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14 December 2011 - GOODBYE POKHARA

 

 

 

 

Meine Zeit in Pokhara neigt sich dem Ende zu. Morgen fahre ich Richtung Kathmandu, wo ich einen erneuten Versuch starten werde das Indienvisum zu bekommen… Bin zuversichtlich!

Unterwegs nach Kathmandu werde ich einen Stopp in Bandipur machen, einem kleinen Newari Städtchen, das seit dem Bau der Hauptstrasse ins Abseits gedrängt wurde… Bin gespannt!

Danke für die vielen Rückmeldungen auf meinen Blog! Meine Mutter hat mich angeregt, doch auch über das Thema Menschen in Nepal zu schreiben… mach ich gern! Weitere Wünsche oder Interessen bitte einfach melden =)

 

 

 

 

Lumbini

 

Bevor ich mich dem Wunsch meiner Mutter zuwende, noch einige Worte zu meinem letzten Ausflug. Gemäss Reisebüro 6-7 Stunden, in Tat und Wahrheit aber 9-10 Stunden von Pokhara entfernt, liegt Lumbini, der Geburtsort Buddhas. Bevor ich mich in den Bus setzte entschloss ich mich ohne Hotelreservierung in Lumbini das Abenteuer zu wagen. Die Leute, welche mich gut kennen, können sich vorstellen wie viel Mut es mich gekostet hat, ganz alleine an einen völlig fremden Ort zu reisen ohne zu wissen wo ich die Nacht verbringen werde… Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Und so reiste ich zuversichtlich mit den Hotelvorschlägen von Lonelyplanet ins Ungewisse. Die Liste hätte ich mir allerdings sparen können! Denn müde und etwas energielos von der langen Fahrt blieb meine Hotelsuche erst mal erfolglos. Die Hotels von Lonlelyplanet war ich schnell durch. Nicht nur diese, auch zahlreiche weiter Hotels in der Stadt, waren ausgebucht. Was ich nicht gewusst habe: Zurzeit weilten tausende Buddhisten in der Stadt, um an einem wichtigen Festival teilzunehmen. Es schien, als wäre jedes einzelne Bett in Lumbini ausgebucht. Ich kam mir vor wie Maria in Bethlehem (mal abgesehen davon, dass ich nicht schwanger war und ganz alleine dastand). Die Zuversicht verlor ich trotzdem nie ganz irgendwo noch ein Bett zu finden – oder so was ähnliches. Nach einer gewissen Zeit und zahlreichen Absagen waren meine Ansprüche auf ein tiefes Niveau gesunken. Ich hätte mein Bett wohl sogar mit einer Kakerlake geteilt =)

Soweit kam es dann aber nicht. Ich erhielt den Tipp mich bei der Korean Monastery zu melden, die hätten noch am ehesten einen Schlafplatz… Das klang vielversprechend. Ich sah mich schon inmitten koreanischer Mönche und Pilger auf einer Pritsche liegend. Tatsächlich war in ihrem Guesthouse noch ausreichend Platz vorhanden. Ich teilte das Zimmer mit zwei koreanischen Buddhistinnen.

 

 

 

 

Das Zimmer war sehr „basic“, aber sauber. Ausser einer Mücke, welche mich die halbe Nacht wach hielt fand ich keine störenden Insekten. Um 4 Uhr in der Nacht missachtete ich völlig entnervt die buddhistische Regel kein Lebewesen zu töten und machte ihrem Leben mit einem sanften Klatsch ein blutiges Ende.

Unser Zimmer hatte sogar einen grosszügigen „ privat bathroom“!

 

 

 

 

Eine günstigere und authentischere Bleibe hätte ich wohl nirgends in ganz Lumbini finden können. Für wenig Geld wurden einem ein Schlafplatz und 3 Malzeiten (dreimal Reis mit Gemüse) geboten.

