Yoshi's Island
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Umzug

Posted on 6 July 2009 at 12:10 in News & Ankündigungen

Ab sofort wird der Betrieb auf dieser Seite eingestellt, nicht aber die Schreiberei.

Grund ist ein Umzug auf WordPress, eine andere Blogplattform.

Wer also Lust hat, vorbeizuschauen, kann dies selbstverständlich hier tun: http://existiertleiderschon.wordpress.com

Einige der kürzlich hier erschienen Einträge sind auch dort aufgeschaltet. Viel Spass noch!

 

Gott ist Schrott

Posted on 1 July 2009 at 02:33 in Geschichten
Das Leben bestand aus Chancen und Josef hatte sie alle verpasst.

Zumindest bis jetzt. Mit einem Blumenstrauss in der Hand stand er vor einem Café und sah der Frau zu, die an einem der Tische sass und in der Zeitung blätterte. Er wartete, und nichts passierte. Insgeheim hoffte er, sie würde einen freundlichen Blick auf ihn werfen, doch Zeit und Leute gingen vorbei und Josef hoffte vergeblich. Ob er einfach hingehen sollte, fragte er sich. Schliesslich hatte er sie mit einem anonymen Brief dazu angestiftet, heute Morgen in dieses Café zu kommen.  Ausserdem, und dabei war sich Josef sicher, würde ihr der Blumenstrauss gefallen.  Wenn er nur Mut hätte, sie anzusprechen, ihr Pralinen zu schenken, Komplimente zu machen, sie persönlich um einen romantischen Restaurantbesuch zu zweit zu bitten. Doch Josef wartete, und nichts geschah. Nach einer halben Stunde erhob sich die Frau sichtlich enttäuscht vom Stuhl und verliess das Café, Josef starrte ihr mit einem sehnsüchtigen Blick nach, den sie nicht sah, und er wandte sich ab, als sie in den Bus stieg und für immer verschwand. Ich habe ja immer noch eine Chance, dachte er.

Gott meinte es nicht gut mit Josef.

Zumindest bis jetzt. In der Nacht der Nobelpreisverleihung sass Josef in den hinteren Rängen und plauderte gerade mit einem Nachbarn, als sein Name aufgerufen wurde. Josef würde der Grösste sein, ein gefeierter Schriftsteller, ein gewiefter Abenteurer mit Charme und Witz und obendrein mit einem Nobelpreis in den Händen. Hätte er gehört, dass sein Name aufgerufen wurde. Doch da niemand reagierte, liess sich ein anderer Josef, der eigentlich Josek hiess, dennoch knapp als Josef durchging, nicht lumpen und nahm den Preis unter tosendem Applaus entgegen. Schade, dachte Josef später beim Apéro. Aber ich habe ja immer noch eine Chance.

Josef kam jedes Mal zu spät.

Zumindest bis jetzt. Geduldig wartete er am Flughafen auf das Flugzeug, das ihn in die Türkei bringen würde. Mit viel Glück hatte er eine Reise dorthin gewonnen, und am Ankunftsort würden ihn 5000 Fr.- in Bar erwarten. Josef schaute auf die Uhr. Gut, es blieb ihm noch eine Stunde bis zum Start. Jedenfalls dachte Josef das. Denn als er eine Stunde später wieder auf die Uhr starrte, merkte er, dass sie stehen geblieben war, im Gegensatz zum Flugzeug, das nun über den Wolken schwebte. Ich habe ja immer noch eine Chance, dachte Josef und fuhr im Regen nachhause.

Das Leben war etwas, das an Josef vorbeizuziehen schien.

Zumindest bis jetzt. Mit viel Vorfreude und einem Cello im Gepäck fuhr er an Weihnachten ans Familienfest. Er hatte endlich damit angefangen, ein Instrument zu spielen, und dazu noch eines, welches ihn schon immer besonders fasziniert hatte. Jetzt würde er endlich allen zeigen, dass er aus einem anderen Holz geschnitzt war, wie alle glaubten. Denn Josef war kein Versager, und erst recht kein Verlierer, und würde er der Familie etwas vorspielen, würden sie ihm vor Begeisterung vielleicht sogar Geld für das Haus am See, welches er sich sehnlich wünschte, ausleihen, und später könnte er dann allen von seinen schönen Wanderungen erzählen. Da merkte Josef, dass er statt einem Cello eine kleine Trommel eingepackt hatte, doch es war bereits zu spät, um umzukehren. Na ja, dachte Josef, ich habe ja immer noch eine Chance.

