo ich einen erneuten Versuch starten werde das Indienvisum zu bekommen… Bin zuversichtlich!

Unterwegs nach Kathmandu werde ich einen Stopp in Bandipur machen, einem kleinen Newari Städtchen, das seit dem Bau der Hauptstrasse ins Abseits gedrängt wurde… Bin gespannt!

Danke für die vielen Rückmeldungen auf meinen Blog! Meine Mutter hat mich angeregt, doch auch über das Thema Menschen in Nepal zu schreiben… mach ich gern! Weitere Wünsche oder Interessen bitte einfach melden =)

 

 

 

 

Lumbini

 

Bevor ich mich dem Wunsch meiner Mutter zuwende, noch einige Worte zu meinem letzten Ausflug. Gemäss Reisebüro 6-7 Stunden, in Tat und Wahrheit aber 9-10 Stunden von Pokhara entfernt, liegt Lumbini, der Geburtsort Buddhas. Bevor ich mich in den Bus setzte entschloss ich mich ohne Hotelreservierung in Lumbini das Abenteuer zu wagen. Die Leute, welche mich gut kennen, können sich vorstellen wie viel Mut es mich gekostet hat, ganz alleine an einen völlig fremden Ort zu reisen ohne zu wissen wo ich die Nacht verbringen werde… Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Und so reiste ich zuversichtlich mit den Hotelvorschlägen von Lonelyplanet ins Ungewisse. Die Liste hätte ich mir allerdings sparen können! Denn müde und etwas energielos von der langen Fahrt blieb meine Hotelsuche erst mal erfolglos. Die Hotels von Lonlelyplanet war ich schnell durch. Nicht nur diese, auch zahlreiche weiter Hotels in der Stadt, waren ausgebucht. Was ich nicht gewusst habe: Zurzeit weilten tausende Buddhisten in der Stadt, um an einem wichtigen Festival teilzunehmen. Es schien, als wäre jedes einzelne Bett in Lumbini ausgebucht. Ich kam mir vor wie Maria in Bethlehem (mal abgesehen davon, dass ich nicht schwanger war und ganz alleine dastand). Die Zuversicht verlor ich trotzdem nie ganz irgendwo noch ein Bett zu finden – oder so was ähnliches. Nach einer gewissen Zeit und zahlreichen Absagen waren meine Ansprüche auf ein tiefes Niveau gesunken. Ich hätte mein Bett wohl sogar mit einer Kakerlake geteilt =)

Soweit kam es dann aber nicht. Ich erhielt den Tipp mich bei der Korean Monastery zu melden, die hätten noch am ehesten einen Schlafplatz… Das klang vielversprechend. Ich sah mich schon inmitten koreanischer Mönche und Pilger auf einer Pritsche liegend. Tatsächlich war in ihrem Guesthouse noch ausreichend Platz vorhanden. Ich teilte das Zimmer mit zwei koreanischen Buddhistinnen.

 

 

 

 

Das Zimmer war sehr „basic“, aber sauber. Ausser einer Mücke, welche mich die halbe Nacht wach hielt fand ich keine störenden Insekten. Um 4 Uhr in der Nacht missachtete ich völlig entnervt die buddhistische Regel kein Lebewesen zu töten und machte ihrem Leben mit einem sanften Klatsch ein blutiges Ende.

Unser Zimmer hatte sogar einen grosszügigen „ privat bathroom“!

 

 

 

 

Eine günstigere und authentischere Bleibe hätte ich wohl nirgends in ganz Lumbini finden können. Für wenig Geld wurden einem ein Schlafplatz und 3 Malzeiten (dreimal Reis mit Gemüse) geboten.

45 Minuten nach meinem Mückenmord schlüpfte ich aus meinem warmen Schlafsack und zog mich an, um der morgendlichen „worshiping time“ beizuwohnen. Draussen war es noch dunkel. Über den leeren Platz klang der ruhige Gesang eines Mönchs, begleitet von einem Gong. Aus dem Tempel schien oranges, warmes Licht. Durch die Dunkelheit und Morgenfrische stolperte ich noch etwas verschlafen zum Eingang und zog dort meine Sandalen aus. Barfuss auf einem Kissen sitzend begann so in Stille, nach einer langen, mühsamen Fahrt und anschliessend unruhigen Nacht, mein Tag in Lumbini. Der meditative Gesang der Mönche und Mönchinnen erfüllte mich mit wohltuender Ruhe.

Die 40 Minuten Morgengebet waren eindeutig das schönste Erlebnis in Lumbini.

