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25 February 2012 - KOLKATA UND DARJEELING

Eine Taxifahrt in Kolkata

 

 

Ich brauche nur meine Hand zu heben und schon hält ein Taxi am Strassenrand. „Flowermarket“, sage ich. „100 Rupees“, sagt er. Ich lache. Weiss ich doch, dass die Fahrt zum Blumenmarkt rein von der Distanz her nicht mehr als 60 Rupien kosten sollte. Also antworte ich: „Non o! Taxometer“. Er schaut mich grossen Augen an. „Taxometer“, wiederhole ich. Er zögert und schüttelt dann den Kopf. Immer dieses Kopfschütteln. Heisst das nun Ja oder Nein? Da sich das Taxi aber nicht in Bewegung setzt, deute ich das Kopfschütteln als ein Ja. Ich setze mich auf die Rückbank, er setzt den Taxometer in Bewegung und das Taxi gliedert sich in den stockenden Verkehr. Nach fünf Minuten stockender, hupender Fahrt hält er bereits an. Weit gekommen sind wir noch nicht, der Flowermarket ist weit und breit nicht zu sehen. „Just two minutes, you wait here“, sagt der Fahrer und macht Anstalten das Taxi zu verlassen. „Ticke, ok, but please stop the taxometer!“, antworte ich. Seinen Chai, den er sich am Strassenrand holt möchte ich nicht mit dem laufenden Taxometer bezahlen. Ausserdem entsprechen 2 indische Minuten mindestens 6 wenn nicht sogar 10 schweizer Minuten.

Nach dem Morgenchai setzt sich der Fahrer wieder hinters Lenkrad, der Taxometer  und das Taxi in Bewegung. Wir fahren auf eine Kreuzung zu. Die Ampel steht auf rot. Der Fahrer hupt und wir passieren die Kreuzung. War da eben noch rot? Unser Blinker zeigt dem Fahrzeug hinter uns einen Richtungswechsel an. Wir biegen links ab. Ein Schild steht mitten in der Strasse: „No Entry“. Gekonnt kurvt unser Taxi um das Schild. War da eben ein No-Entry-Schild? An Ende der Strasse stehen 8 Polizisten in weissen, stolzen Uniformen. Ein Polizist weist gestattet uns den Vortritt. Die anderen 7 schauen zu, schwatzen oder stehen lässig mit einer tollen Sonnenbrille am Strassenrand. Die folgende Strasse ist gesäumt mit Gemüsehändlern, die ihre Wahre auf einem Tuch anbieten. Das Taxi fährt eine Handbreite an den Karotten und Zwiebeln vorbei. Mmhh. Wo esse ich heute mein Gemüsecurry?

„Flowermarket“, sagt mein Fahrer und hält an. Ich bezahle 50 Rupien (beinahe 100  Rupien, jaja!) und steige aus. Von der Brücke aus schaue ich auf den Blumenmarkt. Dieses Getümmel! So viele Menschen! Soll ich mich da wirklich hineinwagen? Ich flechte meine Haare zu einem Zopf, werfe mir den Schal über den Kopf und stürze mich ins Getümmel…

 





Glenburn Tea Estate – Teatime

 

 

 

 

