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3 January 2012 - WELCOME IN INDIA

In Sonauli steckengeblieben

 

„Warum“, so fragte ich mich bereits zum x-Mal, „habe ich nicht das Flugzeug genommen?“ Ich stand mit einem Chai in der Hand am Strassenrand, schaute den schwitzenden Rickshawfahrern, spuckenden Passanten und im Dreck wühlenden Kühen zu, während ich angestarrt wurde. 15 Stunden zuvor hatte ich Kathmandu verlassen und schien nun für einige Stunden an der Indischen Grenze festzusitzen. Mein Buch hatte ich während der langen Busfahrt fertig gelesen. Weit und breit war kein Buchladen zu sehen... Nur kleine Shops mit einigen verstaubten Büchern in Hindi.

Das Reisen mit dem Flugzeug wär so einfach gewesen. In Kathmandu mit dem Taxi vom Hotel zum mir bereits bekannten Flughafen, dann Flug nach Varanasi und von dort mit dem Auto-Rickshaw zum Laden des KIRAN-Village. So einfach… Was sprach denn dagegen?

Ach ja, Fliegen ist etwas teurer, verschmutzt die Umwelt und bedeutet weniger Authentzität und Abenteuer. There you go! Nun hatte ich das authentische Reisen und grossartige Abenteuer, welches ich mir gewünscht hatte.

War es wirklich das, was ich mir gewünscht hatte? Ich war mir auf einmal nicht mehr sicher.

 



Am Abend des 29. Dezembers wurde ich vom Taxifahrer am Busbahnhof abgeladen. Nach einer 15- minütigen Suche (es war dunkel, nichts angeschrieben und die herumstehenden Leute wiesen mich von einer Person zur nächsten) fand ich meinen Bus. Während der Fahrt geschah nichts Unerwartetes. Der Bus war gefüllt mit Menschen und Gepäck auf den Sitzen und im Gang. Ich döste vor mich hin. Mir wurde gesagt, der Bus erreiche Birawha zwischen 5 und 6 Uhr am Morgen. Von dort aus müsste ich einen Local-bus zur Grenze und dem indischen Sonauli nehmen (10 minütige Fahrt). Anschliessend stände ein Bus bereit, welcher direkt nach Varanasi fahre. Am Abend des 30. Dezembers zwischen 5 und 6 Uhr käme ich also in Varanasi an. Das klang gut. Vor allem gefiel mir, dass ich bei dieser Reisevariante bei Tageslicht meine ersten Eindrücke von Indien sammeln konnte, bevor ich in Varanasi ankam.

 

Naja, ist nun wieder einmal anders gekommen, als erwartet. Anstatt um 5 bzw. 6 Uhr in der Früh, erreichte mein Bus Birawha erst um 9 Uhr. Warum? Keine Ahnung. What to do? - Weitermachen wie geplant! Weit und breit war kein Local-bus zu finden. Also nahm ich ein Rickshaw, welches mich nach den Angaben des Fahrers für 150 Rupien nach Sonauli bringen würde. Vor der Grenze hielt er an, zeigte mir das nepalesische Grenzbüro und wies mich an, mir den erforderlichen Ausreisestempel zu holen und ihm die 150 Rupien auszuzahlen. Ob er mich den nicht wie abgemacht nach Sonauli fahre, fragte ich ihn verwundert. Das sei gleich hinter der Grenze (ca. 50 Meter)! Mich dort hin zu fahren koste 50 Rupien extra. „Na Bravo, dann laufe ich lieber“, dachte ich. Ich zog einen 500 Rupienschein aus der Geldbörse. Nein, ich müsse ihn mit indischen Rupien und nicht mit nepalesischen Rupien bezahlen, schliesslich sei er Inder. Etwas überrumpelt von der Forderung zog ich einen indischen 500-Rupienschein hervor und zahlte den nun deutlich höheren Preis (100 nepalesische Rupien = 69 indische Rupien). Während ich beim Rikshaw wartete versuchte der Fahrer Wechselgeld auf zu treiben. Bereits bereute ich das Bezahlen in indischer Währung. Schliesslich war ich noch in Nepal und wollte lieber das nepalesische Geld loswerden. Ausserdem hätte ich es passend gehabt und ich musste doch den nächsten Bus erwischen, hatte also nicht endlos Zeit zum Warten. Mit den ergatterten Banknoten wedelnd kam der Fahrer zurück. Allerdings waren es 380 nepalesische Rupien. Zwar etwas mehr als die erwarteten „350“ indischen Rupien, aber –so nahm ich an- wohl immer noch zu wenig Wechselgeld. Ich verlor die Geduld und weigerte mich das Geld anzunehmen. Wenn er schon indisches Geld wollte, so sollte er mir auch wenigstens indisches Wechselgeld auftreiben! Er verschwand wieder in der Menschenmenge. Währenddessen füllte ich die Formulare für die Ausreise aus.