 

 

 

 

Nach dem Morgenessen mietete ich mit zwei Franzosen Fahrräder und wir machten uns auf Entdeckungsfahrt durch den weitläufigen Park. Lumbini besteht aus einem Bazaar (Dorf) und einer Development Zone (Park). Zahlreiche buddhistische Tempel von verschiedenen Nationen liegen im Park verstreut. Obwohl kaum ein Tempel wirklich fertiggestellt ist (Dauerzustand seit Jahren…) übertreffen sie sich in Grösse und Pracht. Trotz aller Schönheit empfand ich die grosszügige Anlage als befremdlich. Ich wurde das Gefühl der Wettbewerbsstimmung nicht los. Es schien mir, als würden alle diese Tempel mehr für das Prestige des jeweiligen Landes gebaut, als für religiöse Zwecke. Ziel der Bauten schien es zu sein, dass die Besucher und Pilger nach Hause gehen und sagen: „Wow, der Tempel von XY war eindeutig der grossartigste!“

Eine freudige Mitteilung gibt es allerdings noch zu machen! Bei der World Peace Pagoda (eine von geplanten 100 auf der ganzen Welt) bekam der heimliche Star der Reise – der kleine Bär – endlich einen Namen. Am Geburtsort Buddhas wurde er auf den Namen BINI getauft. „Hoch lebe BINI!“

 

 

 

 

 

Menschen in Nepal

 

Fährt man durch Dörfer und Städt Nepals bietet sich oft das gleiche Bild. Menschen tragen schwere Lasten, waschen sich die Haare über Plastikbecken, holen Wasser, sitzen beim Barbier, frittieren Snacks, spielen Carom oder warten hinter der improvisierten Ladentheke ihres kleinen Shops auf Kundschaft. Allgemein scheinen viele Männer und Frauen ihre Zeit mit Warten zu verbringen. Am Strassenrand vor ihrem Haus hockend, machen sie nichts ausser dem Bus entgegen- beziehungsweise nachzuschauen und bei Gelegenheit ein Wort mit einem Vorbeigehenden zu wechseln. Zeit scheint hier in Nepal jeder zur Genüge zu haben. Das mag verschiedene Gründe haben. Ein Nepali, der viel Freizeit hat, hat das Privileg viel Zeit zum Nichtstun zu haben. „Nur arme Menschen müssen pausenlos schuften!“, so die verbreitete Meinung. Tatsächlich wird die Zeit oft mit Nichtstun verbracht. Selten sieht man Leute, die ein Buch lesen. Fragt man nach ihrem Hobby, erscheint nicht selten ein grosses Fragezeichen auf ihrem Gesicht. Dafür haben sie viel Zeit zum Schwatzen und Teetrinken. Sehr viel Zeit.

In einem Buch über die schleichende und fehlende Entwicklung Nepal stand, dass viele Nepali people aufgrund der Religion und der Kastentradition sehr schicksalsergeben sind. Warum einen grösseren Aufwand betreiben, als unbedingt nötig? Denn als Individuum haben sie sowieso wenig Einfluss auf ihr Leben.

 

 

 


 

Religion, vorwiegend Hinduismus (Minderheit Buddhismus), prägt die Gesellschaft und ihre Wertevorstellungen nach wie vor stark. Die Mehrheit läuft mit einem Tikka (roter Punkt auf der Stirn) herum. Je nachdem ist es das Zeichen einer verheirateten Frau, eines Segens oder einfach nur Modeschmuck. Zahlreiche Saddhus (echte und unechte Asketen) bevölkern die Strassen. Jedes Haus hat einen eigenen Altar um täglich je nach Religion zahlreiche Götter oder die Lehren Buddhas zu ehren. In buddhistischen Häusern werden jeden Morgen Tujazweige angezündet, was einen starken, segnenden Rauch entstehen lässt.

Auf den Strassen sieht man äusserst selten Frauen und Männer, welche sich umarmen oder küssen. Physisch nah sind sich Frauen und Männer in der Öffentlichkeit einzig in überfüllten Bussen oder auf dem Motorrad. Wie die beiden Geschlechter zu Hause mit einander umgehen ist schwer abzuschätzen. Der Guesthousebesitzer einer Lodge, in der André übernachtet hat, lässt scheinbar seine Frau vor der Tür schlafen, wenn sie ihre Tage hat. Frauen während der Menstruation gelten als unrein und dürfen auch keinen Tempel besuchen. Vorkommnisse wie vorher genannt kommen aber meines Wissens nicht mehr oft vor.

 

 


 

 

 

Ein anderes Thema, welches von der Religion verboten oder nur in einigen Ausnahmen goutiert wird, ist der Alkohol. Wenige Leute sind Alkohol trinkend anzutreffen. Wohl aber stösst man immer wieder auf alkoholisierte Leute – va. Männer.