45 Minuten nach meinem Mückenmord schlüpfte ich aus meinem warmen Schlafsack und zog mich an, um der morgendlichen „worshiping time“ beizuwohnen. Draussen war es noch dunkel. Über den leeren Platz klang der ruhige Gesang eines Mönchs, begleitet von einem Gong. Aus dem Tempel schien oranges, warmes Licht. Durch die Dunkelheit und Morgenfrische stolperte ich noch etwas verschlafen zum Eingang und zog dort meine Sandalen aus. Barfuss auf einem Kissen sitzend begann so in Stille, nach einer langen, mühsamen Fahrt und anschliessend unruhigen Nacht, mein Tag in Lumbini. Der meditative Gesang der Mönche und Mönchinnen erfüllte mich mit wohltuender Ruhe.

Die 40 Minuten Morgengebet waren eindeutig das schönste Erlebnis in Lumbini.

 

 

 

 

Nach dem Morgenessen mietete ich mit zwei Franzosen Fahrräder und wir machten uns auf Entdeckungsfahrt durch den weitläufigen Park. Lumbini besteht aus einem Bazaar (Dorf) und einer Development Zone (Park). Zahlreiche buddhistische Tempel von verschiedenen Nationen liegen im Park verstreut. Obwohl kaum ein Tempel wirklich fertiggestellt ist (Dauerzustand seit Jahren…) übertreffen sie sich in Grösse und Pracht. Trotz aller Schönheit empfand ich die grosszügige Anlage als befremdlich. Ich wurde das Gefühl der Wettbewerbsstimmung nicht los. Es schien mir, als würden alle diese Tempel mehr für das Prestige des jeweiligen Landes gebaut, als für religiöse Zwecke. Ziel der Bauten schien es zu sein, dass die Besucher und Pilger nach Hause gehen und sagen: „Wow, der Tempel von XY war eindeutig der grossartigste!“

Eine freudige Mitteilung gibt es allerdings noch zu machen! Bei der World Peace Pagoda (eine von geplanten 100 auf der ganzen Welt) bekam der heimliche Star der Reise – der kleine Bär – endlich einen Namen. Am Geburtsort Buddhas wurde er auf den Namen BINI getauft. „Hoch lebe BINI!“

 

 

 

 

 

Menschen in Nepal

 

Fährt man durch Dörfer und Städt Nepals bietet sich oft das gleiche Bild. Menschen tragen schwere Lasten, waschen sich die Haare über Plastikbecken, holen Wasser, sitzen beim Barbier, frittieren Snacks, spielen Carom oder warten hinter der improvisierten Ladentheke ihres kleinen Shops auf Kundschaft. Allgemein scheinen viele Männer und Frauen ihre Zeit mit Warten zu verbringen. Am Strassenrand vor ihrem Haus hockend, machen sie nichts ausser dem Bus entgegen- beziehungsweise nachzuschauen und bei Gelegenheit ein Wort mit einem Vorbeigehenden zu wechseln. Zeit scheint hier in Nepal jeder zur Genüge zu haben. Das mag verschiedene Gründe haben. Ein Nepali, der viel Freizeit hat, hat das Privileg viel Zeit zum Nichtstun zu haben. „Nur arme Menschen müssen pausenlos schuften!“, so die verbreitete Meinung. Tatsächlich wird die Zeit oft mit Nichtstun verbracht. Selten sieht man Leute, die ein Buch lesen. Fragt man nach ihrem Hobby, erscheint nicht selten ein grosses Fragezeichen auf ihrem Gesicht. Dafür haben sie viel Zeit zum Schwatzen und Teetrinken. Sehr viel Zeit.

In einem Buch über die schleichende und fehlende Entwicklung Nepal stand, dass viele Nepali people aufgrund der Religion und der Kastentradition sehr schicksalsergeben sind. Warum einen grösseren Aufwand betreiben, als unbedingt nötig? Denn als Individuum haben sie sowieso wenig Einfluss auf ihr Leben.