“Welcome to Glenburn” begrüsst mich Najma Ahmed, eine zierliche Inderin aus dem Assamgebiet, und legt mir einen Kata (Begrüssungsschal) um den Hals. „How was your journey? You must be tired! Please try our Glenburn Ice Tea and have a seat while our staff brings your luggage in your room.” Ein Angestellter hält mir ein Silbertablett mit Spitzentuch und einem Glas diskret vor die Nase und ehe ich mich versehe sitze ich mit einem erfrischenden, hausgemachten Ice Tea in einem bequemen Korbstuhl auf der Veranda des Hauptpavillions. Zwei weitere Angestellte verschwinden mit meinem Gepäck Richtung Nebenpavillon. Jetzt wird mir klar, warum mein Fahrer 2 Minuten bevor wir vor dem Haus vorfuhren zum dritten und letzten Mal telefonisch Bericht erstattete, wo wir uns befinden. Das erste Mal meldete er sich bei der Hausherrin nachdem er mich nach 20 minütiger Suche am Bahnhof New Jalpaiguri endlich gefunden hatte. Die 20 Minuten erschienen mir ziemlich lange, musste ich doch mindestens 10 Taxifahrer und bettelnde Frauen, Männer, Kinder und Hunde abwimmeln. Ich wurde mir bewusst, wie schroff ich mittlerweile in solchen Situationen mit den Menschen rede. Aber nach 2 Monaten Indien habe ich gelernt, dass die Leute in solchen Situationen ein Lächeln nicht als warme Geste, sondern Schwäche und Chance erkennen. Trotzdem plagte mich das schlechte Gewissen, als ich mich auf die Rückbank des modernen, gut gefederten Jeeps setzte, um in die teuerste Unterkunft zu fahren, welche ich mir auf der 5-monatigen Reise leisten würde. Ich beruhigte mein Gewissen in dem ich mich an den armen Mann in Kolkata erinnerte, der mich um Essen für seine Kinder bat. Da ich mir vorgenommen hatte kein Geld, sondern Essen zu spenden, willigte ich nach kurzem Zögern ein. Er brachte mich zu einem Kiosk und ich bezahlte ihm teure Kindernahrung in einer Büchse. Natürlich wurde mir schnell klar, dass er sobald ich im Taxi sitze, die Nahrung beim selben Kiosk wieder gegen das Geld eintauschen würde… Aber ich brachte einmal mehr die Energie und Härte nicht auf das Geld zu verweigern. Der wieder aufflammende Ärger über dieses Gefühl „für dumm verkauft, reingelegt, ausgenommen zu werden“ verdrängte mein schlechtes Gewissen an diesem Morgen hart und unnachgiebig geblieben zu sein. Die gute Laune des Fahrers und das Picknick an einem Aussichtspunkt nach 2-stündiger Fahrt stellten mein Wohlbefinden wieder ganz her. Lieblich zubereitete, leckere Sandwiches, Früchte und Kuchen, dazu warmen Tee in einer Keramiktasse mit Unterteller wurden vom Fahrer aus dem Picknickkorb gezaubert. Ich war auf dem Weg in den Himmel!

 

1 Stunde später sitze ich also nun in diesem weichgepolsterten Korbsessel und glaube dem Himmel noch ein Stück näher gerückt zu sein. Nachdem ich mein Glas genüsslich leer getrunken habe führt mich Najma zum Nebenpavillon, dem Water Lilly Pavillon.

 

 

 

 

Auch dieser Pavillon hat eine grosse Veranda mit Korbstühlen unter welchen schwarze und weisse Steinplatten ausgelegt sind. Genau wie auf den Fotos auf dem Internet, welche ich mir immer und immer wieder angeschaut habe. Auf die Fotos bin ich gestossen, als ich eine Unterkunft für Darjeeling gesucht habe. Wer meine Wohnung besucht hat oder meine Zimmereinrichtung in St.Gallen kennt, weiss, wie gerne ich Tee trinke. Daher war für mich schon lange klar, sollte ich das indische Visum erhalten, stände Darjeeling ganz weit oben auf meiner „To visit – Liste“. Und hier bin ich nun. Glenburn Tea Estate seit 1860. Zwei Pavillons inmitten grüner Teeplantagen. Ich frage mich in welches der individuell eingerichteten 8 Zimmern Najma mich führen wird. Gewünscht hatte ich mir die „Simbong Butterfly Room“, aber ich wusste aus dem Internet, dass sich dieses Zimmer im Hauptpavillon befindet. Das fiel also schon mal weg. Blieben noch… „Camelia Suite, this is your room. At 1.30 we serve lunch on the veranda of the Main Pavillon. There will be four more guests having lunch with you. If you require anything, don’t hesitate to ask any member of the staff. Now take your time to relax…”

 

 

 

 

Die Tür schliesst sich hinter mir. Ich stehe in einem grossen, hellen Raum. An den weissen Wänden hangen Vogelbilder mit Goldrahmen, auf dem Holzboden liegen zwei grüne Teppiche, in der Mitte des Raums steht ein grosses Bett aus dunklem Holz. Die Bettwäsche, sowie zahlreiche Kissen und die Vorhänge zieren das „one and bud“-Muster. Es zeigt die Spitzen der Teepflanzen, welche gepflückt werden.