Im Grossen und Ganzen sind mir die Leute hier ans Herz gewachsen. Es gibt jedoch Eigenschaften, welche ich nicht verstehen kann. Versuche ich über die mir befremdliche Schicksalsergebenheit des Nepali hinweg zu sehen, so bleibt nur noch etwas, dass mir wirklich Mühe macht und an das ich mich nicht gewöhnen kann: Überall, wo ich hingehe, ob Stadt, Land, Gasthaus oder Monastery wird auf den Boden gespuckt. Egal ob Mann oder Frau, alle tun es. Sogar die Kinder üben schon fleissig. Nach eineinhalb Monaten Studienzeit kann ich nun mit Sicherheit sagen, dass es 2 verschiedene nepalesische Spuckvarianten gibt. Ich nenne sie Schützenfisch- und Chodertechnik.

 

  • Schützenfischtechnik: Die Person spuckt ohne Vorwarnung schnell und präzise eine kleine Ladung Spucke auf den Boden. Dabei erscheinen mir die Spucker so treffsicher wie der Schützenfisch, der mit einem Wasserstrahl Insekten abschiesst.

 

  • Chodertechnik: Der Name sagt es bereits. Die Person sammelt erst geräuschvoll eine Ladung Spucke tief aus dem Rachen heraus, bevor er sie dann ebenso geräuschvoll auf den Boden tropfen lässt.

 

Wäää! Selbst zierliche Frauen und Männer im Anzug machen da keine Ausnahme… Unfassbar.

 

Mit so viel negativer Spucke möchte ich aber das Thema Menschen in Nepal nicht abschliessen, sondern euch zwei Menschen bzw. Familien vorstellen, die mir hier in Pokhara sehr ans Herz gewachsen sind.

 

Prem und seine Familie

Prem arbeitet als Lehrer in einer staatlichen Sekundarschule. Da dieser Beruf nur mit einem geringen Lohn bezahlt ist, macht er diverse Nebenjobs. Unter anderem organisiert er Bustickets für Touristen. Ausserdem bietet er in seiner „the cosmic brontosaurus language school“ Nepali- und Hindilektionen an.

 

 

 

 

Mit seiner Frau Apsara betreibt er einen kleinen Shop, in dem es von Toilettenpapier über Wasser und Kerzen bis Schokoladenriegel alles zu kaufen gibt. Jeden Abend kocht Apsara Dahl Baat in grosser Menge für die Familie und hungrige Gäste. The best Dahl Baat ever! Ihre Tochter Api ist 5 Jahre alt und besucht die Montessorischule in Pokhara. Unglaublich wie schnell dieses kleine Lausmädchen –das lieber ein Junge wäre- jeden Morgen, dank Schuluniform und zusammengebunden Haaren in ein sauberes, respektables Mädchen verwandelt wird.

Seit 13 Tagen ist die Familie um ein Mitglied gewachsen. Anupam, ein kleiner Junge, ist auf die Welt gekommen. Das freut vor allem Api, denn eine kleine Schwester wäre gar nicht in Frage gekommen!

Die Offenheit und Freude, mit der ich immer empfangen wurde, machten Pokhara zeitweise zu einem kleinen Zuhause.

 

Madhab Prasad Lami Chhane

Madhab besitzt ebenfalls einen kleinen Laden mit dem Namen Ambica Cold Store. „Ambica“ sei der Name seiner Frau, welche ich nie kennen gelernt habe. Ausserdem arbeitet er von Zeit zu Zeit als Trekkingguide. Im kleinen Raum neben dem Shop wohnt er mit seinem 10-jährigen Neffen. Der Knabe ist ein aufgeweckter Junge, der dank der englischsprachigen Privatschule, die er besucht, sehr gut Englisch spricht. Sein Onkel steht meistens über Bücher gebeugt hinter der Ladentheke. Er lernt koreanisch und hofft im nächsten Sommer bei einer staatlichen Prüfung 100 Punkte zu erreichen. Dies würde ihm einen Job in Korea ermöglichen, bei dem er vielmehr verdienen würde, als in Nepal. Die Konkurrenz hier im Tourismusbereich sei gross. Zu viele Shops und Guides gebe es. Er studiere hart! Falls er die Prüfung aber nicht schafft, so werde er es nicht noch einmal versuchen. Denn schliesslich gehe es ihm nicht schlecht. Er habe zwar nicht viel, aber er sei zufrieden. Mehr brauche er nicht. Hauptsache sei, dass der Neffe eine gute Schulbildung erhalte!

Sein fröhliches „Tapailai kasto cha?“ – Wie geht es dir?- werden mir immer in guter Erinnerung bleiben.

 

 

 

 

 

Eine Hymne an Pokhara

Ich habe etwa einen Monat in Pokhara verbracht. Die Zeit war geprägt von intensiven, ruhigen, traurigen, schönen, lustigen und interessanten Momenten.