Josef verstand es nicht, Glücksmomente zu geniessen.

Zumindest bis jetzt. Entspannt lag er in den Armen einer Frau, die ihn sehr liebte, und nippte an einem Drink. Es war ein schöner, sonniger Tag in den Ferien und Josef war weit entfernt von allen Sorgen. Bis er merkte, dass ihn keine Frau umarmte, sondern die aufblasbare Kuh des Nachbars. Schade, dachte Josef, aber meine Chance wird sicher noch kommen.

In der Tat kamen noch viele Chancen.

Gott lachte dümmlich.

Unmenschen

Posted on 29 June 2009 at 05:10 in Geschichten
Zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, sassen auf einer mit einem schwarzen Tuch verhüllten Gestalt, welche Hände und Füsse wie Stuhlbeine auf den Boden stützte. Im weissen Raum, in dem sie sassen, gab es keine Möbel oder Fenster. Das einzige Geräusch, das zu hören war, war das Ticken einer Wanduhr, deren Stundenzeiger im Minutentakt vorrückte, und das Knacken eines knorrigen, kleinen, blätterlosen Baumes mit schwarzem Stamm, der sich ab und zu drehte. An eine der Wände gemalt war ein grosser, runder Fleck, der wie ein Auge ohne Pupille aussah. Die Decke leuchtete in einem matten, weisslichen Licht, das ab und zu leichte Grautöne ausschickte. Die Kacheln am Boden des Raumes wiesen eine so feine Struktur auf, dass man sie erst klar sah, wenn man sich niederbückte. Eine Tür, die hinaus- oder hineinführte, gab es nicht. Der Mann und die Frau trugen kaum Kleider, und an ihren Füssen und Zehen waren Klingen so angebracht, dass sich ihre spitzigen Enden in die Gestalt mit schwarzem Tuch vergruben. Blut tropfte unter dem Tuch hervor und bildete langsam eine grösser werdende Lache unter dem Körper der Gestalt.

„Nun denn also sind wir angekommen“, sagte die Frau mit tiefer Stimme.

Der Mann bestätigte mit einem Nicken und wandte ihr den Kopf zu.

„Das Grosse. Suchen wir das Grosse noch? Oder haben wir es bereits gefunden?“, fragte die Frau.

„Wer weiss, wo es sich befindet“, erwiderte der Mann und vergrub die Finger noch tiefer in die Gestalt. Ein leises Seufzen erklang.

Die Frau sah sich langsam im Raum um. „Wenn es hier ist“, folgerte sie, „dann haben wir es wohl noch nicht gesehen.“

„Ja.“ Der Mann sah zur Decke hinauf und streckte die Zunge raus. Nach einigen Sekunden lachte er heiser. „Ich weiss, ich weiss, wo es ist.“

„Wo denn?“, wollte die Frau sofort wissen. Ein erwartungsvolles Zittern lag in ihren Worten.

„Es ist dort oben. Das Grosse. Schau, dort ist es.“ Der Mann deutete auf eine kahle Stelle an der Decke, wo das Licht eine leichte, graue Schattierung angenommen hatte.

„Endlich!“, schrie die Frau begeistert auf. „Endlich!“ Vor Begeisterung schlug sie ihre Zehen in den Bauch der Gestalt, welche nun aufstöhnte und zusammenbrach. Doch die zwei Menschen bemerkten dies nicht mehr, da sie bereits aufgestanden waren und die Arme nach der grauen Stelle ausstreckten. Der augenartige Fleck an der Wand wurde noch schwärzer, und aus dem Schwarz gekrochen kam ein grosser Käfer. In der Ferne war ein Zug zu hören, der über Schienen rollte.


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