Er kam mit 340 indischen Rupien zurück. Mehr konnte er angeblich nicht auftreiben. Entnervt nahm ich das Geld und mein Gepäck. Ob er mich nicht noch auf die andere Seite fahren solle, fragte er mit mitleidigem Blick, denn mein Gepäck sei sehr schwer!

Ich strafte ihn mit einem bösen Blick und lief wortlos Richtung Grenze.
Beim „office for indian immigration“ füllte ich erneut ein Formular aus, bekam einen Stempel und fragte nach Mr.Bablu. Er habe das indische Busticket für mich, wurde mir in Kathmandu gesagt. Nach 5 Minuten Marsch fand ich Mr.Bablu, einen kleinewüchsigen, rauchenden Mann mit Bierbauch und etwas schiefen, weissglänzenden Zähnen.
„Hello, welcome to India“, begrüsste er mich freundlich. „Why are you coming so late? Your bus to Varanasi left two hours ago!”, schloss er der freundlichen Begrüssung an, bevor ich “Namaste” sagen konnte.

Jetzt war ich erst recht sprachlos.

Er wiederholte seine Frage. Wieso ich so spät komme? Das müsse er den nepalesischen Busfahrer fragen, war das einzige, dass ich erwidern konnte. Ich sei doch so schnell als möglich von Birawha zu ihm gekommen. Und nun? Der freundliche Mr. Bablu sagte mir mein Busticket sei nicht verloren. „You wait for the next bus at 4.30 pm. You arrive at 6 am in Varanasi.“ „Alles andere als perfekt!“, dachte ich. „8 Stunden warten und dann noch eine zweite schlaflose Nacht. Das ist authentisch! Bravo!“ Und meine erste Tagesfahrt durch Indien konnte ich auch streichen. Aber was blieb mir anderes übrig.

Ich verbrachte also meinen ersten Indientag in einer kleinen Stadt an der nepalesischen Grenze mit warten, beobachten, beobachtet werden, spazieren, Samosa essen, Chai trinken und Hindi lernen. 
„Namaste!“

„Abka nam kia hai?“

– „Mera nam Susanne hai.“

„Apse milkar bohut achcha laga“ (Nice, to meet you!)

„Mera ghr Switzerland hai.“

„Me intjar kar rahi hun benaras bus ka.“ (I’m waiting for the bus to Benares.)

„MERI SAGAI HO GAI HAI!” (Ich bin verlobt!)

Der letzte Satz wird mir wohl in den nächsten 3 Monaten noch einige mühsame Gespräche ersparen. 

 

 

Pünktlich um 16.30 pm verliess ich in einem wenig abgefederten, engen Bus Sonauli. Die Nacht verlief holprig und nicht uninteressant. Kurz nach Abfahrt sah ich nach 2 Monaten endlich wieder Zugschienen!