Pokhara hatte viel zu bieten:

  • Ausflug zum Begnas Tal
  • World Peace Pagoda
  • Paraglyding
  • Devi’s Fall
  • Mountain Museum
  • Viele Shops “come inside… just a look!”
  • Paschminaschals
  • Tolle Restaurants und leckeres Essen

 

Vor allem ist mir Lakeside North, der etwas ruhigere Teil vom touristischen Lakeside ans Herz gewaschsen.

O Pokhara, wie werde ich dich vermissen!

  • Das YESMI Guesthouse, in dem ich mich so wohlgefühlt habe.
  • Der Morgennebel, der einem auf die Sonne hat hoffen lassen.
  • Der Blick auf die Pagoda.
  • Das leckere Frühstück im Himalayan Café.
  • Die Hungry Feel Bakery mit dem leckeren Apfelstrudel.
  • Die friedlich grasenden Wasserbüffel.
  • Die unvermeidliche, neventötende Bushupe.
  • Der täglich zuverlässige, wiederkehrende, stundenlange Stromausfall.
  • Prem und seine Familie
  • Madhab und sein Kiosk
  • Die Familie vom Yesmi Guesthouse…

 

Und um diese Hymne mit einem weiteren Höhepunkt abzuschliessen, welcher allen Lesern die Spucke – oh Verzeihung- das Wasser im Munde zusammen laufen lässt:

*Der unvergessliche, leckere, traumhaft süsse Machhapucchere Kiss.*

 

 

 

**Goodbye Pokhara**

 

Su*


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13 December 2011 - FOTOLINK

Hier für alle Nichtfacebookbenutzer einige Links um die bisherigen Fotos anzuschauen:

 

Nepal I (Kathmandu)

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.268145319894227.59595.100000962830832&type=1&l=4822a5c4f5

 

 

Nepal II (Upper Mustang)

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.277520835623342.61378.100000962830832&type=1&l=c4fe4c4ba8

 

Nepal III (Pokhara & Bardia National Park)

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.284489674926458.62410.100000962830832&type=1&l=fded475361

 

 

Enjoy!
*Su

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5 December 2011 - 40 TAGE IN NEPAL

Nun sind schon 40 Tage vergangen, seit ich mit meinem Rucksack in Kathmandu gelandet bin. Obwohl das Leben hier viel gemächlicher verläuft als in der Schweiz, vergeht die Zeit schnell wie überall auf der Welt. Das mit der Zeit ist so eine Sache – André hat beim gemütlichen Trinken einer Tasse nepalesischen Milchtees in einem kleinen sonnigen Garten gemeint: „In der Schweiz haben wir keine Zeit. Hier in Nepal auch nicht, denn die Uhr steckt irgendwo im Rucksack!“
Meine Uhr ist zwar noch am Handgelenkt, aber wirklich brauchen tue ich sie nur, wenn ich ein Skypedate mit der Schweiz habe. Ansonsten ist sie von geringem Nutzen. Die oft versprochenen nepalesischen 5 Minuten können sowohl 10 als auch 30 oder 60 Minuten bedeuten!

 Wenn ich an die letzten 40 Tage denke, so fallen mir unzählige Dinge und Ereignisse ein, über die ich heute schreiben könnte. Es ist schwer eine Auswahl zu treffen, die die bis heute erlebte Zeit zufriedenstellend zusammenfasst. Ich fange einfach mit einigen Eindrücken an. Der Rest wird dann vielleicht im Laufe der Zeit folgen.

 


Unterkünfte

Die Hotels, Guesthouses, Teahouses oder Lodges gibt es in allen Preisklassen und Sauberkeitsniveaus. Grundsätzlich sind sie aber vergleichsweise zu Europa sehr günstig. Leicht sind Zimmer zu finden, für die nur 400 Rupies pro Nacht verlangt werden. Das entspricht etwas mehr als 4 Franken. Alle Zimmer haben sicher ein Bett (zum Teil eher Brett). Weitere Möbel wie ein kleines Tischchen, Stuhl oder gar Kleiderständer sind oft anzutreffen, aber nicht zu erwarten. Manche Zimmer haben ein angrenzendes Bad mit WC-Schüssel und Dusche. Bei anderen Zimmern legt man kürzere oder längere Distanzen zurück, wenn in der Nacht mit Taschenlampe und WC-Papier ausgerüstet das Loch im Boden aufgesucht werden muss.

Sauberkeit ist ein weiter Begriff. Mit Spinnen und Gekkos habe ich bereits Freundschaft geschlossen, da sie einem Mücken und Ameisen vom Leibe halten. Mit den angetroffenen Kakerlaken wollte ich mich nicht anfreunden! Von Bedbugs, die kleine blutige Bisswunden am ganzen Körper hinterlassen, habe ich zum Glück - bis jetzt - nur gehört. Viele Zimmer sind aber für nepalesische Verhältnisse sehr sauber, einfach und gepflegt.