 

 

 

 

In einem kleinen, halbrundförmigen Erker stehen zwei Korbstühle und ein Tischchen mit einer Früchteschale. Wo ich auch hinschaue, alles passt farblich und stilistisch bis ins Detail. In einer Ecke steht ein Schreibtisch mit Tischlampe und frischen Blumen. Auf den beiden Nachtischen stehen Wasserflaschen und Gläser. Perfekt! Ich lege mich aufs Bett. Wow, herrlich, nicht zu weich, nicht zu hart. Hinter dem Kissen entdecke ich einen Schalter mit drei möglichen Positionen: „Off“, „Pre-heat“, „All night“. Eine Bettheizung! O mein Gott, das ist ja noch besser, als eine warme Bettflasche! Bevor ich meinen Rucksack und Tasche ausräume werfe ich einen Blick ins Bad.

 

 

 

 

Staunend stehe ich in der Tür. Eine Badewanne! Eine Dusche mit extragrosser Brause. Ein Lavabomöbel mit frischen Blumen und ein romantisch verzierter Spiegel. Einfach alles perfekt.

 

 

 

 

Beim Lunch treffe ich die vier weiteren Gäste. Ein Ehepaar, beide um die 50, aus der Nähe von London und ein älteres Ehepaar aus einem kleinen Dorf im Süden Englands. Der Lunch ist vortrefflich. Das Gespräch angenehm. Beide Ehepaare reisen viel und haben viel zu erzählen. Oh wie angenehm ist es doch wieder einmal Gesprächspartner zu haben, welche „a proper british accent“ haben. =)

Als wir den Tisch verlassen ist es bereits halb vier. Und jetzt? Najam kommt und fragt uns nach unseren Plänen und Wünschen. Vorsichtig frage ich, ob es erlaubt sei, ein Bad zu nehmen. Schliesslich weiss ich um die Wasserknappheit in Darjeeling und das begrenzte Warmwasserangebot in ganz Indien. Meine Frage löst aber bei allen Anwesenden ein heiteres Lachen aus, welches bedeutet: Oh wie süss, noch so jung, höflich und unerfahren. Ach ja stimmt, für diesen Luxus habe ich ja bezahlt. Hier wird nicht gefragt, sondern gewünscht und erwartet! „But sure you can take a bath! Even twice a day, if you feel like! =D You want it now? I’ll tell a member of the staff to prepare the bath for you.” O nein, das kann ich auch alleine, danke!!!

Als ich nach 4 Monaten mehrheitlich kalten Duschens in das warme, wohlriechende Schaumbad steige, bin ich mir sicher im Himmel angelangt zu sein. Überglücklich tauche ich bis zum Hals in das herrliche Nass, schliesse die Augen und lausche dem schönsten Walzer der Welt: Shostakovich, Suite No2.

 

 

Als ich am zum Abend zum Apéro am Kaminfeuer erscheine werde ich natürlich sofort gefragt: „Did you enjoy your bath?“ (jetzt wissen alle 14 anwesenden Gäste, dass ich gebadet habe…) – Ich strahle in die Runde und antworte: „Oh yes, I enjoyed it a lot! It was… heaven!“ – „Take another one tomorrow!“ – „Yes, why not?“, denke ich und setze mich mit einem Glas Rotwein auf das Sofa neben das Feuer.

Während den nächsten zwei Tagen geniesse ich Tee in Porzellantassen, eine Teedegustation, Führung durch die Teefabrik, Spaziergänge durch die Teeplantagen, herrliches Essen, Campfire, angenehme Gesellschaft aus England, Kanada und Frankreich, anregende Gespräche und – ein zweites Bad!

 

Glücklich und zufrieden steige ich am dritten Tag nach dem Lunch und anschliessenden Austauschen von Adressen mit einigen Gästen in den Jeep nach Darjeeling. Etwas verwundert über mich selber stelle ich fest, dass ich ohne Wehmut vom Glenburn Estate wegfahre. Normalerweise vergehen solche Erlebnisse viel zu schnell. Ich realisiere, dass ich während diesen zwei Tagen jede einzelne Minute intensiv genossen habe. und es kommt mir vor, als hätte ich eine ganze Woche an diesem Ort verbracht!

 

Nur, wer bringt mir in den kommenden Tagen den Tee ans Bett?

 

 

Mehr Fotos auf

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Und wen es Wunder nimmt: www.glenburnteaestate.com

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"Dieser Blog ist fr jene gedacht, die aus der Ferne an meiner Reise teilhaben wollen und nicht warten knnen, bis ich ihnen persnlich davon erzhle... enjoy!" Su*

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