 

An einer Stelle säumten dutzende, schwer beladene Traktoren mit Anhänger die Strasse. Die Fahrer waren nicht aufzufinden. Die Strasse war durch die unerwarteten Hindernisse für Gegenverkehr nahezu unpassierbar geworden. Nur schienen das viele Lastwagenfahrer und unser Buschauffeur, sowie einige Pkw-Fahrer erst zu realisieren, als alle Gefährte ineinander verschachtelt stehen blieben und weder vor, noch zurück konnten. Ein riesiges Chaos! Männer liefen geschäftig hin und her, versuchten sich ein Bild von der schier ausweglosen Situation zu machen und gaben anschliessend mehr und weniger konstruktive Anweisungen, um das Chaos zu entwirren. Es dauerte gute 45 Minuten, bis nach mühsamer Zentimeterarbeit alle Fahrzeuge ihre Fahrt fortsetzen konnten.

 

 

Endlich angekommen

 

Trotzdem kamen wir scheinbar zügig voran. Denn bereits um 4 Uhr morgens erreichten wir Varanasi. „Irgendwie unfair“, dachte ich. „In Nepal 3 Stunden zu spät, sodass ich meinen Bus verpasse und dann in Varanasi 2 Stunden zu früh.“ Was sollte ich so früh in einer mir unbekannten Stadt. Varanasi wurde mir von allen Leuten, als ein Ort beschrieben, in dem es von Menschen wimmelt! Bei meiner Ankunft war die Stadt allerdings nahezu menschenleer. Ein Auto-Rikschaw brachte mich zur Adresse des KIRAN-shops. Natürlich geschlossen! In einer nahegelegenen, warmen Geldautomatkabine wartete ich also auf die mir unbekannte Öffnungszeit. Alle 20 Minuten machte ich einen Kontrollgang zum Shop. Um 6 Uhr erwachte das Haus zum Leben. Zwei Jugendliche im Rollstuhl brausten die Rampe herunter und öffneten mir lachend das Tor. Endlich: KIRAN war zum Greifen nah. Diese zwei jungen Männer aus dem KIRAN leben, wie ich später erfahren habe, mit anderen Jugendlichen im Haus und besuchen von dort aus das College oder Universität. In ihrem Speisesaal wartete ich weitere 3 Stunden auf den Bus, der mich dann schlussendlich zum KIRAN-Village bringen sollte. Ich war so erschöpft, dass ich auf einer harten Holzbank einschlief. Wer hätte das von Susanne gedacht… Scheinbar kann sogar ich -je nach Zustand- überall schlafen!

Mit zahlreichen Angestellten erreichte ich gegen 10 Uhr das KIRAN-Village.

Ich konnte es kaum fassen. Da stand ich nun. Im KIRAN, über das ich so viel gelesen und gehört hatte. Das Dorf, das für 5 Monate meine Heimat hätte werden sollen und auf dessen Leute ich mich so lange gefreut hatte. Ein Plan und Wunsch, der nun nicht in der erhofften Form hatte stattfinden können… Nun war ich hier! Zwar 3 Monate später als geplant und nur für 2 Wochen anstelle von 5 Monaten… Aber ich stand tatsächlich im KIRAN und wurde herzlich begrüsst.

 

www.kiranvillage.org

 

Endlich angekommen!

Mit gemischten Gefühlen erlebe ich nun meine ersten Tage hier im KIRAN.

Zum einen bin ich überglücklich hier zu sein. Obwohl das Dorf zurzeit nicht im Normalzustand ist, da die meisten Kinder während einer Ferienwoche nach Hause gefahren sind, ist die gute, fröhliche Atmosphäre zu spüren. Ein Ort, an dem jede Person so sein darf wie er/sie ist!

Zum andern bin ich immer wieder enttäuscht und traurig, dass ich keine 5 Monate hier verbringen durfte. Zu gerne hätte ich mit den Kindern, Angestellten, Vouluntair Vera und Sangeeta (Gründerin) meine Zeit geteilt und an ihrem alltäglichen Leben teilgenommen und mitgearbeitet.

Momentan bleibt mir leider nichts anderes übrig, als die zwei kurzen Wochen zu geniessen. Und das werde ich bestimmt! Ich freue mich darauf!

 

 

 

Su*

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"Dieser Blog ist fr jene gedacht, die aus der Ferne an meiner Reise teilhaben wollen und nicht warten knnen, bis ich ihnen persnlich davon erzhle... enjoy!" Su*

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