Spannend waren die Unterkünfte auf dem Trekking in den Upper Mustang. Jeden Abend bezogen wir mit vorsichtiger Neugier unsere Nachtlager. Obwohl überall Decken zur Verfügung standen, waren wir immer froh um unsere Schlafsäcke. Denn manchen Gerüchen in Leintüchern und Decken zufolge, konnte man sich die feuchten Stauräume und unzähligen Bettbenutzer bildlich vorstellen. In manchen Situationen zog ich das Frieren den von Gerüchen begleiteten Albträumen vor und schob die Decke ans Fussende.



In Pokhara habe ich ein Zimmer gefunden, in dem ich mich sehr wohl fühle und nun schon viele Nächte verbracht habe. Das Guesthouse heisst „Yesmi“ wie die kleine Tochter der Hotelbesitzer. Es liegt zwischen kleinen Reisfeldern und Kuhstall etwas Abseits der Strasse und ist nur über einen holprigen Weg (in Monsunzeiten wohl eher ein Bachbett) zu erreichen. In der Nacht ist eine Taschenlampe von Vorteil. Zu Beginn wollte ich das nicht glauben, aber als ich dann eines Nachts mit beiden Füssen bis beinahe zu den Knien in einem Loch landete, das sich mit Wasser gefüllt hatte, änderte ich meine Meinung.

Vom Zimmer aus (1.Stock ganz links) habe ich eine tolle Aussicht auf den See und die World Peace Pagoda am anderen Ufer. Auf den Blumen sind jeden Tag neue Schmetterlinge zu beobachten und am Morgen wecken mich der krähende Hahn und Vogelgezwitscher. Ein kleines Paradies.

                                                                                                                                    


Hier werde ich wohl noch einige Tage bleiben, bis ich nach Kathmandu fahre, um einen neuen Versuch starte ein Indienvisum zu erhalten.

 


Essen

Das Essen ist lecker. Das Angebot je nach Ort sehr umfangreich. Gerade in touristischen Orten wie Pokhara und Kathmandu steht von traditionellem Dahl Baat, über tibetische Momos, griechisches Moussaka, amarikanischer Burger, mexikanische Fajitas bis schweizer Rösti alles im Menu. Wobei die Ausführungen meistens sehr lecker schmecken, jedoch zum Teil nur mit Fantasie an das jeweilige Original erinnern.

Die Hauptspeise der nepalesischen Bevölkerung ist Dahl Baat. Ein Reisgericht, das von Linsen, Grüngemüse, einem Curry und Pickl begleitet wird. Vor allem auf dem Land nimmt die nepalesische Bevölkerung lediglich zwei Mahlzeiten ein. Eine im Laufe des Morgens und eine am Abend. Dazu wird Wasser  oder Schwarztee mit Milch getrunken.

Für Touristen wird in den meisten Restaurants reichhaltiges Frühstück angeboten. Toast, Butter, Confiture, zwei Eier, gebratene Kartoffeln, ein Müesli mit Früchten, ein Bananenlassi, Tee nach Wahl und super Aussicht auf den See & World Peace Pagoda sind in meinem Lieblingscafé für 200 Rupies (ca 2 SFr.) zu haben. Mmhhh* Hier lohnt sich das Brunchen!



Auf dem Trekking habe ich mich beinahe ausschliesslich auf Dahl Baat – von Hand gegessen, versteht sich – Momos und Tibetean Bread beschränkt. Seit meinem ersten starken Durchfall ist aber auch die Lust auf westliche Küche wieder gestiegen.



Ich denke allen, welche längere Zeit unterwegs sind, geht es gleich: Man merkt, dass einige Dinge von Zuhause einfach unersetzlich sind. So auch beim Essen.Für folgende Zeilen ist bei den Lesern – im Hinblick auf meine Rückkehr in die Schweiz - besondere Aufmerksamkeit erwünscht! Beim Gedanke an folgende Speisen läuft mir das Wasser im Mund zusammen:

  •        Raclette
  •        Verschiedene Sorten Käse mit Rotwein
  •        Eine auf dem Grill gebratene Cervelat mit Pommes Chips

Nie hätte ich gedacht, dass ich Käse mehr vermissen würde, als schweizer Schokolade. Vielleicht liegt das auch daran, dass in den meisten Shops hier Toblerone angeboten wird…
Ach ja, was das Fleisch hier betrifft: Seit ich jeden Tag erlebe, wie hart und respektlos die Nutztiere behandelt werden und wo das Fleisch gelagert und zum Verkauf angeboten wird, ist mir die Lust auf Fleischgerichte in Nepal gründlich vergangen!

Never mind! Kulinarisch gesehen gibt es wenig zu beklagen! 