 

 

 


 

Religion, vorwiegend Hinduismus (Minderheit Buddhismus), prägt die Gesellschaft und ihre Wertevorstellungen nach wie vor stark. Die Mehrheit läuft mit einem Tikka (roter Punkt auf der Stirn) herum. Je nachdem ist es das Zeichen einer verheirateten Frau, eines Segens oder einfach nur Modeschmuck. Zahlreiche Saddhus (echte und unechte Asketen) bevölkern die Strassen. Jedes Haus hat einen eigenen Altar um täglich je nach Religion zahlreiche Götter oder die Lehren Buddhas zu ehren. In buddhistischen Häusern werden jeden Morgen Tujazweige angezündet, was einen starken, segnenden Rauch entstehen lässt.

Auf den Strassen sieht man äusserst selten Frauen und Männer, welche sich umarmen oder küssen. Physisch nah sind sich Frauen und Männer in der Öffentlichkeit einzig in überfüllten Bussen oder auf dem Motorrad. Wie die beiden Geschlechter zu Hause mit einander umgehen ist schwer abzuschätzen. Der Guesthousebesitzer einer Lodge, in der André übernachtet hat, lässt scheinbar seine Frau vor der Tür schlafen, wenn sie ihre Tage hat. Frauen während der Menstruation gelten als unrein und dürfen auch keinen Tempel besuchen. Vorkommnisse wie vorher genannt kommen aber meines Wissens nicht mehr oft vor.

 

 


 

 

 

Ein anderes Thema, welches von der Religion verboten oder nur in einigen Ausnahmen goutiert wird, ist der Alkohol. Wenige Leute sind Alkohol trinkend anzutreffen. Wohl aber stösst man immer wieder auf alkoholisierte Leute – va. Männer.

Im Grossen und Ganzen sind mir die Leute hier ans Herz gewachsen. Es gibt jedoch Eigenschaften, welche ich nicht verstehen kann. Versuche ich über die mir befremdliche Schicksalsergebenheit des Nepali hinweg zu sehen, so bleibt nur noch etwas, dass mir wirklich Mühe macht und an das ich mich nicht gewöhnen kann: Überall, wo ich hingehe, ob Stadt, Land, Gasthaus oder Monastery wird auf den Boden gespuckt. Egal ob Mann oder Frau, alle tun es. Sogar die Kinder üben schon fleissig. Nach eineinhalb Monaten Studienzeit kann ich nun mit Sicherheit sagen, dass es 2 verschiedene nepalesische Spuckvarianten gibt. Ich nenne sie Schützenfisch- und Chodertechnik.

 

  • Schützenfischtechnik: Die Person spuckt ohne Vorwarnung schnell und präzise eine kleine Ladung Spucke auf den Boden. Dabei erscheinen mir die Spucker so treffsicher wie der Schützenfisch, der mit einem Wasserstrahl Insekten abschiesst.

 

  • Chodertechnik: Der Name sagt es bereits. Die Person sammelt erst geräuschvoll eine Ladung Spucke tief aus dem Rachen heraus, bevor er sie dann ebenso geräuschvoll auf den Boden tropfen lässt.

 

Wäää! Selbst zierliche Frauen und Männer im Anzug machen da keine Ausnahme… Unfassbar.

 

Mit so viel negativer Spucke möchte ich aber das Thema Menschen in Nepal nicht abschliessen, sondern euch zwei Menschen bzw. Familien vorstellen, die mir hier in Pokhara sehr ans Herz gewachsen sind.

 

Prem und seine Familie

Prem arbeitet als Lehrer in einer staatlichen Sekundarschule. Da dieser Beruf nur mit einem geringen Lohn bezahlt ist, macht er diverse Nebenjobs. Unter anderem organisiert er Bustickets für Touristen. Ausserdem bietet er in seiner „the cosmic brontosaurus language school“ Nepali- und Hindilektionen an.

