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13 March 2012 - HOLI

Indien, Land der Farben - Holi

Hätte mich vor einer Woche jemand gefragt, welches DIE Farbe Indiens sei, so hätte ich mich nicht für eine einzige entscheiden können. Gelb wie die Turbane? Rot wie die Saris? Blau wie die Häuser in Jodhpur? Grün wie Bhindi, mein indisches Lieblingsgemüse? Braun wie der trockene Boden? Orange, die Farbe Hanumans des Affengotts?

Es war mir unmöglich nur eine Farbe zu nennen.

Seit 4 Tagen kann ich die Frage aber ganz klar beantworten: Die Farbe Indiens ist ROSA!

Happy Holi, hiess es am 8.März. In ganz Indien wurde der Frühling mit Farbe gefeiert. Wer die Strasse betrat, war nach kurzer Zeit mit Farbpulver bepudert. Rot, gelb, grün, blau, orange verwandelten alle Menschen mitsamt Kleidern und Haaren in farbenfrohe Gestalten. Da mir von einigen Leuten abgeraten wurde, sich als Frau alleine unter das Volk zu mischen, blieb ich mit Mami und Silvia im Hotel. Von der Dachterrasse aus konnte man gut das Treiben auf der Strasse beobachten.

Ich war gerade daran ein Mail zu schreiben, als aus dem Innenhof freudige Rufe und Gelächter drangen. Durch das Fenster konnte ich beobachten, wie sich junge Männer mit Farbpulver und gefärbten Wasser bewarfen. Mit der Kamera bewaffnet verliess ich mein Zimmer, um ein paar gute Bilder zu schiessen.

„Come on, join us!“, riefen die farbigen Spieler. Nach anfänglichem Zögern konnte ich nicht wiederstehen. Ich lief zurück, legte meine weissen Legins und das Tuch ab und erschien dann wieder am Rand des Spielfeldes. Das Spiel und die Regeln wurden mir erklärt. Ziel war es, rotes Wasser mit einem kleinen Becher über den Rücken anderer Spieler zu leeren.

Das schien mir sehr einfach und harmlos. Ich stieg in das Spiel ein und spritzte kräftig Wasser. Allerdings merkte ich schnell, dass es nicht einfach um friedliches Wasserspritzen ging. Das wirkliche Ziel war, sich von hinten an einen unaufmerksamen Spieler anzuschleichen, um dann mit möglichst viel Kraft das Wasser über seinen Rücken zu schleudern, so dass es wie eine Peitsche wirkte und ein Brennen auf dem Rücken des Opfers zurückliess. Schon nach kurzer Zeit war ich klitschnass und rot von Kopf bis Fuss vom gefärbten Wasser und dem zusätzlichen Pulver. Es hat richtig Spass gemacht! Eben HAPPY HOLI…

Nach einer halben Stunde fror ich allerdings erbärmlich. Meine langärmligen Kleider klebten am Körper und jedes kleine Lüftchen liess mich erschauern. So gab ich meine Wasserwaffe ab und zog mich in den Schutz meines Zimmers zurück. Vor Kälte zitternd entledigte ich mich meiner Kleider und stand unter die warme Dusche. Das Wasser um mich herum färbte sich augenblicklich rot. Ich schrubbte und spülte, trocknete mich ab und schaute in den Spiegel. O Schreck, immer noch alles rot! Meine Haut beunruhigte mich weniger, ich war mir sicher, die Farbe würde mit einem erneuten intensiven Schrubben verschwinden. Was mir aber Sorge machte, waren meine Haare. Da ich vor meiner Abreise nach Indien meine Rottönung loswerden wollte, machte ich eine Blondierwäsche. Das heisst, die roten Farbpigmente wurden entfernt. Mit ihnen aber auch die natürlichen Farbpigmente. Somit war mein Haar richtig blond und durch die aggressive Farbentfernung auch etwas trocken und spröde. Dank monatelangem Waschen mit Balsam und Haarbutter, hatte es endlich wieder etwas an Stärke und Glanz erlangt… Doch schaute ich jetzt in den Spiegel, so erblickte ich eine erbärmlich wirkende rothäutige mit rosa Haaren. Schrecklich! Ich versuchte mich zu beruhigen. Mit mehrmaligem Waschen würde ich die Farbe schon rauskriegen! Aber ich konnte waschen und schamponieren so oft ich wollte. Das Wasser färbte sich nicht mehr rot. Das bedeutete auch, dass keine Farbe mehr aus den Haaren rauskam! Sh**!!!

Erst fluchte ich! Dann weinte ich! Es half alles nichts… Dann gab ich Mami die Apothekenschere mit dem Auftrag den schlimmsten Teil abzuschneiden. Wie sie mir aber klar machte, hätte das eine Kurzhaarfrisur bedeutet… Ich solle doch erst mal die Haare trocknen lassen und dann nochmal in den Spiegel werfen, redete sie mir gut zu. Auf eine Kurzhaarfrisur hatte ich keine Lust, ausserdem war Mami nicht auf Frauenkurzhaarfrisuren spezialisiert und die Schere war auch nicht optimal dafür. So blieb mir also nichts anderes übrig, als die Haare trocknen zu lassen.

Da ich mich auf das Schlimmste gefasst machte, fiel der gefürchtete Blick in den Spiegel dann etwas harmloser aus, als erwartet. Nachdem ich mir Fransen geschnitten hatte, konnte ich zum Glück nur wenig rosa in meinen Haaren ausmachen. Der rosigste Teil war an meinem Hinterkopf und der blieb mir zum Glück bei einem geraden Blick in den Spiegel verborgen… Ich realisierte, dass es von jetzt an zwei Möglichkeiten gab, wie ich meine Haare trug: 1. Haare zusammen binden und Schal über den Kopf. 2. Haare offen tragen und mein Outfit auf die Rosapracht abstimmen. Beides schienen mir akzeptable Lösungen.

Aber trotzdem: Happy Holi blieb nicht lange happy Holi und hatte leider zu früh einen unhappy Beigeschmack…

Mittlerweile habe ich mich etwas an den edlen Rosenschimmer in meinem Haar gewöhnt. Mir ist eingefallen, dass ich als Kind lange eine Barbiepuppe gewünscht habe, welcher man die Haare rosa färben konnte. Mit derselben Farbe konnte man sich auch Farbsträhnen in die Haare machen. Ich fand das unheimlich toll! Weder Puppe noch Farbe habe ich je gekriegt… Aber jetzt 15 Jahre später… Besser spät, als nie – würde eine Optimistin jetzt sagen, oder?

 

Also, lasst euch sagen: Die Farbe Indien ist ROSA.

 

 

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