 



Transportmittel

Das erste was mir zu Transport einfällt ist: Hupe, Hupe, Hupe. Hupen was das Zeug hält! Inmitten eines hupenden Verkehrschaos wird schnell klar, dass mit allen Fahrzeugen gefahren werden kann, solange sie eine Hupe oder Klingel besitzen. Weder spielt das Alter eine Rolle, noch der Rost, noch ob es ein Licht oder Sicherheitsgurt besitzt. Hauptsache die Hupe funktioniert.
Die einzige Verkehrsregel, die zu existieren scheint, ist: Der stärkere, flinkere, mutigere und lauter hupende Verkehrsteilnehmer gewinnt! Und es funktioniert!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten in Nepal von Ort zu Ort zu kommen. Zu Fuss, mit dem Pferd, Rikscha, Taxi, Motorfahrzeug, Taxi, Local bus, Tourist bus, Flugzeug.

 Drei Erlebnisse in den letzten 40 Tagen waren besonders abenteuerlich.

  1. Mit dem Jeep von Jomsom nach Pokhara
    Am Ende des 15-tägigen Trekkings in den Upper Mustang war eigentlich ein Flug geplant. Ich hatte mich so auf das 16-plätzige Flugzeug und den 20 minütigen Flug über das Annapurnamassiv gefreut. Wie gern hätte ich die Berge von oben gesehen… Aber die schlechten Wetterverhältnisse machten uns einen Strich durch die Rechnung. Folglich mussten wir auf die Strasse ausweichen. Allerdings erzeugt das Wort Strasse eine falsche Vorstellung für die tatsächlich von Schlaglöchern, Erdrutschen und Wildbächen übersäte Naturstrasse. Holperpiste trifft den Zustand passender!
    Das abenteuerlichste an der Fahrt war, dass mein Guide und ich während 6 von 8 Stunden hinten im Gepäckraum des Jeeps auf einer Art Ersatzbank sassen. Der Gepäckraum war zudem mit Gepäckstücken, Äpfeln und Salat gefüllt. Als ob es nicht schon genug gewesen wäre, dass unsere Beine eigentlich gar kein Platz hatten, mussten wir zudem noch die ganze Fahrt den Gepäckberg vor uns festhalten, damit die Koffer und Salate nicht auf uns fielen. Keine leichte Aufgabe wenn das ganze Auto ohne Pause durchgeschüttelt und gerüttelt wird. So sah ich die ganze Fahrt über auch nur einen Gebäckberg, anstelle von weissgezuckerten 6-, 7- und 8-tausender Bergen. Das i-Tüpfli war dann noch der eigenartige Geruch meines Guides, der während des Trekkings nur wenig Gepäck dabei hatte…(wenig Kleider, kein Waschmittel, kein Schlafsack
    nur die muffenden Decken in den Guesthouses.


    Allerdings hat die Fahrt meinem Guide noch mehr zugesetzt als mir. Seine Gesichtsfarbe erblasste drastisch und er rief den Manager der Agentur an um ihm mit zu teilen, dass die Situation unzumutbar sei. Dieser schickte uns darauf hin seinen Privatwagen mit Chauffeur entgegen. Somit genossen wir die letzten zwei Stunden Fahrt in einem gut gefederten, sauberen Auto mit viel Beinfreiheit.



  2. Mit dem Motorfahrrad vom Bardia Nationalpark an den Highway

Um vom Hotel an die Busstation zu gelangen, war eine Fahrt von 30 Minuten nötig. Da der Jeep des Hotels nicht zur Verfügung stand, durfte ich mich hinter einen jungen Nepali auf das Motorrad setzen. Vor Abfahrt standen Manager und weiter Bedienstete um uns herum und sprachen dringlich und ermahnend auf den Fahrer ein. Meine spärlichen Nepalikenntnisse liessen mich nur Vermutungen anstellen. Aber ich denke mal, es hiess so viel wie: „Fahre vorsichtig, bringe Sie heil ans Ziel!“ Und dieser Ratschlag war wohl auch nicht grundlos, wie ich in den folgenden 30 Minuten zu spüren bekam. Weil die Strasse nur aus Erde und Geröll bestand, fanden die Räder des Motorrades nur schlecht Halt. Obwohl der Fahrer sehr vorsichtig fuhr, schlingerte die Maschine andauernd gefährlich. Mehrmals mussten wir die Füsse absetzen, um nicht hinzufallen. Für die Leute am Strassenrand schienen wir eine willkommene Attraktion zu sein. Mit grossen Augen starrten sie auf die schlingernde Maschine mit Nepalifahrer und blonder Touristin auf dem Rücksitz…