 

 

 

 

Mit seiner Frau Apsara betreibt er einen kleinen Shop, in dem es von Toilettenpapier über Wasser und Kerzen bis Schokoladenriegel alles zu kaufen gibt. Jeden Abend kocht Apsara Dahl Baat in grosser Menge für die Familie und hungrige Gäste. The best Dahl Baat ever! Ihre Tochter Api ist 5 Jahre alt und besucht die Montessorischule in Pokhara. Unglaublich wie schnell dieses kleine Lausmädchen –das lieber ein Junge wäre- jeden Morgen, dank Schuluniform und zusammengebunden Haaren in ein sauberes, respektables Mädchen verwandelt wird.

Seit 13 Tagen ist die Familie um ein Mitglied gewachsen. Anupam, ein kleiner Junge, ist auf die Welt gekommen. Das freut vor allem Api, denn eine kleine Schwester wäre gar nicht in Frage gekommen!

Die Offenheit und Freude, mit der ich immer empfangen wurde, machten Pokhara zeitweise zu einem kleinen Zuhause.

 

Madhab Prasad Lami Chhane

Madhab besitzt ebenfalls einen kleinen Laden mit dem Namen Ambica Cold Store. „Ambica“ sei der Name seiner Frau, welche ich nie kennen gelernt habe. Ausserdem arbeitet er von Zeit zu Zeit als Trekkingguide. Im kleinen Raum neben dem Shop wohnt er mit seinem 10-jährigen Neffen. Der Knabe ist ein aufgeweckter Junge, der dank der englischsprachigen Privatschule, die er besucht, sehr gut Englisch spricht. Sein Onkel steht meistens über Bücher gebeugt hinter der Ladentheke. Er lernt koreanisch und hofft im nächsten Sommer bei einer staatlichen Prüfung 100 Punkte zu erreichen. Dies würde ihm einen Job in Korea ermöglichen, bei dem er vielmehr verdienen würde, als in Nepal. Die Konkurrenz hier im Tourismusbereich sei gross. Zu viele Shops und Guides gebe es. Er studiere hart! Falls er die Prüfung aber nicht schafft, so werde er es nicht noch einmal versuchen. Denn schliesslich gehe es ihm nicht schlecht. Er habe zwar nicht viel, aber er sei zufrieden. Mehr brauche er nicht. Hauptsache sei, dass der Neffe eine gute Schulbildung erhalte!

Sein fröhliches „Tapailai kasto cha?“ – Wie geht es dir?- werden mir immer in guter Erinnerung bleiben.

 

 

 

 

 

Eine Hymne an Pokhara

Ich habe etwa einen Monat in Pokhara verbracht. Die Zeit war geprägt von intensiven, ruhigen, traurigen, schönen, lustigen und interessanten Momenten.

Pokhara hatte viel zu bieten:

  • Ausflug zum Begnas Tal
  • World Peace Pagoda
  • Paraglyding
  • Devi’s Fall
  • Mountain Museum
  • Viele Shops “come inside… just a look!”
  • Paschminaschals
  • Tolle Restaurants und leckeres Essen

 

Vor allem ist mir Lakeside North, der etwas ruhigere Teil vom touristischen Lakeside ans Herz gewaschsen.

O Pokhara, wie werde ich dich vermissen!

  • Das YESMI Guesthouse, in dem ich mich so wohlgefühlt habe.
  • Der Morgennebel, der einem auf die Sonne hat hoffen lassen.
  • Der Blick auf die Pagoda.
  • Das leckere Frühstück im Himalayan Café.
  • Die Hungry Feel Bakery mit dem leckeren Apfelstrudel.
  • Die friedlich grasenden Wasserbüffel.
  • Die unvermeidliche, neventötende Bushupe.
  • Der täglich zuverlässige, wiederkehrende, stundenlange Stromausfall.
  • Prem und seine Familie
  • Madhab und sein Kiosk
  • Die Familie vom Yesmi Guesthouse…

 

Und um diese Hymne mit einem weiteren Höhepunkt abzuschliessen, welcher allen Lesern die Spucke – oh Verzeihung- das Wasser im Munde zusammen laufen lässt:

*Der unvergessliche, leckere, traumhaft süsse Machhapucchere Kiss.*

 

 

 

**Goodbye Pokhara**

 

Su*


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