3.      Mit dem Local Bus auf dem Highway nach Pokhara

Das wirkliche Abenteuer begann aber erst mit der Ankunft am Highway und der anschliessenden Fahrt nach Pokhara.
Sie dauerte 19 Stunden, das waren 5 Stunden mehr als bei der Hinfahrt... Grund dafür waren die vielen kurzen und langen Stopps. Bei einem der ersten Stopps begannen Arbeiter zu zweit schwere Reissäcke in den Bus zu hieven. Mein Sitznachbar und ich (die einzigen Touristen im Bus) dachten: „Naja, ein paar Säcke, das ist schon ok.“
-Als im ganzen Gang Reissäcke lagen, über die man gehen musste um zum Ausgang zu gelangen, dachten wir: „Naja, etwas ungewohnt, aber interessant.“
-Als eine zweite Schicht Reissäcke hingelegt wurde und man auf die Säcke steigen musste, um zum Ausgang zu gelangen, dachten wir: „Aha, Nepal. Hier ist alles möglich...“
-Als noch mehr Reissäcke geschleppt wurden, schauten wir mit offenen Mäulern zu und warteten gespannt, was jetzt passieren würde. Die Folge war eine Reissackmauer im Gang, über die man knapp noch den Fahrgast auf der anderen Seiten sehen konnte. Um zum Ausgang zu gelangen musste man zuerst auf die Mauer klettern und dann auf allen Vieren nach vorne robben! Dies galt für jedermann und -frau, ob alt oder jung. Wir dachten: „Aha, 100% Nepal. Eigentlich eine unmögliche Situation, aber...was bleibt einem anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und die interessante Erfahrung zu geniessen!“ Eigentlich war es ganz angenehm. Zum Schlafen konnte man einfach den Kopf an die Reismauer lehnen.


Allerdings bekamen wir es mit der Angst zu tun, als wir draussen auf einem Wagen noch weitere 10 Reissäcke sahen. Noch mehr?! Diese Säcke wurden dann aber - gottseidank - auf das Dach gehievt.
Beim nächsten Stopp kamen zwei Nepali mit ca. 15 Ziegen angelaufen. Wir machten Witze: "Die kommen bestimmt auch noch aufs Dach! HaHaHa!"
- Wir hätten es wissen müssen. Mach niemals solche Witze in Nepal, denn selbst die absurdesten Witze können Realität werden. Mit einem tonnenschwer beladenen, laut meckernden Bus setzten wir die Reise fort. Es wurde immer später. Kein Nachtessen in Sicht. Bei einem Stopp kauften wir uns einige Kekse gegen den Hunger. Zu laut dröhnender Bollywoodmusik dösten wir vor uns hin. Um 2 Uhr stoppte der Bus erneut und alle Menschen robbten nach draussen: Abendessen! Bis dann allerdings die aus dem Schlaf gerissnenen Raststättebesitzer gekocht hatten verging eine weitere Stunde... Dahl Baat um 3Uhr in der früh. „Why not?“, wie die Nepali zu pflegen sagen.
Die Weiterfahrt wurde dann nur noch von zahlreichen unspektakulären Morgenessen-, Ablade- und WC-Stopps unterbrochen. Die nie endende Bollywoodmusik verleite der ganzen Reise einen reizvollen Filmcharakter!
Nicht ganz frisch, aber zufrieden und eine Erfahrung reicher kamen wir zur Mittagszeit in Pokhara an.

 


 


Fliegen

Am 20. November bin ich geflogen.


Die Möglichkeit dazu gab mir ein Gleitschirmtandemflug. Es war unglaublich schön. Mit Worten das Gefühl zu beschreiben, das ich und wohl schon viele andere vor mir bei ihrem ersten Flug erlebt haben, ist fast unmöglich.

Mein Tagebucheintrag von diesem Tag lautet folgendermassen:

 

 

Ich bin geflogen!

35 Minuten lang

Über Bäumen, Hütten, Feldern, Hügeln, Menschen gekreist

Einfacher als in meinen Träumen…

Ohne Anstrengung mit den Vögeln gekreist

Nur den Wind gespürt

Dann akrobatische Drehungen über Wasser

Wo ist oben? Wo ist unten? Vorne? Hinten? Links? Rechts?

Verloren.

Vertrauen

*UNBESCHREIBLICH*

 

 


Royal Bardia Nationalpark

“unterwegs nach Royal Bardia Nationalpark for a few days... crocodile, rhino, tiger behave - i'm coming!”
Das stand auf meiner Pinnwand im Facebook. Mit dem Wissen, dass ein Nationalpark kein Zoo ist und man die wilden Tiere nur mit etwas Glück beobachten kann, machten sich André und ich auf den Weg in die Wildnis.

Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass wir bereits beim Ausstieg aus dem Reisebus von wilden Tieren (Hotelangestellte) überfallen werden, welche hungrig Hotelgäste jagten. Ich, um halb 6 Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen, fühlte mich schutzlos ausgeliefert und wusste nicht wie ich mich wehren sollte. Da half nur die Vogelstrausstechnik. Kopf unter dem Tuch verstecken und André die Arbeit für die Hotelauswahl überlassen. Er hat sich inmitten all dieser Wilden gut geschlagen und ein tolles Hotel mit traumhaftem Garten ausgesucht!

Der Garten mit schattenspendenden Bäumen und Aussichtsturm lud zum relaxen und lesen ein. Exotische Blumen, freundliches Personal und frei herumlaufende Hühner mit Küken verliehen dem Ort viel Charme.

Am zweiten Tag machten wir uns auf den Weg in die Wildnis. Zuerst in früher Morgenstunde auf den Rücken eines Elefanten in den Dschungel. Die ruhige Fortbewegungsart dieses grossen Tieres und das gleichmässige Schaukeln faszinierten uns.

Anschliessend gingen wir zu Fuss durch den Dschungel in eine savannenähnliche Stein-, Gras- und Staub- Landschaft. Wir konnten viele verschiedene Vögel, Affen und Hirsche beobachten. Tiger und Rhinozeros versteckten sich aber zu gut. Sie liessen sich trotz geduldigem Warten nicht blicken und hinterliessen nur ihre Spuren um uns spüren zu lassen, dass sie nicht weit weg sind. Mucksmäuschenstill durch zweimeterhohes Gras zu gehen, mit dem Wissen dass 80 Tiger frei herumlaufen, verursachte schon ein etwas mulmiges Gefühl… Dasselbe mulmige Gefühl beschlich mich, als uns unser Führer, kurz nachdem ein grosses, dunkles Krokodil im Wasser verschwand, anwies, am Ufer direkt am Wasser weiter zu gehen. Uiuiuiuiui!
Die ruhige Art des Führers war aber sehr angenehm. Zudem verblüffte er uns immer wieder mit seinen guten Augen und Ohren. Gesund & müde, aber zufrieden kamen wir bei Sonnenuntergang ins Hotel zurück.

 



Der Royal Bardia Nationalpark liegt im Westen Nepals. Er ist weniger bekannt als der Chitwan Nationalpark südlich von Kathmandu. Die grosse Mehrheit der Touristen zieht ein Besuch im Chitwan Nationalpark vor. Wohl, weil die Anreise viel einfacher und schneller ist. Ich empfehle aber jedem den Bardia Park. Wenige Touristen, schöne Landschaften, sympathische, einfache Hotelanlagen und abenteuerliche Busfahrten sind garantiert!

 

 

 


Trekking Upper Mustang


   

 

Schon lange liegt das 15-tägige Trekking in „the last forbidden Kingdom“ zurück. Das Gebiet wurde erst 1992 für Touristen geöffnet und ist auch heute noch eine „restricted area“, für die man als Tourist eine Bewilligung benötigt. Die Bewilligung kostet ziemlich viel – ist aber jeden Rappen bzw. Rupie wert! Mit den hohen Kosten möchte verhindert werden, dass zu viele Touristen in das Gebiet einreisen und die urtümliche Kultur und Infrastruktur überrennen, bzw. überfordern. Zudem wird das Geld – scheinbar - in Projekte in

vestiert, welche der Bevölkerung zugutekommen sollen. Unter anderem für erneuerbare Energie, Agrarwirtschaft, Bildung, mehr Rechte für Frauen und Mädchen. Upper Mustang war

lange Zeit ein Teil Tibets. Buddhismus prägt die Menschen, Dörfer und Landschaft unübersehbar. Immer wieder trifft man beim Wandern auf Menschen mit Gebetsmühlen, Chorten (heilige Bauten) und orange Klöster bestimmen jedes Dorfbild. In den Klöstern sind wunderschöne Mandalas zu bewundern, Masken, Trommeln und Muschelhörner zu bestaunen. Die Menschen sind freundlich. Eher zurückhaltend aber zuvorkommend. Die Kinder sind neugierig und – Verzeihung – ziemlich dreckig. „Schnudernase“ läuft

ihnen über den Mund und meine Nagelfeile, welche mit viel Interessen und Staunen ausprobiert wurde war in Windeseile schwarz…Während die Erwachsenen selbst mit Blicken zurückhaltend sind, haben die Kinder wenig Berührungsängste!


Die Landschaft ist sehr steinig und trocken. Beinahe Wüstenartig. Immer wieder blieben wir staunend stehen und bewunderten die eindrücklichen, vielfältigen und farbintensiven Steinformationen. Viele – zu viele – Fotos entstanden und viele wurden wieder gelöscht. Denn so schön wie die Realität sind einfach nur wenige Fotos!

Su**

 

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